Monatsdigest

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 02 vom Februar 1 959

Date: 2016/12/01 00:11:43
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 10   40 Jahre Lehrer in Ostpreußen. 
Rinteln. Am 8. Januar 1959 feierte in körperlicher und geistiger Frische
Lehrer i. R. Richard Krups seinen 80. Geburtstag. Geboren in
Laugendorf/Ostpreußen, war er über vierzig Jahre in seiner Heimat im
Schuldienst tätig, zuletzt dreißig Jahre als erster Lehrer in Kulsen, Kreis
Angerburg. 

Als der Jubilar 1945 mit seiner Familie aus der Heimat fliehen musste, fand
er zunächst für ein Jahr in Schleswig-Holstein eine Zuflucht, siedelte aber
schon 1946 nach Niedersachsen über, wo er jetzt schon seit 1950 in Rinteln
bei seiner Tochter, die als Studienrätin an der Hildburgschule wirkt, lebt.
Der Jubilar, der lange Jahre am ostpreußischen Mundartwörterbuch
mitarbeitete, war in seiner Heimat als guter Lehrer bekannt, verehrt von
seinen Schülern; noch heute melden sich ehemalige Schüler und von ihm
unterwiesene Junglehrer bei ihm. Mögen diesem rüstigen ostpreußischen
Schulmann noch recht viele Jahre in Gesundheit und geistiger Regsamkeit
beschieden sein. 

Seite 10   Schulmann und Imker. 
Westerstede. Am 4. Januar 1959 konnte Hauptlehrer i. R. Adolf Behrendt
seinen 80. Geburtstag feiern. Der Jubilar stammt aus Bieberstein, Kreis
Gerdauen, nahezu vier Jahrzehnte hat er an der Schule in Mertensdorf, Kreis
Bartenstein, als Schulleiter gewirkt, wo er mehrere Jahre hindurch auch als
stellvertretender Bürgermeister tätig war. Neben allen schulischen Dingen
galt seine Liebe den Bienen, im Durchschnitt konnte er 60 bis 80 Völker sein
eigen nennen. Lehrer Behrendt war auch Vorsitzender des ältesten
ostpreußischen Imkervereins. Auch in seiner neuen Heimat hat ihn diese Liebe
nicht verlassen, wenn auch die Zahl der ihm gehörenden Bienenvölker heute
bei weitem nicht mehr so groß ist wie ehemals in der Heimat. 

Der Jubilar kam nach der Vertreibung im Jahre 1945 in den Oldenburger Raum.
Im Mai 1956 konnte er mit seiner Ehefrau Margarethe geb. Nierenheim das Fest
der goldenen Hochzeit feiern. Von den drei Söhnen, die dieser Ehe
entstammen, ist einer im letzten Krieg gefallen, der zweite wirkt als
Direktor einer Baugesellschaft in Argentinien, während der dritte als
Kreisrechtsrat in Jever tätig ist. 

Lehrer Behrendt erfreut sich in seiner neuen Heimat nicht nur größter
Beliebtheit unter seinen heimatvertriebenen Schicksalsgefährten, die der im
BvD als Vertrauensmann vertritt, sondern in gleicher Weise auch unter der
einheimischen Bevölkerung.

Seite 10   Bücher, die uns angehen.
Teufel und Heiliger 
Josef Toman : Don Juan. Roman. Verlag Deutsche Volksbücher, Stuttgart 512
Seiten, Ganzln., DM 15,80. 
Wer, verführt durch den Titel, nach diesem Band greift, hoffend, mit der
Lektüre einige müßige Stunden lang auf ebenso leichte wie prickelnde Weise
unterhalten zu werden, wird enttäuscht sein; denn er wird dem Don Juan
landläufiger Vorstellung nicht begegnen, nicht einmal dem Namen nach. An
dessen Stelle findet er als Mittelgestalt den Knaben, Jüngling, Mann und
Greis Don Miguel Graf de Manara. Teufel und Heiliger, geliebt und gehasst in
gleicher Weise. Um ihn baut der Dichter (und man spürt es nach wenigen
Seiten: hier ist ein Dichter am Werk) ein Kolossalsitten- und - zeitgemälde
aus dem Spanien des 17. Jahrhunderts, dessen Stern im Verlöschen ist. Kriege
und rücksichtslose Eintreibungen pressen das Land immer mehr aus, lassen es
verarmen, züchten neben den Feudalschichten des Landes ein Millionenheer von
Bettlern und Elenden. Krank ist alles an dieser Zeit: Inquisitionstribunale
und Gotteslästerungen; alles steigert sich ins Extrem. Die Sitten lockern
sich, aus dem Schmutz kommt das schreckliche Gespenst der Pest über die
Städte. Graf Manara ist nur ein Spiegelbild seiner Zeit, er ist das Gefäß
für alle diese Erscheinungen. Zum Priester bestimmt, durchbricht er das
Verlogene und Heuchlerische, das wie feuchter Schwamm um Kirche und Glauben
wuchert; über eineinhalb Jahrzehnte jagt er dem Glück nach, der reinen
Liebe, die ihm die unmittelbare Berührung mit Gott bringen soll. Frauen
zeichnen seinen Weg, glückliche und mehr noch unglückliche, geschändete
Mädchen, betrogene Ehemänner, im Zweikampf Erschlagene — Blut und Hass. Der
Schrecken geht seinem Namen voraus. Längst ist er kein Suchender mehr: ein
wildes Tier, ein Teufel. Da begegnet ihm in dem Mädchen Girolama das Urbild
seiner Sehnsucht, und es hat den Anschein, als sollte sich nun alles doch
noch zu einem glücklichen Ende wenden. Aber jetzt, herausgenommen durch das
Glück dieser Liebe aus seinem bisherigen Leben, steht in seinem Gewissen die
unermessliche Schuld dieser Jahre auf, hetzt ihn die Angst. Er flieht mit
Girolama in die Berge; das unwirtliche Klima wirft die zarte Frau auf das
Totenbett. Miguel ist ein Zerbrochener, er sieht keinen Sinn mehr, durch
Selbstmord versucht er der Gellebten zu folgen. Aber der Tod nimmt ihn nicht
an. Langsam vollzieht sich in ihm nun die echte Umkehr: er tritt als Bruder
in den Orden der Caridad ein. Hier wird er ein Diener der Ärmsten und
Elendsten, der Kranken und Aussätzigen, der Verstoßenen der Gesellschaft,
der Gefallenen und Verkommenen. Er verkauft seine Paläste und Besitzungen
und baut mit dem Erlös in Sevilla eines der größten und modernsten
Krankenhäuser seiner Zeit, die Böden belegt mit den Marmorplatten seines
Palastes, und verpflichtet dafür die besten Ärzte Spaniens; ein Krankenhaus
für die Ärmsten der Armen. Im Pestjahr 1679 stirbt er als letztes Opfer von
Sevilla an der schwarzen Seuche, nachdem er zuvor unermüdlich in den
Seuchenvierteln der Stadt unterwegs war, helfend, heilend und tröstend,
beispielgebend. Man nannte ihn einen Heiligen. 

Man liest das umfangreiche Werk in einem Atemzuge. Spannend die Handlung, in
oft verwirrender Folge reihen sich die knappen Bilder. Historisch getreu der
ganze Hintergrund, überzeugend, packend, verzaubernd. Die Sprache, die eines
Dichters von seltener Gnade. Bilder, wie dieses, bleiben unvergesslich im
Ohr: „Auf dem Dorfplatz loderten Feuer, und der Duft verbrannten
Buchsbaumholzes reizte die Schnauzen der streunenden Hunde. Der Mond, die
gelbliche Sichel, senkte sich in die Milchstraße und mähte die weißen
Blumen“. 

Der tschechische Dichter Josef Toman schrieb dieses Werk bereits in den
letzten Kriegsjahren (die tschechische Erstveröffentlichung 1944). Erst
jetzt aber erkannte man die literarische Bedeutung dieses Buches. Zugleich
mit der deutschen Übersetzung (die in Franz Peter Künzel einen kongenialen
Interpreten fand) erscheint das Werk in fünf weiteren Ländern, so auch in
England und Norwegen. Ein Buch, das wie selten ein anderes, größte
Aufmerksamkeit verdient, ein Dichter, dem man viele Freunde wünscht.  

Wolfgang Schwarz: Die unsichtbare Brücke. Verlag Otto Aug. Ehlers,
Berlin-Darmstadt. 175 S.. Ln., DM 9,80. 
Ein neues Russlandbuch des begabten ostdeutschen Autors, der vor Jahren mit
dem Erlebnisbuch seiner sibirischen Kriegsgefangenschaft  „Des Ostwinds
eisiger Psalm" aufhorchen ließ. — Hier erzählt Wolfgang Schwarz die
Geschichte seines russischen Mitgefangenen David, wie er sie ihm in einem
Bergwerk am Altai erzählt hat. Im Hintergrund dieser Erzählung ersteht die
jüngste russische Geschichte, von den Revolutionsjahren angefangen. Die
unsichtbare Brücke steht symbolisch für seinen kometengleichen Aufstieg,
zudem aber auch für seinen jähen Absturz in die Tiefe: einmal war es die
unsichtbare Pontonbrücke über die Wolga, die die deutsche Front im Osten
aufbrach und die Gegenoffensive der Sowjets einleitete, das andere Mal jene
unsichtbare Brücke, die er als General bei den
Waffenstillstandsverhandlungen dem besiegten Gegner schlagen wollte. Beide
ein entscheidender Wendepunkt in seinem Leben: Aufstieg und Sturz. In der
Hölle Sibiriens aber fand er den Sinn des Lebens, fand die unsichtbare
Brücke seine letzte Ausdeutung, und er baute an ihr: dass die Menschen
zueinander finden können. Ein Buch, das, wie kein anderes, unserer Zeit not
tut.

Zwei neue Elbinger Hefte 
Helmut Hildebrandt: Das Bordtagebuch der „Möwe“. Nr. 24 der Reihe „Elbinger
Hefte“, hrgg. von Dr. Fritz Pudor. 52 S., 3 Kunstdrucktafeln, DM 3,30. 

Hans-Jürgen Schuch: Wiedersehen mit Elbing. Nr. 25 der Reihe. 55
Kunstdruckseiten mit 29 Abb., DM 3,90. 
Die „Möwe" vermittelte Jahrzehnte hindurch neben einigen anderen
Dampfschiffen den Personenverkehr zwischen Elbing und dem auf der Frischen
Nehrung gelegenen Ostseebad Kahlberg. An diese Zeit knüpfen die
Jugenderinnerungen des Verfassers an. Im zweiten Weltkrieg hatte die „Möwe"
— vor allem gegen Kriegsende — andere Aufgaben zu erfüllen. In der Rettung
von Vertriebenen und verwundeten hat ihre Besatzung anerkennenswerte
Leistungen vollbracht, bis das Schiff selber zu einem „Vertriebenen" wurde.
Das Bordtagebuch gibt darüber, manche bemerkenswerte Auskunft, mehr aber
noch die sehr lebendige Plauderei des Verfassers mit dem Kapitän der „Möwe.
In dem Einzelschicksal des Dampfers rollt ein düsterer Zeitabschnitt ab,
dessen schwerwiegende Auswirkungen heute ebenso ungewiss sind wie die
Zukunftsaussichten des Schiffes. 

In die Gegenwart, in das zurzeit polnisch verwaltete Elbing, führt Heft 25
hinein. Hans-Jürgen Schuch hat sich vor einiger Zeit gründlich in seiner
Heimatstadt umgesehen und — abgesehen von der Landschaft — insgesamt kein
erfreuliches Wiedersehen gehabt. Trotz einiger Ansätze ist im Wiederaufbau
der Stadt noch nichts Entscheidendes geschehen. Diese Feststellung trifft
nicht die heute im Stadt- und Landkreis lebende polnische Bevölkerung,
sondern die mit der Verwaltung beauftragten Stellen. Der Verfasser besuchte
auch den Elbinger Landkreis und gibt davon und von seinen Ausflügen nach
Marienburg und Danzig gleichfalls seine Eindrücke wieder. Zahlreiche
Abbildungen unterstreichen die sachkundige und von starker Heimatliebe
erfüllte Schilderung in wirksamer Weise. 

Herbert Wessely: Schmaler Pfad. Lyrik und Prosa. Bogen-Verlag,
München-Stuttgart. 48 S., Pappbd., DM 3,20. 
Eine Handvoll Gedichte mit eingestreuten kleinen Schilderungen, die das
innige Verhältnis des Dichters zur Natur und den stummen Dingen um uns
spürbar werden lassen. Zeilen wie diese: „Halme spürt die Haut" oder „Über
dem blauen Berg beginnt der Mond zu blühen" lassen beglückt erkennen, dass
Wessely zu diesem unzeitgemäßen und schon viel beanspruchten Thema manches
neu und durchaus zeitgemäß zu sagen weiß. Keine laute Stimme, aber eine
Stimme, der man sich getrost anvertrauen kann. 

Arabische Welt 
Erich Kern: Algerien in Flammen. Ein Land kämpft um die Freiheit.
Plesse-Verlag, Göttingen. 381 S., 24 Bildseiten. Ln., DM 16,80. 
Ein überaus fesselndes Buch — eine Verbindung zwischen Tatsachenbericht und
Eigenerlebnis. Es behandelt die Geschichte des algerischen Freiheitskampfes
von 1830 bis zum heutigen Tage. Abseits der offiziellen Versionen und
zweckgelenkter Propaganda spürt Kern den Hintergründen des algerischen
Dramas nach und schrieb eine atemberaubende Geschichte, die uns aufhorchen
lässt. Hier zeigt es sich wieder einmal, wie tief die Kluft zwischen den
allgemein bestehenden Vorstellungen und der Wahrheit ist. Das Buch trägt
dazu bei, dass vieles, was in unserer Zeit geschieht, in Verbindung mit
einem der brennendsten Probleme der Weltpolitik besser verstanden wird. 

Freda Utley: Arabische Welt — Ost oder West. Plesse-Verlag, Göttingen. 232
S., Ln. DM 12,80. 
Die bekannte Autorin des weltbekannt gewordenen Buches „Kostspielige Rache"
schrieb hier ein hochaktuelles Buch, das die gesamten Spannungsprobleme im
Nahen Osten erschöpfend kommentiert und so der Erhaltung des Friedens dient.
Der Schauplatz des kalten Krieges hat sich in unmittelbarer Fortführung des
zweiten Weltkrieges aus dem feinen Ostasien nach dem Nahen Osten verlagert
und ist im Begriffe, zur größten Gefahr für den Frieden zu werden. Freda
Utley umreißt in ihrem neuen Werk alle Probleme, die die Gefahr im Nahen
Osten auslösen, und zeigt mutig die Hintergründe auf, die zu den jüngsten
Entwicklungen in dieser weitgehend führten.


[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 02 vom Februar 1 959

Date: 2016/12/01 10:07:59
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 11   Wir gratulieren!
88. Geburtstag 
Rentner Karl Paulokat, ältester männlicher Einwohner der Gemeinde Ahnsbeck,
Kreis Celle, am 11. Januar 1959 in körperlicher und geistiger Frische. 

85. Geburtstag 
Obergerichtsvollzieher i. R. August Neubauer aus Gerdauen, gebürtig aus
Praßfeld, Kreis Gumbinnen, am 17. Januar 1959 in Diepholz, Lange Straße. Der
Jubilar leitete in den Jahren 1939 bis 1945 als amtierender Bürgermeister
die Geschicke seiner Heimatstadt Gerdauen. 

82. Geburtstag 
Witwe Minna Grunwald, aus Köndgsberg/Pr., Rippenstraße 25, am 12. Februar
1959 in Seesen a. H., Talstraße 57, bei bester Gesundheit. 

80. Geburtstag 
Margarete Fromcke geb. Doebler aus Königsberg/Pr., Tragheimer Pulverstraße
18/19. am 7. Februar 1959 in Landshut/Bayern, Troppauer Str. 31, wo die
Jubilarin bei ihrer Tochter Else Schmidtke und deren Familie ihren
Lebensabend verbringt. 

Textilkaufmann Paul Engelke aus Hohenstein Ostpreußen, am 2. Februar 1959 in
Weilheil/Teck, Bahnhofstraße 15. Der Jubilar hatte bis zur Flucht 1945 in
Hohenstein ein Textilgeschäft. 

79. Geburtstag 
Charlotte Schmilewski, Spätaussiedlerin aus Paterschobensee, Kreis
Ortelsburg, am 5. Februar 1959 in Seesen a. H.. Lange Straße 29. 

78. Geburtstag 
Elfriede Wabbels, geb. Schiemann aus Königsberg/Pr., Zeppelinstraße 9. am
11. Februar 1959 in Königsstein i. T., Oehlmühlweg 25, wo die Jubilarin bei
ihrer Tochter Lisa lebt. 

Februar-Geburtstagskinder in Flensburg 
Maria Scheffel, aus Königsberg am 01.02.1959, 84 Jahre alt, wohnhaft Kloster
„Heiliger Geist". 

Marie Graw, aus Wormditt am 10.02.1959, 83 Jahre alt, wohnhaft Blücherlager
B 7. 

Wilhelmine Grahl, aus Königsberg am 12.02.1959, 87 Jahre alt, wohnhaft Rote
Straße 24. 

Emilie Hildebrandt, aus Königsberg am 20.02.1959, 84 Jahre alt, wohnhaft
Ulmenallee 11. 

Erna Götz, aus Danzig-Langfuhr am 21.02.1959, 70 Jahre alt, wohnhaft
Mühlenholz 49. 

Christine Döring, aus Elbing am 19.02.1959, 86 Jahre alt, wohnhaft
Mühlenholz 25. 

Gertrud Schulz, aus Königsberg am 20.02.1959, 84 Jahre alt, am Lachsbach 10.


Das Heimatblatt der Ost- und Westpreußen, die „Ostpreußen-Warte", gratuliert
allen Jubilaren von Herzen und wünscht recht viel Glück und auch weiterhin
beste Gesundheit.

Seite 11   Dank an Elbinger Polizeibeamten 
Am letzten Tag des alten Jahres trug Polizeimeister Emil Rombusch zum
letzten Male die Polizeiuniform: nach fast 42-jähriger Dienstzeit wurde er
von Polizeirat Boesch in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Der
Polizeirat lobte in der Abschiedsrede die Besonnenheit, Umsicht,
Gewissenhaftigkeit und große Pflichttreue dieses Beamten. 

Rombusch, der zuletzt im Sektionsbezirk Deichhorst tätig war, trat 1920 in
die Schutzpolizei in seiner Heimatstadt Elbing ein. Er verrichtete seinen
Dienst zum größten Teil in Ostpreußen, bis er 1947 als Vertriebener nach
Westerstede verschlagen wurde. Im Jahre 1955 wurde er nach Delmenhorst
versetzt, wo er bis zum Eintritt in den Ruhestand wirkte. 

Polizei-Hauptkommissar Kinny, der Leiter des Polizeiabschnitts Delmenhorst,
betonte in seiner Ansprache, es freue ihn ganz besonders, dass die Polizei
so viele heimatvertriebene Kameraden in ihren Reihen hat. Die Polizei in der
Bundesrepublik habe sich in ganz besonderem Maße der vertriebenen Kollegen
angenommen. Im Namen der Delmenhorster Polizei übereichte er dem
Polizeimeister ein Präsent. Ebenso Polizei-Obermeister Eilers, der ihm im
Namen der Polizeigewerkschaft ein Buch überreichte. 

Seite 11   Kameradschaft Luftgau I 
Unser Suchdienst 
Wer kannte den Zahlmeister Hugo Boehlke von der Verwaltung Lgk I und kann
über dessen Beamteneigenschaften bzw. seine Tätigkeit definitive Angaben
machen? Zur Regelung ihrer Versorgungsansprüche sucht Frau Boehlke ehem.
Kameraden, welche durch entsprechende Angaben helfen können. Angaben
erbittet der Schriftführer der Kameradschaft, Wilhelm Gramsch, Celle,
Waldweg 83. 

Wer kann dem ehem. Flugwerkprüfer Paul Sahlmann seine Dienstzeiten bzw.
seine Einstufung nach TOA bestätigen? Sahlmann hat seine Lizenz im Jahre
1939 in Jüterbog erworben und war dann bei der Prüfgruppe der Werft in
Heiligenbeil tätig. Er braucht diese Bestätigung dringend für seine jetzige
Tätigkeit, Angaben erbeten an: Paul Sahlmann, Münster/Westf., Kampstraße 22.


Dipl.-Ing. Max Laskowski war vom 1. Juni 1937 bis 21. November 1939 als
Sachbearbeiter für Luftschutz usw. bei der Baugruppe des Lgk. I tätig.
Infolge falscher Anschuldigungen wurde Laskowski von der Gestapo verhaftet,
verlor seine Stellung, obwohl er wieder in Freiheit gesetzt wurde. Als
Schwerversehrter des Weltkriegs 1914/1918 ist er erst kürzlich als
Spätaussiedler aus Ostpreußen gekommen und besitzt keinerlei Papiere, die
über den Erwerb seiner Diplome oder seine damalige Tätigkeit und seine
Entlassung Aufschluss geben könnten. In diesem Zusammenhang werden gesucht:
Reg. Oberbaurat Natalis als Chef der Baugruppe, Baurat Holtz, der
Registrator Otto Kemsis und der Ang. Ernst Bando, welche hierüber
erschöpfende Auskunft geben könnten. Laskowski hat seit 1945 noch 13 Jahre
unter Russen und Polen gelebt und dadurch gesundheitlich und wirtschaftlich
sehr gelitten. Angaben erbeten an: Dipl.-Ing. Max Laskowski, Rastatt/Baden,
Leopoldring 8, Kreislager oder an den Schriftführer der Kameradschaft. 

Der ehem. Werkmeister der Lw. Wilhelm Schrade hat 1942 bei der höheren Fl.
Techn. Schule in Jüterbog die Werkmeisterprüfung mit Erfolg abgelegt. Er war
in der Folgezeit bei den Werften Seerappen und Gutenfeld tätig. Für die
Prüfung und seine Tätigkeit braucht er den Nachweis. Wer kann Kam. Schrade
durch Angaben helfen? Mitteilungen erbeten an: Wilhelm Schrade,
Krefeld-Uerdingen, Hohenbudberger Straße 31 oder an den Schriftführer der
Kameradschaft. 

Seite 11   Echter „Tilsiter" aus Niedersachsen. Geheimrezept aus der Heimat
mitgebracht — Den Norddeutschen zu scharf 
Wir folgen gern dem Reporter der „Zevener Zeitung", der kürzlich unseren
Tilsiter Landsmann, den Käsemeister Alfred Reiniger, in seinem Betrieb in
Schwarmstedt am Rande der Lüneburger Heide aufgesucht hat. Er schreibt:
Milch hält nicht jeder für ein köstliches Getränk. Aber selbst der
„eingefleischte" Milchgegner wird seinen Prinzipien meistens untreu, wenn
sich ihm die Milch in Gestalt von Käse repräsentiert. Käse ist ein
Volksnahrungsmittel wie Brot, Butter oder Wurst, dessen Verbrauch in den
letzten Jahren erheblich stieg. Zu verlockend ist aber auch die Auswahl der
vielen Käsesorten, vom weißen Schichtkäse, der dem Ausgangsprodukt Milch
noch am nächsten ist, über die vielen delikaten Weichkäsesorten bis zu den
mannigfachen Arten des Schnitt- und Reibkäse. 

Eine der ältesten bekannten Käsesorten ist der „Tilsiter", so genannt nach
seiner ursprünglichen Herkunftsstadt in Ostpreußen, wo man jahrzehntelang
das Geheimnis seiner Herstellung hütete. Als nach dem Zusammenbruch die
Heimat des „Tilsiter" hinter den Eisernen Vorhang gerückt war, wunderte sich
mancher, unter dem nach der Währungsreform wieder reichhaltig gewordenen
Käseangebot auch den Namen „Tilsiter" zu finden. 

Man war skeptisch. War es nur eine mehr oder weniger gelungene Nachahmung?
Das ist nicht der Fall. Es gibt auch heute noch echten Tilsiter Käse, nach
dem Originalrezept von einem „echten" Tilsiter Käsemeister hergestellt, der
sich in Schwarmstedt (Kreis Fallingbostel) angesiedelt hat. 

Käsemeister Alfred Reiniger (54) setzt hier seit zehn Jahren die alte
Tradition der „Tilsiter“-Herstellung fort. Seit 1920 arbeitete er in seiner
ostpreußischen Heimat in diesem Fach, und heute gilt sein „Tilsiter" aus
Schwarmstedt als der beste in der Bundesrepublik. Ein wenig unterscheidet
sich der Schwarmstedter „Tilsiter" allerdings von seinem ostpreußischen
Vorfahren. 

In Ostpreußen ließ man den Käse drei Monate reifen, um einen besonders
kräftigen Geschmack zu erzielen. Inzwischen hat sich der
Verbrauchergeschmack geändert: Der Käufer in Norddeutschland bevorzugt jetzt
einen „milden" Tilsiter, der nur etwa sechs Wochen in der Reifekammer zu
liegen braucht. In Süddeutschland wird dagegen nach wie vor der „schärfere"
Käse geschätzt.

Seite 11   Turnerfamilie Ostpreußen-Danzig-Westpreußen 
Anschrift: Wilhelm Alm (23) Oldenburg (Oldb) Gotenstraße 33. 
Der Aufruf des Kuratoriums Unteilbares Deutschland „Macht das Tor auf" ist
durch einen Appell des Vorsitzenden des Deutschen Turnerbundes allen Turnern
und Turnerinnen noch besonders nahegebracht worden. Wir alle sind damit
angesprochen. Als Heimatvertriebene liegt es uns ganz besonders am Herzen,
die Freizügigkeit wiederzuerlangen und die Verbindung zu unsern Schwestern
und Brüdern jenseits der Trennungslinie bis nach unserer angestammten Heimat
hin nicht abreißen zu lassen. Haltet den Briefverkehr mit den Freunden
drüben aufrecht und knüpft, soviel als möglich neue Fäden. Auf Wunsch stelle
ich Euch Anschriften hierfür zu. Als Turner wollen wir in vorderster Linie
für die Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit mitwirken! 

Allen im Februar Geborenen herzliche Geburtstagsglückwünsche! Der vollen
Zehner und der Ältesten sei besonders gedacht. Es werden 40 Jahre alt: 

am 02.02.1959: Hans Plumpe (TuF Danzig), 40 Jahre; 

am 06.02.1959: Hans-Werner Mertinat (Lyck), 50 Jahre.
am 17.02.1959: Willy Kujawski (Tgm Danzig), 50 Jahre;
am 22.02.1959: Charlotte Tischer-Troyke (Zoppot), 50 Jahre; 

am 16.02.1959: Charlotte Freitag-Preuß (KTC Königsberg), 70 Jahre; 

am 01.02.1959: Adolf Saßermann (Marienburg/Marienwerder), 81 Jahre. 

Turnschwester Elisabeth Schmidt KMTV 1842 ist über die vielen Glückwünsche
zu ihrem 80. Geburtstag tief gerührt, kann aber unmöglich jedem persönlich
antworten. Sie hat durch eine Anzeige ihren Dank ausgesprochen und lässt
auch durch mich hiermit allen herzlichst danken. 

Wer kennt die neuen Anschriften der unbekannt verzogenen Turnbrüder und
Turnschwestern: 
Karl Baering (Allenstein), 
Ilse Becker (Tgm Danzig), 
Friedel Bendorf (Gumbinnen), 
Willy Berk (Elbing), 
Otto Bialke (Tgan Danzig), 
Resi Breitenbach (Insterburg), 
Lita Broszeit (Pillau), 
Hilde Buchmann (Lyck), 
Eva Derfert (FrTV Danzig), 
Dankmara Derichs (FrTV Königsberg), 
Emil Ecker (Zoppot), 
Hedwig Eitner (KTC Königsberg), 
Herta Fischer (FrTV Danzig), 
Charl. Fratz (Elbing), 
Heinz Friedrich (KTC Bbg.). 
Herbert Gajek (TuF Danzig). 
Heinz Galilea (Treuburg), 
Klaus Dieter Geerdts (Zoppot). 
Paul Gehrmann (Lyck), 
Helmut Glashagen (TuF Danzig), 
Paul Grutteck (Heinrichswalde), 
Walter Gustmann (Treuburg), 
B. Just (KTC Kbg.), 
Mia Kirstein (Treuburg). 
Willi Koslowski (Treuburg), 
Fanny Krüger (Zoppot), 
Hannelore Krüger (Zoppot), 
Doris Kunz (KTC Kbg.), 
Ingrid Lessiew (FrTV Danzig), 
Siglinde Lewald (KTC Kbg.). 
Werner Löffler (Pillau), 
Helga Ludewig (Lyck). 

Erbitte Nachricht. Onkel Wilhelm

Seite 11   Landbriefträger Ernst Trostmann erzählt. (66)
Liebe ostpreißische Landsleite! 
Wie ich mir kirzlich in unsere friehere Verwandtschaft umkickd, da fiel mir
der Johann Koschorrek ein. Er war all e alter Mann, wie ich noch inne Schul
ging, denn er hadd 64, 66 und 70/71 mitgemacht und es bis zum Scherschant
gebracht. Denn zwischendurch war er gar nich erst zu Haus gegangen, sondern
gleich dageblieben Er hädd also kaptuliert, wie es damals genannt wurd. 

Nu war er aber e bissche geistig unterernährt und machd sich Sorgen, wo er
zuletzt mit seinem Zwölfender-Schein unterkommen solld. Da wurd e Stell als
Hoflakai bei die Königin ausgeschrieben, wo es nich so doll aufem Geist
ankam, sondern auf gute Fiehrung, auf e große, stattliche Figur und auf e
scheenem, schwarzem Schnurr- und Backenbart. Mitte Fiehrung und mitte Figur
ging es, denn er war bald eins achtzig groß, e scheenem Bart hädd er auch,
bloß der war nich schwarz genug, sondern schimmerd anne Enden e bissche
blond, und dadran konnd emmend vleicht de ganze Bewerbung schief gehen.
Deswegen erbot sich einer von die Resärwe-Unteroffziere, ihm zu färben,
indem dass er als Droschist das gut verstand, sagd er. Und der Johann ließ
sich auch dadrauf ein, kriegd allerhand Schemlkaljen aufgeschrieben, wo er
einkaufen missd, und einem Sonnabend nachmittag ging denn los. 

Aufem Kasernenhof, wo sich bald das ganze Batalljohn versammelt hadd, kriegd
er e 
Schemel unterm Dups geschoben, e Bettlaken als Frisiermantel umgehongen, und
denn nahm ihm der Droschist vor. Erst wurd der Bart mit heiße Seifenlaug
gewaschen und mit eine Säure eingerieben, bis er rötlich-gelblich war. Denn
wurd e Pulver in heißes Wasser aufgelöst, und der Bart mit diese Lösung so
lang gebirst, bis er blau war. Nich der Johann, wo in die heiße Sonn
schwitzen tat wie e Aff, sondern der Bart! 

„Das is de Grundfarb", meind der Droschist, „und nu kann ich erst richtig
anfangen. Denn hat er sich noch ziemlich zwei Stunden abmarachelt und nich
Ruh gelassen, bis der Bart zuletzt tatsächlich tiefschwarz war. Aber er
blänkerd wie e Lackstiefel, dass der Joahnn sich nich untre Menschen sehen
lassen konnd. 

„Bis morgen frieh is der Glanz weg", sagd der Droschist, und der Joahnn
freid sich, dass ihm die scharfe Säure bloß an vier Stellen das Gesicht
verbrannt hädd. Der Glanz war auch weg, aber von die scheene, schwarze Farb
war Sonntag morgen auch nuscht mehr zu sehen, sondern der Bart sah aus wie e
Tuschkasten, rötlich-blau mit gelbe Kleckse und grau-griene Streimels, dass
er hädd könnt als August im Zirkus gehen. Der Droschist kriegd von ihm links
und rechts fiere Fress, der scheene Bart mussd runter, und ohne dem konnd er
natierlich nich mehr keenigllcher Hoflakai werden. So war sein Traum aus, in
die heehere Gesellschaftsschichten aufzusteigen, er blieb mit beide Fieße
aufe Erd und war dankbar und zufrieden, dass se ihm wegen hervorragende
Fiehrung und gewissenhafte Pflichterfillung e Posten als
Hilfsschrankenwärter bei die Deutsche Reichsbahn gaben, wo er in die Gegend
von Kobbelbude fimfunddreißlg Jahre trei und fleißig de Schaaken rauf- und
runterkurbeln tat, wenn e Zug kam. Denn haben se ihm pengsjoniert, und er
mussd mit seine Frau — iebrigens auch e geborene Kroppatsch, wie unser
Weihnachts-Loschierbesuch Amanda — de Dienstwohnung räumen, weil sein
Nachfolger all dadrauf lauern tat. 

Bloß wohin nu mittem Johann, wo am liebsten inne Sielen sterben wolld, denn
ohne Eisenbahn konnd er nich mehr leben, und wenn er auch pängsjoniert war,
er fiehld sich weiter verantwortlich fier die Schranken, wo er so viele
Jahre gekurbelt hädd. Da fand de Bahn e gutem Ausweg, indem dass se ihm fier
billiges Geld und auf Raten e ausrangschiertem Dritterklasse-Wagen verkaufd,
e paar Geleise und zwei Prellböcke. Denn kriegd er noch e Stickche Land
vonne Bahn, wo er de Schienen festmachen und dem Wagen raufstellen konnd.
Und wie er ihm denn hibsch als Wohnung eingericht hädd und durchem Fenster
tagieber de Schranken kontrollieren konnd, wenn e Zug kam, war er der
glicklichste Mensch untre Sonn. 

Da kam mit eins der Herr Reichsbahnrat, wo ihm dem Waggon verkauft hädd, de
Statzjohn rewendieren, und wie er heerd, dass der alte Koschorrek noch am
Leben war, beschloss er, ihm zu besuchen. Er fuhr mit seinem Auto bis an dem
Eisenbahnwagen ran, wo der Johann wohnd. Es regend, was vom Himmel kommen
konnd, aber der Johann ging, das Pfeifche im Maul, stolz vor seinem
Eigenheim auf und ab. 

„Nanu, Herr Koschorrek", meind der Herr Rat, „schimpft vleicht de Muttche,
wenn Sie ihr de Gardienen verreichern?" „Das gerad nich", sagd der Johann,
„aber der Herr Rat werden entschuldigen, ich hab nich aufgepasst, wie ich
dem Wagen kaufd, sonst hadd ich missd sehen, dass es einer mit lauter
Nichtraucherabteile is“. Das ist ein Pflichtgefühl, wie man es nur selten
findet, dachd der Herr Rat und nahm sich vor, dem Johann im nächsten Jahr
wieder zu besuchen. 

Und er kam auch wirklich und fuhr mittem Statzjohnsvorsteher beim alten
Koschorrek hin. Diesmal regend es nich, sondern de Sonnche knalld vom Himmel
runter die Leite aufem Pelz, dass se man knapp, noch pusten konnden. Und da
sieht er mit eins, dass dem Johann sein Wagen immer hin- und herfährt, von
einem Prellbock bis zum andern, und wieder zurick. „Was mag da los sein?"
fragt er, aber der Statzjohnsvorsteher kann ihm das auch nich erklären. Wie
se dichter rankommen, sehen se, dass der Johann dem Wagen schiebt. Er stehnt
und jappst und wischt sich dem Schwitz mittem Ärmel vonne Stirn. 

„Aber mein lieber Herr Koschorrek", sagt der Herr Reichsbahnrat, wie er
außes Auto hoppst, „was plagt Sie bloß, in dieser Hitze den Wagen hin- und
herzuschieben?" „Ja, Herr Rat", meint der Johann, „das mach ich jedem Tag
einmal. Meine Altsche sitzt aufem Abort, und das werden der Herr Rat doch
auch wissen, dass de Benutzung des Abortes während des Aufenthaltes auf eine
Statzjohn nich gestattet is. Das Wichtigste bei e Bahn sind immer die
Vorschriften!" 

Da dreht sich der Herr Bahnrat zum Statzjohnsvorsteher um: „Mein lieber Herr
Jessat, nehmen Sie sich an unserm braven Koschorrek ein Beispiel, sonst
werden Sie niemals einen größeren Bahnhof bekommen. Ein derartiges
Pflichtbewusstsein sollten sich alle unteren Beamten zu eigen machen“.

Der alte Johann lebd noch e paar Jahre, denn starb er an einem beesartigen
Geschwulst, wo se zuerst fier e gutmietigem gehalten hädden, aber ich denk
immer gern an ihm zurick, denn er war wirklich e guter Mensch. Auch
kollegial fiehl ich mir mit ihm verbunden, wenn er auch bloß bei die Bahn
war und nich bei die Post. Aber wie vor e paar Wochen so richtig stiemd,
dass einer nich Hand vor Augen sehen konnd, war ich doch froh, dass ich nich
de Tasch umhängen und viele Kilometer durchem tiefen Schnee latschen mussd
wegen die Briefe und die Zeitungen, wo de Leite dadrauf lauern tun. De Post
muss ebend bei jedem Wetter raus. Und wenn de Bahn stecken bleibt, denn muss
auch gut sein. De Post bleibt nich stecken, denn e richtiger Landbriefträger
kommt ieberall durch. Herzliche Grieße Ihr alter Ernst Trostmann
Landbriefträger z. A.

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 02 vom Februar 1 959

Date: 2016/12/01 11:35:47
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 12   Familienanzeigen
Am 9. Januar 1959 verstarb nach schwerer Krankheit im 84. Lebensjahr zu
Fürstenwalde (Spree) unser lieber Turnbruder Max Tribukait.  Am 21. August
1894 trat er zu Königsberg in den KMTV 1842 ein, wurde bald in die
Vorturnerschaft aufgenommen und bewährte sich in stillem, freudigem Einsatz
überall, wo es galt, zuzupacken. Sein Beruf führte ihn schon vor Jahrzehnten
nach Berlin. Er blieb aber der Unsrige und hielt dem Verein bis zum Tode die
Treue. In den Herzen aller KMTVer und in den Annalen des Vereins wird ihm
für alle Zeiten ein ehrendes Andenken bewahrt bleiben. Königsberger
Männer-Turn-Verein von 1842 Wilhelm Alm 

Allen lieben Freunden und Bekannten vor allem den Turnschwestern und
Turnbrüdern vom Königsberger Männer - Turn - Verein von 1842 sage ich auf
diesem Wege meinen herzlichsten Dank für die Fülle der Glückwünsche zu
meinem 8 0. Geburtstag am 14. Dezember 1958. Mir fehlt schlechthin die
Kraft, jedem einzeln und so persönlich zu antworten, wie es die lieben Worte
in den vielen Briefen und Telegrammen, wie es die begleitenden Blumen und
Angebinde erforderten. Neben der persönlichen Beglückung empfand ich immer
und immer wieder das hohe Maß an Verehrung und Liebe, das die Turnerschar
heute noch meinem am 22.04.1950 verstorbenen Gatten Georg Schmidt in
Ansehung seiner unermüdlichen Arbeit für „seinen" KMTV entgegenbringt. Die
guten Wünsche aller Gratulanten erwidere ich auf das herzlichste mit besten
Grüßen. Elisabeth Schmidt, geb. Raudies (früher Königsberg/Pr.)

VI 281/58 
Öffentliche Aufforderung
Am 4. Dezember 1953 ist in Bremen die zuletzt in Neuenkirchen (Unterweser)
wohnhaft gewesene ledige Auguste Brosowski. geboren am 01.12.1881 in
Treuburg (Westpreußen) als Tochter der Eheleute August Brosowski und Frau
Auguste (Juste) Brosowski, verw. Segatz, geb. Lukaschewski, gestorben. 

Die eventuell vorhandenen Abkömmlinge der Erblasserin, insbesondere deren
angeblicher Sohn Hans Brosowski, zuletzt wohnhaft in Königsberg (Pr.),
werden aufgefordert, sich bei dem unterzeichneten Gericht bis zum 1. April
1959 zu melden, da andernfalls ihre Erbrechte in dem hier beantragten
Erbscheinverfahren nicht mehr berücksichtigt werden. 

Alle Personen, die über die Verwandtschaftsverhältnisse der Erblasserin,
insbesondere über deren genannten Sohn und seiner eventuellen Ehefrau und
Kinder, Angaben machen können, werden gebeten sich bei dem unterzeichneten
Amtsgericht zu melden. 
Amtsgericht Osterholz-Scharmbeck den 8. Dezember 1958. 

Seite 12   Suchdienst 
Gesucht wird: 
Fräulein Ella Kislat, geb. 1896, früher wohnhaft in Königsberg, Preußen,
Artilleriestraße, von Frau Frieda Pfaff, Celle/Hannover, Mauernstraße 52.
Zweckdienliche Mitteilungen erbeten.
 
Seite 12   Es starben fern der Heimat.
Postinspektor i. R Rudolf Claaßen, aus Marienburg/Westpr. im Alter von 90
Jahren in Eystrup. 

Lehrer i. R. Eduard Hammler, aus Marienwerder im Alter von 86 Jahren am 4.
Januar 1959 in Bispingen. 

Witwe Elisabeth Oberpichler, geb. Mittner, aus Tilsit im Alter von 86 Jahren
am 4, Januar 1959 in Oldenburg i. O.

Wilhelmine Reinhardt, geb. Sokat, aus Tilsit im Alter von 76 Jahren am 17.
Januar 1959 in Oldenburg i. O. 

Elfriede Stank, geb. Nogatzki, aus Fuchsberg, Kreis Königsberg/Pr., im Alter
von 70 Jahren 10. Januar 1959 in Estorf/Weser. 

Möge unseren lieben Toten, die fremde Erde leicht sein!

Seite 12   Aus den Landsmannschaften.
Itzehoe 
„Man spricht am Jahreswechsel gern von kommenden Entscheidungen. Aber dieses
Mal ist es keine leere Phrase: „Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird 1959
das Jahr der Entscheidung über Deutschland sein“. Diese Feststellungen
standen im Mittelpunkt des Berichts zur heimatpolitischen Lage, den der 1.
Vorsitzende, Schulrat i. R. Grohnert in der letzten Sitzung des erweiterten
Vorstandes der Landsmannschaft Ost- und Westpreußen erstattete. Weiter
führte Grohnert aus: „Der Preis für die Wiedervereinigung ist heute höher
als vor sechs Jahren, als Moskau seine berühmte Deutschlandnote schickte,
aber noch ist dieser Preis nicht unerschwinglich. Mit Interesse verfolgen
wir die sich anbahnende Fühlungnahme der Sowjetunion mit den Vereinigten
Staaten. Wir können und wollen dieser Entwicklung nicht vorgreifen, doch
scheint es so, als ob eine Annäherung, wenn überhaupt, auf Kosten
Deutschlands erfolgt“. 

Auch der 2. Vorsitzende, Dr. Bahr, nahm zu diesem Problem Stellung und
betonte, dass man sich hüten solle, bei der Festlegung der deutschen Grenzen
bei der Wiedervereinigung wieder ein Pulverfass in unser Haus einzubauen und
damit den Frieden weiterhin zu gefährden. 

Bei dieser bedeutungsvollen Sitzung konnten auch der Vorsitzende des
BvD-Kreisverbandes Rüge und Vertreter der DJO als Gäste begrüßt werden. 

Die nächsten Termine: 
Am 21. Februar findet in Itzehoe der traditionelle „Pillkaller Jahrmarkt"
statt Die Vorbereitungen für diesen bunten Abend sind bereits angelaufen
und, wie in den Vorjahren, werden viele Überraschungen die Gäste erfreuen.
Schon heute sei verraten, dass das Pillkaller Standesamt in Baumanns
Gesellschaftshaus für Eheschließungen auf Probe oder für einige Stunden zur
Verfügung stehen wird. 

Am 15. März findet im Stadttheater eine öffentliche Feierstunde anlässlich
des zehnjährigen Bestehens der Ortsvereinigung Itzehoe der Landsmannschaft
Ost- und Westpreußen statt. Die Festrede wird MdB Reinhold Rehs-Kiel, früher
Rechtsanwalt in Königsberg, halten. 

Die Jahreshauptversammlung findet am 18. März in Baumanns Gesellschaftshaus
statt. Einzelheiten werden noch bekanntgegeben. 

Delmenhorst 
Vor kurzem veranstaltete die Mittelschule an der Holbeinstraße eine
„Ostdeutsche Woche", an deren Ausgestaltung das Lehrerkollegium, der
Instrumentalkreis der Schule und ihrer Freunde, Schulchor und Klassenchöre
und Sprecher aus verschiedenen Klassen beteiligt waren. Außerdem wurden den
Kindern mehrere Filme über Ostpreußen und Schlesien gezeigt. 

Jeder Tag der Woche war einer ostdeutschen Landschaft oder einem besonderen
Vorhaben gewidmet. Die Darbietungen wurden täglich zur gleichen Zeit über
die moderne Rundspruchanlage der Schule, teils direkt, teils vom Band aus,
an alle Klassen gesendet. Eine Großveranstaltung war wegen der zurzeit noch
fehlenden Aula nicht möglich. 

Eingangs der „Ostdeutschen Woche" sprach der Rektor der Schule Dr. Losch
über „Die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung der deutschen
Ostgebiete". Eine wohlausgewogene Schlesien-Sendung hatte die aus dieser
Provinz stammende Mittelschullehrerin Frau Bierhals arrangiert. Eine Reise
durch Pommern unternahm mit einem geschliffenen Vortrag der dort
aufgewachsene Konrektor der Schule Kiesow. Ost- und Westpreußen wurden in
einer von Mittelschullehrer Hübsch vielseitig zusammengestellten Sendung
lebendig. Den Abschluss machten zwei Lesungen Dr. Loschs, die einmal
ostpreußisches Platt und zum anderen eigene Nehrungsgedichte unter dem Titel
„Land zwischen Haff und Meer" brachten. 

In den Sendungen kamen gleicherweise Humor und Ernst. Landschaft und
Volkstum in Wort und Musik zum Vortrag und Klingen. Die musikalische
Gesamtleitung besorgte Mittelschullehrer Pfaffenreiter, und
Mittelschullehrerin Fräulein Treptow hatte die Klassenchöre einstudiert. Die
technischen Voraussetzungen für die Sendungen und Filmvorführungen schufen
die Mittelschullehrer Pfaffenreiter, Prunzel und Scholz. Mittelschullehrer
Behnke entwarf für den Treppenflur der Schule große Wappen der ostdeutschen
Provinzen. 

Die „Ostdeutsche Woche" der Mittelschule an der Holbeinstraße fand über den
Schulbereich hinaus einen erfreulichen und anerkennenden Widerhall. Das
bewiesen Besuche des Schulrats Lauw und der Vertreter ostdeutscher
Vertriebenenverbände. Vor allem aber nahm die Presse in mehreren Wort- und
Bildberichten regen Anteil an den Veranstaltungen, die der Schulgemeinde den
deutschen Osten erneut lebendig werden ließen. 

Lübbecke 
Der erste Heimatabend im neuen Jahr der Ortsgruppe der LO fand am 8. Januar
statt, die der Vorsitzende, Lm. Hardt, mit einer Neujahrsansprache
eröffnete. Berichte über das abgelaufene Jahr schlossen sich an. Den
Ausklang des Abends bildete eine Lesung von Frau Goerke mit heimatlichen
Humoresken. 

Espelkamp 
Die ostpreußischen Landsmannschaften des Kreisgebietes fanden sich am 24.
Januar zu einer großen Kundgebung in der Flüchtlingsstadt Espelkamp-Mittwald
zusammen. Die eindrucksvolle Festansprache hielt Rektor a. D.
Hardt-Lübbecke; sie wurde durch Rezitationen der Lübbecker Jugendgruppe
umrahmt. Lm. Hardt betonte besonders die Bedeutung der Jugendarbeit in
seiner Rede. Zur deutschen Frage im Ausland sprach Schriftsteller Otto
Pertz. 

Hannover 
Landsmannschaft Ostpreußen: 
Die diesjährige Generalversammlung der Gruppe Hannover findet am 11. März,
20 Uhr, in der Gaststätte „Schloßwende" statt. 

Heimatgruppe Königsberg: 
Am 28. Februar großes Winterfest mit Varieté, Tanz und Tombola in den
„Casino-Sälen", Kurt-Schumacher-Straße. Beginn 20 Uhr. 

Seesen 
Die Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen bestätigte in der
Jahreshauptversammlung am 10. Januar einstimmig den bisherigen Vorstand.
Vors. Schulrat a. D. Papendick, Kultur Frau Donnermann, Kassier Bruno
Scharmach, Sozialreferat Max Wilbudies. Neu wurden in den Vorstand berufen:
Frau Steinhoff (Westpreußenvertr.), Lm. Luszick (Heimatpolitik) und Lm.
Budzinski (Bild- u. Filmwart). Gleichberechtigte stellvertretende
Vorsitzende sind Lm. Scharmach und Luxzick. Nach Berichten und
sozialrechtlichen Referaten leitete Frau Lina Fahlke als Interpretin
ostpreußischer Humoristen zum geselligen Ausklang über. 

Die Fastnachtsfeier findet am 7. Feberuar nach heimatlichem Brauch in Form
eines Bunten Abends statt.

Frankfurt/M. 
Wir bitten alle in Frankfurt lebenden Landsleute, sich die folgenden Termine
zu notieren. 

7. Februar: Traditionelles Winterfest im Kasinosaal des Sozialbaues der
Stadt Frankfurt, Alte Mainzer Gasse 4. Beginn 20 Uhr. Es spielt das bekannte
Tanz- und Unterhaltungsorchester des Frankfurter Zoo Willi Brucker. Es wird
gebeten, auch Gäste mitzubringen.

17. Februar: Herrenabend im Lokal „Zum Heidelberger“, Bockenheimer
Landstraße 140. Beginn 20 Uhr. Lm. Drzelski wird einen Lichtbildvortrag über
das Oberland und Masuren halten.

9 März: Zusammenkunft der Damen im Gesellschaftsbaus „Finkenhof",
Finkenhofstraße 17. Zu erreichen mit Linie 12, Haltestelle Eschenheimer Turm
oder mit Linie 8 und 23. Haltestelle Grüneburgweg. 

Hof 
Im Mittelpunkt der Monats Versammlung der Landsmannschaft der Ost- und
Westpreußen im „Blauen Stern" stand ein Vortrag mit Lichtbildern, gehalten
von Studienrat Rolf Burchard über das Thema „Lovis Corinth — Leben und
Werk“. Der Vortragende schilderte anschaulich und für jeden leicht
verständlich den Werdegang des in Tapiau (Ostpreußen) geborenen genialen
Künstlers, dessen Schaffen im Porträt und in der modernen Landschaftsmalerei
zu dem Kostbarsten überhaupt zählt. Herzlicher Beifall dankte ihm. 

Der erste Vorsitzende, Studienrat Paul Bergner, konnte eingangs der
Versammlung auch neue Mitglieder begrüßen und dankte für die Mitarbeit und
Treue im abgelaufenen Jahr. Die nächste Monatsversammlung wird am 7. Februar
als Kappenabend abgehalten. 

In einer Rückschau führte der Vorsitzende aus, dass sich für die meisten der
Tag der Austreibung zum vierzehnten Male jähre. Der Wunsch der Austreiber,
durch die Massen der Entwurzelten den Sprengstoff für einen Umsturz zu
liefern, habe sich nicht erfüllt.Vielmehr habe sich ein einzigartiger
Aufbruch zum Wiederaufbau vollzogen. „Dazu haben wir alle mit unserer Kraft
beigetragen", sagte der Vorsitzende. Das wichtigste sei aber noch nicht
erreicht worden: die Wiedervereinigung unseres dreigeteilten Vaterlandes.
Mit einem leidenschaftlichen Appell, die Liebe zur Heimat zu pflegen und
dass jeder an seiner Stelle für die Ziele der Landsmannschaft mitarbeite,
schloss der Vorsitzende. 

Ludwigsburg 
Unter dem Motto „Für DM 110,-- eine ganze Woche an der blauen Adria"
veranstalten die Heimatvertriebenen vom 20. bis 27. Juni 1959 eine
Italienfahrt. Die Reiseroute führt von Ludwigsburg über Stuttgart, Ulm,
Augsburg, Landsberg, Schongau, Garmisch, Mittenwald (an allen genannten
Orten Zusteigemöglichkeit), Innsbruck, Brenner, Cortina d'Ampezzo, Misurina,
Udine. Grado. Von Grado aus wird ein Tagesausflug nach Venedig mit einer
Fahrt am Canal Grande gestartet. 

Fahrt einschl. 7 Tage Vollpension in der Pension „Camuffo" in Grado, direkt
am Meer gelegen, kosten je Person nur DM 110,--. Anmeldungen rechtzeitig
erbeten an: Karl Thomann, Groß-Bottwar, Kreis Ludwigsburg. 

Seite 12   Heimatkreis Rößel 
In letzter Zeit wurden uns wiederum reiche Ansichtskarten zur Verfügung
gestellt, so dass wir weitere Reproduktionen herstellen lassen konnten.
Außer den bereits früher an dieser Stelle genannten Motiven sind jetzt
lieferbar: 

Bischofsburg: 
Marktseite Zywina, Neuer Stadtteil (mit Ofenfabrik Huhn), Partie am
Wasserturm, Bahnhof, Evgl. Kirche, Turn- und Sportverein 1883 im Jahre 1933
(Vorsitzer Kreisbaumeister Carl Frank), Städtische Oberschule. 

Bischofstein: 
Rößeler Straße, St. Michael Pfarrkirche mit Kirchenstraße (Winteraufhme). 

Rößel: 
Marktseite Marx/Hoppe, Gymnasialstraße mit Burg, Ev. Schule, Grundpartie,
Hochaltar der Pfarrkirche, Inneres der Ev. Kirche Burg mit dem zur Kirche
umgebauten Südflügel, Burg (Luftaufnahme), Gymnasialkirche mit einem Teil
des Gymnasiums. 

Seeburg: 
Abstimmung 1920 (Seeburg im Festschmuck). Hochaltar der Pfarrkirche.
Andenken an die Volksmission 1928, Heldendenkmal (Großaufnahme). 

Dörfer: 
Waldensee: Kapelle, Altar der Kapelle, Schule 

Glockstein: Schule, Kirche. 

Gr. Bößau: 
Kirche, Blick auf das Dorf. 

Sturmhübel: 
Kirche. 

Bredinken: 
Schule, Gasthaus, Kapelle auf einer Karte. 

Teistimmen: 
Teistimmer See, Gasthaus und Schule auf 1 Karte. 

Für Interessenten: 
Allenstein: Blick auf das Schloss und die Garnisonkirche. 

Alle Aufnahmen in Postkartengröße erhältlich. Auf Wunsch Vergrößerungen
lieferbar (18 X 24, 13 X 18). Bestellungen und Anfragen nur an Lehrer Erwin
Poschmann, Kisdorf/Holstein über Ulzburg.

[OWP] Zufallsfunde Meldebücher Frankenberg/Sachsen

Date: 2016/12/01 12:52:13
From: Tom Nissel via OW-Preussen-L <ow-preussen-l(a)genealogy.net>

Hallo,

weiter geht es mit den Zufallsfunden aus den Meldebüchern von
Frankenberg/Sachsen 1809-1928

Fortsetzung mit Band 2 zu finden unter

http://search.ancestry.com/search/db.aspx?dbid=61036

--> Band 2 auf der rechten Seite auswählen.

Es handelt sich in diesem Band um die Buchstaben H-K

es folgen nun FN, VN, Geb.D. und Ort, sowie Seitenzahl und Eintragsnr.:

HAGEMANN, Ernst Hermann, Gustav August, *18.11.1866 in Graudenz S100 E1374
HAGEN, Friedrich Gustav, *25.02.1863 in Hochlindenberg Kr. Gerdauen S118 E1633
HERMANN, Johann, *24.03.1852 in Schnellwalde (Mohrungen) S58 E772
HOHMANN, August, *24.06.1859 in Gumbinnen S54 E727
KLINGER, Friedrich, *09.11.1844 in Kathenau Bez. Gumbinnen S186 E447
KNIEPHOFF, Hermann, *10.06.1859 in Domnau S263 E1552
KUHN, Franz Albert Cornelius, *16.09.1859 in Putzig S207 E749

Viele Grüße
Tom
-- 
-------------------------------------
Schlesien: NISSEL SCHLAUSCH ARLT LINKE WAGNER POHL WOINEK KNOBLICH
BARTSCH JENTSCH HERZOG

Pommern/Neumark/Königsberg: RIEGMANN STEINERT BRANDT WEGNER WITTIG
SCHÜNEMANN GRUNZKE BEIER NETT MARKLEIN GIESE/GIESA

Sudeten/Böhmen: FISCHER PSCHERA DIESL ROTH RIEDL PÜTTL WÜNSCH TRIEB
GOLDBACH PITSCHMANN HAUPTMANN GERHARD PREISSLER HALLO HOLLA HÖLLE
KLEIN HÖNIG SCHLOSSER EICHLER WEND

Sachsen: DÖHLER MEIER VIEHWEG BÖRNER WERMANN MÜLLER KEISELT KIRSTEN
REINELT LEDIG WÄCHTLER BERNHARDT UHLMANN KADEN SCHRECKENBACH FISCHER
HINKEL REIß HUSTER FICKER UHLIG SEIDLER HENZSCHEL FREUDENBERG KLINGNER
DÖRING ENGEWALD LOSE RICHTER GUTSCHE

Thüringen: THON PETERSEIM MAINZER LAUFER FUNK DASSLER

Bayern: REIß BESENECKER GEIGER KRAUTHAHN

Berlin: RIEGMANN

Mitglied im AMF und Pommerschen Greif

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 03 vom März 19 59

Date: 2016/12/01 13:51:27
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Ostpreußen-Warte
Folge 03 vom März 1959

Seite 1   Foto: Königsberg einst. Die Lastadie war einst einer der
romantischsten Winkel der ostpreußischen Hauptstadt. Wie es heute in
Königsberg aussieht, schildern wir in unserer großen Reportage auf Seite 3.

Seite 1   Russisch-polnische Gespräche. Auch Oder-Neiße-Frage wurde erörtert
/ DDR soll für Deutschland-Verhandlungen „attraktiv“ sein.
Wie aus gut unterrichteten Kreisen bekannt wird, haben seit dem Beginn des
XXI. Kongresses der KPdSU insgesamt drei Gespräche zwischen dem sowjetischen
Ministerpräsidenten und Parteichef Nikita Chruschtschow und dem Ersten
Sekretär der „Vereinten Polnischen Arbeiterpartei“, Wladislaw Gumulka,
stattgefunden, wobei jedoch die sowjetische Agentur TASS nr über das letzte
dieser Gespräche, das am Sonntag, dem 15. Januar 1959, stattfand, eine
Kurzmeldung herausgab. Dass es sich um besonders wichtige Gespräche
gehandelt hat, geht daraus hervor, dass Gumulka auch nach der Rückreise der
polnischen Parteidelegation, die am XXI. Kongress der KPdSU teilgenommen
hatte, in Moskau verblieb, wobei von polnischer Seite verlautbar wurde,
Gomulka sei wegen einer Erkrankung in Moskau festgehalten worden.

Nach vorliegenden Informationen sind in den Gesprächen zwischen
Chruschtschow und Gomulka „Angelegenheiten, die beide Parteien
interessieren", erörtert worden, darunter auch die Frage einer
Ost-West-Konferenz über das Deutschlandproblem. Dabei soll auch der
sowjetische „Entwurf für einen Friedensvertrag", das Verhältnis zwischen
Ost-Berlin und Warschau und die Oder-Neiße-Frage eingehend erörtert worden
sein. Angeblich soll von sowjetischer Seite verschiedentlich die Frage zur
Sprache gebracht worden sein, auf welche Weise die „DDR" im Hinblick auf die
künftigen Deutschland-Verhandlungen „attraktiv gemacht" werden könne. 

Besondere Beachtung findet hierbei die Tatsache, dass an dem dritten,
„abschließenden" Gespräch mit Gomulka auch Mikojan teilnahm, der nicht nur
als Sachverständiger in Wirtschaftsfragen, sondern auch — nach seiner Reise
in die Vereinigten Staaten — als Amerika-Experte" gelte und der zu den
einschlägigen Fragen Stellung genommen habe. 

Zugleich wird in gut unterrichteten Kreisen darauf verwiesen, dass von
sowjetischer Seite 
der „Entwurf für einen Friedensvertrag" als eine Art „Diskussionsgrundlage"
bezeichnet worden ist und dass Mikojan während seiner Amerika-Reise darauf
hinwies, man erwarte in Moskau „Gegenvorschläge" des Westens. 

In diesem Zusammenhange finden die Ausführungen des polnischen
Außenministers Rapacki in Grünberg/Schlesien besondere Beachtung, und es
wird ihnen eine höchst aktuelle Bedeutung beigemessen. Rapacki hat dort auf
einer „Wojewodschafts-Parteikonferenz" in seiner Eigenschaft als Mitglied
des Politbüros der „Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei“ u. a. von der
angeblich „fortschreitenden Bewirtschaftung" der Oder-Neiße-Gebiete
gesprochen und außerdem erwähnt, es werde versucht, die „Grenze" an der Oder
und Neiße zu einem „politischen Handelsobjekt" zu machen, wobei er sich
gegen „ein solches Geschäft" wandte.

Seite 1   Man arrangiert sich 
Im Sejm, dem polnischen Parlament, haben katholisch-christliche und
marxistisch-atheistische Abgeordnete über die „Moralische Ordnung"
debattiert und insbesondere über die Bedeutung, die das Religiöse für diese
Ordnung hat. 

„Es muss“ — sagte Dr. Stomma, prominenter Gefolgsmann des Kardinals
Wyszynski, den er auch auf seiner Romreise begleitet hat — „doch auch von
atheistischer Seite einmal klar erkannt werden, dass religiöse Werte für
viele Menschen eine Kraftquelle sind, eine moralische Potenz. 

Darauf hat der Senior der marxistischen Parlamentarier, der 77-jährige
Abgeordnete Drobner gerufen: „Die Religion ist ein Aberglaube Herr Kollege
Stomma!“ Aber mit diesem alten Spruch hat er bei seinen Genossen durchaus
nicht mehr einheitliche Zustimmung gefunden, denn in einem Bericht von
seriöser, glaubwürdiger Seite heißt es: „Die meisten Abgeordneten lachten“.
Da im Sejm die katholisch-christliche Fraktion an Zahl nur klein ist, haben
also auch viele Abgeordnete der marxistischen „Vereinigten Arbeiterpartei"
gelacht. Woraus ja nun unverkennbar hervorgeht, dass sie deren
programmatischen Atheismus nicht mehr so ernst nehmen wie einst. 

Hier wirkt die Tatsache, dass auch so viele Polen an den religiösen Werten
festhalten. Umso entschiedener festhalten in einer Zeit, in der die
allermeisten Fundamente der „Moralischen Ordnung" erschüttert oder überhaupt
zerbrochen sind und nur noch das Religiöse sich einigermaßen bewahrt. Dieses
nicht auch noch ins Wanken geraten zu lassen: das war unter den Motiven für
die Aufstände in Lodz und Posen vielleicht sogar das stärkste. Darin hat
sich demonstriert, dass die Religion in Polen ein Machtfaktor ersten Ranges
ist. Eben dieser Tatsache müssen die dortigen Marxisten, ob sie wollen oder
nicht, Rechnung tragen. 

Sonst nämlich werden sie tiefste Empörung hervorrufen, dadurch ihre
Herrschaft aufs stärkste gefährden. Sie ist es, die ihnen jetzt gebietet,
den Atheismus nicht mehr in alter Weise zu praktizieren. Seine Ausbreitung
zu betreiben, ist einfach zur selbstmörderischen Torheit geworden. Weiterhin
herrschen, das setzt für die polnischen Marxisten voraus, sich vom Atheismus
zu emanzipieren. 

Und setzt voraus, dass sie ihr Verhältnis zum Religiösen revidieren. Auch
dabei sind sie bereits. Denn in dieser Sejm-Debatte hat Dr. Stomma noch ein
Marxist geantwortet: der Abgeordnete Kruczkowski, der Literatur-Politruk der
„Vereinigten Arbeiterpartei“. „Wir stimmen zu“ — erklärte er, und dabei hat
von seinen Genossen keiner gelacht — „dass auch die Religion eine moralische
Kraft ist“. Eine derartige Erklärung ist von marxistischer Seite zum ersten
Mal öffentlich, und noch dazu in einem Parlament, abgegeben worden. 

„Gläubige und Ungläubige müssen in Polen gleiche Rechte haben", fügte der
Abgeordnete Kruczkowski dann hinzu. Das ist, unmissverständlich, das Angebot
der Koexistenz: sie ist als der „Religionsfriede“ des 20. Jahrhunderts zu
bezeichnen. Was auch bleibt den polnischen Marxisten übrig, als sich mit dem
Religiösen zu arrangieren! F. S. 

Seite 1   Wolfsrudel in Ostpreußen 
Seit Jahresbeginn sind von polnischen Jägern in unzugänglichen Waldgebieten
Ostpolens und Ostpreußens rund 100 Wölfe erlegt worden. Wie die polnische
Presse berichtet, wollen die Jagdbehörden in nächster Zeit auch wieder
Kleinflugzeuge in den Wojewodschaften Lublin, Rzesczow, Bialystok und
Allenstein zur Wolfsjagd einsetzen, nachdem sich vorangegangene Versuche
dieser Art als erfolgreich erwiesen haben. 

Zwischen den polnischen Jagdbehörden im südlichen Ostpreußen und
sowjetischen Wolfsjagd-Kommandos im nördlichen Ostpreußen wurde jetzt eine
ständige Verbindung geschaffen, um eine weitere Westwanderung der Wölfe, die
hauptsächlich aus Westrussland und den baltischen Staaten kommen, zu
verhindern. 

Der Gesamtbestand der Wölfe in Polen und einigen Teilen der polnisch
verwalteten deutschen Ostgebiete wird vom polnischen Jagdverband auf 400 bis
500 Tiere geschätzt

Seite 1   Verschärfte Bewachung der Oder-Neiße-Linie 
Wie von unterrichteter Seite verlautet, sind die Einheiten des polnischen
„Grenzschutz-Korps" (WOP) angewiesen worden, bis Ende März neue
„Warnanlagen" im Gebiet entlang der Oder-Neiße-Linie zu installieren und
neue „Sperrbezirke", wie sie vor dem Oktober 1956 bestanden, an der
Ostseeküste zwischen Stettin und Elbing zu schaffen. Vom Warschauer
Innenminister wird zudem eine erneute Überprüfung der in der „Grenzzone"
ansässigen Bevölkerung und eine besondere Kennzeichnung der Personalpapiere
dieser Bevölkerungsgruppe vorbereitet. 

Die Bewachung der „Grenze" soll angeblich in Zusammenarbeit mit der
sowjetzonalen Grenz-Volkspolizei erfolgen. Wie hierzu aus Warschau
verlautet, soll auf einer Konferenz sowjetzonaler und volkspolnischer
Grenzschutz-Kommandeure „in voller Übereinstimmung" beschlossen worden sein,
„eine Verbesserung der Grenzbewachungssysteme" einzuführen. 

Seite 1   Das „Repatrianten" - Problem 
Von den annähernd 87 000 Repatrianten, die im Jahre 1958 von polnischen
Behörden registriert worden sind, kamen fast 86 000 aus der Sowjetunion und
nur 1018 aus westlichen Ländern. Auffallend groß ist der Anteil von Kindern;
er beträgt 30 Prozent. Jeder vierte Umsiedler hat keinerlei berufliche
Qualifikation (23 033); 14 011 Repatrianten waren in der Landwirtschaft
tätig — wobei jedoch nur jeder Zweite diesen Beruf weiter ausüben will. Die
Wojewodschaft Breslau liegt anteilmäßig in Bezug auf die Zahl der hier
Eingewiesenen mit 16 500 Personen an der Spitze, jedoch hat eine größere
Anzahl von Umsiedlerfamilien Niederschlesien inzwischen wieder verlassen. 

Seite 1   Polnische Armee entlässt Deutsche 
Deutsche Jugendliche, die in der polnischen Volksarmee ihre Dienstpflicht
ableisten, werden vorzeitig entlassen, damit sie im Zuge der
Familienzusammenführung zu ihren Angehörigen in der Bundesrepublik gelangen
können. Deutsche Umsiedler aus den Oder-Neiße-Gebieten berichteten im
sowjetzonalen Durchgangslager Fürstenwalde, die polnischen Militärbehörden
beantworteten jetzt grundsätzlich schriftliche Gesuche deutscher
Jugendlicher auf vorzeitige Entlassung in kurzer Zeit positiv und verfügten
eine vorzeitige Entlassung.

[OWP] Katholische KB Marienwerder

Date: 2016/12/01 14:21:00
From: Eckert, Andreas <eckert(a)chem.tu-berlin.de>

Liebe Listenmitglieder,

kann jemand sagen, ob die katholischen Kirchenbücher von Marienwerder, Taufen ab 1884, noch existieren und wo sie sich derzeit befinden ?

Auf der Westpreußen-Seite ist "ab 1884 ff." mit einem "?" versehen ...


Mit besten Grüßen,
Andreas (Eckert)

Re: [OWP] Katholische KB Marienwerder

Date: 2016/12/01 14:48:18
From: Sabine Kröger <kroegersabine(a)gmx.de>

Hallo Herr Eckert,

ich forsche auch in Westpreußen...es ist so schwierig...ich suche die evangelischen Kirchenbücher und habe aus Berlin folgende Antwort bekommen:


leider liegen für die fraglichen Jahrgänge die Kirchenbücher der evangelischen Kirchengemeinden Marienwerder, zuständig für Groß-Bandtken (ab 1939 Pankendorf), Kreis Marienwerder, Groß Krebs, zuständig für Hanswalde, Kreis Marienwerder und Garnsee, Kreis Marienwerder/ Westpreußen. Ich weiß auch nicht über den Verbleib der fehlenden Kirchenbücher. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit zählen sie unter Kriegsverlust.

Mit freundlichen Grüßen

Evangelisches Zentralarchiv in Berlin
Claudia Wander
Bethaniendamm 29
10997 Berlin
Tel. 030/22 50 45 35
Fax 030/22 50 45 40
eMail: Claudia.Wander(a)ezab.de
Internet: www.ezab.de



ich weiß nicht, ob es Ihnen weiterhilft...fragen sie bei Frau Wander nach...am besten eine E-Mail schicken und etwas Geduld haben.

LG

Sabine Kröger



-----Ursprüngliche Nachricht----- From: Eckert, Andreas
Sent: Thursday, December 1, 2016 2:20 PM
To: OW-Preussen-L
Subject: [OWP] Katholische KB Marienwerder

Liebe Listenmitglieder,

kann jemand sagen, ob die katholischen Kirchenbücher von Marienwerder, Taufen ab 1884, noch existieren und wo sie sich derzeit befinden ?

Auf der Westpreußen-Seite ist "ab 1884 ff." mit einem "?" versehen ...


Mit besten Grüßen,
Andreas (Eckert)

_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l

Re: [OWP] Katholische KB Marienwerder

Date: 2016/12/01 14:54:55
From: Mark F Rabideau <linux(a)eirenicon.org>

Hallo Andreas.

Schau mal hier auf die Mormon FamilySearch Seite:

https://goo.gl/3a3DWa

Pax vobiscum,

Pax vobiscum,
...mark

------------------------------------------------------------------------

*Mark F. Rabideau,* *Owner/ Manager of:
PEP, Inc. & eirenicon l.l.c. +1.303.660.9400*
711 Nob Hill Trail - Franktown, Colorado USA - 80116
CMMI Institute Authorized High Maturity SCAMPI Lead Appraiser # 0100059-00
SIX SIGMA Master Black Belt Certificate #3167140TY463591U
*PEP, Inc*.:_http://www.pep-inc.com_ <http://www.pep-inc.com/> *eirenicon l.l.c.*:_http://www.eirenicon.org_ <http://www.eirenicon.org/> */Envision-It!/*: _http://www.envision-it.org_ <http://www.envision-it.org/>

/*"*//*The privilege of a lifetime is being who you are.*//*"
*//*- Joseph Campbell*/

------------------------------------------------------------------------

/*The information transmitted is intended only for the person or entity to which it is addressed and may contain confidential and/or privileged material. Any review, retransmission, dissemination or other use of, or taking of any action in reliance upon, this information by persons or entities other than the intended recipient is prohibited. If you received this in error, please contact the sender and delete the material from any computer.*/

On 12/01/2016 06:20 AM, Eckert, Andreas wrote:
Liebe Listenmitglieder,

kann jemand sagen, ob die katholischen Kirchenbücher von Marienwerder, Taufen ab 1884, noch existieren und wo sie sich derzeit befinden ?

Auf der Westpreußen-Seite ist "ab 1884 ff." mit einem "?" versehen ...


Mit besten Grüßen,
Andreas (Eckert)

_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l


Re: [OWP] Katholische KB Marienwerder

Date: 2016/12/01 15:24:08
From: Mark F Rabideau <linux(a)eirenicon.org>

Hallo Sabine,

Es gibt doch Bücher vom Garnsee schau mal hier: https://goo.gl/bdHvd0

Pax vobiscum,

Pax vobiscum,
...mark

------------------------------------------------------------------------

*Mark F. Rabideau,* *Owner/ Manager of:
PEP, Inc. & eirenicon l.l.c. +1.303.660.9400*
711 Nob Hill Trail - Franktown, Colorado USA - 80116
CMMI Institute Authorized High Maturity SCAMPI Lead Appraiser # 0100059-00
SIX SIGMA Master Black Belt Certificate #3167140TY463591U
*PEP, Inc*.:_http://www.pep-inc.com_ <http://www.pep-inc.com/> *eirenicon l.l.c.*:_http://www.eirenicon.org_ <http://www.eirenicon.org/> */Envision-It!/*: _http://www.envision-it.org_ <http://www.envision-it.org/>

/*"*//*The privilege of a lifetime is being who you are.*//*"
*//*- Joseph Campbell*/

------------------------------------------------------------------------

/*The information transmitted is intended only for the person or entity to which it is addressed and may contain confidential and/or privileged material. Any review, retransmission, dissemination or other use of, or taking of any action in reliance upon, this information by persons or entities other than the intended recipient is prohibited. If you received this in error, please contact the sender and delete the material from any computer.*/

On 12/01/2016 06:48 AM, Sabine Kröger wrote:
Hallo Herr Eckert,

ich forsche auch in Westpreußen...es ist so schwierig...ich suche die evangelischen Kirchenbücher und habe aus Berlin folgende Antwort bekommen:


leider liegen für die fraglichen Jahrgänge die Kirchenbücher der evangelischen Kirchengemeinden Marienwerder, zuständig für Groß-Bandtken (ab 1939 Pankendorf), Kreis Marienwerder, Groß Krebs, zuständig für Hanswalde, Kreis Marienwerder und Garnsee, Kreis Marienwerder/ Westpreußen. Ich weiß auch nicht über den Verbleib der fehlenden Kirchenbücher. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit zählen sie unter Kriegsverlust.

Mit freundlichen Grüßen

Evangelisches Zentralarchiv in Berlin
Claudia Wander
Bethaniendamm 29
10997 Berlin
Tel. 030/22 50 45 35
Fax 030/22 50 45 40
eMail: Claudia.Wander(a)ezab.de
Internet: www.ezab.de



ich weiß nicht, ob es Ihnen weiterhilft...fragen sie bei Frau Wander nach...am besten eine E-Mail schicken und etwas Geduld haben.

LG

Sabine Kröger



-----Ursprüngliche Nachricht----- From: Eckert, Andreas
Sent: Thursday, December 1, 2016 2:20 PM
To: OW-Preussen-L
Subject: [OWP] Katholische KB Marienwerder

Liebe Listenmitglieder,

kann jemand sagen, ob die katholischen Kirchenbücher von Marienwerder, Taufen ab 1884, noch existieren und wo sie sich derzeit befinden ?

Auf der Westpreußen-Seite ist "ab 1884 ff." mit einem "?" versehen ...


Mit besten Grüßen,
Andreas (Eckert)

_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l


[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 03 vom März 19 59

Date: 2016/12/01 18:02:52
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 2   Ein Morgen Land für nur ein Paar Schuhe. Abzahlungsfristen bis zu
50 Jahren / Befreiung von der Grunderwerbssteuer / Beliebte Repatrianten 
Im polnischen Verwaltungsgebiet Südostpreußen ist der Preis für Ackerland
nicht nur gegenüber den Preisen in Zentralpolen generell um 40 Prozent
niedriger, sondern er wurde durch eine Verfügung der
„Wojewodschaftsverwaltung“ Allenstein um weitere 20 Prozent gesenkt. 

Damit beträgt der Preis für einen Hektar Ackerland durchschnittlich 2800
Zloty, also etwa ebenso viel wie der Verkaufspreis eines Anzugs, was
bedeutet, dass ein Morgen Ackerland für denselben Preis erworben werden kann
wie ein Paar Schuhe. Dabei braucht dieser Preis für Ackerland erst in einem
Zeitraum von zwanzig Jahren entrichtet zu werden. 

Nach einem Dekret des polnischen Ministerrats vom 29. Mai 1958 sind die
Volksräte überdies ermächtigt, weitere Preisnachlässe und Abzahlungsfristen
bis zu 50 Jahren zu gewähren, was allerdings nur in „besonderen Fällen"
erfolgen soll. 

Polnische Zuwanderer aus Zentralpolen kommen beim „Kauf" von Ackerland und
überhaupt von Gehöften in Ostpreußen in den Genuss einer Reihe von
Vergünstigungen: Sie werden von der Grunderwerbssteuer gänzlich befreit, von
der Grundsteuer- auf die Dauer von drei Jahren. Ferner erhalten sie Vorrang
bei der Vergabe von Krediten. Die Ablieferungspflicht setzt erst nach zwei
Jahren ein. 

Besonders bevorzugt werden Pepatrianten aus der Sowjetzone. Diese erhalten
einen zusätzlichen Preisnachlass in Höhe von 20 bis 40 Prozent und brauchen
erst nach fünf Jahren mit den Ratenzahlungen zu beginnen, während ein
Zuwanderer aus Zentralpolen nach drei Jahren die erste Rate des
„Kaufpreises" entrichten muss. 

Hierzu erklärte der Vorsitzende des Volksrates der „Wojewodschaft"
Allenstein, Januszko, auf einer Parteikonferenz, es müssten
„nichtsdestoweniger noch günstigere Bedingungen für die Ansiedlung in
unserer Wojewodschaft geschaffen werden". 

Seite 2   Mehr als 3000 Hektar Brachland in einem einzigen Landkreis 
Als besonderes Problem wurde, auf einer Sitzung der Kreisorganisation der
Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei in Elbing die Notwendigkeit
bezeichnet, für mehr als 3000 ha „ungenutzter" landwirtschaftlicher
Nutzfläche im Kreise Elbing eine „Bewirtschaftung" zu finden. — Diese
riesige Brachlandfläche von 12 000 Morgen entspricht unter westdeutschen
dörflichen Verhältnissen der Feldflur von etwa 10 bis 12 mittleren Dörfern. 

Auf derselben Parteisitzung in Elbing wurde noch von weiteren
„unbewirtschafteten“ Landflächen in vielen Dorfgemeinden gesprochen, wobei
der Vorschlag gemacht worden war, dieses Brachland den Dorfgemeinden zur
„gemeinsamen Bestellung“ zu übergeben. Hierzu ist zu bemerken, dass in
letzter Zeit die polnische Presse die Bezeichnung „Brachland“ vermeidet und
statt dessen die Formulierung „nicht bewirtschaftetes Land“ anwendet.

Seite 2   Weitere 1000 Hektar Ackerland zum Verkauf.
Ein neuer „Posten bisher ungenutzten Ackerlandes" wird in den ostpreußischen
Kreisen Sensburg und Ortelsburg zum Verkauf angeboten. Wie aus einem Bericht
der in Allenstein erscheinenden polnischen Zeitung „Glos Olsztynski"
hervorgeht, hat die Abteilung für Landwirtschaft und Forsten des Präsidiums
des „Wojewodschafts-Volksrates" in Allenstein in diesen beiden Kreisen
insgesamt 100 Wirtschaften mit je 10 Hektar Ackerland — also zusammen ein
Areal von rund 1000 Hektar — der Landwirtschaftsbank zum Verkauf übergeben. 

Seite 2   Leere Bauernhöfe in Ostpreußen 
Im polnischen Verwaltungsgebiet Ostpreußens, der Wojewodschaft Allenstein,
stehen gegenwärtig etwa 500 ehemalige deutsche Bauernhöfe leer. Nach
Berichten des polnischen KP-Organs „Glos Olsztynski" (Allensteiner Stimme)
ist es bisher den polnischen Behörden nicht gelungen, polnische Neusiedler
für die leerstehenden Bauernhöfe zu gewinnen, von denen nur 190 als „in
gutem Zustand befindlich" bezeichnet wurden, während bei über 300 Gehöften
größere Reparaturen notwendig sind. Infolge mangelhafter Organisation sei es
auch (nicht möglich gewesen, 20 000 Hektar landwirtschaftlichen Bodens im
Kreis Braunsberg zu bewirtschaften. 

Seite 2   Elbings „ungelöste Probleme“. Die Stadt heute „das Dorf mit der
Straßenbahn“ / Städtische Einrichtungen verkommen.
„Elbing kann sich nicht damit abfinden, dass vor einigen Jahren die
Bahnverbindung nach Warschau über Allenstein ausgeschaltet wurde und dass
die Stadt ohne Zugang zum Meer nur auf eine Vorortverbindung angewiesen
ist“, schreibt das Organ der polnischen Gewerkschaften, „Glos Pracy“.
Deshalb und weil Elbing in allem hinter Danzig, Gdingen und Zoppot
zurücktreten müsse und auf vielen Gebieten benachteiligt“ werde, sei der
Anschluss an die „Wojewodschaft Allenstein“ in Elbinger Kreisen in Erwägung
gezogen worden. Auch in der Stadt selbst gebe es viele ungelöste Probleme:
Die Häuser werden von dem immer höher steigenden Grundwasser bedroht, das
die Keller überflutet, und mit dem Abbruch der „Jahre hindurch nicht
instandgesetzten Wohnhäuser“ sei erst jetzt begonnen worden. Bis vor kurzem
seien Mülltonnen, Rohre der Kanalisation und der Wasserleitung,
Gully-Deckel, Brunnenbedeckungen und Dachrinnen und im Übrigen alles, was
sich abmontieren und absägen ließ, als Schrott verkauft worden. Nunmehr
endlich kontrolliere die Stadtverwaltung in letzter Zeit jeden aus Elbing
abgehenden Schrotttransport. Zu dieser Maßnahme habe der Vorsitzende des
Präsidiums des Stadtvolksrats gesagt: „Hierdurch sichern wir uns vor dem
Ausverkauf der städtischen Einrichtungen“. „Glos Pracy“ schreibt hierzu, man
erkenne an diesen Zuständen das „ungesunde Verhältnis der Einwohner zu ihrer
Stadt und zu den Einrichtungen derselben“. U. a. sei sogar einmal eine
Straßenwalze, welche die Aufschrift „Eigentum der Stadt Elbing“ trug,
gestohlen und als Schrott verkauft, dann aber wieder der Stadtverwaltung für
100 000 Zloty zum Rückkauf angeboten worden.

Besonders scharf kritisiert „Glos Pracy", dass der in Elbing allgemein
bekannte Beschluss der polnischen Regierung über Maßnahmen zur Entwicklung
der Stadt nicht verwirklicht wurde. Infolgedessen sei „das Vertrauen in die
Pläne und die Zukunft der Stadt und schließlich auch in die eigenen
Lebensaussichten zunichte gemacht worden". 

In einem anderen polnischen Pressebericht wird ausgeführt, Elbing habe nicht
den Charakter einer Stadt und werde von den eigenen Bewohnern ironisch „das
Dorf mit der Straßenbahn" genannt. 

Seite 2   Fischer wanderten ab 
Die in Braunsberg und in kleineren Orten des Frischen Haffs ansässigen und
außerhalb der sogenannten Fanggenossenschaften tätigen Fischer erhoben im
vergangenen Jahr — wie erst jetzt bekannt wird — mehrfachen Einspruch gegen
die mangelnde Unterstützung ihrer Arbeit durch die zuständigen Behörden.
Diskriminierende Maßnahmen, die gleichzeitig auf die Einführung neuer
Genossenschaften abzielten, führten u. a. dazu, dass eine ganze Reihe von
Privatfischern ihren Wohnsitz verließ bzw. den Beruf wechselt. Ersatzteile
für schadhaft gewordene Boote sind zumeist nur über die staatlichen
Genossenschaften zu erhalten; Privatfischer können sie oft nur zu stark
überhöhten Preisen erwerben. Auch die Kreditbewilligung wird heute nach weit
strengeren Richtlinien gehandhabt als noch vor einem oder zwei Jahren.
 
Seite 2   Stromsperren in Ostpreußen 
Stromsperren bis zu sechs und acht Stunden täglich sind im Winterhalbjahr
1958/1959 in den Dörfern der „Wojewodschaft" Allenstein keine Seltenheit,
heißt es in polnischen Berichten. Infolge der Überalterung des nach
Kriegsende „vorläufig provisorisch reparierten, jedoch niemals vernünftig
wiederhergestellten" Leitungsnetzes ist es zu einer Häufung der
Stromunterbrechung in der Allensteiner „Wojewodschaft" gekommen. Erschwerend
wirken sich auch der Mangel an Ersatzteilen in den Kraftwerken und das
Fehlen von Facharbeitskräften aus. Mit der Zunahme der Stromsperren habe
sich die Versorgung mit Kerzen, Petroleumlampen und Batterien verschlechtert
und am Jahreswechsel ihren „absoluten Nullpunkt" erreicht. 

Seite 2   Ostpreußen „Kulturelles Brachland". In absehbarer Zeit keine
Verbesserung der Zustände zu erwarten. 
In einem — auf der Redaktion der Allensteiner Parteizeitung „Glos
Olsztynski" geführten — Rundgespräch unterhielten sich Kulturfunktionäre und
Journalisten über „die Verbreitung der Kultur auf dem Dorfe". Sie stimmten
darin überein, dass ein schon vor Jahren entworfenes Kulturprogramm unter
dem Motto „Polen — ein Land der Bildungshungrigen" zwar nach wie vor seine
Berechtigung habe und unter allen Umständen verwirklicht werden sollte, dass
jedoch andererseits gerade im südlichen Ostpreußen in Bezug auf die
kulturelle Arbeit „noch sehr viel Brachland zu bearbeiten" sei. Ein Lehrer
stellte fest, dass man die Verbreitung der Kultur nicht länger von einer
Verbesserung der allgemeinen bzw. der wirtschaftlichen Situation abhängig
machen dürfe. Die anhaltende Vernachlässigung vieler Höfe, die mutwillige
Zerstörung neuer Wohnungen, die ungenutzten bzw. beschädigten Landmaschinen
— dies alles fordere gebieterisch eine Verstärkung der allgemein
aufklärenden „Breitenarbeit". Andere Diskussionsteilnehmer stimmten mit
diesen Ausführungen überein; sie bemerkten gleichzeitig, dass jedoch in
Anbetracht der Überlastung aller städtischen Kulturfunktionäre in absehbarer
Zeit mit einer Verbesserung der Zustände nicht gerechnet werden könnte. Was
man zunächst erreichen könne und müsse, sei eine Koordinierung der Arbeit
der gegenwärtig vielfach noch miteinander „auf geradezu zerstörerische und
brutale Art miteinander rivalisierenden kulturschaffenden Kräfte“. 

Seite 2   Polnische Stimmen zum Wassermann-Bericht 
Mit dem Aufsehen erregenden Bericht Charles Wassermanns über die Zustände in
den polnisch verwalteten deutschen Ostgebieten, der unter dem Titel „Unter
polnischer Verwaltung" erschien, beschäftigt sich die Breslauer polnische
Zeitschrift „Odra" in einem Interview mit dem bekannten polnischen
Schriftsteller Melchior Wankowicz. Wankowicz, der erst kürzlich aus der
Emigration nach Volkspolen zurückgekehrt ist, stellte in gewundener Form
fest: „In seinem Buche lügt er eigentlich scheinbar nicht, die einzelnen
Tatsachen in ihm mögen wahr sein". An dieses Zeugnis für die realistische
Berichterstattung Wassermanns schließt Wankowicz den Vorwurf an: „Doch er
sieht nicht das Pathos dessen, was wir hier tun". Wankowicz teilte mit, dass
er in der Zeitschrift „Polish Perspectives, welche der Auslandspropaganda
dient, „irgendeine Antwort darauf schreiben" werde. 

Seite 2   Pressespiegel. 
Wiedervereinigung auf Eis legen. 
„Die zwei größeren Parteien haben sich jetzt von der Idee zurückgezogen, mit
Chruschtschow über die Wiedervereinigung zu verhandeln, solange dieser in
seiner augenblicklichen Stimmung ist. Obgleich die Sozialdemokraten die NATO
der Wiedervereinigung nicht vorziehen, wie das beim Bundeskanzler der Fall
zu sein scheint, scheinen sie doch schließlich überzeugt zu sein, dass die
sowjetische Regierung nicht gegen ihren Willen dazu gebracht werden kann,
die Wiedervereinigung zu akzeptieren. Es entsteht langsam eine Situation, in
der nur wenige Leute in Washington und London bestrebt zu sein scheinen,
eine frühe Wiedervereinigung zu erreichen. Die neue deutsche Haltung ist
sicherlich auch außerhalb des Parlaments und der Parteien verbreitet. Die
Flüchtlingsorganisationen sind ebenfalls der Ansicht, dass eine frühe
europäische Lösung den deutschen Interessen entgegengesetzt sein würde. Sie
sind sich darüber klar, dass die sowjetische Regierung im Augenblick nicht
bereit ist, irgendwelche Berichtigungen an der Oder-Neiße-Linie zu machen.
Sie glauben aber, dass sich neue Umstände in Europa ergeben könnten, unter
denen Moskau bereit wäre, Konzessionen zu machen, wenn man der Entwicklung
genügend Zeit lässt. TIMES, London 

Geteiltes Deutschland – Wohltat Frankreichs 
„Unsere Leser haben erfahren, dass alte Nazis wieder in die Politik
zurückgekommen sind, wie eben der SS-General Reinefarth. Seien wir doch
offen: Dient es uns, mit einer wunderlichen Geduld auf die deutsche
Wiedervereinigung zu warten, wenn Männer dieser Art vor den Toren sind?
Welcher Franzose, selbst im Lager der „guten Europäer“, wünscht die
Wiedervereinigung wirklich? Niemals war die Heuchelei allgemeiner ... Selbst
wenn ich Zähneknirschen auslöse, frage ich mich manchmal, ob nicht all das
Übel, das von den Russen kam und kommt, reichlich durch die unschätzbare
Wohltat ausgeglichen wird, die wir ihnen verdanken: das geteilte
Deutschland“. EXPRESS, Paris 

Vernünftige gemeinsame Konzeption? 
„Es ist unwahrscheinlich, dass die Weltmächte in der Gesamtkonzeption —
Deutschlandfrage und europäische Sicherheitsfragen — bis zum Mai wirklich
eine vernünftige Konzeption gemeinsam ausarbeiten. Bringen sie doch eine Art
Einigung untereinander zustande, so wird diese mit großer Wahrscheinlichkeit
nicht so beschaffen sein, dass sie sich darüber mit den Sowjets bis zum 27.
Mai einigen können. Da aber dieses Datum droht, wird man erst einmal an der
isolierten Behandlung der Berlin-Frage hängen bleiben, um die akute
Kriegsgefahr zu bannen, und schließlich einen für die Bundesrepublik und für
Berlin faulen Kompromiss schließen. 

Weder die Beteuerung, man werde nichts von seinen Rechten in Berlin
aufgeben, noch das „keine Konzessionen ohne Gegenleistungen" werden daran
etwas ändern. Denn man bleibt freiwillig in der Defensive, in die man sich
von den Sowjets wegen eigener Einfallslosigkeit hat drängen lassen. Die
sowjetischen Maximalforderungen in Bezug auf Berlin und auf Deutschland
stehen, weil sie die einzigen konkreten Forderungen sind, seit Monaten so
fest im Bewusstsein der Welt, dass schon ein Zurückgehen der Russen um
einige Schritte von diesen Forderungen als die sowjetische Konzession
angesehen wird, gegen die man dann eine eigene, wirkliche Konzession im
Rückzug aus der bestehenden tatsächlichen Position machen wird“. NEUE
POLITIK, Hamburg 

Seite 2   Protestantismus jenseits von Oder und Neiße 
Wie vom „Kirchendienst Ost", dem die Fürsorge für die deutschen
evangelischen Minderheiten in den Gebieten jenseits von Oder und Neiße
obliegt, mitgeteilt wurde, hat die 1956 auf staatliche Initiative hin
gegründete und von dem Warschauer Präses Michelis geleitete „Kommission für
Deutschenseelsorge" ihre Arbeit am 31.12.1958 eingestellt und die deutschen
evangelischen Restgemeinden in Hinterpommern und Niederschlesien den
zuständigen polnischen evangelischen Geistlichen übertragen. Damit ist
eingetreten, was in einer Verordnung der polnischen Regierung vom September
1946 vorgesehen war: Die „Evangelische Kirche der altpreußischen Union"
(gegründet 1817), deren heute in der Bundesrepublik und in der DDR
verbliebenen Gliedkirchen als „Evangelische Kirche der Union" bekannt sind,
sollte und wurde nunmehr an die Evangelisch-Augsburgische Kirche in Polen
angeschlossen. Für die Restgemeinden in Ostpreußen, Danzig-Westpreußen und
Oberschlesien ist die gleiche Regelung vorgesehen, mit deren Durchführung in
Kürze gerechnet wird. Wie in diesem Zusammenhang ferner mitgeteilt wird,
bereitet die Sprachenfrage den Restgemeinden immer noch besondere Nöte, da
der Gebrauch der Muttersprache – von Ausnahmen abgesehen - nicht gestattet
ist. Es heißt, dass diese Regelung den polnischen evangelischen Geistlichen
nicht recht sei, sie aber an die staatlichen Vorschriften gebunden sind. 

Seite 2   Friedhöfe bleiben unantastbar! 
Das neue Friedhofsgesetz in Polen soll nicht allgemein gültige Rechtsnormen
über die Verwaltung von Grabstätten abändern. Die deutschen Friedhöfe sollen
keineswegs eingeebnet werden.

Seite 2   Vorschläge für internationale Zusammenarbeit.
Siebzig Wissenschaftler aus aller Welt formulierten auf einer im Herbst des
Vorjahres stattgefundenen Tagung in Kitzbühel die nachstehenden Vorschläge
für eine verstärkte internationale Zusammenarbeit. Mit diesen Vorschlägen
sind zugleich die großen Aufgaben umrissen, die der Menschheit im atomaren
Zeitalter gestellt sind. 

1. Permanente internationale Organisation der Wissenschaftler zum Kampf
gegen den Atomkrieg (Topchiev, UdSSR, und Kaplan, USA). 

2. Ein internationales medizinisches Jahr (Topchiev, UdSSR). 

3. Studiengruppe über Industrialisierung unterentwickelter Länder
(Mahatanobis, Indien). 

4. Fruchtbarmachung von Wüsten durch internationale Teams (Oliphant,
Australien). 

5. Gründung einer internationalen Zentrale für radiobiologische Forschung
und Erziehung (Lorenz, USA, Guèron, Frankreich). 

6. Gründung internationaler Forschungsinstitute (Topchiev,UdSSR). 

7. Ein internationales Institut für Kernphysik (Rotblat, Großbritannien). 

8. Ein internationales Institut für wirtschaftliche Weltentwicklung (Brown,
USA). 

9. Ein Weltfriedensinstitut (Pauling, USA). 

10. Eine Universität der Vereinten Nationen (Kane und Davidson, USA). 

11. Verstärkter internationaler Studentenaustausch (Palevski, USA, und
Guèron, Frankreich). 

12. Eine Studiengruppe über Ost- und Westbeziehungen (Thirring, Österreich).


13. Gemeinsame Konferenz von Wissenschaftlern und Diplomaten (Londsdale,
Großbritannien). 

14. Eine Weltkonferenz über biologische Probleme (Weinberg, USA). 

15. Internationaler Angriff auf den Krebs (Poweil, Großbritannien). 

Seite 2   Jugendliche Banden in Ostpreußen 
Zahlreiche jugendliche Banden, die in den Nachtstunden Raubüberfälle,
Plünderungen und Einbrüche begehen, werden gegenwärtig von der polnischen
Polizei in Ostpreußen verfolgt. Sie sind nach polnischen Zeitungsberichten
„bewaffnete Schwarzhändler". Die erbeuteten Waren verkauften sie auf dem
„illegalen Markt" im zentralpolnischen Gebiet. Die Gesamtstärke der Banden,
zu denen zwischen drei und 15 Mitgliedern gehören, wird auf rund 300
Jugendliche geschätzt. 

Seite 2   Neue Pläne für Ostpreußen 
Die polnische Verwaltung in Ostpreußen hat einen neuen Frühjahresplan
bekanntgegeben, in dem eine Industrialisierung des Landes vorgesehen ist. In
Allenstein soll ein großes Industriewerk mit 3000 Beschäftigten errichtet
werden, weiter sollen einige der 1945 stillgelegten Betriebe in Gang
gebracht werden und zwar die Brauerei in Braunsberg, die Mühle in Ortelsburg
und die Sägemühle in Eckertsberg. Außerdem sollen beträchtliche Mittel in
den Wohnungsbau gesteckt und eine Reihe von Bahnhöfen wieder aufgebaut
werden. 

Seite 2   Stiefkind Allenstein 
„Das Ermland und die Masuren — überhaupt der ganze Bezirk Allenstein spielte
gezwungenermaßen die Rolle eines vernachlässigten Kindes“. Das ist das Fazit
einer großen Zahl von Presseberichten, die sich recht kritisch mit den
Verhältnissen in den ostpreußischen Gebieten befassen, die heute unter
polnischer Verwaltung stehen. Es wird behauptet, dass die Warschauer
Regierung deswegen an dieser Landschaft wenig interessiert sei, weil es dort
keine Kohle und keinen Stahl gebe.

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 03 vom März 19 59

Date: 2016/12/01 18:43:19
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 3   Heimatstadt Königsberg im Winter 1959. Wie sieht es heute in
Ostpreußen aus? / Systematischer Aufbau / Kriminalität eingedämmt.
Mit unseren Lesern wollen wir heute einen aktuellen Ausflug nach Königsberg
machen. Wie sieht es jetzt in unserer Landeshauptstadt aus? Die Unterlagen
zu unserem Bericht stammen aus sowjetischen Wochenschauberichten,
Radiomeldungen, Zeitungen und von deutschen Russlandheimkehrern. 

Obwohl die Russen etwas pfleglicher mit Häusern und Wohnungen als die Polen
im Südteil Ostpreußens umgehen, machen sich nun auch in Königsberg
Verfallserscheinungen an den Gebäuden bemerkbar, die aus der Vorkriegszeit
stammen. Man muss es aber der sowjetischen Verwaltung lassen, dass sie diese
Tendenzen nicht einfach wie die polnische Administration ignoriert. Während
des Winters sind Architekten und Poliere durch Königsberg gezogen und haben
eine Gebäude-Bestandsaufnahme gemacht. Ziel dieser Maßnahme ist es, alle
Schäden festzustellen, die zu einem Verfall oder Einsturz führen können.
Staat, Stadt und „freiwilliger Bürgereinsatz" werden sich vom Frühjahr ab
darum bemühen, dieser Schäden Herr zu werden. Wir wollen der Wahrheit die
Ehre geben und weiter feststellen, dass bei früheren Aktionen dieser Art
durchaus gute Erfolge erzielt worden sind. So können wir damit rechnen, dass
auch in diesem Jahr eine große Reihe von Häusern wieder in ordnungsgemäßen
Zustand versetzt wird. Ganz anders als die Polen sind die Russen an der
Erhaltung der Stadt interessiert. Es bestehen auch strenge Verbote,
Abbruchsaktionen vorzunehmen. Radio Königsberg meldete im letzten Jahr, dass
allein der versuchte Abbruch in mehreren Fällen zu harten Strafen führte.
Charakteristisch ist weiter für den Bausektor, dass die Sowjets lieber
Reparaturen an deutschen Gebäuden vornehmen als eigene Neubauten ausführen.
Letzteres ist nicht nur auf Materialmangel usw. zurückzuführen. Russische
Architekten gaben mehrfach die Erklärung ab, Neubauten in Königsberg müssten
den Altbauten ähneln — das aber setzte je Bau einen viel höheren
Baukostenindex als in der UdSSR voraus. Es besteht daher für uns die
Hoffnung, dass es in Königsberg heute eher zu Wiederaufbauten von Gebäuden
traditioneller Art als zur Erstellung artfremder Bauten kommen wird! Wir
glauben, dass die vertriebenen Königsberger über diese Entwicklung zufrieden
sein können. 

Es ist durchaus nicht gewagt, wenn wir behaupten, dass Königsberg in seiner
Architektur weitgehend seine deutschen Züge behalten wird. Die russischen
Architekten wollen jetzt auch den Ausbau beschädigter Häuser weiter
vorantreiben. Man will diese Gebäude in ihrer früheren Form neu erstellen
lassen. Auch bei historischen Bauten ist das festzustellen. Man hat in
Ostpreußen und in der Sowjetzone nach Fotos von früher gesucht, um diese
Gebäude möglichst originalgetreu aufzubauen. Bei allem diesem dürfen wir
aber nicht vergessen, dass der Aufbau nur sehr langsam von statten geht. Man
benötigt die fünf- bis sechsfache Zeit gegenüber der Bauwirtschaft in
Westdeutschland, bis ein Haus wieder aufgebaut ist! Oft kann man beobachten,
dass dabei noch in Etappen vorgegangen wird: erst das Erdgeschoß und nach
einem Jahr die oberen Stockwerke usw. Allgemein ist zu sagen, dass die
übernommenen deutschen Wohnungen in Ordnung gehalten werden. 

Man kann auch nicht sagen, dass Königsberg zu einem Symbol der
Russifizierung gemacht werden soll. Der Aufbau erfolgt mehr unter dem
Aspekt, der zentralen ostpreußischen Führung eine würdige Kulisse
hinzustellen. Wie auch sonst nicht so sehr die Russifizierung im Vordergrund
steht, weil Nord-Ostpreußen eindeutig unter dem Gesichtspunkt einer
Militärbasis verwaltet wird — ein Territorium, das für Offensive und
Defensive der UdSSR als unerhört wichtig angesehen wird. Deshalb wird auch
nicht vom „urrussischen" Königsberg gesprochen. Man verwaltet unsere Heimat
nur unter dem Gesichtspunkt kalt berechnender Nützlichkeit. Die militärische
Bedeutung erfordert es jedoch nicht, nun unbedingt ein russisches
Kaliningrad aufzubauen. 

Die Bauplanung sieht, um bei diesem Thema noch zu bleiben, vor, die Stadt
von den erhaltenen Außenbezirken nach innen langsam wieder zu errichten. So
ist beispielsweise am Hammerteich und in den Hufen schon eine Reihe Häuser
neu erbaut worden. Für 1959 will man hier die Neubauten jedoch nicht
fortführen, da sich herausgestellt hat, dass erst die Altbauten repariert
werden müssen. Die veröffentlichten Pläne deuten darauf hin, dass man unter
anderem auch die Siedlungen am Landgraben überholen will. Dazu gehört auch
die ehemalige Künstlersiedlung. 

Für dieses Jahr ist auch die Fertigstellung des Schauspielhauses vorgesehen,
an dem schon seit einigen Jahren gebaut wird. Zur Einweihung soll Moskauer
Prominenz erscheinen, wie der Stadtsowjet bekanntgab. Wie man auch davon
spricht, dass der Sowjetzonen-Botschafter im Kreml an den Gedenkstätten für
Schiller und Kant Kränze niederlegen wird. Beide Stätten sind im vergangenen
Jahr nochmals überholt worden und befinden sich in gutem Zustand. Ein
weiteres Aufbaugebiet ist der Stadtbezirk um den Nordbahnhof. Letzterer soll
wieder ausgebaut werden, da sonst die stehengebliebenen Fassaden
einzustürzen drohen. Des Weiteren soll hier mit der Renovierung des
Stadthauses begonnen werden, das ausgebrannt ist. Weiter soll eine große
Anzahl von Gebäuden in Maraunenhof überholt werden. Auch Neubauten im alten
Stil sind dort vorgesehen. Dagegen kann von einem Wiederaufbau des durch
Kämpfe und Sprengungen schwer beschädigten Schlosses keine Rede sein.
Dasselbe trifft für das Blutgericht, das Speicherviertel und die
Silberbibliothek zu. Es bestanden zwar derartige Pläne, sie wurden aber nie
verwirklicht. 

Sehr unterschiedlich werden die öffentlichen Anlagen behandelt. Während die
Anlagen am Oberteich gepflegt sind, befinden sich Schlossteich und Umgebung
mit dem Promenadenweg im Zustand völliger Vernachlässigung. Auch der
Rosenpark ist nicht mehr! Etwas besser sieht es im Tiergarten aus, wo in den
Gehegen wieder Tiere anzutreffen sind und sich auf dem Gelände noch das
Walfisch-Skelett befindet. Luisenwahl ist zum „Volks-Belustigungsplatz"
(Kulturpark) geworden. Dort herrscht meistens starker Betrieb. Die zur
Hufenallee fahrenden Omnibusse bringen gegen Abend viele Besucher heran. 

Wenden wir uns nun einmal den Industriebetrieben zu, die den Löwenanteil der
Investitionsmittel erhalten. Wichtigste Fabriken und sonstige Firmen sind:
die frühere Schichauwerft, das ganz neu erstellte Fischereikombinat mit
Verarbeitungsbetrieben, die Zellulosefabrik Sackheim, die Waggonfabrik
Steinfurt, das E-Werk, die Zellulosefabrik Cosse, das Gaswerk, die
Rathshofer Fabrik, der Schlachthof, die Kfz.-Reparaturwerkstattbetriebe und
das Kühlhaus. Neu ist für uns die Aktivität im Fischereihafen zwischen
Walzmühle und Kühlhaus. Fischkutter aus Zwangs-Exportlieferungen aus der
Sowjetzone und Polen sind hier in allen Größen stationiert. Man setzt sie
bis weit in den Nordatlantik ein. Die Schichauwerft ist bevorzugte
Reparaturwerft. Auch im Schiffsbaubetrieb von Landsmann Empacher wird wieder
gearbeitet. Neubauten werden auf der ebenfalls kleinen Schwarz‘schen Werft
ausgeführt. Doch handelt es sich nur um Fahrzeuge geringer Tonnage. Vor
allem Frauen werden im Fischverarbeitungskombinat beschäftigt. Die meisten
sind in der Marauenhofer Fischkonservenfabrik angestellt. Alle diese
Betriebe sollen erweitert werden. Doch die Pläne dafür sind auf viele Jahre
abgestellt. 

Sehen wir uns nun einmal in der Stadt um. Die Menschen sind jetzt im Winter
wie in ihrer russischen Heimat bekleidet. Außer Straßenbahnen und
Omnibussen, die auf einigen Hauptverkehrsstraßen eingesetzt sind, verkehren
Pferdeschlitten und Fuhrwerke. Trotzdem macht das so zerstörte Königsberg
streckenweise einen viel großstädtischeren Eindruck als manche sowjetische
Stadt. Die 32 000 russischen Zivilisten in unserer Landeshauptstadt fühlen
sich hier zumeist ganz wohl, falls sie nicht zu den Unglücklichen gehören,
die in menschenunwürdigen Behausungen untergebracht sind. Das sind
schätzungsweise 2500 Menschen. Sie hausen in Ruinen, Kellern usw. Doch auch
diese Menschen profitieren noch davon, dass die Lebensmittelversorgung in
der Stadt weitaus besser als in der Sowjetunion ist. Vor allem kann man fast
immer genügend Fisch kaufen. Es wirkt sich natürlich auch aus, dass
Königsberg als Hauptstadt der Militärbastion Ostpreußen vorrangig beliefert
wird. Auch die Anwesenheit vieler tausend Soldaten in der Stadt und ihrer
Umgebung hat sich günstig auf die Anlieferungen ausgewirkt. In letzter Zeit
melden zudem die russischen Sender, dass die nord-ostpreußischen Kolchosen
und Güter vorwiegend für die Bedürfnisse, der eigenen Städte produzieren und
nicht mehr so viel Erzeugnisse wie bisher nach Russland schicken müssen. 

Ein schwieriges Problem ist die Aufrechterhaltung der öffentlichen
Sicherheit. Noch bis 1956/1957 wurden während der Nachtstunden ganze
Stadtteile von lichtscheuem Gesindel beherrscht. Die Kriminellen hatten sich
zu Banden zusammengetan, die Einbrüche in Privatwohnungen, staatliche Depots
usw. vornahmen. Viele andere „begnügten" sich damit, nächtliche Passanten
auszurauben. Im Vorjahr jedoch wirkten sich endlich die verstärkten
Miliz-Maßnahmen aus. Selbst russische Quellen besagen, dass im Vorjahr an
die achthundert Verbrecher aller Art aufgespürt und zur Zwangsarbeit
fortgeschickt wurden. Auf diese Weise zerschlug man endlich die mehr als ein
Jahrzehnt ihr Unwesen treibenden Banden, die sogar Menschenleben auf dem
Gewissen haben. 

So seltsam es klingen mag: Königsberg ist eine stark besuchte Stadt
geworden. Nun, es kommen natürlich weder russische noch ausländische
Touristen nach hier. Andererseits aber brachte es Nord-Ostpreußens wichtige
Position mit sich, dass laufend höchste Warschauer Parteibeamte und Militärs
unsere Heimatstadt besuchen. Auch werden alle größeren Konferenzen über
provinzielle Vorhaben in Königsberg abgehalten. So musste die
Stadtverwaltung für die Errichtung bzw. den Wiederaufbau von Hotels sorgen.
Dabei ging man durchaus nicht spartanisch vor. Das „Park-Hotel" ist für
russische Begriffe ziemlich modern neu eingerichtet worden. Weiter hat man
ein neues Hotel im erhalten gebliebenen Gebäude der Nordstern-Versicherung
am Tiergarteneingang aufgebaut. Dort wohnt die Prominenz. Weiter stehen in
den Hufen und anderen Vororten Einzelhäuser für auswärtige Gäste zur
Verfügung. Auch von den Streitkräften wurden einzelnen dieser Häuser
übernommen, um Gäste unterbringen zu können. 

Auffällig ist die Verschlechterung all dessen, was mit Verkauf zu tun hat.
Geschäfte in unserem Sinne existieren überhaupt nicht mehr. Die staatlichen
Läden sind äußerst primitiv und vor allem nicht sehr sauber. Schlange stehen
ist die Regel. In der Mehrzahl jedoch wickelt sich die Versorgung der
Bevölkerung über Holzkioske und Märkte unter freiem Himmel ab. Kolchosbauern
und Schwarzhändler bevölkern diese Märkte, auf denen es fast alles zu kaufen
gibt. Allerdings sind die Preise gepfeffert und kaum für Arbeiter
erschwinglich. Letztere können nur dann kaufen, wenn sie auf ihren
Arbeitsstellen etwas mitgehen ließen und es an den Mann zu bringen
verstehen. Beliebtes Tauschobjekt sind Fischwaren, mit denen ein
schwunghafter Handel getrieben wird. Ein Hauptgeschäftsplatz dieser Art ist
der Markt auf dem Gebiet der Wrangelkaserne, wo hauptsächlich Kolchosniken
ihre „freien Spitzen" feilbieten. Auch ein Viehmarkt wird dort abgehalten.
Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht starker Publikumsverkehr auf diesem
Markt herrscht. Es sei denn, die Kolchosen befinden sich gerade in der
Ablieferungsperiode. Völlig fremd für unsere Augen ist es auch, dass sich
unmittelbar bei diesen Märkten fliegende Handwerkerstände aufgetan haben.
Schneider, Schuster usw. operieren unter freiem Himmel. Kesselflicker sind
ebenfalls stark vertreten, weil die Anschaffung neuen Haushaltsgerätes sehr
schwer ist. 

Im neuen Jahr hat in Königsberg auch eine Aktion begonnen, sogenannte
„unproduktive Personen" aus der Stadt zu entfernen. Nach Beseitigung der
Kriminalität will man nun den Schwarzhändlern, Schiebern, Faulpelzen und
Zigeunern zu Leibe gehen. Sie sollen alle in die UdSSR abgeschoben werden,
weil sie durch und durch verlottert sind und auch keinen guten
Arbeitseinsatz in den ländlichen Gebieten Ostpreußen leisten würden. Die
Folge dieser Maßnahme ist, dass sich die entsprechenden Bevölkerungsgruppen
jetzt um Scheinarbeitsverhältnisse bemühen. Die Behörden haben jedoch
angekündigt, sie würden rigoros durchgreifen. Auch das Wohnungsamt drängt
darauf, um Unterkünfte freizubekommen. Es versteht sich, dass in Königsberg
stärkster Wohnungsmangel herrscht und sich im Durchschnitt mehrere Familien
eine Wohnung teilen müssen. Ferner haben die Streitkräfte versprochen, den
Bedürfnissen des zivilen Sektors zu entsprechen und ebenfalls Häuser
freizugeben. Dazu hat die Armee ein eigenes Bauprogramm entworfen.
Arbeitskompanien sollen Offiziershäuser bauen, um die von den Familien der
Offiziere bis jetzt bewohnten Vorortgebäude räumen zu können. Durch alle
diese Maßnahmen will man erreichen, dass 1959 etwa 1500 Wohnungen frei
werden. Das bedeutet, dass etwa 5000 neue Einwohner untergebracht werden
können. Die Ansiedlungskommission hat gleichzeitig einen Plan aufgestellt,
was für Menschen aus Russland nach Königsberg umziehen sollen. Man will
hauptsächlich Facharbeiter und technisches Personal für die Fabriken sowie
Bauarbeiter und Fischer heranziehen. Nüchterne Zweckmäßigkeit beherrscht wie
in allem auch diese Pläne. Die sowjetische Regierung ist nur daran
interessiert, dass Königsberg eine nützliche Funktion im Rahmen der
militärischen Bedeutung und Funktion Nord-Ostpreußens erfüllt. So ist auch
vorgesehen, die Königsberger Industrie und Wirtschaft weitgehend darauf
auszurichten, dass sie den Bedürfnissen der Truppe dienen. Die Fischerei hat
dabei die Aufgabe, die Soldaten zu versorgen. Von der Waggonbaufabrik
erfahren wir, dass sie mit der Produktion von Waggons begonnen hat, auf
denen Raketen befördert werden können. Diese Beispiele ließen sich
fortsetzen. Daraus können wir insgesamt aber auch etwas für uns Gutes
ableiten: sollten sich einmal die militärischen Gegebenheiten und
Erfordernisse ändern (was durchaus im Rahmen des Möglichen liegt), dann hat
die UdSSR wenig Interesse am Festhalten an unserer Heimat. Für Moskau liegt
Ostpreußens Bedeutung einzig und allein im Militärischen. Wir sollten das
nicht vergessen und nicht der oft zu hörenden Meinung anheimfallen: „Diese
Bastion geben die Sowjets nie wieder heraus!" In Wirklichkeit werden die
Russen Königsberg und das nördliche Ostpreußen ohne Bedauern wieder räumen,
wenn sie glauben, dieses Gebiet habe für ihre militärischen Intentionen
nicht mehr die überragende Bedeutung wie jetzt. 

Seite 3   Russische Meeresforschung in Königsberg konzentriert. Lösen die
Sowjets das Atlantisrätsel? 
Am Moskauer Sender berichtete kürzlich der Sowjetgelehrte Professor
Schiroff, man glaube nach verschiedenen russischen Meeresforschungen im
Atlantik Spuren des sagenhaften, angeblich versunkenen Erdteiles Atlantis
zwischen Westafrika und Südamerika entdeckt zu haben. Sowjetische Forscher
hätten dabei festgestellt, dass es im Ozean eine beachtliche unterseeische
Bergkette sowie ein versunkenes großes Landplateau gebe. Die genaueren
Fundplätze nannte Schiroff nicht, er erklärte aber, auch andere Gelehrte
seien davon überzeugt, dass es tatsächlich das sagenhafte Land Atlantis
gegeben habe und dass dieses Gebiet vor etwa 12 000 Jahren im Weltmeer
versunken sei. Reste ehemaliger Kulturen von Atlantis habe man allerdings
bisher noch nicht entdeckt. 

Vor einiger Zeit teilte die Moskauer Akademie der Wissenschaften mit, dass
auf Regierungsbeschluss die gesamte atlantische Meeresforschung der
Sowjetunion eine neue Zentrale in der ostpreußischen Hauptstadt Königsberg
erhalte. Diesen neuen Königsberger Instituten werde eine beträchtliche
Flottille von speziellen Forschungsschiffen unterstellt. Für sie sollen auch
die Hafeneinrichtungen Königsbergs entsprechend eingerichtet werden. Bei
dieser Gelegenheit wurde dann mitgeteilt, dass eines der großen russischen
Spezialschiffe für Fischerei- und Meeresforschung bereits im Atlantik und
den Gewässern des Golfes von Guinea tätig gewesen ist. Man darf wohl
annehmen, dass gerade auf diesen Fahrten, die nach Moskauer Berichten auch
zur Entdeckung neuer Fischvorkommen im Atlantik führten, auch die
Forschungen in der Atlantisfrage vorgenommen wurden. 

Dass es einmal eine abgesunkene Landbrücke zwischen Südamerika und
Westafrika gegeben hat, wird heute von vielen Forschern angenommen. Die
Erinnerung an versunkenes Land muss sich in der Menschheit lange erhalten
haben. Kein Geringerer als der große Platon hat vor 2500 Jahren die einstige
Existenz von „Atlantis" in seinen Werken behauptet. Man darf mit einiger
Spannung weiteren Forschungen entgegensehen. 

Seite 3   Königsberger Werften arbeiten wieder 
Der sowjetisch besetzte Hafen von Königsberg erhält eine besondere Bedeutung
dadurch, dass er Hauptumschlagplatz für den Armeebedarf und Stützpunkt
sowjetischer Küstenwachboote ist. Die Werften sind wieder in Betrieb. Selbst
größere Schiffe können sie erreichen, da der Schifffahrtskanal Pillau —
Königsberg vertieft worden ist. Hier wird neuerdings auch die geplante
Antarktis-Expedition der Sowjets zusammengestellt und ausgerüstet. Die
Hafenleitung besteht meist aus jungen Theoretikern des Hafenverkehrs, die
von der Schulbank hierher kommen, um praktische Kenntnisse und Erfahrungen
zu sammeln. Somit ist eine weitere wesentliche Bedeutung Königsbergs
aufgezeigt — der Hafen ist gewissermaßen Lehrhafen. Ein großer Bretterzaun,
der sich durch das gesamte Hafengebiet erstreckt, verbirgt die Stadt den
Blicken etwaiger ausländischer Besucher. 

Auf den Schiffen im Hafen von Memel, der ebenfalls zum russischen
Machtbereich gehört, wehen neben der am häufigsten vertretenen Sowjetfahne
auch die Flaggen Polens und Finnlands. An den Kais und den Betonspeichern
häufen sich die Ausfuhrgüter. Es hieß einmal, Memel solle ein großer
Kriegshafen werden, aber davon ist noch nichts zu sehen. Dagegen wird alles
getan, um Memel zu einem Fischereihafen zu machen. Die Umladearbeiten im
See- und Flusshafen sind nahezu voll mechanisiert. Neu erbaut wurde der
Fischereihafen, in dem zwei Fischereiflottillen stationiert sind. Daneben
entstanden nach dem Kriege eine Schiffsreparaturwerft, ein Werk zur
Herstellung von Schiffsausrüstung und ein Kühlhauskombinat. Memel ist
außerdem in das gut ausgebildete Binnenschifffahrtsnetz der Sowjetunion über
eine neugeschaffene Schiffsverbindung nach Kaunas angeschlossen.

Re: [OWP] Katholische KB Marienwerder

Date: 2016/12/01 19:17:16
From: Udo Majewski <urski(a)bitel.net>

Hallo Andreas,

die polnischen Kirchenbücher wurden 2002 vom Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg an Polen zurückgegeben, wo sie heute in verschiedenen Archiven lagern. In Regensburg verblieben Fotokopien, die dort im Archiv einzusehen sind. In einem Katalog von 1962 über ostdeutsche katholische Kirchenbücher steht unter

*    Marienwerder */ Westpr. (Kreisstadt),
    Hlste. Dreifaltigkeit, Dek. Stuhm,
Kreis mit aufgesetztem Kreuz//[/Zeichen für Erzdiözese bzw. Diözese/] Ermland, a) 1858 [/= Jahr der Gründung bzw. ersten Erwähnung des kirchenbuchführenden Kirchorts bzw. Erbauungsjahr der Kirche/]
    b) * oo † 1858 [/Kirchenbücher geführt seit . . . /]
    c) teilweise vernichtet
d) * 1858 - 1883, oo 1558 -1930, [/jetziger Verwahrungsort/; war bis zur Rückgabe an Polen das Bischöfl. Zentralarchiv Regensburg] † 1858 - 1889 *KBA* ;/[[Damals, 1962, Kath. Kirchenbuchamt und Archiv, 8 München 15, Bavariaring 24, danach Regensburg]]
/    e) Ernst Laws [/letzter deutscher Pfarrer bzw. Seelsorger/]

Leider ist das alles, was der Quellennachweis hergibt. Die kursiven Satzteile sind die Erläuterungen zu den Buchstaben a) - e). 1963 konnte ich noch ein Exemplar dieses Quellennachweises im Katholischen Kirchenbuchamt und Archiv München erstehen. Bald danach war nur noch das Bischöfliche Zentralarchiv in Regensburg für die Forschung zuständig. Weitere Exemplare der Schrift waren nicht mehr erhältlich. Allerdings ist mir auch nicht bekannt, ob es nicht noch Ergänzungen zu der Fülle der Kirchorte gab, da nur alle bis 1962 aus Polen mitgebrachten und archivierten katholischen Kirchenbücher aufgeführt waren. Es ist durchaus möglich, dass später aufgefundene Bücher, die z.B. in anderen Archiven aufgefunden wurden, oder noch nicht abgegeben waren, in diesem 'Quellennachweis' nicht aufgeführt werden konnten. Zumindest Ähnliches wurde mir in Berlin im evang. Zentralarchiv berichtet, wo wohl auch einige kath. Kirchenbücher als "Irrläufer" abgegeben, aber längst an die richtige Adresse weitergeleitet wurden.

Im Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg war allerdings mittlerweile ein neues Handbuch erstellt worden, das aber zu meiner Verwunderung der Öffentlichkeit leider nicht zugänglich gemacht wurde.

Ich hoffe, dass die Information aus meinem 1962er Quellennachweis schon etwas weiter hilft-

Gruß
Udo (Majewski)



Am 01.12.2016 um 14:20 schrieb Eckert, Andreas:
Liebe Listenmitglieder,

kann jemand sagen, ob die katholischen Kirchenbücher von Marienwerder, Taufen ab 1884, noch existieren und wo sie sich derzeit befinden ?

Auf der Westpreußen-Seite ist "ab 1884 ff." mit einem "?" versehen ...


Mit besten Grüßen,
Andreas (Eckert)

_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l


[OWP] Neue Digitalisate im Staatsarchiv Allenstein

Date: 2016/12/01 19:52:32
From: Clemens Draschba <ahnen(a)draschba.de>

Werte Listenteilnehmer,

heute erschienen wiederum 13.752 neue Digitalisate in 119 Einheiten aus dem Standesamtsbezirk Pillau II, (Kreis Fischhausen) im Staatsarchiv Allenstein unter der Signatur 42/1737/0. Der Bestand scheint soweit fast vollständig zu sein und enthält auch alphabetische Namensregister. Bereits Anfang Oktober erschienen die Digitalisate der Signatur 42/1736/0 aus dem Standesamtsbezirk Pillau I.

Weitere Informationen unter: http://allenstein.draschba.de/neues.php

In Kürze wird auch eine Aktualisierung dieser, meiner Webseite mit ein paar Neuerungen erfolgen.

Viele Grüße,
Clemens Draschba


[OWP] Recherche nach Ernst SCHROEDER und Gerta MED LER aus Königsberg/Pr.

Date: 2016/12/01 20:05:59
From: Lars Kraegeloh <l.kraegeloh(a)gmx.de>

Liebe Listenmitglieder,

ich möchte mich kurz vorstellen. Mein Name ist Lars Kraegeloh, ich wohne in Köln und arbeite als Lehrer für Deutsch und Geschichte an einem Gymnasium im Rheinland.

Ich betreibe Familienforschung besonders über meinen Großvater Ernst SCHROEDER, geb. 05.11.1897 In Königsberg, verheiratet mit Gerta MEDLER, geb. 07.12.1904 ebenfalls in Königsberg. Herr Schroeder war nach dem Krieg Lebensgefährte meiner leiblichen Großmutter und lebte in Georgsmarienhütte (Kreis Osnabrück), während Frau Schroeder, geb. Medler nach dem Krieg zunächst in Mündelheim, später Augsburg lebte, wo sie am 23.10.1978 auch starb.

Über meinen Großvater weiß ich, dass er im Ersten Weltkrieg im 33. Füsilier-Regiment "Graf Roon" gedient hat und 1917 während der Schlacht bei Wytschaete (Flandern) in britische Kriegsgefangenschaft geriet. Seine Heimatanschrift war laut britischer Kriegsgefangenenakte Unterhaberberg 54, dort wohnte sein Vater Gottfried Schroeder, der im Königsberger Adressbuch von 1941 als Sozialrentner geführt wird.

Nach dem Krieg und der britischen Gefangenschaft arbeitete er in den 1920er Jahren - nach einer kaufmännischen Ausbildung - als Buchhalter/ Lagerverwalter bei den Königsberger Werken und Straßenbahnen. Seit 1914 war er Mitglied der IG Metall. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschlug es ihn dann nach Georgsmarienhütte bei Osnabrück, wo er meine verwitwete Großmutter kennen lernte und wo er bei den Klöckner- Stahlwerken Arbeit fand. Er starb mit knapp 90 Jahren.

Es wäre schön, wenn ich über diese Liste Informationen über meinen Großvater und seine Ehefrau Gerta Medler erhalten könnte. (Im Adressbuch von 1941 finden sich Einträge zu Maedler, nicht aber zu Medler). Vielleicht gibt es auch Experten, die sich mit der Geschichte des Regiments aus dem Ersten Weltkrieg auskennen (im Zweiten Weltkrieg wurde er wieder eingezogen, zunächst zum Landesschützen-Bataillon 1 in Königsberg (laut Deutscher Dienststelle/ WASt)). Auch Informationen über die Königsberger Werke und Straßenbahnen wären sehr hilfreich.

Einen schönen Abend allen Forscherinnen und Forschern wünscht

Lars Kraegeloh

l.kraegeloh(a)gmx.de

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 03 vom März 19 59

Date: 2016/12/01 22:09:24
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 4   Fast ein Viertel sind Vertriebene und Flüchtlinge. Interessante
Zahlen aus der Bundesstatistik / 26 Prozent in Rheinland-Westfalen 
Fast ein Viertel aller Bürger des Bundesgebietes (ohne West-Berlin und ohne
das Saarland) sind Vertriebene oder Flüchtlinge. Nach dem Stand vom 1.
Oktober 1958 haben die Vertriebenen und Flüchtlinge an der Wohnbevölkerung
des Bundesgebietes von 51,3037 Millionen Menschen einen Anteil von 12,4753
Millionen Personen. Das sind 24,3 Prozent. Während die Zugewanderten aus der
Sowjetzone mit 3,1363 Millionen einen Anteil von 6,1 Prozent haben, sind die
Vertriebenen mit 9,339 Millionen an der westdeutschen Bevölkerung zu 18,2
Prozent beteiligt. 

In der Zeit vom 13. September 1950 bis zum 1. Oktober 1958 stieg die Zahl
der Vertriebenen im Bundesgebiet (ohne West-Berlin und Saarland)um 1,5094
Millionen an, während sich die Zahl der Zugewanderten aus der Sowjetzone um
1,5812 Millionen erhöhte. Zusammen wuchs die Zahl der Vertriebenen und der
Flüchtlinge somit um 3,0906 Millionen — das sind 32,9 Prozent — an, während
sich die Zahl der übrigen Bevölkerung im gleichen Zeitraum nur um 517 400
Menschen, also lediglich um 1,4 Prozent erhöhte. 

Die meisten Vertriebenen, nämlich 26 Prozent der Gesamtzahl, wohnen in
Nordrhein-Westfalen. Es folgen Bayern mit 18,9 Prozent, Niedersachsen mit
17,9 Prozent und Baden-Württemberg mit 14,2 Prozent. In Hessen leben 9,2
Prozent aller Vertriebenen, in Schleswig-Holstein 6,9 Prozent, in Hamburg
2,6 Prozent, in Rheinland-Pfalz 3,2 Prozent und in Bremen 1,1 Prozent. Die
Hauptvertriebenen-Länder — Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein —
sind an 
der Gesamtzahl der Vertriebenen zusammen mit 43,7 Prozent beteiligt.

Der Anteil an der Bevölkerung des Landes ist jedoch in Schleswig-Holstein
mit 28,2 Prozent am größten. In Niedersachsen beträgt er 25,6 Prozent und in
Bayern 19,1 Prozent. Es folgen Hessen mit 18,5 Prozent, Baden-Württemberg
mit 17,9 Prozent, Nordrhein-Westfalen mit 15,8 Prozent, Bremen mit 15,2
Prozent, Hamburg mit 13,6 Prozent und Rheinland-Pfalz mit 8,8 Prozent. 

Zusätzlich sind in West-Berlin - unter 2,286 Millionen Einwohnern - am 1.
Oktober 1958 insgesamt 184 500 Vertriebene gezählt worden. Die Zahl der
Vertriebenen im Westteil der deutschen Hauptstadt ist in der Zeit vom 13.
September 1950 - dem Datum der Volkszählung — bis zum 1. Oktober 1958 um
insgesamt 36 483 Menschen gestiegen. Das ist eine Steigerung von 24,6
Prozent. — Aus dem Saarland liegen noch keine statistischen Angaben vor. 

Seite 4   Förderung von Aussiedler- Kindern. Jetzt 200 Einrichtungen mit
7000 Plätzen. 
In der Bundesrepublik stehen zurzeit etwa 200 Heimförderschulen mit rund
7000 Plätzen für die Aussiedlerkinder zur Verfügung. Träger dieser
Einrichtungen, die von Bund und Ländern unterstützt werden, sind in der
Regel die freien Wohlfahrtsverbände. Außerdem werden in größeren Städten
durch die örtlichen Schulbehörden offene Fördermaßnahmen ausgeführt. 

Wie notwendig solche Maßnahmen sind, wird schon aus der Tatsache deutlich,
dass von den 106 400 Aussiedlern, die 1957 ins Bundesgebiet kamen, etwa 22
000 den Altersstufen angehören, die einer solchen Förderung bedürfen. In den
ersten neun Monaten des Jahres 1958 waren es 20 000 von insgesamt 103 600
Aussiedlern, die in Westdeutschland meist aus den polnisch verwalteten
deutschen Ostgebieten und aus Polen eintrafen. In den Fördereinrichtungen
sollen die Kinder in verhältnismäßig kurzer Zeit die Lücken in der deutschen
Sprache ausfüllen, das Lehrziel der deutschen Volksschule erreichen und in
freiheitlich-demokratisches Denken eingeführt werden. 

Der Bundesminister für Familien- und Jugendfragen hat den Ländern für diesen
Zweck Mittel zur Gewährung von Ausbildungsbeihilfen aus dem „Vorlage- und
Zuschusstitel des Bundeshaushalts zur Eingliederung jugendlicher Zuwanderer"
zur Verfügung gestellt. Die Schaffung von Heimplätzen in den genannten
Fördereinrichtungen wurde in die Maßnahmen des Bundesjugendplans einbezogen.


Seite 4   Moderne Wohnsiedlung 
Die modernste Flüchtlingswohnsiedlung in der Bundesrepublik ist nach Ansicht
saarländischer Fachleute die in Homburg eingeweihte Wohnsiedlung des
Saarlandes. Mit einem Aufwand von rd. 3 Millionen Mark sind inmitten eines
am Stadtrand gelegenen Waldgeländes 19 zweigeschossige Häuser mit 76
Wohnungen und 190 Zimmern gebaut worden. 180 - 190 Flüchtlingsfamilien mit
etwa 750 Angehörigen sollen hier jeweils für die Dauer bis zu 6 Monaten
untergebracht werden. Die ersten 17 Familien mit 30 Angehörigen sind bereits
eingezogen. Jeder Familie stehen je Kopf 4 qm Wohnfläche zur Verfügung. Die
Landeswohnsiedlung soll noch in diesem Jahr durch einen Kindergarten
erweitert werden. Später ist der Bau eines Gemeinschaftshauses vorgesehen. 
Seite 4   Urkundenbeschaffung 
Wie die Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln mitteilt, können
katholisch-kirchliche Urkunden (Tauf-, Trau- und Sterbeurkunden) aus
Schlesien, Pommern, Danzig, Ost- und Westpreußen sowie aus Ungarn und
Jugoslawien durch das katholische Kirchenbuchamt beschafft werden, soweit
die Kirchenbücher in diesen Gebieten erhalten geblieben sind. Aus der
deutschen Sowjetzone und der Tschechoslowakei sind keine Urkunden zu
erhalten. Diese kirchlichen Urkunden können auch nach staatlichem Recht
öffentliche Urkunden ersetzen, soweit staatliche Personenstandsurkunden
verloren gegangen sind. 

Seite 4   Siedlerschule Katlenburg.
Die ländlich-hauswirtschaftliche Frauenschule in Katlenburg/Harz beginnt
Ostern 1959 ihr neues Schuljahr.
 
Die Schule will 20 Töchtern sowohl von Vertriebenen und Flüchtlingen als
auch von Einheimischen eine abgeschlossene ländlich-hauswirtschaftliche
Ausbildung vermitteln, um sie zu befähigen, als Siedler- und Bauersfrauen
ihre Aufgaben in fortschrittlicher Weise zu erfüllen. Die Schule gibt der
zukünftigen Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft die Fachausbildung. Sie
vermittelt das Pensum der Unterklasse einer Landfrauenschule. Als Aufnahme
gelten Mindestalter 17 Jahre, abgeschlossene Volks- und Berufsschulbildung
und 3-jährige ländlich-hauswirtschaftliche Lehrzeit.

Der Lehrplan sieht vor: Kochen, Ernährung- und Naturlehre, Haushaltsführung,
Nadelarbeit, gestaltendes Werken, Weben, Gartenbau und Kleintierhaltung,
gärtnerische Praxis, Gesundheits- und Kinderpflege, außerdem Heimat- und
Gemeinschaftskunde, Singen, Sport, Laienspiel.

Wandern und Fahrten erschließen die herrliche Umgebung des Harzes. Lieder,
Spiele und Gemeinschaftstanz verbinden die jungen Menschen zu einer frohen
Runde.

Weitere Auskünfte erteilt die Ländlich-hauswirtschaftliche Frauenschule der
Siedlerschule Katlenburg/Harz. 

Seite 4   Fast 6,9 Millionen Ausweise A, B und C 
Im Bundesgebiet — einschließlich Westberlin, aber ohne das Saarland — wurden
bis zum 30. September 1958 insgesamt 7,746 342 Millionen Anträge auf
Ausstellung eines Ausweises A, B oder C gestellt. Die Anträge auf Ausweise A
waren mit 87,5 Prozent, die Anträge auf Ausweise B mit 3 Prozent und die
Anträge auf Ausweise C mit 9,5 Prozent an der Gesamtzahl beteiligt. 6 897
548 Anträge — das sind 89 Prozent aller Anträge — führten zur Ausstellung
des gewünschten Dokuments. 4,1 Prozent der Anträge wurden abgelehnt; 4,5
Prozent erledigten sich durch Zurücknahme, Verzug oder Tod, und 2,4 Prozent
blieben noch unerledigt. 

Ausgestellt wurden 6,342 903 Ausweise A für 8,242 751 Personen, 187 796
Ausweise B für 258 283 Personen und 366 849 Ausweise C für 507 654 Personen.
Die Ablehnungs-Quote betrug 0,7 Prozent bei den Anträgen auf Ausweis A, 8,5
Prozent bei den Anträgen auf Ausweis B und 34,5 Prozent bei den Anträgen auf
Ausweis C.

Seite 4   Erhöhung der Bewilligungsziffern 
Der Wohnungsbau für Flüchtlinge, Aussiedler und die ihnen gleichgestellten
Personenkreise hat sich auf der Basis der sogenannten Kanzlerlösung gut
entwickelt. Während im Monatsdurchschnitt 1953 insgesamt 3400 Wohneinheiten,
1954 etwa 1500 Wohnungen, 1955 rund 2000, 1956 etwa 2600 und 1957 rund 2800
Wohneinheiten bewilligt wurden, waren es im Monatsdurchschnitt des ersten
Halbjahres 1958 — also nach dem Anlaufen des jetzigen
Finanzierungsverfahrens — 6000 Wohneinheiten. Diese Ziffer steigerte sich im
Juli 1958 auf 9400, im August 1958 auf 11 600 und im September 1958 auf 11
800 Wohnungen. 

Nach Ansicht des Bundesministeriums für Vertriebene, Flüchtlinge und
Kriegsgeschädigte berechtigt diese steigende Tendenz zu der Hoffnung, dass
in absehbarer Zeit der Wohnungsbau nicht nur dem Zustrom entspricht, sondern
— darüber hinaus — in der Lage sein wird, besondere Stöße aufzufangen und an
den Abbau der Durchgangslager, Wohnlager und Notunterkünfte kräftig
heranzugehen. Wichtig sei aber dabei, dass die erprobte Grundlage der
günstigen Entwicklung entweder nicht erschüttert oder nur durch eine
gleichartige Lösung ersetzt wird, die keine Unterbrechung verursacht oder
psychologisch möglich macht. 

Seite 4   Hauptentschädigung für 65-jährige 
Nach einer dieser Tage veröffentlichten Freigabeanordnung des Präsidenten
des Bundesausgleichsamtes kann jetzt Hauptentschädigung nach dem
Lastenausgleichsgesetz ausgezahlt werden, wenn der Erfüllungsberechtigte am
31. Dezember 1958 das 65. oder ein höheres Lebensjahr vollendet hat, also
vor dem 1. Januar 1894 geboren ist. Die Hauptentschädigung wird bis zu einem
Auszahlungsbetrag von 5000 DM voll erfüllt. 

Voraussetzung für die Auszahlung der Hauptentschädigung ist die Feststellung
des Vermögensschadens und ein entsprechender Zuerkennungsbescheid.

Seite 4   Familienanzeigen
Gänzlich unerwartet verstarb am 12. Februar 1959 im 82. Lebensjahr im
Altersheim zu Barrien (Bez. Bremen) Turnbruder Adolf Saßermann, vom
Männer-Turn-Verein Marienburg und Turnverein Marienwerder. Dieser aufrechte
deutsche Mann mit seinem echten turnerischen Wesen, seiner offenen
Herzensfröhlichkeit, seiner Einsatzbereitschaft in der Öffentlichkeit und
mehr noch in stiller Arbeit für seinen Verein und darüber hinaus für das
deutsche Turnen insgesamt, wird uns unvergessen bleiben und als Vorbild
umschweben besonders die Jugend, für die er zeitlebens ein besonderer
Förderer und Betreuer gewesen ist. Ehre seinem Andenken! Turnerfamilie
Ostpreußen-Danzig-Westpreußen. Wilhelm Alm 

Nach langem, schwerem Leiden entschlief am 18. Februar 1959 zu Leer
(Ostfriesland), 73 Jahre alt, unser Turnbruder Walter Ammon. Nach dem Siege
im Fünfkampf beim Deutschen Turnfest 1908 in Frankfurt (Main) war er ein
ausgezeichneter Lehrer unserer 1. Riege. Rücksichtslos gegen sich selbst
stellte er — oft mit harter Kritik — höchste Forderungen an alles und jeden,
auch wenn er dadurch Unannehmlichkeiten hinnehmen musste. In der Geschichte
unseres Vereins wird sein Name für alle Zukunft unvergessen bleiben.
Königsberger Männer-Turn-Verein von 1842. Wilhelm Alm

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 03 vom März 19 59

Date: 2016/12/01 23:14:09
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 5   Die Kogge. Jugend- und Kinderbeilage der Ostpreußen-Warte. Nummer
3. März 1959.
Bild. Osterspaziergang. Von Johann Wolfgang v. Goethe.
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück,
Der alte Winter in seiner Schwäche
Zog sich in raue Berge zurück.

Seite 5   Mutterland – Vaterland
Als ich noch ein kleiner Junge war, dauerte es lange, bis ich mir vorstellen
konnte, was das eigentlich ist: das Vaterland. Anders erging es mir mit dem
Wort Mutterland. Das war mir gleich fasslich. Da verstand ich sofort, dass
mit diesem Wort nicht nur ein Landstrich mit seinen Grenzen gemeint sei,
sondern dass sich in ihm viel von dem Wesen der Mutter wiederfinden lasse –
viel Liebe zu den großen und kleinen Dingen, zu Blumen und Vögeln, zu
Liedern und Spielen. Und das Rauschen gehörte dazu, wenn sich der Wind erhob
und durch die Baumwipfel strich – das Brausen, wenn er über die Wellen der
Ostsee ritt und sie den Strand hinauftrieb.

Aber dann zeigte sich eine andere Seite. Sie war nicht schön und vertraut.
Ich hockte am Strande und baute Burgen aus dem feuchten Sand. Zum Wasser hin
erhielten sie eine feste Wehr, damit es das kunstvolle Bauwerk nicht
zerstöre, wenn die Wellen den Strand hinaufzögen. Aber schon am Nachmittag,
als sich ein Wind aufgemacht und die blitzende Fläche der glatten See erregt
und mit leichten Schaumkämmen gekrönt hatte, waren die Wellen über die
Burgen hinweggerollt und hatten sie verschlungen.

Da stach zum ersten Male ein Schmerz, der weher tat denn alle anderen zuvor,
weil ich hergeben musste und wusste nicht warum. Wohl aber half er mir dazu,
dass ich begreifen lernte, was es um das Vaterland sei. Ich stellte es mir
als etwas Festes und Trutziges vor, so wie den Vater sah; und die Hauptsache
sei es wohl, so meinte ich, dass es eine feste Mauer besitze, die es so
stark umschließe, dass alle Feinde vergebens dagegen anrannten.

So lernte ich früh, dass Mutter wohl etwas mit dem Herzen und Vater mit dem
sichtbaren Land und den Grenzen der Heimat, die mich trug, zu tun habe. Wie
eng und tief sie aber daran Anteil hatten und mich mit ihr verbanden, erfuhr
ich erst viel später. Da schritt ich durch die Höfe und Felder, die meiner
Sippe gehörten – ging ich über die Heide, da einst mein Großvater als Bub
die Schafe gehütet – durch die Schule, da ein anderer meines Namens den
Lehrerstock geschwungen – stand am Ufer, wo der Urahn die Netzte getrocknet
und sein Fischerboot geteert – wanderte durch den Park, den ein Altvorderer
gehütet und gepflegt hatte. Da spürte ich etwas von den vielfältigen Fäden,
die mich an das Land banden und von denen ich meinte, dass sie niemals
reißen könnten.

Derweil sind zwei Kriege über Feld, Wald und Strand gebraust. Alle Mauern
haben es nicht hindern könne, dass einer endlich das Land verschlang, wie es
einst die Wellen mit meinen Burgen am Strande getan hatten. Den Vater haben
sie schon früh eingegraben in den Dunklen Boden, der ihn nicht losließ. Die
Mutter verscharrten sie irgendwo, aber doch unter heimatlicher Erde. Konnte
es da anders sein, als dass die Fäden noch vielfältiger wurden und nun alle
in einem einzigen Herzen zusammenlaufen und daran zerren, damit nicht nur
wehmütige Erinnerung bleibe, sondern noch viel mehr Liebe zum Mutterland und
Vaterland wachse? Karl-Heinz Meyer
Entnommen dem Buch „Dein Tag bricht an“. Kreuz-Verlag, Stuttgart (siehe auch
die Besprechung auf Seite 6 der „Kogge“.)

Seite 5   Aus unserer Bücherkiste.
Liebe Leseratten!
Die schwedische Dichterin Astrid Lindgren hat schon viele schöne
Kinderbücher geschrieben, und im vergangenen Jahr erhielt sie dafür die
höchste Auszeichnung, die man als Verfasser von Kinderbüchern bekommen kann:
den von achtzehn Ländern gestifteten Hans-Christian-Andersen-Preis. Von
einigen ihrer Bücher, die auch in deutscher Sprache erschienen sind, will
ich Euch nun berichten. Vielleicht könnt Ihr sie Euch in der Bibliothek
ausleihen oder bei einer passenden Gelegenheit schenken lassen.

Es war einmal ein kleiner Junge in Stockholm, der hieß Bo Vilhelm Olsson.
Niemand kannte seine Eltern, er wuchs als Pflegekind bei fremden Leuten auf
und hatte es dort nicht besonders schlecht, aber auch nicht gerade besonders
gut. Eines Abends erfuhr er auf wunderbare Weise, dass er in Wirklichkeit
gar nicht Olsson hieß, sondern Mio. Sein Vater war König im Land der Ferne,
und Mio – Prinz Mio, wie man nun sagen muss – durfte zu ihm zurückkehren.
Aber das Königreich seines Vaters war von einem bösen Nachbarn bedroht, von
dem schwarzen Ritter Kato. Da bestieg Mio den Schimmel Miramis, und nur von
einem einzigen Freund begleitet zog er aus, um den Bösewicht zu besiegen.
Welche Abenteuer die Freunde unterwegs erleben, was für Gefahren sie
bestehen müssen, und wie es ihnen zuguterletzt doch gelingt, den Ritter Kato
zu überwinden und seine armen Opfer zu erlösen – diese märchenhafte
Geschichte könnt Ihr nachlesen in dem entzückend illustrierten Buch:

Astrid Lindgren: Mio, mein Mio. Verlag Friedrich Oetinger in Hamburg. 175
Seiten mit 65 zum Teil ganzseitigen Illustrationen von Ilon Wikland. Leinen
DM 7,80

Wer eine Vorliebe für besonders spannende Geschichten hat, dem möchte ich
die drei Bücher empfehlen, deren Held Kalle Blomquist ist. Dieser Kalle, ein
zwölfjähriger Junge, hat den Wunsch Detektiv zu werden. Das heißt, genau
genommen fühlt er sich bereits als Meisterdetektiv, es fehlt ihm nur an der
Möglichkeit, seinen großartigen Spürsinn unter Beweis zu stellen. Woher
sollen auch in dem schwedischen Landstädtchen Kleinköping die Gangster
kommen, ohne die selbst der beste Detektiv zur Untätigkeit verurteilt ist?
Nun, Kalle Blomquist braucht sich nicht allzu lang über den Mangel an
geeigneten Kriminalfällen zu beklagen. Er und seine Freunde werden
nacheinander in drei mehr als dunkle Geschichten verwickelt: eine Bande von
Juwelendieben taucht im Städtchen auf; in der Nähe des alten Herrenhauses
geschieht ein Mord; ein berühmter Erfinder und sein kleiner Sohn Rasmus
werden auf eine einsame Insel entführt und sollen von dort aus mit dem
Flugzeug ins Ausland verschleppt werden. Jedes Mal schlittern Kalle,
Eva-Lotte und Anders vollkommen ahnungslos in den Strudel dieser Ereignisse
hinein, und jedes Mal glückt es ihnen mit Knapper Not und nach vielen
haarsträubenden Abenteuern, die Dinge wieder ins rechte Lot zu bringen. Das
sind natürlich höchst unwahrscheinliche Erlebnisse, aber sie werden so
packend erzählt, dass man für ein paar Stunden alles vergisst, was rings um
einen vorgeht. Und wenn Kalle Blomquist langsam, aber sicher zu der
Überzeugung kommt, dass „Meisterdetektiv“ in Wirklichkeit gar kein so
schöner Beruf ist, wie er sich ihn vorgestellt hatte, so werdet auch Ihr ihm
beipflichten. Die drei Bücher heißen:

Astrid Lindgren: Meisterdetektiv Kalle Blomquist. Kalle Blomquist lebt
gefährlich und Kalle Blomquis, Eva-Lotte und Rasmus. Alle drei im Verlag
Friedrich Oetinger in Hamburg. Jeder Band ca. 160 Seiten, Halbleinen DM 6,80

Zum Schluss möchte ich Euch noch auf zwei Bücher von Leo Wispler hinweisen,
die ich mit großer Freude gelesen habe. Sie gehören zu den seltenen Büchern,
die unterhaltsam und spannend sind, zugleich aber eine Menge wichtiger
Kenntnisse vermitteln. Da lebt in Hamburg ein Kunstmaler mit dem Spitznamen
Barbarossa, der von Zeit zu Zeit ein paar Jungen und Mädchen um sich
versammelt, die alle gern zeichnen und malen. Angeregt durch einige seiner
Bilder, beschließen die jungen Leute, in den Sommerferien diejenigen
Gegenden unseres Vaterlandes aufzusuchen, aus denen die Motive dieser Bilder
stammen. Die eine Gruppe radelt durch das Schelmenland an der Weser, eine
andere besucht Rothenburg ob der Tauber und lernt bei dieser Gelegenheit
auch die Lande am Main kennen, mit ihren verträumten Städtchen und
malerischen Winkeln. Zwei Mädchen aus dem Freundeskreis schließen sich einer
Schar junger Engländerinnen und Französinnen an und bereisen mit ihnen
Süddeutschland, vom Allgäu über den Bodensee bis in den Schwarzwald; und
einer der Buben verbringt die Ferien bei Verwandten auf einem Bauernhof in
Schleswig-Holstein. Durch einen kleinen Kunstgriff hat Barbarossa dafür
gesorgt, dass seine jungen Freunde unterwegs die Augen offen halten, und wie
sie am Ende ihrer Fahrten wieder in Hamburg zusammenkommen, da haben sie
nicht nur eine Reihe ungewöhnlicher und lustiger Erlebnisse hinter sich, um
die jeder Junge und jedes Mädchen sie mit Recht beneiden darf: sie (und mit
ihnen der Leser) haben zugleich auch einige der schönsten deutschen
Landschaften mit all ihren Eigenarten und verborgenen Reizen von Grund auf
kennengelernt. Auf ähnliche Weise, im Lauf einer an Überraschungen reichen
Handlung, führt das zweite Buch kreuz und quer durch die Lüneburger Heide,
an den Rhein nach dem Taunus und in das Moselland. Beide Bände mit ihren
zahlreichen feinen Federzeichnungen erzählen mehr von Deutschland, seinen
Menschen und seinen Schönheiten als mancher gelehrte Wälzer. Und wenn Euch
beim Lesen die Reiselust packen sollte, dann ergeht es Euch ebenso wie mir.
Jedenfalls kann ich Euch die beiden Bücher, deren Titel Ihr hier verzeichnet
findet, wärmstens empfehlen:

Leo Wispler: Wir sind durch Deutschland gefahren und Wir sind in Deutschland
geblieben. Beide im Baken-Verlag, Hamburg. Jeder Band ca. 220 Seiten mit
über 100 Zeichnungen und Karten von Siegfried Oelke, Großoktav, Glanzband,
DM 10,80

Greifen wir nun noch ein Buch heraus, das sich wie wenige besonders als
Geschenk zur Konfirmation eignet. Das sagt schon der Titel:
Dein Tag bricht an. Herausgeber im Auftrage von D. Dr. Reinhold von
Thadden-Trieglaff. Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages von
Johann Christoph Hampe. Kreuz-Verlag, Stuttgart, 384 Seiten, mit vielen
Kunstdrucktafeln. Gln. DM 12,80

Obwohl sich dieses Buch vornehmlich an den jungen Menschen wendet, ist es
für das ganze Leben geschenkt: ein Weg- und Lebensbegleiter im besten Sinne.
Der Herausgeber hat hier aus dem Schatzkästlein deutscher Dichtung und
Weltbetrachtung eine wohlabgestimmte Auswahl getroffen, die alle
Lebensbereiche in sich einbezieht. Das gleiche gilt auch für die
ausgewählten Fotos. Das Buch will den jungen Menschen an die Hand nehmen und
behutsam über die Schwelle führen, hinter der der Ernst des Lebens wartet.
In seiner ganzen Vielfalt erschließt sich dem Leser dieses Leben: Beruf,
Heimat und ferne Länder, die Wunder in der Natur, die Gnade einer stillen
Stunde und das Ahnen um die schöpferische Kraft, die hinter allem wirksam
ist. Von diesem Buch kann man nur wünschen, dass es recht viele Menschen
durch das Leben leitet.

Und nun wünsche ich Euch viele schöne Stunden beim Lesen und bleibe für
diesmal mit herzlichen Grüßen Euer Otfried Preußler

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 03 vom März 19 59

Date: 2016/12/02 17:57:14
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 6   Von Jean Paul
Was Du sagest /
Das sei wahr
Ehrlich bleibe
immerdar /
Halte Wort
in jedem Fall.
Dann traut man Dir
überall.

Seite 6   Meerleuchten / Von J. G. Forster
Johann Georg Forster (geboren am 26.11.1754 in Nassenhuben bei Danzig,
gestorben am 11.01.1794 in Paris) nahm, kaum 18-jährig, in Begleitung seines
Vaters Johann Reinhold an der zweiten Cook‘schen Weltumseglung (1772 – 1775)
teil. Wir verdanken ihm eine der schönsten Reisebeschreibungen („Johann
Reinhold Forsters Reise um die Welt in den Jahren 1772 -7175“), aus der wir
den nachstehenden Abschnitt entnehmen.

Am 29. frühmorgens entdeckten wir das äußere Ende von Afrika. Es war mit
Wolken und Nebel bedeckt, und einige Solandgänse, ?ingleichen (nicht lesbar)
kleine Sturmtaucher nebst verschiedenen wilden Enten kamen von da in See.
Der zunehmende Nebel entzog uns den Anblick des Landes bald wieder, bis sich
endlich um drei Uhr nachmittags die Luft aufhellte und uns die Küste von
neuem, zwar nicht ganz wolkenfrei, jedoch ungleich deutlicher als zuvor
sehen ließ. Da der Wind sehr frisch und die „Adventure" *) weit zurück war,
so durften wir es nicht wagen, noch diese Nacht in die Tafel-Bai
einzulaufen. Wir nahmen daher bei einbrechendem Abend die Segel ein, zumal
da das Wetter sehr finster wurde und harter Regen mit Stoßwinden beständig
abwechselte. 

Kaum wars Nacht geworden, als die See rund um uns her einen großen,
bewunderungswürdigen Anblick darbot. So weit wir sehen konnten, schien der
ganze Ozean in Feuer zu sein. Jede brechende Welle war an der Spitze von
einem hellen Glanz erleuchtet, der dem Lichte des Phosphors glich, und
längst den Seiten des Schiffes verursachte das Anschlagen der Wellen eine
feuerhelle Linie. Hiernächst konnten wir auch große leuchtende Körper im
Wasser unterscheiden, die sich bald geschwind, bald langsam, jetzt in
einerlei Richtung mit dem Schiff, dann wieder von uns weg bewegten. Zuweilen
sahen wir ganz deutlich, dass diese Massen als Fische gestaltet waren und
dass die Kleinern den Größern aus dem Wege gingen. Um dies wunderbare
Phänomen genauer zu untersuchen, ließen wir einen Eimer solchen leuchtenden
Seewassers aufs Verdeck holen; es fand sich, dass unzählbare leuchtende
Körperchen von rundlicher Gestalt, die mit großer Geschwindigkeit darin
herumschwammen, jenen glänzenden Schein hervorbrachten. Nachdem das Wasser
eine Weile gestanden hatte, so schien die Zahl der Funken sich zu
vermindern; sobald wir's aber von neuem rührten, so ward es wieder so
leuchtend als zuvor. Auch bemerkten wir, wenn das Wasser nach und nach ruhig
ward, dass die hellen Körper wider die zitternde Bewegung oder in dem Strom
desselben schwammen; ob sie gleich bei stärkerem Rühren der Richtung, nach
welcher sich das Wasser alsdann bewegte, nicht widerstehen konnten, sondern
mit derselben fortgerissen wurden. Um noch zu bestimmen, ob diese Tierchen
ein eigentümliches Vermögen hätten, sich zu bewegen, oder ob ihre Bewegung
vielleicht bloß vom Schwanken des Schiffes herrühre, durch welche das Wasser
im Eimer unablässig gerüttelt ward, ließen wir diesen freischwebend
aufhängen. Dieser Versuch setzte ihre selbständige Bewegungskraft durch den
Augenschein außer Zweifel und bewies zugleich, dass die äußere Bewegung des
Wassers das Leuchten zwar nicht hervorbringe, aber doch befördere; denn wenn
das Wasser ganz still war, so verminderte sich das Funkeln nach und nach,
aber bei der geringsten Bewegung kam es wieder und nahm in eben dem Maße zu,
als jene verstärkt wurde. Als ich das Wasser mit der Hand umrührte, blieb
eins von den hellen Körperchen daran hängen; und ich machte mir diesen
Umstand zunutze, um es mit dem gewöhnlichen Glase des verbesserten
Ramsdenschen Mikroskops zu untersuchen. Hier zeigte es sich in einer
kugelförmigen Gestalt, etwas bräunlich und durchsichtig wie Gallert; mit dem
stärksten Glase aber entdeckten wir an diesem Atom die Mündung einer kleinen
Öffnung, und in selbigem vier bis fünf Darmsäcke, die unter sich und mit
jener Öffnung zusammenhingen. 

Nachdem ich auf diese Art verschiedene betrachtet hatte, die alle von
gleicher Bildung waren, so versuchte ich's, einige in einem Tropfen Wasser
zu fangen, um sie vermittelst eines hohlen Glases in ihrem Element unters
Mikroskop zu bringen, da sich dann ihre Natur und Organe hätten besser
bestimmen lassen: aber sie wurden durch geringste Berührung gemeiniglich
sehr beschädigt, und sobald sie tot waren, sah man nichts mehr an ihnen als
eine zusammenhängende Masse von Fasern. Nach ungefähr zwei Stunden hörte das
Meer gänzlich auf zu leuchten, und ob wir gleich noch vor Verlauf dieser
Zeit einen zweiten Eimer hatten schöpfen lassen, so waren doch alle
wiederholten Versuche, eines dieser Atome lebendig unters Glas zu bringen,
stets vergebens. Wir säumten daher nicht länger, von dem erst untersuchten
Kügelchen eine Zeichnung zu machen und unsere Beobachtung niederzuschreiben,
aus der sich mit Wahrscheinlichkeit vermuten lässt, dass diese kleinen Tiere
vielleicht die Brut einer Medusenart sind; doch können sie wohl auch ein
eigenes Geschlecht ausmachen. 

Es war in. diesem Phänomen so etwas Sonderbares und Großes, dass man sich
nicht enthalten konnte, mit ehrfurchtsvoller Bewunderung an den Schöpfer zu
denken, dessen Allmacht dieses Schauspiel bereitet hatte. Der Ozean weit und
breit mit tausend Millionen dieser kleinen Tierchen bedeckt! Alle
organisiert zum Leben; alle mit einem Vermögen begabt, sich zu bewegen, zu
glänzen nach Willkür, andere Körper durch bloße Berührung zu erleuchten und
ihre eigene leuchtende Eigenschaft abzulegen, sobald sie wollen! Diese
Betrachtungen drängten sich aus dem Innersten unsers Herzens empor und
geboten uns, den Schöpfer in seinen kleinsten Werken zu ehren. Es soll, ein
natürlicher Fehler junger Leute sein, eine gar zu gute Meinung von ihrem
Nebenmenschen zu haben; dem ungeachtet hoffe ich mich gewiss nicht zu irren,
wenn ich bei dieser Veranlassung von meinen Lesern erwarte, dass sie mit
meinen Empfindungen sympathisieren und weder zu unwissend noch zu verderbt
sein werden, solche geringzuschätzen. 

Nach einer sehr regnerischen Nacht liefen wir endlich mit Tagesanbruch in
die Tafel-Bai ein. Die im Hintergrunde derselben liegenden Berge waren nun
ohne Wolken und setzten uns durch ihren steilen, felsigen und dürren Anblick
in Erstaunen. Als wir tiefer in die Bai kamen, entdeckten wir die Stadt am
Fuß des schwarzen Tafelberges, und gelangten bald darauf vor Anker. Nachdem
wir das Fort begrüßt und von verschiedenen hiesigen Bedienten der
Holländisch-Ostindischen Companie am Bord unsres Schiffes Zuspruch bekommen
hatten, gingen wir in Begleitung unsrer beiden Kapitäne, Cook und Furneaux,
mit der frohen Erwartung an Land, dass wir in dem unsrigen so weit
entfernten und auf der andern Hälfte der Erdkugel gelegenen Weltteile viel
Neues für die Wissenschaften finden müssten. 

Erklärung: *) Die „Adventure" war das zweite an der Cookschen Reise
beteiligte Schiff. Forster Vater und Sohn waren auf dem Cookschen
Flaggschiff „Resolution" untergebracht.

Seite 6   Lied mit Noten. …öut Sommerföld goahn. (Öck wull möt min Leewsten)
Aus dem Weichselwerder (auch Samland)

1.	Öck wull möt min Leewsten önt Sommerföld goahn, önt Sommerföld
goahn, wull raffe on binde, wie andre Lid‘ don, wie andre Lid‘ don.
2.	Dat Raffe on Binde, dat ös mi to schwer, dat Herte on Posse, dat ös
min Begehr.
3.	De andre Lid raffe on binde dat Koorn, on öck on min Leewster huck‘
hinderem Dorn.
4.	Woll hinderem Dorn manke Blome on Krut.Doa bind öck e Kranzke, e
buntet, mi ut,
Mit freundlicher Genehmigung des Voggenreiter-Verlages, Bad Godesberg,
entnommen aus dem großen Liederbuch für Vertriebene „Unverlierbare Heimat“,
350 Lieder aller Landsmannschaften, 320 Seiten, Leinen. DM 10,--

Seite 6   Gerhard Bedarff. Der Befehl. Eine Erzählung aus der Geschichte des
Bernsteins 
Alle Rechte beim Autor. (5. Fortsetzung) 
„Nein!" antwortete der Pruzze zurückhaltend. „Aber ich habe ihn doch von den
Schiffen in eurem Hafen ausladen sehen!" meinte Publius. „Demnach muss er
doch von irgendwo in der Nähe herkommen. Du sagtest mir doch bereits, dass
diese Schiffe auf dem Wasser nach Norden fahren und nach gar nicht langer
Zeit auf ein Ufer stoßen und von dort Ware holen. Auf dem Markt sieht man
sehr viel Bernstein, also kann er gar nicht weit her sein!" Der Pruzze
wollte nicht mit der Wahrheit heraus. Er fürchtete mit Recht, dass diese
Fremden dann weiterfahren und damit ihre Bezugsquellen entdecken und
verraten würden. 

Publius hatte sich auch schon überlegt, wie er den Mann zum Reden bringen
könnte. Der Wein schmeckte dem Pruzzen, aber er vertrug auch eine Menge.
Außerdem, ihr Honigmet schmeckte mindestens ebenso gut. Das hatte Publius
bereits festgestellt. Jetzt kam es darauf an, wie er seinen Wirt am
geschicktesten hereinlegen konnte. Geschenke? Hm, man konnte es ja einmal
versuchen. Er ließ ein wunderbares römisches Kurzschwert kommen und schenkte
es seinem Wirt. Der ließ sich nicht lumpen und machte eine mit Bernstein
verzierte Gewandnadel, eine sogenannte Fibel, zum Gegengeschenk. Damit war
also nicht weiterzukommen. Publius verehrte, um sich einen guten Abgang zu
schaffen, seinem Wirt noch einen schön gearbeiteten Bronzebecher und ließ
dabei durchblicken, dass er noch mehr für seinen guten Freund hätte, wenn er
ihm die Quelle ihres Bernsteins verraten würde. Sein Wirt schenkte ihm
dagegen ein herrliches braunes Bernsteinstück, in dem eine Fliege
eingeschlossen war. Inzwischen war es Nacht geworden, und die beiden
„Freunde" gingen schlafen. Das heißt, eigentlich schliefen beide nicht. Der
Pruzze deswegen nicht, weil ihm die erhaltenen Geschenke keine Ruhe ließen,
und Publius deshalb nicht, weil er sich den Kopf darüber zerbrach, wie er
seinen Wirt zum Reden bringen könne. 

Am nächsten Morgen begrüßten sie sich mit den gegenseitigen Beteuerungen,
gut geschlafen zu haben. 

Publius hatte seinen Plan fertig. Er ließ alles zur Abfahrt fertig machen.
Die Pferde wurden angeschirrt, die Planen noch einmal nachgesehen, damit
nichts von den Schätzen, die auf den Wagen lagen, zu sehen war; die
Fuhrleute mussten sich auf die Wagen setzen, und Publius ließ sich sein
Pferd vorführen. Dann ließ er sich eine Kanne mit Wein reichen, einen
goldenen Becher dazu und kredenzte ihn seinem Wirt. Zum Perkunos! Solch ein
wunderbares Stück hatte der Pruzze noch nicht gesehen! Abgesehen davon, dass
es aus reinem Gold war, hatte ein geschickter römischer Goldschmied
phantastische Figuren hineingehämmert. Liebliche Frauengestalten schwebten
mit unnachahmlicher Grazie daher, die Venus mit ihren Gespielinnen, Zeus,
der Göttervater, und viele andere römische und griechische Götter.
Unwillkürlich streckte der Händler seine Hände nach diesem wundervollen
Becher aus. Bodo grinste seinen Freund an, so, als wollte er sagen: „Der
Alte hat es raus!" 

Freundlich lächelnd ließ Publius seinen Wirt aus dem Becher trinken,
schenkte sich selbst neu ein, trank ihn aus und wollte ihn wegstecken. Jetzt
war der Pruzze weich geworden. „Den Becher und noch einen dazu", bot er
aufgeregt dem römischen Offizier an, „dann erhältst du von mir so viel
Bernstein, dass du dich und deine Leute reichlich damit schmücken kannst!" 

Publius schüttelte den Kopf. Ein Wink an Bodo; der wusste schon, was los
war. Jetzt sollte das Staatsstück, ein Becher aus schillerndem Glas,
weiterhelfen. Ganz ruhig nahm er ihn aus einem besonderen Behälter im Wagen
und reichte ihn feierlich Publius, der so tat, als wäre das nichts
Besonderes. Dieses Glanzstück römischer Meister schillerte in allen
Regenbogenfarben. Er füllte ihn ebenfalls mit Wein und reichte ihn dem
Pruzzen. Dem fielen fast die Augen vor Bewunderung aus dem Kopf. Das war ja
Zauberei, was er da sah! Und dass der Wein nicht auslief! Aufgeregt zerrte
er den Römer in sein Haus zurück. Dabei hielt er krampfhaft das Glas in der
Hand fest. Natürlich musste Bodo herbei, um die sehr schwierige
Verständigung zu bewerkstelligen, denn der Händler redete wie ein
Wasserfall. Er ließ übersetzen: „Du brauchst nur immer das Wasser
entlangzureiten", dabei zeigte er auf den Drausensee, der damals noch ein
regelrechter Zipfel des Frischen Haffs war, „du kommst dann an einen großen
See (das Frische Haff). Den musst du immer entlang reiten, bis es nicht mehr
weiter geht. Dabei musst du doch noch einige Flüsse überschreiten. — Aber
das fällt dir ja nicht schwer", fügte er mit einem Blick auf die gut
ausgerüstete Mannschaft hinzu. „Du wirst dann an ein großes Meer kommen.
Dort findest du dann, was du suchst. Und nun wünsche ich dir gute Fahrt!"
Damit drehte sich der Pruzze um und verließ den Raum. 

Publius machte ein betroffenes Gesicht. Vermutlich dachte er sich, dass
dieser Verrat seinen Wirt unter Umständen das Leben kosten konnte. Denn von
den Händlern durfte keiner den Handelsweg verraten, weil sonst alle zur
Quelle zogen, um dort billiger zu tauschen. Aber es war nicht Publius Art,
sich über die Nöte anderer den Kopf zu zerbrechen. Er halte seinen Auftrag,
und den musste er ausführen. 

Er richtete sich genau nach der Beschreibung und fand dabei einen Weg vor,
den schon viele Händler gezogen waren. Er führte ihn das Haffufer entlang
über Braunsberg, Heiligenbeil, an Königsberg vorbei, das damals eine starke
Pruzzenfestung war, direkt in das Samland an die Bernsteinküste.  

An der Bernsteinküste. 
Nicht nur die römischen Soldaten und Händler, sondern auch Publius waren
sehr betroffen, hier ein großes Meer vorzufinden, von dem sie zwar auf
seiner Fahrt schon gehört hatten, das ihnen aber doch nicht glaubhaft
erschienen war. Dieses Meer sah auch ganz anders aus als das Mittelländische
Meer, das sie von Aquileia und ganz allgemein von der italienischen Küste
her kannten. 

Was Publius aber noch mehr in Erstaunen setzte, war der Betrieb, der hier
herrschte. Er war durch einen blanken Zufall in die Nähe von Palmnicken
geraten, und hier sah er Menschen aus aller Herren Länder, Menschen mit
Gesichtern und Trachten ,wie er sie noch nicht einmal in Aquileia, das doch
schon ein großer Umschlagsplatz für Bernstein war, beobachtet hatte. Hohe,
spitze Fellmützen bedeckten runde, stoppelige Schädel mit breiten, flachen
Gesichtern, wie sie ihm schon in der Siedlung am Drausensee aufgefallen
waren. Aber auch edel geschnittene Gesichter mit geraden Nasen, wie er sie
von den Griechen kannte, waren zu beobachten; dunkelhaarige, braunhäutige
Männer, die von ganz weit aus dem Osten Asiens gekommen sein mussten,
fröstelten bei jedem Windstoß. Publius und seine Leute übrigens auch. Er
hatte gar nicht Augen genug zu sehen. Ein Trubel war das! Und da standen
sie, die samländischen Bernsteinfischer, ruhig, behäbig, bedächtig im
Sprechen. Hilflos drehte Publius sich um. Wie sollte er sich verständigen
mit diesen Menschen, deren Sprache er nicht kannte. Seine römische
Muttersprache und griechisch, ja, die waren ihm geläufig, und auch noch
etwas Germanisch, aber gerade so viel, dass sich mit seinen germanischen
Soldaten notdürftig verständigen konnte. Aber hier stellte der stolze Römer
fest, wie schon einige Male vorher, dass Rom trotz seiner riesigen
Ausdehnung allein nicht die Welt war. 

Plötzlich hörte er griechische Laute. Darauf war er nicht gefasst. Er drehte
sich um und bemerkte zwei Händler, die sich miteinander unterhielten. Er
trat an sie heran und begrüßte sie höflich in der griechischen Sprache. Es
gehörte ja nicht zum guten Ton, neugierig zu sein. Aber Publius konnte sich
trotzdem nicht enthalten zu fragen: „Wo seid ihr her?" 

Die beiden drehten sich überrascht bei den vertrauten Lauten um und sahen
den Römer vor sich stehen. — „Von Olbia am Pontus Euxinus (das Schwarze
Meer)l" kam es wie aus einem Munde. Publius war genau so überrascht.
„Olbia?!" fragte er ganz erstaunt. „Das ist doch gar nicht möglich! Wie seid
ihr denn hierhergekommen?" Die beiden wechselten rasch einen Blick. Sie
hatten noch nie einen überraschten Römer gesehen. Die taten immer sehr
hochmütig, so, als wenn sie alles wüssten. Ihre Blicke schienen zu sagen:
„Dem werden wir aber jetzt einen Bären aufbinden. Noch schöner! Unseren Weg
verraten! Das könnte dem so passen!“ 

Sie erzählten ihm ein grauenhaftes Märchen, in dem es von Schlangen,
gewaltigen Meeren, furchtbaren Untergründen und riesigen Ungeheuern nur so
wimmelte, bis sie hier bis zum Tode ermattet ankamen. 

Nun, Publius war auch nicht gerade auf den Kopf gefallen. Er musterte die
beiden Griechen ziemlich eingehend; so mitgenommen sahen sie nun wieder
nicht aus, trotzdem er ihnen ganz gerne glaubte, dass sie allerhand
Strapazen überwunden hatten. Er kannte seinen zurückgelegten Weg zur Genüge
...! 

Theobald und Bodo hatten sich inzwischen nach Quartieren umgesehen, was
nicht ganz einfach war, da die Fischerhäuser zum größten Teil schon von
Händlern belegt waren. Mit Geschenken und guten Worten hatten sie es
schließlich geschafft. 

Es war Abend geworden, und alles begab sich zur Ruhe. Am nächsten Morgen
wollte sich Publius alles genau ansehen. (Fortsetzung folgt)

[OWP] Wehrmachtseinheit / Kampfhandlungen

Date: 2016/12/02 18:09:50
From: Hans-Detlef Grüber <hansdetlef-grueber(a)web.de>

Hallo,

ein Onkel von mir, Fritz Grzybinski, fiel am 23.11.1944 bei Stara Slupia (zwischen Kielce und Lublin) in Südpolen. Seine Erkennungsmarke war -1824.Stamm.Kp.G.E.B.43 (Gebirgsjäger?)
Wie komme ich an Informationen
-    zu seinem Truppenteil
- zu Kampfhandlungen im Raum Stara Slupia zum Zeitpunkt seines Todes. Meine bisherigen Recherchen verliefen ergebnislos.
Eine Anfrage an die WASt läuft seit 1 1/2 Jahren....

Danke
Viele Grüße
Detlef (Grüber)

Re: [OWP] Wehrmachtseinheit / Kampfhandlungen

Date: 2016/12/02 18:56:48
From: Peter Raap <peter.raap(a)nord-com.net>

Ich würde einmal in das Lexikon der Wehrmacht im Internet nachsehen. Das Erscheinungsbild sieht rechtsradikal aus, ist aber nur der Zeit geschuldet. Mit der Erkennungsmarke ist aber mehr anzufangen. Eine Anfrage beim Suchdienst des Roten Kreuz (auch im Internet) mit vollständigen Namen und Geburtsdatum erhält man eine ausführliche Auskunft. Diese kann man auch beim Volksbund für Kriegsgräberfürsorge bekommen, die es ggf. an das Rote Kreuz weiterleiten. Etwas langwieriger ist die Nachfrage bei der WASt (auch im Internet). Ich selber habe gute Erfahrungen damit gemacht. Sollte es zu der speziellen Kampfhandlung keine Auskunft geben, so kannst DU Dich nocheimal bei mir melden. In meinem Bestand befinden sich Nachschlagwerke mit weiteren Informationen. Damit konnte ich die ungefähren Punkte klären.

Peter (Raap)


Am 02.12.2016 um 18:09 schrieb Hans-Detlef Grüber:
Hallo,

ein Onkel von mir, Fritz Grzybinski, fiel am 23.11.1944 bei Stara Slupia (zwischen Kielce und Lublin) in Südpolen. Seine Erkennungsmarke war -1824.Stamm.Kp.G.E.B.43 (Gebirgsjäger?)
Wie komme ich an Informationen
-    zu seinem Truppenteil
- zu Kampfhandlungen im Raum Stara Slupia zum Zeitpunkt seines Todes. Meine bisherigen Recherchen verliefen ergebnislos.
Eine Anfrage an die WASt läuft seit 1 1/2 Jahren....

Danke
Viele Grüße
Detlef (Grüber)
_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l



Re: [OWP] Wehrmachtseinheit / Kampfhandlungen

Date: 2016/12/02 19:01:16
From: Peter Raap <peter.raap(a)nord-com.net>

Herje, das wichtigste fehlt ja. Die 1824 ist die Stamm- oder PK-Nummer und enthält das Geburtsdatum. Stamm Kompagnie Gebirgsjäger Ersatz-Batallion 43.

Tschuldigung!

Peter (Raap)


Am 02.12.2016 um 18:09 schrieb Hans-Detlef Grüber:
Hallo,

ein Onkel von mir, Fritz Grzybinski, fiel am 23.11.1944 bei Stara Slupia (zwischen Kielce und Lublin) in Südpolen. Seine Erkennungsmarke war -1824.Stamm.Kp.G.E.B.43 (Gebirgsjäger?)
Wie komme ich an Informationen
-    zu seinem Truppenteil
- zu Kampfhandlungen im Raum Stara Slupia zum Zeitpunkt seines Todes. Meine bisherigen Recherchen verliefen ergebnislos.
Eine Anfrage an die WASt läuft seit 1 1/2 Jahren....

Danke
Viele Grüße
Detlef (Grüber)
_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l



[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 03 vom März 19 59

Date: 2016/12/02 19:06:40
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 7   Abgebildet ist das Wappen von Memel. Daneben steht:
23. März 1939. 
MEMEL 
frei!

Seite 7   
In diesen Tagen gedenken wir der Wiedereingliederung Memels, der ältesten
Stadt Ostpreußens, und des Memellandes in das deutsche Reichsgebiet vor
zwanzig Jahren. Durch den Deutsch-litauischen Staatsvertrag wurde die
widerrechtliche Abtrennung dieses Gebietes nach anderthalb Jahrzehnten
rückgängig gemacht und so dem Selbstbestimmungsrecht der betroffenen
Bevölkerung entsprochen. 

In mehreren Treffen der Memelländer Gruppen mit den Vertriebenen anderer
ostpreußischer Kreise wird in diesem Jahre jenes bedeutsamen Gedenktages
gedacht werden, so vor allem bei den großen Heimattreffen am 7. Juni in
Hannover und am 13. September in der Patenstadt Mannheim. 

Die „Ostpreußen-Warte" bringt heute einen Beitrag über das Memel der guten
alten Zeit aus der Feder des namhaften ostpreußischen Schriftstellers Ludwig
Passarge. Wir werden auch in den folgenden Ausgaben immer wieder Gelegenheit
nehmen, in geeigneten Beiträgen jenes östlichsten Zipfels unserer Heimat zu
gedenken und ausführlich über die Veranstaltungen der Memelländer zu
berichten.

Seite 7   Memel, das „Klein-London" Deutschlands Erinnerung an die gute alte
Zeit / Von Ludwig Passarge 
Memel ist die Holzhandelsstadt des Ostens, und das Holz wird ihr in
ungeheuren „Tratten" (offenbar das englische Wort „drift") zugeführt, welche
die Flößer jedoch „Jallen" nennen) sie gleichen unübersehbar langen
Seeschlangen, darauf oft ein halbes Hundert von Menschen rudert, wohnt,
kocht, geigt, tanzt oder sich sonst des Lebens freut. Aber anders erscheint
eine solche Jalle auf dem Memelfluss oder dem Minge—Drawöhne-Kanal und dem
Kurischen Haff, wo der Wind zu Hause ist, und die Wellen sie zerschlagen.
Die Bildung solcher Traften, die Verbindung der Hölzer und ihre Beförderung
ist eine ganz besondere Kunst, die erlernt sein will und ihren Meister
fordert. In Memel selbst werden die endlich glücklich angekommenen Hölzer an
das Land gezogen, gereinigt, aufgestapelt und zerschnitten. Wohl eine halbe
Meile lang ziehen sich in Schmelz, der südlichen Vorstadt Memels, die
Holzgärten hin, jeder mit einer Windmühle, deren Flügel die Zirkelsägen
bewegen und so das Rohmaterial verladungsfähig machen. Der Wind ist in der
Tat (nächst dem bekannten klingenden „nervus rerum") die treibende Kraft in
Memel. 

Als wir einst in einer binnenländischen Stadt durch die Straßen gingen und
der Wind uns die Regenschirme aus der Hand riss, meinte ein Memeler, in
seiner Heimat würde man das nur einen Zephyr nennen. Zuweilen staut auch das
Wasser auf und tritt über die Ufer der Dange. Als drittes Element könnte man
den Sand der Kurischen Nehrung drüben nennen, welcher das Fahrwasser und den
Hafen verdirbt und oft in großen Wolken bis in die Straßen von Memel fliegt.
Und was, um die Vielzahl der Elemente voll zu machen, das Feuer betrifft, so
genügt ein Funke, um in den weiten Holzlagern eine Feuersbrunst zu
entzünden, deren Widerschein weit in die See hinein leuchten möchte. Und in
der Tat war es so in dem Schreckenswinter 1854, gerade damals, als während
des englisch-russischen Krieges, Memel den allein offenen Verbindungshafen
mit Russland bildete, die Magazine mit Waren überfüllt waren und das Feuer
den größten Teil der Stadt in Asche legte. 

Seitdem ist es nun wieder groß und schön erstanden. Behaglich breitet sich
unser „Klein-London" an dem Ostufer des Wassers aus, von dem man nicht weiß,
soll man es das Kurische Haff oder die Memel nennen; schöne Brücken führen
über die Dange, welche mitten durch die Stadt fließt und von dem schattigen
Tauerlauken kommt. Große Kirchen sind aufgebaut mit hohen Türmen, die
lutherische, reformierte, litauische, katholische und englische Kirche; denn
Memel ist, wie die Seestädte meist, von vielen Fremden und Andersgläubigen
besucht; jeder kann hier nach seiner Fasson selig werden, zumal man doch in
erster Reihe die Seligkeit nach kaufmännischer Fasson erstrebt. Was das rein
irdische Dasein betrifft, so herrscht hier der englische Ton vor; der Tee
hat den Sieg über den Kaffee davongetragen, Portwein und Porter über den
französischen Rotwein das Bier. Zuweilen vereinigen sich alle Interessen in
dem sogenannten „Wasserpunsch", dessen aus dem Holzstapelplatze Ruß
importiertes Rezept so lautet: Setze einen Kessel mit Portwein aufs Feuer
und gieße Kognak langsam nach. Weshalb aber dieses Getränk Wasserpunsch
heißt? Es soll gut sein, ihn auf dem Wasser zu trinken. Der Fremde wird
schwer mithalten können, solange er nicht durch das „Klima" Memels genügend
vorbereitet ist. Die Stadt ist reich an den schönsten Spaziergängen, und die
Memeler sind ein Wandervölkchen. Ihr schönstes Ziel ist der etwa drei
Kilometer entfernte Leuchtturm, der das „Tief", die Verbindungsstraße
zwischen Haff und See, beleuchtet und den bedrängten Schiffern den ruhigen
Hafen und die Nähe freundlicher Menschen verkündet; ich meine jene
tüchtigen, allzeit tätigen Lotsen, welche unausgesetzt von der „Kickbake" in
der Stadt, oder von dem Leuchtturm schauen und niemals zögern, ihr Leben
einzusetzen, so es gilt, ein gefährdetes Schiff zu erreichen und es durch
das Tief in den Hafen zu steuern. Seitdem ich wiederholt mit Lotsen die
norwegische Küste umfahren und diese immer ernsten, stillen und freundlichen
Menschen beobachtet und liebgewonnen habe — und unsere deutschen Lotsen sind
wahrlich nicht weniger zu preisen —, will es mir scheinen, dass es keinen
Lebensberuf gebe, der eine schwerere, aber auch keinen, der eine so große
und dankbare Aufgabe stellt, wie der dieser Männer, deren Todesmut immer der
Rettung fremder, unbekannter Menschen gilt und die, fast alle verheiratet,
Weib und Kind gleichsam gering achten, wenn es die Pflichterfüllung gilt.
Und diese Männer sind alle von hoher Bildung: sie sprechen mehrere Sprachen,
verstehen sich auf Mathematik, ein Wissen, das sie sich meist auf der
Memeler Navigationsschule angeeignet haben, und blicken dabei einfach und
mild wie mit Kinderaugen. 

Es kommt freilich vor, dass selbst die Lotsen nicht auf die See können, da
hat der Schiffer sich selbst zu helfen; er muss beim Einlaufen namentlich
darauf halten, dass die drei „Baken", eigentümliche, spitze, aus
Eisenstangen oder Holz bestehende turmartige Gestelle, sich für seine Augen
decken. Denn nur solange, als dieses der Fall, befindet er sich in der
sicheren Fahrstraße. Eine kleine Verschiebung der Baken deutet für ihn
Aufrennen und Scheitern. In solchen Augenblicken stehen oft Hunderte von
Menschen am Ufer, in der Nähe des Leuchtturms, oder auf der „Nordermole",
soweit Sturm und Wogen hier ein Verweilen gestatten, und starren in den
schäumenden Aufruhr, durch den der Schiffer seinen Weg zu nehmen hat. Wie
viele Schiffe liegen hier auf dem Grunde! 

„Wir sahen heute vom Leuchtturm aus ein unglückliches Schiff scheitern; ein
Boot rettete 13 Mann und dann schlug es um, und wir sahen sie alle vor
unseren Augen umkommen" — so schreibt die Gräfin Voß am 2. September 1807,
in jenem unglücklichen Jahr, da der preußische Königshof sich in Memel
befand und man am Abend die „Geschichte des dreißigjährigen Krieges" von
Schiller las. 

Als es sich im Frühjahr 1855 darum handelte, das abgebrannte Memel wieder
aufzubauen, wurden 300 belgische Ziegelarbeiter engagiert; ein Dampfboot
sollte sie nach Memel bringen. Aber es lief auf der Nordermole auf und
versank mit Mann und Maus. 

Aber solche Katastrophen bilden doch die seltene Ausnahme. Wie prächtig
segeln die meisten Schiffe in den ruhigen Hafen ein und lassen Segel nach
Segel fallen! Zuweilen stürzen sie, vom Sturmwind gejagt, pfeilschnell
dahin. Andere fliehen wie vor einem Wolf, der sie verfolgt. Ich hatte bei
meinem letzten Besuch des Leuchtturms ein anderes Bild. Ein estnischer
Schmuggler, angeblich von der Insel Oesel, kam durch das Tief gezogen,
leicht, elegant, wie eine Möwe; ganz bedeckt mit Segeln, als gelte es, auch
den kleinsten Windhauch einzulangen. Etwas Reizenderes von Schiff habe ich
nie gesehen. Ich musste an einen Schwan denken, der seine Flügel im Winde
entfaltet. Und diese Leute kommen viele Meilen weit über die stürmische See
gefahren, um sich in Memel mit Spirituosen zu versehen und sie in Russland
einzuschmuggeln. Meist glückt es ihnen, sei es in dunkler Nacht, sei es
durch Bestechung der dem „Wotki" und dem Silberklange sehr zugänglichen
russischen Zollwächter. Im Falle des Misslingens kommen sie nach Sibirien.
Trifft ein Zollkutter sie auf hoher See, so gilt es, sich schleunigst der
Konterbande zu entledigen. Die kostbaren Fässer mit Rum und Portwein werden
über Bord geworfen: „Man ist vom Sturmwind verschlagen, treibt seit Tagen
steuerlos auf See“. Die Zollbeamten lächeln, fischen die treibenden Fässer
auf und — betrinken sich bis zur Sinnlosigkeit. Die unglücklichen
Verschlagenen benutzen den ersten Moment und machen sich davon. Diese Leute
sprechen nur estnisch, eine Abart des Finnischen; aber in Memel gibt es doch
ein paar Leute, welche diese Sprache verstehen. 

Ja, wenn die russische Zollgrenze nicht wäre, welche den nördlichen Zipfel
Ostpreußens wie eine chinesische Mauer von dem nördlichen Hinterlande
abschließt und der Stadt den Atem benimmt! Was ist nicht nach dieser
Richtung hin alles besprochen, gewünscht und geschrieben! Aber Russland
bezieht seine Haupteinnahme aus den Grenzzöllen, und solange dieses der
Fall, wird es sich gegen einen freien Grenzverkehr sträuben, und wird auch
der preußische Schmuggler nicht aussterben, der trotz aller Hindernisse und
fast immer mit Lebensgefahr die zu schmuggelnden Waren über die Grenze
schafft. Jahrelang hat einst die „Rotbrust" (litauisch raudons kruttinis),
so genannt nach seiner roten Weste, die russischen Zollbeamten und
Kosakenpikets an der Nase herumgeführt. Der Schrecken, welchen ein anderer
Schmuggler, Adomeit, um sich verbreitete, war so groß, dass sein Name
genügte, um eine Truppe in die Flucht zu schlagen. Einst traf er einen
Kosakenposten, der auf ihn anlegte. „Weißt du nicht, dass ich der Adomeit
bin?" rief er ungeduldig. Aber der Soldat schoss ihn tot. 

Jetzt ist das „Geschäft" ganz in den Händen irgend eines Juden, welcher nahe
der Grenze einen Krug besitzt, Verträge mit den Kaufleuten abschließt, die
Schmuggler besoldet und für alles aufkommt. Seine Verbindungen auf
russischer Seite reichen oft bis zu unnahbaren Höhen. — Ein gewöhnliches
Mittel, um die Grenzwächter zu täuschen, ist, dass man eines der längs der
Grenze aufgestellten Alarmsignale anzündet. Während die Russen demselben
folgen, ziehen die Schmuggler an einer anderen Stelle über die entblößte
Grenze. Wird die Schmugglerbande betroffen — oft angezeigt von diesseitigen
Konkurrenten — so entsteht eine förmliche Schlacht, in welcher die Russen
nicht selten unterliegen. 

Auch mit einer besonders raffinierten Schlauheit wird operiert. Handelt es
sich z. B. darum, einen Ballen feiner Lederhandschuhe über die Grenze zu
schaffen, so verpackt man die für die linke und rechte Hand bestimmten in
besondere Ballen und bringt sie an verschiedenen Stellen über die Grenze.
Wird ein Ballen beschlagnahmt, so kauft ein Eingeweihter die so gut wie
wertlose Ware auf und vereinigt späterhin beiderlei Handschuhe zu richtigen
Paaren. 

Wahrhaftig, was wollte der „vielgewandte" Odysseus gegen die Schlauheit
dieser Schmuggler sagen, deren Klugheit und Pfiffigkeit alles Ähnliche in
den Schatten stellt.

Wie eine weiße Schlange dehnt sich drüben das schmale Dünenband der Nehrung
hin, eine höchst eigentümliche Welt des Sandes, in welcher die Dünen bis zu
sechzig Meter Höhe aufragen, immer nach Osten weiter wandern und sich
zuletzt in das Haff stürzen („ersäufen" nennen es die Fischer); wo das Leben
tot und der Tod lebendig ist, am Ufer des Haffs aber der goldene Bernstein
liegt und von großen Dampfbaggern heraufgeholt wird. Nachts leuchtet auch
diesen Arbeiten elektrisches Glühlicht. 

Wir können auch vom Leuchtturm weiter nach Norden durch die Plantage
wandern, wo beim sogenannten Försterhäuschen die Memeler reizende Villen
erbaut haben und der flache sandige Seestrand zum Baden einladet, im Norden
aber die „Holländische Mütze", eine dunkle Waldhöhe, eine weithin sichtbare
Schiffermarke bildet.

Seite 7   Die Stadt Tilsit / Ostpreußische Geschichte am Beispiel einer
Stadt. (Fortsetzung)
Mit bedächtiger Hand hatte Johann von Posilge auf das neue Blatt seiner
Ordensgeschichte die inhaltsschweren Worte geschrieben: „Im jare des herren
1410..." 

In jenem Jahr war das vom Böhmenkönig Ottokar gegründete Königsberg bereits
150 Jahre wehrhafte Stadt. Berlin, hervorgegangen aus den Spreedörfern
Berlin und Cölln hatte erst 80 Jahre Stadtrecht, und das kleine
Großfürstentum Moskau ächzte noch immer unter der mongolischen
Zwingherrschaft der „Goldenen Horde". 

Der Deutsche Ritterorden, erlebte in diesen Zeiten seine Hochblüte. Mächtig
wie ein König war der Hochmeister. Das Ordensgebiet hatte nach Vereinigung
mit dem livländischen Schwertbrüderorden das baltische Livland hinzubekommen
und umfasste nun 150 000 qkm Landes, in dem einige hunderttausend Menschen
lebten. Hochmut und Machtgelüste herrschten im Orden anstelle der
vergessenen strengen Ordensregeln, und vergessen war auch der Leitspruch:
„masze ist czu allen dingin gout". Die Marienburg sah eine wahrhaft
fürstliche Hofhaltung. Solches alles erweckte natürlich den Neid sowohl der
benachbarten weltlichen Machthaber als auch des Papstes. Der beginnende
Verfall der Ordensmacht zeichnete sich in jenem Jahre bereits ab. 

Im Ordenslande lebten nun schon einige Generationen der ehedem in ein
feindliches, unwirtliches Land Zugewanderten; sie betrachteten es jetzt als
ihr Geburtsland. Auf dem platten Lande war die Bevölkerung etwa zu gleichen
Teilen deutsch und preußisch, in die Städte dagegen wurden keine
Nichtdeutschen zugelassen, ebenso war diesen die Ausübung eines Handwerkes
oder Gewerbes streng untersagt. Das führte dazu, dass jetzt deutlich zwei
große Nationalitätengruppen unterschieden werden konnten: Deutsche und
Preußen. Beide setzten sich jeweils aus drei sozialen Schichten zusammen.
Die deutsche Oberschicht bildeten die Lehnsleute, mit besonderen Privilegien
ausgestattet und in Kriegszeiten mit ihrem Gesinde zur Gefolgschaft
verpflichtet. Der zweite deutsche Stand waren die Stadtbürger, der dritte
die Bauern mit eigenem Grund und Boden. Bei den vom Orden jetzt tolerierten
Preußen waren die preußischen Lehnsleute ebenfalls der erste Stand. In ihren
Rechten waren sie ausnahmsweise den Deutschen vollkommen gleichgestellt.
Sowohl aus deutschen als auch preußischen Lehnsleuten ist später der heutige
ostpreußische Adel hervorgegangen mit seinen vielen markanten
Persönlichkeiten. Der zweite preußische Stand waren die Freien oder
Edelinge, die eigenen Landbesitz hatten. In dem eroberten altpreußischen Gau
Schalauen beispielsweise, also im späteren Tilsiter Gebiet, hatte der Orden
über dreißig Landverschreibungen an preußische Freie vorgenommen. Da diese
im Lande immer noch heimlichen Einfluss hatten, waren sie klugerweise zu
Ämtern als sogenannte Witinge zugelassen. Der dritte und am zahlreichsten
vertretene preußische Stand aber waren die unfreien armen Bauern, die keinen
eigenen Besitz hatten und zu hartem Frondienst verpflichtet waren. — Beide
Nationalitätengruppen haben, wie die Geschichte lehrt, manche Rolle im
Ordensstaat gespielt, wie u. a. die deutschen Stadtbürger in dem gegen die
Ordensherrschaft gerichteten preußischen Städtekrieg. Dabei hätten diese
alle Ursache gehabt, treu zum Orden zu halten. Aber die Ordensgeschichte hat
so manchen Undank aufgezeigt. 

Nachdem Preußenland weltliches Herzogtum geworden, hat man auch die
deutschen Rechte stark eingeschränkt, und auch der deutsche ehemals freie
Bauer war jetzt mit den Seinen dem Grundherrn zum Scharwerksdienst
verpflichtet. Erst dem Freiherrn vom Stein blieb es vorbehalten, diesem
unwürdigen Zustand ein Ende zu bereiten. Es hat aber auch dann noch
Jahrzehnte gedauert, bis der ostpreußische Bauer völlig frei war. 

Als Anfang 1600 die altpreußische Sprache ganz ausstarb und am 18.01.1701
Preußen Königsreich geworden, schwanden die bis dahin noch immer bestandenen
nationalen Gegensätze und nationalistischen Leidenschaften auf beiden
Seiten. Es gab nur noch den preußischen Staatsbürger, der stolz war,
Ostpreuße zu sein. Aus der glücklichen deutschen und preußischen
Rassenmischung lässt sich der heutige Charakter und manche nationale
Eigenart des ostpreußischen Menschen unschwer deuten. 

Über zweihundert Burgen und Schlösser waren bis 1410 in verhältnismäßig
kurzer Zeit wie Pilze aus der preußischen Erde emporgewachsen, alle in fast
einheitlicher, großzügiger Bauart, die wohl den späteren sogenannten
preußischen Stil mitbeeinflusst hat. Dazu kamen noch über fünfzig Städte und
Flecken, Kirchen und Klöster und über 1500 Dörfer. Die Landesverwaltung
oblag den Komturen, für die Finanzen war der gewissenhaft prüfende Treßler
verantwortlich. Im preußischen Lande gab es schon eine postähnliche
Einrichtung, der ein preußischer Witing vorstand. Er hatte das Privileg, bei
Festaufzügen dem Hochmeister voranreiten zu dürfen, der „Generalpostmeister
des Ordens". Die „brifjongen" trugen eine einheitliche blaue Uniform, und es
gab auch schon die — Briefzensur. Also alles schon dagewesen. 

Besonders befähigte junge Preußen edler Abstammung wurden auf Kosten des
Ordens erzogen und haben ihm wertvolle Dienste auf manchen Gebieten
geleistet. Es zeigten sich auch schon die Anfänge einer preußischen
Literatur, denn man vernachlässigte auf den Ordensburgen beileibe nicht die
geistige Bildung. Bekannt ist uns der aus preußischer Familie stammende
gewissenhafte Ordenschronist Johann von Posilge und sein noch berühmterer
Kollege, der Reimchronist Nicolaus von Jerischau, dessen Stil dem in
deutschen Landen verehrten Wolfram von Eschenbach gleichgestellt wird.
Jerischau stellte den ganz neuen Satz auf: „die lenge helt der silben zal",
womit er wohl als Begründer eines strengen Versmaßes in der jungen deutschen
Dichtung gelten darf.  

Das Ordensgebiet war unbestritten zu einem blühenden Kulturland gewandelt
worden. Der zeitgenössische Chronist Sebastian Münster preist
überschwenglich und mit direkt ketzerisch anmutenden Worten die damaligen
Vorzüge Preußens: „Man hat das Land eine Schmeergrube (Schmeer = Fett)
geheißen. Wenn Jupiter vom Himmel fallen sollte, könnte er kaum in ein
besseres Land als in dies Land Preußen fallen". Und die das ganze Land
durchziehenden Mönche priesen in Deutschland die Fruchtbarkeit Preußens und
den Fischreichtum seiner Gewässer. 

Der „Zehnte" der Getreideernten war so groß, dass der Überschuss nach
England verschickt werden konnte, dessen Kornkammer zu jener Zeit unsere
Heimat gewesen. In dem Urwaldgebiet, der „wildnus" zwischen Alle und Pregel
einerseits und der Memel andererseits, wo noch Wisente, Auerochsen, Bären,
Elche, Hirsche und Luchse lebten, betrieben die „beutner" (Imker) auf Geheiß
des Ordens planmäßig eine so einträgliche Waldbienenzucht, dass Honig und
Wachs in unvorstellbaren Mengen ebenfalls nach England verkauft werden
konnten und dafür erkleckliche Summen Silbers ins Land zurückkamen, östlich
der „wildnus", der „vasta solitudo" oder „ingens solitudo" bewachten
Memelburgen den altpreußischen Gau Schalauen. Er trug seinen Namen nach dem
Fürsten Scalawo, dem fünften Sohn des sagenhaften Pruzzenkönigs Vidivutus,
der dieses Gebiet als Erbteil von seinem Vater erhalten. Schalauen wurde
seit altersher begrenzt von den Flüssen Rango, womit wahrscheinlich die
Szeszuppe gemeint ist, und Niemo (Memelstrom) sowie von Curtona, dem
Kurischen Haff. Westlich bildete der Fluss Pregolla die Gebietsgrenze.
Ursprünglich hieß er Skara und wurde zum Gedenken an die Fürstin Pregolla,
die beim Baden in diesem Fluss ertrank, umbenannt. Sie war die Gemahlin des
ältesten Sohnes Videvuts, des Fürsten Samo, der auf der mächtigen Burg
Gailgawa (Galtgarben) über das Samland herrschte. 

Um den feindlichen Nachbarn nicht zu reizen, hatten die Ordensritter schon
längere Zeit keine Kriegszüge mehr ins Szemaitenland unternommen, die
„Reisen in die Litaw". Der Orden verhielt sich vielmehr wachsam abwartend
und baute unermüdlich die Tilsiter Burg auch noch im Jahre 1410 weiter aus;
denn fern jeder schnellen militärischen Hilfe stand das „nowe husz" einsam
auf verlorenem Posten am Grenzstrom, dem Schicksalsstrom Ostpreußens. (wird
fortgesetzt)

Re: [OWP] Wehrmachtseinheit / Kampfhandlungen

Date: 2016/12/02 20:33:54
From: Peter Raap <peter.raap(a)nord-com.net>

Ich noch einmal. Mich hat es wieder einmal gepackt und ich habe einen Gedankenfehler gemacht. GEB steht nicht für Gebirgsjäger sondern für Grenadier-Ersatz-Batallion. Dieses ist auch im Lexikon der Wehrmacht verzeichnet.

www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederung/InfErsBat43-R.htm

Peter (Raap)


Am 02.12.2016 um 18:09 schrieb Hans-Detlef Grüber:
Hallo,

ein Onkel von mir, Fritz Grzybinski, fiel am 23.11.1944 bei Stara Slupia (zwischen Kielce und Lublin) in Südpolen. Seine Erkennungsmarke war -1824.Stamm.Kp.G.E.B.43 (Gebirgsjäger?)
Wie komme ich an Informationen
-    zu seinem Truppenteil
- zu Kampfhandlungen im Raum Stara Slupia zum Zeitpunkt seines Todes. Meine bisherigen Recherchen verliefen ergebnislos.
Eine Anfrage an die WASt läuft seit 1 1/2 Jahren....

Danke
Viele Grüße
Detlef (Grüber)
_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l



[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 03 vom März 19 59

Date: 2016/12/02 21:27:56
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 8   Eltern suchen ihre Kinder 
Tausende ostpreußische Eltern und Angehörige suchen noch immer ihre Kinder,
die seit der Vertreibung aus der Heimat verschollen sind. Wer Auskunft geben
kann, schreibe bitte sofort an den Kindersuchdienst Hamburg-Osdorf, Blomkamp
51, unter Angabe von Namen, Vornamen, Geburtsdatum und Ort des Kindes sowie
die gleichen Angaben der Angehörigen und ihre Heimatanschrift von 1939.
Landsleute, helft mit, das Schicksal der Vermissten aufzuklären. 

Aus Königsberg: Marianne Schulz, geboren am 30. Januar 1944 in
Laval/Frankreich, von ihrem Vater Erich Schulz. Angeblich soll sich Marianne
Schulz in einem polnischen Kinderheim in Schwedt/Oder befinden.

Aus Liebenfelde, Kreis Labiau, Gerd Broszeit, geboren am 20. Juni 1939/1940
in Liebenfelde, von seinem Vater Fritz Broszeit, geboren am 29. August 1904
in Schaudienen. Gerd Broszeit soll 1946 nach Litauen gekommen sein.

Aus Mohrungen: Heiderose Roßsteinus, geboren im Juli/August etwa 1944, von
ihrer Tante Dora Blask und ihrer Schwester Inge Blask, geboren am 29. Mai
1938. Heiderose Roßsteinus wurde 1944 wegen Ernährungsstörungen in das
Städtische Krankenhaus Mohrungen eingeliefert. Der Vater des Kindes, Walter
Blask, ist 1941 gefallen, die Mutter Minna Blask, geborene Roßsteinus, 1947
verstorben.

Aus Saalfeld, Kreis Mohrungen, die Geschwister Karl-Heinz Steiner, geboren
am 24. April 1944; Eberhard Steiner, geboren am 7. Juli 1940 und Erika
Steiner, geboren am 6. April 1939, von ihren Eltern Fritz Steiner und Herta
Steiner. Die drei Kinder Steiner wurden am 23. Januar 1945 in
Saalfeld/Ostpreußen von ihrer Mutter getrennt. Eine unbekannte Frau nahm die
drei Kinder auf ihren Treckwagen. Erika hat dunkelbraune Augen und
dunkelblondes Haar und wurde „Eka“ gerufen. Eberhard hat dunkelbraune große
Augen und dunkelblondes Haar. Am rechten Bein hatte er eine Narbe, die von
einer Verbrühung mit Wasser herrührte. Die Narbe war zurzeit der Flucht noch
nicht ganz verheilt und hinderte den Jungen damals etwas beim Gehen. Er
wurde von der Mutter „Sohni“ genannt. Die Kinder nannten ihre Großmutter
„Dottchen“ und den Franzosen, der als Kriegsgefangener auf ihrem Hof
arbeitete, „Ramo“. Er war auch mit ihnen auf der Flucht.

Aus Schillmeyßen, Kreis Heydekrug/Memelland, die Geschwister Günther
Radszuweit, geboren am 9. April 1943 und Traute Radszuweit, geboren am 29.
Dezember 1943, von ihrem Vater Karl Radszuweit. Die Mutter der Kinder, Meta
Radszuweit, geborene Bertuleit, geboren am 7. Januar 1925, wird ebenfalls
noch gesucht.

Aus Schustern, Kreis Tilsit, wird Heidemarie Haltner, geboren am 31. Juli
1940, von ihrem Vater Max Haltner, geboren am 31. Oktober 1912. Die Mutter
des Kindes kam am 26. März 1945 in Danzig-Heubude, Hundegasse 91, bei einem
Luftangriff ums Leben, während das Kind von einem deutschen Soldaten
gerettet wurde. Das Kind war bekleidet mit einem weißen Pullover mit roten
Streifen auf der Brust und einer weißen Gamaschenhose aus Schafwolle.

Aus Steinsee, Post Bärensprung, Kreis Insterburg. Waltraud Preugschat,
geboren am 9. Mai 1941, von ihrer Mutter Emma Preugschat, geboren am 16.
Juni 1899. Auf der Flucht wurde das Kind von seiner Mutter am 21. Januar
1945 in das Krankenhaus Mohrungen eingeliefert. Es hat über dem rechten Auge
und an den Füßen Brandnarben. Bekleidet war das Kind mit einem dunkelblauen
Mantel, hellblauem Strickkleid, schwarz-weißem Schal und einer weißen
Strickjacke. Welche Schwester hat das Kind Waltraud Preudschat
(wahrscheinlich Schreibfehler, soll wohl Preugschat lauten) in Krankenhaus
Mohrungen betreut und kann über den weiteren Verbleib Auskunft geben?

Aus Wartenburg, Kreis Labiau, Herta Schulz, geboren am 24. Februar 1941, von
ihrer Mutter Anna Schulz, geboren am 7. September 1907 in Wartenburg. Die
Mutter verlor ihre Tochter Herta Schulz am 19. Januar 1945 auf der Flucht.
Sie befand sich auf dem Pferdewagen der Frau Emilie Salecker, geborene
Unterberger, geboren am 30. Dezember 1905. Der Wagen fuhr in Richtung
Gutfließ und soll bis Gründamm, Kreis Neidenburg, Ostpreußen, gekommen sein.

Aus Zichenau. Vera Schröder, geboren 1938 in Zichenau und Wolfgang Schröder,
geboren 1934 in Zichenau, von Ruth Menser, geborene Heyn, geboren am 28.
Juni 1906 in Konitz. Mit den Kindern wird auch die Mutter Magdalene
Schröder, geborene Kattser vermisst. Die Mutter ist mit ihren beiden Kindern
am 23. Januar 1945 aus Konitz/Westpreußen geflüchtet.

Aus Darienen, Kreis Samland, wird Werner Ernst Blöck, geboren am 13.
September 1940 in Bledau, gesucht von seinem Vater Ernst Heinrich Blöck,
geboren am 22. November 1913. Der Junge befand sich zuletzt mit seiner
Mutter, Liesbeth Margarete Blöck, geborene Penski, in Darienen, vermutlich
bei seinem Großvater väterlicherseits. Der Großvater soll 1945 in Bledau
verstorben sein.   

Aus Karpauen, Kreis Angerapp, wird Harry Neumann, geboren am 22. April 1944,
gesucht von seiner Mutter Luise Neumann. Während der Flucht im Januar 1945
war der Junge an Lungenentzündung erkrankt und hatte außerdem einen
linksseitigen Leistenbruch. Auf dem Bahnhof in Guben wurde er im Januar 1945
einer Roten-Kreuz-Schwester übergeben, die ihn in das Krankenhaus Guben
bringen sollte.

Aus Königsberg, Bismarckstraße Nr. 14, wird Eberhard Röhl, geboren am 29.
August 1943, gesucht von seinem Vater Bruno Röhl. Eberhard Röhl befand sich
1945 mit seiner Mutter Eva Röhl noch in Königsberg. Die Mutter verstarb 1946
im Krankenhaus der Barmherzigkeit. Eberhard soll dann Bekannten übergeben
worden sein. Es besteht vielleicht die Möglichkeit, dass Angehörige einer
verstorbenen Schwester – Anna Boltz – aus Königsberg, sich des Knaben
angenommen haben.

Aus Mallwen, Kreis Schloßberg, wird Arno Freudenhammer, geboren am 14.
August 1942 in Mallwen gesucht von seiner Mutter Paula Freudenhammer,
geborene Schulz, geboren am 25. Januar 1912 in Grünhof. Der Junge wurde 1945
auf der Flucht von seiner Mutter getrennt, als diese mit ihren 4 Kindern am
8. März 1945 den Flüchtlingszug nach Lauenburg/Pommern verlassen musste.
Etwa 8 km vor Lauenburg/Pommern wurden die Flüchtlinge von mehreren
Lastkraftwagen aufgenommen. Dabei blieben drei Kinder mit der Mutter
zusammen, der gesuchte Arno Freudenhammer wurde einem anderen Wagen
zugeteilt und einer unbekannten Frau in Obhut gegeben. Als die Mutter diese
Frau in Gotenhafen wiedersah, teilte ihr diese mit, dass sie den Jungen in
Lauenburg ins Hospital gegeben hätte. Seitdem fehlt jede Spur von dem
Jungen.

Aus Nordenburg, Kreis Gerdauen, Fritz-Tschierse-Straße 245, wird Jürgen
Adomat, geboren am 10. September 1943, gesucht von seinem Großvater Albert
Lemke. Die Mutter des Kindes wird ebenfalls noch gesucht. Mutter und Sohn
sollen sich im Februar 1945 in Königsberg, Preußen, Lawsker Allee 97
aufgehalten haben. Wahrscheinlich kann eine Frau Gelinski, welche mit einem
Transport bis Burg bei Magdeburg seinerzeit kam, Auskunft geben.

Aus Pellehnen, Kreis Tilsit-Ragnit, wird Maria-Gunhilde Brummpreuksch oder
Brumprenski, geboren am 4. August 1944 in Pellehnen, gesucht von ihrem
Bruder Werner Dassenies, geboren am 4. September 1938 in Pellehnen.
Maria-Gunhilde Brummpreuksch kam mit ihren Geschwister Willi, Gertrud, Ruth,
Werner, Kurt und Heinz im Februar 1945 von Danzig mit dem Schiff
„Deutschland“ nach Saßnitz/Rügen. Dort haben die Geschwister ihre Schwester
verloren. Wahrscheinlich wurde das Mädchen in Saßnitz/Rügen in ein
Kinderheim oder eine Pflegestelle übernommen.

Aus Puppen, Kreis Ortelsburg werden Klaus Kostrzewa, geboren 1940 und
Elly-Ruth Kostrzewa, geboren 1937, gesucht  von ihrer Tante Berta Kloß. Die
Geschwister waren im Januar 1945 mit ihrer Mutter Emma Kostrzewa, geborene
Kerschek und ihrer Großmutter bis Rastenburg gekommen. Die Mutter und die
Kinder ließen die Großmutter beim Gepäck und wollten sich in Bezug auf das
Weiterkommen umsehen. Sie kamen aber nicht wieder zurück. 

Aus Saalau, Kreis Insterburg, wird Günther Mai, geboren etwa 194, gesucht
von seinem Großvater Franz Mai, geboren am 24. Oktober 1881. Ebenfalls wird
Frau Bertha Mai, geborene Klein gesucht.

Aus Schulstein, Gemeinde Bledau, Kreis Samland, wird Heinz Dreher, geboren
am 18. Oktober 1942, gesucht von seinem Bruder Rudi Dreher. Heinz Dreher
befand sich mit seiner Mutter 1945 in Fohlental bei Schloßberg. Dort
verstarb die Mutter Anna Dreher und Heinz Dreher soll von anderen
Flüchtlingen übernommen worden sein.

Aus dem Kinderheim oder Waisenhaus in Schloßberg oder Umgebung, wird Elsbeth
Leckzut, geboren am 12. April 1940 in Mettkeim, gesucht von ihrem Vater
Fritz Leckzut. Elsbeth, die sich auch Liesbeth Leckzut nannte, soll nach der
Trennung von ihrer Mutter im Jahre 1945 in ein Kinderheim oder Waisenhaus
nach Hensken, Kreis Schloßberg, Ostpreußen, gekommen sein. Wer war früher in
einem Kinderheim oder Waisenhaus in Hensken, Kreis Schloßberg, Ostpreußen
tätig?

Aus Schwengels, Kreis Heiligenbeil, wird Erwin Altenberg, geboren 1935,
gesucht von seiner Mutter Anneliese Altenberg.

Aus Tilsit, Bismarckstraße 19a, wird Günther Görtsch, geboren am 14.
September 1943, gesucht von seinem Vater Wilhelm Görtsch. Auch die Mutter
des Kindes, Anni Görtsch, geborene Kauleit, wird noch gesucht. Mutter und
Kind kamen 1944 nach Kolberg zu einer Frau Polehn. Im März 1945 sollen sie
in Swinemünde gesehen worden sein.

Aus Trappen, Kreis Tilsit-Ragnit, wird Alfred Bublat, geboren 11. November
1935, gesucht von seinem Vater, Gustav Bublat.  Alfred Bublat soll mit einer
Frau Edith Bedke, bei der er bereits in Falkenstein/Vogtland gewohnt hat,
von dort im April 1945 unbekannt verzogen sein.

Aus Allenstein, ehemalige Straße der SA Nr. 67, wird Herbert Fallaschek,
geboren 23. Januar 1939, gesucht von seiner Mutter, Luzia Fallaschek,
geborene Preuschoff, geboren am 30.11.1912. Herbert Fallaschek befand sich
zuletzt im Krankenhaus in Allenstein und wurde mit diesem im Dezember 1944
in das Kreis-Krankenhaus Gollnow/Pommern verlegt. Von diesem verlegten
Krankenhaus sollen dann verschiedene von Gollnow nach Greifswald, andere
wieder nach Stettin in die Arndt-Schule gekommen sein. Herbert Fallaschek
wurde am linken Oberschenkel operiert.

Aus Neuendorf, Kreis Insterburg, wird Gerda Grigat, geboren am 27.07.1933 in
Neuendorf, gesucht von ihrem Onkel Otto Stock, geboren 11.07.1900, und ihrer
Tante Minna Scherdin, geborene Bunsas. Ursprünglich lebte Gerda Grigat bei
der Tante Dora Kny in Neuendorf, Kreis Insterburg, Ostpreußen. Zusammen mit
der Tochter Gertrud Kny aus Berlin-Pankow zogen Frau Dora Kny und Gerda
Grigat nach Sorau, Schlesien zu einer Frau Müller. Gertrud Kny arbeitete in
Sorau in einem Kartoffelverwertungsbetrieb als Buchhalterin. Bei welcher
Frau Müller in Sorau hat Familie Kny gewohnt?

Aus Bartenstein, Lindenweg 4, wird Klaus Großmann, geboren am 26.07.1936,
gesucht von seiner Großmutter, Frau Wilhelmine Prill, geborene Groß. Der
gesuchte Klaus Großmann musste auf der Flucht in das Städtische Krankenhaus
in Danzig eingeliefert werden.

Aus Jockeln, Kreis Gumbinnen, werden die Geschwister Werner Naujoks, geboren
am 07.10.1934 und Renate Naujoks, geboren am 29.05.1940, gesucht von ihrem
Vater Friedrich Naujoks, geboren am 09.07.1905.

Aus Allenstein, Trauzingerstraße Nr. 6, wird Jörn Teyke, geboren am 12.
November 1943 in Allenstein, gesucht von seinem Vater Erwin Teyke, geboren
27. September 1906 in Rotfließ, Ostpreußen. Auch die Mutter Erna Teyke soll
zusammenmit ihrer Mutter, Margarete Naß und ihrem Sohn Jörg zuletzt in
Braunsberg, Ostpreußen, bei einer Frau Schulz gewohnt haben. Die Wohnung der
Frau Schulz hat sich angeblich in den Neubauten an der neuen Kaserne
befunden.

Seite 8   Kinder, die ihre Angehörigen suchen.
Tausende junger Menschen leben heute in Deutschland, ohne Vater und Mutter,
oft nicht einmal ihren richtigen Namen zu kennen. Helfen Sie bitte mit,
diese Schicksale zu klären. Wer Angaben zu den nachstehenden Suchmeldungen
machen kann, schreibe bitte, direkt an den Kindersuchdienst, Hamburg-Osdorf,
Blomkamp 51. 

Gesucht werden Angehörige eines namenlosen Knaben, welcher etwa 1938 geboren
ist. Er kann sich auf Namen und Geburtsdatum nicht besinnen. Angeblich hat
auf einer in seinem Besitz befindlichen Kleiderkarte der Name Kawalof
gestanden. Vermutlich stammt der Jugendliche aus Königsberg. Seine Mutter
war bei der Wehrmacht und ist bei einem Bombenangriff getötet worden.

Aus Preußisch Holland werden Frieda Schmidt und Fritz Schmidt gesucht von
ihren Nichten Ursula Brandt, geboren am 22.09.1934 in Elbing und Eva Brandt,
geboren am 27.08.1939 in Elbing, sowie ihrem Neffen Peter Brandt, geboren am
14.09.1943 in Elbing.

Aus Schröttersburg, frühere Erich-Koch-Straße 6/9, wird Otto Breier gesucht
von seiner Tochter Irene Breier, geboren am 19.01.1935.

Aus Lyck, Hindenburgstraße 48, wird Frieda Kerbs, geborene Dziomba, geboren
am 24.01.1903, gesucht von ihrer Tochter Helga Kerbs, geboren am 06.08.1939.
Frieda Kerbs flüchtete zunächst nach Elbing und wurde Anfang März 1945 in
ein sowjetisches Internierungslager gebracht.

Gesucht werden Eltern oder Angehörige eines Mädchens, welches etwa 1941/1942
geboren ist und vielleicht Hildegard Kleinschmidt heißt. Das Mädchen kam am
21.11.1945 mit einem Transport, angeblich aus dem Kreise Mohrungen oder
Georgenthal, mit seiner Großmutter in das Krankenhaus Luckenwalde, wo die
Großmutter verstarb.

Gesucht wird aus Königsberg, Kronprinzenstraße 12, eine Familie Knoll,
welche vielleicht Auskunft geben kann über Fräulein Erika Nehlsen oder
Nehlson, geboren am 24.06.1906 in Lamgarben, Kreis Rastenburg.

Gesucht werden Eltern oder Angehörige des Jugendlichen Hans Neumann, der
etwa 1942 geboren ist und vermutlich aus Königsberg, Preußen stammt. Er
erinnert sich an ein Kinderheim mit dem Namen „Sieg“, welches an einer
Bahnlinie gelegen haben muss.

Aus Ortelsburg, Sudauer Weg 10, wird Ida Przygodda, geborene Babiel, geboren
am 09.12.1902, gesucht. Auf der Flucht geriet sie in Allenstein in
Kampfhandlungen.

Gesucht werden Angehörige des Jugendlichen Detleff Reinkober, der am
14.11.1943 in Soldau, Ostpreußen, geboren ist. Er soll aus einer
Kinderklinik in Allenstein kommen und wurde von der NSV in eine Pflegestelle
nach Soldau, Kreis Neidenburg, gegeben.

Aus Königsberg, Preußen, werden die Eltern oder Angehörigen eines Karl-Heinz
Ruhner, geboren am 08.11.1939, gesucht. Nähere Personalien der Eltern sind
leider nicht bekannt. Karl-Heinz Ruhner selbst befand sich 1945 in einem
Krankenhaus in Königsberg. Von dort wurde er in ein Kinderheim nach Lipa,
Kreis Ruhland, verlegt.

Aus Justinowo, Kreis Plöhnen, werden Eduard Stierle und Eugenie Stierle,
geborene Stierle, gesucht von Alma Stierle, geboren am 07.11.1934.

Gesucht werden Eltern oder Angehörige eines Mädchens, das vermutlich Karin
Schogas heißt und etwa 1943 geboren ist. Karin hat graublaue Augen und
hellblondes Haar. Sie befand sich angeblich zuletzt im Waisenhaus
Königsberg-Ponarth und kam mit einem Kindertransport nach Mitteldeutschland.

Vermutlich aus dem Kreise Preußisch Eylau stammt ein elternloses Mädchen,
das jetzt Ilse Schydow genannt wird. Das Geburtsdatum ist nicht bekannt, es
liegt zwischen den Jahren 1936 – 1938. Das Mädchen war im Jahre 1945 mit
seiner Mutter, deren Vorname ihm nicht mehr in Erinnerung ist, und seinen
Großeltern mit Familiennamen Böttcher im Lager Kaltwasser bei Bromberg. Ilse
gibt an, dass sie ein Zwillingskind ist und drei Geschwister hat. Der Vater,
mit Vornamen Otto, war Soldat. Die Eltern sollen eine kleine Wirtschaft mit
einem Pferd gehabt haben. Auf dieser half ein Pole, namens Josef. Der
Großvater Böttcher war Schneider.

Seite 8   Wehrmachtsangehörige aus Ostpreußen  
Heimkehrer haben beim Suchdienst Aussagen über ehemalige Wehrmachtangehörige
gemacht. Die Familien dieser von Heimkehrern gemeldeten Männer und Frauen
konnten bisher nicht ermittelt werden. Erkennen Sie aus den nachstehend
aufgeführten Personalangaben einen der Vermissten und können Sie Auskunft
über dessen Angehörige geben? Für jeden der aufgeführten Namen liegt eine
Nachricht vor. Helfen Sie uns, die Angehörigen ausfindig zu machen. Jede
zutreffende Mitteilung von Ihnen bedeutet ein geklärtes Vermisstenschicksal!
Geben Sie Ihren Hinweis zur Auffindung der Angehörigen bitte unverzüglich
unter Bezugnahme auf die Befragungsnummer dieser Liste (jeweils am Ende der
Suchanzeige) an das Deutsche Rote Kreuz, Suchdienst München,
Rundfunkauskunft, München 13, Infanteriestraße 7 a.

Allenstein: die Angehörigen von Bruno Schröder, geboren etwa 1906,
verheiratet, Kürschnermeister, Obergefreiter bei der 1. Kompanie.
Nachrichten-Abteilung 177. B/12113

Bartenstein: die Angehörigen von Fritz Borchert, geboren etwa 1900,
Obergefreiter bei der Feldpostnummer 19923. B/12011

Königsberg: die Angehörigen von Hermann Lemke, geboren etwa 1895,
Polizeimeister. Angehöriger einer Polizeieinheit. A/25233

Kolkbruch: die Angehörigen von Franz Sagorski, Geburtsdatum unbekannt,
Revierförster B/21493

Neukuhren: die Angehörigen von Paul Keuchel, geboren etwa 1910, verheiratet,
Flugzeugklempner, Gefreiter bei Fliegerhorst-Kommandantur A/15/I. B/12026

Tilsit: die Angehörigen von Franz Ewerling, Geburtsdatum unbekannt,
verheiratet, Hilfszollassistent bei dem Zollgrenzschutz. B/12393

Wiesenheim: die Angehörigen von Walter Bobowski, geboren etwa 1920,
Obergefreiter bei der Feldpostumer 35186. B/11988

Ostpreußen: die Angehörigen von Kurt Kimmel, geboren etwa 1923, Feldkoch bei
der Feldpostnummer 37192. B/12197

Ostpreußen: die Angehörigen von Walter Kühn, geboren etwa 1920/1921, ledig,
Landwirt, Stabsgefreiter bei der Feldpostnummer 12423. B/121182

Ostpreußen: die Angehörigen von Emil Müller, geboren etwa 1920, ledig,
Landwirt, Unteroffizier bei der Feldpostnummer 43444. B/12036

Ostpreußen: die Angehörigen von Vorname unbekannt, Schwarzkopf, geboren etwa
1906. B/21498

Danzig: die Angehörigen von Siegfried Christeck, geboren etwa 1909,
Angehöriger der Feldpostnummer 42092. B/21455

Danzig: die Angehörigen von Vorname unbekannt, Klenner, geboren etwa 1921,
ledig, Gefreiter bei der Feldpostnummer 20413 E. B/12141

Kreis Karthaus: die Angehörigen von Friedrich Bode, geboren etwa 1902/1904,
verheiratet, Meister bei der Gendarmerie, Geschützführer bei der
Feldpostnummer 56512 C. B/11989

Aus Danzig: die Angehörigen von Vorname unbekannt, Rosenfeld, geboren etwa
1913, Hauptmann bei der 6. Batterie Artillerie-Regiment 161. B/10958

Aus Marienburg: die Angehörigen von Vorname unbekannt, Preuß, geboren etwa
1919, Gefreiter bei dem 58. Infanterie-Regiment. B/10985

Aus Schippenbeil: die Angehörigen von Vorname unbekannt, Scheffler, geboren
etwa 1917/1920, Obergefreiter bei der Feldpostnummer 45931. A/25180

Aus Staubenwald: die Angehörigen von Friedrich Grantz, geboren am
23.07.1914. B/10632

Aus Thorn: die Angehörigen von Vorname unbekannt, Lau, geboren etwa 1925,
Angehöriger der schweren Heimat-Flak-Batterie 200/III. A/25194

Aus Ostpreußen: die Angehörigen von Vorname unbekannt, Kind, geboren etwa
1905, Angehöriger der 11. Kompanie Grenadier-Regiment 6. B/10838

Aus Ostpreußen: die Angehörigen von Heinrich Krinke, geboren etwa 1920,
ledig, Obergefreiter bei der 5. Batterie Artillerie-Regiment 11. B/11098

Aus Ostpreußen: die Angehörigen von Vorname unbekannt, Lehmann, geboren etwa
1922/1924, ledig, Schuhmacher, Grenadier bei der Feldpostnummer 32736 E oder
32730 E (letzte Zahl schlecht lesbar). B/11037

Gesucht werden aus Allenstein: die Angehörigen von August Meiritz, geboren
etwa 1902, kaufmännischer Angestellter, Oberleutnant bei der Feldpostnummer
10705 F. B/10980

Re: [OWP] Katholische KB (z. B. Marienwerder)

Date: 2016/12/02 21:47:40
From: Christian Keydel <ChriKey(a)t-online.de>

Sehr geehrter Herr Majewski,
die katholischen Kirchenbücher wurden bei der Flucht nicht "aus Polen",
sondern aus unserer ostdeutschen Heimat mitgebracht. Dementsprechend
sind sie nicht an Polen "zurückgegeben" worden. Sie hatten ihnen nie gehört,
sind ihnen dann aber durch die katholische Kirche überlassen worden. 
    Ich meine, auch die exakte Wiedergabe der äußeren Abläufe gehört zu
den Bildern der Vergangenheit, die wir in Ausschnitten festzuhalten 
versuchen.
    Mit freundlichem Gruß
    Christian Keydel. 



Re: [OWP] Katholische KB (z. B. Marienwerder)

Date: 2016/12/02 23:04:00
From: Hans-Jürgen Wolf <info(a)westpreussen.de>

Am 02.12.2016 um 21:47 schrieb Christian Keydel:

...
die katholischen Kirchenbücher wurden bei der Flucht nicht "aus Polen",
sondern aus unserer ostdeutschen Heimat mitgebracht. Dementsprechend
sind sie nicht an Polen "zurückgegeben" worden. Sie hatten ihnen nie gehört,
sind ihnen dann aber durch die katholische Kirche überlassen worden.
Ich meine, auch die exakte Wiedergabe der äußeren Abläufe gehört zu
den Bildern der Vergangenheit, die wir in Ausschnitten festzuhalten
versuchen.
...


Sehr geehrter Herr Keydel,

Aussagen dieser Art sind nicht von wissenschaftlicher Erkenntnis getragen, sondern sind unreflektiertes Wiederkauen polemischen Gedankengutes aus der Ecke der Vertriebenenverbände. Mich hat dieser Unsinn schon 2001 köstlich amüsiert. Siehe dazu meinen Kommentar

Vertriebene Kirchenbücher". Irrungen und Wirrungen zwischen "masochistischer Würdelosigkeit" und "(Binsen-)Weisheiten" in: Computergenealogie Heft 4/2001, S. 31

Wenn Sie an weiteren fundierten Informationen zum Thema interessiert sind, empfiehlt sich das Studium des Sonderheftes 2/2002 des Archivs für Familiengeschichtsforschung, S. 81 ff.

und als Dokumentation

das Sonderheft 2/2002 der Ostdeutschen Familienkunde, S. 193 ff.


--
Mit freundlichen Grüßen

Hans-Jürgen Wolf
Hinweise zur Familienforschung in Westpreußen
http://www.westpreussen.de

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 03 vom März 19 59

Date: 2016/12/03 10:15:32
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 9   Max von Schenkendorf 
Ostern, Ostern, Frühlingswehen! 
Ostern, Ostern, Auferstehen 
aus der tiefen Grabesnacht! 
Blumen sollen fröhlich blühen, 
Herzen sollen heimlich glühen, 
denn der Heiland ist erwacht. 

Seite 9   Birken. Von Franz Erdmann. Aus dem Zyklus „Bäume der Heimat“
Schwermütig scheinen sie oft und sind hold gelöst auch und heiter, 
hellgrün wehende Wolken steh'n sie am Wege im Lenz. 
Herbe strömt dann ihr Duft zu süßem Safte zusammen, 
Birkenwein quillt aus dem Stamm, leise berauschender Most. 
Aber im Blau des Oktobers tropft es leuchtend zu Boden
aus Gehängen von Gold, reglos am ranken Gezweig. 
Heide und Moor gehören zu ihnen, dort ist ihre Heimstatt, 
nordischer Herkunft und Art lieben sie einsames Land. 
Elfenhaft schweben zum Lichte des Mondes sie alle im Reigen, 
und vor dem dunkelnden Wald schimmern die Stämme so weiß. 
Traurig träumende Lieder der Nordvölker sind sie, 
Solvejgs Sehnsucht und Leid und ihre harrende Treu.

Seite 9   Mitteilungen der Patenstadt.
Königsberger Kirchenbücher
Beim Berliner, Hauptarchiv, Berlin-Dahlem Archivstraße 12 - 14, lagern Teile
von Königsberger Kirchenbüchern. Urkunden werden für private Zwecke gegen
eine Gebühr von 1,-- DM, für amtliche Zwecke gebührenfrei ausgefertigt.
Anträge auf Erteilung von Urkunden und Auskünften aus evangelischen
Kirchenbüchern sind an die Kirchenbuchstelle der Kirchenkanzlei der
Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union in Berlin-Charlottenburg,
Jebensstraße 3, zu richten. 

Seite 9   Stadtsparkasse Königsberg und Kreissparkasse Samland in
Königsberg. 
Die Kontenunterlagen sind verlorengegangen. 

Seite 9   Invalidenversicherung 
Die Versicherungsunterlagen der Landesversicherungsanstalt Ostpreußen in
Königsberg sind nicht gerettet worden. Als Beweismaterial dienen die in den
Händen der Versicherten befindlichen Versicherungsunterlagen oder hilfsweise
amtlich beglaubigte Erklärungen ehemaliger Arbeitgeber und Kollegen.
Auskünfte erteilen die örtlich zuständigen Versicherungsämter.

Seite 9   Spaziergang durch Mittelhufen 1891. Von Herbert Meinhard
Mühlpfordt. (Schluss)
Als das Häuschen, um dem höher oben gelegenen Neubau des Hufengymnasiums zu
weichen, endlich am 1. April 1913 abgebrochen werden sollte, gab der
bekannte Graphiker Professor Wolff — nach anderen der vielseitige Anatom
Professor Zander — die Anregung zu einem Lumpen- und Artistenball. Prorektor
war nach Matull „Professor Ladislaus Klauer, Konservator der klassischen
Gipsfigur- und Brockensammlung, Ehrenmitglied der Liga zur Bekämpfung der
allgemeinen Verblödung, des Korsetts und des Pregelaromas". Jeder
Königsberger kennt die Persönlichkeit, die sich hinter diesem Steckbrief
offenbart. Jedenfalls nahm das wohlgelungene, von Kunstakademikern und
Studenten aller Fakultäten in Masse besuchte Fest erst ein Ende, als um 6
Uhr die Maurer kamen und mit dem Abdecken des Daches begannen. 

Hier verengte sich die Straße 1891 zu einer schmalen Fahrbrücke über den
Hufenbach, machte eine kleine Krümmung und stieg dann sanft bergan westwärts
weiter. 

Kehren wir, um die südliche Seite der Straße Mittelhufen zu sehen, zum
wogenden Kornfeld zurück. Wir ahnen nichts davon, dass der Stadtrat und
Konsul, spätere Geheime Kommerzienrat Walter Simon im Begriffe steht, dieses
Feld zum größten Teile, abgesehen vom östlichen Streifen längs der Alten
Pillauer Landstraße, preiswert aufzukaufen. Er, ein wahrer Freund der
Jugend, der weitschauend den Gedanken der sportlichen Ertüchtigung der
Jugend zu einer Zeit aufgegriffen hatte, als in der Erziehung der Sport so
gering geachtet wurde, wie heute etwa die alten Sprachen, hat etwas
Besonderes vor: er will dieses Gelände seiner Vaterstadt mit der Bestimmung
schenken, es niemals anders, als Jugend-Turn- und Spielplatz zu verwenden. 

Bereits 1892 verwirklichte dieser edle Mann seine Absicht. Generationen von
Schülern aller Schulen turnten und spielten hier noch in hohen steifen
Kragen mit „eiserner" Krawatte und in langen Hosen und — waren glücklich. Am
5. Februar 1913, zur Hundertjahrfeier der Befreiung, wurde der
„Walter-Simon-Platz" durch die Aufstellung des Yorkdenkmals von Walter
Rosenberg verschönt. 

Der Stifter aber starb 1920, und schon 13 Jahre nach seinem Tode wurde
dieses Vermächtnis in der schmählichsten Weise missachtet, und ein
Aufmarschplatz herrschwütigen Parteidünkels entstand. 

Doch bei unserm Spaziergang fährt noch der Wind in sanften Wellen durch das
gelbe Korn. Anschließend kommen wir zum „Vergnügungsetablissement" von
Ragutzki. Es ist ein primitiver Holzbau, der später den großartigen Namen
„Metropol-Theater" trug. Hier fanden kleinere Varieté-Darbietungen statt,
und es wurden oft Ringkämpfe ausgetragen. Ich glaube mich zu erinnern, dass
zwischendurch dieses Lokal auch nach seinem Besitzer Krestinski benannt war.


Dann folgte der schmale Fußweg zur „Villa Fridericia", die bis zur Alten
Pillauer Landstraße hindurchreichte. 

An der Straße Mittelhufen schloss sich nun das „Etablissement Villa Bella"
an, die uns von dem geschilderten Stich her bekannt ist. Später wurde sie
zur sich allmählich mehr und mehr vergrößernden „Konditorei Amende", die uns
alle mit Kaffee und Kuchen gelabt hat. Neben der „Villa Bella" stand die
„Villa Fortuna". Hier gab es damals nirgends eine Verbindung zur Pillauer
Landstraße und den Friedhöfen; die Claaßstraße, benannt nach Hermann Claaß,
Sohn eines westpreußischen Landpfarrers und selbst Zahntechniker, von 1895
bis 1913 verdienstvoller Tiergartendirektor und Kommissionsrat, wurde erst
im neuen Jahrhundert angelegt, die Goltzallee 1912, die Hornstraße erst nach
dem ersten Weltkrieg. 

Auf „Etablissement Villa Fortuna" folgte das große Grundstück der „Villa
Flora", das beliebteste, vornehmste und größte Vergnügungslokal der
damaligen Zeit. Ein großer Theatersaal stand hier zur Verfügung, in dem die
„Leipziger" und „Stettiner Sänger" und später auch die „Zillertaler" gerne
„debütierten". 

In dem großen Garten aber fanden alle Sommerveranstaltungen der Königsberger
Vereine statt, wie die Gartenfeste der Studentenschaft und des
Kaufmännischen Vereins. Der Garten war im Geschmack der damaligen Zeit mit
allen möglichen Zierbeeten, Buchsbaumrabatten u. a. angelegt, die mit den
damals so beliebten roten und grünen Bengalischen Flammen feenhaft
beleuchtet wurden. Ein besonderes Wunder war die Darstellung eines
Alpenglühens. Auch Gasflämmchen dienten damals zur Illumination und wurden
schon früh in der Flora verwendet. Noch 1930 sah der Verfasser das
Hauptgebäude im Kopenhagener „Tivoli" auf diese Weise „illuminiert". Nicht
vergessen seien auch die Ausstellungen und „Schauen" aller Art, die in der
„Flora" stattfanden. Sie bekamen in den „Völkerschauen" des rührigen
Tiergartendirektors Claaß eine erhebliche Konkurrenz. 

Hinter der Flora, dicht vor der Brücke über den Freigraben, führte 1891 als
einziger Verbindungsweg zu den Friedhöfen ein Fußpfad längs des Zaunes des
Floragartens. Den hintersten Teil des Gartens, an der Pillauer Landstraße,
hatte später das „Etablissement Neue Welt" erworben, das bis 1945 bestand.
Auch die „Flora", vollkommen herabgekommen und längst von der Hufenallee
verdrängt, fristete hier noch bis 1930 ihr Dasein. Der Eingang war damals
von der Hornstraße aus. 

Gehen wir — 1891 — nun also diesen Fußpfad und die Pillauer Landstraße
stadtwärts zurück, so finden wir am Ende des Floragartens die vorgenannte
„Villa Fridericia". 

Sie war eine kleine, baulich ganz hübsche Villa, wo abends hauptsächlich
getanzt wurde. Nachmittags spielten hier alte Herren Skat und Whist,
während, die Jugend den just 1891 eröffneten „Wildpark" des unternehmenden
Wirtes bestaunte. Dies war ein Tiergarten sozusagen im Westentaschenformat:
es gab ein Reh und einen zahmen Braunbären, wie sie damals auch oft auf
Jahrmärkten von Bärenführern gezeigt wurden, ferner einen lahmen Storch und
einen Pelikan; in einem kleinen Teiche tummelte sich ein Seehund, in Käfigen
ein zornmütiger Fuchs und ein Wolf; ein paar Affen durften nicht fehlen. Vor
ein paar Jahren erzählte E. H. im Ostpreußenblatt launig, wie einer dieser
Affen entwischt war, auf den ganzen Hufen durch Plündern der Obstbäume und
allerlei Schabernack viel Halloh anrichtete und mit List und Tücke von einer
beherzten Dame mittels einer Tasse mit Reiskörnern in ein Zimmer gelockt und
eingesperrt werden konnte, wo ihn dann die Leitung des „Wildparkes" mit
vieler Mühe einfangen ließ. 

Neben der „Villa Fridericia", schon am Knie der Pillauer Landstraße, von der
aus man es betrat, lag mit der Front nach dem Kornfeld das „Etablissement
Birkenhäuschen". Dieses erwähnt schon der bekannte ostpreußische Arzt Dr.
Kittel („Aus dem Königsberger Studentenleben 1858 -1862"): „Im Sommer
machten die Verbindungen am Nachmittag oft Spaziergänge vor das Steindammer
Tor auf die Hufen, nach den „Bürgergärten", „Birkenhäuschen" und
„Hufenterrasse", auch mit fröhlichem Gesang auf den Straßen“.
 
Übrigens erwiesen sich diese „Etablissements", wie „Villa Nova", „Neue Welt"
und andere neben denen vor dem Königstor als gute Gelegenheit zum Austrag
von Mensuren. 

Kehren wir nun zur Brücke über den Hufenfreigraben zurück! 

Links unmittelbar über der Schlucht thronte hier ein kleines Häuschen, das
noch im zweiten Weltkriege französischen Kriegsgefangenen diente: der
„Drachenfels". Es war eins der ausgesprochensten Schwoflokale Königsbergs,
und mancher Bruder Studio hat hier im großen Saale beim Tanz sein Liebchen
im Arme geschwenkt. 

Hier stand einst der „Gelbe Krug", aber 1804 erwähnt Baczko an dieser Stelle
ein Gasthaus „Carlsruh". Dieses Gasthaus auf der Höhe, ein wenig abseits vom
Bache, muss dann wohl in der Folge einem Neubau gewichen sein, einem
Landhaus „Carlsruh", das dem Königsberger Bankier Adler gehörte, dessen
Tochter Agnes die Großmutter unserer Dichterin Agnes Miegel war. Letztere
hatte ehrenhalber von der Stadt in der Hornstraße, die aus dem schmalen
Verbindungspfad längs dem Floragarten entstand, eine kostenlose Wohnung
erhalten, aus der sie auf's Gelände ihrer Vorfahren herabblicken konnte. Ein
Bild von 1830, in meinem Besitz, zeigt auf der Höhe, etwas zurück vom
Hufenbach, das Landhaus „Carlsruh", einstöckig, mit einfenstrigem Giebelbau.
Dicht an der Freigrabenschlucht das Häuschen des Dr. Heißrath; dann die
Hufenbrücke; und eins der zwei Häuser rechts, die alte Schule, steht noch in
der Hufenallee. 

Als die Zeit der Villen vorbeiging, machte ein Gastwirt aus dem
Heißrathschen Häuschen ein „Etablissement Drachenfels" — ohne Zweifel wählte
er den Namen, weil das Häuschen so schwindelnd über dem Abgrunde thronte;
gelegentlich gab es dort Militärmusik. 

Aber unser Spaziergänger sah dieses Haus nicht mehr; es war 1891 bereits
abgerissen und der uns Heutigen bekannte „Drachenfels" war an seine Stelle
getreten. 

Hatte der Wanderer nun die schmale Brücke überschritten, hinter der erst
später die Tiergartenstraße abging, so sah er rechts und links noch Villa
neben Villa stehen. Die letzte von ihnen, weit draußen, am Rande des freien
Feldes, gegenüber der 1901 geweihten Luisenkirche, an der Schrötterstraße,
gehörte dem Zigarrenfabrikanten Louis Großkopf, der überall in Königsberg
Filialen hatte, so dass er zu den bekanntesten Königsbergern gehörte. Er war
auf den Gedanken gekommen, für die arbeitende Bevölkerung ganz billige
Zigarren zu 3 und 5 Pfennigen herzustellen — Zigaretten rauchte man damals
in Deutschland noch nicht, das war russisches Monopol — und war dadurch sehr
reich geworden. Seine stattliche äußere Erscheinung mit Schnurr- und
Knebelbart erinnerte, besonders wenn man ihn in der Proszeniumsloge des
ersten Ranges im Stadttheater sitzen sah, an Kaiser Napoleon. Die Villa hieß
noch bis 1945 im Volksmunde „Großkopfsche Villa". 

In diesem entfernten Teil der Hufenallee also hatte der Privatbesitz an
seinem Eigen festgehalten, nur vor Luisenwahl, der „Bahnstraße" und der
späteren Königsallee gab es zwei beliebte Lokale „Julchenthal" und
„Luisenhöh". 

„Julchenthal" war im Jahre 1891 im Besitze Franz Rußpauls, eines Gastwirts,
der auf den Vorderhufen in der Nähe des Cranzer Bahnhofs ein Schwoflokal
gehabt hatte und nun im Park von Julchenthal mit seiner tief
eingeschnittenen bewaldeten Freigrabenschlucht Völkerschauen und feenhafte
Grottenbeleuchtungen „entrierte". Noch 1945 waren die Reste dieser Grotten
zu sehen, die für zahllose Kindergartengenerationen herrliche Verstecke beim
„Räuber-und-Soldat"-Spiel gewesen waren. Als im August 1898 die
Zweihundertjahrfeier des Kgl. Friedrichskollegiums festlich begangen wurde,
fand hier ein fröhliches Zusammensein des Lehrerkollegiums mit den Schülern
und ihren Eltern statt. 

Um 1900 erstand in der Tiefe der Schlucht ein Holzhaus, das — um der
allgemeinen Sympathie für die Buren Rechnung zu tragen — den Namen „Zum Ohm
Krüger" bekam. Doch der Burenkrieg ging vorbei und das Holzhaus wurde wegen
zu geringer Inanspruchnahme vernagelt und versank in Vergessenheit, bis es
nach der gärtnerischen Ausgestaltung der Hufenschlucht 1913 hübsch
angestrichen unter dem Namen „Cafe Julchenthal" wieder auferstand. Es saß
sich hier an heißen Sommertagen, wie wir alle noch wissen, reizend bei
Kaffee und Kuchen inmitten gepflegter Anlagen. 

Das Hauptrestaurant „Julchental", zwischen „Bahnstraße" — von Hindenburg
wusste noch niemand etwas — und die Luisenallee gelegen und nach 1900
Endpunkt der Straßenbahnlinie weiß-blau, hatte an der Straßenfront einen
riesigen Saal, davor eine nur aus Fenstern bestehende lange Veranda. Hier
tranken mehrere Herrenklubs jeden Nachmittag zur gleichen Stunde Kaffee, und
um 1903 wurden auch hier den Abendgästen zur Belustigung Filme gezeigt. Denn
wie heute des Fernsehens, so hatte sich damals jedermann des Wunders der
Flimmerleinwand bemächtigt. 

An „Julchenthal" schloss sich der Besitz von „Luisenhöh" an. Ursprünglich
„Albrechtshöh" geheißen, hatte es ebenfalls einen riesigen Saal mit gut
eingerichteter Bühne. 

Der Zugang unter einem gewölbten Bogen mit der Aufschrift „Luisenhöh" wirkte
bedeutend; aber der lange von hohen Lebensbäumen umrahmte Gang, der zu einer
breiten Freitreppe und zum Saalgebäude führte, erinnerte fast an fürstliche
Schlösser. „Und Marmorbilder stehn und sehn mich an..." nun: Marmorbilder
waren es nicht gerade — aber Gipsbüsten der Hohenzollernkaiser auf hohen
weißgestrichenen Holzsockeln, die sich vor den dunklen Lebensbäumen im
Mondschein magisch abhoben. 

Und in der Tat wurden im Saal immer interessante Sachen geboten. Die große
Bühne eignete sich für alle möglichen Aufführungen: Tanz, Varieté, lebende
Bilder; ich selbst sah um 1900 als Kind dort einen Zauberkünstler, der sich
stolz Ben Ali Bey nannte und mich, für den solch schwarze Kunst etwas nie
geahntes war, in helle Begeisterung setzte. 

Wenn ich nicht irre, war es der ehemalige Besitzer von „Kleins Etablissement
Hufenpark", der, glaube ich, James mit Vornamen hieß und nach Verkauf an den
Tiergarten nun Luisenhöh leitete. Sicher ist, dass nach 1900 Martin Klein,
wohl der Sohn, hier eine Operettenbühne auftat, die sich allgemeiner
Betriebtheit erfreute und auch nicht schlecht war. Hier erntete das in eine
Operette verwandelte „Alt Heidelberg" Beifallsstürme, denn es war fast so
rührselig, wie das Schauspiel, außerdem traten richtige 43, als Statisten
dabei auf und — hauptsächlich — die Operette war mit einer Hosenrolle
ausgestattet, was damals noch alle Männerherzen höher schlagen ließ! Dann
gingen „Lustige Witwe", „Dollarprinzessin", „Fideler Bauer", „Polnische
Wirtschaft" hier über die Bretter. 

Damals waren solche Sommerbühnen sehr beliebt; auch im „Alten Schützenhause"
auf dem Mitteltragheim gab es ein derartiges Sommertheater. Die
Schauspieler, damals geldlich noch sehr schlecht gestellt und von Mitte Mai
bis September in „Ferien", nahmen gerne in Badeorten, oder wo sie sich sonst
boten, „Sommerengagements" an. 

Der gewiegte Geschäftsmann Martin Klein aber verdiente mit dieser
Operettenbühne so gut, dass er, als die letzte Stunde auch dieses
„Etablissements" schlug — hier wurden im Zuge der Entfestigung Wohnblocks
gebaut —, das um 1911 von dem Königsberger Architekten Walter Kuckuck
gebaute „Luisentheater" pachten konnte. Auch dort hat Martin Klein manche
hübsche Operette herausgebracht; nach dem Umsturz aller Throne mochte jedoch
der Name „Luisentheater" nicht mehr zeitgemäß sein, obwohl er sich im Volke
noch lange hielt, und die Bühne wurde zur „Komischen Oper". Am 29. September
1927 siedelte dann das „Neue Schauspielhaus" aus der Roßgärter Passage
hierher über nach Umbau durch den Berliner Architekten Kaufmann. Und heute —
30 Jahre später — wird es von den Russen wiederhergestellt! 

Doch von all dem ahnte der Spaziergänger von 1891 nicht das mindeste, und
hätte ihm jemand das Schicksal der Mittelhufen, wie es sich in wenig mehr
als einem halben Jahrhundert gestalten sollte, vorausgesagt, so hätte er
vermutlich den Propheten für irrsinnig gehalten. Wir aber, die wir die
bittere Wahrheit unseres Landsmannes E. T. A. Hoffmann „Das, was sich
wirklich begibt, ist beinahe immer das Unwahrscheinlichste" miterleben
mussten, dürfen erwarten, dass nach aber dreißig Jahren wieder wir, die wir
rechtens nach Königsberg gehören, dort arbeiten, leben und spazieren gehen
werden. Denn nichts ist beständig, als der Wechsel!

Re: [OWP] Katholische KB (z. B. Marienwerder)

Date: 2016/12/03 11:53:03
From: rpp <pcperrey(a)t-online.de>

Sehr geehrter Herr Wolf,

leider habe ich die Anmerkungen zu den katholischen Kirchenbüchern nicht insgesamt verfolgt, weil ich nicht aus Westpreußen stamme. Ich lese hier aber das Stichwort Marienwerder, das ja auch zu Westpreußen gehörte. Sie wollen doch nicht etwa behaupten, Marienwerder hätte in Polen gelegen und die dortigen deutschen Kirchenbücher wären tatsächlich "an Polen zurückgegeben" worden. Das wäre das Wiederkäuen polemischen Gedankengutes der Geschichtsvergessenen.

Sie sollten insoweit informiert sein, dass es keine "vertriebenen Kirchenbücher" gab oder gibt sondern die aus ihrer Heimat Vertriebenen versucht haben, wichtige Dokumente, die über Familiengeschichte Auskunft geben konnten, vor den herannahenden Sowjettruppen zu retten. Dass die katholische Kirche diese Bücher nun wieder an ihren Ursprungsstandort transferiert hat, liegt ausschließlich daran, dass heutigen Nutzern ein langes Herumsuchen erspart werden sollte, wo sich benötigte Dokumente vielleicht befinden könnten. Das hat mit "Zurückgeben" nichts zu tun!

Mit freundlichen Grüßen

Peter Perrey


On 02.12.2016 23:03, Hans-Jürgen Wolf wrote:
Am 02.12.2016 um 21:47 schrieb Christian Keydel:

...
die katholischen Kirchenbücher wurden bei der Flucht nicht "aus Polen",
sondern aus unserer ostdeutschen Heimat mitgebracht. Dementsprechend
sind sie nicht an Polen "zurückgegeben" worden. Sie hatten ihnen nie gehört,
sind ihnen dann aber durch die katholische Kirche überlassen worden.
Ich meine, auch die exakte Wiedergabe der äußeren Abläufe gehört zu
den Bildern der Vergangenheit, die wir in Ausschnitten festzuhalten
versuchen.
...


Sehr geehrter Herr Keydel,

Aussagen dieser Art sind nicht von wissenschaftlicher Erkenntnis getragen, sondern sind unreflektiertes Wiederkauen polemischen Gedankengutes aus der Ecke der Vertriebenenverbände. Mich hat dieser Unsinn schon 2001 köstlich amüsiert. Siehe dazu meinen Kommentar

Vertriebene Kirchenbücher". Irrungen und Wirrungen zwischen "masochistischer Würdelosigkeit" und "(Binsen-)Weisheiten" in: Computergenealogie Heft 4/2001, S. 31

Wenn Sie an weiteren fundierten Informationen zum Thema interessiert sind, empfiehlt sich das Studium des Sonderheftes 2/2002 des Archivs für Familiengeschichtsforschung, S. 81 ff.

und als Dokumentation

das Sonderheft 2/2002 der Ostdeutschen Familienkunde, S. 193 ff.



Re: [OWP] Katholische KB (z. B. Marienwerder)

Date: 2016/12/03 12:36:58
From: Hans-Jürgen Wolf <info(a)westpreussen.de>

Am 03.12.2016 um 11:52 schrieb rpp:

...
leider habe ich die Anmerkungen zu den katholischen Kirchenbüchern nicht
insgesamt verfolgt, weil ich nicht aus Westpreußen stamme.
...

Sehr geehrter Herr Perrey,

das können Sie nachholen, denn die einschlägigen Fundstellen habe ich schließlich benannt.

Lesen bildet bekanntlich und bietet wenigstens die Chance, nachzuvollziehen und vielleicht sogar zu verstehen, worum es denn eigentlich geht.


--
Mit freundlichen Grüßen

Hans-Jürgen Wolf
Hinweise zur Familienforschung in Westpreußen
http://www.westpreussen.de

Re: [OWP] Katholische KB (z. B. Marienwerder)

Date: 2016/12/03 12:57:05
From: rpp <pcperrey(a)t-online.de>

Sehr geehrter Herr Wolf,

es geht nicht um Ihre "einschlägigen Fundstellen" sondern um die Art Ihrer etwas vollmundigen Kritik an Herrn Keydel. Vielleicht verstehen Sie aufgrund meiner Anmerkungen, "worum es denn eigentlich geht" oder gehen sollte. Ein Genealogie-Forum sollte kein nationalistisches Spielfeld sein.

Mit ftreundlichen Grüßen

Peter Perrey



On 03.12.2016 12:36, Hans-Jürgen Wolf wrote:
Am 03.12.2016 um 11:52 schrieb rpp:

...
leider habe ich die Anmerkungen zu den katholischen Kirchenbüchern nicht
insgesamt verfolgt, weil ich nicht aus Westpreußen stamme.
...

Sehr geehrter Herr Perrey,

das können Sie nachholen, denn die einschlägigen Fundstellen habe ich schließlich benannt.

Lesen bildet bekanntlich und bietet wenigstens die Chance, nachzuvollziehen und vielleicht sogar zu verstehen, worum es denn eigentlich geht.



[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 03 vom März 19 59

Date: 2016/12/03 17:17:27
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 10   Agnes Miegel zum 80. Geburtstag. Von Heinrich Eichen. Mit Foto.
Du schenktest uns deiner Verse
herbe beglückenden Klang, 
darin es von Heimat, Heimat, 
wie nie noch gesungen, sang. 

Das war uns wie Ährenwogen 
bis fern an der Wälder Rand, 
da spiegelten See und Flüsse 
den Himmel, der drüber stand. 

Kornblumen hoben die Augen 
blau neben dem roten Mohn …
Wer könnte dies je vergessen, 
versank es auch lange schon! 

Im Traum nur blüht noch der Dünen 
unendlich funkelnder Glanz,
 rauscht der Bernsteinküste Brandung 
in schäumender Wellen Tanz. 

Über den Strom fuhr die Fähre, 
wie seherisch du bezeugt: 
‚Von der Heimat gehn ist Schwerstes, 
das Götter und Menschen beugt!'

 Auch du bist den Weg gegangen, 
den Weg ohne Rast und Ziel, 
darüber mit dunklem Dröhnen 
die Glocke der Trauer fiel. — 

Wie sind wir nun arm geworden, 
da tief unsre Welt versank; 
doch unser Herz, schwer von Tränen, 
singt Dank dir, tausendfach Dank!

Seite 10   Agnes Miegel / Ostpreußens Dichterin zum 80. Geburtstag 
In Agnes Miegels Dichtung ist Ostpreußen gegenwärtig, unverlierbar und
unzerstörbar. 

Fremde Macht mag der verlorenen Erde Gewalt antun: die grünen Wiesen und
hellen Birken der Heimat, die roten Ordensburgen und die Dörfer und Städte,
die Menschen, die mit ihrem Pflug, mit ihrer Hände Arbeit und
weitausgreifenden Gedanken dieses Land formten, die Geschichte der Heimat
bis in die mythische Urzeit zurück, die wohl von Kampf und Waffenlärm
erzählt, aber viel mehr noch von friedlichem, geduldigen, selbstlosen Bauen,
Dienen und Helfen weiß und wie zäher Fleiß unzähliger Geschlechter, an denen
alle deutschen Stämme Anteil hatten, ein wildes, ungezähmtes Land in einen
Garten Gottes verwandelten, das alles lebt und webt und wirkt in Agnes
Miegels Werken! 

Wer sehnsüchtig nach Osten, zur alten Heimat blickt, soll bei Agnes Miegel
Einkehr halten. Sie schenkt ihm die Heimat neu in einem tieferen Sinne.
Schon wenige Jahre nach der Vertreibung, sie war eben aus dem dänischen
Lager nach Westdeutschland gekommen, veröffentlichte Agnes Miegel einen Band
Gedichte, in denen sie ihr persönliches Los und das ihrer Weggefährten auf
der Flucht in Worte voller Kraft und Trost bannte. Es war zugleich
Bekenntnis und Verheißung, dass sie ihm den Titel gab: „Du aber bleibst in
mir", du, Heimat, bleibst unverlierbar in mir, trotz allem, was geschah! Und
wer die Dichterin in den letzten Jahren in Bad Nenndorf bei Hannover
besuchte, war immer wieder überrascht von der Aufgeschlossenheit,
Lebendigkeit und Frische, ja, von der Fröhlichkeit und inneren Sicherheit
der leidgeprüften Frau, die am 9. März 1959 ihren 80. Geburtstag begeht, von
der Ausstrahlung einer seelischen Kraft, deren Geheimnis das Wissen um die
unverlierbare Heimat ist, das Wissen: „Du aber bleibst in mir". 

Denn das ostpreußische Land hat Agnes Miegel und ihr Werk geformt: „Wie mir
dieses Land Leben und Atem gab, so gab es mir seine Sprache, sein uraltes
weiches Platt, sein breites, singendes, an alten Formen noch überreiches
Hochdeutsch, gab mir Lieder, Sagen und Schwanke, Schnurren und Witze, gab
mir, schon ehe ich jenes verstehen konnte, die Bilderbuchbuntheit seines
Lebens". Und als sie ihre Heimat für immer verlassen musste, bekannte sie: 

„Ich stieg, mein Volk, aus Dir, wie Halm aus Acker steigt, 
Du hast Dich, Heimat, mir wie Mutter hold geneigt. 
Ich ward — und sieh, Dein Hauch belebte meinen Geist, 
Ich wuchs in Deiner Hut, von Deiner Hand gespeist. 
Ich durfte dienen Dir, wie Biene dient dem Schwarm — 
Das macht mich reich und stolz — vertrieben noch und arm“. 

Gerade an Agnes Miegels Dichtung erweist sich, dass nur das Werk von Bestand
sein kann und über den Tag hinaus zu wirken vermag, das fest gegründet ist,
dessen Wurzeln tief in den Boden der Heimat, in das Volk, in die Geschichte
reichen. Ein Vers mag noch so kostbar glänzen und funkeln, er wird verwehen,
wenn diese Bindung an das Lebensganze fehlt. Sechzig Jahre umspannt Agnes
Miegels dichterisches Schaffen, aber ihre Balladen, ihre Lyrik, ihre
Erzählungen sind heute noch so frisch wie am ersten Tag. Das Beste davon
gehört schon heute zu dem unverlierbaren Bestand der Dichtung unseres
Jahrhunderts und es wird bleiben, wenn andere Dichtungen längst vergessen
sind, denn es wuchs nicht aus der Zeitlichkeit, sondern aus dem
überzeitlichen Sein der ostpreußischen Erde. 

Gern hat Agnes Miegel von ihrer reichen und schönen Kindheit und Jugend
erzählt, von dem Leben in der Stille ihres Elternhauses, das genügsam und
doch fröhlich einen altväterlich gesunden, preußisch-schlichten Lebensstil
bewahrt hatte, als schon jenseits der Weichsel der viel anspruchsvollere
neue Geist des wilhelminischen Reiches die Deutschen zu beherrschen begann.
In dem Bändchen „Unter hellem Himmel" zeichnete sie ein liebevolles Bild
dieser kleinen, in sich geschlossenen Welt, die ihren Geist, die ihr Werk
prägte. Sie wurde im ältesten Teil Königsbergs geboren, „dem Kneiphof, der
alten Handelsinsel, in der die Giebelhäuser vergessener Kaufherrn um den
roten Backstein stehen, an dessen Nordwand Kant schläft, wo seine Glocken
über die Fischerkähne auf dem Pregel bis herüber auf dem Schloss oben auf
dem Berg, und über den andern Pregelarm bis in die vorstädtische Langgasse
klingen". Da war der Vater, aus einer preußischen Beamten- und
Kaufmannsfamilie stammend, der selbst den Begriff „Ehrbarer Kaufmann"
vorbildlich verkörperte. Da war die Mutter, „ganz und gar Landkind und so
süddeutsch von Aussehen, Rede und Bewegung, als wären ihre Vorväter erst
gestern und nicht vor zweihundert Jahren von dem Erzstift Salzburg in unsere
grüne Insterniederung gewandert". Bis Agnes Miegel als junges Mädchen zu
ihrer Ausbildung nach Weimar kam, bis Lehr- und Wanderjahre sie an den
Rhein, nach Frankreich und England und später nach Berlin führten, kannte
sie nichts als ihre Heimat: Stadt war für sie Königsberg, Land waren die
grünen, herdebunten Wiesenweiten Natangens, Küste der brandungsumtobte
Samlandstrand. Das war ihre Welt und ihr Leben. 

Sie blieb in ihrem Elternhaus, als 1913 ihre Mutter starb und 1917 ihr
greiser Vater. Ihr Wunsch, Lehrerin zu werden, war nicht in Erfüllung
gegangen, dafür konnte sie sich von nun an ihrer Dichtung widmen; sechs
Jahre, von 1920 bis 1926 gehörte sie der Redaktion der „Ostpreußischen
Zeitung" an; danach war sie ganz frei für ihr Schaffen, das nun über
Ostpreußen hinaus als gültige deutsche Dichtung Anerkennung fand: Im Jahre
1913 war ihr schon der Kleistpreis, 1924 der Ehrendoktor der Universität
Königsberg verliehen worden. Sie erhielt 1933 die Wartburgrose und wurde in
die Deutsche Akademie der Dichtung berufen. Als weitere Auszeichnungen
folgten 1936 der Herderpreis, 1939 der Königsberger Literaturpreis, 1940 der
Goethepreis. Ihr Wort galt nun im ganzen Reich, aber ihre schönste
Auszeichnung blieben die Liebe und der Dank, mit denen ihr die unzähligen
Unbekannten und doch im Geiste Verwandten begegneten, die zu ihren Büchern
griffen oder denen sie auf vielen Leseabenden ihre Verse und Erzählungen
vortrug. Sie blieb ihrer Heimat treu in Königsberg, bis der Zusammenbruch
von 1945 sie zwang die Heimat zu verlassen. 

Agnes Miegels Lyrik und ihre Balladen zeigen eine ungewöhnliche Kraft des
Wortes, die ihr nicht aus dem Wollen, sondern aus dem Müssen, aus dem
Unbewussten, zuströmt. Ihre Dichtung ist Leben, unmittelbares Leben. Das ist
ihr Geheimnis. Ihr Gedicht „Ich" lässt es ahnen: „Und ich sang in den Wind,
in das Wirbeln rauchender Dünen, sang meiner einsamen Heimat Götter und
Burgen, sang ihr mütterlich Herz, sang ihr grüngrünes Kleid. Sang was groß
und gekrönt durch meine Träume gewandert, blutüberströmtes Haupt,
gallegetränktes Herz. Sang, meiner seltsamen Schwestern mondlichtgezeichnete
Stirnen, sterblichen Leibes wie ich, jenseitiger Weisheit kund. Sang ich,
mir selber kaum deutbar, was Schatten und Erde mich lehrten, sang ich Liebe
und Tod — sang ich das eigne Geschick“. Mit achtzehn Jahren schrieb sie
Balladen, die neben denen von Börries von Münchhausen zu den besten unserer
Zeit gehören. Wer einmal „Die Frauen von Nidden", „Die Nibelungen", „Das
Märchen von der schönen Mete" oder eine ihrer letzten, „Wagen an Wagen“,
diese bei aller Knappheit erschütternde Darstellung der Flucht, las. wird
sie nicht wieder vergessen. Der weiß, dass hier große Dichtung, dass hier
Bleibendes geschaffen wurde. Gleichrangig steht daneben ihr Prosawerk, das
vorwiegend ostpreußisches Schicksal und ostpreußische Menschen von der
mythischen Zeit Altpreußens bis zur Gegenwart gestaltet. Neben Bildern von
fast männlicher Härte, wie „Die Fahrt der sieben Ordensbrüder", stehen
solche, in denen eine mütterliche Wärme und Herzensheiterkeit aufleuchten,
die ihr Werk auch jenen nahebringt, die nicht die Dichtung, sondern die
verlorene Heimat bei Agnes Miegel suchen. 

Da die Dichterin das seltene Glück hatte, dass ihr alter Verlag Eugen
Diederichs auch nach dem Kriege zu ihr hielt, liegen jetzt ihre „Gesammelten
Werke" in einer einheitlichen Ausgabe von sechs Bänden vor. Sie gehören in
jedes ostpreußische Haus, denn in ihm hat die Dichterin alles vereinigt, was
ihr als das Bleibende erschien. Im Herbst 1958 gab sie dazu noch einen neuen
Band Erzählungen heraus, „Truso, Geschichten aus der alten Heimat", die noch
nicht in den „Gesammelten Werken" enthalten sind. Er bietet Geschichten aus
Geschichte und Leben Ostpreußens, darunter als eine der schönsten die von
der Liebe Georg von Kunheims zu Luthers Tochter Margarete „Die gute Ernte".
Dieses Werk öffnet einen neuen Zugang zu Agnes Miegels erzählendem Werk, vor
allem denen, die ihm noch nicht begegneten. 

Der Dichterin aber, die als Stimme Ostpreußens Lob und Gnade der Heimat
verkündete, der schlichten, gütigen und mütterlichen Frau, die ungebrochen,
ohne Klage und Anklage das Schicksal des ganzen Landes trägt gilt unser Gruß
und Dank! 
Hans Teichmann 

Seite 10   Zu Ehren von Agnes Miegel. Liebeserklärung an die alte Heimat.
Anlässlich des Festakte zum 80. Geburtstag der Dichterin Frau Dr. h. c.
Agnes Miegel ist der jetzt in der Gelsenkirchener Künstlersiedlung
Hallmannshof wirkende ostpreußische Maler Professor Eduard Bischoff von der
Stadt Bad Oeynhausen, zugleich auch im Namen der Landsmannschaft Ostpreußen,
eingeladen worden, eine Kollektiv-Ausstellung seiner Arbeiten zu zeigen.
Diese Ausstellung, die im Wandelgang des Großen Kurhauses sowie im
„Königshof" in Bad Oeynhausen vom 7.-16.03.1959 gezeigt wird, bietet mit
etwa 100 Ölbildern, Aquarellen und graphischen Blättern einen interessanten
Querschnitt durch das Lebenswerk des bekannten Künstlers. Neben einer Reihe
Portraits aus der Königsberger Ära und Bildern aus der verlorenen Heimat im
Osten, die den ostpreußischen Menschen, den Fischer und Bauer, bei der
Arbeit in seiner Landschaft zeigen, wird man erstmals wieder seit Jahren
eine Sammlung farbenfreudiger afrikanischer Aquarelle betrachten könne, die
Prof. Bischoff von seiner zehnmonatigen Reise nach Liberia, an die Goldküste
und zum Kongo im Jahre 1952/1953 als künstlerische Ausbeute heimbrachte.
Außerdem werden in der reichhaltigen Ausstellung neben zahlreichen Gemälden
von der Insel Elba und aus dem Tessin auch sämtliche auf den Ausstellungen
„Men-sage Artistico de Alemania“ in Santiago de Chile und Caracas gehängten
Kunstwerke sei ihrer Rückkehr nach Deutschland wieder zu sehen sein, nachdem
sie in Süd- und Mittelamerika mit einer hervorragenden und respektvollen
Kritik aufgenommen worden waren.

Als besonderer Anziehungspunkt der Ausstellung in Bad Oeynhausen gilt ferner
der auf Wunsch des Bundesministeriums für Vertriebene und Flüchtlinge
geschaffene „Ostpreußen-Zyklus“ — eine Sammlung von etwa 20 großformatigen
Holzschnitten mit Motiven aus der Heimat des Künstlers und von der
Vertreibung aus dem „Paradies Ostpreußen" —. Diese Bilderreihe wird zu Ehren
der Dichterin Agnes Miegel zum ersten Male in einer öffentlichen Ausstellung
dem Publikum zugänglich gemacht und soll in Kürze bereits in einem Berliner
Verlag als Samrnelmappe erscheinen. 

In unserer nächsten Ausgabe bringen wir unter „Kulturschaffende unserer
Heimat" ein ausführliches Portrait Prof. Bischoffs. 

Seite 10   Deutscher Osten - Wiege des Genies 
Die kurze summarische Würdigung großer Geister, deren Wirken ganze Epochen
mitbestimmt oder gar dem Gesicht der abendländischen Kultur besondere Züge
gab, ist oftmals eindrucksvoller als die eigentlich angebrachten und auch
üblichen umfassenderen Darstellungen von Werk und Mensch. Das trifft
jedenfalls auf eine genau genommen bloße Nominierung ostdeutscher Dichter
und Schriftsteller zu, die man beim Blättern in einem ganz ausgezeichnet
ausgestatteten Kalender für das Jahr 1959 findet, den die „Bundeszentrale
für Heimatdienst" herausgegeben hat. 

Unter der sachlichen, nur registrierenden Überschrift „Die deutschen Dichter
und Schriftsteller", findet sich als Teil des Blattes über „Ostdeutschlands
Beitrag zum deutschen Geistesleben" eine geradezu erschütternde
Zusammenfassung: „Im 17. Jahrhundert waren es Angelus Silesius, Simon Dach,
Andreas Gryphius, Johann Gottfried Günther, Martin Opitz und Friedrich von
Logau, die von Ostdeutschland her die deutsche Lyrik, Epik und Dramatik
mitprägten. Im 18. Jahrhundert überragten die Romantiker E. T. A. Hoffmann
und Heinrich von Kleist viele ihrer Zeitgenossen. Neben dem großen Lehrer
der deutschen Dichter, Johann Christoph Gottsched, und seiner Frau Luise,
erlangten in dieser Zeit noch Theodor Gottlieb von Hippel, Ewald Christian
von Kleist, Friedrich von Gentz und Johann Georg Forster literarische
Bedeutung. In der so vielseitigen deutschen Dichtung des 19. Jahrhunderts
nehmen die Ostdeutschen ebenfalls einen beherrschenden Platz ein. Der
Romantiker Joseph Freiherr von Eichendorff, der Kulturhistoriker und
Schriftsteller Gustav Freytag haben ebenso wie der Dichter und Schauspieler
Carl von Holtel ihre Zeitgenossen stark beeinflusst. Mitleidend und
mitgestaltend in den bewegten Geschehnissen der letzten hundert Jahre stehen
die ostdeutschen Dichter Otto Julius Bierbam, Willibald Alexis, Max Halbe,
Ernst Hardt, Rudolf Borchardt, Alfred Brust, Hermann Sudermann, Carl
Hauptmann, Arno Holz, Wilhelm Jordan, Hans Christoph Kaergel, Paul Keller,
Klabund, Hermann Löns, Karl Ludwig Schleich und Ernst Ludwig Freiherr von
Wolzogen. Bis in unsere Tage hinein sind neben Ernst Wiechert (gestorben
1950), August Winnig (geboren 1878), Agnes Miegel (geboren 1879) und Werner
Bergengruen (geboren 1892) die beiden großen Meister des Romans und des
Dramas wirksam: Hermann Stehr (gestorben 1940) und Gerhart Hauptmann
(gestorben 1946). 

Wie gesagt, das ist nicht das, was diesen Männern und Frauen als Würdigung
zusteht. Die Veröffentlichung deutet aber in ihrer Knappheit überzeugender
an, was der deutsche Osten für das ganze Deutschland bedeutet, als manche
großangelegte, wertende Betrachtung.

Seite 10   Die Werke Agnes Miegel 
1901 Gedichte / 1907 Balladen und Lieder / 1920 Gedichte und Spiele / 1926
Geschichten aus Altpreußen / 1927 Spiele / 1927 Gesammelte Gedichte / 1928
Die Auferstehung des Cyriakus (Erzählungen) / 1930 Kinderland (Erzählungen)
/ 1931 Dorothee (Erzählungen) / 1932 Der Vater (Erzählungen) / 1932
Herbstgesang (Gedichte) / 1933 Weihnachtsspiel / 1933 Kirchen im Ordensland
/ 1934 Gang in die Dämmerung (Erzählungen) 1934 Die Schlacht von Rudau /
1935 Das alte und das neue Königsberg / 1936 Unter hellem Himmel
(Erzählungen) / 1936 Katrinchen kommt nach Hause (Erzählungen) / 1936 Noras
Schicksal (Erzählungen) / 1937 Das Bernsteinherz (Erzählungen) / 1937
Audhumla / 1938 Und die geduldige Demut der treuesten Freunde (Versdichtung)
/ 1938 Werden und Werk / 1939 Frühe Gesichte / 1939 Herbstabend / 1940
Ostland / 1940 Im Ostwind (Erzählungen) / 1940 Ordensdome / 1940
Wunderliches Weben (Erzählungen) / 1944 Mein Bernsteinland und meine Stadt /
1949 Du aber bleibst in mir (Gedichte) / Die Blume der Götter (Erzählungen)
/ 1951 Der Federball (Erzählungen) / 1951 Der Federball (Erzählungen) / 1951
Die Meinigen (Erzählungen) / 1953 – 1955 Gesammelte Werke in 6 Bänden / 1958
Truso (Erzählungen).

Re: [OWP] Wehrmachtseinheit / Kampfhandlungen

Date: 2016/12/03 17:47:03
From: Hans-Detlef Grüber <hansdetlef-grueber(a)web.de>

Vielen Dank für die Hinweise,
ich hoffe, daß ich da weiterkomme und dann auch die Kampfhandlungen finde.

Viele Grüße
Detlef (Grüber)


Re: [OWP] Katholische KB (z. B. Marienwerder)

Date: 2016/12/03 18:16:47
From: Jürgen PetersSchlebusch <Peters-Schlebusch(a)t-online.de>

Guten Tag,

nun Herr Wolf, was Herr Keydel schreibt entspricht doch den Tatsachen.

Inwieweit das nicht von wissenschaftlicher Erkenntnis getragen wird müssen Sie mir mal erklären.

Ich bin kein Mitglied und auch kein Unterstützer von Vertriebenenverbänden, aber was wahr ist muss wahr bleiben.

Grüße
Jürgen
www.Peters-Schlebusch.de


Am 02.12.2016 um 23:03 schrieb Hans-Jürgen Wolf:
Am 02.12.2016 um 21:47 schrieb Christian Keydel:

...
die katholischen Kirchenbücher wurden bei der Flucht nicht "aus Polen",
sondern aus unserer ostdeutschen Heimat mitgebracht. Dementsprechend
sind sie nicht an Polen "zurückgegeben" worden. Sie hatten ihnen nie
gehört,
sind ihnen dann aber durch die katholische Kirche überlassen worden.
Ich meine, auch die exakte Wiedergabe der äußeren Abläufe gehört zu
den Bildern der Vergangenheit, die wir in Ausschnitten festzuhalten
versuchen.
...


Sehr geehrter Herr Keydel,

Aussagen dieser Art sind nicht von wissenschaftlicher Erkenntnis
getragen, sondern sind unreflektiertes Wiederkauen polemischen
Gedankengutes aus der Ecke der Vertriebenenverbände. Mich hat dieser
Unsinn schon 2001 köstlich amüsiert. Siehe dazu meinen Kommentar

Vertriebene Kirchenbücher". Irrungen und Wirrungen zwischen
"masochistischer Würdelosigkeit" und "(Binsen-)Weisheiten" in:
Computergenealogie Heft 4/2001, S. 31

Re: [OWP] Katholische KB (z. B. Marienwerder)

Date: 2016/12/03 19:19:42
From: Hans-Jürgen Wolf <info(a)westpreussen.de>

Am 03.12.2016 um 18:16 schrieb Jürgen PetersSchlebusch:

...
nun Herr Wolf, was Herr Keydel schreibt entspricht doch den Tatsachen.

Inwieweit das nicht  von wissenschaftlicher Erkenntnis getragen wird
müssen Sie mir mal erklären.

Ich bin kein Mitglied und auch kein Unterstützer von
Vertriebenenverbänden, aber was wahr ist muss wahr bleiben.
...

Sehr geehrter Herr Schlebusch,

der Sache nach geht es darum, dass die sogenannten katholischen Ostkirchenbücher nicht einfach "aus der ostdeutschen Heimat des Herrn Keydel mitgebracht wurden". Es handelt sich vielmehr um kirchliches (!) Eigentum, das ab Herbst 1939 von staatlichen (!) deutschen Behörden beschlagnahmt und in den Westen verbracht worden ist.

Die eigentumsrechtliche Zuordnung der besagten Kirchenbücher als kirchliches Eigentum ist in Fachkreisen (!) deshalb auch niemals ernsthaft in Frage gestellt worden. Folgerichtig war und ist es auch nur und ausschließlich kirchliche Angelegenheit, über den Verwahrort der Bücher zu entscheiden. Mehr ist auch nicht geschehen, insbesondere ist hier auch niemandem etwas zurückgegeben worden, was ihm nicht schon zuvor gehört hätte. Die Bücher sind lediglich in die regional zuständigen kirchlichen (!) Diözesanarchive verbracht worden.

Es macht schon Sinn, sich den geschichtlichen Abläufen unvoreingenommen zu widmen. Wo man all dies ausführlich und mit weiterführenden Nachweisen nachlesen kann, habe ich aufgezeigt.

--
Mit freundlichen Grüßen

Hans-Jürgen Wolf
Hinweise zur Familienforschung in Westpreußen
http://www.westpreussen.de

Re: [OWP] Katholische KB (z. B. Marienwerder)

Date: 2016/12/03 19:50:11
From: rpp <pcperrey(a)t-online.de>

Es ist vollkommen unerheblich, ob die katholischen Kirchenbücher von der katholischen Kirche, von Privatpersonen oder vom Staat in den Westen verbracht wurden. Was hier vorgetragen wird, kann sich unter dem Aspekt der Rückgabe nur auf KBs aus dem "Polnischen Korridor" und auch dort nur auf polnische katholische Gemeinden beziehen, nicht aber auf solche aus deutschen Gebieten. Insbesondere deshalb nicht, weil solche KBs nicht einer privaten Verfügungsgewalt unterlagen. Es ist ja nicht bezweifelt worden, dass die Katholische Kirche mit ihrem Eigentum machen kann, was sie will. Aber die deutsche katholische Kirche ist nun mal nicht die polnische katholische Kirche und deutsche Diözesen sind keine polnischen gewesen. Sonst hätte es wohl auch kirchenrechtlich nach dem Krieg kaum Diozösan-Administratoren geben können.

Peter Perrey

On 03.12.2016 19:19, Hans-Jürgen Wolf wrote:
Am 03.12.2016 um 18:16 schrieb Jürgen PetersSchlebusch:

...
nun Herr Wolf, was Herr Keydel schreibt entspricht doch den Tatsachen.

Inwieweit das nicht  von wissenschaftlicher Erkenntnis getragen wird
müssen Sie mir mal erklären.

Ich bin kein Mitglied und auch kein Unterstützer von
Vertriebenenverbänden, aber was wahr ist muss wahr bleiben.
...

Sehr geehrter Herr Schlebusch,

der Sache nach geht es darum, dass die sogenannten katholischen Ostkirchenbücher nicht einfach "aus der ostdeutschen Heimat des Herrn Keydel mitgebracht wurden". Es handelt sich vielmehr um kirchliches (!) Eigentum, das ab Herbst 1939 von staatlichen (!) deutschen Behörden beschlagnahmt und in den Westen verbracht worden ist.

Die eigentumsrechtliche Zuordnung der besagten Kirchenbücher als kirchliches Eigentum ist in Fachkreisen (!) deshalb auch niemals ernsthaft in Frage gestellt worden. Folgerichtig war und ist es auch nur und ausschließlich kirchliche Angelegenheit, über den Verwahrort der Bücher zu entscheiden. Mehr ist auch nicht geschehen, insbesondere ist hier auch niemandem etwas zurückgegeben worden, was ihm nicht schon zuvor gehört hätte. Die Bücher sind lediglich in die regional zuständigen kirchlichen (!) Diözesanarchive verbracht worden.

Es macht schon Sinn, sich den geschichtlichen Abläufen unvoreingenommen zu widmen. Wo man all dies ausführlich und mit weiterführenden Nachweisen nachlesen kann, habe ich aufgezeigt.


[OWP] Traueranzeigen mit Elchschaufel

Date: 2016/12/03 20:21:03
From: Egon Stelljes <e.stelljes(a)ewetel.net>

Hildegard Brummerloh, geb. Skibbe
https://trauer.weser-kurier.de/Traueranzeige/Hildegard-Brummerloh-1929


Erika Gutjahr
https://trauer.weser-kurier.de/Traueranzeige/Erika-Gutjahr


Gertrud Fridrietz
https://trauer.weser-kurier.de/Traueranzeige/Gertrud-Friedritz


Emil Benger
http://trauer.kreiszeitung.de/Traueranzeige/Emil-Benger

Gruß Egon







Re: [OWP] Katholische KB (z. B. Marienwerder)

Date: 2016/12/03 20:36:08
From: Hans-Jürgen Wolf <info(a)westpreussen.de>

Am 03.12.2016 um 19:49 schrieb rpp:

...
Es ist vollkommen unerheblich, ob die katholischen Kirchenbücher von der
katholischen Kirche, von Privatpersonen oder vom Staat in den Westen
verbracht wurden. Was hier vorgetragen wird, kann sich unter dem Aspekt
der Rückgabe nur auf KBs aus dem "Polnischen Korridor" und auch dort nur
auf polnische katholische Gemeinden beziehen, nicht aber auf solche aus
deutschen Gebieten. Insbesondere deshalb nicht, weil solche KBs nicht
einer privaten Verfügungsgewalt unterlagen. Es ist ja nicht bezweifelt
worden, dass die Katholische Kirche mit ihrem Eigentum machen kann, was
sie will. Aber die deutsche katholische Kirche ist nun mal nicht die
polnische katholische Kirche und deutsche Diözesen sind keine polnischen
gewesen. Sonst hätte es wohl auch kirchenrechtlich nach dem Krieg kaum
Diozösan-Administratoren geben können.
...


Zwei mal drei macht vier,
widewidewitt und drei macht neune,
ich mach mir die Welt,
widewide wie sie mir gefällt.


--
Mit freundlichen Grüßen

Hans-Jürgen Wolf
Hinweise zur Familienforschung in Westpreußen
http://www.westpreussen.de

Re: [OWP] Katholische KB (z. B. Marienwerder)

Date: 2016/12/03 21:16:42
From: rpp <pcperrey(a)t-online.de>

Das glaube ich Ihnen gerne, dass es Ihnen so geht, nach all dem, was Sie hier so aufgeregt von sich gegeben haben. Ein wenig Differenzieren mag schon sein...

Peter Perrey


On 03.12.2016 20:36, Hans-Jürgen Wolf wrote:
Am 03.12.2016 um 19:49 schrieb rpp:

...
Es ist vollkommen unerheblich, ob die katholischen Kirchenbücher von der
katholischen Kirche, von Privatpersonen oder vom Staat in den Westen
verbracht wurden. Was hier vorgetragen wird, kann sich unter dem Aspekt
der Rückgabe nur auf KBs aus dem "Polnischen Korridor" und auch dort nur
auf polnische katholische Gemeinden beziehen, nicht aber auf solche aus
deutschen Gebieten. Insbesondere deshalb nicht, weil solche KBs nicht
einer privaten Verfügungsgewalt unterlagen. Es ist ja nicht bezweifelt
worden, dass die Katholische Kirche mit ihrem Eigentum machen kann, was
sie will. Aber die deutsche katholische Kirche ist nun mal nicht die
polnische katholische Kirche und deutsche Diözesen sind keine polnischen
gewesen. Sonst hätte es wohl auch kirchenrechtlich nach dem Krieg kaum
Diozösan-Administratoren geben können.
...


Zwei mal drei macht vier,
widewidewitt und drei macht neune,
ich mach mir die Welt,
widewide wie sie mir gefällt.



[OWP] Lesehilfe - Mixstadt 1861 und Kalender 1701-2000

Date: 2016/12/04 11:36:24
From: ahnen <ahnen(a)mielczarek.de>

Hallo,
mit meiner Mail vom 27.1.2016 hatte ich um Lesehilfe und Übersetzung eines Kirchenbucheintrags gebeten.

Dank der Hilfe von Bernhard Heinrich, Jan Schefers, Matthias E. Theiner und Rainer Schallitz sind fast alle Punkte geklärt.
Hierfür allen meinen herzlichen Dank.

Wer sich für das Ergebnis interessiert findet dieses auf meiner Internetseite
http://www.unsere-ahnen.de/lesehilfe/Heirat_Mixstadt_1861.htm

Das jeweilige Datum habe ich dem "Kalenderbuch. Vollständig ausgeführt von 1701-2000 und von Jahr 1 bis 2000" entnommen.
Download möglich von der Seite
https://books.google.de/books?id=RDNXAAAAcAAJ

Es grüßt ganz herzlich aus Ibbenbüren
Günter ( Mielczarek )

www.mielczarek.de
Private Ahnenforschung

www.unsere-ahnen.de
Mit Linkliste zu 2457 digitalisierten Büchern etc. und Übersichtskarten mit Linklisten zu digitalisierten topographischen Karten mit ca. 10.500 Links

[OWP] Polnische Kirchenbücher?

Date: 2016/12/04 15:43:18
From: Roswitha Lindemann <r-lindemann(a)gmx.de>

Sehr geehrter Herr Majewski,
 
voran schicken möchte ich zweierlei:
 
1. Meine eigenen Vorfahren saßen in den Gebieten der jetzigen Bundesrepublik Deutschland und gehören demgemäß nicht zu den Unglücklichen, die völkerrechtswidrig aus den deutschen Ostgebieten vertrieben worden sind, daher schreibe ich hier keineswegs aus persönlicher Betroffenheit heraus.
 
2. Obgleich ich bei der Lektüre Ihres Beitrags sofort entsetzt war, hatte ich mich zunächst nicht getraut, etwas dazu zu schreiben - von wegen sogenannter angeblicher politischer Korrektheit etc., d.h. aus - offenbar begründeter - Furcht, hier auf der Plattform gemobbt zu werden, aber nachdem ich jetzt einige Kommentare dazu gelesen habe, möchte ich nicht länger feige zurückstehen, sondern endlich das Richtige tun.
 
Daher ist es mir ein Bedürfnis zu äußern, daß mich die Ausdrucksweise "polnische" Kirchenbücher und an Polen "zurückgeben" in Bezug auf - wie Sie überigens selbst schreiben - "[ost]deutsche[!] katholische Kirchenbücher", die, wie Sie ebenfalls desweiteren selbst schreiben, von deutschen(!) Pfarrern geführt worden sind, abstößt und befremdet.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Roswitha Lindemann
 

Gesendet: Donnerstag, 01. Dezember 2016 um 18:59 Uhr
Von: "Udo Majewski" <urski(a)bitel.net>
An: OW-Preussen-L <ow-preussen-l(a)genealogy.net>
Betreff: Re: [OWP] Katholische KB Marienwerder
Hallo Andreas,

die polnischen Kirchenbücher wurden 2002 vom Bischöflichen
Zentralarchiv Regensburg an Polen zurückgegeben, wo sie heute in
verschiedenen Archiven lagern. In Regensburg verblieben Fotokopien, die
dort im Archiv einzusehen sind. In einem Katalog von 1962 über
ostdeutsche katholische Kirchenbücher steht unter

* Marienwerder */ Westpr. (Kreisstadt),
Hlste. Dreifaltigkeit, Dek. Stuhm,
Kreis mit aufgesetztem Kreuz//[/Zeichen für Erzdiözese bzw.
Diözese/] Ermland,
a) 1858 [/= Jahr der Gründung bzw. ersten Erwähnung des
kirchenbuchführenden Kirchorts bzw. Erbauungsjahr der Kirche/]
b) * oo † 1858 [/Kirchenbücher geführt seit . . . /]
c) teilweise vernichtet
d) * 1858 - 1883, oo 1558 -1930, [/jetziger Verwahrungsort/; war
bis zur Rückgabe an Polen das Bischöfl. Zentralarchiv Regensburg]
† 1858 - 1889 *KBA* ;/[[Damals, 1962, Kath. Kirchenbuchamt
und Archiv, 8 München 15, Bavariaring 24, danach Regensburg]]
/ e) Ernst Laws [/letzter deutscher Pfarrer bzw. Seelsorger/]

Leider ist das alles, was der Quellennachweis hergibt. Die kursiven
Satzteile sind die Erläuterungen zu den Buchstaben a) - e). 1963 konnte
ich noch ein Exemplar dieses Quellennachweises im Katholischen
Kirchenbuchamt und Archiv München erstehen. Bald danach war nur noch das
Bischöfliche Zentralarchiv in Regensburg für die Forschung zuständig.
Weitere Exemplare der Schrift waren nicht mehr erhältlich. Allerdings
ist mir auch nicht bekannt, ob es nicht noch Ergänzungen zu der Fülle
der Kirchorte gab, da nur alle bis 1962 aus Polen mitgebrachten und
archivierten katholischen Kirchenbücher aufgeführt waren. Es ist
durchaus möglich, dass später aufgefundene Bücher, die z.B. in anderen
Archiven aufgefunden wurden, oder noch nicht abgegeben waren, in diesem
'Quellennachweis' nicht aufgeführt werden konnten. Zumindest Ähnliches
wurde mir in Berlin im evang. Zentralarchiv berichtet, wo wohl auch
einige kath. Kirchenbücher als "Irrläufer" abgegeben, aber längst an
die richtige Adresse weitergeleitet wurden.

Im Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg war allerdings
mittlerweile ein neues Handbuch erstellt worden, das aber zu meiner
Verwunderung der Öffentlichkeit leider nicht zugänglich gemacht wurde.

Ich hoffe, dass die Information aus meinem 1962er Quellennachweis
schon etwas weiter hilft-

Gruß
Udo (Majewski)



Am 01.12.2016 um 14:20 schrieb Eckert, Andreas:
> Liebe Listenmitglieder,
>
> kann jemand sagen, ob die katholischen Kirchenbücher von Marienwerder, Taufen ab 1884, noch existieren und wo sie sich derzeit befinden ?
>
> Auf der Westpreußen-Seite ist "ab 1884 ff." mit einem "?" versehen ...
>
>
> Mit besten Grüßen,
> Andreas (Eckert)
>
> _______________________________________________
> OW-Preussen-L mailing list
> OW-Preussen-L(a)genealogy.net
> http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
>

_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l[http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l]

[OWP] Ort Trappen in Ostpreussen

Date: 2016/12/04 18:18:28
From: Klaus-Dieter Schulze <kropperschulze(a)web.de>

Hallo, werte Listenteilnehmer, ich habe muendliche Angabe, dass
Erna KIESEL am 18.06.1908 in Trappen Ostpreussen geboren sein soll.
Ich kann den Ort nicht finden, giibt es einen Ort in Ostpreussen, der so aehnlich klingt?
MFG Klaus-Dieter Schulze

Re: [OWP] Ort Trappen in Ostpreussen

Date: 2016/12/04 18:26:54
From: Klaus-Dieter Schulze <kropperschulze(a)web.de>

Hallo, werte Listenteilnehmer, ich habe muendliche Angabe, dass
Erna KIESEL am 18.06.1908 in Trappen Ostpreussen geboren sein soll.
Ich kann den Ort nicht finden, giibt es einen Ort in Ostpreussen, der so aehnlich klingt?
MFG Klaus-Dieter Schulze
hat sich erledigt, es handelt sich um Trappönen früherer Name Trappen

[OWP] Ost-West-Radio - Ausgabe Dezember 2016

Date: 2016/12/04 19:02:34
From: Werner Schuka <Schuka.EDV(a)t-online.de>

Hallo,

der Dezember-Beitrag aus dieser Senderreihe ist im Netz bereitgestellt:
Siehe: http://www.lo-nrw.de/Audiothek/Antenne/2016/

Antenne Münster - "Ost-West-Radio" - 04.12.2016 - Ausgabe Dezember
------------------------------------------------------------------
Diese Sendung enthält folgende Beiträge:
1: ab Min. 03:35
   Weihnachtstraditionen in der Heimat: 
   - Vortrag von Ludwig Adelt beim Schlachtfest der Glatzer.
   - Lied: Wir sind doch alles gute Kinderlein.
2: ab Min. 11:40
   Vortrag von Dr. Winfried S. Küttner (BdV Mönchen-Gladbach): 
   "Identität schützen - Menschenrechte achten". 
3: ab Min. 34:05
   Nachtrag zum Barackenlager Coesfeld-Lette:
   Neue Elemente am Heidefriedhof Lette offiziell eingeweiht:
   - Begrüßung durch Harald Dierig (Vorsitzender)
   - Grußworte von Bürgermeister Öhmann 
     und Landrat Schulze-Pellengahr.
  
Sendung hören - 54 Min. - (49,3 MB) ... 
http://www.lo-nrw.de/Audiothek/Antenne/2016/#12

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schuka

Re: [OWP] Ort Trappen in Ostpreussen

Date: 2016/12/04 19:48:04
From: Hans-Christoph.Surkau(a)t-online.de <Hans-Christoph.Surkau(a)t-online.de>

Lieber Herr Schulze,

anders herum: Trappen ist der 1938 durch die NS-Regierung zwangsverordnete neue Namen von Trappönen, Krs. Ragnit.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Christoph Surkau


-----Original-Nachricht-----
Betreff: Re: [OWP] Ort Trappen in Ostpreussen
Datum: 2016-12-04T18:27:04+0100
Von: "Klaus-Dieter Schulze" <kropperschulze(a)web.de>
An: "ow-preussen-l(a)genealogy.net" <ow-preussen-l(a)genealogy.net>


Hallo, werte Listenteilnehmer, ich habe muendliche Angabe, dass
Erna KIESEL am 18.06.1908 in Trappen Ostpreussen geboren sein soll.
Ich kann den Ort nicht finden, giibt es einen Ort in Ostpreussen, der so aehnlich klingt?
MFG Klaus-Dieter Schulze
hat sich erledigt, es handelt sich um Trappönen früherer Name Trappen
_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l


[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 03 vom März 19 59

Date: 2016/12/04 21:53:37
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 11   Die stille Stunde. Unterhaltungsbeilage der Ostpreußen-Warte.
Foto: Auferstehung Christi / Altarbild in Hofgeismar (um 1310)

Seite 1   Auferstehung. Von Annemarie in der Au.
Es ist schon so, dass die Leute gar nicht mehr hinhören, wenn jemand
wehmütig davon erzählen möchte, dass er einmal bessere Tage gesehen habe.
Sie haben alle, einmal bessere Tage gesehen, was jeder für sich so für
bessere Tage hält. Die einen meinen damit die entschwundene Jugendkraft, die
anderen Besitz und Reichtum, die dritten vielleicht Orden, Ehren und Ruhm.
Alle haben einmal bessere Tage gesehen, es ist nichts Besonderes mehr daran.


Die Frau, die etwas mühsam eine kleine zweirädrige Karre hinter sich
herzieht, hatte auch einmal bessere Tage gesehen, aber sie spricht nicht
darüber, und das ist vielleicht endlich einmal ein Besonderes. 

Die Frau schiebt sich schwerfällig die dörfliche Straße entlang, die ihr
fremd ist und wohl auch immer fremd bleiben wird, solange ihr Herz in dieser
Gegend einsam ist. Schwer zieht sie an der altersschwachen Karre, obwohl nur
ein kleines Bündel Lumpen, ein Stoß Zeitungen und ein paar kleine Eisenteile
darauf liegen. Aber was keiner sieht, das ist die Vergangenheit, die mit auf
der Karre hockt, und die wiegt unendlich schwer für die Frau. 

Ja, sie fühlt die Vergangenheit bei jedem ihrer Schritte, aber sie spricht
nicht von ihr. Die Zeit ist für sie tot, tot das Glück, die Liebe, die
Heimat, der Besitz. Der Krieg hat alles zerschlagen, und als seine wilden
Wogen sich endlich beruhigt hatten, war sie ein Teil des Strandgutes, das
hier wie wertlose Wrackstücke zurückgeblieben war. 

Jahre waren darüber vergangen. Die Frau hätte die Hände in den Schoß legen
und warten können, warten auf das, was die anderen mit Hilfe, Ausgleich und
Wiedergutmachung bezeichneten. Sie hatte nicht gewartet, nicht für sich und
auch nicht für ihren Mann, der nur mehr noch wie eine erloschene Brandstelle
war und meist auf seinem Platz vor dem Fenster saß und vor sich hinbrütete.
Sie hatte angefangen, Lumpen, Papier und Metall zu sammeln, erst auf den
Schuttplätzen vor der Stadt, später sogar in den Häusern, um sich ein paar
Pfennige zu verdienen. Es war ein mühseliges Geschäft, und oft musste sie
die Scham ebenso bekämpfen wie ihren Ekel. 

Nun hatte sie die ersten warmen Tage dazu benutzt, um mit ihrem Karren weit
außerhalb der Stadt ihr Glück zu versuchen. Vielleicht bringt es auch etwas
mehr ein, weil morgen Ostern ist. Aber die Leute hatten nichts für sie.
Manche hatten wirklich nichts, einige waren zu gleichgültig, um
nachzudenken, viele ließen sie gar nicht erst zu Wort kommen, sondern
schickten sie ungehalten fort. 

Nun wird sie noch jenen Hof dort besuchen, und dann muss es für heute genug
sein, der Heimweg ist weit, und sie ist müde, so müde, dass sie sich nicht
einmal an dem ersten zaghaften Grün freuen kann. 

Auf dem sauberen Hof spielen zwei kleine Jungen. Sie mögen wohl vier und
sechs Jahre alt sein. Als sie die Frau sehen, wollen sie erst ängstlich ins
Haus laufen, aber dann treibt die Neugier sie näher. 

„Haben eure Eltern alte Zeitungen oder Lumpen oder Metallsachen?" 

„Mal sehen!" sagte der ältere wichtig und stolziert ins Haus, während der
jüngere ihm unter vielem Umsehen nachstolpert.

Die Kinder sind noch nicht ganz im Hause verschwunden, als eine Frau
erscheint. 

„Ob . . ." 

„Wir haben nichts!" unterbricht die Frau unwillig und will die Tür
schließen. Aber da mischt sich eine weibliche Stimme ein: „Im Schuppen
liegen alte Zeitungen, Meta, die können sie geben“. 

Die Frau an der Tür bläst durch die Lippen und wirft einen bösen Blick auf
die Lumpensammlerin. Am liebsten möchte die Lumpensammlerin kehrt machen und
gehen. Ihr Stolz bäumt sich noch oft auf, aber sie bezwingt sich: auch ein
paar Zeitungen bedeuten Geld. 

Als sie mit ihrer Karre wieder den Hof verlassen will, stehen die Kinder am
Tor. 

„Ich hab' was rausgeworfen. Eisen", sagte der ältere Junge, und wieder macht
er sich sehr wichtig. Ein kleiner Herr. 

Die Frau nickt ihm zu und muss lächeln. Ja, ja, die Kinder. Sie werfen
vielleicht einen Nagel in die Karre und glauben, eine ganze Welt zu
verschenken. Und darum sagt die Frau „Danke". 

Das Zuhause der Frau ist ein gemauerter Schuppen in einem städtischen
Hinterhof. O nein, man kann darüber nicht klagen, man hat es hier ja noch
viel besser, als viele andere es haben. Und wenn sie nicht hier in diesem
ehemaligen Schuppen wohnen würden, dann könnte die Frau nicht einmal Papier
und Lumpen sammeln. Man muss sogar froh sein, dass die Leute im Vorderhaus
noch nicht die Nase darüber gerümpft haben. 

Die Frau sortiert die magere Ausbeute dieses Tages in einem kleinen
Holzverschlag. Hierhin die Zeitungen, dahin die Lumpen, dort die Metalle.
Ein Stück kommt säuberlich zum anderen, so dass ein Fremder kaum merken
würde, dass es sich um Abfälle handelt. 

Plötzlich hält die Frau einen Becher in der Hand. Versponnen in ihre
Gedanken, will sie ihn schon zu den anderen Dingen werfen, als es ihr wie
ein Schlag durch den Körper geht. Ein Becher? Wer hat ihr einen Becher
gegeben? 

Sie schüttelt nachdenklich den Kopf und geht unter die Lampe, die in dem
einzigen wohnlichen Raum ein schwaches Licht verbreitet. Die Frau hält den
Becher hoch. Er ist aus reinem Silber getrieben. Das erkennt sie sofort.
Aber was sie so lange wie ungläubig auf den Becher starren lässt, ist das in
den Becher getriebene Bild: die Auferstehung des Herrn. 

„Höre", bricht es endlich aus der Fassungslosen hervor. „Hör' doch ..." aber
die aufquellenden Tränen begraben alle weiteren Worte und lassen die Frau
nur stumm den Becher dem träumenden Mann am Fenster in die Hände drücken.
Und zum ersten Mal nach all den dunklen Jahren wird jener Mann wach. 

Obwohl der nächste Tag nun der erste Osterfeiertag ist, sind der Mann und
die Frau schon am Vormittag auf dem gleichen Wege, wie ihn gestern die Frau
allein ging. So hatte man den Mann noch nie gesehen! Mit hungrigen Augen
saugt er seine Umgebung in sich ein und geht dabei so schnell, dass ihm die
Frau kaum zu folgen vermag. Und immer wieder stößt er hervor: „Weißt du es
auch ganz gewiss?" Und immer wieder muss die Frau antworten: „Das können nur
die Kinder getan haben“.

Dann stehen der Mann und die Frau auf dem Hof. Diesmal sind die Kinder nicht
zu sehen, und als die Frau an die große Eingangstür klopft, öffnet auch
nicht jenes mürrische Mädchen, sondern eine junge Frau, die die frühen
Besucher erstaunt mustert. 

Der Mann holt aus seiner Manteltasche den Becher hervor, aber er hält ihn
so, dass man ihn nicht genau erkennen kann. 

„Der Becher!" leuchtet die Frau trotzdem sogleich auf. „Da ist ja der
Becher! Walter, Walter, das ist der Becher!" und die junge Frau schiebt den
Mann und die Frau einfach ins nächste Zimmer und kann sich nicht fassen vor
Freude. 

„Walter, der Becher!" 
Auch der Hausherr wird von einer leuchtenden Freude ergriffen, aber er fragt
doch zunächst das Nächstliegende: „Wie kommen Sie zu dem Becher, er . . ." 

Nun endlich nimmt der alte Mann das Wort: „Ich wollte Sie fragen: Wie kommen
Sie zu dem Becher, den die Kinder gestern meiner Frau auf den Wagen geworfen
haben müssen“. 

„Ihrer Frau auf den Wagen?" 
„Ich sammle Lumpen“, flüstert die Frau und wird rot vor Scham. 
„Wie kommen Sie zu diesem Becher?" fragt der alte Mann wieder, und gleich
darauf sagt er: „Sagen Sie es nicht, ich werde Ihnen etwas erzählen: Es
waren zwei Becher. Niemand kennt den Meister, der sie getrieben hat. Der
eine-Becher zeigte die Kreuzigung und der andere die Auferstehung des Herrn.
Es waren zwei Freunde, die diese Becher bei einem Trödler kauften und zur
ewigen Freundschaft trotz Trennung untereinander auslosten. Der eine erhielt
die Kreuzigung. Das war ich. Der andere erhielt den Becher der Auferstehung.
Der Becher der Kreuzigung liegt unter den Trümmern meiner Welt begraben, und
hier . . . 

Der alte Mann hebt den Becher hoch und kann nicht hindern, dass die Tränen
über die eingefallenen Wangen laufen. 

Aber auch der Hausherr muss schlucken, ehe er heiser hervorstößt: „Onkel
Damhaupt, du bist also Onkel Damhaupt! Dann kann ich endlich dir den Becher
der Auferstehung zurückgeben, wie es mir mein Vater aufgetragen hat. Der
Becher, der zuerst seinen Besitzer verlieren würde, sollte dem Freunde
überbracht werden. Dein Freund ist vor Jahren eingeschlafen, Onkel Damhaupt.
Er hat die Freundschaft nicht vergessen. Der Becher der Auferstehung gehört
nun dir“. 

Der alte Mann lässt die Hand mit dem Becher sinken und drückt ihn dann stumm
an sich, während die andere Hand die des Hausherrn umschließt. 

Und dann wird dieser Tag wirklich zu einem Tag der Auferstehung, der alle
Not vergessen macht. 

Jetzt sieht man Tag für Tag einen würdigen alten Herrn mit zwei kleinen
Buben spazieren gehen, und eine alte Dame geht lächelnd über den Hof und
schaut ihnen nach wie sie die Straße entlang gehen, auf der sie einmal
mühsam eine altersschwache Karre gezogen hat. 

Seite 11   Das Lied des Nöck / Von Agnes Miegel 
Wenn es jemandem an der Wiege nicht vorgesungen wurde, dass er unter die
Dichter gehen würde, dann war ich es. 

Meine Vorfahren von Vaters Seite, die alle brave Kaufleute und preußische
Beamte gewesen sind, und die von Mutters Seite, tüchtige Landwirte aus der
Niederung, hätten sich im Sarg gedreht, wenn sie geahnt hätten, dass die
Letzte, die ihre Reihe schloss — schon schlimm genug, dass es kein Junge war
—, so etwas vorhätte. Ich gab auch durch keine absonderliche Begabung zu
solchen Befürchtungen Anlass, sah aus wie ein in die Stadt verschlagenes
richtiges Landkind, war es auch in allen Neigungen und fand alles andere in
dieser Welt wichtiger als den Weg zur Bücherweisheit. 

Auf einer Fußbank am Herd stehend, damit ich in den kochenden Kochtopf sehen
konnte, lernte ich die Herstellung der ostpreußischen Muse in ihren
Spielarten: Klunkermus, Kleckermus, Schlichtmus und Atlasmus, sehr viel
früher und besser beherrschen als das mit so viel Schlingen und Fußangeln
versehene Verb avoir. 

Bei diesem abendlichen Kochkursus — denn damals gab's abends immer Mehlsuppe
— lernte ich in der schummrigen Küche von unseren sangesfrohen Mädchen eine
Fülle schöner Lieder mit unendlich vielen Versen. Je länger das Lied war, je
trauriger es anfing, desto besser gefiel es uns. Auch erzählten wir uns
Gruselgeschichten, so von dem Gespenst, das in jener Wohnung im Flur umging
und manchmal auch in der Küche mit den Stürzen rasselte. Das Lämpchen
qualmte dazu unterm Herdmantel, die Suppe brodelte und dampfte, und wir
fühlten uns nur geborgen, weil der kleine Haushund so gemütlich neben dem
Holz unterm Herd schnarchte. 

Dann sprachen wir zur Beruhigung von allerlei Zukunftsplänen. Lina wollte
einen Witmann heiraten, aber ich wollte nicht heiraten, weder einen Witwer
noch einen Jungen. Ich hatte so etwas wie ein Ideal. Und dieses Wunschbild,
sorgsam gehütet in verschwiegener Brust, hieß Rosenfeld am Altstädter Markt.


Nicht der Gewürzkram hinten, so verlockend er auch war mit blauen Tüten,
Pflaumen und Kaffeegeruch. Ach nein — vorne der Butterladen mit der
Freitreppe, mit dem blauen Blechzuckerhut, mit seiner gediegenen
mennonitischen Einfachheit und weißgescheuerten Sauberkeit, mit der
blitzenden Messingwaage, den großen Fässern mit Butter, der Preistafel
darüber zwischen den Eichenborden, mit den schnurrenden Kätzchen an der
Kellertreppe — dieser Laden hatte es mir angetan. Dort Verkäuferin zu sein
im blaubunten Waschkleid, mit der feuchten geriefelten Holzklatsche die
fette Fassbutter aufs Pergamentpapier zu schlagen, sie abzuwiegen, dann das
Papier zu falten, dass die Firma kornblumenblau auf goldgelb prangte — „noch
etwas Schmalz, junge Frau“, — und sie dann, noch einmal in braunes Papier
gehüllt, der Käuferin in den braunen Korb zu schieben, dazu das ganze
Menschengewoge der Markttage draußen und im Laden zweimal in der Woche
mitzuerleben, das erschien mir als das einzig erstrebenswerte Lebensziel.
Und so schien mir mein Weg deutlich genug vorgezeichnet, bis mich etwas aus
der Bahn warf. 

Eine ungeahnt gute Zensur und eine auf den freudigen Schreck zu buchende
allgemeine Artigkeit verschafften mir eine besondere Belohnung; eine schon
beinah erwachsene. Nicht mehr Baisers mit Schlagsahne bei Steiner oder ein
viertel Pfund gebrannte Mandeln von Fragstein oder eine Blutapfelsine von
der Fox, diesmal war's etwas ganz anderes: ich durfte am Freitagabend mit
ins Börsenkonzert. Ich war sprachlos, als die Mutter es mir sagte, dann wie
benommen vor Glück. Was ich mir darunter dachte, weiß ich nicht. Ich glaubte
so ungefähr, dass die Makler mit Getreideschalen und Notizbüchern
herumliefen und dazu sangen. 

Aber Gasbeleuchtung, vorfahrende Wagen, das Gedränge an der Garderobe, der
große helle Saal, die vielen wispernden, festlich angezogenen Menschen,
unter denen ich vor Herzklopfen nicht die nächsten Freunde meiner Eltern
erkannte, machten mir einen überwältigenden Eindruck. Ich fühlte, dieses war
eine Welt ganz außerhalb des Gewohnten. Und kerzengerade vor Angst,
andächtig und mit gefalteten Händen über dem knisternden Blatt mit der
Vortragsfolge, das ich vor Aufregung nicht lesen konnte, saß ich da und
starrte auf das Podium und den großen schwarzen Flügel. 

Da kam eine Bewegung in all die Menschen um mich, und als ich aufblickte,
saß ein Herr 
an dem Flügel und spielte, und ein anderer Herr stand dort, dessen Gesicht
mir ebenso seltsam geheimnisvoll fremd, ungewöhnlich und doch vertraut
erschien wie alles sonst an diesem Abend. Und dieser Mann hielt ein
Notenblatt in der Hand, auf das er nie sah, und sang: 

„In den Talen der Provence 
Ist der Minnesang entsprossen: 
Kind des Frühlings und der Muse, 
Holder, inniger Genossen“. 

versank auf einmal alles, was mir bis dahin wert und wichtig gewesen war:
mein Zuhause, das Gärtchen mit meinem Beet, die abendliche Küche. Linas Lied
von der schönen Gärtnersfrau; es versank für immer der blitzblanke Laden am
Markt mit den Butterfässern. Unirdisch klar, unirdisch lieblich mit einer
Süße, die nicht mehr von dieser Welt war, mit einer Kühle, die wie der Tod
frieren ließ, sang die Stimme durch den stillen Saal. Aus Tiefen, von denen
ich nichts gewusst, stieg es wie ein dunkler Strom und kam und überflutete
alles um mich her und schwemmte den Alltag weg und löschte das satte und
vergnügliche Behagen meines Kinderlebens aus wie ein Lichtchen und wirbelte
mich davon. Wohin? Ja, hier war kein Ziel zu sehen. Aber ich fühlte und
wusste: die Stimme rief, und ich musste ihr folgen. Alles war fort, und nur
sie blieb und würde immer da sein. 

Vorläufig aber gingen wir durch das Gebrause der zögernden oder hastenden
anderen Zuhörer durch die dunkle Straße gegen den eisigen Wind nach Hause,
wo sich bei heißem Kakao und Buttersemmel herausstellte, dass ich das
Programm überhaupt nicht gelesen hatte. 

„Das kommt davon, wenn man Kinder ins Konzert schleppt!" sagte der Vater
nicht ohne Genugtuung, als die Mutter seufzte. 

Dann wurde ich zu Bett geschickt und schlief rasch und traumlos, trotzdem
ich recht hart lag; denn alle Schulbücher für den nächsten Tag lagen unter
dem Kissen. Der Alltag war da, alles war wie immer. Nur ich selber war
anders. Von diesem Abend an durch ein langes Leben ging ich der Stimme nach,
die mich gerufen hatte, den beschwerlichen, einsamen und dunklen Weg, der
fortführt von dem warmen Herdbehagen, den Weg zur Kunst. 

Mit freundlicher Genehmigung des Eugen-Diederichs-Verlages, Düsseldorf, aus
dem Gesamtwerk der Dichterin, Band 3 „Aus der Heimat", entnommen.

Seite 11   Hermann Sudermann
Wie leben immer im Märchen, nur merken wir’s selten.

[OWP] Familie Dirks oder Derks in Schulitz / Bromberg

Date: 2016/12/04 22:09:42
From: H.W. <ha_we_(a)t-online.de>

Liebe Listenleser,

ich suche nach den Eltern meines Vorfahren

David DIRKS / DIERKS
* ca. 1802 in Getau, Schulitz
~ evangelisch
oo 16 Feb 1827 in Bromberg mit Maria Pansegrau verw. Windmüller
+ 27 Jan 1838 in Getau, Schulitz

Sein Vater wird bei Poznan-Project als Ludwig Derks genannt, über die
Mutter weiß ich nichts. Wer forscht in Bromberg und Umgebung oder hat
die Familie DIRKS / DIERKS / DERKS in seinen Daten?

Vielen Dank für eure Hilfe,
Heike (Wessel)

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 03 vom März 19 59

Date: 2016/12/04 23:36:41
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 12   Luftige Schifffahrt / Von Will Vesper
Einige meinen, die Geschichte habe sich an der Aller bei Müden zugetragen,
aber der alte Wilhelm versicherte mir, dass der Bauer, von dem darin die
Rede ist, seinen kleinen Hof unweit Triangel an der Ise hatte, und dass er
selbst in seinen jungen Jahren ihn noch gekannt, dass aber der Bauer, wie
natürlich, nicht gerne von dieser seiner lustigen Schifffahrt geredet und
gehört habe. 

In jedem Jahre, wenn die Müller in Gifhorn die Schleusen ihrer Wehre
zumachen und das Wasser der Flüsse aufstauen, damit es ihnen winterlang die
Mühlen umsonst treibt, steigen Aller und Ise, die sonst als kleine
ordentliche Flüsse durch Wiesen und Wälder ziehen, über die Ufer in die
Felder und Äcker und manchmal bis in die Dörfer und Höfe, die sonst weit vom
Ufer liegen. Gewaltige Seeflächen glänzen dann zwischen den Wäldern. Dann
kommen wilde Gänse und Enten und bisweilen selbst wilde Schwäne und wohnen
auf den großen Wassern. In manchen Jahren steigen die Wasser langsam,
sozusagen von unten herauf, in anderen stürzen sie nach einer raschen
Schmelze frühen Schnees oder einem späten Gewitter und Wolkenbruch von allen
Seiten herbei und machen eine richtige schnelle gefährliche Überschwemmung.
Dann müssen Menschen und Tiere sich hüten. 

So ging es auch in einem Jahre. Die Wasser strömten so gewaltig und schnell
die Aller und Ise herab, dass es einem Häschen, das sich zu lange in den
Wiesen aufgehalten hatte, nicht mehr gelang, das höhere sichere Waldufer zu
erreichen. Es wurde, da es noch hierhin und dorthin zu fliehen versuchte,
gefangen. Zu seinem Glück standen mitten in den Wiesen ein paar Erlen auf
einem etwas erhöhten Fleck. Dorthin rettete es sich und saß nun gefangen auf
seinem Inselchen, nicht weit von einem kleinen, auch erhöht liegenden
Bauernhof, dessen Fenster gegen diese Erlen hin sahen und um dessen Hofzaun
auch die Wasser spülten, nicht gar so gefährlich und reißend, sondern nach
Art niedersächsischer Wasser immer hübsch langsam und still dahinziehend. 

Der Bauer Hans Schmerschneider sitzt am Fenster und schaut über den kleinen
Garten und den Gartenzaun und das ziehende Wasser nach den Erlen hinaus. Und
da sieht er den Hasen, kein Häschen, sondern einen tüchtig ausgewachsenen
Mümmelmann, fett und mollig, wie die Mümmelmanns im Herbste sind. Sogleich
läuft ihm das Wasser im Munde zusammen, und er denkt, den möchte ich retten.
Wozu soll er ersaufen? Viel wärmer hat er es in meiner Pfanne. Er zeigt den
Hasen seiner Frau, und auch sie meint: „Schade, das wäre ein
Sonntagsbraten“. 

Nun darf zwar nicht jeder jeden Hasen fangen, aber Hans Schmerschneider
glaubt noch an alte Bauernrechte. Die Erlen sind seine Erlen. Das Wasser
wird den Hasen doch umbringen. Es ist eine gute Tat, wenn man ihn vor so
unnützem Tode bewahrt und ihn seinem eigentlichen Zweck zuführt. Aber wie
kommt man zu dem Hasen hinüber, oder vielmehr wie bekommt man den Hasen
herüber? Das Wasser bis zu den Erlen ist ja nicht breit, nur so hundert
Meter vielleicht. Aber ziemlich tief ist es. Hindurchwaten kann man nicht.
Hans und seine Frau gehen erst einmal hinaus in den Garten und bis an den
Zaun und das Zauntor. Da sind sie dem Hasen schon etwas näher. Er schaut
herüber und dann duckt er sich, so gut er kann. Aber er kann ja nicht
entfliehen. Das Wasser ist ihm zu breit. 

Neben dem Garten steht das Backhaus. Vor der Türe trocknet der große
Backtrog im Wind. Da kommt Hans ein Gedanke. Der Backtrog ist so gut wie ein
Kahn. Darin kann man hinüber gondeln. Er probiert es gleich. Der Backtrog
schwimmt, auch als Hans darin sitzt. Eine lange Stange zieht er aus dem
Bohnenbeet, und nun fährt er los. Seine Frau bleibt am Ufer und lacht ein
wenig ängstlich hinter ihm her. Aber Hans steht fest im Trog und stakt sich
ganz vergnügt vorwärts. Da ist er auch schon bei den Erlen, und der Hase
duckt sich noch tiefer. Hans holt zu mächtigem Schlage aus. Aber die Stange
verfängt sich oben in den Erlen, und der Hase duckt sich noch tiefer. Hans
kommt von dem eigenen Hieb ins Schwanken. Der Trog, schwappt ihm unter den
Füßen hinweg. Gerade kann Hans noch nach den Erlen greifen. Er springt fast
auf den Hasen und will ihn packen, aber der macht auch einen Satz unter
Hansens Arm hindurch und wahrhaftig gerade in den schwabbelnden Trog hinein,
der schon im Abtreiben ist und nun, nicht schnell aber doch rasch genug, von
den Erlen wegdreht und mit dem Hasen als Fahrgast davonschwimmt, ehe ihn
Hans mit der Stange noch erlangen kann.

Da sitzt nun Hans unter den Erlen, wo vorher der Hase sitzt im Backtrog, wo
vorher Hans saß, und fährt langsam die Ise hinunter. Die Strömung dreht ihn
ein wenig hierhin und dorthin. Am Ufer jammert die Bäuerin. Sie will neben
dem schwimmenden Backtrog herlaufen und ruft immer: „Mein Backtrog! Mein
Backtrog!“ Aber den drückt das Wasser nach dem anderen Ufer. So breit ist ja
die ganze Flut nicht. Und jetzt können beide, Hans und die Bäuerin, sehen,
wie der Backtrog sich drüben an einer Hecke verfängt. Gott sei Dank, er
schwimmt wenigstens nicht bis nach Gifhorn. Aber der Hase ist mit mächtigem
Sprung sogleich auf das vertraute Land gesetzt. Noch einmal leuchtet sein
weißes Hinterteil höhnisch zwischen den Büschen. Dann ist er verschwunden. –
Hans aber stand noch lange frierend und mit nassen Füßen unter den Erlen und
fluchte auf den verdammten Backtrog, der als der unschuldigste in der ganzen
Geschichte doch an dem ganzen Unglück schuld sein sollte.

Natürlich ist der Hans nachher auch gerettet worden. Es gibt ja an der Ise
und Aller noch manchen alten Fischerkahn. Aber dadurch kam die Geschichte
unter die Leute, und heimlich hat mancher über die lustige Schifffahrt
gelacht. Laut wagte es keiner. Hans war ein zu starker, jähzorniger Mann.
Das sieht man schon daran, dass er sogleich, nachdem sich das Wasser
verlaufen hatte, ganz allein die kräftigen Erlen umschlug, bei denen erst
der Hase und dann er selber gefangen gesessen. Er schleppte sie auf seinen
Hof und schlug sie zu Scheitern. Er mochte sie nicht mehr sehen. 

Aus Will Vesper: Seltsame Flöte. Hundert Geschichten. Hünenburg - Verlag,
Burg Stettenfels. 

Seite 12   Erich Karschies : Die schönste Zeit des Jahres. 
Alljährlich lecken die Fluten an dem Kamm des flachen Sommerdeichs,
alljährlich umspülen sie den kleinen aufgeschütteten Friedhof. Eine
Überschwemmung größeren Ausmaßes hat es aber nicht mehr gegeben, denn dort
unter der krummen Kusselkiefer kniet noch immer der alte Schapeit und betet
für seine Gemeinde: „Behüt uns Gott vor Wassernot!" So sühnt er seine Schuld
... 

Allmählich sackte das Wasser ab, und die Leute kehrten einer nach dem andern
in ihre Wohnungen zurück, um aufzubauen, was die Flut zerstört hatte. Nur
Subat rührte keine Hand; denn in seinem Hause war der gewaltige Schornstein
aus ungebrannten Ziegeln eingestürzt und hatte Sparren und Decke mit sich
gerissen. Die dicken Lehmwände waren feucht und schimmelig. Da beschloss
Subat, ein neues Haus zu bauen. 

Und während die Alten an den Häusern besserten, begann für die Jungen eine
glückliche Zeit. Sie stürzten hinaus in den Schlamm der Wiesen, liefen dem
abziehenden Wasser nach, fanden hier einen Riemen, dort einen alten Schuh
und schlugen mit dem Pfahl auf einen morschen Eisberg, dass die Scholle in
vielen glitzernden Zigarren zu Boden fiel. 

Das war die schönste Zeit für die Wiettinner Jungen. Zwei Parteien gab es im
Dorf. Alle Jungen, die auf dem linken Ufer der Wietinne wohnten, wurden von
Kristoph befehligt, während die vom rechten ihrem Führer Fritz Stachlinsky
gehorchten. 

Von den vielen treibenden Schollen suchte sich jeder eine längliche aus, und
am Nachmittag zog Kristophs Geschwader stolz auf das flache Wiesengewässer
hinaus, allen voran das Flaggschiff, eine große, feste Scholle mit drei Mann
Besatzung. Vom Bugspriet reckte sich das Band, geziert mit farbigen
Papierwimpeln, über den Mast zum Heck, wo eine große Kriegsflagge flatterte.


Endlich sickerte das letzte Wasser in das alte Bett der Wiettinne. Die
Eisberge duckten sich wie brütende Hennen und schwitzten in der Sonne. Um
diese Zeit pflegten die Jungen zum ersten Mal die Strümpfe auszuziehen. Mit
aufgekrempelten Hosen ging es dann hinein in den Schlamm, der wie brauner
Pfefferkuchenteig dalag und sich mit weißen Muscheln, die wie schmackhafte
Mandeln aussahen, schmückte. Dann ging es im vollen Lauf hinein in die
warmen Wiesenpfützen, wo der Hecht, vom abziehenden Wasser heimtückisch
eingeschlossen, erschreckt seine Zickzackstreifen schoss. 

Die letzten schwarzen Eisschollen aus dem fernen Russland zogen träge
vorbei. Durch den dicken Wiesenschlamm steckten die ersten Gräser ihre
zartgrünen Spitzen. Im Sonnenschein dampfte die Fruchtbarkeit. Es roch nach
Arbeit, denn schon seit Tagen hatte Teergeruch das Dorf erfüllt. Lange
hatten die Fischer gesessen und an den Netzen geflickt. Der Kahn bekam einen
glänzenden Teeranstrich. 

Dann war es eines Tages soweit, und mit geblähten Segeln zog die überholte
Wiettinner Fischerflottille zum Haff hinaus. Kristoph war nicht unter ihnen.
Schapeit war tot, und wer würde sonst einen Jungen aufs Haff mitnehmen? Die
Schularbeiten belasteten ihn auch nicht, denn er hatte nun jeden Stoff
dreimal gehört und kannte ihn vom vergangenen Jahr noch auswendig. Da blieb
ihm Zeit zum Grübeln. Hinter dem Dorf kauerte er auf der Sonnenseite des
Deiches, kaute einen Grashalm und ließ seine Gedanken über das Haff
schweifen. 

Seite 12   Bücher - die uns angehen.
Erich Karschies: Der Fischmeister. Roman. Holzner-Verlag, Würzburg. 288 S.,
Gln. DM 9,80. 
Der Autor dieses bekannten ostpreußischen Romans ist im zweiten Weltkrieg
vor Moskau gefallen. Keines seiner Bücher konnte einen so großen und
nachhaltigen Erfolg erringen wie „Der Fischmeister", der nach vielen Jahren
jetzt von dem ehemals Tilsiter Verlag Holzner (heute in Würzburg) vorgelegt
wird. 
Die Ursprünglichkeit dieses schönen, im Land an Strom und Haff angesiedelten
Romans, die frische, ungekünstelte Erzählergabe des Autors, haben bewirkt,
dass sein „Fischmeister" zu einem unvergesslichen Buch geworden ist. Die
Heimat, das Wunderland der Kurischen Nehrung und des Haffes steht immer
bildkräftig und fassbar im Hintergrund der Handlung und gibt dem Buch seine
unverwechselbare Atmosphäre. „Sieh dieses Land an Strom und Haff, wie es
sich vor dir ausbreitet in seiner fruchtbaren Fülle. Greif tief hinein in
die lockere Erde, und wate am Morgen durch das kniehohe, taufrische Gras.
Vielleicht ahnst du dann etwas von der Kraft, die in ihm wohnt. Dann segne
das Land! Und fürchte dich nicht vor dem Aulaukls! Du musst dem Sturm immer
ins Gesicht sehen, vielleicht siehst du dann auch in das Herz dieser
Menschen. Dann liebe sie!" 

Von den früher erschienenen Auflagen werden nicht viele Exemplare die
Katastrophe 1945 überstanden haben und nach dem Westen gerettet worden sein.
Die zahlreichen Freunde dieses Romans werden daher sein Wiedererscheinen mit
großer Freude begrüßen. 

Rose Planner-Petelin: Der Doktor von Titinow. Geschichte einer Familie.
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen. 535 S., Gln. Dr. 18,50. 
Durch einen Unglücksfall wird der verwöhnte junge Arzt Benedikt Rover, Sohn
eines Hofrates in Wien, gezwungen, seinen Beruf aufzugeben. Er verlässt den
gewohnten großstädtischen Lebenskreis und übernimmt in Titinow, im Vorland
der galizischen Karpaten, ein Sägewerk. Unerwartete Anforderungen stellt
nicht nur der neue Beruf, sondern auch das Leben inmitten eines bunten
Völkergemischs im wilden Hader der Bevölkerungsgruppen und Konfessionen wird
Benedikts Haus zu einer Oase des Friedens und der Toleranz. Die
spannungsreiche Handlung innerhalb der Familie des Arztes vermittelt
zugleich ein farbiges, lebendiges Bild von Art und Schicksal der Ukrainer,
Polen, Juden und deutschen Siedler, die die Ebene und das waldreiche
Karpatenland bewohnen. Der Bogen der Geschichte spannt sich vom Vorabend des
ersten Weltkrieges als Galizien noch Kronland der Habsburger Monarchie war,
bis zum Einmarsch der Russen im September 1939.

Die österreichische Autorin gestaltet hier ein Stück von der Kunst des
Zusammenlebens, wie sie beste Tradition ihres Landes ist.

Im Herbst des Vorjahres erschienen, zählte dieser Roman zu einem der
Erfolgsbücher des letzten Weihnachtsgeschäftes; die erste Auflage war binnen
weniger Wochen bereits restlos vergriffen. 

Drei Perlen in der Reihe „Das kleine Buch“

Gerhard Hauptmann: Schlafende Feuer. Gedichte. Hrsgg. von Gerhard Ulrich 

Johann Elias Ridinger: Wild und Weidwerk. Herausgegeben von Gerhard Ulrich.
Mit 18 ganzseitigen Tafeln.

Rolf Italiaander: Kongo. Bilder und Verse aus Afrika. Mit 25 vierfarbigen
Bildtafeln.

C. Bertelsmann-Verlag. Reihe „Das kleine Buch“. Je Band 2,20

Die dramatischen und epischen Werke haben die Lyrik Gerhard Hauptmanns
überschattet. Sie waren immer da, wie sich aus dem Bestehen von drei
Sammlungen Gedichten erweist, und es sind unvergessliche Stücke darunter.
Aber der Dramatiker versperrte selbst die Sicht auf den Dichter. Gerhart
Ulrich hat nun in der Reihe „Das kleine Buch“ eine erlesene Auswahl Gedichte
zusammengestellt, die uns den Dichter Dichter Gerhart Hauptmann profiliert
zeigen.

Seit dem 18. Jahrhundert haben die Schöpfungen Johann Elas Ridingers, des
deutschen Meisters der Tier- und Jagdszenen, nichts von ihrer Beliebtheit
verloren. In Kupferstichsammlungen, an den Wänden gemütlicher Trink- und
Gaststuben finden ir die Werke dieses Klassikers der Jagd- und Pferdebildes
immer wieder. Gerhart Ulrich hat dieser Auslese aus Ridingers Kunst das in
knappen, treffenden Zügen skizzierte Lebensbild des Meisters beigefügt.

Rolf Italiaander, bekannt durch die Berichte von seinen Afrika-Expeditionen,
stellt mit seinem Kongo-Büchlein einen Diskussionsbeitrag zum Zwiegespräch
zwischen Europäern und Afrikanern. Bei seinen Negerfreunden hat er Proben
moderner Malerei und Negerpoesie Zentralafrikas gesammelt, erstaunliche
Ansätze zu einer echten Volkskunst. Erlebnisbereich, Gefühlsleben und
Gedankenwelt des Kongonegers von heute spiegeln sich in Wort und Bild dieses
farbenfrohen Bändchens wider, das zu den schönsten und eindrucksvollsten der
Reihe gehört.


Seite 12   „Das östliche Deutschland“ 
Unter Mitwirkung von zwanzig bekannten Wissenschaftlern und Sachkennern hat
der „Göttinger Arbeitskreis" ostdeutscher Wissenschaftler ein Handbuch: „Das
östliche Deutschland“ herausgegeben, das soeben im Holzner-Verlag, Würzburg,
erschienen ist. In dem Gemeinschaftswerk, das über 1000 Seiten umfasst,
werden die völkerrechtlichen Aspekte der Oder-Neiße-Linie und der
Massenvertreibungen, die Geschichte der deutschen Ostprovinzen sowie der
Beziehungen zu den östlichen Nachbarn, die wirtschaftlichen und
sozial-psychologischen Auswirkungen des Heimatvertriebenenproblems und der
gegenwärtigen Abtrennung der Oder-Neiße-Gebiete, ferner die Entwicklung und
Folgen der Sudetenfrage behandelt. Das Handbuch enthält acht Karten und neun
graphische Darstellungen im Text sowie eine großformatige Gesamtkarte als
Beilage. Ein umfangreiches Namen-, Orts- und Sachregister ermöglicht die
Benutzung des Buches als Nachlagewerk.

Einleitend behandelt Prof. Dr. Eberhard Menzel im völkerrechtlichen Teil
„Das Annexionsverbot des modernen Völkerrechts und das Schicksal der
deutschen Ostgebiete", sodann interpretiert Prof. Dr. Herbert Kraus „Das
Selbstbestimmungsrecht der Völker", ferner untersucht Prof. Dr. Dr. Hermann
Raschhofer die den „Massenvertreibungen" entgegenstehenden menschen- und
völkerrechtlichen Prinzipien. 

Der historische Teil des Handbuches wird mit einer Darlegung „Der ältesten
geschichtlichen Grundlagen für das deutsch-slawische Verhältnis" von Prof.
Dr. Herbert Ludat eröffnet. Nach einem Überblick über „Die deutsche
Ostsiedlung vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert", den Prof. Dr. Walter
Kuhn schrieb, wird der Leser auf „Die Rolle Brandenburg-Preußens in der
europäischen Ostpolitik 1648 bis 1815", von Herbert G. Marzian, hingewiesen,
um dann von Prof. Dr. Werner Frauendienst in das zentrale Problem der
preußisch-deutschen Polenpolitik 1815 bis 1890, das Zusammentreffen von
„Preußischem Staatsbewusstsein und polnischem Nationalismus" eingeführt zu
werden. — Wie „Slawentum und Slawismus im polnischen Nationalbewusstsein" in
der Zeit von 1794 bis 1848 die Entstehung eines östlichen Ethnizismus
begründeten, stellt der Leiter des Osteuropa-Instituts München, Prof. Dr.
Hans Koch, dar. — Die Entwicklung vom ersten Weltkrieg bis 1945 behandeln
die folgenden Beiträge: „Der Vertrag von Versailles in seiner Bedeutung für
Deutschlands Osten und die Nachbarstaaten" wird von Prof. Dr. Paul Barandon
dargestellt; von der politischen und kulturellen Stellung „Der deutschen
Volksgruppe im polnischen Staat" berichten Dr. Friedrich Swart und Dr.
Richard Breyer; „Die Vorgeschichte von Austreibungen und Oder-Neiße-Linie
1939 bis 1945" behandelt Dr. Heinz Günther Sasse. — Auf den „Beitrag
Ostdeutschlands zur deutschen und europäischen Geistes- und
Kulturgeschichte" weist Dr. Fritz Gause im letzten Beitrag dieses Teiles des
Handbuches hin. 

Im dritten Teil des Handbuches sind Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte und
zu aktuellen Wirtschaftsfragen zusammengefasst. Die Probleme, welchen „Die
ostdeutsche Wirtschaft in ihm vorindustriellen Entwicklung" gegenüberstand
und die Wege, welche sie zu deren Lösung fand, erläutert Joachim Frhr. v.
Braun, während Prof. Dr. Bruno Gleitze, der Direktor des
Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften in Köln, „Die
wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands im Industriezeitalter" darstellt,
wobei er eine Reihe neuer Gesichtspunkte aufzeigt. — Das ungelöste
Wirtschaftsproblem, welches „Die Heimatvertriebenen in der Bundesrepublik“
bilden, behandelt Heinrich Frhr. Senfft von Plisach, Abteilungsleiter in der
Lastenausgleichsbank. An Hand neuen Materials beschreibt Prof. Dr. K. V.
Müller „Soziologische und sozialpsychologische Folgen der Austretbungen". —
Die Zusammenhänge zwischen „Vertriebenenproblem und Außenhandel" legt Dr.
Werner Gatz dar. — Einen kurzen Überblick insbesondere über die
wirtschaftlichen Veränderungen, die in Ostdeutschland durch die
Unterstellung unter polnische Verwaltung eintraten, gibt Dr. von Harpe. 

Diesen drei Hauptteilen des Handbuches ist ein weiterer Abschnitt
angeschlossen, welcher drei Beiträge zur Sudetenfrage enthält, mit der die
Probleme des östlichen Deutschlands durch das Schicksal der Vertreibung
verbunden sind, welches sowohl die ostdeutsche Bevölkerung als auch die
sudetendeutsche Volksgruppe betroffen hat. Prof. Dr. Taras von
Borodajkewycz, Wien, gibt einen Abriss von der Entwicklung des
Zusammenlebens von „Deutschen, Tschechen und Polen im Habsburgerreich". Die
Auswirkungen, welche die ungleiche Anwendung von Rechtsprinzipien auf das
Schicksal des böhmisch-mährischen Raumes hatte, stellt Dr. Dr. Kurt Rabl in
seinem Aufsatz über „St. Germain und das sudetendeutsche
Selbstbestimmungsrecht" dar. Die Folgen der Austreibung der Sudetendeutschen
für Bevölkerungsstand und Wirtschaft in der Tschechoslowakei nach 1945
skizziert der letzte Beitrag.

Seite 12   Ein neues Miegel-Buch.
Agnes Miegel: Truso. Geschichten aus der alten Heimat. Eugen Diederichs
Verlag, Düsseldorf. 247 Seiten. Gln. DM 12,80
Dieses neue Buch von Agnes Miegel vereinigt sechs Erzählungen, die in den
Gesammelten Werken der Dichterin (6 Bände, Eugen Diederichs Verlag) bislang
noch nicht enthalten sind. Allen diesen Geschichten liegen historische
Begebenheiten zugrunde. Balladesk, alten Sagen und Mythen nachlauschend, die
Titelerzählung „Truso", die den Spuren der vorgeschichtlichen Siedlung am
heutigen Drausensee nachgeht, einst bedeutendster Bernsteinhandelsplatz,
Treffpunkt römischer, griechischer, tatarischer und nordischer Händler,
Kulturmittelpunkt im alten Preußen. In den letzten drei Geschichten klingt
das historische Schicksal der Salzburger an, die um ihres Glaubens willen
die Heimat verlassen mussten und nach Ostpreußen auswanderten. Hier mag die
Dichterin viel aus der Geschichte ihrer eigenen Familie mit hineingesponnen
haben, wissen wir doch, dass sie von mütterlicher Seite her Salzburger Blut
in sich trägt. Die Ausstrahlung Ostpreußens nach Mitteldeutschland, nach
Thüringen und Sachsen, kommt in den übrigen Erzählungen zur Geltung, so vor
allem in „Die gute Ernte", die zur Reformationszeit spielt und die Verlobung
und Heirat von Luthers Tochter Margarete zum Thema hat. Die enge
Nachbarschaft von Tod und Leben, von geschichtlicher Erinnerung und
daseinsfroher Gegenwart geben diesen Geschichten ihre besondere Atmosphäre.
Für den ostpreußischen Leser aber sind sie mehr: ein Stück Heimat, wie es
echter und unverfälschter nicht sein kann als in diesem begnadeten Mund, der
die Stimme Ostpreußens — heute mehr denn je — schlechthin verkörpert. Der
große Freundeskreis der Dichterin wird nach diesem neuen Werk mit Freude
greifen und von neuem beschenkt und beglückt sein von dieser Stimme.

Seite 13   Buchvorschläge

[OWP] Viele Kalender in Geschichte und Gegenwart

Date: 2016/12/05 00:17:01
From: J.Rebuschat <j.rebuschat(a)web.de>


   KALENDER > http://www.myheimat.de/2686271
   <http://l.facebook.com/l.php?u=http%3A%2F%2Fwww.myheimat.de%2F2686271&h=HAQE-TdXKAQF1tJnIcLGUBHJtOMysD8naDxoaeaLivDFl3w&enc=AZP4EWf7ICsTLWpfzW9UeXwmeKSA6GQfYXtvto5hNRIqB4qfObasy-2KoI24WDit7Jo3jtJzg9i5vFzcZWb6gMQx8OhM6ZMlCCIL9AMZP3W_CCGgv42xC6TYHKWZ0tSwzt5TueDWCLm4DMp4zi33y7l12sZAO-nbrUg2m7Hi1GzPd7RoCqO2BMOXY0rKu5p52iESQ-OeqHpMOFzwictIIfKA&s=1>
    > KALENDER
   • Altskandinavischer Kalender
   • Calendarium Romanum Generale
   • Ewiger Kalender vom 01.01.0001 bis zum 31.12.9999
   • Germanische Zeitrechnung
   • Gregorianischer Kalender
   • Jüdischer Kalender
   • Julianischer Kalender
   • u. a.
   http://www.myheimat.de/2686271
   <http://l.facebook.com/l.php?u=http%3A%2F%2Fwww.myheimat.de%2F2686271&h=HAQE-TdXKAQF1tJnIcLGUBHJtOMysD8naDxoaeaLivDFl3w&enc=AZP4EWf7ICsTLWpfzW9UeXwmeKSA6GQfYXtvto5hNRIqB4qfObasy-2KoI24WDit7Jo3jtJzg9i5vFzcZWb6gMQx8OhM6ZMlCCIL9AMZP3W_CCGgv42xC6TYHKWZ0tSwzt5TueDWCLm4DMp4zi33y7l12sZAO-nbrUg2m7Hi1GzPd7RoCqO2BMOXY0rKu5p52iESQ-OeqHpMOFzwictIIfKA&s=1>
    > KALENDER
   [ggf. bei "Facebook" > https://www.facebook.com/medienweltweit/
   bitte "Gefällt mir" anklicken]

       Mit den besten Empfehlungen
       und freundlichen Grüßen
       Joachim Rebuschat

           Dieser Hinweis kann gern weitergeleitet werden. :)

Re: [OWP] Polnische Kirchenbücher?

Date: 2016/12/05 06:02:41
From: wikia-szlachta <wikia-szlachta(a)gmx.de>

Liebe Leute,
mit Verlaub - solche Diskussionen sind recht "schwachsinnig". Die Verschiebung von Archivunterlagen (sofern sie nicht als Beutegut zurückgehalten wurden und werden - alle machten mit - USA, das Deutsche Reich, die UdSSR ...) ist vertraglich geregelt und faktisch auch sinnvoll. Generell gilt der Grundsatz, dass das Archivgut dort aufzubewahren ist, wo es entstanden ist. Daher fanden z. B. auch Abgaben von Archivgut von Österreich an die Tschecho(-slowakische) Republik, z. B. Kriegsarchivbestände statt.
Mit freundlichen Grüßen
Edward von Schlesinger 

Über den Träger des Forschungsprojektes: http://de.szlachta.wikia.com/wiki/Ueber_uns

Seit 2012 ist ein neuer genealogisch-heraldischer WIKI online und alle sind eingeladen mitzuarbeiten:
http://lmgtfy.com/?q=de.szlachta.wikia.com/wiki/Szlachta_Wiki. 

Spendenförderung: https://www.gofundme.com/research-project-polish-nobility

Struktur des Namens- und Adelslexikon
http://de.szlachta.wikia.com/wiki/Namenslexikon

Namenslexikon
http://de.szlachta.wikia.com/wiki/Familienname


> Gesendet: Sonntag, 04. Dezember 2016 um 15:43 Uhr
> Von: "Roswitha Lindemann" <r-lindemann(a)gmx.de>
> An: ow-preussen-l(a)genealogy.net
> Betreff: [OWP] Polnische Kirchenbücher?
>
> Sehr geehrter Herr Majewski,
>  
> voran schicken möchte ich zweierlei:
>  
> 1. Meine eigenen Vorfahren saßen in den Gebieten der jetzigen Bundesrepublik Deutschland und gehören demgemäß nicht zu den Unglücklichen, die völkerrechtswidrig aus den deutschen Ostgebieten vertrieben worden sind, daher schreibe ich hier keineswegs aus persönlicher Betroffenheit heraus.
>  
> 2. Obgleich ich bei der Lektüre Ihres Beitrags sofort entsetzt war, hatte ich mich zunächst nicht getraut, etwas dazu zu schreiben - von wegen sogenannter angeblicher politischer Korrektheit etc., d.h. aus - offenbar begründeter - Furcht, hier auf der Plattform gemobbt zu werden, aber nachdem ich jetzt einige Kommentare dazu gelesen habe, möchte ich nicht länger feige zurückstehen, sondern endlich das Richtige tun.
>  
> Daher ist es mir ein Bedürfnis zu äußern, daß mich die Ausdrucksweise "polnische" Kirchenbücher und an Polen "zurückgeben" in Bezug auf - wie Sie überigens selbst schreiben - "[ost]deutsche[!] katholische Kirchenbücher", die, wie Sie ebenfalls desweiteren selbst schreiben, von deutschen(!) Pfarrern geführt worden sind, abstößt und befremdet.
>  
> Mit freundlichen Grüßen
>  
> Roswitha Lindemann
>  
> 
> Gesendet: Donnerstag, 01. Dezember 2016 um 18:59 Uhr
> Von: "Udo Majewski" <urski(a)bitel.net>
> An: OW-Preussen-L <ow-preussen-l(a)genealogy.net>
> Betreff: Re: [OWP] Katholische KB Marienwerder
> Hallo Andreas,
> 
> die polnischen Kirchenbücher wurden 2002 vom Bischöflichen
> Zentralarchiv Regensburg an Polen zurückgegeben, wo sie heute in
> verschiedenen Archiven lagern. In Regensburg verblieben Fotokopien, die
> dort im Archiv einzusehen sind. In einem Katalog von 1962 über
> ostdeutsche katholische Kirchenbücher steht unter
> 
> * Marienwerder */ Westpr. (Kreisstadt),
> Hlste. Dreifaltigkeit, Dek. Stuhm,
> Kreis mit aufgesetztem Kreuz//[/Zeichen für Erzdiözese bzw.
> Diözese/] Ermland,
> a) 1858 [/= Jahr der Gründung bzw. ersten Erwähnung des
> kirchenbuchführenden Kirchorts bzw. Erbauungsjahr der Kirche/]
> b) * oo † 1858 [/Kirchenbücher geführt seit . . . /]
> c) teilweise vernichtet
> d) * 1858 - 1883, oo 1558 -1930, [/jetziger Verwahrungsort/; war
> bis zur Rückgabe an Polen das Bischöfl. Zentralarchiv Regensburg]
> † 1858 - 1889 *KBA* ;/[[Damals, 1962, Kath. Kirchenbuchamt
> und Archiv, 8 München 15, Bavariaring 24, danach Regensburg]]
> / e) Ernst Laws [/letzter deutscher Pfarrer bzw. Seelsorger/]
> 
> Leider ist das alles, was der Quellennachweis hergibt. Die kursiven
> Satzteile sind die Erläuterungen zu den Buchstaben a) - e). 1963 konnte
> ich noch ein Exemplar dieses Quellennachweises im Katholischen
> Kirchenbuchamt und Archiv München erstehen. Bald danach war nur noch das
> Bischöfliche Zentralarchiv in Regensburg für die Forschung zuständig.
> Weitere Exemplare der Schrift waren nicht mehr erhältlich. Allerdings
> ist mir auch nicht bekannt, ob es nicht noch Ergänzungen zu der Fülle
> der Kirchorte gab, da nur alle bis 1962 aus Polen mitgebrachten und
> archivierten katholischen Kirchenbücher aufgeführt waren. Es ist
> durchaus möglich, dass später aufgefundene Bücher, die z.B. in anderen
> Archiven aufgefunden wurden, oder noch nicht abgegeben waren, in diesem
> 'Quellennachweis' nicht aufgeführt werden konnten. Zumindest Ähnliches
> wurde mir in Berlin im evang. Zentralarchiv berichtet, wo wohl auch
> einige kath. Kirchenbücher als "Irrläufer" abgegeben, aber längst an
> die richtige Adresse weitergeleitet wurden.
> 
> Im Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg war allerdings
> mittlerweile ein neues Handbuch erstellt worden, das aber zu meiner
> Verwunderung der Öffentlichkeit leider nicht zugänglich gemacht wurde.
> 
> Ich hoffe, dass die Information aus meinem 1962er Quellennachweis
> schon etwas weiter hilft-
> 
> Gruß
> Udo (Majewski)
> 
> 
> 
> Am 01.12.2016 um 14:20 schrieb Eckert, Andreas:
> > Liebe Listenmitglieder,
> >
> > kann jemand sagen, ob die katholischen Kirchenbücher von Marienwerder, Taufen ab 1884, noch existieren und wo sie sich derzeit befinden ?
> >
> > Auf der Westpreußen-Seite ist "ab 1884 ff." mit einem "?" versehen ...
> >
> >
> > Mit besten Grüßen,
> > Andreas (Eckert)
> >
> > _______________________________________________
> > OW-Preussen-L mailing list
> > OW-Preussen-L(a)genealogy.net
> > http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
> >
> 
> _______________________________________________
> OW-Preussen-L mailing list
> OW-Preussen-L(a)genealogy.net
> http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l[http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l]
> _______________________________________________
> OW-Preussen-L mailing list
> OW-Preussen-L(a)genealogy.net
> http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
>

Re: [OWP] Polnische Kirchenbücher?

Date: 2016/12/05 08:01:33
From: Jürgen PetersSchlebusch <Peters-Schlebusch(a)t-online.de>



Am 05.12.2016 um 06:02 schrieb wikia-szlachta(a)gmx.de:
Generell gilt der Grundsatz, dass das Archivgut dort aufzubewahren ist, wo es entstanden ist.


Guten Morgen,

Grundsatz ?

Ist dies nicht völliger Unsinn wenn die ansässige Bevölkerung vertrieben und das Gebiet durch eine andere Nation bevölkert wurde deren Angehörige keinen Bezug zu den Archivalien (hier seien die Einträge in den Kirchenbüchern gen.) haben.

Grüße
Jürgen

Re: [OWP] Polnische Kirchenbücher?

Date: 2016/12/05 09:02:00
From: Roswitha Lindemann <r-lindemann(a)gmx.de>

   Jep. Genauso ist es.

   Gesendet: Montag, 05. Dezember 2016 um 08:01 Uhr
   Von: "Juergen PetersSchlebusch" <Peters-Schlebusch(a)t-online.de>
   An: OW-Preussen-L <ow-preussen-l(a)genealogy.net>
   Betreff: Re: [OWP] Polnische Kirchenbuecher?
   Am 05.12.2016 um 06:02 schrieb wikia-szlachta(a)gmx.de:
   > Generell gilt der Grundsatz, dass das Archivgut dort aufzubewahren
   ist, wo es entstanden ist.
   Guten Morgen,
   Grundsatz ?
   Ist dies nicht voelliger Unsinn wenn die ansaessige Bevoelkerung
   vertrieben
   und das Gebiet durch eine andere Nation bevoelkert wurde deren
   Angehoerige
   keinen Bezug zu den Archivalien (hier seien die Eintraege in den
   Kirchenbuechern gen.) haben.
   Gruesse
   Juergen
   _______________________________________________
   OW-Preussen-L mailing list
   OW-Preussen-L(a)genealogy.net
   [1]http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l

References

   1. http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 03 vom März 19 59

Date: 2016/12/05 10:38:38
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 14   Königsberger Glocke stürzte ab 
Die 850 Kilogramm schwere „Königsberger Glocke" der Winsener
St.-Marien-Kirche stürzte dieser Tage ab, als der Küster die Glocken
läutete. Nach vier Metern schlug sie auf Bohlen auf, wodurch der Sturz
abgebremst wurde. Die Glocke wurde beschädigt. Die Absturzursache ist noch
nicht geklärt. Kirchenmusikdirektor Hoppe aus Verden/Aller hat die Glocke
inzwischen untersucht und festgestellt, dass die Glocke außer zwei tieferen
Scharten keinen Schaden erlitten hat, der Ton ist rein geblieben. Die Glocke
ist über 200 Jahre alt. Sie entstammt aus einer Stiftung des Grafen Bogislav
Friedrich von Dönhoff für die Friedrichsteiner Patronatskirche in
Königsberg. Sie war nach dem Krieg in Winsen aufgehängt worden.
 
Seite 14   Ein Zimmer für das Patenkind. Rotenburg vergaß die Patenstadt
Angerburg nicht / Urkunden und Schriften. 
Die meisten Menschen, die aus den deutschen Ostgebieten vertrieben wurden,
haben seit rund 14 Jahren ihre Heimat nicht mehr gesehen. Schulpflichtige
Kinder von damals sind heute erwachsen und haben selbst schon Kinder, und
für die noch jüngeren ist die Bundesrepublik zur neuen Heimat geworden. Nach
Kräften bemühen sich daher nicht nur die Vertriebenenverbände, die alte
Heimat in den Herzen der Menschen wachzuhalten und den Kindern, die ihr
Zuhause in den Gebieten außerhalb der Bundesrepublik nicht einmal mehr aus
der Erinnerung kennen, ein Bild von dem zugeben, was einst war. 

Rotenburg, die kleine alte Stadt an der Wümme, hat die Patenschaft über
Stadt und Kreis Angerburg in Ostpreußen übernommen. Als man vor einigen
Jahren an der Stelle, wo früher einmal die im 30-jährigen Krieg zerstörte
bischöfliche Burg gestanden hatte, ein im benachbarten Brockel
abgebrochenes, etwa 250 Jahre altes Niedersachsenhaus und einen fast
200-jährigen Treppenspeicher wiederaufbaute, um darin ein Heimatmuseum zu
errichten, vergaß man auch das Angerburger Patenkind nicht. Im
Treppenspeicher widmete man ihm einen schönen großen Raum, in dem nun die
wenigen Andenken, die von den Angerburger Flüchtlingen aus ihrer Heimat
mitgebracht wurden, ausgestellt sind: Einige alte Urkunden und Schriften,
Handarbeiten und viele, viele Bilder. Das Angerburger Kreiswappen schmückt
den Raum, in dem sich die „Patenkinder" gern einmal zu einer Plauderstunde
zusammenfinden, um Erinnerungen auszutauschen. Mehr als bloße Worte ist das
zusammengetragene Anschauungsmaterial geeignet, in der Jugend den
Heimatgedanken zu wecken und lebendig zu erhalten. 

Seite 14   Gedenkstein in Wentorf.
Was wir verloren haben, darf nie verloren sein — diese Inschrift lesen die
Spätaussiedler des Lagers Wentorf bei Hamburg täglich auf dem großen
Findling, der als Gedenkmal kürzlich eingeweiht worden ist. Der Findling
wurde bei Ausschachtungsarbeiten für einen Neubau auf dem Lagergelände
gefunden. Junge Menschen aus dem Lager, Spätaussiedler aus Ost- und
Westpreußen, Pommern, Brandenburg, Schlesien, haben den Stein hergerichtet
und die schmiedeeisernen Buchstaben der Inschrift geformt. Im Frühjahr soll
um den Gedenkstein herum eine große und würdige Anlage entstehen als
Mittelpunkt der Besinnung und der Einkehr für alle Menschen, die noch im
Lager zu wohnen gezwungen sind.

8 bis 10 000 Personen – davon sind 10 Prozent aus der sowjetisch besetzten
Zone geflüchtet, die anderen stammen aus den deutschen Gebieten jenseits der
Oder und Neiße – wohnen in diesem Lager. Die Schwierigkeiten der
Unterbringung in den ehemaligen Kasernen, die nicht minder schwierige Lage
bei der schulmäßigen Betreuung der etwa 1000 schulpflichtigen Kinder haben
die Initiative und Lebensbejahung aller dieser schwergeprüften Menschen
nicht mindern können. Ausdruck dessen ist die Gedenkstätte, die sich die
Lagerbewohner selbst geschaffen haben.

Seite 14   Freiheitsglocke aus Porzellan als Dank. Große Freude bei den
Elchniederungern über eine Spende der Kreisverwaltung 
Bei der Kreisverwaltung in Nordhorn traf Anfang des Jahres zusammen mit
einer in der Preußischen Porzellanmanufaktur angefertigten Nachbildung der
im Schöneberger Rathaus hängenden Freiheitsglocke ein in herzlichen Worten
gehaltenes Schreiben ein, in dem sich die in West- und Ostberlin und im
sowjetisch besetzten Gebiet wohnenden Angehörigen der Landsmannschaft der
Elchniederunger für eine innerhalb der Kreisverwaltung durchgeführten
Sammlung bedanken.

Assessor Asche von der Kreisverwaltung war im vergangenen Sommer anlässlich
des „Tages der Heimat“ mit den dort wohnenden Angehörigen aus dem Patenkreis
der Grafschaft bekannt geworden. Er wusste deshalb um die wirtschaftliche
Bedrängnis, in der sich viele dieser Familien noch befinden. Eine kurz vor
Weihnachten bei der Kreisverwaltung eingegangene Spende des Fachverbandes
der Baumwollwebereien brachte Assessor Asche, den Betreuer der
Elchniederunger, auf den Gedanken, diese großherzige Spende durch eine
Sammlung unter den Beamten und Angestellten der Kreisverwaltung zu
vergrößern. Sein Vorschlag fand bei den 160 Bediensteten der Kreisverwaltung
freudigen Widerhall. Im Handumdrehen sah sich Assessor Asche einem wahren
Spendenberg gegenüber. Dazu gehörten Kleider, Mäntel, Schuhe, Wäsche und
Kinderspielzeug (entweder neu oder neuwertig), ferner Kaffee, Kakao und
Strickwolle. Insgesamt 325 Spenden mussten zusätzlich in 15 bis 23 Kilogramm
schwere Pakete verpackt werden. Der Wert beläuft sich (selbst bei
vorsichtigster Schätzung) auf etwa 4000 DM. Diese Sendung löste, wie der
Kreisverwaltung berichtet wird, bei den 93 Elchniederungern aus West-Berlin
und ihren 144 Landsleuten aus Ost-Berlin und der sowjetisch besetzten Zone
große Freude und Dankbarkeit aus. 

Seite 14   Eine „Birger-Forell-Schule" 
Zu Ehren des 1958 gestorbenen schwedischen Pastors Birger Forell, der nach
dem Krieg vor allem durch die deutsch-schwedische Flüchtlingshilfe bekannt
geworden war, hat die Espelkamper Förderschule für spätausgesiedelte
Jugendliche aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten den Namen
„Birger-Forell-Schule" erhalten.

Nach 15 Jahren wieder vereint. Ergreifendes Schicksal einer Familie aus dem
Memelland / Jahrelange Zweifel. 
Nach 15-jähriger Trennung konnte der Ostpreuße M. Rogaischus seine Ehefrau
und seine beiden Töchter wieder in die Arme schließen. Sie waren aus ihrer
ehemaligen Heimat, dem Memelland zurückgekehrt. Der in Bremen beschäftigte
Sohn hatte sie im Wagen von Friedland abgeholt. 

Bei dem Einbruch der Russen im Jahre 1944 war Rogaischus beim Volkssturm.
Seine Familie wurde jedoch auf der Flucht im Kreise Samland von den Russen
eingeholt und musste zurück. Sie konnte aber nicht auf ihrem Grundstück
bleiben, sondern wurde in eine in der Nähe eingerichtete Kolchose
eingewiesen, wo die Frau schwer arbeiten musste, so dass ihr wenig Zeit
blieb, sich um die damals drei und fünf Jahre alten Töchter zu kümmern. 

Erst in den letzten Jahren ging es der Familie wirtschaftlich besser. Sie
hatte etwas Land und konnte auch Vieh halten. Die Arbeit in der Kolchose
ging jedoch weiter. Besonders der jahrelange Zweifel, ob die Bemühungen
ihres Mannes auf Rückführung Erfolg haben würden, waren bis zur Verzweiflung
niederdrückend. Nachdem es endlich feststand, dass sie fahren durften,
musste alles verkauft werden, um die Reisekosten bezahlen zu können. 

Seite 14   Ostpreußisches Jugendbildungswerk 
Im März nimmt das von Ostheim e. V. betreute Jugendbildungswerk in Bad
Pyrmont seine Arbeit auf. Jeweils 40 - 60 Jugendliche, Studenten und
Angehörige der jungen Generation werden in laufenden Lehrgängen mit den
ostpolitischen Problemen vertraut werden. Als Dozenten wurden namhafte
Universitätsprofessoren, Publizisten und Jugendleiter gewonnen. 

Seite 14   Käthe-Kollwitz-Gemeinde 
Unter dem Vorsitz von Frau Lotte Lemke, der als Stellvertreter die
Bundestagsabgeordneten Richard Kinat und Reinhold Rehs zur Seite stehen, ist
in Bonn die „Käthe-Kollwitz-Gemeinde" als ostpreußischer sozialer
Arbeitskreis tätig, der in seiner Vierteljahresschrift kulturelle und
aktuelle Beiträge über Ostpreußen bringt und um die ostpreußische
Kulturpflege bemüht ist.

Seite 14   Alfred Lau. Richtig!
Der Ede Kemsies is net aufem Bau,
er peerzt sich und stremmt sich und mauert genau
punkt zehn aber haut er de Kell im Dreck
und huckt sich hin aufem Klitz inne Eck.
E Stund all hat er vom Friehstick getreimt,
nu kaut er und schmatzt, dass das Maul ihm scheint

Da brillt der Polier, er is außer sich:
„Du, Friehstick, das giebt bei uns aber nich!“
Der Ede kaut weiter und denkt: „Ei kick“,
denn nimmt er e Schluck und denn brillt er zurick:

„Na siehst, das hab ich doch gleich mir gedacht
Drum hab ich mir selbst all was mitgebracht!“

(Aus: „Ei kick dem!“ Lustige Gedichte in ostpreußischer Mundart; von Dr.
Alfred Lau, erschienen im Gräfe und Unzer Verlag, München, 47 Seiten)

Seite 14   Pilgerfahrten für Heimatvertriebene.
Wie das „Haus der Begegnung“ – Pilgergemeinschaft – in Königstein/Taunus
mitteilt, sind auch für 1959  wieder eine Reihe von Wallfahrten für
Heimatvertriebene nach Muttergottes von Fatima, Lourdes,Maria Einsiedeln,
Mariazell und eine Wallfahrt nach Rom geplant, an denen jeder
Heimatvertriebene teilnehmen kann. 

Der Wallfahrtsplan sieht vor: 
Lourdes (Frankreich) mit Zug, 5. Bis 11. Mai, DM 268,40; 
Fatima (Portugal) einschließlich Lourdes (mit Autobus), 6. bis 21. Mai, 6.
bis 21. Mai, 6. bis 21. Juni, 6. Bis 21. September, DM 552,30;
Maria Einsiedeln (Schweiz) und Nikolaus von Flüe in Sahseln (mit Zug), 20.
Bis ?? Juni, DM 197,90;
Mari Zell (Österreich) und Wien (mit Zug), 15. Bis 22. Juni, DM 173,80;
Rom, Venedig und Padua (mit Zug), 9. bis 20. Oktober, DM 322,70.

Die angegebenen Preise verstehen Frankfurt/Main und zurück und umfassen alle
wichtigen Ausgaben wie Fahrtkosten, Unterkunft, Verpflegung, Ausflüge usw. 

Interessierte Landsleute fordern bitte genaue Prospekte über die einzelnen
Fahrten beim Haus der Begegnung — Pilgergemeinschaft - Königstein/Ts.,
Bischof-Kaller-Str. 3 (Vaterhaus der Heimatvertriebenen), an. 

Seite 14   Ausstellung der Ostdeutschen in Südamerika 
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausstellung der Künstlergilde
„Künstlerische Botschaft aus Deutschland" in Lima (Peru), bei der
vornehmlich Arbeiten von in Berlin lebenden Künstlern erworben wurden,
findet zum Abschluss der Reise der Kollektion von Maler Graphik, Plastik und
Illustration durch die westlichen Länder von Südamerika die Ausstellung in
der Hauptstadt von Kolumbien, Bogotá statt. Die Ausstellung steht unter
Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft. In Deutschland wurde sie vor allem
vom Auswärtigen Amt und den Bundesministerien für Vertriebene und
Gesamtdeutsche Fragen gefördert.

Seite 14   Landbriefträger Ernst Trostmann erzählt.  (67)
Liebe ostpreißische Landsleite!
So e anständige Gans wär' gar nich dammlich, dachd ich, bloß wie bringst de
Emma, was meine Frau is, das bei? Die hädd gerad e Bettentzindung, e
Nagelbett-Entzindung am linken großen Zeh, sozusagen e Umlauf und konnd nu
nich so rumkarwaukschen, wie se wolld. Vor allem konnd se mir nich gleich
mittem Klotzkork pudern oder mittem Klammersack, wenn se sich mit mir
unterhield, indem dass se nämlich annes Bett gefesselt war. De Gelegenheit
war also ginstig. Deshalb huckd ich mir bei ihr aufe Bettkant, aber ganz
vorsichtig bloß mit einem Schinken, denn se hadd das Strickzeig inne Hände,
und so e Piekser mitte Stricknadel is auch nich gerad e Vergniegen.
Natierlich fing ich nich gleich mitte Gans an, denn innem Hintergrund von
die Gans huckd der Preisskat im Krug, wo de Emma sowieso nuscht von wissen
wolld, und auf dem konnd ich mir bloß auf Umwege ranpirschen. 

„Beeil Dir man, dass dem molschen Heß wieder heil kriegst! Wie lang dauert,
denn is Ostern. Wer soll aufwischen und Fenster putzen?" 

„Na, du hast doch de scheenste Zeit dazu!" 
„Ja," sagd ich, „und zehn unegale Finger. Fang man nich an, mir zu
kommandieren, mit Gewalt is bei mir nuscht zu machen“. Das hat nämlich all
meine Stiefmutter gemerkt. Auf der solld ich mit Gewalt Mutter sagen, aber
ich sagd nich! Da mussd ich aufe Supp aufpassen, dass se nich anbrennt, und
wenn Zeit war, solld ich ihr durches Fenster rufen. Und wie so weit war,
brilld ich lauthals: „Meinem Vatche seine zweite Frau, de Supp kocht ieber“.
 
„Andere Männer sind so geschickt und können alles, bloß du stellst dich
immer an wie e Ortsdummer“. „Ach, vleicht fang ich auch noch an, de Strimpfe
zu stopfen und de Ostereier zu färben mit Heusaat und Zwiebelschalen?! Das
Mittagkochen kannst auch noch auf mir abwälzen, denn giebt immer umschichtig
gestofte Pelzbixen mit Fensterladen und surem Komst möt Preemke. Lass mir
man lieber mal zum Preis-Skat gehen, denn komm ich mitte Gans nach Haus!" 

„Mitte dumme?" 

„Nei, mitte scheene fette“. Sehn Se, so hädd ich mir nu langsam an dem
Gefahrenpunkt rangeschlichen. Als heeherer Postbeamter is einer ja nich
mittem Dammelsack geschlagen. Nu hädd se Blut geleckt, und nu hab ich ihr
das Maul wässrig gemacht mit die gebratene Leber und die Spickbrust, mit
geräucherte Schinken und Schwarzsauer. Und denn das scheene, ausgelassene
Gänsefett aufes Brot! „Und aufes Kreiz, wenn es wieder so zieht", meind de
Emma. 

„Gewiss, da kannst es auch raufschmieren", sagd ich, aber mehr, um ihr zu
beruhigen und bei gute Laune zu halten. Im Stillens war ich natierlich fest
entschlossen, dem Gänseschmalz mit alle erlaubte und unerlaubte Mittel davor
zu behieten, dass er aufe Emma ihr Kreiz raufgestrichen wurd. Dazu war er
viel zu schad. Wo ich mir beim Preis-Skat mit die Gans so hadd quälen mussd!
Aber noch hädd ich ihr ja gar nich, erst mussd ich ihr erringen. Noch hädd
ich nich emal de Erlaubnis, im Krug zu gehen. De Emma ihre Verzickung hädd
sich all wieder verflichtigt, und nu wolld se wieder nuscht von wissen. 

„Du gewinnst nie und nimmer e Gans, denn du spielst doch wie e
Nachtwächter!" Wissen Se, mir is im Leben ja allerhand passiert, aber dass
mir einer an meine Skat-Ehre ran will, nei, das is mir noch nich passiert.
Das is nämlich mein empfindlichster Punkt. Das weiß de Emma natierlich. Wie
ich anfing, inne Schul zu gehen, hab ich all Skat gespielt, und so leicht
macht mir keiner nuscht nich vor. Wissen Se, Spiele hab ich in meinem Leben
gewonnen, wo ieberhaupt nich zu gewinnen waren. Ohne sechs auße Hand! Dem
spielen Se erst mal, denn sagen Se gar nuscht mehr. 

Nu hädd de Emma mir aufem Baum, aber wenn se gedacht hädd, se könnd nu mit
mir rumkarmälen und mir zurecht machen, denn hädd se sich geirrt. Ich nahm
meinem ganzen Briefträgermut zusammen, sprang vonne Bettkant hoch, kullerd
wild mitte Augen inne Stub rum und brilld: „Und wenn du nu Koppche stehst,
jetz langt es mir, und jetz nehm ich fimf Mark und geh mir dem Ganter
greifen“. Dabei grabbeld ich auch all oben im Spind rum nache Tass, wo de
Emma immer de Dittchens verwahren tat.

„Halt, halt, schrie se, „es kost doch bloß drei Mark! Aber da hädd ich mir
all dem Deppke aufe Ohren gestilpt und war durche Tier rausgehoppst.
Nachkommen konnd se ja nich se hadd ja dem Umlauf am linken Klisch. 

Im Krug gab natierlich e mächtigem Hallo wie ich reinkam. Es war diräkt zu
merken wie die versammelten Skat-Kriegers vor mir Manschetten hädden. Im
Stillens hädden se sich iebre Preisverteilung all ohne mir geeinigt denn mit
mir hädd natierlich keiner nich mehr gerechent. Nu waren se mit eins aller
ganz blass geworden und sahen wohl im Geiste all dem Ganter schwimmen. Dabei
hädden se zu Haus bei ihre Frauens angegeben wie zehn nackigte Negers im
Tunnell! Wie unbesiegbar se waren! Wenn se erst anfingen zu spielen, denn
blieb kein Auge nich trocken! Und wenn es annes Preisverteilen ging, denn
kriegden de andere bloß beim Ganter am Pirzel zu riechen Und nu war mit eins
der gefirchtete Ernst Trostmann gekommen, von dem sein Skatspielen de Leite
wahre Wundergeschichten zu erzählen wussden. „Wenn der de Trimpfe aufem
Tisch knallt , wurd gesagt, „denn blieben de Uhren stehen, und denn gingen
aufe Straß de Laternen aus“. Stellen Se sich vor, wie gewaltig mein
Erscheinen wirken tat! Erst dachd ich se werden mir gar nich mitspielen
lassen, aber das wär ja Schiebung gewesen, denn es stand aufes Plakat, dass
jeder herzlich eingeladen is. Nu trauden se sich nich, ich hädd es mir auch
nich gefallen gelassen, denn zum Kiebitzen war ich ja nich gekommen, ich
wolld dem ersten Preis zergrabbeln, dem fetten Ganter. Deshalb bezahld ich
die drei Mark Angtreeh und ließ mir fier einem Tisch auslosen. Ich kam mit
dem lahmen Sperreiks außern Oberdorf zusammen, mittem alten Lattemann und
mittem Karl. Der is dem Bauerochse sein Kusäng und dafier bekannt, dass er
gern mauert. Aber ich dachd schadt nuscht, mein Liebling, ich werd dir schon
aufe Finger kicken. Denn bestelld ich mir e Tulpche Bier, steckd mir e
Ziehgarr innes Maul und lauerd, dass es losgehn solld. leberall die andere
Tische waren se all beim Streiten und Krakehlen, an einem Tisch gab auch all
fiere Fress, aber das legd sich wieder. 

Endlich hoben wir ab, und es traf dem Karl, dass er mischen und geben mussd.
Nei, hädd der vleicht de Ruhe weg! Er mischd und mischd, dass ich rein
dachd, er wolld uns annes Spielen hindern. Erst, wie ich ihm heeflich
dadrauf aufmerksam machd, dass sich in Hamburg mal einer dotgemischt hädd,
ließ er abheben und gab. Wir spielten ganz scheen, und ich trank immer ein
Tulpche Bier naches andre, dazwischen auch mal e Steinhäger zum Aufwärmen.
De Gans war mir sicher, denn die andre konnden Gläser spielen, aber nich
Karten. Immer einem nachem andern gewann ich, und wenn ausnahmsweise mal e
anderm spielen ließ riss ich ihm rum, dass er de Hessen nach oben streckd.

Aber denn kam der Sperreiks, diese dowe Nuss, auf dem schenjalen Gedanken,
de blanke Kreiz Zehn auszuspielen, und ich hädd dem Lattemann Stoß gesagt!
Da konnd einer blank sagen: Freeliche Weihnachten! Und es kam auch so, der
Lattemann gewann dem Stoß und dem Ganter!

„Siehst,“ sagd de Emma, wie ich im ondolierten Gang zu Haus gekommen war,
„du und Skat spielen! Das Geld bist los, und de Gans hat der Lattemann!“
Aber was machst, wenn der Sperreiks, der Blödjahn, beim Stoß seine blanke
Zehn ausspielt!! – Womit ich Ihnen mehr Glick und vor allem freeliche Ostern
und viele bunte Eier winschen tu. 
Herzliche Grieße Ihr alter Ernst Trostmann, Landbriefträger z. A.

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 03 vom März 19 59

Date: 2016/12/05 12:37:18
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 15   Fridericianische Verwaltung. 
Dr. Walter Mertineit: Die fridericianische Verwaltung in Ostpreußen. Ein
Beitrag zur Geschichte der preußischen Staatsbildung. Verlag Quelle und
Meyer, Heidelberg, 188 S., DM 10,--. 
Dieser Band ist der erste in einer vielversprechenden Schriftenreihe
„Studien zur Geschichte Preußens", herausgegeben von Prof. Dr. Walther
Hubatsch-Bonn, der unseren Lesern wohlbekannt ist als vortrefflicher Kenner
ostpreußischer Geschichte. Der Verfasser, Dr. Mertineit, ist Ostpreuße;
seine Arbeit erhielt 1958 einen Preis der Universität Göttingen, womit genug
gesagt sein dürfte über ihren wissenschaftlichen Wert. 

Es ist wohl die erste Arbeit dieser Art, die sich so gut wie ausschließlich
aufbaut auf Originalakten des einstigen Geh. Preußischen Staatsarchivs,
jetzt in Merseburg, und des Staatlichen Archivlagers Göttingen. Dadurch
erhält das Werk seinen ganz besonderen Wert für die innere Geschichte
unserer Heimat. Der Verfasser zeigt, wie sich die oft ebenso impulsiven wie
strikten Weisungen Friedrichs des Großen an Ort und Stelle auswirkten und
wie sich diese Vorgänge verhielten zu den Gesamtbelangen des damaligen
preußischen Staates mit seiner bis ins kleinste durchkonstruierten
hierarchisch-zentralistischen Leitung. Man erkennt, wie geschickt die
ostpreußischen Provinzialbehörden lavieren mussten, um aus den der Provinz
noch belassenen alljährlichen Einkünften alle die Aufgaben zu erfüllen, die
ihnen der König stellte und die sich ergaben aus der wirtschaftlichen Lage
Ostpreußens. Der König, der für Kriege und Kriegsfolgen stets Geld brauchte,
gewann aus heute noch nicht völlig geklärten Gründen leider kein inneres
Verhältnis zu Ostpreußen und seiner Eigenart. Für ihn lag, im Gegensatz zu
seinem Vater, die „abgelegene Provinz" nur noch an der Peripherie des
Staates. Nur dreimal, 1740, 1750 und 1753, hat er als König persönlich
Einblick genommen in die inneren Verhältnisse des Ordenslandes. Trotzdem
aber ist, wie der Verfasser zeigt, danach viel für die Provinz geschehen. So
sind, um nur ein Beispiel anzuführen, von 1740 bis 1783 nicht weniger als 14
886 Siedlerstellen geschaffen worden, zum allergrößten Teil auf dem Land von
Domänen, woran seit jeher Ostpreußen weit reicher war als jede andere
Provinz. Interessant ist auch die Rolle der bestimmungsgemäß durchweg
bürgerlichen Domänenpächter, der „Beamten" schlechthin, die durch ihre
Tatkraft und ihre Mittel manche Melioration zustande brachten, die sonst
hätte unterbleiben müssen. 

Kurz gesagt: der Verfasser bringt eine Menge aktenkundiger Tatsachen, die
manches aus der damaligen Zeit in neuem Licht erscheinen lassen und die die
Geschichte unserer Heimat wesentlich bereichern. Dr. W. Gr. 

Seite 15   Karl Koschinski 90 Jahre 
Am 19. März 1959 feiert unser Landsmann Karl Koschinski als ältester
Allensteiner in Berlin seinen 90. Geburtstag. Der Jubilar wohnte bis 1946 in
Allenstein, Treudankstr. 22, und lebt heute mit seiner Frau in
Berlin-Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 150. 

Seine Militärzeit verbrachte der Jubilar 1891 bis 1893 beim
Infanterieregiment 44 in Deutsch-Eylau. Ab 1894 war er bei der Reichsbahn
beschäftigt, zunächst in Pötzdorf und Grieslienen, dann mehrere Jahre als
Dienstvorsteher in Groß-Kaslau, Krs. Neidenburg, bis er 1914 nach Wormditt
versetzt wurde. Nach seiner Pensionierung 1932 zog er mit seiner Familie
nach Allenstein, wo er den Tod seiner ersten Frau zu beklagen hatte. Erst
1946 gelang es ihm nach schwerer Arbeit mit seiner zweiten Frau aus dem
polnisch besetzten Allenstein nach Berlin zu kommen. 

An der Geburtstagsfeier werden 7 Töchter, 5 Schwiegersöhne, 14 Enkel und 5
Urenkel teilnehmen. Wie der Jubilar immer wieder betont, verdankt er nächst
Gott sein hohes Alter, seine gute Gesundheit und seine geistige Frische
seinem so lieben, ihn treu umsorgenden Muttchen, wie er seine Frau immer
nennt, mit der er noch immer fleißig seine Spaziergänge macht. Beide nehmen
auch stets mit größtem Interesse an den allmonatlichen Treffen der
Allensteiner in Berlin teil. 

Seite 15   Turnerfamilie Ostpreußen-Danzig-Westpreußen 
Anschrift: Wilhelm Alm, (23) Oldenburg (Odb.), Gottenstraße 33. 
Herzliche Glückwunsche zum Geburtstage allen Märzkindern 1959! Einen
besonderen Lebensabschnitt vollenden: 

am 01.03.1959: Wolfgang Krüger (Zoppot), 30 Jahre;
am 05.03.1959: Eva Eschner-Paul (KTC Königsberg), 30 Jahre; 

am 05.03.1959: Gerhard Wolff (KTC Königsberg), 40 Jahre; 

am 03.03.1959: Gertrud Enders (KMTV Königsberg), 50 Jahre;
am 07.03.1959: Heta Meyer-Wenig (KMTV Königsberg), 50 Jahre;
am 10.03.1959: Edith v. Tepper-Laski-Stradollek (Lyck), 50 Jahre;
am 13.03.1959: Hilde Körnke (KTC Königsberg), 50 Jahre; 
am 15.03.1959: Lolli Noreisch-Ewert (KTC Königsberg), 50 Jahre; 

am 16.03.1959: Gertrud Ewert (KMTV Königsberg), 60 Jahre;
am 19.03.1959: Charlotte Utzat-Kosse (KMTV Königsberg), 60 Jahre;
am 24.03.1959: Anna Lise Groppler-Tribukait (KTC Königsberg), 60 Jahre;

am 15.03.1959: Otto Weigel (Rosenberg/Westpr.), 85 Jahre. 

Hinein ins neue Lebensjahr mit einem frohgemuten Gut Heil! 

Der Turn-Verein Insterburg von 1858 lädt durch „Hörnchen" — Turnbruder
Hans-Joachim Horn in (13b) Deggendorf, Adalbert-Stifter-Str. 51 — zum 2.
TVI-Treffen vom 29. bis 31. Mai 1959 nach Krefeld ein, wo zur gleichen Zeit
das Jahreshaupttreffen aller Insterburger stattfindet. Standquartier der
Turner ist die Gaststätte „Zum Grenzstein" in Krefeld, Oppumer Str. 122.
Preiswerte Übernachtung und Verpflegung wird in der Jugendherberge Uerdinger
Straße 593, geboten. Wer das Rundschreiben von Tbr. Horn im Februar nicht
bekommen hat, wende sich umgehend an ihn, auch wenn er meint, nicht an dem
Treffen teilnehmen zu können. Eine Anschriftenliste ehemaliger Insterburger
Turner und Turnerinnen, ist dem Rundschreiben beigefügt.

Wer kennt die heutigen Anschriften der unbekannt verzogenen Turnschwestern
und Turnbrüder. 
Hermann Mammey (Marienburg) 
Wilh. Marx (Elbing), 
Lotte Meyn (Zoppot), 
Ernst Monien (KTC Königsberg), 
Arthur Nagel (Insterburg), 
Werner Naseband (Tgm. Danzig), 
Gerhard Oelsner (Lyck), 
Heinz Pickrahn (Stuhm), 
Arno Pallasch (KTC Königsberg), 
Herbert Richter (Dzg.-Neufahrwasser), 
Kurt Rogalski (Zoppot), 
Hildegard Schäfer (Treuburg), 
Wolfgang Scharrmann (Lyck), 
Else Scheer-Schüleit (Tilsit), 
Hertha Schmidt (Memel), 
Claus Schneider (Gumbinnen), 
Erika Schulz (Zoppot), 
Kurt Schwarzin (Lyck), 
Ernst Sellnau (Garnsee/Kr. Marienwerder), 
Johann Skibba (Marienwerder), 
Hans Struschka (Tgm. Danzig), 
Erwin Schröder (KTC Königsbg.). 
Heinz Thiede (TuF Danzig), 
Karin Thrun (TC Danzig). 
Franz Torkler (Gumbinnen), 
Gerda Utcke (KMTV Königsberg), 
Gisela Vieweg (Zoppot), 
Emil Waaga (Zoppot), 
Herbert Weide (Zoppot), 
Dorothea Weiß (Labiau), 
Walter Wenzel (Tgm. Danzig). 
Hildegard Willutzki (Treuburg). 
Helga Worgull (KMTV Königsberg)? 

Sendungen unter der bisher bekannten Anschrift sind zurückgekommen. Erbitte
Auskunft. Onkel Wilhelm.

Seite 15   Preußische Union
Gesamtpreußische Landsmannschaft tagte in Göttingen 
Am 2. Februar d. J. fand die 3. Tagung der in Göttingen gegründeten
„Preußischen Union" (Gesamtpreußische Landsmannschaft) statt. Der derzeitige
Sprecher, Dr. Gindler, berichtete zunächst über die bisherige Entwicklung.
Die „Preußische Union" hat in allen Teilen der Bundesrepublik lebhafte
Zustimmung gefunden, woraus zu ersehen ist, dass der preußische Gedanke
überall lebt, und zwar stärker denn je. Dafür zeugen auch neuere Gründungen
preußischer Gruppen in Berlin, Essen, Hamburg und Württemberg.
Zusammenarbeit mit ihnen wird erstrebt oder besteht bereits. Mit Entrüstung
wurde eine Erklärung der CSU/CVP des Saarlandes aufgenommen, in der es
heißt, dass durch eine Ablehnung der Hoffmann-Regierung, weitere Flüchtlinge
im Saargebiet aufzunehmen, dem Saarland „die verbrecherischen
Wildwestgeschichten erspart geblieben seien, die die übrige Bundesrepublik
in Atem halten“. Es ist in diesem Zusammenhang sogar von dem „Lumpenpack aus
dem Osten" die Rede gewesen. In der Diskussion wurde besonders der
berüchtigte Artikel der Londoner „Times" besprochen, in dem die „freiwillige
Abwanderung" aus den preußischen Ostgebieten jenseits der Oder-Neiße als
endgültiger Verzicht betrachtet werden müsse, und in dem der Bonner
Regierung nahegelegt wird, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Es wurde in
der Aussprache betont, dass es sich bei diesen „Aussiedlungen" nur um eine
abgewandelte Form der Vertreibung handle, indem die Polen durch allerlei
Drangsalierungen die Deutschen zur Aufgabe der Heimat zwingen. Leider habe
die Bundesregierung nichts getan, um diese weiteren Vertreibungen zu
unterbinden. 

Gemäß den Zielen der Preußischen Union soll die Bundesleitung des BdV erneut
aufgefordert werden, die Bildung einer demokratischen Vertretung des
preußischen Volksteiles in Form eines Preußischen Abgeordnetenhauses und
einer Repräsentativregierung herbeizuführen, da die Preußen den Anspruch
erheben, bei kommenden weltpolitischen Entscheidungen als Eigentümer der
preußischen Ostprovinzen im Sinne des Völkerrechts gehört zu werden.

Seite 15   Kameradschaft Luftgau I.
Schriftführer: W. Gramsch, (20a) Celle, Waldweg 83.

Unser Suchdienst:
Gesucht werden vom Bekleidungslager Ballieth, der ehem. Oberzahlmeister
Fritz Frohnert in Versorgungsfragen von Frau Anna Kasolevski, Fritzlar bei
Kassel, Kaserne;

Vom Flegerhorst Neukuhren, Werft, der ehemalige Technische Leiter
Lindpainter und der Werftleiter Waldmann sowie die Angestellte Hildebrandt
und Franz Otto von Hauptfeldwebel Waldemar Schäfer, Kaufbeuren I, Block 33;

Von der Vermessungsabteilung des Lgk. I der Kataster-Techniker Hans Lutzkat,
die Zeichnerin Ursula Reinhard sowie die Angestellen Walter Rauhut, Fritz
Bietig, Ewald Conrad und Erich Schuries von Robert Boschke, Solingen-Wald,
Hahnenhausstraße 3;

Von der U.- und K.-Stelle des Lkg. I Reg.-Insp. Koss und Heizungsmeister
Hermann Pietsch von Elektromeister Karl Hoffmann, Löschgau bei Ludwigsburg;

Vom Fl. Neuhausen, Ostpreußen Werft, der Fl.-Ing. und Prüfleiter Kamierza
von Erich Hein, Lübeck-Eichholz, Hirschpaß 13

Kameraden! Die Landsmannschaft Ostpreußen wird zu Pfingsten ein
Deutschland-Treffen in Berlin abhalten, dem wir uns mit einem Sondertreffen
anschließen werden, und zwar am ersten Pfingstfeiertag nach der
Großkundgebung. Ich bitte schon jetzt um unverbindliche Meldungen mit
der-Angabe, ob das Mittagessen im Trefflokal eingenommen werden wird. Erst
wenn die ungefähre Teilnehmerzahl übersehen werden kann, können wir das
Lokal festlegen. Alle Fragen betr. Fahrgelegenheit und Übernachtung bitte
ich mit den örtlichen Geschäftsstellen der Landsmannschaft Ostpreußen zu
vereinbaren.

Seite 15   Oberdomprediger Bruno Doehring 80 Jahre 
Oberdomprediger Prof. D. Bruno Doehring, der aus Mohrungen/Ostpreußen
stammt, wurde in diesen Tagen 80 Jahre. Der Präsident des Bundes der
Vertriebenen — Vereinigte Landsmannschaften und Landesverbände —. Hans
Krüger, MdB, sandte dem verdienstvollen Prediger folgendes Telegramm: 

Zur Vollendung des 80. Lebensjahres sende ich Ihnen namens der Deutschen
Heimatvertriebenen herzliche Grüße und Glückwünsche, verbunden mit einem
Dank für Ihre Verdienste um den Wiederaufbau des kirchlichen Lebens der
Evangelischen Kirche in Deutschland. Ich wünsche Ihnen weiterhin beste
Gesundheit und Schaffenskraft.

Seite 15   Es starben fern der Heimat
Dipl.-Ing. Paul Brandt, Direktor i. R. des ehemal. Technischen
Überwachungsvereins Königsberg/Pr., am 21.01.1959 in Karlsruhe. 

Bauer Max Dombrowski, aus Mischlewitz, Krs. Briesen/Westpr., im Alter von 82
Jahren am 21.02.1959 in Kirchhatten/Oldb. 

Lehrerin Margarete Ennulat, aus Kuckerneese/ Ostpreußen im Alter von 63
Jahren am 20.02.1959 in Lüneburg.

Seite 15   Wir gratulieren! 
Goldene Hochzeit 
Eheleute Friedrich Gribat und Auguste Gribat, geb. Jakobi, aus Pillupönen,
Krs. Stallupönen, am 12. Februar 1959 in Kirchboitzen, Krs. Walsrode. 

Eheleute Gustav Winko und Marie Winko, aus Schast, Reg. Bez. Allenstein, am
19. Februar 1959 in Bornberg/Niederelbe. Das Ehepaar bewirtschaftete in
Schast einen eigenen Bauernhof, von dem es bereits einmal, im Jahre 1914,
vertrieben worden war. Nach Rückkehr in die Heimat ging der Jubilar sofort
an den Aufbau der niedergebrannten und verwüsteten Gebäude. 1939 traf neues
Leid die Familie: der einzige Sohn fiel in Bessarabien. Das Ehepaar lebt
heute bei der Familie seiner Tochter. Vater Winko war auch in der neuen
Heimat nicht untätig, als Flüchtlingsbetreuer, Mitglied des
Wohnungsausschusses und in anderen Ämtern half er mit, seiner
Schicksalsgenossen Leid zu lindern. 

90. Geburtstag 
Alfons Wrobel, aus dem Kreis Konitz, wo er auf dem Gut Rakel bis zu seinem
70. Lebensjahr in der Landwirtschaft tätig war, am 23. Februar 1959 in
Börssum bei Wolfenbüttel. Der Jubilar erfreut sich bester Gesundheit, er hat
in 90 Lebensjahren noch keinen Doktor gebraucht, und er sagt schmunzelnd:
„Solange die Pfeife noch schmeckt und ich weiter so rüstig bleibe wie
augenblicklich, dann können es ruhig 100 Jahre werden“. 

Martha Czygan, aus Königsberg/Preußen am 8. März 1959 bei bester Gesundheit
in Uelzen, Am Anger 5. 

85. Geburtstag 
Karl Grüneberg, Töpfermeister, aus Frauenburg am 3. März 1959 in Bissendorf
b. Hannover, Blumenweg. 

81. Geburtstag 
Theodora Schellhammer, geb. Theurer, aus Allenstein, Bahnhofstr. 66, am 20.
März 1959 in Seesen a. Harz, Lange Str. 16, wo sie bei ihrem Schwiegersohn
Wilhelm Dziersk wohnt. 

80. Geburtstag 
Emma Maurischat, aus Allenstein am 10. März 1959 in Klein-Machnow (DDR). 

76. Geburtstag 
Kaufmann Ernst Hauptmann, aus Königsberg/Pr. am 12. März 1959 in Münchehof
97, über Seesen a. Harz. — 

März-Geburtstagskinder in Flensburg 
Auguste Naggies, aus Gilge bei Labiau 95 Jahre; heute wohnhaft Twedterholz
44. 

Henriette Orlowski, aus Freistadt, Kreis Rosenberg, 85 Jahre; heute wohnhaft
Tarup, Krs. Flensburg. 

Wilhelmine Wendling, aus Königsberg/Pr., 84 Jahre; heute wohnhaft Mürwiker
Str. 144. 

Berta Farnsteiner, aus Blockwede, Krs. Schloßberg, 84 Jahre; heute wohnhaft
Eichenstr. Nr. 3, bei Borm. 

Elise Kossack, aus Königsberg/Pr., 82 Jahre; heute wohnhaft Westerallee 37. 

Waldemar Nielsen, aus Königsberg/Pr., 82 Jahre; heute wohnhaft Lundweg 2,
Hochhaus. 

August Kross, aus Seemen bei Bartenstein, 80 Jahre: heute wohnhaft Ochsenweg
38. 

Das Heimatblatt der Ost- und Westpreußen, die „Ostpreußen-Warte", gratuliert
allen Jubilaren von Herzen und wünscht recht viel Glück und auch weiterhin
beste Gesundheit. 

Glückwunsch zum Abitur
Renate Hoppe, Tochter des Stadtinspektors Gustav Hoppe (früher in Diensten
der Bank der Ostpr. Landschaft zu Königsberg/Pr.), jetzt wohnhaft in
Wülfrath/Rhld., Bergstr. 4, hat am Städtischen Aufbau-Gymnasium in
Wupperta-Vohwinkel ihr Abitur bestanden.

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 03 vom März 19 59

Date: 2016/12/05 13:10:38
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 16   Aus den Landsmannschaften.
Flensburg 
Unter dem Motto „Ostpreußen lacht und tanzt" leierten kürzlich die
Ostpreußen den alljährlich in der Faschingszeit zur Tradition gewordenen
„Bunten Abend". Nicht nur die vertriebenen Ostpreußen unserer Stadt und des
Landkreises Flensburg waren erschienen, sondern auch von Ihnen eingeführte
und geladene Gäste. Recht bunt war das Programm, denn man hat nicht nur
tüchtig das Tanzbein geschwungen, sondern recht viel und herzlich lachen
können bei all den von Herrn Wempner so humorvoll und heiter vorgetragenen
Versen, Kurzgedichten und Seemannserzählungen. Nicht weniger begeistert
folgte man den vom „Freien Volkstanzkreis" mit viel Harmonie und großem
Können dargebrachten ostpreußischen und ostdeutschen Volkstänzen. Über alle
deutschen Gaue und Städte führte eine von Herrn Wempner wohlgelungen
arrangierte „schwäb'sche Eisenbahne", bei der selbst das alte Herz wieder
jung wurde. Viel zu schnell sind all die schönen gemütlichen Stunden
vergangen. 

Wilhelmshaven 
Wer der vielfach verbreiteten Meinung sein sollte, die Ostpreußen seien
schwerfällig und könnten gar nicht recht lustig sein, der hätte sich eines
Besseren belehren können, hätte er an dem heiteren Abend teilgenommen, den
die Landsmannschaft Ostpreußen kürzlich veranstaltete. Der 2. Vorsitzende,
Konrektor Schlokat, bewährte sich wieder einmal als geschickter
Conférencier, der am laufenden Band die sehr zahlreich erschienenen Gäste
mit heiteren Plaudereien unterhielt und dazu mit zwei talentierten
Ostpreußinnen Szenen von Dr. Lau einstudiert hatte. Es gab wahre Lachsalven,
als man erfuhr, dass es „nuscht Neies in Insterburg" gibt. 

Im Mittelpunkt des Abends stand eine Verlosung sehr zahlreich von den
Mitgliedern gestifteter, teils recht wertvoller Preise zu Gunsten der
Agnes-Miegel-Spende, die am 80. Geburtstage der Dichterin erstmals vergeben
werden soll. Eine ansehnliche Summe kam auf, die noch erfreulich erhöht
wurde, als der Vorsitzende, Obermedizinalrat Dr. Zürcher, einzelne Preise in
seiner humorvollen Art gegen einen besonderen Erlös im wahrsten Sinne des
Wortes „an den Mann" brachte, und einmütige Freude gab es, als der
Hauptgewinn einem jungen Landsmann aus der Förderschule zufiel, der ihn
bestens gebrauchen kann. 

Eine flotte Kapelle spielte unermüdlich zum Tanz auf, dem Alt und Jung
eifrig huldigten, noch als der neue Tag längst angebrochen war. Es war
wirklich ein gelungener, unbeschwerter Abend im Fasching, der bei den
Ostpreußen schon ebenso Tradition ist, wie die literarisch musikalischen
Veranstaltungen der Landsmannschaft. Am 9. März, dem 80. Geburtstage von
Agnes Miegel, findet ihr zu Ehren eine Feierstunde in der Aula der
Humboldtschule statt, zu der alle Wilhelmshavener schon jetzt herzlich
eingeladen sind. 

Holzminden 
Nun schon seit Jahren zur Tradition geworden: Dr. Alfred Lau kam nach
Holzminden, um seine ostpreußischen Landsleute und einheimische Gäste mit
ein paar Stunden ostpreußischen Humors in Versen und Prosa zu erfreuen. Wie
groß die Verbundenheit zwischen Dr. Lau und den Holzmindener Ostpreußen
schon geworden ist, zeigte sich bereits bei der Begrüßung, die ihm der Chor
der Gruppe in Form eines Kanons entbot: „Heute gibt es was zu lachen,
Lau'chen bringt die schönsten Sachen, ---prima-prima-prima!" 

Für den nächsten Vormittag war Dr. Lau dann von der Mittelschule Holzminden
„engagiert" worden, im Rahmen der ostdeutschen Wochen zu den Schülern und
Schülerinnen zu sprechen. Es wurde ein voller Erfolg. Vor rund 400 Jungen
und Mädchen ließ Dr. Lau das Land Ostpreußen in seiner Geschichte und
Entwicklung, in der Besonderheit seiner Landschaft und seiner. Menschen
erstehen. Er erzählte vom Bernstein, vom Elch und von den Dünen, von
Fischern und Bauern, um dann beim ostpreußischen Menschen besonders zu
verweilen. In Gedichten aus eigener Feder, in köstlichen Anekdoten brachte
er das Wesen des ostpreußischen Menschen, der aus dem Schmelztiegel vieler
Völkerstämme hervorgegangen ist, wunderbar zum Ausdruck. Was kann über den
Erfolg dieses Vortrages mehr gesagt werden, als: Die Schule hatte für Dr.
Lau anderthalb Stunden von ihrem Lehrplan freigegeben; es wurden daraus drei
volle Stunden! Denn die Begeisterung der Schüler forderte immer wieder neue
Zugaben und durchbrach alle Dämme. 

Der Rektor sprach es in seinen Dankesworten an Dr. Lau aus: Sie haben
unseren Schülern in diesen wenigen Stunden mehr von Ostpreußen vermittelt,
als wir es in vielen Unterrichtsstunden hätten erreichen können! Bitte,
kommen Sie bald wieder zu uns!

Seesen 
Die gut besuchte Fastnachtsfeier der Ost- und Westpreußen verlief so heiter
und harmonisch, dass man sich wieder mal „wie zu Hause" fühlte. Obmann
Papendick hatte den Start zur Fröhlichkeit durch eine interessante Plauderei
über „Fastnachtsbräuche im Deutschordensland zwischen Weichsel und Memel"
gegeben. Unter der Führung der beiden Gillmeister Emil Dlugokinski und Bruno
Scharmach und der Aktivität der großen Heimatfamilie rollte pausenlos ein
reichhaltiges Unterhaltungsprogramm ab. Tante Malchen (Lina Fahlke) und die
„Lustigen Gesellen (Duettsänger Blassner-Snder) ließen wieder ihren Humor
sprühen und hatten ein dankbar begeistertes Haus. Belustigungen am laufenden
Band hielten die Stimmung bis zum Ausbruch der Polizeistunde auf der Höhe.

Beim Heimatabend am 7. März wird der stellvertretende Vorsitzende,
Landwirtschaftsoberlehrer Luszick, über „Heimatpolitische
Gegenwartsprobleme“ sprechen. Außerdem soll die Organisation der
Pfingstfahrt zum Bundestreffen der Ostpreußen nach Berlin besprochen werden.
Anmeldungen bei Elektro-Röder, Jakobsonstraße 13.

Lübbecke 
Beim letzten Heimatabend der Ortsgruppe; der LO sprach der Vorsitzende
Rektor a. D. Hardt allen Landsleuten seinen herzlichen Dank für all die
Ehrungen und Freundlichkeiten aus die ihm zu seinem 85. Geburtstag erwiesen
wurden. 

Bad Kissingen 
Über den letzten Heimatabend der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen,
in dessen Mittelpunkt eine Dichterlesung der aus Tilsit stammenden Annemarie
in der AU stand, berichtete die Saale-Zeitung: Der erste Teil des Programms
trug ernsten Charakter, und Annemarie in der Au schilderte in ihren
Erzählungen die Flucht aus Ostpreußen und die damit verbundenen Schicksale.
Die Zuhörer waren stark beeindruckt und bei manchem wurden gewiss durch die
schlichten aber fesselnden Erzählungen eigene Erlebnisse wieder lebendig. Im
zweiten Teil brachte die Dichterin heitere Geschichten und Gedichte aus
einer früheren glücklichen Zeit in der ostpreußischen Heimat. Hierbei kam
der bekannte behäbige ostpreußische Humor sehr gut zum Ausdruck, und es war
sehr amüsant, den kleinen Geschichten „Ich bring euch Friede". „Im kleinen
Grenzverkehr" oder „Jakobsruhe hat ein neues Pärchen" zu lauschen, denn
durch den ausgezeichneten Vortrag der Dichterin wurden die handelnden
Personen wahrhaft lebendig. Der starke Beifall der zahlreichen Zuhörer war
der Dank für den genussreichen Abend. 

Fürth 
Die Ortsgruppe der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen führte kürzlich
ihre Hauptversammlung durch. In seinem Jahresbericht hob der Vorsitzende,
Missionsinspektor Kreitschmann, aus den durchgeführten Veranstaltungen
besonders die des zehnjährigen Stiftungsfestes als Höhepunkt hervor; die
Gesamtleitung dieser würdigen Feier lag in den Händen des Kulturreferenten
Bruno Hahn. Aber auch die übrigen Veranstaltungen des Jahres, Heimatabend,
Feiern und Wanderfahrten legten von der regen landsmannschaftlichen
Tätigkeit Zeugnis ab. Besondere Erwähnung fand die rührige Frauengruppe
unter der Leitung von Frau Kowalewski, die in vorbildlicher und selbstloser
Weise die kulturellen und caritativen Aufgaben der Gruppe wahrnimmt. 

Der bisherige Vorsitzende lehnte eine Wiederwahl aus beruflichen und
gesundheitlichen Gründen ab. Die Versammlung ehrte den Begründer und
bisherigen fürsorglichen Leiter der Ortsgruppe mit der Ernennung zum
Ehrenvorsitzenden. Die Neuwahl des Vorstandes ergab: 1. Vorsitzender Hermann
Adomat. 2. Vors. Frau Kowalewski. Schriftführer Kurt Kohn und Fr Nikolai.
Kassierer Erwin Kowalewsk und Kretschmann. Kulturreferent Bruno Hahn.
Beisitzer Paul Borowski und Frau Hahn. – In einer kurzen Ansprache wies der
neue Vorsitzende Adomat auf die Bedeutung der Landsmannschaften hin, deren
Ziel es immer bleiben müsse, den Gedanken an die verlorene Heimat
wachzuhalten, die Ansprüche auf die Gebiete jenseits der Oder-Neiße niemals
aufzugeben, die heimatlichen Sitten und Gebräuche zu erhalten und die Jugend
zu gewinnen.

Seite 16   Seltsame Reklame 
Mit großen Hakenkreuzplakaten wurde in der, Straßen von Allenstein ein neuer
politischer „Aufklärungsfilm" angekündigt.

Re: [OWP] Trauungen

Date: 2016/12/05 13:48:08
From: Erika-Marta Mlodoch via OW-Preussen-L <ow-preussen-l(a)genealogy.net>

Liebe Listies,
keine Ahnung wie sich das in Deutschland verhaelt aber hier in  
Grossbritannien ist Copyright von geschriebenen Artikeln/Buechern etc. 50 Jahre  und 
muss verlaengert werden bei dem Copyright Holder falls gewuenscht.
Liebe Gruesse
Erika Dwek
 
 
In a message dated 11/11/2016 20:03:15 GMT Standard Time,  
w.f.naegeler(a)gmx.de writes:

Hallo  Herr Draschba,

das habe ich schon richtig verstanden und stimme Ihnen  voll zu. Mich 
interessiert daher das Ergebnis der Moderatoren.

Noch  einen schönen Abend und beste Grüße

Wolfgang F.  Nägeler
_______________________________________________
OW-Preussen-L  mailing  list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 04 vom April 195 9

Date: 2016/12/05 17:13:33
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Ostpreußen-Warte
Folge 04 vom April 1959

Seite 1   Foto: Palmnicken. Das Foto zeigt das Staatliche Bernsteinwerk. Im
Tagebau, mittels riesiger Löffelbagger, wurde hier die blaue Erde geschürft
und das wertvolle „Gold des Nordens“ gewonnen. Die Bernsteinschicht ist
durchschnittlich 40 Meter dick. Foto: Löhrich

Seite 1   Notwinter in Südostpreußen. Harter Winter schuf katastrophale
Notlage – Das Ermland besonders betroffen.
Aus Berichten der „Allensteiner Stimme" in Allenstein in Ostpreußen geht
hervor, dass Ostpreußen noch nie in einer derart katastrophalen Notlage
gewesen ist wie in diesem Winter. Die Lebensmittelversorgung ist im
ostpreußischen Ermland zumindest ebenso zusammengebrochen wie der gesamte
Verkehr. Besonders die Verbindungen der kleinen Orte hinüber zum Frischen
Haff und am Frischen Haff selbst, sowie in der Gegend um Heilsberg herum
waren immer wieder tagelang unterbrochen. Es mangelte besonders an
Schneepflügen und an Arbeitskräften, die zur Aufrechterhaltung eines auch
nur behelfsmäßigen Verkehrs hätten eingesetzt werden müssen. 


Das vor kurzem erschienene polnische Statistische Jahrbuch gibt die Kopfzahl
der Bevölkerung in Südostpreußen mit 1 055 000 Bewohnern an. 90 Prozent
davon müssen zurzeit „wahrhafte Hungerkuren" durchmachen. Zumindest
insoweit, als sie deutsch-masurischer oder reindeutscher Herkunft sind. Die
polnische Bevölkerung in diesem Gebiet leidet indes in etwa gleichem Umfang
unter der Korruption ihrer eigenen Landsleute, für deren Unverstand und
Gewissenlosigkeit dem Ganzen gegenüber einige Beispiele genannt sein sollen.


Im Interesse einer „staatlich gelenkten Dienststelle auf dem Gebiet der
Planwirtschaft" kaufte ein Allensteiner Konsortium in Warschau für rund 5,5
Millionen Zloty Pelze und Pelzwaren auf, um sie von Allenstein aus dem
„Konsum zuzuführen". Bis auf wenige Einzelstücke sitzt die Firma seit
Monaten auf ihrer Ware fest und geht mit ihr dem Konkurs entgegen. Sie hätte
sich indes sagen müssen, dass von einer völlig verarmten Bevölkerung, wie
man ihr in der Wojewodschaftsstadt auf Schritt und Tritt begegnen kann,
nicht zu erwarten ist, dass sie für Millionen Zloty Pelze kaufen kann. 

Außer einer Reihe weiterer ähnlicher Fehlinvestierungen von Staats- wie auch
von Privatgeldern klagt man in Allenstein immer mehr und mehr über das
Überhandnehmen der Untaten polnischer Halbstarker, die tagsüber und nachts
ihr Unwesen treiben. Es werden Kinos geplündert und die Geschäftskassen
beraubt. Groß angelegte Bestechungsaffären lösen einander ab. Man plündert
selbst die wenigen Telefonzellen der Stadt immer wieder systematisch aus und
zählt die wöchentlichen auf harmlose Passanten nicht an den Fingern beider
Hände. 

Auch die ärztliche Betreuung ist völlig unzureichend. Im gesamten polnisch
verwalteten Gebiet gibt es zurzeit wenig mehr als 380 Ärzte und etwa die
gleiche Anzahl sogenannter Feldschere, die ohne Absolvierung eines
medizinischen Studiums ärztlich tätig sein dürfen. Dass diese Zahl bei
weitem nicht ausreichend ist, versteht sich gerade dann, wenn man
andererseits erfährt, dass die Hygiene u. a. sonderlich in den Schulen der
Wojewodschaft trotz Winter und Frost völlig unzureichend ist. Die
Krankenhäuser sind ständig überfüllt; es fehlt noch immer an Medikamenten
und an der Betreuung älterer Menschen. 

Seite 1   Eisenbahnlinien stillgelegt 
Aus einem Bericht der in Allenstein erscheinenden polnischen Zeitung „Glos
Olsztynski" geht hervor, dass in dem südlichen Teil Ostpreußens, der seit
1945 unter polnischer Verwaltung steht, noch immer rund 550 km
Eisenbahnlinien stillgelegt sind. Unter anderem handelt es sich nach dem
Bericht um die folgenden Strecken: Lötzen-Fischborn über Arys und
Johannisburg; Rastenburg-Schlobitten über Rössel, Heilsberg und Wormditt;
Wormditt-Mohrungen über Liebstadt; Angerburg-Goldap. Es ist geplant, diese
Strecken bis 1975, also innerhalb von sechzehn Jahren wiederaufzubauen.

Seite 1   „An Danzig und Königsberg denken!" 
Der Londoner „Daily Telegraph" begrüßt es in seiner Rubrik „Der Weg der
Welt", dass auf der Autobahn in der Nähe der Zonengrenze Wegweiser stehen,
auf denen die Entfernungen nach Danzig und Königsberg angegeben sind. In
Erwiderung auf eine östliche Kritik an diesen Wegweisern, an der sich auch
ein britisches Wochenblatt beteiligt hatte, schreibt die britische Zeitung,
die Wegweiser seien nun einmal vorhanden, und es stehe zu hoffen, dass sie
auch dort verbleiben; denn „diese Wegweiser erinnern uns in schlichter Weise
daran, ein Ziel beständig im Auge zu behalten, indem wir unablässig darauf
hoffen und dafür arbeiten sollen, es schließlich unter veränderten
Verhältnissen zu erreichen", obwohl es „gegenwärtig nicht in der Karte
liegen dürfte". Wenn man Eroberungen stillschweigend hinnehme, werde dies
sich allgemein demoralisierend auswirken, heißt es hierzu in dem kurzen
Kommentar weiterhin, der zugleich auf die allgemeine Lage in Ostmitteleuropa
hinweist. 

Bereits kürzlich hatte sich der „Daily Telegraph" mit der Oder-Neiße-Frage
befasst und in Erwiderung auf Ausführungen von Lord Osborne bemerkt: 

„Was Polen zukommt, ist nicht das Land anderer Völker, sondern die
Unabhängigkeit, Freiheit und Würde, auf die es ein Anrecht hat“.

Seite 1   „Nicht endende Wanderungen" 
„Die nicht endenden Wanderungen der Siedler auf der Suche nach dem
„Besseren'", schreibt die in Allenstein erscheinende polnische Zeitung „Glos
Olsztynski", wirkten sich „ungünstig auf die Prozesse der Integration und
Stabilisierung" aus. Als Gründe für die große Fluktuation der Bevölkerung
führt die Zeitung „die lauten Klagen" derjenigen an, „denen Kräfte und
Energie fehlten, um sich zu rühren". Sie klagten darüber, „dass sie vom
Schicksal vernachlässigt wurden, dass sie in X. (in Ostpreußen) leben
müssten und nicht in Warschau oder Wilna". Man könne bei dieser Situation
schwerlich von einem Wachsen neuer sozialer Bindungen sprechen, erklärt die
polnische Zeitung. 

Für das „Gefühl der Vorläufigkeit" sind auch Ausführungen bezeichnend,
welche auf einer Allensteiner Konferenz der „Polnischen Vereinigten
Arbeiterpartei" gemacht wurden. Der Funktionär Tomaszewski wies in seinem
Referat darauf hin, dass „viele Landwirte noch nicht damit angefangen"
hätten, ihre Gehöfte auszubessern: „Einige verwenden hier erworbene Mittel
für Investitionen in Wirtschaften, die sie in den zentralen Wojewodschaften
zurückließen“. Der Verkauf von Land verlaufe nur langsam. Zwar seien 4000
Anträge auf Ankauf von insgesamt 13 000 Hektar gestellt worden, „doch die
Bankgeschäfte und Kaufformalitäten erfüllten erst 276 Erwerber von 1000
Hektar, davon die Hälfte in den Kreisen Nowe Miasto und Dziadowo". Bei
diesen beiden Kreisen handelt es sich um Gebiete außerhalb der Provinz
Ostpreußen; sie wurden erst nach 1945 zu der neu gebildeten „Wojewodschaft"
Allenstein geschlagen. Wie aus diesem Referat, das „Glos Olsztynski"
veröffentlichte, hervorgeht, sind in dem Staatlichen Landfonds
Südostpreußens, der aus den lange Zeit nicht bewirtschafteten Ländereien
gebildet wurde, fast 55 000 Hektar vorhanden. 

Die Tendenz zur Landflucht bestehe weiter, stellt die in Posen erscheinende
Zeitschrift „Tygodnik Zachodni" fest. Es sei ein Defizit an Arbeitskräften
auf dem Lande entstanden. Da vornehmlich die jüngeren Jahrgänge abwanderten,
verblieben nur ältere Leute in der Landwirtschaft, die nicht dieselbe
Leistungskraft hätten. Am Beispiel zweier pommerscher Kreise in der
„Wojewodschaft" Köslin weist der Verfasser die ungünstigen Auswirkungen der
Landflucht nach. In diesen Kreisen sei der Anteil der in der Landwirtschaft
tätigen Bevölkerung von 68,8 Prozent auf 38,5 Prozent gesunken. Da sich in
beiden Kreisen keine wesentliche Industrie befindet, bedeutet dies, dass die
Abwanderungen sich über weite Entfernungen vollzogen. Ausdrücklich erklärt
der Verfasser, dass diese Tendenz zur Landflucht anhalte, weshalb die
Produktivität der Landwirtschaft absinke. 

Seite 1   Rationalisierung des Wasserverbrauchs 
In dem Parteiorgan „Glos Wybrzeza" wird der Beschluss des Nationalrats von
Danzig kritisiert, der eine Beschränkung des Wasserverbrauchs für die
Danziger Bevölkerung angeordnet hat. In dem Kommentar heißt es u.a.: „In der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und 14 Jahre nach Beendigung des Krieges
hat eine Stadt in Polen ihren Bewohnern den Verbrauch von Wasser über eine
bestimmte Menge hinaus verboten. Dies bedeutet praktisch, dass die Bewohner
der Stadt Hände und Gesicht nicht immer dann mit Wasser aus der Leitung
waschen dürfen, wenn sie dazu die Notwendigkeit verspüren, und dass sie
nicht öfter als einmal in zwei Wochen die Wäsche wechseln dürfen. Diese
Stadt ist die Hafenmetropole Danzig!" Wie hierzu weiter ausgeführt wird, sei
der große Wassermangel und der „katastrophale" Zustand des Leitungsnetzes in
Danzig bekannt. Es sei jedoch gleichzeitig bekannt, dass niemand irgendwo in
der Welt es wage, den Wasserverbrauch zu beschränken, weil eine solche
Maßnahme ein Absinken der sanitären Verhältnisse und die Gefahr des
Ausbruchs von Epidemien heraufbeschwöre.

Re: [OWP] Polnische Kirchenbücher?

Date: 2016/12/05 18:01:45
From: Jan Stefan Melzig <forschung(a)familiemelzig.de>

Hallo zusammen,

ich verstehe ja, dass man immer eine recht eigene Sicht auf verschiedene Dinge hat. Da meiner Ansicht nach mittlerweile mehrere Aspekte in diesem Thema verbunden sind, möchte ich mal meine Gedanken dazu sortieren.

Archivgut gehört generell dorthin wo es entstanden ist, also z.B. zu einem Ort in Ostpreußen. Im Beispiel könnten wir auch einen Ort in einem deutschen Braunkohlerevier nehmen.

Nun wird die Bevölkerung dieses Dorfes ausgetauscht, um es mal neutral zu formulieren. Sicherlich wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben, so wie von deutscher Seite auch polnische Dörfer entvölkert wurden. Im Beispiel fliehen die Einwohner des ostpreußischen Dorfes in verschiedene Teile „Restdeutschlands“, im zweiten Beispiel werden den Einwohnern des Braunkohle-Dorfes Ersatzhäuser in verschiedenen Dörfern der Umgebung angeboten.

Wo sollen denn nun die Kirchenbücher, Standesamt-Akten etc. hin? Welches Dorf ist denn der Nachfolger der Einwohner des beispielhaften Dorfes? Fallen die Akten dann an den Staat? den Kreis? das Bundesland? Wo soll ich sie als Ahnenforscher denn dann finden? Daher ist das Prinzip der Provenienz in jedem Fall sinnvoll. Das Beispiel des Braunkohledorfes ist hierfür vielleicht nicht mehr so passend, da ja physisch kein Archiv mehr vorhanden ist, solange aber beispielsweise das Archiv in Allenstein noch steht, kann ich mich doch an selbiges wenden und erhalte Auskunft. Und der Bezug zu Archivalien regelt sich nicht nach der Nationalität, Hautfarbe, Religion etc. Wenn ich mich für die Vergangenheit meines Landes, meiner Stadt, meiner Familie interessiere, dann bin ich bereit, mich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Wenn mich das alles nicht interessiert, mache ich das eben nicht.

Wenn auf einen Ahnenforscher drei Nichtinteressierte kommen, dann heißt das ja auch nicht, dass man den „uninteressanten“ Teil der Aufzeichnungen - ja was, der Stadt wegnehmen / verbrennen / … soll, oder?

Ich finde die Richtung dieser Debatte bedenklich, denn meiner Ansicht nach haben wir keine Veranlassung über den Sinn und Unsinn der Verschiebung riesiger Volksgruppen zwischen 1939 und 1950 zu entscheiden, denn wer trägt letztlich die Schuld? Die bösen Polen? Die bösen Russen, die die Polen vertrieben haben? Oder die bösen Deutschen, die die Polen und Russen überfallen haben? Oder die Westmächte, die Deutschland das schöne Land im Osten weggenommen haben? Oder der Kaiser, weil er einen Krieg führen wollte? (Beliebig fortzusetzen).

Vielleicht sollte ich diese Emails mal am Mittwoch mit meinem Geschichtskurs diskutieren und wieder einmal daran arbeiten, dass solche nationale Gedanken nicht mehr unsere Errungenschaft EU gefährden.

Allen einen entspannten Abend,
in der Hoffnung auf Beruhigung und produktivere Forschungsdiskussionen,
Jan S Melzig, geb. 1976


Am 05.12.2016 um 09:02 schrieb Roswitha Lindemann <r-lindemann(a)gmx.de>:

>   Jep. Genauso ist es.
> 
>   Gesendet: Montag, 05. Dezember 2016 um 08:01 Uhr
>   Von: "Juergen PetersSchlebusch" <Peters-Schlebusch(a)t-online.de>
>   An: OW-Preussen-L <ow-preussen-l(a)genealogy.net>
>   Betreff: Re: [OWP] Polnische Kirchenbuecher?
>   Am 05.12.2016 um 06:02 schrieb wikia-szlachta(a)gmx.de:
>> Generell gilt der Grundsatz, dass das Archivgut dort aufzubewahren
>   ist, wo es entstanden ist.
>   Guten Morgen,
>   Grundsatz ?
>   Ist dies nicht voelliger Unsinn wenn die ansaessige Bevoelkerung
>   vertrieben
>   und das Gebiet durch eine andere Nation bevoelkert wurde deren
>   Angehoerige
>   keinen Bezug zu den Archivalien (hier seien die Eintraege in den
>   Kirchenbuechern gen.) haben.
>   Gruesse
>   Juergen
>   _______________________________________________
>   OW-Preussen-L mailing list
>   OW-Preussen-L(a)genealogy.net
>   [1]http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
> 
> References
> 
>   1. http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
> _______________________________________________
> OW-Preussen-L mailing list
> OW-Preussen-L(a)genealogy.net
> http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l

Re: [OWP] Polnische Kirchenbücher?

Date: 2016/12/05 18:22:15
From: Freya Rosan <freya.rosan(a)ewetel.net>

Bravo!!! So ist es!!!

Freya Rosan (Rozan) ... Kind von Flüchtlingen mit polnisch-masurisch-preußisch-deutschen Wurzeln




Zitat von Jan Stefan Melzig <forschung(a)familiemelzig.de>:

Hallo zusammen,

ich verstehe ja, dass man immer eine recht eigene Sicht auf verschiedene Dinge hat. Da meiner Ansicht nach mittlerweile mehrere Aspekte in diesem Thema verbunden sind, möchte ich mal meine Gedanken dazu sortieren.

Archivgut gehört generell dorthin wo es entstanden ist, also z.B. zu einem Ort in Ostpreußen. Im Beispiel könnten wir auch einen Ort in einem deutschen Braunkohlerevier nehmen.

Nun wird die Bevölkerung dieses Dorfes ausgetauscht, um es mal neutral zu formulieren. Sicherlich wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben, so wie von deutscher Seite auch polnische Dörfer entvölkert wurden. Im Beispiel fliehen die Einwohner des ostpreußischen Dorfes in verschiedene Teile „Restdeutschlands“, im zweiten Beispiel werden den Einwohnern des Braunkohle-Dorfes Ersatzhäuser in verschiedenen Dörfern der Umgebung angeboten.

Wo sollen denn nun die Kirchenbücher, Standesamt-Akten etc. hin? Welches Dorf ist denn der Nachfolger der Einwohner des beispielhaften Dorfes? Fallen die Akten dann an den Staat? den Kreis? das Bundesland? Wo soll ich sie als Ahnenforscher denn dann finden? Daher ist das Prinzip der Provenienz in jedem Fall sinnvoll. Das Beispiel des Braunkohledorfes ist hierfür vielleicht nicht mehr so passend, da ja physisch kein Archiv mehr vorhanden ist, solange aber beispielsweise das Archiv in Allenstein noch steht, kann ich mich doch an selbiges wenden und erhalte Auskunft. Und der Bezug zu Archivalien regelt sich nicht nach der Nationalität, Hautfarbe, Religion etc. Wenn ich mich für die Vergangenheit meines Landes, meiner Stadt, meiner Familie interessiere, dann bin ich bereit, mich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Wenn mich das alles nicht interessiert, mache ich das eben nicht.

Wenn auf einen Ahnenforscher drei Nichtinteressierte kommen, dann heißt das ja auch nicht, dass man den „uninteressanten“ Teil der Aufzeichnungen - ja was, der Stadt wegnehmen / verbrennen / … soll, oder?

Ich finde die Richtung dieser Debatte bedenklich, denn meiner Ansicht nach haben wir keine Veranlassung über den Sinn und Unsinn der Verschiebung riesiger Volksgruppen zwischen 1939 und 1950 zu entscheiden, denn wer trägt letztlich die Schuld? Die bösen Polen? Die bösen Russen, die die Polen vertrieben haben? Oder die bösen Deutschen, die die Polen und Russen überfallen haben? Oder die Westmächte, die Deutschland das schöne Land im Osten weggenommen haben? Oder der Kaiser, weil er einen Krieg führen wollte? (Beliebig fortzusetzen).

Vielleicht sollte ich diese Emails mal am Mittwoch mit meinem Geschichtskurs diskutieren und wieder einmal daran arbeiten, dass solche nationale Gedanken nicht mehr unsere Errungenschaft EU gefährden.

Allen einen entspannten Abend,
in der Hoffnung auf Beruhigung und produktivere Forschungsdiskussionen,
Jan S Melzig, geb. 1976


Am 05.12.2016 um 09:02 schrieb Roswitha Lindemann <r-lindemann(a)gmx.de>:

  Jep. Genauso ist es.

  Gesendet: Montag, 05. Dezember 2016 um 08:01 Uhr
  Von: "Juergen PetersSchlebusch" <Peters-Schlebusch(a)t-online.de>
  An: OW-Preussen-L <ow-preussen-l(a)genealogy.net>
  Betreff: Re: [OWP] Polnische Kirchenbuecher?
  Am 05.12.2016 um 06:02 schrieb wikia-szlachta(a)gmx.de:
Generell gilt der Grundsatz, dass das Archivgut dort aufzubewahren
  ist, wo es entstanden ist.
  Guten Morgen,
  Grundsatz ?
  Ist dies nicht voelliger Unsinn wenn die ansaessige Bevoelkerung
  vertrieben
  und das Gebiet durch eine andere Nation bevoelkert wurde deren
  Angehoerige
  keinen Bezug zu den Archivalien (hier seien die Eintraege in den
  Kirchenbuechern gen.) haben.
  Gruesse
  Juergen
  _______________________________________________
  OW-Preussen-L mailing list
  OW-Preussen-L(a)genealogy.net
  [1]http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l

References

  1. http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l

_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l


--
Freya Rosan
Ketsche 2
27339 Riede
Tel. 04294 4446166/ 0175 1183753
freya.rosan(a)ewetel.net


Re: [OWP] Polnische Kirchenbücher?

Date: 2016/12/05 18:52:07
From: Wolfgang Naujocks <Wolfgang(a)Naujocks.com>

Schönen guten Abend,

einem uneingeschränkten "Bravo" kann ich ebensowenig zustimmen wie dem Beitrag auf den dieses Bravo erfolgte.

In meinen Augen lassen die Beiträge einige Aspekte außer Sicht. Zuallererst: Wir leben in einem Europa, das zunehmende nationalistische Tendenzen erkennen lässt. Einem Europa, das zunehmend dazu neigt, vieles unter den Tisch fallen zu lassen oder umstritten zu interpretieren was nicht in den eigenen nationalistischen geschichtlichen Kontext passt.

Es war schon immer und über alle Zeiten so: Wer Herr über Archivalien ist, ist Herr über die Geschichte des Landes. Solange es einen offenen Diskurs zwischen Historikern gibt, solange Archivalien öffentlich zur Verfügung gestellt werden, mag das nur sehr bedingt ein Problem sein. Aber wir schlittern mehr und mehr in ein Europa hinein, dessen Länder sich abschotten, und die sich eigene Geschichtsinterpretationen zusammenbasteln.

Es ist in Ordnung wenn katholische Kirchenbücher in Polen liegen, auch wenn ein Exemplar der standesamtlichen Unterlagen dort ist. Wir verfügen ja über online einsehbare Kopien oder sie werden uns (hoffentlich) bald zur Verfügung gestellt. Aber Kirchenbuch- und Standesamtsunterlagen stellen nur einen sehr kleinen Teil der Archivalien dar.

Als ein seit vielen Jahren in Polen lebender Deutscher spüre und empfinde ich jedoch Tendenzen, die nicht dazu beitragen, meine Befürchtungen auszuräumen. Im Gegenteil: Es wird, meiner Meinung nach, nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der Zugang zu vielen Archivalien eingeschränkt, erschwert bzw. unmöglich gemacht wird.

Ich habe unter anderem auch deswegen die Entscheidung der evangelischen Kirche, ihre Kirchenbücher in eigenen Händen zu halten, stets uneingeschränkt befürwortet und begrüßt.

Viele Grüße aus dem Danziger Werder
Wolfang (Naujocks)



> Gesendet: Montag, 05. Dezember 2016 um 18:22 Uhr
> Von: "Freya Rosan" <freya.rosan(a)ewetel.net>
> An: OW-Preussen-L <ow-preussen-l(a)genealogy.net>
> Betreff: Re: [OWP] Polnische Kirchenbücher?
>
> Bravo!!! So ist es!!!
> 
> Freya Rosan (Rozan) ... Kind von Flüchtlingen mit  
> polnisch-masurisch-preußisch-deutschen Wurzeln
> 
> 
> 
> 
> Zitat von Jan Stefan Melzig <forschung(a)familiemelzig.de>:
> 
> > Hallo zusammen,
> >
> > ich verstehe ja, dass man immer eine recht eigene Sicht auf  
> > verschiedene Dinge hat. Da meiner Ansicht nach mittlerweile mehrere  
> > Aspekte in diesem Thema verbunden sind, möchte ich mal meine  
> > Gedanken dazu sortieren.
> >
> > Archivgut gehört generell dorthin wo es entstanden ist, also z.B. zu  
> > einem Ort in Ostpreußen. Im Beispiel könnten wir auch einen Ort in  
> > einem deutschen Braunkohlerevier nehmen.
> >
> > Nun wird die Bevölkerung dieses Dorfes ausgetauscht, um es mal  
> > neutral zu formulieren. Sicherlich wurde die deutsche Bevölkerung  
> > vertrieben, so wie von deutscher Seite auch polnische Dörfer  
> > entvölkert wurden. Im Beispiel fliehen die Einwohner des  
> > ostpreußischen Dorfes in verschiedene Teile „Restdeutschlands“, im  
> > zweiten Beispiel werden den Einwohnern des Braunkohle-Dorfes  
> > Ersatzhäuser in verschiedenen Dörfern der Umgebung angeboten.
> >
> > Wo sollen denn nun die Kirchenbücher, Standesamt-Akten etc. hin?  
> > Welches Dorf ist denn der Nachfolger der Einwohner des  
> > beispielhaften Dorfes? Fallen die Akten dann an den Staat? den  
> > Kreis? das Bundesland? Wo soll ich sie als Ahnenforscher denn dann  
> > finden? Daher ist das Prinzip der Provenienz in jedem Fall sinnvoll.  
> > Das Beispiel des Braunkohledorfes ist hierfür vielleicht nicht mehr  
> > so passend, da ja physisch kein Archiv mehr vorhanden ist, solange  
> > aber beispielsweise das Archiv in Allenstein noch steht, kann ich  
> > mich doch an selbiges wenden und erhalte Auskunft. Und der Bezug zu  
> > Archivalien regelt sich nicht nach der Nationalität, Hautfarbe,  
> > Religion etc. Wenn ich mich für die Vergangenheit meines Landes,  
> > meiner Stadt, meiner Familie interessiere, dann bin ich bereit, mich  
> > mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Wenn mich das alles nicht  
> > interessiert, mache ich das eben nicht.
> >
> > Wenn auf einen Ahnenforscher drei Nichtinteressierte kommen, dann  
> > heißt das ja auch nicht, dass man den „uninteressanten“ Teil der  
> > Aufzeichnungen - ja was, der Stadt wegnehmen / verbrennen / … soll,  
> > oder?
> >
> > Ich finde die Richtung dieser Debatte bedenklich, denn meiner  
> > Ansicht nach haben wir keine Veranlassung über den Sinn und Unsinn  
> > der Verschiebung riesiger Volksgruppen zwischen 1939 und 1950 zu  
> > entscheiden, denn wer trägt letztlich die Schuld? Die bösen Polen?  
> > Die bösen Russen, die die Polen vertrieben haben? Oder die bösen  
> > Deutschen, die die Polen und Russen überfallen haben? Oder die  
> > Westmächte, die Deutschland das schöne Land im Osten weggenommen  
> > haben? Oder der Kaiser, weil er einen Krieg führen wollte? (Beliebig  
> > fortzusetzen).
> >
> > Vielleicht sollte ich diese Emails mal am Mittwoch mit meinem  
> > Geschichtskurs diskutieren und wieder einmal daran arbeiten, dass  
> > solche nationale Gedanken nicht mehr unsere Errungenschaft EU  
> > gefährden.
> >
> > Allen einen entspannten Abend,
> > in der Hoffnung auf Beruhigung und produktivere Forschungsdiskussionen,
> > Jan S Melzig, geb. 1976
> >
> >
> > Am 05.12.2016 um 09:02 schrieb Roswitha Lindemann <r-lindemann(a)gmx.de>:
> >
> >>   Jep. Genauso ist es.
> >>
> >>   Gesendet: Montag, 05. Dezember 2016 um 08:01 Uhr
> >>   Von: "Juergen PetersSchlebusch" <Peters-Schlebusch(a)t-online.de>
> >>   An: OW-Preussen-L <ow-preussen-l(a)genealogy.net>
> >>   Betreff: Re: [OWP] Polnische Kirchenbuecher?
> >>   Am 05.12.2016 um 06:02 schrieb wikia-szlachta(a)gmx.de:
> >>> Generell gilt der Grundsatz, dass das Archivgut dort aufzubewahren
> >>   ist, wo es entstanden ist.
> >>   Guten Morgen,
> >>   Grundsatz ?
> >>   Ist dies nicht voelliger Unsinn wenn die ansaessige Bevoelkerung
> >>   vertrieben
> >>   und das Gebiet durch eine andere Nation bevoelkert wurde deren
> >>   Angehoerige
> >>   keinen Bezug zu den Archivalien (hier seien die Eintraege in den
> >>   Kirchenbuechern gen.) haben.
> >>   Gruesse
> >>   Juergen

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 04 vom April 195 9

Date: 2016/12/05 18:52:57
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 2   Sie fürchten die Rache des Landes. Ein polnischer Bericht über die
Bauernflucht aus Ostpreußen / „Verseuchtes Land" durch eigene Schuld.
„Die Landwirte unseres Kreises verlassen das Land - Stopp - In der nächsten
Zeit werden noch sehr viele das Land verlassen“. In diesem Telegramm fasst
die parteiamtliche polnische Allensteiner Zeitung „Glos Olsztynsk“' die
Situation im nördlichen Teil des polnisch besetzten Ostpreußen zusammen und
bringt anschließend den Versuch eines Berichterstatters, die Hintergründe
der katastrophalen Flucht der Bauern aus Ostpreußen aufzuhellen. Der
polnische Berichterstatter muss zugeben, dass er dem Problem nicht
beigekommen sei. In Pr.-Holland stellte er fest, dass zehn Bauern Antrag auf
Verkleinerung der Anbaufläche gestellt haben und 20 das Land überhaupt
verlassen wollen. Unter diesen befinden sich 13 sogenannte Repatrianten, d.
h. Polen aus den Gebieten, die an die Sowjetunion gefallen sind. 

Der Berichterstatter, der Ostpreußen in diesem Zusammenhang „das verpestete
Land" nennt, führt als charakteristisches Beispiel einen Bauern an, der Haus
und Hof verließ, um nach Schlesien zur Grubenarbeit zu gehen. Er verließ, so
berichtet der polnische Reporter, seine Landwirtschaft, weil er erkannte,
dass sie ohne gründliche landwirtschaftliche Kenntnisse nicht zu führen sei.
Als Hauptgrund wird weiter angeführt der völlige Verfall der
Meliorationsanlagen. Aus Fürstenau, Neumark, Neumünsterberg und Ebersbach
flüchten die neu angesiedelten Polen vor dem Wasser. 

„Herr, was sollen wir hier noch länger? Die Not ist hier zum Winseln groß.
Wissen Sie, wieviel man hier in den letzten Jahren geerntet hat? Nur ein
paar Doppelzentner Korn und je einen Sack Kartoffeln …“ So berichtet einer
der polnischen Siedler dem Zeitungsreporter. 

Eine weitere Unterhaltung zwischen dem Journalisten und einem Dorfschulzen
verlief folgendermaßen: 

„Warum verfallen in diesem Dorf so viele Gebäude?" „Das weiß ich nicht“. 
„Und warum reparieren Sie nicht Ihre Gebäude?" 
„Wofür?" 
„Man sagte mir, es könnte Ihnen nicht schlecht gehen, wenn Sie nicht so viel
trinken würden, stimmt das?" 
Lange Pause. 
„Was werden Sie jetzt machen, Sie können doch nicht länger so wohnen?"
„Ich ziehe aus“. 
„Dann verlassen Sie also Neumark?"
„Ja“. 
„Und wo finden Sie neue Arbeit?"
„Auf dem Lande“.
„Wie denn?" 
„Ich ziehe in den Kreis Rössel, ich habe dort eine neue Landwirtschaft mit
Gebäuden gekauft“.
„Was haben Sie bezahlt?" 
„5000“. 
„Für alles zusammen?" 
„Für alles zusammen“. 
Der polnische Reporter bemerkt dazu: 
Es will mir nicht in den Kopf, dass die Menschen, die ich verteidigen
wollte, sich einfach auf ihre Fahrzeuge verfrachteten und mit ihrer Habe
flüchteten, weil sie die Rache dieses Landes fürchteten, das sie selber, zu
einem verseuchten Land gemacht haben. Der Journalist ruft die Behörden an,
alle diejenigen zu bestrafen, die dieses Land verwüstet hätten.

Diesen Ausführungen und Zusammenfassungen dieses polnischen Berichtes ist
nichts hinzuzufügen.

Seite 2   Unsere Heimat heute
Fehlbestände im Staatshandel 
Eine Epidemie nennt die polnische Allensteiner Presse die Häufung der Fälle
von Fehlbeständen und Fehlbeträgen im Staatshandel des polnisch verwalteten
Ostpreußen. Allein in den staatlichen Lebensmittelgeschäften erreichte 1958
der Wert der Fehlbestände den Betrag von 115 000 Zloty. 

Banden in Ostpreußen 
Zahlreiche jugendliche Banden, die in den Nachtstunden Raubüberfälle,
Plünderungen und Einbrüche begehen, werden gegenwärtig von der polnischen
Polizei in Ostpreußen verfolgt. Nach polnischen Presseberichten ist die
Tätigkeit krimineller Jugendlicher in letzter Zeit wieder aufgelebt, nachdem
bereits im vergangenen Jahr Polizei-Sonderaktionen gegen sie eingeleitet
worden waren. 

Neue Tierschutzgebiete 
Zwei Tierschutzgebiete in Elditten und Kulditten am Gilbingsee in Ostpreußen
haben die polnischen Behörden des Regierungsbezirks Allenstein gebildet.
Dort sind noch Biberkolonien erhalten. In den unter polnischer Verwaltung
stehenden ostdeutschen Gebieten gibt es gegenwärtig insgesamt 14
Tierschutzgebiete. 

Pfadfinder-Aktion in Ostpreußen 
Im Hauptquartier der Polnischen Pfadfinderschaft (ZHP) werden gegenwärtig
Pläne für „Betreuungs-Aktionen" großen Stils ausgearbeitet, die demnächst
„in unzulänglich erschlossenen Gebieten", d. h. hauptsächlich in Pommern und
in Ostpreußen, unternommen werden sollen. Man will sich dabei die
Erfahrungen des Vorjahres zunutze machen, die von etwa 3000 Angehörigen der
Pfadfinderschaft gesammelt wurden. Neben der „kulturellen Betreuung" ist der
Einsatz polnischer Pfadfindergruppen beim Straßenbau, bei der Markierung von
Wegen, bei Entwässerungsarbeiten und bei der Restaurierung von Baudenkmälern
vorgesehen. 

Tumult um Blusen 
Vor dem Staatlichen Kaufhaus in Allenstein kam es kürzlich zu Tumulten, bei
denen die Schaufensterscheiben zertrümmert wurden. Der Grund lag in der
plötzlichen Anlieferung von Damenblusen, die es seit langem nicht mehr zu
kaufen gab. Die randalierende Kundschaft setzte sich aus kauflustigen
Hausfrauen zusammen, die sich um den knappen Vorrat zu streiten begannen. 

„Ägyptisches Traumbuch" 
Ein „Ägyptisches Traumbuch" benutzte eine Kurpfuscherin in Mohrungen als
Grundlage ihrer medizinischen Praxis. Sie wurde zu sechs Monaten Gefängnis
verurteilt. 

Keine Lust zum Baden
Die Stadtväter von Rastenburg lehnten ein Darlehen zur Errichtung einer
öffentlichen Badeanstalt mit der Begründung ab, es würde ja doch keiner
baden wollen. 

Theaterfestspiel 
In der Planung der polnischen Regierung, die eine Steigerung der
„Attraktivität" der deutschen Ostgebiete vorsieht, fällt auch das kürzlich
bekanntgewordene Projekt, in den nördlichen Teilen der Gebiete ostwärts der
Oder und Neiße Theaterfestspiele zu veranstalten. U. a. sollen solche
Festspiele auch in Allenstein und Thorn stattfinden. 

Medizinisches Ambulatorium 
In Neidenburg in Ostpreußen wurde das erste medizinische Ambulatorium
eingerichtet. Es wurde vom Evangelischen Hilfswerk in der Bundesrepublik
finanziert und beschafft und in Verbindung mit der polnischen evangelischen
Kirche eingerichtet. 

Bunkeranlagen heute Lagerhaus 
3000 Tonnen Heringe wurden in den Bunkeranlagen aus dem zweiten Weltkrieg
bei Streitswalde (Ostpreußen) eingelagert.

Seite 2   „West-Institut“ untersucht Abwanderungsbewegung.
Den Umfang der Abwanderung polnischer Bevölkerungsgruppen aus dem
ostbrandenburgischen Kreise Meseritz und die Ursachen für die
Abwanderungsbewegung haben soziologische Untersuchungen zum Gegenstand, die
von mehreren polnischen Wissenschaftlern in der „Wojewodschaft“ Grünberg –
u. a. auch in Guben – durchgeführt worden sind. Auf einer Tagung in
Grünberg, an der eine Gruppe von Wissenschaftlern des polnischen
Westinstituts in Posen auf Einladung der örtlichen Behörden und des
Grünberger Kulturzentrums teilnahm, wurde festgestellt, diese
Forschungsarbeiten dienten dazu, den polnischen Behörden eine „bessere
Lenkung der zahlreichen komplizierten Prozesse zu gestatten, die neben der
Bevölkerungsbewegung auch Probleme rein wirtschaftlicher Natur betreffen“.
Die Tagung sollte es den Teilnehmern ermöglichen, den derzeitigen Stand der
Arbeiten kennenzulernen. Es wurde, wie die „Gazeta Zielonogorska“ hierzu
berichtet, angeregt, weitere Forschungen über die „jüngste Vergangenheit der
Wojewodschaft Grünberg“ zu veranstalten.

Kürzlich hatte die polnische Zeitschrift „Polityka" verschiedene Maßnahmen
gefordert, um die „drohende Erscheinung einer Flucht von
landwirtschaftlichen Fachleuten aus der Arbeit in der Landwirtschaft zu
verhindern". Die „Polityka" wies in diesem Zusammenhang auf den erheblichen
Mangel an Fachkräften in der polnischen Landwirtschaft hin. Dieser Mangel
werde dadurch verschärft, dass die vorhandenen Führungskräfte sich
überwiegend in den Verwaltungsstellen und Institutionen in Warschau, in den
Wojewodschafts-Hauptstädten und in den Kreisstädten befinden. Demgegenüber
hätten rd. 66 v. H. der Leiter der Staatsgüter keine Fachausbildung
aufzuweisen.

Seite 2   Neuansiedlung in Nordostpreußen. 20 000 Arbeitskräfte fehlen —
Russische Siedler versuchen illegal abzuwandern. 
Für das Frühjahr und den Sommer 1959 bereiten die sowjetischen Behörden im
Königsberger Gebiet eine neue Ansiedlungsaktion vor, berichtet das
sowjetische Organ „Kaliningradskaja Prawda“.

Angesichts der internationalen Lage seien die Behörden im sowjetischen
Verwaltungsteil Ostpreußens gezwungen, „mehr Menschen in unser Gebiet zu
bringen, damit wir ständig wehrbereit – auch an dieser Stelle des
Sowjetstaates – sind und eventuelle Angriffe abwehren können.

Zum ersten Mal gibt die „Kaliningradskaja Prawda" offen zu, dass
neuangesiedelte Russen den Versuch unternommen haben, ohne behördliche
Genehmigung das Königsberger Gebiet, das nach wie vor nur mit
Sondergenehmigungen betreten werden darf, „illegal" zu verlassen. Das
KP-Organ kündigte „scharfe Maßnahmen gegen diese Saboteure des
sozialistischen Aufbaues" an. 

Das Blatt forderte die jetzigen Bewohner des Königsberger Gebietes auf, mit
ihren in anderen sowjetischen Landesteilen ansässigen Verwandten und
Bekannten in Verbindung zu treten und diese zu einer Übersiedlung in das
Königsberger Gebiet zu veranlassen. „Jede fleißige Hand wird jetzt bei uns
gebraucht, wenn wir die gesteckten Ziele im Jahre 1959 erreichen wollen, was
fraglich erscheint, wenn wir uns nicht gemeinsam anstrengen". 

Die „Kaliningradskaja Prawda" kritisiert in diesem Zusammenhang die
Versorgung der Zivilbevölkerung mit Lebensmitteln und Gebrauchsgütern, die
im Winter 1958/1959 einen Tiefstand seit Kriegsende erreicht habe. Die
Schuldigen seien jedoch bereits ermittelt und aus ihren Ämtern entfernt
worden, sie erwarteten nunmehr eine „Bewährungsarbeit“ in Industriebetrieben
und auf sowjetischen Kolchosen im Königsberger Gebiet.

Um den Plan für 1959 erfüllen zu können, fehlen im sowjetischen
Verwaltungsteil Ostpreußens nach dem Bericht der „Kaliningradskaja Prawda“
gegenwärtig in der Industrie, Verwaltung und Landwirtschaft rund 20 000
Arbeitskräfte. 

Seite 2   Repatrianten-Lenkung „ohne Kontakt mit der Wirklichkeit" 
Von den 86 000 im Laufe des vergangenen Jahres aus der UdSSR nach
„Volkspolen" umgesiedelten Repatrianten wurden die meisten in die
„Wojewodschaften" Allenstein, Breslau und Köslin eingewiesen. In Briefen an
die polnische Presse und in Gesprächen mit Rundfunkreportern beklagen sich
viele Umsiedler bitter, dass man sie bei ihrer Einweisung in die neuen
Wohnorte „entweder falsch informiert" oder ihren Wünschen gar nicht Rechnung
trägt. In einer Sendung des Polnischen Rundfunks wurde empfohlen, die
„vielfach ohne Kontakt mit der Wirklichkeit" durchgeführte
Repatrianten-Lenkung in Zukunft besser zu organisieren, da man sonst Gefahr
laufe, der ständigen Bevölkerungsbewegung auch in den nächsten Jahren nicht
Herr zu werden. 

Seite 2   35000 Umsiedler aus Südostpreußen. „Neue Programme" sollen weitere
Abwanderung verhindern 
Rund 35 000 Deutsche aus dem polnischen Verwaltungsgebiet Ostpreußens, der
jetzigen Wojewodschaft Allenstein, haben in den vergangenen drei Jahren ihre
Heimat verlassen und sind in die Bundesrepublik umgesiedelt. 

Nach einem Bericht des polnischen KP-Organs „Glos Olsztynski" (Allensteiner
Stimme) haben die polnischen Behörden in Ostpreußen der Warschauer Regierung
im Herbst 1958, wie erst jetzt bekannt wurde, dringend eine sofortige
Einstellung der Massenaussiedlung von Deutschen aus dem Ermland und Masuren
angeraten, da sich sonst „nachteilige politische und vor allem
wirtschaftliche Folgen" ergeben würden. 

Das KP-Organ berichtet, dass nach Beendigung der Familienzusammenführung
viele der in Ostpreußen verbliebenen Deutschen den Wunsch haben, in die
Bundesrepublik umzusiedeln. „Die Bemühungen der zuständigen Dienststellen,
durch neue Programme die einheimische Bevölkerung zum Bleiben zu bewegen,
stoßen in der gesamten Allensteiner Wojewodschaft, insbesondere aber in
Ermland und Masuren, noch immer auf Zurückhaltung und Ablehnung", schreibt
die Zeitung. 

Das Blatt kündigt an, dass sich die Fachministerien der Warschauer Regierung
und die polnische Regierungs-Sonderkommission für die Oder-Neiße-Gebiete in
Kürze mit den Problemen der noch im polnischen Verwaltungsgebiet Ostpreußens
ansässigen Deutschen beschäftigen werden. 

Seite 2   Danzigs Schifffahrtsrinne noch immer versandet 
Nach vorliegenden polnischen Berichten dürfte die Schifffahrtsrinne zum
Danziger Hafen immer noch nur für Schiffe kleiner und mittlerer Größe
passierbar sein. Bereits vor Jahren wurde darüber Klage geführt, dass dies
vornehmlich an der Versandung der Schifffahrtsrinne in der sogenannten
„Biegung der Fünf Pfiffe“ liege. Diese Biegung sollte durchstochen werden.
Hierzu heißt es nun, dass „die Realisierung der Investitionsaufgaben“ in den
Jahren 1957 und 1958 „nicht sehr gut“ verlaufen sei. Als neuer Termin für
die Fertigstellung einer vertieften Schifffahrtsrinne wurde nunmehr das Jahr
1960 genannt. Auch der Oliva-Kai, der im Jahre 1957  einzustürzen drohte,
ist offenbar noch nicht völlig in Ordnung gebracht worden. Ausdrücklich
heißt es in dem polnischen Bericht, dass „bis 1957 im Hafen nichts getan“
worden sei.

Seite 2   Pressespiegel 
Disengagement – für und wider. Auf die politische Phantasie kommt es an 
„Lohnt es sich also, auf die Außenministerkonferenz zu gehen, wie Moskau sie
sich vorstellt und deren Charakter es dem Westen doch mehr oder weniger
aufzwingt? Man antwortet am besten mit der Gegenfrage, ob diese Konferenz
schädlich wäre. Sie ist es nicht, wenn der Westen mehr zu sagen weiß als
sein Nein zu einem Friedensvertrag mit den getrennten Stücken Deutschlands.
Die westliche Studienkommission hat in Washington Berge von Gegenvorschlägen
gesichtet und hat daraus für ihre Regierung einen Fragebogen zugeschnitten.
Ein weiteres Zögern bei der Formulierung genauer westlicher Gegenvorschläge
könnte sich nun bald als schuldhaft erweisen. 

Nur mit Gegenvorschlägen von heute, nicht mit Konzeptionen von vorgestern
ist nämlich die Probe darauf zu machen, ob die Sowjetunion so viel vom
Verhandeln hält, wie sie vorgibt. Das Festhalten am Grundsatz Freiheit lässt
sich durchaus mit politischer Phantasie vereinigen“. Süddeutsche Zeitung,
München 

„Jetzt tritt abermals eine in die Zukunft wirkende Entscheidung an uns heran
in Gestalt der Frage, ob die Politik der Bundesrepublik ohne Vorbehalte und
ohne Hintertüren eingesetzt werden soll für Verhandlungen über eine
militärische Entspannung in Mitteleuropa. Überall – nur in Bonn nicht – ist
man sich darüber im Klaren, dass dies gegenwärtig der einzige Weg ist, um
zur Erhaltung des Friedens, einer Verständigung mit den Sowjets einer
tragbaren Regelung für Berlin und einer Vorbereitung der deutschen
Wiedervereinigung beizutragen.

Gerade in diesen Tagen ist es erstaunlich, von wohlinformierter Seite aus
Washington zu hören, welche Fortschritte das State Department auf dem Wege
zu solcher Verhandlungsführung bereits gemacht hat und welche realen und
konkreten Vorstellungen von Plänen, die für die Sowjets durchaus annehmbar
sein dürften, man dort hat. Umso größer wäre die Illusion, wenn man in Bonn
annehmen würde, man könnte sich dieser Entwicklung widersetzen. Nichts
anderes würde damit erreicht, als eine Einigung zwischen Ost und West ohne
Berücksichtigung des deutschen Standpunktes. Denn beide Seiten wollen keinen
Krieg; wer sich aber heute aber gegen ein Disengagement stemmt, hat keine
andere Alternative mehr“. Neue Politik, Hamburg 

„Es zeigt sich immer wieder, dass die Gegner des Disengagement-Gedankens nur
darum so viel von den militärischen Gefahren reden, die aus seiner
Verwirklichung erwachsen könnten, um ihre wirklichen Motive umso besser
verschweigen zu können. Diese Motive sind politischer Natur. Sie wollen
unter keinen Umständen zugeben, dass die militärische Lage es heute erlauben
würde, dem zentraleuropäischen Raum eine politisch bedingte Sonderbehandlung
zuzugestehen, insbesondere nicht dem deutschen Raum. Ihr Rezept lautet:
maßgebend sind die Interessen der Westmächte (die mit dem Abendland und
Europa gleichgesetzt werden); soweit die spezifisch deutschen Interessen
sich mit jenen decken: so weit so gut. Wo die deutschen Interessen über jene
hinausragen, entsteht Gefahr (für die Interessen der Westmächte, gleich
Abendland, gleich Europa) Darum muss die Bundesrepublik Deutschland (als
derjenige Teil Deutschlands, der allein zur Verfügung steht) unabdingbar und
so fest an den Block der Westmächte gekettet bleiben, dass die
Interessenidentität restlos gewahrt bleibt. Ein militärischer Sonderstatus
für den deutschen (und angrenzenden polnisch-tschechischen) Raum enthielte
aber in sich die Anerkennung, dass die deutschen Interessen nicht ganz
identisch sind mit denjenigen der Westmächte. Überdies würde mit der
Schaffung eines militärischen Sonderstatus für die beiden Teile Deutschlands
auch erstmals seit Kriegsende wieder eine Gemeinsamkeit dieser beiden
Staatenhälften unter sich, und zwar gegenüber den Siegermächten geschaffen“.
Die Tat, Zürich 
 
„Wenn es einen Zeitpunkt gibt, in dem der Druck der Sowjets zum Vorteil des
Westens ausgenutzt werden kann, dann ist er jetzt gekommen. Aber dies
bedeutet, dass Risiken eingegangen werden müssen, und diese Risiken setzen
einige Leute auf unserer Seite in Furcht. 

Sie können bedeuten, dass Truppen und Flugzeuge weiter von der Grenze
(zwischen Ost- und Westdeutschland) zurückgezogen werden müssen, und einige
Militärs lieben das nicht. Sie können bedeuten, dass die
Sowjetzonenregierung anerkannt werden muss, und wenige informierte Leute in
Westdeutschland haben dafür sehr viel übrig. Sie können schließlich einen
Versuch bedeuten, die sozialen Systeme Ost- und Westdeutschlands einander
anzugleichen, und nicht alle Demokraten in Westdeutschland sind sicher, dass
ihr System das überstehen kann. 

Sie können in einem späteren Stadium das Risiko mit sich bringen, dass die
Amerikaner Europa verlassen, und niemand im Westen denkt daran gern. Aber es
gibt auch entsprechende Vorteile, die schwerer wiegen können. Unsere
Hauptstützpunkte und Anlagen in Deutschland liegen weiter zurück als die
sowjetischen, und im ersten Stadium  eines ,Ausdünnens' sollten wir mehr
gewinnen als die Sowjets. 

Oder denken wir an ein späteres Stadium - das von Macmillan noch nicht in
Betracht gezogen ist —, wenn die westlichen Truppen aus ganz Deutschland
evakuiert werden und die Amerikaner nach Hause gehen oder sich auf ihre
britischen Stützpunkte zurückziehen könnten. In diesem Stadium müssten die
Sowjets auch aus Ostdeutschland und Polen verschwinden“. Manchester Guardian

Re: [OWP] Polnische Kirchenbücher?

Date: 2016/12/05 18:57:18
From: Walter Fleischauer <Walter(a)Fleischauer.info>

Hallo,

einen großen Vorteil hat die Sache nach meiner eigenen praktischen Erfahrung für uns Familiengeschichtsforscher auch noch: In der Regel sind die Polnischen Archive via Internet und auch vor Ort besser, unkomplizierter, und falls (nach meiner Erfahrung) ausnahmsweise mal Gebühren anfallen sollten, auch viel kostengünstiger zu nutzen!

Da können sich Stadt-, Landes- und Staatsarchive in den meisten BRD Bundesländern" mit ihren oft sehr unterschiedlichen Gebührenordnungen und "Urheberrechten", einige Archive ausgenommen, durchaus eine Scheibe von abschneiden!

Gruss,

Walter (Fleischauer)


Am 05.12.2016 um 18:22 schrieb Freya Rosan:
Bravo!!! So ist es!!!

Freya Rosan (Rozan) ... Kind von Flüchtlingen mit polnisch-masurisch-preußisch-deutschen Wurzeln

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 04 vom April 195 9

Date: 2016/12/05 21:29:11
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 3   Bromberg / Der Marktplatz Westpreußens. Sein Wohlstand stand auf
Pferdehufen – Polen und Deutsche einst gute Nachbarn.
Nicht immer vermag die große Industrie das Gesicht ihrer Landschaft, ihrer
Städte und ihrer Menschen zu bestimmen. Bromberg besaß einst lange Zeit die
größten Zuckerfabriken Preußens. Und doch hat man industrielle Züge stets
vergeblich in der alten Marktstadt an der Mündung der Brahe in die Weichsel
gesucht. Obwohl eigentlich eine deutsche Gründung und durch viele
Jahrhunderte nahezu rein deutsch besiedelt, kam die heute fast 150 000
Einwohner zählende Stadt erst im Verlauf der verschiedenen polnischen
Teilungen 1772 an Preußen. Die großen alten Speicher, meist der Furie des
letzten Krieges zum Opfer gefallen, und die spätgotischen Kirchen stammen
aus älteren Tagen, als sich Zaren und polnische Könige um den wichtigen
Handelsplatz stritten. 

Damals hieß die Losung Brombergs auch noch nicht Zucker, sondern Korn und
Pferde. Die Bromberger Pferdehändler hatten im ganzen Osten einen Ruf, der
sich wesentlich von dem unterscheidet, was man seit langem mit den
abschätzigen Wortspielen um Pferdehändler abtut. Obwohl es die Kraffts und
Bergens und wie sie alle hießen, oft mit recht unkultivierten Strelnizen,
Bojaren und anderen halbasiatischen Adeligen des ganzen Ostraums als Käufer
und Verkäufer zu tun hatten, obwohl ihre Geschäftsritte sie bis hin nach
Kiew, Tula, Moskau und sogar bis Kasan führten, hielten sie sehr auf ihre
Rechtlichkeit, und manche Anekdote ist überliefert, die aus dem Munde eines
Michael Kohlhaas geflossen sein könnte. 

Die Industrie war „süß" 
Überhaupt ist die Verwandtschaft zu den Märkern und den Menschen in den
Brüchen der Oder entlang sehr viel näher als zu den namensnahen Ostpreußen.
So setzten denn auch die Preußen unter Friedrich dem Großen nach dem Erwerb
Brombergs ganz planmäßig die Ödlandgewinnungsarbeiten jenseits der alten
Grenze fort und verwandelten den Netzebruch, der einige Jahre zuvor noch
nicht einmal als Pferdeweide getaugt haben soll, in fruchtbares Neuland. Es
bedurfte dann nur noch der Entdeckung der Zuckergewinnung aus der Zuckerrübe
in der eisten Hälfte des vorigen Jahrhunderts und der große Korn- und
Pferdemarkt Bromberg wurde zur Stadt des Zuckers, in der im Herbst geduldig
stundenlang zahllose Gespanne mit Rübenladungen vor den Toren der großen
Zuckerfabriken standen. 

Zwei Menschenalter später besann man sich auf den Waldreichtum nördlich und
südlich der Brüche und schon gesellten sich Sägewerke und Möbelfabriken zu
der Zuckerindustrie. Betriebsame kleinere Werkstätten der Metallbranche, die
vornehmlich die westpreußische Landwirtschaft mit Geräten und Maschinen
belieferten, und einige chemische Betriebe kamen noch hinzu. Die polnische
Bevölkerung, häufig viel mehr dem kaschubisch-pruzzischen Restvolk
zuzurechnen als den eigentlichen Großpolen, lebte in untergeordneten
Positionen, aber sehr einträchtig mit den deutschen Kaufleuten,
Fabrikherren, Landwirten und Vorarbeitern. Viele Bromberger Slaven
vertauschten vor dem ersten Weltkrieg ihre minderbezahlten Plätze in der
jungen und kleinen Industrie mit guten Positionen im Ruhrrevier und —
mancher bekannte Fußballer mit polnisch klingendem Namen aus einem
westdeutschen Verein stammt noch in der Elterngeneration aus Bromberg.

Bromber erhielt nach dem Versailler Vertrag den schier unaussprechlichen
Namen Bydgoszcz. Durch freiwillige und unfreiwillige Aussiedlungen
verringerte sich der deutsche Bevölkerungsanteil der gerade jetzt erst
lebenskräftigen Stadt auf starke zehn Prozent. Zu Beginn des zweiten
Weltkrieges war Bromberg blutiger Schauplatz der Greul entmenschter
Rachefanatiker, deren Ausmaß allerdings nicht so groß war, wie es Goebbels
in schrillem Geschrei kolportieren ließ.

Neben den Renommierstädten Danzig, Gotenhafen, Posen und Litzmannstadt, fand
das wieder deutsche Bromberg, keine so rechte Gnade, vor den braunen Herren.
Die Schäden vom September 1939 waren auch kaum behoben, als die Front wieder
näher kam und die Deutschen Brombergs unter den Detonationen sowjetischer
Granaten den Todesmarsch aus ihrer Heimat antreten mussten: In den
Netze-Brüchen und den Tucheler Forsten blieben zahllose Flüchtlinge liegen.
Vielleicht wurden sie später einmal ohne Kreuz und Gebet verscharrt.

Bromberg war herb, eine Zweckstadt preußischer Art, wenn auch erst spät zu
Preußen gekommen. Sein Schicksal zwischen Deutschen und Slawen war hart und
tragisch.

Seite 3   Gdingen – Welthafen auf Befehl. Für Polen mehr als ein Hafen /
Gdingens deutsche Zeit war kurz.
Im Jahr 1920 gab die Warschauer Regierung den Befehl, Gdingen, das kleine
Fischernest, mit einer aus Deutschen und Kaschuben etwa zu gleichen Teilen
zusammengesetzten Bevölkerung von knapp 3000 Seelen, zum Haupt- und
Kriegshafen der Republik Polen auszubauen. Die reizenden kleinen
Fischerhäuser, die großen Netztrockenplätze, über die die schwermütigen
Lieder der Matrosen und der Fischersfrauen erklangen, verschwanden in einem
halben Jahrzehnt. Piers und Molen wurden aus dem Boden gestampft. Die
polnische Amerikalinie, deren Flaggschiff der jungen Stadt zu Ehren „Gdynia"
hieß, baute ihr pompöses Verwaltungsgebäude. Große Kräne zierten die Skyline
dieses jüngsten Hafens in Europa. Kohlenhalden wuchsen zum Himmel, Reserven
für den Fall, dass die Kohlenbahn aus Oberschlesien nicht gleichmäßig die
meist für Skandinavien deklarierten Schiffe versorgen konnte. Die polnische
Kriegsmarine baute Kasernen und Depots. 

Die eingesessene Bevölkerung blieb nur zum kleineren Teil in der schnell
wachsenden neuen Seemetropole Polens. 

Zu den Verbliebenen, die nun meist den Fischfangaufgaben und Beschäftigung
in dem aufstrebenden Hafen fanden, gesellten sich einige tausend Deutsche
aus anderen Teilen des Landes; Oberschlesier arbeiteten im Kohlenhafen,
Posener in den Werften, Westpreußen als Schauerleute, Inspektoren und
Ladeaufsichten. Als Anfang September 1939 die deutschen Truppen Gdynia
eroberten, dürften von den 120 000 Einwohnern etwa 6000 bis 7000 Deutsche
gewesen sein. Diese Zahl änderte sich sehr bald, als für „Gotenhafen"
(Hitler klang „Gdingen“ zu slawisch) ein Hafenprogramm ersten Ranges
aufgestellt und ohne Rücksicht auf Kosten und Material auch durchgeführt
wurde. Da Kiel und Wilhelmshafen, die Traditionshäfen der deutschen Flotte,
zu feindnah lagen, wurde Gotenhafen der letzte Hauptkriegshafen des
deutschen Reiches. Die in den Kämpfen des Septembers 1939 gerissenen
Gebäudelücken schlossen sich sehr schnell. Parteibauten, U-Bootbunker und
Depots wurden aus dem Boden gestampft, hohe und höchste militärische Stäbe
nahmen in den ehemals polnischen Verwaltungsgebäuden Quartier — bis das
Blatt sich wendete. Als Fluchthafen für Hunderttausende von Deutschen aus
Westpreußen und Posen, aus Ostpreußen und dem Memelland wurde Gotenhafen zum
blutigen Symbol des Untergangs des deutschen Ostraums überhaupt. Zerfetzte
Schiffsleiber vor dem Hafen und zerschossene Bauernwagen in den Straßen
markierten das letzte deutsche Kapitel Gdingens, das Wochen später schwer
zerstört wieder in russische und damit polnische Hände fiel. 

Doch für Warschau war Gdynia längst ein Symbol. Gerade diese Stadt musste,
koste es, was es wolle, wieder aufgebaut werden. Und so geschah es. Zwei
Dutzend deutsche Familien, vom Schicksal in diesen Winkel der Danziger Bucht
verschlagen, sind heute unter fast 150 000 Bewohnern die letzten Vertreter
des Volkes, das vor kaum 200 Jahren das Fischerdorf Gdingen zwischen Wald
und Sand begründete. Der Name Gotenhafen verschwand von allen Landkarten,
doch nicht aus dem Gedächtnis jener Menschen, die dort in den Straßenkämpfen
oder auf der Flucht die furchtbarsten Stunden ihres Lebens verbrachten.

Seite 3   Abneigung gegen jetzige Wirklichkeit. Ermländer und Masuren
unterscheiden sich vorteilhaft von polnischen Neusiedlern.
Den Fehlschlag aller bisherigen Bemühungen, die in Ostpreußen verbliebene
masurische und ermländische Bevölkerung mit den nach 1945 zugezogenen
polnischen Neusiedlern aus Zentral- und Ostpolen zu verschmelzen, muss die
in Allenstein erscheinende polnische Zeitung „Glos Olsztynski" eingestehen. 

Auf Grund umfangreicher soziologischer Untersuchungen stellt die Zeitung
fest, dass man in den betreffenden ostpreußischen Dörfern „eine ausnehmend
starke Abneigung gegen die jetzige Wirklichkeit" antreffe, „eine ostentative
Benutzung der deutschen Sprache". 

Ferner gebe es „in keinem dieser Dörfer einen Menschen, der sich nicht
früher oder später mit dem Gedanken getragen hat, Polen zu verlassen". Die
polnische Propaganda behauptet, dass diese deutschen Staatsbürger
tatsächlich „Autochthone" seien, also eine „bodenständige Bevölkerung
polnischer Herkunft". 

Demgegenüber muss „Glos Olsztynski" nunmehr berichten, dass sich die
Ermländer und Masuren nicht nur durch ihre deutsche Sprache, sondern durch
„eine ganze Reihe von Kulturmerkmalen" von den polnischen Neusiedlern
unterscheiden, nämlich durch „Bekleidung oder Ernährung, soziale Haltung,
moralische Werte, Art und Weise der Unterhaltung oder endlich durch den
ganzen Lebensstil im Alltag". 

Trotzdem glaubt die Zeitung allen „sehr pessimistischen Behauptungen zum
Thema des Mangels an Stabilisierung" die Erwartung entgegenstellen zu
können, dass zumindest in den Dörfern der anderen südostpreußischen Gebiete
der Integrierungsprozess fortschreiten werde. 

Seite 3   Die alte Glocke von Nidden 
In den Tagen des Zusammenbruchs 1945 stürmte litauischer Mob die
evangelische Kirche in Nidden auf der Kurischen Nehrung und ließ die schwere
Kirchenglocke vom Turm hinabstürzen. Aus der Kirche sollte ein Tanzboden
gemacht werden. Nur der Zähigkeit der deutschen Fischer ist es zu verdanken,
dass die Kirche heute wieder in einem schmucken Innengewande, mit
gerichteten Fenstern zum Gottesdienst lädt und dass die Glocke wieder von
ihrem alten Kirchturm die Gläubigen mahnt und ruft. Die Fischer hatten sich
nach der Katastrophe wieder zusammengefunden, sie retteten zunächst die
Glocke vor der Vernichtung, richteten die Kirche und führten Gottesdienste
durch. Auch heute noch kommt zu den etwa 30 evangelischen Deutschen von
Nidden nur selten der Pfarrer aus Prökuls. Trotzdem werden regelmäßig
Gottesdienste abgehalten, die von einem von der Gemeinde gewählten Fischer
durchgeführt werden. 

Seite 3   „Wolfsschanze " wird Touristenzentrum 
Auf dem Gelände des ehemaligen Führerhauptquartiers, der „Wolfschanze" bei
Rastenburg in Ostpreußen, beginnen die polnischen Behörden in diesem Jahr
mit dem Bau eines Touristenzentrums", das 1962 fertiggestellt sein soll. 

Seite 3   Sorgenkind Sanssouci
Sanssouci, das Rokoko-Kleinod im Park von Potsdam, in dem der große
Preußenkönig Friedrich Tage „ohne Sorgen" verbrachte (und das auch zu seinem
Sterbeort wurde) macht den SED-Gewaltigen von Potsdam und Berlin große
Sorgen. Nicht die Tatsache stört sie, dass das von Knobelsdorff erbaute
Schlösschen vor den Toren des Mekkas aller Preußen die Katastrophentage des
Jahres 1945 überlebt hat. Obwohl sie das Schloss und seine historische
Bedeutung als einen ideologischen Fremdkörper empfinden müssen und sicher
nichts dagegen hätten, wenn es in Trümmern läge und verrotte wie andere
steinerne Merkmale des friederizianischen Preußens in Potsdam und Berlin. 

Es sind die Fremdenführer, die der Parteileitung Kopfzerbrechen bereiten.
Trotz aller Schulung will und will es ihnen nicht gelingen, auf der
Parteilinie über die eindeutige geschichtliche Vergangenheit Sanssoucis und
damit Potsdams hinweg zu balancieren, wenn sie den Touristen das Schloss,
seine Entstehung und die Art seines Erbauers erläutern. 

Ohne Zimperlichkeit, was jede Art von Beseitigung angeht, hätte es die SED
eigentlich leicht, diesem offenbar staatsgefährdenden Umstand ein Ende zu
machen, indem Sanssouci schlichtweg geschlossen wird. Doch die Einnahmen aus
den Eintritts- und Führungsgebühren spielen im zuständigen Kapitel des
Staats-Etats keine kleine Rolle. Denn wer aus Ost oder West, in das sonst
sehr wesenlos gewordene dahindämmernde Potsdam verschlagen wird, der pilgert
nach Sanssouci. 

Das Offizielle Organ der SED, die „Berliner Zeitung", fordert daher
wetternd, es müsse jetzt endlich mal durchgegriffen und vor allem „Form und
Inhalt der Führungen durch Sanssouci" von Grund auf reformiert werden. Wie —
darüber schwieg sich die Zeitung allerdings aus. Es blieb bei der Rüge
allein. Kein Wunder. Es gibt nun mal auf der Welt gewisse Dinge, denen man
mit parteilichen Formulierungskunststückchen und Dialektik nicht beikommt.
Besonders dann, wenn ein Genie sie geschaffen hat, dem Schönheit und
Humanitas mehr waren als die Staatsmacht, die der Herr von Sanssouci nur als
ein Mittel zum Wohl seines Volkes übte. 

Seite 3   Unerfüllte Baupläne in Ostpreußen 
In Parteikreisen, zum Teil auch in öffentlichen Versammlungen der
„Wojewodschaftshauptstadt" Allenstein wurde „die viel zu langsame
Entwicklung des Bauwesens" im südlichen, polnisch verwalteten Ostpreußen
kritisiert. Abgesehen von der Nichterfüllung des Jahresplanes für 1958
wurden nicht einmal alle zur Verfügung gestellten Geldmittel und
Regierungskredite ausgenutzt. Die verantwortlichen Funktionäre
rechtfertigten die geringen Fortschritte erstens mit der Vielzahl der „nicht
oder nur mangelhaft aufeinander abgestimmten Projekte", zweitens mit dem
„chronischen Mangel an Facharbeitern" und drittens mit Erkrankungen und
„Bummelantentum", die im vergangenen Jahre noch beträchtlich gegenüber 1957
angestiegen seien (2,1 Prozent). 

Seite 3   Zu Gast bei Hauptmann 
Aus Gerhart Hauptmanns Alterssitz „Haus Wiesenstein" in Agnetendorf im
Riesengebirge ist ein Kinderheim geworden. Etwa 5000 Kinder waren, jeweils
in Gruppen von 80 Buben und Mädchen, bisher schon Gäste in dem
schlossartigen Anwesen. Die Einrichtung, die der Dichter hier zurückließ,
als auch er gezwungen war, Schlesien zu verlassen, wird außerordentlich
sorgsam behandelt; man ist sogar sehr zurückhaltend in der Installierung
notwendiger technischer Anlagen gewesen. Allerdings geht die Pflege des
Hauses als Erinnerungsstätte nicht so weit, dass etwa ein Schild oder eine
Gedenktafel auf den früheren Besitzer Gerhart Hauptmann hinweisen würde.

Seite 3   Königsberg – Kneiphof-Insel (Zeichnung)
„Nord-Ostpreußen ist als Touristenland uninteressant!“ Mit dieser Begründung
wurden Anfang 1958 alle skandinavischen Bemühungen abgeschnitten, die darauf
zielten, skandinavische Reisegesellschaften nach Königsberg und auf die
Kurische Nehrung zu entsenden. Die Verhandlung hierüber wurde mit der
Moskauer Intourist-Zentrale geführt. Das negative Ergebnis enttäuschte,
zumal die Sowjets schon seit Jahren den Besuch von Reval und Riga erlauben. 

In Königsberg, heute Kaliningrad, bleibt das Tor mithin weiterhin versperrt.
Hinter der sowjetischen Ablehnung steht offenbar die Tatsache, dass das
nördliche Ostpreußen nach wie vor als „Sperrzone“ gilt, die auch nach Süden,
also zum polnischen Nachbarn hin hermetisch abgeriegelt ist. Sachkenner
wollen daraus schließen, dass die ostpreußische Ostseeküste bis Memel mit
Abschussbasen für Raketen mittlerer Reichweite ausgerüstet sei. An Hinweisen
hierauf fehlt es seit Jahren nicht. 

Für ganz so uninteressant, wie die offizielle Antwort es wahrhaben möchte,
halten selbst die Russen die Stadt Königsberg nicht, an die unser Bild
erinnert. Am Königsberger Dom (Turm Bildmitte) befindet sich das Grabmal
Immanuel Kants. 1954 wurden die Kriegsschäden daran beseitigt. Es liegen
sowjetische Pressenotizen vor, denen zufolge Kants Grabmal heute von
zahllosen Sowjetbürgern aus allen Himmelsrichtungen voller Ehrfurcht besucht
und bewundert werde. 

Auch der Deutsche weiß, dass die bernsteinreiche Nordküste Ostpreußens, erst
recht aber die Kurische Nehrung mit den Wanderdünen Schönheiten birgt, wie
sie in Europa so leicht ein zweites Mal nicht aufzufinden sind.

Re: [OWP] Polnische Kirchenbücher?

Date: 2016/12/05 22:25:24
From: Martin Kunst <martin.kunst(a)t-online.de>

Ja, wo bleibt denn nun die Antwort auf die Frage nach dem Grundsatz?

Mir ist wohl so etwas in Erinnerung, dass zu Zeiten von Papst Johannes Paul
II kirchliches Archivmaterial von Deutschland in Kirchengemeinden unserer
verlorenen Heimat - in den polnischen Teil - verbracht worden ist. Auch
denke ich hier an die Dokumente, die vor einigen Jahren an Litauen übergeben
worden sind und um die nun gerade wieder mächtig bei den Memelländer
Kollegen gestritten wird.

Ich warte also auch immer noch auf eine Erklärung der Experten mit dem
Grundsatz-Wissen, wo denn beispielsweise die Kirchenbücher zu meinem
Kirchspiel Schirwindt liegen könnten (siehe
http://wiki-de.genealogy.net/Schirwindt ) - etwa in dem einzigen Haus, das
dort von der ehemaligen Stadt noch existiert, und in dem heute die
russischen Grenzwächter übernachten? Oder die zu meiner Taufkirche in
Willuhnen im Kreis Pillkallen (Anm.: im Winter 2002 konnten ich mir einen
der letzten Ziegelsteine der Kirche mitbringen, heute ist das längst wieder
Sperrgebiet).

Und weiter: welcher Grundsatz gilt für die sonstigen 133 ehemaligen Kirchen
im Oblast Kaliningrad, von denen vielleicht noch drei Dutzend mit einem Dach
existieren?

Und um die Frage nach dem "Grundsatz" auf die Spitze zu treiben: dann müsste
ja eigentlich ein Großteil der Archivbestände von Allenstein nach Königsberg
zurückgehen, denn von dort wurden sie ja 1944 zur Sicherung ausgelagert. 

Ich denke, dass es wie in vielen Dingen des Lebens einen solchen Grundsatz
wohl nicht gibt. Aber ich lasse mich gerne belehren.

Mit herzlichen Grüßen an die Wissenden und auch an alle anderen -
Martin Kunst (früher Kermuschienen Kr. Pillkallen)





-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ow-preussen-l-bounces(a)genealogy.net
[mailto:ow-preussen-l-bounces(a)genealogy.net] Im Auftrag von Jürgen
PetersSchlebusch
Gesendet: Montag, 5. Dezember 2016 08:01
An: OW-Preussen-L
Betreff: Re: [OWP] Polnische Kirchenbücher?



Am 05.12.2016 um 06:02 schrieb wikia-szlachta(a)gmx.de:
> Generell gilt der Grundsatz, dass das Archivgut dort aufzubewahren ist, wo
es entstanden ist.


Guten Morgen,

Grundsatz ?

Ist dies nicht völliger Unsinn wenn die ansässige Bevölkerung vertrieben und
das Gebiet durch eine andere Nation bevölkert wurde deren Angehörige keinen
Bezug zu den Archivalien (hier seien die Einträge in den Kirchenbüchern
gen.) haben.

Grüße
Jürgen

_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l


---
Diese E-Mail wurde von Avast Antivirus-Software auf Viren geprüft.
https://www.avast.com/antivirus

[OWP] Polnische Kirchenbücher?

Date: 2016/12/05 22:26:23
From: Viktor Haupt via OW-Preussen-L <ow-preussen-l(a)genealogy.net>

Liebe Listenleser,

ich beteilige mich nicht gern an Diskussionen, von denen ich den Eindruck gewinnen muss, dass etliche Beitragende kaum Bezug nehmen auf die bereits geäußerten Argumente, man die Äußerungen unerquicklich aneinander vorbei austauscht und stellenweise ins heutzutage viel geschmähte "postfaktische" abgleitet. Dennoch möchte ich einen Versuch zur Versachlichung der Debatte unternehmen:

1. Die fraglichen Kirchenbücher waren und bleiben im Besitz der Katholischen Kirche.
2. Die Entscheidung zur "Herausgabe" an ein anderes kirchliches Archiv lag und liegt ganz und gar bei der Katholischen Kirche.
3. Ich kenne mich zu wenig aus in dieser Kirche, um sagen zu können, auf welcher Ebene die Entscheidung zur Übergabe der KBs an Kirchenarchive auf heute polnischem Staatsgebiet gefallen ist (deutsche Bischöfe oder römische Kurie?). Keinesfalls können in dieser Frage staatliche Gebietskörperschaften/Institutionen/Behörden verantwortlich gemacht werden, denn diese sind und waren auf beiden Seiten nicht beteiligt.
4. Ich verstehe nicht, warum hier diskutiert wird, denn niemand muss einen Verlust oder gar eine Behinderung der Forschung beklagen. Die Forschungsituation wird durch die Übergabe von KBs an andere Kirchenarchive mitnichten beeinträchtigt. Faktisch bleibt alles beim Alten. Man findet die gesuchten Informationen nach wie vor auch im gewohnten Archiv durch entsprechende Kopien.
5. Wer aus welchen Gründen auch immer meinem unter Punkt 4) genannten Argument nicht folgen kann, hätte sich mit den zuständigen Instanzen der Katholischen Kirche auseinandersetzen müssen. Ein Lamentieren in Mailing-Listen führt zu NICHTS.
6. Sämtliche meiner Vorfahren sind seit spätestens 1525 evangelisch-lutherisch. Vielleicht trägt der Beitrag eines Unbetroffenen dennoch oder gerade deswegen zur Versachlichung bei.

Beste Grüße aus Berlin
Viktor Haupt
(geduldiger Listenleser und gelegentlich Betragender seit nunmehr über 15 Jahren!)



 



Re: [OWP] Polnische Kirchenbücher?

Date: 2016/12/05 22:54:35
From: Hans-Jürgen Wolf <info(a)westpreussen.de>

Am 05.12.2016 um 22:25 schrieb Martin Kunst:

...
Und weiter: welcher Grundsatz gilt für die sonstigen 133 ehemaligen Kirchen
im Oblast Kaliningrad, von denen vielleicht noch drei Dutzend mit einem Dach
existieren?
...

Sehr geehrter Herr Kunst,

ich kann Ihnen nicht sagen, wo die katholischen Kirchenbücher aus der Oblast Kaliningrad im inzelnen verblieben sind. Soweit Bücher von dort allerdings in das BZA in Regensburg gelangt sind, sind sie auch dort verblieben.

Es gibt kirchenrechtlich auch keinen Grund, an dieser Situation etwas zu verändern, weil die Eigentümer der Kirchenbücher in diesen Fällen (d. h. die örtlichen katholischen Kirchengemeinden) nicht mehr existieren und es in der Oblast auch keine katholischen Organisationsstrukturen mehr gibt.


--
Mit freundlichen Grüßen

Hans-Jürgen Wolf
Hinweise zur Familienforschung in Westpreußen
http://www.westpreussen.de

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 04 vom April 195 9

Date: 2016/12/05 23:16:24
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 4   Wir gratulieren!
Diamantene Hochzeit
Eheleute August Stadthaus und Therese Stadthaus, aus Königsberg/Pr.,
Bärenstraße 4, am 2. April 1959. Das Jubelpaar kam nach seiner Vertreibung
zunächst nach Dänemark und lebt jetzt bei seinen Kindern in Californien. 

Eheleute Carl Krohns und Wilhelmine Krohns, geb. Czesla, aus Lötzen (bis zur
Pensionierung des Jubilars lebte das Paar in Königsberg) am 27. Februar 1959
in Goslar, „Haus Abendfrieden". 

Eheleute Wilhelm Abrameit und Anna Abrameit, geb. Wittke, aus Angerapp am
24. März 1959 in Fallingbostel, Soltauer Straße 20. 

Goldene Hochzeit 
Eheleute Justus Küssner und Emma Küssner, geb. Schmidt, aus Reinsberg, Kreis
Briesen/Westpr. am 9. März 1959 in Welplage. Reinsberg, das nach dem ersten
Weltkrieg an Polen fiel, verließ das Paar und fand im Kreis Pyritz eine neue
Heimat, die es dann nach dem zweiten Weltkrieg abermals verlassen musste. 

Eheleute Friedrich Wilhelm Schlieter und Selma Schlieter, geb. Kilkowsky,
aus Nebrau/Ostpr. am 29. Februar 1959 in Bassum. 

Landwirt und Fischer Christoph Jurgan und Helene Jurgan, geb. Pleikies, aus
Skirwiet am 5. März 1959 in Nienstädt 

Eheleute Karl Raedel und Auguste Raedel, geb. Mohr, aus Fischhausen am 6.
März 1959 in Tätendorf-Eppensen. 

100. Geburtstag 
Wilhelmine Stockmann, geb. Manzel, aus Wittgen/Westpr., gebürtig aus
Malischewo, Kreis Leipe/Westpr., am 21. März 1959 in Walle, Kreis Verden, wo
sie mit ihrem Sohn und den Enkelkindern auf dem Hofe des Landwirts Meyer Nr.
10 ihren Lebensabend verbringt. 

95. Geburtstag 
Klara Klein, geb. Jockel, aus Perlsweide/ Ostpr., am 27. Februar 1959 in
Lehrte, An der Unterführung 5. Töchter, Enkel und Urenkel fanden sich zu
ihrem Ehrentag ein. 

93. Geburtstag 
Marie Schultz geb. Ramsay, aus Königsberg/Pr., am 29. März 1959 in
Hannover-Linden, Windheimstraße 49, in voller geistiger Frische und
körperlicher Rüstigkeit. Die Jubilarin ist eine eifrige Leserin unseres
Heimatblattes und nimmt regen Anteil am Zeitgeschehen. 

90. Geburtstag 
Witwe Martha Czygan, aus Königsberg/Pr. am 8. März 1959 in Uelzen, Am Anger
5, im Kreise ihrer Kinder, Enkel und Urenkel. 

81. Geburtstag 
Martha Wulf, aus Allenstein am 3. April 1959 in Berlin-Hermsdorf,
Werderstraße 3. 

75. Geburtstag 
Oberstudiendirektor Karl Brösicke, aus Allenstein am 18. April 1959 in
Berlin-Lichterfelde-Ost, Wienroder Pfad 15. 

April-Geburtstagskinder in Flensburg 
Otto Epha, aus Memel am 2. April 1959, 70 Jahre, jetzt wohnhaft Waldstraße
16. 

Karoline Hömke, aus Kafken, Kreis Samland, am 3. April 1959, 84 Jahre,
wohnhaft Voigtstraße 36. 

Johanna Neumann, aus Königsberg am 3. April 1959, 92 Jahre, wohnhaft
Mathildenstraße 6. 

Artur Liebe, aus Antonswiese, Kreis Elchniederung, am 5. April 1959, 80
Jahre, wohnhaft Friesische Straße 79. 

Hans Beckmann, aus Gilge am 7. April 1959, 75 Jahre, wohnhaft Große Straße
30. 

Berta Müller, aus Pillau am 11. April 1959, 87 Jahre, wohnhaft DRK-Heim. 

Sophie Brunslow, aus Gerdauen am 12. April 1959, 83 Jahre, wohnhaft
Flb.-Klues, Schulstraße 7. 

Emma Müller, aus Ostpreußen am 12. April 1959, 70 Jahre, wohnhaft Holm 17. 

Ella Fröhlich, aus Memel am 14. April 1959, 82 Jahre, wohnhaft Tilsiter
Straße 25. 

Elise Latt, aus Cranz am 18. April 1959, 85 Jahre, wohnhaft DRK-Heim. 

Franz Vanhöfen, aus Landsberg/Ostpr., am 20. April 1959, 70 Jahre, wohnhaft
Glücksburger Straße 181. 

Emilie Birth, aus Braunsberg am 21. April 1959, 75 Jahre, wohnhaft
Stuhrs-Allee 19. 

Franz Perrey, aus Königsberg am 22. April 1959, 80 Jahre, wohnhaft
Fruerlundlücke 9. 

Elisabeth Roddeck, aus Cranz am 23. April 1959, 82 Jahre, wohnhaft DRK-Heim.


Marie Sassor, aus Freidorf, Kreis Neidenburg, am 23. April 1959, 88 Jahre,
wohnhaft Husumer Straße 87. 

Luise Kuhnke, aus Insterburg am 30. April 1959, 82 Jahre, wohnhaft
Blücherstraße 15. 

Das Heimatblatt der Ost- und Westpreußen, die „Ostpreußen-Warte", gratuliert
allen Jubilaren von Herzen und wünscht recht viel Glück und auch weiter
beste Gesundheit.

Seite 4   Namensänderungen zulässig. Bei Ausspracheschwierigkeiten
slawischer Namen – Bund erließ Richtlinien.
Nach dem letzten Weltkrieg ist eine große Zahl von deutschen Staats- oder
Volksangehörigen aus dem Osten in das Bundesgebiet eingeströmt. Viele von
ihnen haben ausländische, vor allem polnisch klingende Namen, die
hierzulande nur mit großen Schwierigkeiten ausgesprochen oder geschrieben
werden können. Für den Träger eines solchen Namens ist es naturgemäß eine
große Belastung, wenn er bei Behörden oder im geschäftlichen und
gesellschaftlichen Leben immer wieder seinen Namen buchstabieren muss und
trotzdem ständige Wortverstümmelungen in Kauf zu nehmen hat. 

Das Bundesverwaltungsgericht hat nun in einer grundsätzlichen Entscheidung
(VII C 142/57) eine Namensänderung für zulässig erklärt, wenn der
betreffende Flüchtling bei seiner Eingliederung in das wirtschaftliche oder
soziale Leben seiner neuen Heimat infolge seines ausländischen Namens
nachweisbar wesentliche Schwierigkeiten hat. 

Während in dem genannten Fall die unteren Instanzen den Antragsteller mit
der Begründung abgewiesen hatten, die Schwierigkeiten, die sich durch die
Führung seines polnischen Namens ergäben, seien auch nicht größer als beim
Gebrauch zahlreicher deutscher Namen, betrachteten die
Bundesverwaltungsrichter das Problem mehr unter dem Gesichtspunkt der
Flüchtlingshilfe. Für die rasche Einordnung der Flüchtlinge und
Heimatvertriebenen komme es trotz aller staatlichen Maßnahmen auf die
Tatkraft des Einzelnen an. Man müsse daher alle Hindernisse amtlicher Art
aus dem Weg räumen, die solchen Bemühungen im Wege stünden. Die
Bundesregierung habe deshalb auch in den einschlägigen Richtlinien eine
Namensänderung ausnahmsweise zugelassen, wenn die Aussprache oder
Schreibweise eines Namens eine starke Behinderung für den, im Existenzaufbau
begriffenen Flüchtling darstelle. 

Seite 4   Standesamtliche Urkunden aus der Zone 
Heimatvertriebene, Umsiedler und Heimkehrer können standesamtliche
Personenstandsurkunden nach folgendem Verfahren aus der SB-Zone beziehen:
Antragsteller aus dem vorstehend erwähnten Personenkreis können im
Bedarfsfalle die Urkunden bei dem für ihren Wohnsitz zuständigen
Standesbeamten in Westdeutschland beantragen. Dieser Antrag wird in die
SB-Zone an den dort zuständigen Standesbeamten weitergeleitet (Die
Standesbeamten heißen dort „Beauftragte für das Personenstandswesen"). Die
Ausstellung der Urkunde erfolgt dort kostenlos. Sie wird nun an den
Standesbeamten in Westdeutschland gesandt, der dieselbe dem Antragsteller
aushändigt und die Urkundengebühr einzieht. Die Gebühren bleiben diesem Amt.
Im umgekehrten Falle ist es ebenso. Erfahrungsgemäß muss mit einer
Bearbeitungsdauer von 2 bis 4 Wochen gerechnet werden. 


Seite 4   Danzig erhält Theater 
Danzig soll auch sein Stadttheater wieder erhalten, das im letzten Krieg bis
auf die Umfassungsmauern zerstört wurde. Seit Jahren wird provisorisch in
einem Gebäude gespielt, das auch nach polnischen Aussagen mehr einer Scheune
als einer staatlichen Bühne ähnelt. Die Pläne zum Wiederaufbau des
Schauspielhauses an dem Holzmarkt wurden schon 1952 eingereicht. Aber sie
gelangten durch bürokratische Auseinandersetzungen zwischen Danzig und
Warschau niemals zur Verwirklichung. Jetzt hat die Stadtverwaltung einen
neuen Anlauf unternommen. 

Auch die Einwohner Danzigs waren aktiv. Durch Aufrufe der örtlichen Presse
angespornt, haben sie sich an die seit Jahren unangetastete Ruine
herangewagt und mit dem Aufräumen begonnen. Der leitende Bauingenieur hofft,
einem Warschauer Zeitungsbericht zufolge, dass nach den Aufräumungsarbeiten
noch in diesem Jahre mit dem Wiederaufbau des Theaters selbst begonnen
werden kann. Es soll nach den bisherigen Plänen 1965 fertiggestellt sein. 

Seite 4   Schriftsteller und Schulmann. Dr. Otto Pietsch 85 Jahre.
Am 27. März 1959 vollendete Dr. Otto Pietsch in Goslar, Wörthstraße, sein
85. Lebensjahr. Wer den alten Herrn vom Sehen kennt, hält ihn freilich
höchstens für einen Siebziger. In Königsberg (Ostpreußen) im Jahre 1874
geboren besuchte er dort das Gymnasium, studierte in seiner Heimatstadt,
außerdem in Heidelberg und München und promovierte zum Dr. phil. An der
Albertus-Universität in Königsberg. Anschließend war er längere Zeit als
Erzieher und Hauslehrer im Baltikum tätig. Dann hatte er die Möglichkeit,
fremde Länder zu bereisen. (Ganz Europa, Afrika, vord. Orient) Als er ein
literarisches Preisausschreiben gewonnen hatte, wurde er in die Lage
versetzt, eine Reise nach Nordamerika unternehmen zu können, um sein Wissen
und seine Sprachkenntnisse zu fördern.  1910 begann er mit der
Schriftstellerei. Unter seinen Romanen und Novellen sind bekannt geworden:
„Gewissen der Welt“, „Bicox und Co“, „Netz des Luzifers“ (auch ins Englische
übersetzt). Längere Zeit war er in Heidelberg ansässig, siedelte dann nach
Frankfurt an der Oder über, wo er ein eigenes Schülerheim leitete. Sein
pädagogisches Talent und sein gründlicher Unterricht schafften ihm große
Erfolge.

Im Jahre 1945 verlor er durch den Krieg sein Hab und Gut und siedelte mit
seiner Familie nach Goslar über. Dr. Pietsch, der damals 70 Jahre alt war,
gründete sich hier eine neue Existenz. Das ist das Besondere! Seine
unermüdliche Schaffenskraft befähigte ihn dazu. Er gab privaten
Sprachunterricht, den er noch heute durchführt. Es wurde bekannt, dass er
ein guter Lehrer ist, und so fehlt es nie an Schülern. In der
Volkshochschule ist er Dozent für die Fächer Englisch, Französisch,
Italienisch. Nebenbei unterrichtete er zwei Jahre lang in der
Fremdsprachenschule Zerhusen. Zurzeit lehrt er auch aushilfsweise in der
Christian-von-Dohm-Schule Französisch und Latein.

Dr. Pietsch ist ein Freund der Jugend. Viele seiner ehemaligen Schüler
stehen mit ihm in Verbindung, und es wandert mancher Brief auch über die
Meere — zu ihm. Schicksalsschläge blieben ihm nicht erspart. Er aber, der
durch Höhen und Tiefen des Lebens ging, bewahrte sich Heiterkeit des
Herzens, die ihn zum Vorbild macht. Wer sich mit ihm unterhalten, von seinem
großen Wissen erfahren und in seine gütigen Augen sehen darf, ist
bereichert. Durch seine liebenswürdige Persönlichkeit verschaffte er sich
viele Freunde in seiner neuen Heimat.

Seite 4     „Begegnung“
Im Januar erschien das erste Heft einer neuen und neuartigen
Zweimonatsschrift unter dem Titel „Begegnung", hrgg. vom Bundesverband der
Landsmannschaft Weichsel-Warthe. Die Zeitschrift, für die Peter
Nasarski-Berlin verantwortlich zeichnet, hat es sich zur Aufgabe gestellt,
eine Brücke zum polnischen Nachbarn zu schlagen, um die „ragenden
Schuldtürme" auf beiden Seiten abzutragen und für die Zukunft Wege zu
erschließen, auf denen eine Annäherung der Standpunkte und mehr noch eine
praktische Zusammenarbeit mit unserem östlichen Nachbarvolk möglich ist. Der
Bezugspreis für das Einzelheft beträgt DM 1,-- zuzügl. Porto. Bestellungen
sind an die Vertriebsstelle der Zeitschrift „Begegnung“,
Berlin-Charlottenburg 9, Kaiserdamn 83/IV, zu richten.

Seite 4   Suchdienst
Achtung Königsberger! Welcher Volkssturmmann war 1945 mit Otto Lange,
Königsberg, Albertstraße 4, zusammen? Der Gesuchte war Kraftfahrer beim
Volkssturm Schönbusch (Königsberg/Preußen). Wer weiß etwas über dessen
rätselhaftes Verschwinden am Verteidigungstag? Meldungen erbeten an Karl
Wiechert. (20b) Cramme über Wolfenbüttel, Im Winkel 8.

Re: [OWP] Viele Kalender in Geschichte und Gegenwart

Date: 2016/12/06 10:00:21
From: J.Rebuschat <j.rebuschat(a)web.de>

   Liebe Forscherfreunde,

   wenn jemand beim Anklicken in meiner vorigen Nachricht eine
   Fehlermeldung erhalten hat, empfehle ich jetzt die Benutzung dieses
   "Links":

         * http://www.myheimat.de/2686271
         * dann weiter unten: KALENDER

   Viele Grüße - mit der Bitte um Verständnis für den Fehler -
   Joachim Rebuschat

Am 05.12.2016 um 00:16 schrieb J.Rebuschat:
   KALENDER
   • Altskandinavischer Kalender
   • Calendarium Romanum Generale
   • Ewiger Kalender vom 01.01.0001 bis zum 31.12.9999
   • Germanische Zeitrechnung
   • Gregorianischer Kalender
   • Jüdischer Kalender
   • Julianischer Kalender
   • u. a.


Re: [OWP] Polnische Kirchenbücher?

Date: 2016/12/06 11:58:45
From: Roswitha Lindemann <r-lindemann(a)gmx.de>

   Hallo Herr Melzig,

   vielen Dank fuer Ihre freundlichen Zeilen!

   Dass Archivgut dort lagern solle, wo es entstanden ist, ist sicherlich
   ein vertretbarer Standpunkt, selbst wenn die betreffenden Menschen dort
   mittlerweile gar nicht mehr siedeln.

   Mir ging es lediglich um die anfaengliche politische Aeusserung - nicht
   von mir, sondern vielmehr von anderer(!) Seite, naemlich die
   Bezeichnung als "polnische" Kirchenbuecher.

   Dass Siegermaechte  und ihre Mitlaeufer faktisch Vertreibungen
   durchfuehren KOeNNEN, macht es nicht rechtmaessig. Genau deshalb ist es
   verboten. Voelkerrechtlich. Gerade weil es den Siegern nie
   schwerfaellt, die echte oder angebliche Schuld des Unterlegenen zu
   konstruieren und zu behaupten, wogegen der Unterlegene sich
   regelmaessig nicht wehren kann, gilt das Vertreibungsverbot vollkommen
   unabhaengig von der Vorgeschichte/"Entstehungsgeschichte" des
   jeweiligen Krieges. Und diese Schutzwirkung gilt - Ueberraschung! -
   auch fuer Deutsche!

   Darf ich Sie so verstehen, dass Sie die Formulierung "polnische"
   Kirchenbuecher als "nationale Gedanken" einstufen?

   Sollte es dann - konsequent in Ihren Bahnen gedacht - irrelevant bzw.
   in Ordnung sein, wenn sich diese Kirchenbuecher noch in Deutschland
   befaenden, weil Deutschland genauso (und schon sehr viel laenger) zur
   EU gehoert wie Polen? Oder ist das bei Ihnen etwa doch eine
   Einbahnstrasse, vorgeblich EU, aber tatsaechlich Hauptsache
   anti-deutsch?

   Mit freundlichen Gruessen

   Roswitha Lindemann



   Gesendet: Montag, 05. Dezember 2016 um 18:01 Uhr
   Von: "Jan Stefan Melzig" <forschung(a)familiemelzig.de>
   An: OW-Preussen-L <ow-preussen-l(a)genealogy.net>
   Betreff: Re: [OWP] Polnische Kirchenbuecher?
   Hallo zusammen,
   ich verstehe ja, dass man immer eine recht eigene Sicht auf
   verschiedene Dinge hat. Da meiner Ansicht nach mittlerweile mehrere
   Aspekte in diesem Thema verbunden sind, moechte ich mal meine Gedanken
   dazu sortieren.
   Archivgut gehoert generell dorthin wo es entstanden ist, also z.B. zu
   einem Ort in Ostpreussen. Im Beispiel koennten wir auch einen Ort in
   einem deutschen Braunkohlerevier nehmen.
   Nun wird die Bevoelkerung dieses Dorfes ausgetauscht, um es mal neutral
   zu formulieren. Sicherlich wurde die deutsche Bevoelkerung vertrieben,
   so wie von deutscher Seite auch polnische Doerfer entvoelkert wurden.
   Im Beispiel fliehen die Einwohner des ostpreussischen Dorfes in
   verschiedene Teile "Restdeutschlands", im zweiten Beispiel werden den
   Einwohnern des Braunkohle-Dorfes Ersatzhaeuser in verschiedenen
   Doerfern der Umgebung angeboten.
   Wo sollen denn nun die Kirchenbuecher, Standesamt-Akten etc. hin?
   Welches Dorf ist denn der Nachfolger der Einwohner des beispielhaften
   Dorfes? Fallen die Akten dann an den Staat? den Kreis? das Bundesland?
   Wo soll ich sie als Ahnenforscher denn dann finden? Daher ist das
   Prinzip der Provenienz in jedem Fall sinnvoll. Das Beispiel des
   Braunkohledorfes ist hierfuer vielleicht nicht mehr so passend, da ja
   physisch kein Archiv mehr vorhanden ist, solange aber beispielsweise
   das Archiv in Allenstein noch steht, kann ich mich doch an selbiges
   wenden und erhalte Auskunft. Und der Bezug zu Archivalien regelt sich
   nicht nach der Nationalitaet, Hautfarbe, Religion etc. Wenn ich mich
   fuer die Vergangenheit meines Landes, meiner Stadt, meiner Familie
   interessiere, dann bin ich bereit, mich mit der Geschichte
   auseinanderzusetzen. Wenn mich das alles nicht interessiert, mache ich
   das eben nicht.
   Wenn auf einen Ahnenforscher drei Nichtinteressierte kommen, dann
   heisst das ja auch nicht, dass man den "uninteressanten" Teil der
   Aufzeichnungen - ja was, der Stadt wegnehmen / verbrennen / ... soll,
   oder?
   Ich finde die Richtung dieser Debatte bedenklich, denn meiner Ansicht
   nach haben wir keine Veranlassung ueber den Sinn und Unsinn der
   Verschiebung riesiger Volksgruppen zwischen 1939 und 1950 zu
   entscheiden, denn wer traegt letztlich die Schuld? Die boesen Polen?
   Die boesen Russen, die die Polen vertrieben haben? Oder die boesen
   Deutschen, die die Polen und Russen ueberfallen haben? Oder die
   Westmaechte, die Deutschland das schoene Land im Osten weggenommen
   haben? Oder der Kaiser, weil er einen Krieg fuehren wollte? (Beliebig
   fortzusetzen).
   Vielleicht sollte ich diese Emails mal am Mittwoch mit meinem
   Geschichtskurs diskutieren und wieder einmal daran arbeiten, dass
   solche nationale Gedanken nicht mehr unsere Errungenschaft EU
   gefaehrden.
   Allen einen entspannten Abend,
   in der Hoffnung auf Beruhigung und produktivere Forschungsdiskussionen,
   Jan S Melzig, geb. 1976
   Am 05.12.2016 um 09:02 schrieb Roswitha Lindemann <r-lindemann(a)gmx.de>:
   > Jep. Genauso ist es.
   >
   > Gesendet: Montag, 05. Dezember 2016 um 08:01 Uhr
   > Von: "Juergen PetersSchlebusch" <Peters-Schlebusch(a)t-online.de>
   > An: OW-Preussen-L <ow-preussen-l(a)genealogy.net>
   > Betreff: Re: [OWP] Polnische Kirchenbuecher?
   > Am 05.12.2016 um 06:02 schrieb wikia-szlachta(a)gmx.de:
   >> Generell gilt der Grundsatz, dass das Archivgut dort aufzubewahren
   > ist, wo es entstanden ist.
   > Guten Morgen,
   > Grundsatz ?
   > Ist dies nicht voelliger Unsinn wenn die ansaessige Bevoelkerung
   > vertrieben
   > und das Gebiet durch eine andere Nation bevoelkert wurde deren
   > Angehoerige
   > keinen Bezug zu den Archivalien (hier seien die Eintraege in den
   > Kirchenbuechern gen.) haben.
   > Gruesse
   > Juergen
   > _______________________________________________
   > OW-Preussen-L mailing list
   > OW-Preussen-L(a)genealogy.net
   > [1][1]http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
   >
   > References
   >
   > 1. [2]http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
   > _______________________________________________
   > OW-Preussen-L mailing list
   > OW-Preussen-L(a)genealogy.net
   > [3]http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
   _______________________________________________
   OW-Preussen-L mailing list
   OW-Preussen-L(a)genealogy.net
   [4]http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l

References

   1. http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
   2. http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
   3. http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
   4. http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l

[OWP] Herkunft: Mertin STERNBERG und Peter STERNBERG ?

Date: 2016/12/06 13:03:56
From: Alexa Roettger <alexaroettger(a)t-online.de>

Liebe Listenmitglieder,
ich bin auf der Spur eines vermuteten Vorfahren. Die KB fehlen teilweise,
oder es existieren nur noch Register.
Ich hoffe, die Familie anhand der Ansiedlung eingrenzen zu können.
Ich suche nach der Herkunft von Mertin STERNBERG, der am 7.5.1723 (ohne
Familie) im Amt Kiauten registriert
wurde. Laut Siegfried Hungerecker (APG NF Band 20) sollen zu dem Zeitpunkt
hauptsächlich pommersche Kolonisten gekommen sein. Ich bin auch auf der
Suche nach der Herkunft von Peter STERNBERG, der in der Kartei
Ehmer als Bauer, 1736  2 Hufen in Warkallen , Amt Kiauten (B-Sch: F. 15361),
genannt wird. Wegen des gleichen Ortes vielleicht ein Verwandter?  Leider
weiß ich nicht, was die Informationen in der Klammer bedeuten.
Hat  sich schon jemand mit diesen Personen befasst und könnte mir
weiterhelfen?
Liebe Grüße
Alexa (Röttger






Re: [OWP] Herkunft: Mertin STERNBERG und Peter STERNBERG ?

Date: 2016/12/06 17:13:57
From: Gilangfeldt <Gilangfeldt(a)web.de>

Hallo Alexa,
(APG NF Band 20) Altpreußische Geschlechterkunde, Neue Folge, Band 20, darin ein Aufsatz von Siegfried Hungerecker; siehe Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen. (B-Sch: F. 15361) bezieht sich auf eine Publikation des Historikers Max Beheim-Schwarzbach, vermutlich Friedrich Wilhelm II. Kolonisationswerk, erschienen 1879. So weit ich mich erinnere, sind aber die Abkürzungen in der Kartei Ehmer erklärt.
Gruß Gisela Langfeldt

-----Ursprüngliche Nachricht----- From: Alexa Roettger
Sent: Tuesday, December 06, 2016 1:03 PM
To: OW-Preussen-L
Subject: [OWP] Herkunft: Mertin STERNBERG und Peter STERNBERG ?

Liebe Listenmitglieder,
ich bin auf der Spur eines vermuteten Vorfahren. Die KB fehlen teilweise,
oder es existieren nur noch Register.
Ich hoffe, die Familie anhand der Ansiedlung eingrenzen zu können.
Ich suche nach der Herkunft von Mertin STERNBERG, der am 7.5.1723 (ohne
Familie) im Amt Kiauten registriert
wurde. Laut Siegfried Hungerecker (APG NF Band 20) sollen zu dem Zeitpunkt
hauptsächlich pommersche Kolonisten gekommen sein. Ich bin auch auf der
Suche nach der Herkunft von Peter STERNBERG, der in der Kartei
Ehmer als Bauer, 1736  2 Hufen in Warkallen , Amt Kiauten (B-Sch: F. 15361),
genannt wird. Wegen des gleichen Ortes vielleicht ein Verwandter?  Leider
weiß ich nicht, was die Informationen in der Klammer bedeuten.
Hat  sich schon jemand mit diesen Personen befasst und könnte mir
weiterhelfen?
Liebe Grüße
Alexa (Röttger












_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l

[OWP] Zufallsfund Norkitten STELLBOGEN oo WOMRATH

Date: 2016/12/06 19:51:16
From: KuB Binder <kbbinder(a)gmx.de>

Hallo Liste,
im ref. KB St. Marien Dessau 1760 Nr.7, 26.08. Herr Leopold STELLBOGEN , Förster in Solnitz, ältester Sohn des Försters in Norkitten Johann Konrad Stellbogen und Jungfer Leopoldine Charlotte WOMRATH, Fürstl. Kammerjungfer, Tochter des verstorbenen Johann Peter Womrath in Qualendorf.

Möge es helfen.
Vorweihnachtliche Grüße von
Klaus (Binder)

[OWP] Ostpreußen-Warte. Folge 04 vom April 195 9

Date: 2016/12/06 19:56:32
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 5   Die Kogge. Jugend- und Kinderbeilage der Ostpreußen-Warte. Nummer
4. April 1959.

Er ist’s. Von Eduard Mörike.
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
wollen balde kommen.
Horch: von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

Foto: Birken im Frühling.

Seite 5   Wälder der Heimat. Von Ernst Wiechert.
Es gibt Wälder, die uns beglücken, und Wälder, die mit einer unsäglichen
Trauer sich über uns stürzen. Du gehst in sie hinein wie in alle Wälder,
aber mit dem ersten Schritt weißt du, dass sie dein Blut erfüllen werden mit
der dunklen Traurigkeit von Totenzimmern. Hast du die Nächte des blauen
Lichtes angetroffen, in denen ferne Gewitter hineinleuchten in die dunklen
Gründe und blasse Signale aus Wolken brechen; dann magst du glauben, dass
die Seele dieser Landschaft nach dir ruft. Es weint neben deinem Weg, wo das
Wollgras weißlich schimmert am Rande des Moores. Es weint gleich einem
verirrten Kind. Es weint nicht heraus, sondern in sich hinein. Du stehst und
lauschst. Ja, wenn du ein Stein wärest, würdest du lauschen. Und dann gehst
du dem Weinen nach. Die Stimme schweigt, und das blaue Licht tastet über
deine Stirn, blendet, irrt ab, erlischt. Dann ruft es wieder, tiefer im
Wald. Und erstirbt. Ein schwarzes Wasser glüht auf im blauen Licht. Nebel
steht wie Rauch im Erlengrund, und leise zittert die Espe, der Judasbaum, im
unsichtbaren Rauch. 

Sie werden dir sagen, es sei eine Eule. Aber du glaubst es nicht. Hinter den
Wäldern blickst du von den Hügeln zurück. Wie unendlich der Raum, wie
verloren der Menschen Spur! Da sind Horizonte, die nichts haben als einen
Baum, und du fühlst das Ungeheure seiner Bedeutung wie in deiner Heimat
einen gotischen Dom. Mit einem Male verstehst du, was ein Haus ist, ein
Herd, eines Menschen nahe Hand. Lange noch wendest du dich zurück, und in
den Nächten unter fremdem Dach stehst du am Fenster und horchst hinaus, ob
das Kind noch weine unter dem großen Mond. Du hast es nicht erlöst, und das
Herz ist dir schwer wie bei jenem Lied, das sie in den Wäldern sangen: „Es
dunkelt schon in der Heide ... nach Hause wollen wir gehn ..." 

Es ist gut, dass deine Heimat einen Zauber wirft über alle, die einkehren
bei ihr. Lange hat man nichts gewusst von ihr und das Reich der Macht und
Schönheit war nicht bei ihr, sondern an der Donau oder am Rhein. Aber nun
blickt man nach ihr, wie man nach den Toren blickt in ernster Zeit.

Seite 5   Aus unserer Bücherkiste 
Liebe Leseratten! 
Was wir Euch heute aus unserer Bücherkiste herausgreifen, hat nichts
seinesgleichen unter dem Jugendbuch-Angebot der letzten Jahre; das möchten
wir schon einmal vorwegschicken. Es ist 

Das Märchenbuch von heute. Von Arnold Krieger. Studio Schaffen und Forschen,
Darmstadt. Leinen, Schmuckeinband, mit zahlr. Farbtafeln von Heinz Schubert,
360 Seiten, DM 12,80. 
Der Verfasser, Westpreuße von Geburt, legt hier 17 moderne Märchen vor, wie
sie bislang noch nicht geschrieben worden sind: Märchen unserer Zeit — der
Atomzeit, möchte man sagen. Und wie gute Märchen zu allen Zeiten sich nicht
nur an ein bestimmtes jugendliches Lesealter richteten, so werden auch diese
bei Kindern und Erwachsenen in gleicher Weise eine begeisterte Leserschaft
finden. „Das Buch", schreibt Heinz Luckow im Heidelberger Tageblatt, „ist
ohne Vorgang und Beispiel: die siebzehn Märchen, die hier mit Charme und
sanfter Gewalt der Moral und der Gutherzigkeit dienlich sind, atmen
Wirklichkeit, sprechen die Sprache des 20. Jahrhunderts. Ein Buch, in dem
die Jugend sich selbst findet. Es ist schon eine Wonne!" 

Was können wir diesem Bekenntnis zu Kriegers neuem Buch noch hinzufügen?
Dies vielleicht: dass unser Atomzeitalter vielleicht mehr als jedes andere
vorher einen neuen Märchenschatz braucht, der in der Sprache unserer Zeit,
mit Bildern aus unserer Umwelt, mit Metaphern aus dem modernen technischen
Lexikon und utopischen Visionen den Menschen in seinem Innersten zu treffen
weiß. Arnold Krieger hat hier mit seinem „Märchenbuch von heute" den
Grundstock gelegt. Treffsicher kommen seine Gedichte und Gleichnisse an,
bestürzen — und lösen eine lange Gedankenkette aus. Sie machen nachdenklich
und führen so zu uns selbst zurück. Und das ist der Sinn eines Märchens. 

Ihr solltet Euch dieses Buch schenken lassen. 
Wir greifen noch einmal in unsere Bücherkiste, um besonders unseren jungen
Tierfreunden ein Buch zu empfehlen, auf dessen Titel Ihr vielleicht schon
durch den gleichnamigen Walt-Disney-Film aufmerksam geworden seid: 

Sein Freund Jello. Von Fred Gipson. Deutsch von Adolf Himmel. C. Bertelsmann
Verlag, Gütersloh. 160 Seiten mit 20 Illustrationen von Heiner Rotfuchs.
Hln. DM 5,80. 
Fred Gipson hat für dieses Hohelied der Freundschaft zwischen Mensch und
Tier schlichte und gerade darum zu Herzen gehende Worte gefunden. Travis
Coates, ein vierzehnjähriger Grenzer junge in Texas um die Zeit, da es noch
rau und hart im ehemals so „Wilden Westen" zuging, und Jello, sein
vierbeiniger Freund, von schäbiger Rasselosigkeit, aber beseelt von
aufopfernder Treue bis zum Tode, stehen im Mittelpunkt einer Geschichte
voller Kämpfe um Leib und Leben. Immer war es Jello, der erst missachtete
und dann so heißgeliebte Bastard, der sie für seinen Freund entschied. Seine
letzte Tat, bevor dieses tapfere „Herz auf vier Pfoten" aus dem Leben
schied: Jello hinterließ einen würdigen Nachfolger. 

Und nun möchten wir Euch noch besonders auf den 
Arbeitsbrief. Ausgabe 1/1959. Hrgg. von der Deutschen Jugend des Ostens, Bad
Kissingen. 64 Seiten, DM 1,-- 
aufmerksam machen. Diese Ausgabe ist dem „Deutschen Orden und seiner Zeit"
gewidmet. Ihr findet darin viel Lesestoff über die frühe Geschichte unserer
Heimat, dazwischen gestreut eine Reihe von Balladen, die ihre Stoffe aus
jener Zeit beziehen, u. a. von Agnes Miegel, Agnes Harder, Felix Dahn,
Emmanuel Geibel. Diese Zusammenstellung eignet sich besonders für die
Gestaltung von Heimatabenden. 

Sommerfreizeit der Jugend.
Liebe ostpreußische Mädchen und Jungen! 
Zum dritten Male ruft Euch die Landsmannschaft Ostpreußen zu einer
Sommerfreizeit! 
Ihr fragt wo? Wir haben diesmal einen Platz gewählt, der Euch allen zusagen
wird: Oerlinghausen. Der Ort liegt in der Nähe von Bielefeld inmitten des
Teutoburger Waldes und ist von großen Wäldern umgeben. 
Wir wollen uns in diesem Jahr in der zweiten Hälfte der Sommerferien
zusammenfinden, wollen wandern, singen, lachen, von der Heimat hören,
Lichtbilder und Filme sehen und natürlich auch tüchtig baden, doch vor allem
„frische Luft" schnappen und uns ordentlich erholen. 

Unser Dr. „Lups" — die Teilnehmer der letzten Freizeiten kennen ihn — wird
wieder mit von „der Partie" sein. Es wird wundervoll werden! 

Wer macht nun mit von Euch? 
Die Sommerfreizeit wird am 18. Juli beginnen und vierzehn Tage dauern. 
Die Kosten betragen für Mädchen und Jungen von 10 - 16 Jahren DM 40--, für
ältere DM 45,--. 
Es ist ein richtiges Zeltlager rund um das schöne Heim. Wer von den Mädchen
im Hause wohnen will, kann es auch. 
Und nun meldet Euch bis zum 10. Juli bei 
Hans Herrmann, Herne/Westfalen, Ringstraße 47. 
Je eher Ihr Euch anmeldet, desto besser! 
Nach Eurer Meldung erhaltet Ihr genaueren Bescheid. 
Die Lager sind für Mädchen und Jungen von 10 - 14 Jahren getrennt, nur für
die älteren gemeinsam. Doch für alle auf einem Platz. 
Die Leitung des Lagers wird in unseren Händen liegen. Geringe
Fahrtkostenzuschüsse können auf Antrag gewährt werden. 
Und nun — rüstet Euch! Wir freuen uns jetzt schon auf unsere gemeinsame
„Frei Zeit" und auf Euch. Eure Hans Herrmann, Landeswart und Edeltraut
Kuschmierz Landeswartin der ostpreußischen Jugend. 

Seite 5   Ullrich von Hutten.
In der Tat, wenn es einen gibt, der die deutsche Freiheit so vernichtet
wünscht, dass wir gegen kein Unrecht, keine Schmach mehr Einrede tun dürfen,
der möge zusehen, dass nicht jene so geknebelte und fast erwürgte Freiheit
einmal zu der Unterdrücker größtem Schaden, plötzlich ausbreche und sich
wiederherstelle ... Also Mut! ... und ihr, denen des Vaterlandes Freiheit am
Herzen liegt, die ihr Deutschlands Ehre erkennet und noch nicht ganz dem
Aberglauben verfallen seid, leset, waget Ähnliches und lebet wohl! 

Tut die Augen auf, ihr Deutschen, und sehet, wer es ist, der euch daheim
beraubt, auswärts in üblen Ruf bringt und an allem Unglück, allem Missstande
bei euch die Schuld trägt!

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 04 vom April 195 9

Date: 2016/12/06 22:12:42
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 6   Der Kampf um Balga
ist die neue Fortsetzungs-Erzählung für unsere Kogge-Leser. Sie führt uns in
die frühe Zeit des Deutschen Ritterordens in Ostpreußen. Der Verfasser
Johannes Voigt (1786 - 1863) ist ein Zeitgenosse Eichendorffs und bemühte
sich mit ihm und von Schön um die Wiederherstellung der Marienburg. Voigt
wirkte seit 1817 an der Albertina in Königsberg als Geschichtsprofessor und
Archivdirektor und widmete sich in seinen privaten Studien vor allem der
Ordenszeit. Die vorliegende Erzählung ist ein Ergebnis dieser eingehenden
Studien.

Seite 6   Johannes Voigt. Der Kampf um Balga.
Das Jahr 1239 war voll unruhiger Kriegsbewegung. Um die Schmach zu tilgen
und den Verlust rächen, welchen die Ordensritter vor kurzem bei Balga
erlitten, brach bald nachher fast die ganze Kriegsmacht des Ordens auf und
das Frische Haff hinabfahrend umlagerte der Ordensmarschall Dieterich von
Bernheim die feste Burg zu Wasser und zu Land. Das umherwohnende Volk aber,
erschrocken durch die Wiederkunft der fremden Kriegsleute in so großer Zahl,
war weit in die Wälder entwichen, den Rittern das ganze Gebiet um die Burg
freigebend. Der Marschall indessen war nicht unbelehrt geblieben durch die
Vorgänge der letzten Zeit; plötzlichen Überfall befürchtend, legte er
überall zum Schutze des Belagerungsvolkes an passliche Orte erlesene Haufen
von Schützen aus, die den anstürmenden Feind zurückhalten konnten. Darauf
begann er die Belagerung der Burg, die, wie man auskundschaftete, mit
starker Mannschaft besetzt war, über welche der edle Preuße Kodrune den
Befehl führte. Dieterich von Bernheim versuchte zuerst durch einen unter das
Bereich der Burg vorausgesandten Haufen von Schützen das dortige Kriegsvolk
zum Kampfe aufs offene Feld herauszulocken. Allein vergeblich; die Preußen
hielten sich fest hinter ihren Wehrmauern, erwartend, dass der Feind
näherkomme, um ihn dann durch einen plötzlichen Ausfall zu verwirren und zu
zerstreuen. Und als der Ordensmarschall nun mit dem gesamten Kriegsvolk
heranzog und Leitern und anderes Sturmgerät zum ernsten Angriff vor den
Mauern zu ordnen begann, da öffnete sich schnell das Tor der Burg und ein
starker Haufen rüstiger Wehrmänner stürmte zum Kampfe hervor, immer sich
noch vermehrend durch neue Scharen, die aus der Burg den Ihrigen zu Hilfe
eilten. Da aber der Sieg im blutigen Gewühl für die Ritter bald entschieden
war und der Preußen immer mehr und mehr verwundet und erschlagen wurden,
stürzten schnell die noch übrigen in die Burg zurück. Zwar folgten die
Deutschen eiligst nach, um mit den Preußen zugleich das Burgtor zu gewinnen
und es 
begann ein neuer Kampf, „da noch gar mancher feine Held fiel"; allein die
Preußen retteten die Burg und verteidigten sie auch ferner noch mit
männlichem Mute! 

Die Besatzung aber stellte sich nun nicht wieder zum offenen Kampfe und der
Ordensmarschall beschloss, die Burg so lange umlagert zu halten, bis Mangel
und Hunger die Übergabe bewirken würden. Da erschien eines Tages der
Befehlshaber der Mannschaft Kodrune im Lager der Ritter, mit dem Marschall
wegen der Übergabe zu unterhandeln. Die ganze Besatzung soll, so lautete das
Verlangen Dieterichs von Bernheim, den christlichen Glauben bekennen und
dann frei die Burg verlassen. Kodrune aber entgegnete dem: „Lieber werden
die Männer auf der Burg bis auf den letzten sterben“. Doch ward der
Befehlshaber durch manche lockende Versprechungen der Ordensritter dahin
bewogen, den Seinen diese Bedingung ihrer Befreiung mitzuteilen. Solches
geschah. Doch als der Hauptmann in die Burg zurückgekehrt, im Sinne der
Überredung vor den Kriegsmännern das Wort vom Christentum ausgesprochen und
dieses als das einzige Mittel der Errettung empfohlen, streckten ihn die
Ergrimmten mit ihren Keulen nieder, ahnend den Verrat an ihrem Volke und den
Frevel an den Göttern, den der Befehlshaber im Busen hege. Kaum aber hatte
der Ordensmarschall diese Tat vernommen, so begann er von neuem mit seiner
ganzen Kriegsmacht die Bestürmung der Burg, auf welcher zum Unheil der
Preußen mit des Hauptmanns Tod alle Ordnung und Regel im Kampfe entwichen
war. Bald erschöpfte sich auch die Mannschaft unter den Mühen des
Widerstandes; endlich ermatteten alle Kräfte; die Burg wurde erstürmt. Die
meisten der tapferen Krieger wurden in der Wut des Zornes erschlagen, andere
in Gefangenschaft hinweggeführt, und der Ordensmarschall, die Wichtigkeit
der Feste zur Gewinnung des ganzen Landes wohl erkennend, bemannte sie
sofort mit einer starken Besatzung. Seitdem ward Balga ein Ritterhaus des
Ordens und der Wohnort eines bedeutenden Konvents. 

In solcher Weise war den Ordensrittern ein neuer, äußerst wichtiger Schritt
gelungen. Balga bildete das Tor zum Eintritt in die nordöstlichen
Landschaften und war für das Kriegsvolk der Ritter ein ebenso günstig
gelegener, als fester und sicherer Haltpunkt, für ihre Kriegsweise aber und
für ihr ferneres Streben ein umso glücklicherer Vorschub, da sie, mit ihren
Schiffen das Frische Haff beherrschend, die Verbindung mit den gewonnenen
westlichen Landschaften leicht unterhalten und das neu erkämpfte Standlager
mit den nötigen Bedürfnissen immer hinlänglich versorgen konnten. Zugleich
war in den Seelen der Ordensritter neues Vertrauen auf das Gelingen ihrer
Sache erweckt und die Zuversicht, dass nun bald auch die ganze Landschaft
Warmien in des Ordens Besitz sein werde, verstärkte sich noch durch den
Umstand, dass es schien, als sei die wichtige Burg Balga von des Landes
Bewohnern in sorglosester Leichtfertigkeit ihren Feinden zum Preise gegeben,
als habe sich unter den Verscheuchten und Geflüchteten nicht einmal der
Gedanke zur Rettung der vaterländischen Burg gezeigt und als sei nirgends
eine Spur zu finden von einer gemeinsamen Verbindung unter den bedrohten
Landschaften zur Erhaltung der urväterlichen Freiheit und zur Abwehr der
allgemeinen Gefahr. Aber dem war nicht so. Die Ritter auf Balga ahnten
nicht, welche Bewegung im Inneren des Landes vorging; denn als die Nachricht
vom Verluste der wichtigen Landesfeste den Bewohnern Warmiens kund ward,
verbreitete sich Schrecken und Bangigkeit durch die ganze Volksmenge. Alles,
was zu den Waffen tüchtig war, strömte nahe und ferne zusammen, und als die
Zahl der Krieger sich schon bedeutend vermehrt hatte, trat der
Landeshauptmann oder der Reiks von Warmien, Piopso war sein Name, unter dem
versammelten Volke auf, mahnend an die schwere Gefahr des Landes, an die
Freiheit des Lebens, an das Schicksal der Nachkommen, an das Vertrauen auf
den Beistand der Götter. Ein wildes Gemurmel war des Beifalls und des Zornes
allgemeines Zeichen. Alles rief, Leib und Leben an den Wiedergewinn der Burg
zu setzen. Den Hauptmann an seiner Spitze brach darauf das erbitterte
Kriegsvolk gegen Balga auf und umlagerte die Burg, welche mittlerweile, so
viel die Zeit gestattet, von den Ordensrittern stärker befestigt worden war.
Die Aufforderung der Preußen zur Übergabe ward von den Rittern in stolzem
Trotze zurückgewiesen. Da rückte der Hauptmann näher, die Burg mit Sturm zu
gewinnen. Wie er gesprochen, so wollte er handeln“. Der oberste unter den
Kriegern, wollte er auch der nächste an den Burgmauern den übrigen durch Mut
und Kühnheit Muster und Beispiel sein, als er plötzlich von der Burg aus
durch das Geschoss eines Ordensritters tödlich getroffen niedersank. Ein
grauenvoller Schrecken ergriff den ganzen Haufen, und das gesamte Kriegsvolk
floh eiligst zurück in seine düsteren Wälder. 

Der Schrecken aber ging mit ihnen tief in das innere Land. Es waren nicht
wenige, welche verzagten und wankten in dem Vertrauen auf die Hilfe der
Götter und in der Hoffnung, gegen die wackeren geharnischten Ritter und ihr
geübtes und gut bewaffnetes Kriegsvolk auf die Länge mit ihrer Kraft
bestehen zu können. Vor allen waren es die Edlen, die Vornehmeren, Männer
aus der reicheren Klasse des Volkes, welche vielleicht aus Besorgnis um die
Erhaltung des Ihrigen, teils wohl auch verlockt durch verführerische
Verheißungen von selten der Ordensritter, teils getrieben durch irgendeine
Leidenschaft oder durch Schwäche sich den Rittern auf Balga zuwandten, mit
Weib und Kind sich ihrem Schutze vertrauten, den christlichen Glauben
bekannten und der Sache des Ordens mit Rat und Tat zu Hilfe standen. Wohl
mögen schon jetzt die Ritter, wie nachmals auch im Samland geschah, nicht
selten die verführerische Kunst geübt haben, zuerst vorzüglich die
Angesehensten und die Mächtigsten im Volke durch Versprechungen, Belohnungen
und Gewährung ausgezeichneter Vorzüge für sich zu gewinnen und von den
Ihrigen zu trennen. Für die Pläne des Ordens war solches immer in vieler
Hinsicht von äußerster Wichtigkeit. 
(Fortsetzung folgt)

Seite 6   Gerhard Bedarff. Der Befehl. Eine Erzählung aus der Geschichte des
Bernsteins. Alle Rechte beim Autor. 6. Fortsetzung.
Mitten in der Nacht hob ein Heulen und Brausen an, ein starkes Rauschen
ertönte, und am Morgen, als Publius fröstelnd vor das Haus trat, sah er ein
wild aufgerührtes Meer vor sich. Beim Zeus! Es war kalt geworden.
Gleichmäßig rauschten die schaumgekrönten Wogen heran, braunen Tang auf das
Ufer werfend. 

Sein Wirt, der neben ihn getreten war, bedeutete ihm mitzukommen. Neugierig
folgte Publius, und da sah er auch schon etwas braun im Blasentang
schimmern. Er wollte darauf zugehen, aber der Samländer hielt ihn zurück; er
sagte ihm etwas, was er nicht verstand. Bodo war seinem Herrn gefolgt.
Aufmerksam hatte er zugehört, und er übersetzte: „Dein Wirt meint, es wäre
jetzt gefährlich, den Stein herauszuholen. Erst müsste der Meergott versöhnt
werden, damit sich das Wasser beruhigt, dann könnte man erst ins Meer
steigen, um die Tränen des Gottes herauszuholen“. Das leuchtete dem Römer
ein, und er ließ sich willig weiterziehen. Der ganze Strand war mit Tang
bedeckt. und der Samländer rieb sich zufrieden die Hände. Auch andere
Fischer waren am Strand unterwegs, und froh riefen sie sich zu, dass es
wieder einmal eine gute Ernte geben würde. 

Es dauerte Stunden, bis sich das Meer beruhigt hatte. Jetzt strömten die
Bernsteinfischer heraus aus ihren Hütten, und Publius sah ein einmaliges
Bild. Jeder hatte ein Netz mit einem langen Stiel in der Hand. Mit dem
hantierten sie sehr geschickt herum. Sie gingen ziemlich weit ins Wasser,
tauchten das Netz ein und zogen es hinter sich her auf den Strand. Die Beute
war ziemlich groß. Allerhand hatte sich angesammelt. Was da an Bernstein
zusammenkam! Das hätte Publius nicht für möglich gehalten! Große Stücke,
alle möglichen braunen Farbschattierungen waren da zu sehen. Publius freute
sich, da würde er einen guten Handel machen! 

Bodo versuchte auch, ein gefülltes Netz herauszuziehen; das war aber sehr
schwer. Er keuchte und stöhnte zum Gotterbarmen, bis er es geschafft hatte.
„Ich hätte nicht gedacht, Herr, dass der Meergott seine Tränen so schwer
hergeben würde!" schnaufte er schweratmend zu Publius. 

Ihr särländischer Wirt lächelte und sagte zu Bodo: „Die Meergötter sind nur
uns gut gesonnen. Hier stehst du noch unter meinem Schutz, aber wenn du das
ohne mich versuchen wolltest, dann würde dich der Meergott ohne Gnade
verschlingen!" Bodo glaubte ihm aufs Wort. Und wenn er vorher die Absicht
gehabt hatte, ein klein wenig „im Trüben, zu fischen", so gab er den
Gedanken sofort wieder auf. 

Publius war der leicht drohende Unterton seines Wirtes nicht entgangen. Er
wollte es auch nicht mit den Leuten hier verderben und beschloss, ganz reell
zu handeln. 

Um es gleich vorweg zu sagen: Er wurde seine Ware reißend los; vor allem die
Waffen brachten ihm sehr viel Bernstein ein. Zum ersten Male bedauerte er
es, dass er nicht mehr Waffen mitgenommen hatte. 

Nach einigen Wochen konnte er sich auf den Rückweg machen. Als römischer
Offizier hatte er sich sorgfältige Aufzeichnungen gemacht, unter anderem
auch versucht, die Lage und den Umfang der Ostsee festzustellen; denn vorher
haben die Römer nichts von deren Existenz gewusst. Er fand den Rückweg ohne
Schwierigkeiten und machte an denselben Stellen Rast, an denen er sich auf
der Hinfahrt aufgehalten hatte. Jetzt konnte er seinen Gastfreunden auch mit
dem kostbaren Bernstein aufwarten. 

Nach Jahr und Tag fuhr er mit seinen Wagen und Mannschaften, in die der Tod
einige Lücken gerissen hatte, ratternd in Carnuntum (Petronell) an der Donau
wieder ein. 

Zu Hause 
Julianus, der Statthalter von Carnuntum, sitzt in seinem Zimmer, als ein
Bote ihm die Meldung von der Rückkehr Publius bringt. Kurz danach klopft es.


Publius, vorschriftsmäßig gerüstet, mit unheimlichen Bartstoppeln, rasselt
herein: „Statthalter, ich melde mich von der Fahrt ins Bernsteinland zurück;
ich habe den Befehl ausgeführt. Alle Wagen sind 
mit Bernstein gefüllt. Verluste; 5 Legionäre. 3 Fuhrleute. Sämtliche Pferde
musste ich unterwegs auswechseln. Ich schlage die Germanen Bodo und Theobald
zu Unteroffizieren vor; sie haben mehr als einmal den ganzen Zug gerettet“. 

„Ich danke dir! Die Ladung muss morgen nach Rom weiter. Du meldest dich beim
Palastkommandanten des Imperatores. Er weiß Bescheid. Er ist mein Freund. —
Heute Abend bist du mein Gast“. 

Wochen später. 
In Rom hat der Diktator Nero ein Circusspiel bekanntgeben lassen. Der
gewaltige Raum des Circus maximus ist bis obenhin mit einer brodelnden
Menschenmenge gefüllt, die gierig und lüstern den, blutigen Kämpfen und
Spielen zuschaut. Gladiatoren kämpfen gerade gegeneinander. Ihre Waffen sind
reich mit leuchtendem, braunem Bernstein geschmückt. Ihr Kampf geht zu Ende.
Der Diktator zeigt mit dem Daumen nach unten. Das bedeutet Tod dem
Besiegten. Die Toten werden durch Maschinen weggeschleift. Selbst diese
Maschinen sind mit Bernstein geschmückt. Neue Kämpfer erscheinen. Überall
Bernstein, Bernstein und nochmals Bernstein. Er leuchtet und funkelt in den
Tausenden von Fackeln wie Tränen an den Augenwimpern. 

Sehr nachdenklich geht Publius, der diesen Spielen zuschaute, in sein
Quartier zurück. „Beim Zeus!" denkt er sich. „Es sind Tränen, die ich
mitgebracht habe“. Einige Tage später reitet er nach Carnuntum zurück. Ihm
gefiel es nicht mehr in Rom. Dieser weichliche und verweichlichte Mob, der
nichts verstand, als ohne eigenen Einsatz und ohne eigene Gefahr töten zu
lassen, stieß ihn ab. Seine große Fahrt hatte ihn zu einem Mann mit trüben
Ahnungen werden lassen. 

Wenn die Ahnungen auch nicht zu seinen Lebzeiten in Erfüllung gingen, eines
Tages erlag Rom dem Ansturm der frischen und unverbrauchten Völker aus dem
Norden. 

Der Weg aber, den Publius gemacht hatte, wurde für die römischen Händler ein
vielbefahrener Handelsweg, um Bernstein aus dem hohen Norden zu holen. Wer
gute Augen hat, kann ihn teilweise auch heute noch verfolgen. (Schluss)

Seite 6   Das große Licht. Von Simon Dach.
Die wir in Todes Schatten 
so lang gesessen sind 
und kein Erleuchtung hatten, 
in Gottes Sachen blind, 
und konnten nichts verstehen, 
nicht Gnaden noch Gericht, 
sehn über uns aulgehen 
an jetzt ein großes Licht. 

Ein Licht, dadurch wir schauen 
in Gottes Herz hinein, 
dass er in Zuvertrauen 
der Unser nun will sein; 
ein Licht, das heftig brennet 
in unser Fleisch und Blut, 
dass sich ein Mensch erkennet 
und was für Sünd er tut. 

Ein Licht, das plötzlich fähret 
tief in der Gräber Nacht 
und uns den Tod erkläret 
mit aller seiner Macht, 
das uns vor Augen malet, 
wie nichts sei Welt und Zeit, 
und wie vor allen strahlet 
der Glanz der Ewigkeit.

Der Königsberger Dichter Simon Dach starb vor 300 Jahren am 19.04.1659. Das
Werk des Dichters würdigen wir ausführlich auf Seite 10 dieser Ausgabe.

Seite 6   Liebe Kogge-Leser! 
Gerne möchten wir hoffen, dass Ihr mit Spannung und Interesse unserer
Fortsetzungs-Erzählung. „Der Befehl“ gefolgt seid. Wir möchten daher nicht
versäumen. Euch heute darauf hinzuweisen, dass der Verfasser dieser schönen
Erzählung um das „Gold des Nordens" sich schon wiederholt in seinem Schaffen
dem Bernstein und seiner Geschichte zugewandt hat. Seine Erzählung „Der
geheimnisvolle Stein" ist bereits vor Jahren als Broschüre erschienen und
kann beim Heimatbuchdienst Braunschweig, Donnerburgweg 50, zum Preise von DM
--,95 (zuzügl. 10 Pfg. Porto) bezogen werden. Ihr erfahrt in dieser
Erzählung noch mehr über unseren Bernstein, über seine Entstehung, seinen
Handel in alter Zeit und wie er auf abenteuerlichem Wege bis in den Orient,
nach Afrika und Asien gelangte.
Ein jeder ostpreußische Junge und jedes ostpreußische Mädchen sollte dieses
Büchlein besitzen!

[OWP] Familie KIESEL aus Trappönen

Date: 2016/12/07 05:09:46
From: Klaus-Dieter Schulze <kropperschulze(a)web.de>

Hallo, werte Listenteilnehmer, suche Daten zu einer Familie KIESEL aus Trappönen.
Bekannt ist bisher nur Erna KIESEL geboren am 18.06.1908 später verheiratete PESCHEL.
Nach mündlicher Überlieferung sollen ihre Vorfahren aus dem gleichen Ort stammen.
Sind die KB aus Trappönen online verfügbar? ( habe ABO bei ancestry ).
MFG Klaus-Dieter Schulze

[OWP] Todesanzeige mit Elbschaufel: Alfred Petrulat

Date: 2016/12/07 09:13:14
From: Mirco Stodollick <stodollick(a)gmx.de>

Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 25.11.2016

Alfred Petrulat, geboren 24.4.1933 in Schenkendorf, Kreis Labiau
gestorben 18.11.2016 in Essen

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 04 vom April 195 9

Date: 2016/12/07 11:09:24
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 7   Das Ostpreußische Jagdmuseum in Lüneburg. „Hie guet ostpreußisch
Waydewerk allerwegen!“
Zwei Monate nach seiner Eröffnung konnte das ostpreußische Jagdmuseum in
Lüneburg seinen tausendsten Besucher begrüßen. Bis diese Zeilen
veröffentlicht werden, dürfte sich die Besucherzahl wohl verdoppelt haben.

Schon einmal berichteten wir über die Vorgeschichte und die Planung dieses
Museums, das seinesgleichen nicht hat. Wir haben darüber berichtet, als die
Eröffnung für den Herbst 1958 im Rahmen der Lüneburger Heimatwoche geplant
war. Die Eröffnung jedoch hat sich verzögert, und erst am 7. Dezember 1958
hat das Museum, hat sein nimmermüder Initiator und Schöpfer, Forstmeister z.
Ww. Loeffke, seine ersten Gäste begrüßen können. 

Über die Vorgeschichte dieser Schöpfung brauchen wir daher nicht viele Worte
zu verlieren. Immerhin dürfte es nützlich sein, sich einige Anhaltspunkte
ins Gedächtnis zurückzurufen. 

Im Jahre 1950 ist die ostpreußische Jägerschaft im Exil mit einer ersten
jagdlich-reiterlichen Veranstaltung in Hamburg an die Öffentlichkeit
getreten. Drei Jahre später gab es die erste ostpreußische Jagdausstellung
in Bochum, ein Jahr darauf eine Gedenkschau an den Deutschen Osten im Rahmen
der Internationalen Jagdausstellung in Düsseldorf. 1956 wurden ostpreußische
Spitzentrophäen im Rahmen der DLG-Ausstellung Hannover gezeigt. Im Jahre
1958 schließlich war es dann so weit. Das „Ostpreußische Jagdmuseum — Wild,
Wald, Pferde Ostpreußens e. V." wurde aus der Taufe gehoben. Die Patenschaft
übernahmen Bundesminister Lübke, der niedersächsische Minister von Kessel,
Oberstjägermeister a. D. Scherping, der Präsident des Deutschen
Naturschutzringes, Prof. Dr. Dr. Krieg, Landrat Hahn Lüneburg und der
Landesverband niedersächsischer Reit- und Fahrvereine. 

Welches die Aufgabe ist, die sich das Museum gestellt hat, können wir auf
einer Tafel an der Stirnseite des Raumes lesen, wo die prächtigen Geweihe
stärkster Hirsche die Blicke des Besuchers auf sich ziehen, der den großen
hallenartigen Raum im Dachgeschoss des alten Lüneburger Kaufhauses entlang
schreitet, in dem das Museum untergebracht ist. 

„Diese Trophäen", heißt es hier, „aus dem Deutschland von der Weichsel bis
zur Memel, oft unter Gefahr für Leib und Leben unter bewusster Opferung von
lebensnotwendigen Besitz gerettet, stehen stellvertretend für die vielen,
die im Chaos untergegangen sind. Sie sprechen mit stummer, aber umso
beredterer Sprache von der großen jagdlichen Tradition jenes deutschen
Raumes zwischen Weichsel und Memel. Sie zeugen für die Heimat und das
unveräußerliche Recht auf sie“. 

Hier sehen wir das Geweih des Matador, des drittstärksten Hirsches, der
nachweislich seit 200 Jahren gestreckt worden ist; nur ein im Jahre 1720 vom
Fürsten Schwarzenberg und ein im Jahre 1954 in Jugoslawien gestreckter
Hirsch weisen stärkere Geweihe auf als Matador, dessen Geweih mit seinen
zweiundzwanzig Enden und einem Gewicht von 11,6 kg mit 228 Nadlerpunkten
bewertet worden ist. Matador wurde im Jahre 1942 in der Revierförsterei
Kausch gestreckt und besaß das prächtigste Geweih, das jemals auf einer
Ausstellung gezeigt worden ist. Aber auch Herkules, von Generaloberst
Freiherr von Richthofen im Jahre 1943 in Rominten erlegt, Odin aus dem
Forstamt Wehrkirchen in der Rominter Heide, Augustus (1943 im Forstamt
Rominten erlegt) und Marschall (1941, Forstamt Barckhausen) stehen dem
kapitalen Matador kaum nach. 

Neben einem der Geweihe trägt eine Tafel die Inschrift: „Aus der
eingeschlossenen Festung Danzig bleibt den letzten Verteidigern nur der
Fluchtweg unter Wasser offen. Ein U-Boot taucht mit diesem kapitalen
Hirschgeweih am Kommandoturm, gleichsam als Gallionsfigur, gen Westen in die
Freiheit". Ein Elchgeweih daneben stand Modell für das Brandzeichen des
ostpreußischen Edelpferdes, des berühmten Trakehners, der diesen Brand seit
dem Jahre 1787 führt. 

Eine große Karte zeigt die Rominter Heide in ihrer gesamten, eine Fläche von
25 000 Hektar umfassenden Ausdehnung. Hier standen die stärksten Hirsche
Europas. Bilder daneben erinnern an das Jagdschloss Kaiserlich Rominten und
an den Reichsjägerhof in der Rominter Heide. Überhaupt zeigt ein
reichhaltiges Bildmaterial nicht nur die bekanntesten Jäger und Heger
Ostpreußens und eine Reihe ihrer Trophäen, es zeigt auch in zwölf Bildern
bildschöne Trakehner Hengste und manch schönes Jagdbild von Künstlerhand. 

Neben dem Bild ist auch der anschaulichen, einprägsamen Karte ein
beherrschender Platz eingeräumt und dem Bedürfnis des heutigen Menschen nach
Vermittlung optischer Eindrücke in hohem Maße Rechnung getragen worden. So
zeigt eine Karte die Verbreitung der Elche in Ostpreußen, eine weitere das
jetzige Elchvorkommen in Ostpreußen nach dem Stand von 1958, denn es ist
nicht so, als wären sämtliche Elche dem Jahre 1945 zum Opfer gefallen. Eine
Neueinwanderung aus dem baltischen Raum wird dabei für möglich gehalten.
Weitere Karten zeigen Wolfsgebiete und Wolfsvorkommen in Ost- und in
Westpreußen seit dem Jahre 1900. 

Weiter sehen wir die Standarte des Provinzialverbandes der ländlichen
Reitervereine Ostpreußens, die Standarde der Ostpreußischen Jägerschaft, die
Fahne der Schützengilde Pillau um 1800, Schützenschilde von 1732 - 1940, wir
sehen Hengst- und Stutbücher, Literatur über Falkenfang und -schule im
Ordensland Preußen und ihre Bedeutung für Deutschland und Europa. Wir sehen
einen Jagdwagen, Gewehre und in Vitrinen Uniformen und Schmuck aus der im
gleichen Hause befindlichen Werkstatt des Goldschmiedes Professor- Zeitner. 

Das gewaltige Haupt eines Wisentstieres aus dem ostpreußischen Elchwald
erinnert an die erfolgreichen Einbürgerungsversuche, die man mit diesem
prächtigen Wild in den Jahren 1941/1942 in Ostpreußen vorgenommen hat. Der
Kopf eines Elches und Luchs und Wolf in schönen ausgestopften Exemplaren
bilden den Grundstock einer Tiersammlung, deren weiterer Ausbau u. a. durch
die geplante Aufstellung eines Elchdioramas in ostpreußischer Landschaft
vorgesehen ist. 

Es ist dies nicht die einzige Planung für die Zukunft. So befindet sich eine
Abteilung „Reiterei und Pferdezucht" im Aufbau, auch sollen die geretteten
Bestände des Museums des Deutschen Ritterordens und des Königsberger Museums
in Lüneburg Aufstellung finden. Wir freuen uns über diese weiteren
Planungen, zu denen auch eine Berücksichtigung des Falkenhofes Ortelsburg
und der berühmten Vogelwarte Rossitten gehört, dürfen aber auch heute schon
sagen, dass mit der Schaffung des ostpreußischen Jagdmuseums nicht nur
Lüneburg um eine Sehenswürdigkeit reicher geworden ist, sondern dass hier
eine Stätte geschaffen wurde, die ihresgleichen nicht hat, ein Denkmal
Ostpreußens, seines Waldes, seines Wildes und seiner Jagd. Ein Denkmal der
ostpreußischen Jägerschaft, deren Devise  „war, ist, bleibt, gestern in der
Heimat, heute im Exil fern von ihr, und morgen wieder in der Heimat —
immerdar: Hie guet deutsch, hie guet ostpreußisch Waydewerk allerwegen!"
Erik Thomson

Seite 7   Für unsere Jagd- und Naturfreunde.
Abgebildet ist eine Zeichnung von einem Geweih.

Seite 7   Rominten. Auerochse und Wisent im ostpreußischen Jagdparadies.
Der Auerochse, von den Alten „Ur", „Uwer" oder „Auer" genannt, ist neben dem
Wisent, der auch „wesent", „weczent" oder „wesant" bezeichnet wird, in der
„Großen Wildnis" noch zur Ordenszeit vorgekommen. Leider geht die
Beschreibung dieser beiden Wildrinder stark durcheinander, seitdem vor allem
seit Ende der Ordenszeit die Bezeichnung „Wesent" völlig verschwunden war,
und nur noch vom „Uwer" oder Auer die Rede ist. Mit diesen Auern oder Uwern
ist aber zweifellos in späterer Zeit der Wisent gemeint. Bei diesem
Durcheinander in der Bezeichnung der beiden Tierarten ist es schwierig, ein
klares Bild über das Vorkommen zu erhalten. Es scheint jedoch festzustehen,
dass der echte Ur noch 1527 in wenigen Herden in Masovien lebte. In dem
berühmten Bericht über seine Gesandschaftsreisen beschreibt Freiherr v.
Herberstein in diesem Jahre den Ur nach Größe und Farbe einwandfrei. Dass
der Ur aber bestimmt in früherer Zeit in ganz Ostpreußen, also auch in der
Rominter Heide vorgekommen ist, beweisen verschiedene Knochenfunde. So wurde
im Jahre 1840 im Kreise Stallupönen, also unweit der Rominter Heide, in
einem Torfbruch ein vollständiges Skelett eines Ur gefunden, und im Jahre
1841 wurde aus einem Bruch im Kreise Darkehnen der größte Teil eines
Skeletts einer Urkuh zutage gefördert. Auch weitere Funde von Skeletteilen
des Auerochsen sind auf ostpreußischem Boden gemacht worden und befanden
sich im Zoologischen Museum der Universität Königsberg. 

Schon zu Herbersteins Zeiten wurden die Auerochsen in Masovien „gehegt", und
bestimmte Dörfer hatten den Auftrag, sie zu füttern und zu hüten. Man geht
wohl nicht fehl in der Annahme, dass der Auer in Preußen zu Beginn des 16.
Jahrhunderts ausgestorben ist und sich noch eine Zeitlang — etwa bis zu
Beginn des 17. Jahrhunderts — in Masovien in kleinen Herden, die aber
bereits gehegt und gefüttert werden mussten, gehalten hat. 

Erheblich länger kam der Wisent in Ostpreußen vor. Im 16. Jahrhundert
scheint der Wisent — damals, wie schon erwähnt, stets Auer genannt — noch
überall in Ostpreußen vorhanden gewesen zu sein, wie aus zahlreichen Quellen
überliefert ist. Allerdings habe ich keine Unterlagen dafür finden können,
dass der Wisent damals noch mit Sicherheit in der Rominter Heide vorkam. Die
Wahrscheinlichkeit spricht dafür, da in einem von dem damaligen preußischen
Jägermeister aufgesetzten Bericht im September 1540 ausgeführt wird, dass in
der Borker Heide „auch vil Auer von den Jegern gespürt worden ...". Wenn
also in der Borker Heide damals Wisente waren, so ist sehr wahrscheinlich,
dass auch Rominten zu dieser Zeit noch einen Wisentbestand aufwies, zumal
damals noch ein Zusammenhang zwischen Borker und Rominter Heide bestanden
haben dürfte. Mit der zunehmenden Kultivierung der „Großen Wildnis" und er
Vermehrung der Bewohner ging der Bestand an Wisenten im Laufe des 17.
Jahrhunderts stark zurück, und schon 1684 waren die Wisente auf das Dreieck
zwischen Deime, Pregel und Mehlawa beschränkt. Seit dem Ausgang des 17.
Jahrhunderts werden die Restbestände hier in sogenannten „Auerscheunen"
gefüttert und gehegt, aber das Einfangen von Wisenten zu Geschenkzwecken an
andere Fürstenhöfe und das Wildererunwesen verminderte den Bestand
fortlaufend. 1744 sind nur noch vier „Auer" vorhanden und zwar im
Forstberitt Leipen an einer Auerscheune. 1750 sind es nur noch zwei Stücke,
und 1755 wurde der letzte Wisent auf preußischem Boden von Wilderern erlegt.


Dass sowohl der Ur als auch der Wisent immer stark gewildert wurden, geht
aus zahlreichen Berichten hervor. Es geschah dies wahrscheinlich einmal der
großen Menge Wildbret wegen, aber auch vor allem wegen der Decke! 

Galt doch ein Gürtel aus der Haut des Urs und des Wisents als
geburtenfördernd, weshalb er sehr hoch bewertet wurde. 

Professor Dr. Lutz Hecht, der ehemalige Direktor des Zoologischen Gartens
Berlin, hat den interessanten Versuch gemacht, den Auerochsen neu zu
züchten. Er ging dabei von der Idee aus, dass unsere heutigen Hausrinder
sämtlich den Auerochsen als alleinigen Vorfahren haben, und dass also in der
Erbanlage unserer Hausrinderrassen auch noch die Eigenschaften des alten
Auer vorhanden sein müssen und durch geeignete Zuchtwahl wieder geweckt
werden können. Er züchtete daher mit Rinderrassen, die nach ihrem ganzen
Äußeren noch stark an den alten Auer erinnern, nämlich spanischen und
südfranzösischen Kampfstieren und korsischen Rindern, ein Produkt, das dem
ausgestorbenen Ur sehr ähnlich war. Die Farbe war schwarz mit falbem
Aalstrich über dem Rücken, die Hörner waren weit ausgelegt, Figur und
Äußeres den überlieferten Abbildungen von echten Auerochsen sehr ähnlich. Im
Jahre 1938 wurde ein Zuchtstamm von diesen rückgezüchteten Auerochsen — man
möchte sie „Bos primigenius redivivus" nennen — in der Rominter Heide
zunächst in einem kleinen Gewöhnungsgatter und nach wenigen Wochen in freier
Wildbahn ausgesetzt. 

Nachdem die Tiere zunächst allerlei Unheil angerichtet hatten — der Stier
ging zu den Holzfuhrleuten und fraß den Pferden den Hafer aus der Krippe,
zertrampelte Waldarbeitern die Fahrräder, eine böse Kuh attackierte harmlose
Wanderer, und selbst ein Revierförster musste auf eine Kanzel flüchten und
erzählte nachher, es sei dabei um Leben und Tod gegangen! — wurden sie
langsam gegen Menschen scheu und verwilderten immer mehr, so dass sie
schließlich vollkommen das Benehmen des Rotwildes annahmen. Sie windeten
ausgezeichnet, wurden sehr früh flüchtig und benahmen sich in jeder Weise
wie Wild. Der Hauptstier war ein imposantes mächtiges Tier. Sein
Lebendgewicht wurde von Fachleuten auf mindestens 14 - 15 Zentner geschätzt.
Die Küheg waren erheblich schwächer und wiesen etwa ein Lebendgewicht von
acht Zentner auf. 

Im Jahre 1942 hatte sich die Herde auf 22 Stück vermehrt. Von diesen wurden
16 Stück eingefangen und im Urwald von Bialowiecza in freier Wildbahn
ausgesetzt. Die Auer hielten den Winter ohne künstliche Fütterung im Urwalde
ausgezeichnet durch und hatten sich bis 1944, als Bialowiecza von den
Deutschen geräumt wurde, auf 23 Stück vermehrt. Der Hauptgrund, warum ein
großer Teil der Ure nach Bialowiecza gebracht wurde, war die Störung, die
das Rotwild durch die Auer erlitt. Die Auer zogen im Winter von einem
Futterplatz zum anderen, und das Rotwild verließ sofort fluchtartig die
Fütterung, wenn die Ure nahten. Es war daher vorgesehen, in Rominten stets
nur einen ganz geringen Bestand von einigen wenigen Stücken zu belassen. Ob
nach den Kämpfen im Sommer und Herbst 1944 in Bialowiecza und Rominten etwas
von den rückgezüchteten Auerochsen übriggeblieben ist, entzieht sich meiner
Kenntnis. Weitere Zuchtstämme befanden sich in den zoologischen Gärten in
Berlin und München. 

Aus „Rominten" von Walter Frevert, Weiland Oberforstmeister der Rominter
Heide. Mit über 100, teils farbigen Tafelbildern und einer Übersichtskarte.
Bayerischer Landwirtschaftsverlag, München. 

Seite 7   Die Stadt Tilsit / Ostpreußische Geschichte am Beispiel einer
Stadt. (Fortsetzung)
Im Frühjahr 1410 glich das Land zwischen Memel und Weichsel einer belagerten
Festung. Die außenpolitischen Feinde des Ritterordens hatten an Zahl noch
zugenommen, denn von allen Seiten strömten jetzt starke Streitkräfte in das
litauisch-polnische Heerlager jenseits der Grenze. Da war u. a. ein
böhmisches Heer unter Führung des Johann Ziska, der wegen seiner großen
Grausamkeit und Härte bekannt war und später Führer der Hussitten wurde; es
kamen Russen und Serben, Tataren, Mongolen, und selbst die Fürsten der
entfernten Moldau und Walachai rechneten es sich zur Ehre, dem polnischen
König Wladislaw Hilfsvölker zu schicken. Es war jetzt offenbar, dass die
ganze slawische Welt zum entscheidenden Waffengang rüstete, um den Orden zu
vernichten, der gegen die vielfache Übermacht ohne fremde Hilfe allein
dastand. So groß war der Hass gegen die Ordensgebietiger, woran diese jedoch
nicht ganz ohne Schuld gewesen sind. 

Alle Ordensburgen wurden zur Verteidigung hergerichtet und reichlich mit
Proviant versehen und die Lehnsleute aufgefordert, sich mit ihrem
Dienstvolk, Waffen und Pferden bereitzuhalten. Auf der Marienburg führte
Hochmeister Ulrich von Jungingen manchen ernsten Rat mit seinen Komturen. Im
Volke wuchs indessen die Unruhe. 

Nicht ohne Grund hat man in jenem unheildrohenden Frühjahr den
Kriegsausbruch am Memelstrom befürchtet. Dem Gegner war ja bekannt, dass die
Memelburgen nicht stark besetzt waren und das „nuwe hus of der Tilsit" sogar
noch im Bau. Außerdem ging über diesen Ort die einzige Handelsstraße aus dem
Osten quer durch das Ordensgebiet bis zur Weichsel und konnte im Kriegsfalle
ein strategisch wichtiges Aufmarschgebiet werden. Zu ihrer Verteidigung
wurden deshalb hier und entlang der Memel die deutschen Bauern Schalauens
und aus dem Labiauer Gebiet zusammengezogen, eine Art Landwehr im heutigen
Sinne. Denn auf die schalauische Bevölkerung, die noch immer nicht den
blutigen Eroberungskrieg vergessen hatte und trotz aufgezwungenen
Christentums heimlich dem alten Götterglauben weiter anhing, war wenig
Verlass, wie es schon die Samländer des Öfteren bewiesen hatten. Und man
konnte sogar annehmen, dass beim erwarteten Einfall der stammverwandten
Litauer die Schalauer mit ihnen gemeinsame Sache machen würden. 

Nach dem harten Winter werkten jetzt noch mehr fleißige Hände an der
Tilsiter Burg. Die Mauern und der große Turm standen bereits, das
Hauptgebäude war im Rohbau fast fertig. Noch immer war der Danziger
„muwerer" Hannes Bolle Leiter der „Bauhütte" am Memelufer und Herr über
Bauleute und Scharwerker. Aus Danzig trafen die ersten Schiffe mit
Holzdielen usw. für den Innenausbau ein. Obwohl in der Umgebung der Burg
genug Wald vorhanden war, hatte man doch keine Schneidemühlen. Das
geschlagene Holz wurde deshalb bis nach Danzig geflößt und kam von dort
geschnitten zurück, ein wahrlich umständliches und zeitraubendes Verfahren.
Man wundert sich nur, warum in Tilsit keine Schneidemühle eingerichtet
wurde, denn eine Wassermühle war ja schon vorhanden. Auf diese Weise hat
Danzig einen lebhaften Holzhandel im Ordenslande unterhalten und viel daran
verdient. Erst später hat sich dann auch Königsberg in den Holzhandel
eingeschaltet. Hauptlieferant nach Danzig sind Kownoer Kaufleute gewesen, da
sich zu jener Zeit der Hauptstapelplatz für den Holzhandel aus Weißrussland,
Ruthenien usw. in Kowno befand. So war auf der Memel schon vor vielen
hundert Jahren lebhafter Flößereibetrieb. Aber auch die Schifffahrt war sehr
rege, bestanden doch im Memelstromgebiet bis in den Oberlauf um 1410 schon
etwa 370 Ladestellen. Segel- und Lastkähne beförderten Getreide, Leinsamen,
Honig, Felle, Bier und sonstige Landesprodukte. 

Die Lebenshaltung ist zu jener Zeit sehr billig im Ordenslande gewesen. Ein
Kalb hat beispielsweise damals um 5 Scot gekostet, ein Schaf 6 Scot, ein
Schwein 12 Scot, fünf Hühner 2 Scot, eine Kuh eine Mark. Da eine preußische
Mark 24 Scot oder 720 Denari zählte, waren es also spottbillige Preise.
Pferde wurden dagegen sehr hoch bewertet. So kostete eine schalauische
Sweyke (Pferd) 4 Mark und ein Streitross gar 8 Mark. Das Essen war damals
sehr einfach, es kamen noch keine Leckereien auf den Tisch. Hauptnahrung
waren Erbsen und Grütze, Brot und Käse, der schon damals von den Schalauern
hergestellt worden ist und viel später unter dem Namen „Tilsiter" Weltruf
bekam. Getrunken wurde Bier oder der einheimische Alaus, das Bier der
Schalauer. Im Verhältnis zu den Lebensmittelpreisen haben die Tilsiter
Bauleute gut verdient, denn sie erhielten einen wöchentlichen Lohn von 9
Scot, wovon sie nur 2 Scot für die Verpflegung zahlten, die ihnen Hannes
Bolle gemäß der Weisung des Ordens an Ort und Stelle zu verabreichen hatte:
„item sal her all synen gesind byr, brot, fleisch vund saltz zu irer
notdurfft frey haben czu verkoufen". Wenn man bedenkt, dass der Arzt des
Hochmeisters auf der Marienburg einen Jahressold von 30 preuß. Mark hatte
und ein Pferdearzt nur 10 Mark jährlich bekam, der Bäcker sogar mit 3 Mark
jährlichem Lohn zufrieden sein musste, so ist zur Ordenszeit der
Bauhandwerker ein Großverdiener gewesen. Das Handwerk hat also damals
wirklich einen goldenen Boden gehabt. 

Auch auf der Burg Ragnit wurden Vorbereitungen getroffen, um für den
erwarteten feindlichen Einfall gebührend gerüstet zu sein. Der „muwerer"
Jorgen bekam vom Komtur den Auftrag, entsprechend bauliche Veränderungen
alsbald vorzunehmen: „ouch sal her toren vnde fenster, di unbequeme sien,
wider ofbrechen vnde die wider machen vnde bereyten zur beqwemekeit". (Wird
fortgesetzt)

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 04 vom April 195 9

Date: 2016/12/07 11:10:06
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 8   Schöne Heimat im Bild.
6 Fotos: Unsere Bilder zeigen: Fischerhaus an der Memel (oben links);
Neidenburg; vom Tatarenstein aus gesehen (oben rechts); darunter Angerapp,
Blick auf die Kirchenstraße und das Rathaus; Burg Allenstein (Mitte links);
Ortelsburg, Blick auf den Marktplatz (nebenstehend); den Niedersee in
Masuren (unten). Sämtliche Fotos OW-Archiv

Seite 8   Anne-Margret Skrzeczka-Rominten. Frühling in der Heimat.
 Lied, das wie tauende Quellen geklungen, 
das mich im Schlaf und im Wachen nicht lässt. 
Schon sind am Flieder die Knospen gesprungen, 
und der Star baut am Fenster sein Nest. 

In meiner Heimat erwachen die Bronnen, 
weckt die Blau-Blumen der zärtliche Strahl, 
und, von den Fluten des Frühlings umsponnen, 
grüßt zu den Wäldern das trauliche Tal. 

Wandern und Schauen und Singen und Klingen
über das blumenverschüttete Land. 
Wenn die Winde wie Lämmlein springen 
um das wehende Lautenband. 

In meiner Heimat blüht es jetzt wieder. 
Aber die Lauten sind klirrend zerschellt. 
Schwarze Ruinen hüllt liebend der Flieder. 
Einer schläft still im verlassenen Feld. 

Was der Vertriebenen Lippen nicht nennen,
durch die verdunkelten Stunden irrt. 
Groß ihre schlaflosen Augen brennen, 
wenn in der Heimat es Frühling wird. 

Dieses Gedicht entstand im ersten Weltkrieg, als die Russen in Ostpreußen
einfielen und viele der Bewohner von Haus und Hof flüchten mussten. Es ist
in dem 1915 erschienenen Gedichtband „Die Heimat In Flammen" von
Anne-Margret Skrzeczka-Rominten, enthalten.


[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 04 vom April 195 9

Date: 2016/12/07 14:04:15
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 9   Foto: Eisgang auf der Memel bei Tilsit Foto: Austin

Seite 9   Alljährlich im April. Wenn der gefürchtete „Schaktarp“ kam.
Sehr spät wurde es Frühjahr dort oben am Memelstrom. Wenn in Westdeutschland
Ströme und Flüsse schon längst eisfrei waren, sofern sie überhaupt
vereisten, und selbst der benachbarte Pregel wieder Schiffe auf seinem
Rücken trug, stand der über 900 km lange Memelstrom von Minsk bis zum
Kurischen Haff vom Oktober bis in den April hinein fest verpackt mit Eis.
Meistens in der zweiten Monatshälfte trat urplötzlich Tauwetter ein, und die
Memel, noch überreich gespeist von den vielen Nebenflüssen und Wasserzügen,
schwoll hoch über den Normalstand an und ergoss sich wie ein Urstrom über
das 10 bis 15 km breite uneingedeichte Memeltal. Der dicke Eispanzer der
Memel zerbrach, und tagelang schoben sich breite Eisschlangen über das
versunkene Land ins Kurische Haff, durchs Tief in die Ostsee. Die Anwohner
sagten dann, „das russische Eis geht". 

Wehe aber, wenn das Haff womöglich noch fest in Winterlage stand. Dann
stopfte sich das Eis aus dem Stromschlauch in den Mündungsarmen Skirwieth
und Atmath zu festen Eisbarren, die Sprengungen und Eisbrechern widerstanden
und keinen Tropfen Wasser mehr durchließen. Meter um Meter stieg das Wasser
aber im Memeltal, die Wiesendörfer standen wie Inseln bis zum Dach in dem
reißenden See, und die Menschen hatten sich mit ihrem Vieh auf die Hausböden
geflüchtet, während kaum dielenbreit unter ihnen die Flut durch die Stuben
gurgelte. Oft war das Strohdach die letzte Rettung aus der Hochwassernot.
Oft trat unerwartet wieder Frost ein. Das Wasser überzog sich mit einer
nicht tragfähigen Eisdecke, die den Holzkahn zerschnitt, so dass wochenlang
die Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten waren. Das war der gefürchtete
„Schaktarp". Durch den wachsenden Wasserdruck brachen schließlich die
Eispackungen an den Mündungen, die Flut verlief sich und die Gefahr war
vorüber. Zurück blieben in den Senken und „Szogen" unzählige Fische, die für
Jahre ausgereicht hätten, und auf den Wiesen eine dicke Schicht Schlick, dem
das Wiesenland seine fast sagenhafte Fruchtbarkeit verdankte. 

Regelmäßig sechs Wochen später wurden die Memelwiesen noch einmal
überschwemmt. Das war dann, wenn in Weißrussland und Litauen, wo man unseren
alten Strom „Njemen" und „Nemunas" nennt, der Schnee in den Urwäldern und in
den Pripjetsümpfen erst jetzt taute, und die Schmelzwasser als sogenannte
„Baumflut" über das Wiesental rauschten. 

Die bösen Zeiten waren aber vergessen, wenn Sommers auf den Memelwiesen das
Weidevieh bis zum Bauch im saftigen Grase stand und unzählige Fuder
duftenden Heues und Grummets „geaustet" wurden. Mit Leib und Seele hing der
Wiesenbauer an seinem schönen Fleckchen Erde und hätte es mit keinem anderen
Landstrich vertauscht, trotz der ihn alljährlich bedrohenden Gefahren. 

Dieses immer wiederkehrende gigantische Naturgeschehen hat wie kein anderer
Hermann Sudermann in seinen „Litauischen Geschichten" packend wiedergegeben.
Er stammte ja selbst vom Rande der breiten Memellandschaft. 

Im Frühjahr 1941, wenige Wochen vor Ausbruch des Russlandkrieges, kam es im
Memelstromgebiet zu einer bisher noch nie dagewesenen Naturkatastrophe.
Wider sonstige Gewohnheit hatte der Frühling diesmal am Oberlauf der Memel
schon rasanten Einzug gehalten, als das deutsche Stromgebiet noch unter fast
zwei Meter dicken Kerneisdecke lag und hier noch tiefster Winter war. Bäume,
Häuser und Holzbrücken mitreißend wälzte sich aus dem Oberstrom die Flut
über das Memeltal. Der Mensch war machtlos gegenüber solchen Naturgewalten.
Halb Tilsit ist damals überflutet gewesen, in den Straßen fuhr man Kahn, und
selbst in der ehrwürdig-alten Deutsch-Ordenskirche am Stromufer stand
fußhoch die Flut. Deiche brachen, der Sachschaden war beträchtlich, und
leider waren auch Menschenleben zu beklagen. Es ist das höchste.
Memelhochwasser seit etwa hundert Jahren gewesen. 

Unser Foto zeigt ein Bild aus jenen Frühjahrstagen 1941. Unter der Tilsiter
Königin-Luise-Brücke, 1904 - 1907 von der Firma Beuchelt und Co., Grünberg
(Schl.) erbaut, geht schon tagelang der Eisgang mit solcher Gewalt, dass
beim Anprall der oft mehr als 100 Meter breiten Schollen selbst die
Brückenpfeiler aus schwedischem Granit erbebten. Die Brücke war übrigens ein
technisches Wunder ihrer Zeit. Auf dem anderen Stromufer liegt Übermemel,
bis 1939 die Grenze Litauens. Der Ort hieß damals Panemune. Die hier täglich
stattfindenden Märkte, wo man auf Grenzkarte Produkte zu selbst in
Ostpreußen noch nie dagewesenen Preisen kaufen konnte, werden allen
Tilsitern noch in Erinnerung sein. So kosteten beispielsweise hier ein Pfund
Butter 40 Pfg., ein Ei 5 Pfg., ein Pfund Kalbfleisch 50 Pfg., eine
zwölfpfündige Gans nur ganze 3 Mark. Solche Zeiten werden nie wiederkehren. 

Als in der ganzen Welt noch Friede war, ist die Königin-Luise-Brücke die
einzige Straßenverbindung über den Memelstrom nach dem gesamten Osten
gewesen. Am 25. Oktober 1944 sprengten deutsche Pioniere den stadtseitigen
Brückenbogen (auf dem Foto neben dem Portalturm) nebst Fahrbahn, um den
Aufmarsch der Sowjets auf Tilsit aufzuhalten. Es war alles vergeblich
gewesen. 

Die Brücke ist benannt nach Preußens unglücklicher Königin Luise, die
während des Friedensschlusses, der unweit dieser Brücke auf einem in der
Memel verankerten Holzfloß im Juni 1807 geschlossen wurde, in Tilsit geweilt
hat. 
 
Seite 9   Danziger Rathausuhr soll repariert werden 
Die berühmte Danziger Rathausuhr, die 1945 zerstört wurde, soll am 1. Juli
wieder mit einem neuen elektrischen Uhrwerk in Gang gesetzt werden. Das neue
Werk, das fast eine Tonne wiegt, wird mit einer Magnetofonanlage verbunden
und soll an bestimmten Stunden auch Melodien erklingen lassen. Die Danziger
Bevölkerung wird die Melodienfolge selber auswählen.

Seite 9   Tag der tausend Wunder.
Der 1866 in Kulm an der Weichsel geborene Heidedichter Hermann Löns schenkte
uns diese lenzliche Landschaftsschilderung der Heimat: 
Der Frühling hat einen leichten Sinn, und kurz ist sein Gedächtnis. Eben
noch bot das rote Laub am Boden seinem ersten Grün einen herrlichen
Hintergrund, heute schon schiebt er es beiseite, schämt er sich des Erbgutes
des Winters und bedeckt es hastig mit tausenderlei Grün und hunderterlei
Farbe, damit niemand merke, dass er alle seine Schönheit und Frische und
Jugend dem toten Laube und den welken Blättern zu danken habe, und alle
Freude verlässt sein Antlitz, erinnert ihn der Ostwind mit rauem Worte an
seine Herkunft, mit roher Hand aus Grün und Blüten die vergilbten,
vergessenen Erinnerungen zerrend. Dann schauert der Frühling zusammen und
sieht zitternd in die fahle, trockene Zukunft. Einen Augenblick später
vergisst er die Angst vor ihr und schafft emsig weiter, Wunder neben Wunder
stellend, mit liebreichen, weichen Händen. Die harte, zackige Ranke der
Brombeere schmückt er mit weichen, runden Flöckchen, erlockt aus dem steifen
Holunderbusch mildes Blattwerk, webt um düstere Moospolster einen lichten
Schein, macht dem schüchternen Waldklee Mut, dass er sich im kalten Schatten
der Fichte hervorwagt, rollt mit spielenden Fingern die ängstlichen
Farnenwedel auf, verhüllt die sparrigen Lärchenbäume mit zartgrünen
Schleiern, erweckt des Pfaffenhütchens Selbstbewusstsein, der Weide Ehrgeiz,
der Erle Willenskraft und wagt sich schließlich sogar an die Eiche heran,
die abweisend und unnahbar alle seine Liebe immer wieder von sich stößt. Bis
auch für sie die Stunde schlägt, für sie der Tag kommt, der alle ihre
Knospen sprengt, der Tag der tausend Wunder …

Seite 9   Kiefern.  Von Franz Erdmann. Aus dem Zyklus „Bäume der Heimat" 
Raue Gesellen, hassen sie zärtliches Grün, 
suchen die Öde, die Armut, den sandigen Grund. 
Struppige Riesen stehn sie im nordischen Land, 
wiegen die düstern Häupter im sausenden Sturm. 
Vielfach geborsten umkleidet die Borke den Stamm, 
schmucklos und derb und bar jedes keimenden Triebs. 
Stachlig starren knorrige Zweige hervor, 
einstmals der Riesen furchtbare Keulen im Kampf. 
Ungastlich breiten die Kronen wie Schirme sie aus, 
gönnen dem Wurzelgrund nicht den erwärmenden Strahl. 
Nirgends gedeiht hier grünendes Unterholz, 
nirgends auch lärmt hier brutfroher Vögel Geschwätz. 
Mönchische Stille dämmert im einsamen Wald. —
Aber im Stillen bauen sie, stetig und zäh, 
prüfen den lockeren Grund, senken die Wurzeln hinein, 
halten den fließenden Sand mit umklammerndem Griff. 
Unaufhörlich rieselt's zur Erde hinab, 
aufhäufend Schicht auf Schicht, polsternd den kärglichen Grund. 
Dicht mit Nadeln besät, spart er die Feuchtigkeit auf, 
lockt die Pilze ans Licht, oh! — und das Heidekraut blüht 
lila und rosen-rot. Sommers kocht dann der Saft 
aus dem rissigen Stamm, und es träufelt das Harz 
klumpig und golden hervor. Wilder Bienen Gesumm 
läutet im schweigenden Wald, und im scheidenden Strahl 
leuchten die Stämme wie Gold, feurigen Säulen gleich, 
jäh entzündet zur Glut. Oh, wie zaubert das Licht 
Schönheit in düsteres Grau! Magischer Wandlung Gewalt!

Seite 9   Das Gespenst des Memelstroms.
Der ostpreußische Dichter Ernst Wichert hat den Naturvorgang der
Schneeschmelze und des Eisgangs auf der Memel in seiner dramatischen
Erzählung „Der Schaktarp" festgehalten. Wir entnehmen dieser in der
deutschen Literatur ohne Beispiel dastehenden Erzählung die nachstehende
Schilderung. 

Der Februar ging vorüber und der halbe März. Dann kam Sonnenschein, dann
nochmals scharfer Frost, dann in ganz plötzlichem Umschlage Sturm und Regen
bei lauer Luft. In den Wäldern und auf den Wiesen schmolzen die gewaltigen
Schneemassen, die Eisdecke auf den Strömen und Kanälen wurde unsicher und
brach doch nicht. Weithin an den Uferrändern entlang stand darauf das
Wasser, überstaute das flache Land, Wiesen, Äcker und Wege. Über der ganzen
Gegend lagerte ein gelbgrauer Nebel, der nur schattenhaft die nächsten
Häuser und Bäume erkennen ließ. Nicht zu Fuß, nicht zu Wagen, nicht zu Kahn
konnte man von der Stelle; alles Feste und Flüssige schien sich wieder zu
vermischen und die Erde ein weicher Brei zu werden, der sich in Nebel
aufzulösen strebte. 

Man hat dort einen eigenen Namen für diesen entsetzlichen Zustand, der oft
Wochen andauert, mit unheimlicher Gewalt jede Bewegung hindert, alles Leben
zu vernichten droht und die Menschen in ihrer Abgeschlossenheit und
Hilflosigkeit zum Tode traurig stimmt. Der „Schaktarp" heißt er, und man
denkt sich ihn nun wie ein Gespenst, das heranschreitet und sich riesengroß
über die ganze Niederung legt, jedem die Brust bedrückt und das Atem
erschwert. Der Schaktarp kommt, sagt man, und der Schaktarp geht oder zieht
ab, oft über Nacht, wie er kam. Schnee und Eis sind dann langsam aufgezehrt,
in Dunst verwandelt. Die Nebelwand hebt sich, und die Sonne, die lange wie
eine trübe Ampel durch dieselbe sichtbar wurde, beginnt nun, mit ihren
wärmeren Strahlen das Erdreich zu trocknen. 

In diesem Jahr hatte der Schaktarp, so lange er auf sich warten ließ, doch
jeden überrascht. Man meinte, der späte Frost, der eine Eisdecke über die
andere gelegt hatte, werde eine Weile anhalten. Am Abend war man noch tief
im Winter, und am Morgen darauf rieselten die Bächlein von allen Dächern,
trat der Fuß in unergründliche Pfützen von Schneewasser. Das gespenstische
Ungeheuer schien diesmal mit rasender Eile einholen zu wollen, was es so
lange versäumt. Bei völliger Windstille und lauwarmer Luft verdichtete sich
der Nebel schon am dritten Tage so stark, dass man nicht mehr die Hand vor
Augen sehen konnte. 

Plötzlich ein neuer, überraschender Witterungswechsel. Der eben noch
bleischwer lastende Nebel kam in eine wogende Bewegung, als ob er von oben
her stoßweise niedergedrückt würde, auswiche und wieder und wieder
zurückströmte. Wenige Minuten darauf heulte der Sturm über die weite Fläche
hin, die kahlen Bäume beugend und die Strohdächer zausend. Die Luft kühlte
sich im Moment ab; die Dunstmasse erstarrte zu feinen Eisspitzen und
prasselnden Hagelkörnern. Das offene Wasser über den Wiesen und Äckern
schlug Wellen, wie ein breiter See; mit donnerartigem Krachen borst die
Eisdecke auf dem Fluss, wie von einem riesigen Nacken gehoben. Durch die
Spalten quoll die strömende Flut und riss sie weiter auf; das Grundeis
drückte dagegen, nahm die losgelösten Schollen auf seinen Rücken und stemmte
mit verstärkter Wucht gegen die noch widerstandskräftige Mauer. Endlich,
nach stundenlangem Kampf, hatte die mächtige Strömung sich mitten im Fluss
eine Rinne geöffnet. Vom Sturme aufgehalten, ergoss er sich zu beiden Seiten
über die Eisfelder und weithin über das mit Schollen bedeckte Land.
Zurückgeschwemmt und von rechts und links übereinander geschoben, stopften
sie schnell wieder die schmale Wasserstraße. Nur kurze Zeit. Dann krachte,
knackte, prasselte, knallte es von neuem. Nun war die ganze Eisschicht an
den Rändern gelöst, schnellte einen Fuß hoch auf, zersplitterte und wälzte
sich mit den Wogen vorwärts, 

Seite    Ein wunderbares Bild.
Als Wilhelm von Humboldt im Herbst 1809 in Ostpreußen weilte, schrieb er an
seine Frau über eine Fahrt entlang der Kurischen Nehrung: „Die letzten Tage
meiner Reise sind noch recht angenehm gewesen. Drei Tage immer am Ufer des
Meeres. Die Kurische Nehrung ist so merkwürdig, dass man sie eigentlich
ebenso gut als Spanien und Italien gesehen haben muss, wenn einem nicht ein
wunderbares Bild in der Seele fehlen soll. Ein schmaler Strich toten Sandes,
an dem das Meer unaufhörlich auf einer Seite anwütet, und den an der anderen
eine ruhige große Wasserfläche, das Haff, bespült. So fuhr ich fast 24
Stunden lang, einen Tag und eine mondhelle Nacht immer mit einem Rade im
Wasser“. 

Seither ist kaum jemals über die Kurische Nehrung geschrieben worden, ohne
dass auf diese Worte hingewiesen wurde, weil sich nur wenig deutsche
Landschaften eines solchen Lobes rühmen können.

[OWP] Lesehilfe / Ortsname Knieloerg ?

Date: 2016/12/07 16:49:20
From: U H <ahnen(a)hanke1.de>

Hallo liebe Mitforscher,

ich habe Probleme bei einem Heiratseintrag den Wohnort des Vaters vom Bräutigam zu erkennen. Die Schrift des Pastors ist meines Erachtens ordentlich. Ich lese Knieloerg. Im Internet fand ich keinen Namen mit dem Ort.

Unter https://www.magentacloud.de/lnk/CVPSuduq kann der Eintrag angesehen bzw. heruntergeladen werden. Es handelt sich um den Eintrag 296 und dort dort um die 2. Spalte. Ich wüßte gern ob ich den Namen richtig entziffert habe und dann wo der Ort liegt.

Viele Grüe,

Uli (Hanke)

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 04 vom April 195 9

Date: 2016/12/07 17:02:24
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 10   „Phöbus war bei mir daheime“ / Zum 300. Todestag von Simon Dach.
Deutschland war Europas Schlachtfeld. Der Dreißigjährige Krieg legte die
Städte in Trümmer, ließ die Dörfer in Flammen aufgehen und verwandelte
blühende Landschaften in Wüsteneien. Handel und Wandel und Wissenschaften
stockten. Nur sieben Millionen Deutsche überlebten das furchtbare Geschehen.
Aber Ostpreußen blieb vom Kriege fast verschont, und seine Hauptstadt
Königsberg war die volkreichste deutsche Stadt nach Hamburg und Wien. Hier
entfaltete sich ein reiches geistiges Leben, und die 1544 von Albrecht von
Hohenzollern, dem ersten Herzog von Preußen, gegründete Universität zählte
über tausend Studenten.

An dieser Universität, der berühmten „Albertina", lehrte als Professor der
Poesie und zeitweiliger Rektor, der Dichter Simon Dach. Seinen Namen bewahrt
die Literaturgeschichte: er war der Gründer des Königsberger Dichterkreises,
der inmitten der Kriegswirren und des allgemeinen kulturellen Verfalls, den
Wiederaufstieg der deutschen Dichtung vorbereiten half, der seine Krönung
eineinhalb Jahrhunderte später in Goethe und Schiller finden sollte. 

Aber so unbestritten und bedeutsam auch der Platz sein mag, den Simon Dach
als einer der hervorragendsten Dichter des deutschen Barock in der
Literaturgeschichte einnimmt, uns Heutigen gilt mehr, dass wenigstens eins
seiner Lieder, das Lied der Freundschaft („Der Mensch hat nichts so eigen,
so wohl steht ihm nichts an, als dass er Treu erzeigen und Freundschaft
halten kann . . .") vom deutschen Volk seit über dreihundert Jahren im
Herzen bewahrt wurde. Es ist nur eines von über tausend, aber es hat seinen
Namen unsterblich gemacht. 

Nur das Echte überlebt dreihundert Jahre. Dennoch ist es nicht leicht, einen
Zugang zu dem Gesamtwerk des Dichters zu finden. Die Vorstellung vom
Schönen, von dem was Dichtung ist, hat sich seit dem Barock entscheidend
gewandelt, und unser künstlerischer Geschmack ist ein anderer als der seiner
Zeit. Gelehrte Anspielungen und vielerlei der Antike entlehntes
mythologisches Beiwerk, die uns den Zugang zum Kern der Dichtung erschweren,
war für den Barock notwendiger Schmuck. Aber die Mühe, sich in seine
Gedichte einzulesen, lohnt sich doch: Hinter dem barocken Rankenwerk
erscheint immer deutlicher das versonnene Antlitz eines echten Lyrikers, der
seinen Blick zu den ziehenden Wolken und leuchtenden Sternen hebt, erfüllt
von einer schlichten und demütigen Herzensfrömmigkeit, die in manchen Versen
bereits an Matthias Claudius gemahnt. Wir erkennen einen Menschen, der in
einer Zeit bürgerlicher Unsicherheit, die in vielen unserer so ähnlich ist,
im Kreis seiner Freunde und seiner Familie Sicherheit und Glück und in den
kleinen Dingen des Lebens Freude und Erhebung suchte. 

Obgleich Simon Dach einen angesehenen Platz im öffentlichen Leben
Königsbergs einnahm und ihm das kurfürstliche Haus Brandenburg geneigt war,
blieb er nicht von der wirtschaftlichen Not der Zeit verschont. Sein Leben
hindurch litt er am Nötigsten Mangel, bis ihm der Große Kurfürst ein kleines
Landgut schenkte. Mehrfach musste er sich in Bittgedichten um Geld, Holz und
Nahrung an die preußischen Oberräte wenden: „Helft mir in meinen Schulden,
von den vierhundert Gulden bleibt wenig mein Gewinn“. Sicher wurde Simon
Dach, besonders in späteren Jahren von Freunden und Gönnern mit Geldmitteln
unterstützt. Es ist aber falsch, daraus zu schließen, dass er ein
Gelegenheitsdichter war, der auf Bestellung und gegen Bezahlung arbeitete.
Gewiss sind viele seiner weltlichen Gedichte Hochzeits- und Leichenlieder.
Es entsprach jedoch einem dichterischen Ideal jener Zeit, zwischen
öffentlichen und privaten Angelegenheiten keinen Unterschied zu machen.
Beide erschienen der Dichtung gleich würdig. Jenseits des festen Kreises der
Freunde und Verwandten drohten Krieg, Seuchen, Not und Tod. So beschränkte
man sich gern auf die kleinen und großen Dinge des häuslichen Lebens. Und so
erwuchsen seine Gedichte einem echten Gemeinschaftsgefühl, aus innerer
Teilnahme an den freudigen und schmerzvollen Erlebnissen derer, mit denen er
sich innerlich verbunden fühlte und mit denen er lebte. 

Fast muss es als ein Wunder erscheinen, dass sich inmitten des furchtbaren
Krieges, mit dem die entscheidenden dreißig Jahre seines Lebens
zusammenfielen, und trotz vieler persönlicher Nöte in einer Zeit, in der die
künstlerischen Gesetze der Dichtung erst neu geschaffen werden mussten, sich
das Talent des Dichters so fruchtbar entfalten konnte: Simon Dach wurde als
Sohn eines armen Dolmetschers für die polnische und litauische Sprache, am
29. Juli 1605 in Memel geboren. Nach einer in bescheidensten Verhältnissen
verbrachten Kindheit, kam er mit vierzehn Jahren zu Verwandten nach
Königsberg, um die von Peter Hagius geleitete Domschule zu besuchen. Als
sein Onkel, der Diakonus am Dom, Johann Vogler, an die Universität
Wittenberg ging, begleitete er ihn als sein Famulus. Die letzten
Gymnasialklassen besuchte er in Magdeburg, bis ihn die Pest nach Königsberg
zurücktrieb. Im Jahre 1626 bezog er die dortige Universität um Theologie zu
studieren, scheint aber durch die Gelehrtenzänkereien bald die Lust daran
verloren zu haben und wandte sich den humanistischen Studien zu. Er war
zunächst Privatlehrer und erhielt endlich 1633 eine karg besoldete Stelle
als Lehrer an der Domschule. 

Schon als Student war Simon Dach mit dem Dichter Robert Roberthin eng
befreundet. Ihm verdankte er wertvolle geistige und materielle Förderung.
Zusammen mit Roberthin, Johann Strobäus und anderen Dichtern, zu denen sich
der Komponist Heinrich Albert, ein Vetter von Heinrich Schütz, gesellte,
gründete er den Königsberger Dichterbund. Von der innigen Freundschaft, die
diesen Kreis verband, geben einige, erst in den letzten Jahrzehnten
aufgefundene Gedichte Kunde. Der kurfürstliche Rat Robert Roberthin betrieb
die Ernennung Simon Dachs zum Professor an der Königsberger Universität. Als
diese 1639 erfolgte und eine glückliche Wendung seiner Lebensverhältnisse
brachte, konnte er 1641 Regina Pohl, sein geliebtes „Pohlinchen", heiraten,
obwohl sein Jahresgehalt nur 190 Thaler betrug. Seine Dichtung begann sich
zu entfalten. Immer größer wurde der Kreis der Studienfreunde und
Professoren, der Beamten des brandenburgischen Hofes, der viele Jahre in
Königsberg weilte, der Patrizier- und Adelsfamilien, zu denen er in enge
Beziehungen trat und für die er lebte und dichtete. Zur Jahrhundertfeier der
Universität im Jahre 1644, schrieb er ein Singspiel „Prussiarchus", das mit
Alberts Musik von den Studenten aufgeführt wurde. Nur kurze Zeit konnte er
sich des Besitzes des kleinen Landgutes erfreuen, das ihm der Große Kurfürst
1658 geschenkt hatte. Er starb am 19. April 1659. 

Obwohl Lieder und Gedichte den Hauptteil seines Schaffens ausmachten,
erschienen sie zu seinen Lebzeiten nicht als Buch, sondern nur in
zahlreichen Einzeldrucken. Lediglich in den acht Heften der Arien von Albert
sind einhundertzwanzig Lieder Dachs vereinigt. Erst zwanzig Jahre nach
seinem Tode dachten seine Erben an eine Buchausgabe, die 1680 als
„Churbrandenburgische Rose, Adler, Löw und Szepter" die an das
kurfürstlich-brandenburgische Haus gerichteten Gedichte vereinigte, und 1696
erschien ein Neudruck als „Poetische Werke". Eine umfangreiche
handschriftliche Sammlung des Archivars der Königsberger Ratsbibliothek
Heinrich Bartsch, ging verloren, als dieser sie als Geschenk an Gottsched
sandte. Dass uns trotz dieser Verluste Simon Dachs Dichtungen fast lückenlos
zugänglich sind, ist dem Königsberger Professor Walther Ziesemer zu danken,
der sämtliche bekannten Gedichte, einschließlich der Schauspiele und der in
den evangelischen Gesangbüchern erschienenen Kirchenlieder in einer
vierbändigen, 1936 - 1938 erschienenen Gesamtausgabe herausgabe.

Die Dichtung des deutschen Barock war zu einem großen Teil höfische
Dichtung, prunkhafte Repräsentation des Absolutismus, der Herrschaft des
reichsstädtischen Bürgertums ablöste und in der die Überfremdung der
Fürstenhöfe und der „Alamode“-Geist der Zeit ihren Ausdruck fanden.
Gleichzeitig, und besonders vom Königsberger Dichterbund, wird jedoch die
Tradition des Volksliedes des 15. und 16. Jahrhunderts weitergeführt. Neben
den Hofbarock tritt damit der Volksbarock, der sich in den
Gemeinschaftsgesängen Simon Dachs am schönsten entfaltet. So ist es auch
kein Zufall, dass Simon Dach viel weniger als andere Dichter seiner Zeit als
Versmaß den damals „modernen“ Alexandriner verwendet, sondern vorwiegend im
altdeutschen vierfüßigen Knittelvers dichtet. Sieht man von dem Beiwerk ab,
erscheinen seine Gedichte schlicht, volkstümlich, reich an Stimmung, einfach
im Aufbau, oft von wundervoller Innigkeit und Zartheit, von der tiefen
Frömmigkeit eines harmonischen, unkomplizierten Menschen getragen, der sich
demütig und dankbar fügt, wie Gott es will. Bei ihm gibt es keine wilde
Auflehnung gegen das Schicksal, wie sonst in der Barockdichtung, keine
Verzweiflung, kein Händeringen, Stöhnen und Schreien. Gewiss leidet auch er,
aber er ist dennoch voller Zuversicht. Er ist immer zum Tod bereit, aber er
bejaht auch das Leben. Simon Dach lebt und dichtet aus einem sicheren Gefühl
der Geborgenheit in Gott. Er gibt dieses Wissen in seiner Dichtung weiter,
und seine Freunde singen seine Lieder, oft drei- und fünfstimmig, die
Hochzeitslieder zum Feste, die Trostlieder an offenen Gräbern, Liebes- und
Schäferlieder zu froher Abendstunde. Und sie klingen weiter und finden, von
Königsberg in das Reich. 

Während der Krieg Deutschland überzieht und die Zukunft dunkel vor jedem
Einzelnen steht, sucht Simon Dach Zuflucht in der Stille: „Du stiller Wald,
von Anmut reich, du ebnes Feld, du klare Quelle …, du süße Landruh, nimm
mich an ..., In ärgerlichen Städten leben, ist zwischen Höll‘ und Himmel
schweben“. Das ist fast modernes Naturgefühl. Er sucht und sieht das
Unzerstörbare, immer Gültige, wenn er davon dichtet, wie der Reif auf den
Gräsern liegt, der Fink in den Weiden singt, die Raupen auf den Blättern
kriechen, die Bienen von Blume zu Blume summen. Ein Vers wie „Jetzt schlafen
Berg und Felder mit Reif und Schnee verdeckt", spricht auch uns in seiner
Innigkeit noch ganz unmittelbar an. 

Von den kriegerischen Ereignissen blieb Simon Dach verschont. Dennoch
beunruhigte ihn, dass Ostpreußen im ganzen doch Frieden hatte, während die
Menschen im Reich Not litten, wenn auch gelegentlich schwedische Heere das
Land durchzogen und Polen und Tartaren über die Grenze kamen. Dass
Magdeburg, wo er glückliche Jugendjahre verlebt hatte, zerstört wurde und
dass Deutschland sich in endlosen Kämpfen selbst zerfleischte, erschütterte
ihn tief:

„Wo lass ich Deutschland, dich? Du bist durch Blut und Morden 
Die dreißig Jahr her nun dein Henker selbst geworden 
Und hast dich hingewürgt; denn deiner Freiheit Ruhm, 
Die deine Seele war und bestes Eigentum, 
Muss in den Fesseln gehn ..." 

Simon Dach hing mit leidenschaftlicher Liebe an Deutschland, an seiner
Heimat Preußen, an seiner Wirkungsstätte Königsberg und seiner Vaterstadt
Memel. 

Dem Großen Kurfürsten brachte der Dichter grenzenlose Verehrung entgegen,
aber er war sich auch seines eigenen Wertes bewusst. Mit stolzer Freude
durfte er sich sagen, er zuerst habe in Preußen deutsche Dichtung verkündet:


„Phöbus war bei mir daheime. 
Diese Kunst der deutschen Reime 
Lernet Preußen erst von mir. 
Meine sind die ersten Saiten: 
Zwar sang man vor meinen Zeiten, 
Aber ohn Geschick und Zier!“ Hans Teichmann 

Seite 10   Kulturelle Nachrichten 
Deutsches Schrifttum in Polen sehr gefragt 
Weite Kreise der polnischen Intelligenz haben großes Interesse an einem
kulturellen Brückenschlag nach dem Westen, besonders nach Deutschland. So
fand vor einigen Wochen in der polnischen Hauptstadt die polnische
Uraufführung von Heinrich von Kleists „Prinz von Homburg" statt. Eine andere
Warschauer Bühne brachte den „Prozess" von Franz Kafka heraus, Aus
Allenstein wird von einer polnischen Übertragung von Ernst Wiecherts „Die
Jerominkinder" berichtet; die Übersetzung läuft als Fortsetzungsroman in
einer Wochenschrift. Ein Warschauer Verlag brachte den bekannten Roman
„Radetzkymarsch" von Joseph Roth in einer gut aufgenommenen polnischen
Übertragung heraus. In Krakau veröffentlichte die dortige katholische
Wochenschrift „Tygodnik Powszechny" eine über mehrere Nummern laufende
ausführliche Würdigung der „Skeptischen Generation" des bekannten Hamburger
Soziologen Schelsky.

Käthe-Kollwitz-Ausstellung in New York 
In der New Yorker Kunstgalerie St. Etienne werden gegenwärtig Zeichnungen.
Radierungen und Lithographien der 1945 verstorbenen großen deutschen
Graphikerin Käthe Kollwitz ausgestellt. Die Ausstellung enthält unter
anderem auch einige ihrer berühmt gewordenen Plakate in denen die Not der
Armen auf eindringliche Weise dargestellt wird, sowie einige seltene und
weithin unbekannt gebliebene Arbeiten aus ihrer letzten Zeit. 

Bildreihe über Ostpreußens Musik 
Das Ostpreußische Musikstudio in Salzgitter hat eine Lichtbildreihe
zusammengestellt, in der Handschriften ostpreußischer Komponisten,
Komponistenporträts, Aufnahmen von Musikstätten des Landes und weitere
bildliche Beweise vom regen Musikleben des Raumes zwischen Weichsel und
Memel gezeigt werden sollen. Die Bildreihe, die musikalisch durch
Schallplatten und Klavierspiel untermalt werden soll, wird demnächst in
mehreren Städten Niedersachsens zu sehen sein.

Seite 10   Kulturschaffende unserer Heimat.
Professor Eduard Bischoff (Foto: Bildarchiv Lankau)
Zehn Jahre sind nun schon vergangen, seitdem der ostpreußische Maler Eduard
Bischoff das Dorf Holxen in der Lüneburger Heide, den ersten Zufluchtsort
nach der Vertreibung, verließ und in der Künstlersiedlung Hallmannshof in
Gelsenkirchen eine neue Wirkungsstätte fand. Der alte Gutshof am Rande der
großen Industriestadt, der kürzlich durch Errichtung eines neuen Wohn- und
Atelierhauses aufs glücklichste erweitert wurde, erinnert ein wenig an die
erste Behausung des jungen Künstlers und Meisterschülers von Ludwig Dettmann
und Richard Pfeiffer auf dem Gutshof von Friedrichswalde bei Königsberg. 

Wer Bischoffs Schaffen seit jener Zeit verfolgt hat, sieht ihn in einer
steten Aufwärtsentwicklung; manchmal auf scheinbaren Um- und Abwegen; aber
vielleicht gerade sie haben seinen künstlerischen Erfahrungsschatz
bereichert, sein technisches Können immer noch erhöht und seine
schöpferische Ausdruckskraft verstärkt und vereinigt, so dass er immer mehr
zu sich selber fand. 

Die Ausstellung, die Eduard Bischoff im vergangenen Herbst anlässlich seines
zehnjährigen Aufenthalts im Hallmannshof zeigte, bewies deutlich, mit
welchem Ernst der Verantwortung, mit welchem unermüdlichen Fleiß, ja, man
muss schon sagen: mit welcher künstlerischen Besessenheit er am Werke ist.
So überraschend vielseitig die Fülle der ausgestellten Ölbilder, Porträts,
Aquarelle, Skizzen und Drucke auch war, es konnte sich dabei doch immer nur
um einen Bruchteil alles dessen handeln, was Bischoff in diesen zehn Jahren
geschaffen hat. Der größere Teil davon befindet sich bereits in öffentlichem
oder in Privatbesitz. Und von den monumentalen Aufgaben, die dem Künstler
häufig gestellt wurden, bekam man kaum eine Ahnung. Es sei hier z. B. an die
riesigen geschliffenen Glasfenster im Rathaus von Buer erinnert, an die
großen farbigen Kirchenfenster von Schalke und Hattingen, an die
Wandmalereien, Hochreliefs oder Mosaikbilder in öffentlichen Gebäuden.
Gerade solche Aufträge, wie Bischoff sie mit besonderer Vorliebe auch schon
in Königsberg ausgeführt hat, zwangen immer wieder zu einer neuen
Einstellung auf das wechselnde Material, erforderten eine neue Technik und
führten daher auch zu einer immer größeren Vervollkommnung seiner
handwerklichen Fähigkeiten. 

Wenn manche dieser großen Werke in ihren Motiven auch das pulsierende
Arbeitsleben der Industrie gestalteten, aus dem Gesamtwerk spürt man doch
deutlich, dass Bischoff in den dunklen Fabrikstädten des Westens nie ganz
heimisch geworden ist. Wohl hat er hier eine ruhige und gesicherte
Arbeitsstätte gefunden, eine schöne Geborgenheit in der Gemeinschaft
gleichgesinnter Kameraden, seine Wandersehnsucht aber führt ihn immer wieder
in die Ferne und fast immer auch irgendwo ans Meer, das ihm liebste und
vertrauteste Element, das stets auch ein Stück ostdeutscher Heimat für ihn
bedeutet. Wo immer es sei, an der holsteinischen Ostsee oder an der
stürmischen Nordsee, am blauen Mittelmeer oder an den Ufern des gewaltigen
Atlantik, immer ist es der arbeitende Mensch in seiner natürlichen Umgebung,
der Fischer in seinem Boot, bei den Netzen, im harten Kampf mit Wasser und
Sturm, was Bischoff in vielfachen Abwandlungen, künstlerisch erregend, zu
gestalten weiß. Und immer von neuem bewundert man sein Vermögen, Mensch und
Landschaft in großartigen Kompositionen zu einer harmonischen Einheit
zusammenzufügen. 

Seit jeher, ein Meister der Palette, weiß er in allen seinen Werken um
feinste, duftigste Farbnuancierungen. Doch er scheut sich auch durchaus
nicht, stärkste Farben in scharfem Gegensatz nebeneinander zu stellen. In
seinen letzten Arbeiten ist Bischoff zu einer fast unwahrscheinlichen
Transparenz der Farben gelangt. Diese Transparenz, dieses Leuchten ganz von
innen her, ist es — neben der immer überzeugender werdenden Einfachheit
seiner Linienführung — wohl auch, wodurch der geistige Gehalt seiner Bilder
oft so stark offenbar wird, das wahrhaft „Abstrakte", das nicht unbedingt
mit Gestaltlosigkeit gleichzusetzen ist. 

Es ist kaum nur ein Zufall, dass Bischoff in seinem Streben nach
eindringlichster Einfachheit jetzt wieder den Holzschnitt, mit zwei, drei
oder gar vier Farbplatten, bevorzugt. Auch da kehren sie wieder, die
heimatlichen Motive, alten, glücklich geretteten Skizzenbüchern entnommen:
leuchtende Dünen, die ins Endlose wandern, mächtige Kurenkähne im Sturm,
Eisfischer auf mondscheinüberglänztem Haff, masurische Erntearbeiter mit
hoch geschwungener Sense. Daneben eine erschütternde Folge von
Schwarz-Weiß-Drucken: Bilder aus dem Kriege, von der Flucht, zerborstene
Häuser, zerbombte Wagen am Treckweg, ermattetes Vieh, verwundete Soldaten,
tote Menschen. Alles mit wenigen charakteristischen Strichen gezeichnet; die
natürliche Holzmaserung der Platten geschickt ausgenutzt — eindrucksvoll wie
aus einem mittelalterlichen Historienbuch. Ohne Wehleidigkeit, ohne Anklage
— und dennoch in der Unerbittlichkeit der Darstellung das Dokument eines
Schicksals, das nicht nur nach außen hin ertragen, sondern auch innerlich
überwunden wurde und daher künstlerisch letzthin gültig gestaltet werden
konnte. 

Man braucht nicht erst die zahlreichen Darstellungen religiösen Inhalts zu
betrachten, um zu ergründen, woher der Maler diese Kräfte der Überwindung
und der Gestaltung schöpft. Es ist sein großes, reines, unbeirrbares
Menschentum, das sich in seinen Werken immer wieder ergreifend offenbart.
Man sieht es seinem letzten Selbstporträt an, dem tiefen Ernst im Antlitz
des Künstlers, der sich im Umgang mit Menschen bei aller Tiefgründigkeit oft
so froh und heiter gibt, gleich aufgeschlossen der guten Musik, den Werken
der Literatur, dem echten Humor. Künstlertum ist nicht nur eine Gnade, es
ist auch schwerste Aufgabe und größte Verantwortung. 

Künstlertum bedeutet ein ewiges Auf und Ab zwischen innerer Stille, die des
himmlischen Empfanges harrt und schmerzvoll bohrender Unruhe vor der
Vollendung jedes Werkes. Es ist Beglückung und Verdammnis zugleich. Wer
wollte daran zweifeln, dass Eduard Bischoff um dies zwielichtige Geheimnis
alles wahren Schaltens weiß. Diese dynamische Polspannung der schöpferischen
Kräfte ist es, die im Werke geeint, den Bildern des Künstlers ihre
zwingende, magische Wirkung auf Geist und Seele der Beschauer verleiht.
Untrügliches Zeichen echten, lebensträchtigen Schöpfertums.

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 04 vom April 195 9

Date: 2016/12/07 17:49:56
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 11   Die stille Stunde. Unterhaltungsbeilage der Ostpreußen-Warte. 
Foto: Prof. Eduard Bischoff / Ostpreußischer Markt (Öl)

Annemarie in der Au. Ich bring euch Friede.
So sehr hatte sich der Rudi noch nie auf seine Ferien gefreut wie in diesem
Jahr. Ganz allein sollte er zu Onkel Wilhelm und Tante Henne aufs Land
fahren, und das war mit seinen neun Jahren immerhin eine großartige
Angelegenheit. Na ja, Muttchen würde ihn in den Zug setzen, und der Onkel
Wilhelm würde ihn mitsamt seinem kleinen Pappkarton auf der Station in
Empfang nehmen, aber die halbe Stunde Fahrt würde er doch ganz allein sein. 

Übrigens war Onkel Wilhelm gar nicht Rudis richtiger Onkel und Tante Hanna
auch gar nicht seine richtige Tante, aber das zu wissen, erschien Rudi
vollkommen unwichtig, wenn er sich nur richtig an die Namen sämtlicher
Pferde und Kühe erinnerte, wie er sie vor zwei Jahren von Onkel Wilhelm
gelernt hatte. 

Er erkannte noch alles wieder. Er redete die Pferde, mit denen Onkel Wilhelm
ihn von der Station abholte, gleich mit Liese und Lotte an, und seine
Lieblingskühe waren noch immer Mulle und Liene. 

Ach, es war herrlich bei Onkel Wilhelm und Tante Hanna! Rudi streunte den
ganzen Tag durch Garten und Felder, hielt sich während der Mittagshitze im
nahen Wald bei den sichtbar reifenden Himbeeren auf und begnügte sich damit,
nur dann im Hause zu erscheinen, wenn er gerade Hunger auf ein Stück
Schwarzbrot mit frischer Butter darauf oder auf Speckkartoffeln oder auf
eine Schale dicker Milch mit viel Zucker verspürte. Am liebsten wäre er
sogar nachts draußen geblieben, mitten unter den Kühen oder wenigstens doch
in der Scheune, wo das Heu geradezu verlockend duftete. Aber da fand er
energischen Widerstand bei Tante Hanna, die ihn abends regelmäßig zu finden
wusste, ihn erst in einen großen Bottich mit Wasser und dann in das große
Bett mit den blaukarierten Federbetten steckte. 

Ja, es waren wunderschöne Ferientage für Rudi, und sie wären noch schöner
gewesen, wenn Onkel Wilhelm und Tante Hanna nur nicht alle Augenblicke wegen
der geringsten Kleinigkeit gleich so kriegerisch gegeneinander gewesen
wären. Zwar waren es immer nur Kurzgefechte, aber, sie stimmten Rudi immer
traurig, weil er Onkel und Tante gleichermaßen gern hatte. 

„Sie können sich kein Friede nich halten!" hatte er die alte Petronella
eines Nachmittags ärgerlich mit ihrem zahnlosen Mund murmeln hören. Was die
Petronella, die so etwas wie ein zeitloses Inventar des Hauses darstellte,
mit Friede meinte, das begriff Rudi nicht ganz. Er kannte nur Friede, und
das war die Kuh des Nachbarn, die den geradezu ausgeprägten schönen weißen
Stern zwischen den Augen trug. Aber die Kuh konnte die Petronella doch wohl
nicht gemeint haben. Aber was dann? Nun, vielleicht ist Petronella schon so
alt und mit ihren Gedanken schon so weit voraus, dass man sie nicht mehr
einholen konnte. 

Darüber waren nun wieder ein paar Tage vergangen. Rudi kommt am späten
Nachmittag von einer sehr ausgedehnten Landstreicherei nach Hause. Wie er an
der guten Stube vorbeistreicht, hört er drinnen wieder einmal die Tante
Hanna schimpfen. Onkel Wilhelm war nämlich mit seinen Dreckstiefeln
geradewegs vom Stall in die gute Stube gegangen, wo er dringend Arnika aus
dem Wandschränkchen zu holen hatte. Darüber hatte ihn Tante Hanna erwischt
und war in eine entsetzte Zeterei ausgebrochen wegen der dreckigen Stiefel
und der sauber gescheuerten Diele. So entspann sich denn ein hitziger
Disput, ob man in dringenden Fällen auch mit Dreckstiefeln in die gute Stube
dürfe, oder ob man nicht dürfe, und Rudi, der eben jetzt Ohrenzeuge des
Disputes wurde, verstand aus allem nur, dass es um einigen Kuhmist ging. 

Sofort fiel ihm wieder Petronellas Ausspruch ein, und es wurde ihm
unverrückbar klar, dass es sich doch wohl um des Nachbars Kuh Friede handeln
müsse. Aber warum sollten sich denn Onkel Wilhelm und Tante Hanna die Friede
nicht halten können, wie die Petronella sagte, wo sie doch schon so viel
Kühe hatten? Vielleicht wollte der Nachbar nicht? Aber wenn der Nachbar
wüsste, dass es bloß deshalb immer Streit zwischen Onkel Wilhelm und Tante
Hanna gab, weil sie sich keine Friede hielten, dann würde er sie ihnen
bestimmt abgeben. 

Während der Rudi sich das alles so zurechtlegt, ist er schon auf dem Wege zu
Nachbars Weide, wo er die Friede abgesondert von den anderen Kühen
angepflockt weiß. Er weiß genau, was er zu tun hat, und dem Nachbarn wird er
morgen alles erklären. Er ist ja gut Freund mit dem Nachbarn. Heute ist
keine Zeit zu verlieren. 

Ja, so wird er Friede bringen, und die Kuh trottet auch ganz sanft und
selbstverständlich hinter Rudi drein. Nur als Rudi sie über die Hausschwelle
führen will, schüttelt sie verwundert den Kopf, und als der Rudi die Tür zur
guten Stube aufstößt, fängt sie sogar an zu bocken und zu muhen. Aber das
liegt vielleicht weniger an der guten Stube und an dem Disput, der da noch
immer vor sich geht, sondern an der Petronella, die gerade aus der Küche
kommt und entsetzt und mit Geschrei die Hände zusammenschlägt. Rudi aber
kümmert sich um nichts. Er zerrt so lange an der Kette, bis er Friede in der
guten Stube drin hat. 

Eine Weile ist alles still, erschreckend still, selbst Petronella und selbst
die Kuh, von Onkel Wilhelm und Tante Hanna ganz zu schweigen. Es scheint dem
Rudi wie eine schwüle Stille vor einem Gewitter zu sein, und das ist es
auch. Darum flüstert er auch bloß noch ganz leise: „Ich bring euch Friede"
und möchte am liebsten ganz weit weg sein. 

Während Onkel und Tante noch immer wie zwei Mauern in der Gegend stehen,
fängt Petronella an zu jammern und den Kopf zu schütteln, mit den Händen
immer wieder ineinander zu schlagen und zwischendurch zu schimpfen. Rudi ist
den Tränen nahe. Er versteht nichts mehr. Er hat es doch so gut gemeint, und
Petronella war es doch gerade, die das mit der Friede gemurmelt hatte, und
das alles sagt der Rudi nun. 

Wieder wird es still. Zuerst schießt's der Tante Hanna ganz rot ins Gesicht,
und sie weiß nicht, wo sie hinblicken soll. Auch Onkel Wilhelm läuft rot an,
und es sieht so aus, als wenn er lachen wolle. Die Petronella aber hat sich
noch nie so schnell aus einem Zimmer bewegt wie eben jetzt, und sie ist doch
immer sehr schnell. 

Der Rudi sieht das alles ebenso verwirrt mit an wie die schwüle Stille
zuvor. Da bricht der Onkel Wilhelm in Lachen aus, geht zur Tante Hanna hin
und nimmt sie einfach in den Arm, und die Tante Hanna sträubt sich kein
bisschen und lacht schließlich auch. Die Friede aber, wohl um zu zeigen,
dass sie sich auch freue, hebt den Schwanz und lässt was fallen, mitten in
die gute Stube hinein. Onkel Wilhelm sieht es zuerst, und war sein Lachen
bisher wie ein Gurren, so wird es jetzt zum Donnern. Er schlägt sich auf die
Schenkel, stößt Tante Hanna in die Seite und kann sich nicht mehr halten.
Und wahrhaftig, die Tante Hanna tut mit ihm mit und ist kein bisschen mehr
böse. Und als sie sieht, dass der Rudi mit großen ängstlichen Augen auf die
Friede und auf den Kuhfladen sieht, da nimmt sie ihn wie ein kleines Kind
auf die Arme, drückt ihn und küsst ihn und lacht immer wieder und hat dabei
ganz feuchte Augen. 

Die Sache mit der Friede und mit dem Frieden, die der Rudi so ineinander
verquickt hatte, ist beides und zu aller Zufriedenheit geregelt worden, aber
da schlief der Rudi schon fest und glücklich in seinem großen, blaukarierten
Bett. 

Der Friede ist zwischen Onkel Wilhelm und Tante Hanna fortan immer gehalten
worden, und die Friede blieb auch bei ihnen. Der Nachbar hatte Verständnis
für die ganze Angelegenheit rund um den und die Friede. 

Seite 11   Herbert Wessely. Vorfrühling. 
Aus dem grauen Erdbraun der Wiesen steigt fröhliches Grün. Erst an den
Rändern des Weihers und der hundert Rinnsale, die wie seltsames Gitterwerk
den Wiesenhang zerteilen, dann über die ganze Wiese hin, von unten herauf,
vom feuchten, lebenspendenden Grunde. Es ist immer so, in jedem Frühjahre.
Nicht, dass es diesmal anders und etwas Besonderes wäre, überraschender,
eindringlicher oder früher als sonst. Es ist wie in jedem Jahre, nur — ich
sehe es so, als wäre es das ersten Mal. Dass es so etwas gibt! 

Aus der grauen Öde dieses wachsende, singende Grün. Es ist überall und in
hundert Stufen und Tönen. Hängt wie seidiger Hauch in den Birken und bricht
aus den glänzenden Knospen der Buchen mit einer Kraft des Leuchtens, als
läge jedes Blatt, jede Knospe auf Goldgrund. 

Dunkel und ernst stehen die winterbraunen Fichten. Aber die Lärchen! Wie
Moos und Gewölle treiben sie ihr samtiges Grün, weich und fromm. 

Nur die Eichen und Eschen zögern, die großen Zweifler und Zauderer. Aber
ihre Knospen glänzen schon voll Erwartung und verhaltener Kraft. 

Soll ich da in die Stadt gehen, durch die grauen Gassen und Höfe, wo die
Menschen wirre Dinge treiben, die ihnen das A und O ihres Lebens dünken? 

Wie aber tappen sie am wahren Wesen vorbei, das nicht aus nacktem Nutzen und
ausgeklügeltem Gewerke bricht, aber über stillem Weiher, windbewegtem
Strauche und aus dem Vogelliede emporsteigt. — Was ist schon an der Stadt,
an ihren starren, steinernen Kristallen — gemessen am Baum und Wald? Irr
hallt das Schwirren und Schrillen, der Lärm des Getriebes und das Dröhnen
der Maschinen. 

Hier am Rande der Berge aber summt die Wiese, rauscht der Wald und singt der
Bach sein frühlinghaftes Lied. Weiß schäumt es in feinen Silberstreifen über
die moosigen Steine. Das ist die Welt Gottes, und hundertfältiges Leben
füllt sie. 

Der braune Acker nimmt die Saat auf, und aus tausend Zweigen bricht die
lebendige Zuversicht — leise, ohne leeren Schall, grün und heilend.

Seite 11   Strom im Osten. Von Josef Moder
Sein Gleiten atmet viel Gelassenheit, 
als wäre er ein Spiegel für die Sterne, 
die nächtens über der verlassenen Ferne 
der Steppe stehn. Er gibt dir das Geleit 

und eilt nicht. Denn er weiß, sein Weg ist weit, 
und nur, wer ohne Hast geht, geht auch gerne. 
Und wer noch keine Heimat hat, der lerne 
sie suchen, wie der Strom sich einst befreit 

in die erahnte Unermesslichkeit 
des Meeres, die er drängend in sich trägt 
und unaufhaltsam, denn sie ist sein Ziel: 

Dem Riesen gleich, der Felsen, hingelegt 
vor seinen Fuß — als wäre es ein Spiel — 
allein durch seines Schreitens Macht bewegt.


Seite 11   Fritz Kudnig. Onkel Gottlieb und die christliche Seefahrt. 
Meine schon seit frühester Jugendzeit unbezähmbare Vorliebe für das feuchte
Element begnügte sich allmählich nicht mehr damit, das in Bächen und
Moorästen befindliche Wasser in meinen Bein- und Fußbekleidungen nach Hause
zu schaffen. Wasser dient ja nicht nur dazu, Stiefel und Hose damit zu
füllen. Es hat auch die bewundernswerte Eigenschaft, schiffbar zu sein. 

Schon wenn ich früher meinen schönen Blechdampfer in Mutters Badewanne hatte
herumfahren lassen, war oft die Sehnsucht in mir aufgestiegen, auch selber
einmal wie dieser herrliche Dampfer auf dem Wasser zu schwimmen. Da meine
persönliche Schwimmkunst leider nie zur Vollendung gedieh, musste ich
notgedrungen nach einem Ausweg suchen. Er fand sich während meiner
Sommerferien überraschend bald in Gestalt der mächtigen Waschwanne meiner
Tante Liese in Deutschendorf. Es passte zu dieser Wanne wie die Faust aufs
Auge, dass sich in unserem dortigen Obst- und Bleichgarten auch ein
wunderschöner Teich befand. Die Gelegenheit zu Dampferfahrten und sonstigen
sportlichen Unternehmungen war also denkbar günstig. 

Mit Hilfe meines getreuen Spielgefährten Heinrich rollte ich die hölzerne
Waschwanne, die wesentlich größer als ich selber war, und die nach der
großen Wäsche gerade zum Trocknen am Hause lehnte, zu dem mit Brettern
abgesteiften Ufer unseres Teiches. Dort gaben wir ihr mit vereinten Kräften
und lautem Hurra einen mächtigen Schubs, so dass sie mit einem Wuppdich und
mit mächtigem Getöse über die hölzerne Verkleidung des Ufers hinweg in den
tieferen Wasserspiegel hinunterplaukschte. Das Wasser sprang schäumend hoch
empor und die bisher friedlich darauf schwimmenden Enten erhoben sich mit
jähem Angstgeschrei und heillosem Geschnatter in die Luft, um sich vor uns
Ungeheuern ans Ufer zu retten. 

Glücklicherweise schien niemand im Hause diesen Höllenspektakel gehört zu
haben. So nahmen wir beiden Unholde, uneingeschränkt fröhlich, bewaffnet mit
einer langen Wäschestange, abwechselnd in der Wanne Platz und stakten
begeistert in dem Wasser herum, bis uns vor Freude der Schweiß ausbrach. —
Dies Vergnügen dauerte leider nur so lange, bis mein unhörbar aus der
Scheune herbeigekommener Onkel Gottlieb, jäh wie ein Spuk, vor uns stand und
uns drohenden Auges anschrie, ob wir das Trinkwasser im Teiche jetzt nicht
gründlich genug aufgewühlt hätten. 

Wir überzeugten uns durch einen raschen Blick auf den bewegten
Wasserspiegel, dass dies tatsächlich der Fall war. Das vordem schön
klarblaue Wasser unterschied sich in nichts mehr von der moorschwarzen
Modderkaule auf dem Rossgarten, in der ich meine frühen Schwimmversuche
getätigt hatte. 

Onkel Gottliebs feuersprühendes Auge, das jede meiner Bewegungen scharf
überwachte, bewog mich, nunmehr schleunigst das Land anzusteuern. Es nutzte
leider nichts, dass ich, um mit heiler Haut davonzukommen, mit äußerster
Kraft nach der Richtung ruderte, die dem Standpunkt meines Onkels gerade
entgegengesetzt war. Als ich, in Angstschweiß gebadet, landete, stand Ohm
Gottlieb, der ein paar mächtige Sprünge getan hatte, bereits neben mir. Und
er zögerte trotz seiner gottgefälligen Namens und unserer engen
Verwandtschaft nicht eine Sekunde, sondern kniff mir, bevor ich auch nur
einen Atemzug hatte tun können, mit teuflischem Grinsen so lange an meinen
Ohrläppchen herum, bis ich das leidvolle Gefühl hatte, dort nur noch ein
paar Fetzen Hackfleisch zu haben. 

„Zur freundlichen Erinnerung an deine christliche Seefahrt!" meinte er und
ließ diesem frommen Wunsche ohne Verzögerung auch noch eine Backpfeife
folgen, die nicht von schlechten Eltern war. Doch kein Schmerz währt ewig.
Und keine noch so böse Erinnerung vermag die verkommene Menschenkreatur von
weiteren Untaten abzuschrecken, was sich schon in absehbarer Zeit als
unleugbare Tatsache erwies.

[OWP] Johannisburger Heimatbrief

Date: 2016/12/07 18:06:24
From: Eva Heller via OW-Preussen-L <ow-preussen-l(a)genealogy.net>

Guten Abend
Es weihnachtet … und ich wollte dem Cousine meiner Grossmutter einige Bilder seines Heimatortes unter den Weihnachtsbaum legen. Er wuchs in Lupken auf und erzählte mir, daß er nicht ein einziges Bild hat. Ich hatte geplant mir über ein Antiquariat diejenigen Hefte der Johannisburger Heimatbriefe zu besorgen, die Beiträge zu Lupken enthalten. Jetzt muß ich aber feststellen, daß gar nicht alle fraglichen Hefte via Antiquariat verfügbar sind.
Daher wende ich mich heute an die Liste. Hat jemand zufällige eines oder mehrere dieser Hefte und könnte für mich nachsehen, ob ein Bild von Lupken dabei ist:
1979198219982001200520062013
Die zwei Bilder im Bildarchiv Ostpreußen habe ich entdeckt. Ebenso die beiden im Bildband "Heimat umgeben von Wäldern und Seen".
Besten Dank und viele Grüße
Eva (Heller)

Re: [OWP] Lesehilfe / Ortsname Knieloerg ?

Date: 2016/12/07 18:21:14
From: ahnen <ahnen(a)mielczarek.de>

Hallo Uli,

ich würde Knieberg lesen.

Allerdings finde ich auch nur lediglich einen Ort in Niederösterreich.
https://de.wikipedia.org/wiki/Knieberg


Es grüßt ganz herzlich aus Ibbenbüren
Günter ( Mielczarek )

www.mielczarek.de
Private Ahnenforschung

www.unsere-ahnen.de
Mit Linkliste zu 2457 digitalisierten Büchern etc. und Übersichtskarten mit Linklisten zu digitalisierten topographischen Karten mit ca. 10.500 Links -----Ursprüngliche Nachricht----- From: U H
Sent: Wednesday, December 7, 2016 4:49 PM
To: Ostpreußen ; Brandenburg
Subject: [OWP] Lesehilfe / Ortsname Knieloerg ?

Hallo liebe Mitforscher,

ich habe Probleme bei einem Heiratseintrag den Wohnort des Vaters vom
Bräutigam zu erkennen. Die Schrift des Pastors ist meines Erachtens
ordentlich. Ich lese  Knieloerg. Im Internet fand ich keinen Namen mit
dem Ort.

Unter      https://www.magentacloud.de/lnk/CVPSuduq          kann der
Eintrag angesehen bzw. heruntergeladen werden. Es handelt sich um den
Eintrag 296 und dort dort um die 2. Spalte. Ich wüßte gern ob ich den
Namen richtig entziffert habe und dann wo der Ort liegt.

Viele Grüe,

Uli (Hanke)

_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l

Re: [OWP] Johannisburger Heimatbrief

Date: 2016/12/07 19:26:35
From: Werner Schuka <Schuka.EDV(a)t-online.de>

Hallo Frau Heller, 

folgende JHBs finden Sie unter Folgenden Netz-Adressen: 

JHB 1979 
http://www.schuka.net/Ostpreussen/KrJo/KG/Publikationen/Inhalt-JHB-1979.htm 

JHB 2005
http://www.schuka.net/Ostpreussen/KrJo/KG/Publikationen/Inhalt-JHB-2005.htm 

JHB 2006 
http://www.schuka.net/Ostpreussen/KrJo/KG/Publikationen/Inhalt-JHB-2006.htm 

Die Jahrgänge JHB 1982, JHB 1998, JHB 2001 könnten bei mir noch als
Doubletten vorhanden sein. 
Eine Lieferung gegen Kostenerstattung wäre innerhals Deutschlands möglich. 

Der Jahrgang JHB 2013 steht bei mir nicht mehr zur Verfügung. 

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schuka


-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ow-preussen-l-bounces(a)genealogy.net
[mailto:ow-preussen-l-bounces(a)genealogy.net] Im Auftrag von Eva Heller via
OW-Preussen-L
Gesendet: Mittwoch, 7. Dezember 2016 18:03
An: ow-preussen-l(a)genealogy.net
Betreff: [OWP] Johannisburger Heimatbrief

Guten Abend

Es weihnachtet … und ich wollte dem Cousine meiner Grossmutter einige Bilder
seines Heimatortes unter den Weihnachtsbaum legen. Er wuchs in Lupken auf
und erzählte mir, daß er nicht ein einziges Bild hat. Ich hatte geplant mir
über ein Antiquariat diejenigen Hefte der Johannisburger Heimatbriefe zu
besorgen, die Beiträge zu Lupken enthalten. Jetzt muß ich aber feststellen,
daß gar nicht alle fraglichen Hefte via Antiquariat verfügbar sind.
Daher wende ich mich heute an die Liste. Hat jemand zufällige eines oder
mehrere dieser Hefte und könnte für mich nachsehen, ob ein Bild von Lupken
dabei ist:

1979 1982 1998 2001 2005 2006 2013

Die zwei Bilder im Bildarchiv Ostpreußen habe ich entdeckt. Ebenso die
beiden im Bildband "Heimat umgeben von Wäldern und Seen".

Besten Dank und viele Grüße
Eva (Heller)

_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l

Re: [OWP] Johannisburger Heimatbrief

Date: 2016/12/07 19:48:39
From: Ronald Funk <info(a)genealogie-funk.de>

Liebe Eva,

ich habe die Jahrgänge 1982, 1998 und 2001 vorliegen und schicke Dir morgen über die private Mailadresse

entsprechende Scans.

Einen schönen Abend

Ronald (Funk)


Am 07.12.2016 um 18:02 schrieb Eva Heller via OW-Preussen-L:
Guten Abend
Es weihnachtet … und ich wollte dem Cousine meiner Grossmutter einige Bilder seines Heimatortes unter den Weihnachtsbaum legen. Er wuchs in Lupken auf und erzählte mir, daß er nicht ein einziges Bild hat. Ich hatte geplant mir über ein Antiquariat diejenigen Hefte der Johannisburger Heimatbriefe zu besorgen, die Beiträge zu Lupken enthalten. Jetzt muß ich aber feststellen, daß gar nicht alle fraglichen Hefte via Antiquariat verfügbar sind.
Daher wende ich mich heute an die Liste. Hat jemand zufällige eines oder mehrere dieser Hefte und könnte für mich nachsehen, ob ein Bild von Lupken dabei ist:
1979198219982001200520062013
Die zwei Bilder im Bildarchiv Ostpreußen habe ich entdeckt. Ebenso die beiden im Bildband "Heimat umgeben von Wäldern und Seen".
Besten Dank und viele Grüße
Eva (Heller)

_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l


---
Diese E-Mail wurde von Avast Antivirus-Software auf Viren geprüft.
https://www.avast.com/antivirus

Re: [OWP] Lesehilfe / Ortsname Knieloerg ?

Date: 2016/12/07 21:37:15
From: Ahnenforschung . Stuertz <Ahnenforschung.Stuertz(a)web.de>

Hallo Uli,

ich lese Knieberg! Ein sehr schwungvolles L! In wikipedia konnte ich einige Kniebergs finden, allerdings kein Knieberg in Ost- oder Westpreußen...

VG
Inke (Stuertz)

> Gesendet: Mittwoch, 07. Dezember 2016 um 16:49 Uhr
> Von: "U H" <ahnen(a)hanke1.de>
> An: Ostpreußen <ow-preussen-l(a)genealogy.net>, Brandenburg <brandenburg-l(a)genealogy.net>
> Betreff: [OWP] Lesehilfe / Ortsname Knieloerg ?
>
> Hallo liebe Mitforscher,
> 
> ich habe Probleme bei einem Heiratseintrag den Wohnort des Vaters vom 
> Bräutigam zu erkennen. Die Schrift des Pastors ist meines Erachtens 
> ordentlich. Ich lese  Knieloerg. Im Internet fand ich keinen Namen mit 
> dem Ort.
> 
> Unter      https://www.magentacloud.de/lnk/CVPSuduq          kann der 
> Eintrag angesehen bzw. heruntergeladen werden. Es handelt sich um den 
> Eintrag 296 und dort dort um die 2. Spalte. Ich wüßte gern ob ich den 
> Namen richtig entziffert habe und dann wo der Ort liegt.
> 
> Viele Grüe,
> 
> Uli (Hanke)
> 
> _______________________________________________
> OW-Preussen-L mailing list
> OW-Preussen-L(a)genealogy.net
> http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
>

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 04 vom April 195 9

Date: 2016/12/07 23:01:04
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 12   Deutsch-polnische Nachbarschaft – Problem und Aufgabe.
Barsinghausener Gespräche jetzt in einer Schriftenreihe.
Der ostpreußische Verlag Gerhard Rautenberg, Leer, beginnt nun, die Referate
und Ergebnisse der „Barsinghausener Gespräche“, über die wir bereits
wiederholt berichteten und die, das soll noch einmal betont werden, nicht
genug begrüßt werden können, in Broschüren zusammenzufassen und somit einem
großen interessierten Kreis zugänglich zu machen. Die Barsinghausener
Gespräche vereinen Wissenschaftler, Ostexperten, Männer der Kirche,
Politiker, auf der anderen Seite Vertreter der Vertriebenenverbände und der
Deutschen Jugend des Ostens, um im Gespräch miteinander Wege für eine
Neuorientierung unserer Ostpolitik zu erarbeiten. Dass sich bei derartigen
Gesprächen die Meinungen oft hart im Raum stoßen, wird aus der
Zusammensetzung des Gesprächskreises verständlich; das zeigt uns aber
andererseits, wie wichtig es ist, miteinander zu sprechen, um zu Ergebnissen
zu kommen, die für gemeinsame Schritte in naher oder fernerer Zukunft die
gesunde Grundlage für ein friedliches Nebeneinander der Völker im Osten
bilden können.  

Aus dem dritten Band unter dem Titel „Deutsch-polnische Nachbarschalt als
Problem und Aufgabe", der die Referate des dritten Barsinghausener Gesprächs
im November 1958 zusammenfasst, bringen wir nachstehend einen Abschnitt aus
der Zusammenfassung von Pastor Dr. Werner Petersmann, Hannover. Die beiden
ersten, ebenfalls bereits im Druck vorliegenden Bände stehen unter dem Motto
„Der geistige und politische Standort der Heimatvertriebenen“und „Der
Reichsgedanke und die Völker". Augenblicklich wird der vierte Band mit dem
Titel „Deutsch-russische Nachbarschaft" vorbereitet. (Jeder Band DM 2,90). 

Menschlicher Kontakt 
Es erhebt sich jetzt die Frage, die zumal die Jüngeren unter uns mit
praktischem Drängen stellen: ja, was können und sollen wir denn nun tun? Wie
ist hier eine echte und verheißungsvolle Begegnung möglich, die zu einem
Zusammenkommen und Übereinkommen an runden oder eckigen Tischen führt? 

Nun, der erste Schritt, der immer möglich und geboten ist, das ist der
menschliche Kontakt! Besonders eben dann, wenn verhängnisvolle
geschichtliche Entwicklungen oder Ereignisse sehr schwer überbrückbare
Klüfte aufgerissen und die Fronten verhärtet haben. Dann ist es einfach
zunächst die rein persönliche Fühlungnahme von Mensch zu Mensch, die jene
verhärteten Fronten an einer noch so kleinen Stelle aufweicht und die ersten
noch so schmalen Zugänge eröffnet. Lassen Sie mich das bitte vorweg am
eigenen Erfahrungsbeispiel konkret deutlich machen. Nach dem ersten
Weltkrieg kam ich, anno 1925, durch meinen Lehrer Rudolf Otto als erster
„German Fellow" der „Rockefeller Foundation" für zwei Jahre an das Union
Theological Seminary in New York City, einfach zunächst um hier ein
menschliches Brücklein schlagen zu helfen. Rudolf Otto mit seinen weltweiten
Beziehungen aus religionsgeschichtlichen Forschungen hatte in dieser ersten
Katastrophenzeit auch einen „Religiösen Menschheitsbund" gesammelt, einfach
um die menschlichen Gewissen aus letzter Verantwortung zusammenzubringen;
ich habe diesen Bund in seinem Auftrage gelegentlich zum Beispiel in
Verhandlungen mit Quäkern vertreten, die ja durch ihre bedingungslose
praktische Nothilfe, wie die Kinderspeisungen, rein menschlich die Herzen
gewannen. Nach der französischen Besetzung des Ruhrgebietes, meiner Heimat,
hatte ich selbst einen studentischen Kontaktkreis „Marburg - Paris" ins
Leben gerufen, den wir später der „International Fellowship of
Reconciliation" angliederten. 

Es war mir jedenfalls manches auch sehr ärgerlich an diesen zunächst immer
rein menschlichen Kontakten. Warum waren die Elsässer darunter so
Französisch ausgerichtet? Warum musste mein dänischer Freund ausgerechnet in
Paris lutherische Theologie studieren? Warum wollten bei einem Zusammensein
in Dänemark unsere französischen und dänischen Freunde so viel Ball spielen,
wo doch die Diskussion entscheidender politischer Fragen drängte? Aber der
menschliche Kontakt kommt offenbar leichter auf im „homo ludens", wenn „das
Kind im Manne" gesellig spielt. Wir „Germanen" suchen ihn nach uralter
Vätersitte im abendlichen Umtrunk — freilich geschieht das auch östlich so,
wenn ich an meine freundschaftlichen Wodka-Kontakte mit prachtvollen Polen
in Galizien denke. Der Wiener Kongress hat getanzt. Gewiss nicht nur, aber
auch. Es kommt die Tuchfühlung durch alle mögliche menschliche Teilnahme:
ein begabtes Pariser Studentenpaar lernte ich auf einer Marburger
Zusammenkunft unseres Kreises kennen, da war es verlobt; als ich es in
Dänemark wiedertraf, da war es verheiratet; in New York hatte es dann sein
erstes Baby. Unser französischer Freund, ein Nationalökonom, hatte
studienhalber die SU bereist und bereiste nun die USA und schrieb darüber.
So klein und rund und menschlich ist unsere Welt. Entschuldigen Sie diesen
persönlichen Exkurs; er sollte die konkreten Wege deutlicher machen. So
mannigfaltig sind menschliche Kontakte — sehr kleine bunte Steinchen, aber
auch die große Historie ist unter diesem Aspekt oft „Weltgeschichte wie sie
keiner kennt", ein eigentümliches intimes Mosaik. Erst recht ist nun beim
heutigen Polen solcher rein menschliche Kontakt der erste Zugang. Abgesehen
von der Vergatterung durch den Eisernen Vorhang überhaupt, zeigt das
Querschnittbild oben (der erste Teil dieser Zusammenfassung, der hier aus
Platzgründen nicht wiedergegeben werden kann. Die Red.) mannigfach arg
verklemmte Fenster und Türen. Ganz verklemmt ist die politische Haustür. Es
ist völlig verkehrt, das Gespräch mit der Oder-Neiße-Grenze beginnen zu
wollen. Diese noch so bedrängenden politischen Fragen sollen nicht endgültig
ausgeklammert werden, aber sie stehen ganz am Schluss der Tagesordnung und
sind erst dann diskutierbar, wenn die Atmosphäre echter menschlicher
Begegnung und ehrlichen Vertrauens hergestellt ist. 

Kontaktbereich und Kontaktthema sind sachlich vor allem jene kulturellen
Gebiete, in denen die geistige Lava der Zusammengehörigkeit mit dem
abendländischen Westen mit mythopolitischer Vulkangewalt aus den
unterirdischen Tiefen vorgebrochen ist. Auch das muss in und aus
menschlicher Herzlichkeit ersehenen — wie jener Archivar sie übt, der darauf
hinweist, dass an dieser oder jener Stelle in Polen ein Rubens oder eine
wertvolle Handschrift vergraben liegt, und der sie so lieber den Polen
ausliefert, als sie in der Erde vermodern zu lassen. Das Besuchs- und
Begegnungsgespräch, die Fühlungnahme mit Studierenden, Messegästen,
Journalisten und Schriftstellern, wissenschaftliche Tagungen und alle
geistigen Gremien bieten das fruchtbarste Feld. Es sollte vor allem bebaut
und ausgebaut werden. Welcher Anbau dann auf diesem Felde inszeniert werden
kann, mag exemplarisch die Anregung des Internationalen Schulbuchinstituts
in Braunschweig zeigen, die deutschen und die polnischen Geschichtsbücher
für den Schulunterricht zu revidieren. Und es mag bei dieser Gelegenheit
auch hingewiesen werden auf den ökumenischen kirchlichen Kontakt bei der
Einweihung der protestantischen Trinitatiskirche in Warschau. 

Der weitere Kontaktbereich der wirtschaftlichen Austauschmöglichkeiten ist
mit starken Hypotheken belastet. Englands Handel mit Polen ist wohl
beträchtlich. Es mag auch als Blitzlicht die westwärts offene Situation
erhellen, wenn unter den noch freieren kleinen polnischen Industriellen, mit
denen Kontakte auf den Messen in Posen oder Hannover möglich sind, dieser
oder jener aus dem Bundesgebiet bezogenen Kunststoff zu Hula-Hupp-Reifen
verarbeitet. Aber wie dem auch immer sei, abgesehen von der gelenkten
Kombinatsverflechtung der industriellen Wirtschaft Polens und des Ostblocks
überhaupt mit der Sowjetunion bestehen nicht nur die ökonomischen Fragen,
welche Güter uns denn Polen anzubieten hätte und auf welche Weise
langfristige Kredite zu tätigen wären, sondern vor allem jene besondere
Fragwürdigkeit: sollen wir mit deutschen halbwegs geschenkten
Investitionslieferungen den Wiederaufbau und die Industrialisierung in den
polnisch verwalteten deutschen Ostprovinzen fördern, dass es optisch dann so
wirkt, als habe Polen das alles geleistet, und somit also unsererseits die
unleidlichen politischen Verhältnisse für die Zukunft mit stabilisieren
helfen? Keineswegs kann diese Sache einer opportunistischen Wirtschaft und
ihrem rein konjunkturellen Denken ausgeliefert, sondern nur der politischen
Verantwortung ausgehändigt werden. Dieser Bereich ist eine im engeren Sinne
politische Frage, die je nach der Situation der Staatsmann entscheiden muss.
Etwas ganz anderes dagegen ist die karitative Nothilfe und Unterstützung,
die nun wiederum wirklich in voller menschlicher Herzlichkeit und
Hilfsbereitschaft geschehen sollte; aber auch sie muss gut gezielt geleistet
werden. 

Am Schluss, aber wirklich erst ganz am Schluss steht der politische Kontakt-
und Themenbereich mit solch heißen Eisen wie der Oder-Neiße-Grenze. Aber
freilich muss sie schließlich dann einmal erörtert werden. Sonst wäre es ja
ein Vogel-Strauß-Spielen oder Kneifen. Sie sollte freilich nicht die ständig
erschielte Nutzanwendung sein, nicht die in jesuitischer Pädagogik
abgezielte „Moral von der Geschicht“ , aber dann doch die echte, harte Probe
aufs Exempel, wenn das menschliche Vertrauensverhältnis so hergestellt ist,
dass es Stich hält. Aber auch hier müssen die brennenden aktuellen Fragen
einer gerechten und rechten politischen Zukunftsgestaltung mit menschlicher
Verständigungsbereitschaft aus jenem geistig kulturellen Bereich
heraufwachsen. Sie stehen auch hier am Ende einer Erörterung der
beiderseitigen und verzahnten Geschichte als Nachbarschafts- und
Schicksalsgemeinschaft. Sie stehen am Ende der beiderseitigen Revision der
Geschichtsbilder, wie sie oben für die Schulbücher schon genannt war. Sie
stehen dann am Ende einer menschlich offenen Erörterung der gültigen
Grundsätze politischer Völkergemeinschaft: dass, nach den heutigen
völkerrechtlichen Maßstäben, nicht fragwürdige „historische" Grenzen
irgendeiner Epoche entscheidend sein können, sondern die Volkstumsgrenzen
der betreffenden Gegenwart, und dass diese nicht bestimmt werden durch
Sprache und „autochthone" oder empirische Volksbiologie (dann würde ja das
Elsaß und auch die Schweiz zum Deutschen Reich gehören müssen!), sondern
durch das Bekenntnis und die Selbstbestimmung der Menschen selber. Auch dass
für die komplizierte Mischung der Volksgruppen in Ostmitteleuropa die
einfache nationalstaatliche Betrachtung und Lösung des Westens nicht genügt,
sondern dass vielmehr eigentümliche und gewiss zukunftsweisende
„europäische" Visionen des Mit- und Ineinanderlebens von-nöten sind. Auch
dass das Heimatrecht nicht nur als persönliches Menschenrecht verstanden
werden kann, sondern als volkhaftes, und dass die Benötigung des recht
verstandenen volkhaften Lebensraumes Verzichte oder Kompensationen an diesem
Punkte ausschließt, gerade um zukünftige Krisen und Konflikte zu vermeiden.
Ganz am Ende solcher menschlich ehrlichen Erwägungen wird man dann auch den
„heißen Brei" der Grenzfrage gemeinsam und freundschaftlich löffeln können. 

In unseren Tagungsgesprächen wurden über solche freien Kontakte hinaus auch
Kultur- und Wirtschaftsabkommen und Kultur- und Wirtschaftsmissionen
eventuell für wünschenswert gehalten. Sie könnten für solche schöpferischen
Kontakte förderlich sein, wenn sie diese nicht in staatlichem Apparatismus
ersticken. Und sie müssten mit Persönlichkeiten besetzt sein, die nicht nur
den diplomatischen Comment der Vergangenheit und des Westens beherrschen und
auch nicht nur menschliche Verständnisbereitschaft besitzen, sondern auch
die Instinktsicherheit, die der Osten hat und die im Osten atmosphärisch
lebensnotwendig ist. Die Frage der politischen Vertretung dagegen ist der
Politik im engeren Sinne zu überlassen. 

Seite 12   Bücher - die uns angehen 
Dr. Günter Dettmar: Die Ost- und Westpreußischen Verwaltungsbehörden im
Kulturkampf. Band 2 der von Dr. W. Hubatsch herausgegebenen „Studien zur
Geschichte Preußens". Verlag Quelle und Meyer, Heidelberg. 143 S., DM 14,--.

Der Kulturkampf (1871 bis etwa 1887) entstand aus dem Gegensatz zwischen dem
preußischen Staat und der katholischen Kirche. „Der aus protestantischem
Denken gewachsene Staat und die katholische Kirche mussten in scharfen
Gegensatz geraten, wenn beide zu gleicher Zeit versuchten, ihre Idee, aus
der sie lebten, voll in die Wirklichkeit zu übersetzen“. Durch die
Verkündigung der lehramtlichen Unfehlbarkeit des Papstes auf dem
Vatikanischen Konzil 1871 entstand dieser Machtkampf, der schließlich
unentschieden blieb und mit gegenseitiger Toleranz endete. 

In Ostpreußen — Westpreußen ist ein Kapitel für sich — spielte sich dieser
Kampf naturgemäß fast ausschließlich im katholischen Ermland ab. Dr. Dettmar
untersucht an Hand ungedruckter Akten aus dem Staatl. Archivlager Göttingen
und dem früheren Preuß. Geh. Staatsarchiv, jetzt in Merseburg, wie sich die
scharfen Gesetze in der Praxis auswirkten, und geht ein auf die einzelnen
Vorgänge, die damals viele Gemüter stark erregten. In der Hauptsache
behandelt er den Braunsberger Schulstreik, der um den Religionsunterricht
ging, die strittige Vorbildung der Geistlichen am Priesterseminar
Braunsberg, die Besetzung des Frauenburger Domkapitels und die Durchführung
der staatlichen Gesetze in dem rein ermländischen Orden der Katharinerinnen.
Bischof in Frauenburg war bis zu seiner Berufung auf den Kölner
Erzbischofsstuhl 1886 Dr. Krementz; er erwies sich als ein sehr geschickter
Gegenspieler des Königsberger Oberpräsidenten und des Regierungspräsidenten.
Mehrfach wurden gegen den Bischof hohe Geldstrafen verhängt, von der
Einziehung sah man jedoch größtenteils ab. Eine ganze Anzahl ermländischer
Pfarrstellen blieb unbesetzt. Pfarrer und Vikare wurden wegen Widerstands
gegen die Staatsgesetze mit Gefängnis bestraft bis dann Bismarck allmählich
die allzu scharfen Gesetze abbaute. — Die sehr sorgfältige Arbeit beleuchtet
einen nicht unwichtigen Teilausschnitt unserer Heimatgeschichte und stellt
gleichzeitig einen Beitrag dar zur Verwaltungsgeschichte am Ende des 19.
Jahrhunderts. Ein wertvoller Anhang mit zeitgenössischem und statistischem
Material gibt einen Begriff von der großen geleisteten Arbeit, die aus einer
Doktor-Dissertation entstand. Dr. W. 

Westpreußen in 144 Bildern. Herausgegeben von Dr. H. B. Meyer. Verlag
Gerhard Rautenberg, Leer. Ktn. DM 8,50, Ln. 10,80
In der Reihe Ostdeutscher Dokumentarbildbände „in 144 Bildern“ erschien nun
für die ost- und westpreußische Heimat in Ergänzung und Abrundung zu den
bereits vorliegenden Bänden („Königsberg“, „Masuren“, „Von Memel bis
Trakehnen“, „Das Ermland“ und Danzig“) der besonders von den Westpreußen
lang erwartete Band „Westpreußen“. An Hand ausgesuchten Bildmaterials (das
alle Bände dieser Reihe auszeichnet) wird der Beschauer auf eine Wanderung
durch Westpreußen mitgenommen. Sie beginnt bei Thorn, führt uns
weichselwärts bis zur Danziger Bucht und der Halbinsel Hela. Es folgen die
westlich davon gelegenen Kreise von Konitz und Bromberg  bis Schlochau und
Deutsch-Krone. Im Osten erstreckt sich die Reise von Elbing und dem Haff
über Marienburg und Marienwerder bis zum Kreis Rosenberg, und den Abschluss
bildet Danzig als die ehemalige Provinzialhauptstadt. Die über Land und
Geschichte so aufschlussreiche Einführung schrieb der Herausgeber Dr. H. B.
Meyer (dem wir auch den Danzig-Band verdanken).

So ergibt sich in Bild und Wort eine Darstellung dieses Landes, wie sie
jeden Westpreußen erfreut, wie sie aber auch den Schulen und anderen
Bildungsstätten und nicht zuletzt jedem, der sich sonst über diese deutsche
Provinz unterrichten will, endlich die nötigen Unterlagen dazu vermittelt.
Verlag und Herausgeber kann für dieses Bildband nicht genug gedankt werden.

Robert Penn Warren: Alle Wünsch dieser Welt. Roman. Aus dem Amerikanischen
übertragen von Helmut Degner. C Bertelsmann Verlag, Gütersloh. 526 S., Ln.
DM 19,80. 
Wie in Warrens „Amantha" (erschienen 1957 im C. Bertelsmann Verlag) steht
auch in seinem Roman „Alle Wünsche dieser Welt" im Mittelpunkt eine Frau,
ein zwiespältiges, unausgeglichenes Wesen, das nicht nur an seiner eigenen
Unzulänglichkeit scheitert. Sue Murdock geht an einer Umwelt zugrunde, der
sie vergeblich zu entrinnen trachtet. Repräsentant dieser feindlichen Umwelt
ist ihr Vater Bogan Murdock, ein skrupelloser Geschäftsmann, der alle
Menschen, selbst seine Familie, in das große Spiel um Macht und Reichtum wie
Schachfiguren einsetzt.

Warrens Stärke ist die ungemein eindringliche Charakterisierung der Menschen
des amerikanischen Südens. Er führt keine Person in die Handlung ein, ohne
die Motive ihres Tuns und Lassens von ihrer bisherigen innerlichen und
äußerlichen Entwicklung abzuleiten. Dazu bedient er sich immer wieder sehr
geschickt der Technik der Rückblendung und bezieht auch die oft zeitlich
weit zurückliegenden Geschicke der auftretenden Menschen in die Handlung
ein. Auch in diesem Buch sagt Warren wieder dem Materialismus, der Habgier,
der Ichsucht und Heuchelei, dem Wahn, mit Geld alles kaufen zu können, den
Kampf an. Der Stil des Buches ist hart, realistisch und äußerst wendig,
dabei von einer eigenartigen, ungekünstelten Poesie. „Alle Wünsche dieser
Welt" ist ein weiterer Beweis dafür, dass Robert Penn Warren zu den wenigen
wirklich bedeutenden Dichtern Amerikas zählt. Sein auch verfilmter Roman
„Der Gouverneur" hat ihn in der ganzen Welt bekannt gemacht und ihm neben
schon erhaltenen Preisen für seine Lyrik zum zweiten Male den Pulitzer-Preis
gebracht. 

I.W. und A. Hauer: Der Deutsche Born. Teil 3 und 4 in einem Band. Der Mensch
im Ringen um sich selbst und seine Gestaltwerdung. Türmer-Verlag, München.
276 Seiten. 
Dies große Gemeinschaftswerk Professor I. W. Hauers und seiner Frau, das uns
bisher ein „Hausbuch für Besinnung und Feier", die Bände „Heimat, Wandern,
die Natur im Vielgebilde" und „Die ewigen Fragen" schenkte, fand in dem
jetzt erschienenen Doppelbande „Der Mensch im Ringen um sich selbst und
seine Gestaltwerdung" seinen Abschluss. Man sagt kaum zu viel, wenn man
behauptet, dass diese Bände in ihren Gedichten und Sprüchen einen
Querschnitt durch das dichterische und denkerische deutsche Geistesschaffen
darstellen. Es gibt von der Edda bis zur Gegenwart kaum einen Namen von
Gewicht, den man in dieser aus großer Belesenheit schöpfenden Gesamtschau
vermisst, die von feinem geistig-seelischem Tastgefühl zeugt. Wer weiß nicht
um die Wurzellosigkeit des heutigen Menschen in seiner äußeren und inneren
Gehetztheit und um seine dazu folgende Oberflächlichkeit in der Beantwortung
aller ihn bedrängenden und bedrohenden Lebensfragen. Hier, in diesen Bänden,
die man mit vollem Recht den „Deutschen Born" genannt hat, fände jeder, der
überhaupt noch das Suchen nach innerer Bereicherung und Vertiefung kennt,
einen unversiegbaren Licht- und Kraftquell und einen stillen Lebensführer in
der geistigen Finsternis und Verwirrung, die das karmisch bedingte
Kainszeichen unserer Tage ist. Fritz Kudnig 

Klaus Wrage: Beatrice. Eine neue Schau Dantes. Im Selbstverlag,
Eutin/Holst., Am Kellersee. DM 3,60. 
Wenn Prof. Dr. Reinfelder, der Präsident der Dantegesellschaft, Wrage „den
mystisch und künstlerisch reichsten aller Dante-Illustratoren" nennt zeugt
dies von der überragenden Bedeutung dieses Künstlers, dessen
„Dante-Blockbuch" nicht weniger als 260 Bild- und Textholzschnitte zu Dantes
Göttlicher Komödie enthält, die in ihrer unerhörten Anschaulichkeit zu dem
heutigen bildoffenen Menschen wahrscheinlich noch unmittelbarer zu sprechen
vermögen, als es vielleicht die Dichtung selber kann; weil Verse – und nun
gar so eigenwillige und „abseitige“ wie die Dantes – nur noch zu wenigen
Menschen zu finden scheinen. – Es ist begreiflich, dass es den Künstler
schon aus diesem Grunde drängte, in der oben genannten Broschüre eine
Einführung in sein Dantewerk zu schreiben, das in Wahrheit das Gewicht eines
ernsten Lebenswerkes hat. Fritz Kudnig.

Seite 13   Buchvorschläge

[OWP] Zufallsfunde Einwohnermeldebuch Mittweida 1895

Date: 2016/12/08 07:55:10
From: Tom Nissel via OW-Preussen-L <ow-preussen-l(a)genealogy.net>

Hallo.

Hier ein paar Zufallsfunde, diesmal aus der Textil- und Hochschulstadt
Mittweida in Sachsen.

Zu finden unter
http://search.ancestry.com/search/db.aspx?dbid=61259
Band 1 - 1895

es folgen nun FN, VN, Geb.D. und Ort, sowie Seitenzahl und Eintragsnr.:

BISCHOFF, Friedrich Hermann Georg, *27.09.1874 in Königsberg S89 E851
DAU, Heinrich Richard, *28.02.1876 in Palschau Bez. Danzig S164 E1602
FREY, Otto, *22.07.1873 in Schwetz S221 E2171
GÄCKEL, Max, *08.05.1875 in Podwitz Kr. Kulm S160 E1567
MOMBER, Fritz Julius, *06.11.1877 in Danzig S199 E1958

Viele Grüße
Tom
-- 
-------------------------------------
Schlesien: NISSEL SCHLAUSCH ARLT LINKE WAGNER POHL WOINEK KNOBLICH
BARTSCH JENTSCH HERZOG

Pommern/Neumark/Königsberg: RIEGMANN STEINERT BRANDT WEGNER WITTIG
SCHÜNEMANN GRUNZKE BEIER NETT MARKLEIN GIESE/GIESA

Sudeten/Böhmen: FISCHER PSCHERA DIESL ROTH RIEDL PÜTTL WÜNSCH TRIEB
GOLDBACH PITSCHMANN HAUPTMANN GERHARD PREISSLER HALLO HOLLA HÖLLE
KLEIN HÖNIG SCHLOSSER EICHLER WEND

Sachsen: DÖHLER MEIER VIEHWEG BÖRNER WERMANN MÜLLER KEISELT KIRSTEN
REINELT LEDIG WÄCHTLER BERNHARDT UHLMANN KADEN SCHRECKENBACH FISCHER
HINKEL REIß HUSTER FICKER UHLIG SEIDLER HENZSCHEL FREUDENBERG KLINGNER
DÖRING ENGEWALD LOSE RICHTER GUTSCHE

Thüringen: THON PETERSEIM MAINZER LAUFER FUNK DASSLER

Bayern: REIß BESENECKER GEIGER KRAUTHAHN

Berlin: RIEGMANN

Mitglied im AMF und Pommerschen Greif

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 04 vom April 195 9

Date: 2016/12/08 09:30:10
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 14   Agnes-Miegel-Schule in Wilhelmshaven. Besondere Ehrung für die
Dichterin – Agnes-Miegel-Spende für Schulen gestiftet.   
In wohl allen Gruppen unserer Landsmannschaft wird im vergangenen Monat
ehrenvoll des 80. Geburtstages von Agnes Miegel gedacht worden sein. 

In Wilhelmshaven wurde der großen Ostpreußin eine besondere Ehrung zuteil:
Auf Antrag des Vorsitzenden der Gruppe, Obermedizinalrat Dr. Zürcher, hat
der Rat der Stadt beschlossen, einer neuen Mittelschule den Namen
Agnes-Miegel-Schule zu geben, und der Oberbürgermeister selbst ließ es sich
nicht nehmen, eine darüber geschaffene Urkunde Agnes Miegel persönlich an
ihrem Geburtstag in Bad Oeynhausen mit allen guten Wünschen der Stadt zu
überreichen. 

Dr. Zürcher hatte darüber hinaus eine andere in ihrer Weise wohl einmalige
Ehrung vorbereitet: Spenden, ja Opfer vieler Landsleute ermöglichten die
Agnes-Miegel-Spende, aus der am Geburtstage von Agnes Miegel Schulen der
Stadt Wilhelmshaven Werke ostpreußischer Schriftsteller, vornehmlich von
Agnes Miegel, erhalten sollen, um auch auf diese Weise die Dichterin und ihr
Werk und damit den ganzen deutschen Osten für immer mit unserer Jugend zu
verbinden. Auch über die Agnes-Miegel-Spende überreichte der Vorsitzende der
Gruppe, Dr. Zürcher, am 9. März in Bad Oeynhausen eine von Künstlerhand
geschaffene Urkunde. 

Am 11. März veranstaltete die Gruppe dann eine außerordentlich würdig
verlaufene Agnes-Miegel-Feierstunde in der schönsten Aula der Stadt, die in
frischem Grün und Blüten prangte und bis auf den letzten Platz besetzt war.
Voller Stolz konnte der Vorsitzende zahlreiche Ehrengäste begrüßen, an ihrer
Spitze den Oberbürgermeister mit Rat und Verwaltung, voran Oberstadtdirektor
Dr. Schumann. Der Rektor der Hochschule für Sozialwissenschaften, ferner
alle Schulgattungen, die Kirche und die sonstigen Behörden waren meist durch
ihre Chefs vertreten. 

Ein großes Orchester aller Oberschulen begann die festliche Veranstaltung
mit Händels Feuerwerksmusik. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden hielt
dann der ostpreußische Dichter Hans-Joachim Haecker (Hannover), die
Festrede, in der er ausführte, dass, wie Homer durch sein Werk Troja vor dem
Vergessen bewahrt habe, Agnes Miegel durch ihr Schaffen, das längst
Besitztum aller Deutschen sei, den deutschen Osten und vornehmlich
Ostpreußen vor dem Vergessen bewahren werde. Mit dem Hölderlin-Wort „Was
bleibt, stiften die Dichter" schloss er sein Gedenken für Agnes Miegel. 

Ein besonders befähigter Abiturient las Werke der Dichterin, besonders
eindrucksvoll „Die Fähre" und „Wagen an Wagen". Oberbürgermeister Nieter gab
dann selbst die Gründe bekannt, die zur Namensgebung „Agnes-Miegel-Schule"
geführt hätten: „Das was Sie heute hier gehört haben, rechtfertigt unseren
Beschluss vollauf“. Er schilderte den tiefen Eindruck, den sein Gespräch mit
Agnes Miegel auf ihn gemacht habe und schloss: „Die Lieder und Balladen der
ostpreußischen Dichterin Agnes Miegel werden nicht vergehen, solange die
deutsche Zunge klingt“. 

Für alle Vertriebenen aus dem deutschen Osten dankte Obermedizinalrat Dr.
Zürcher dem Rat der Stadt für die „Agnes-Miegel-Schule", sie sei
hervorragend geeignet, deutsches Land im Osten vor dem Vergessen zu
bewahren. 

Es war ein besonders denkwürdiger Augenblick, als er dann an drei Schulen,
voran an die Patenschule, Agnes Miegels Gesamtwerk in je sechs Bünden
überreichen konnte, die Agnes Miegel in diesem Stiftungsjahr mit ihrem Namen
gezeichnet hatte. 

Die Stiftungsurkunde, deren Inhalt mit großem Beifall aufgenommen wurde, hat
folgenden Wortlaut:

„Die Landsmannschaft Ostpreußen in Wilhelmshaven schafft am 80. Geburtstag
von Agnes Miegel, der Künderin des Deutschen Ostens, seiner Burgen und
seiner Dome, der Hüterin ostpreußischer Lebensart in verehrungsvoller
Dankbarkeit die Agnes-Miegel-Spende, die von nun an alljährlich am
Geburtstage der Dichterin an Schulen unserer Stadt vergeben wird und aus
Werken ostpreußischer Schriftsteller, vornehmlich von Agnes Miegel, bestehen
soll. 

Unserer Jugend sei diese Spende allezeit Mahnung an die hohe Kultur und die
schöpferische Kraft des Landes zwischen Haff und Weichsel. Sie sei
Verpflichtung und Ruf — all ihr Wollen und Können einzusetzen, dies Land
unserer Väter mit friedlichen Waffen des Geistes wieder heimzuführen in ein
ungeteiltes freies Deutsches Vaterland“. 

Die Leiter der in diesem Jahre mit der Spende bedachten Schulen versicherten
mit ihrem herzlichen Dank für die großartige Spende, dass die Heimat der
Dichterin und der ganze deutsche Osten in der ihnen anvertrauten Schuljugend
immer wachgehalten werde! 

Voller Ergriffenheit hörte dann die Festversammlung die Silberglocke des
Königsberger Domes und von Agnes Miegel selbst gesprochen ihr Gedicht: „Es
war ein Land“, man meinte, die Dichterin wäre selbst mitten im Kreise der
Zuhörer. 

Die Sinfonie G-dur von Haydn beendete die sehr eindrucksvolle Feierstunde,
die wirklich eine Agnes-Miegel-Ehrung besonderer Art war. Die Gruppe
Wilhelmshaven hat mit ihrem Vorsitzenden, Obermedizinalrat Dr. Zürcher, vor
allem durch die Agnes-Miegel-Spende ein nachahmenswertes Beispiel gegeben,
wie eine Großstadt erfolgreich aufgerufen werden kann, eine große Ostpreußin
und ihr Werk und damit den ganzen deutschen Osten zu ehren und mitzuhelfen,
dies Land vor dem Vergessen zu bewahren.

Seite 14   Geburtstagsfeier in Oeynhausen
In Anwesenheit zahlreicher Vertreter des staatlichen und politischen sowie
des wissenschaftlichen und kulturellen Lebens fand im Großen Kurhaussaal des
Staatsbades Oeynhausen ein Festakt anlässlich des 80. Geburtstages der
ostpreußischen Dichterin Agnes Miegel statt. 

Die Grüße der Bundesregierung überbrachte Bundesminister Professor Dr.
Oberländer, der in seiner Ansprache der Dichterin dafür dankte, dass sie mit
ihrem Werk dazu beigetragen habe, die Treue zur Heimat wachzuhalten, die
Zuversicht zu stärken und die Lauen aufzurütteln. 

Das Lebenswerk der ostpreußischen Dichterin würdigte der siebenbürgische
Dichter Dr. Heinrich Zillich. Der Vorsitzende des „Ostdeutschen Kulturrats",
Dr. Graf Henckel von Donnersmarck, brachte die Glückwünsche des Präsidenten
des Bundes der Vertriebenen", Krüger, zum Ausdruck, und namens der
.Landsmannschaft Ostpreußen dankte deren Sprecher, Dr. Gille, der Dichterin
für all das, was sie ihren vertriebenen Landsleuten gegeben hat. 

Für das Land Nordrhein-Westfalen sprach Regierungsdirektor Dr. Galle;
Regierungsdirektor Dr. Grabenhorst überbrachte Ehrengaben des
Kultusministeriums und des Vertriebenenministeriums des Landes
Niedersachsen. Nach Ansprachen der Regierungspräsidentin von Hannover, Frau
Bähnisch, und des Direktors des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Dr.
Köchling, folgten die Glückwünsche der Universitäten Königsberg und
Göttingen, des „Göttinger Arbeitskreises" ostdeutscher Wissenschaftler und
der Vertreter der Städte Bad Oeynhausen, Duisburg und Hameln. 

Für den „Tatenhausener Kreis" sprach Dr. Rohleder, der die Stiftung einer
„Agnes-Miegel-Plakette" bekanntgab, die für hervorragende Verdienste um die
Pflege der ost-westdeutschen Beziehungen verliehen werden soll. 

Seite 14   Bayrischer Literaturpreis für Agnes Miegel 
Anlässlich des 80. Geburtstages der ostpreußischen Dichterin Agnes Miegel
verlieh ihr die Bayerische Akademie der schönen Künste den Literaturpreis
der Akademie für 1959. In der Begründung der Verleihung heißt es: 

Agnes Miegel ist mit ihrem Schaffen in Bereichen beheimatet, die unzeitgemäß
erscheinen mögen, weil sie zeitlos sind. Ihre Dichtung steigt aus einer
unmittelbaren Anschauung auf, die als visionär zu bezeichnen ist. Mit der
Anschauung des menschlichen, kreatürlichen und naturbedingten Lebens
verbindet sich in Agnes Miegl eine hellseherische Einfühlung in Grenzgebiete
zwischen Himmel und Erde. Schon die frühen, um die Jahrhundertwende
erschienenen Gedichte waren so sprachmächtig wie die Werke der Reifezeit.
Nach 1945 entstanden aus bitterer Erfahrung der vertriebenen Ostdeutschen
Gedichte von überpersönlichem Ausdruck. Sie stellen in ihrer schlichten und
großartigen Aussage ein zugleich historisches und dichterisches Dokument
dar. 

Seite 14   Stimmen zum 80. Geburtstag Agnes Miegels. Die mütterliche Stimme
des deutschen Ostens. 
Aus der Vielzahl von Würdigungen, die anlässlich des 80. Geburtstages von
Agnes Miegel in hunderten von deutschen Zeitungen erschienen, greifen wir
hier einige besonders eindrucksvolle Stimmen, heraus die von der Achtung und
Verehrung zeugen, die Ostpreußens große Dichterin heute im gesamten
deutscher, Volke genießt. 

Alma Rogge 
„Agnes Miegels dichterisches Werk ist trotz allem Schweren nicht Anklage und
Auflehnung gegen die dunklen Mächte, die ihr Leben und das ihrer Heimat
beschatteten. Für sie gibt es immer noch neben dem Dunklen das Helle, neben
dem Heillosen das Heilsame, haben neben den bösen die guten Mächte des
Lebens ihre Wirkung behalten. Wohl klagt sie um unwiederbringlich
Verlorenes, aber sie anerkennt zugleich aus der Weisheit ihres Herzens
heraus größere, uns Menschen vielleicht nicht immer schon begreifliche
Fügungen höherer Mächte. 

Wer das Glück hat, Agnes Miegel persönlich zu kennen, wird tief angerührt
empfinden, wie weltoffen sie immer noch ist, wie lebendig sie an allem
teilnimmt, was an sie herangetragen wird, wie sie trotz ihres Alters noch
schöpferisch blieb. Und er weiß auch, wie sie sich immer noch freuen kann,
wie gern sie fröhlich ist. Ihre Heiterkeit kommt aus einem Herzen, das die
Größe hat, nicht über das eigene Schicksal verbittert zu sein, kommt aus
einer Güte, die zu verzichten und zu überwinden versteht“.

Ruth Geede 
Zehn Jahre später (1949): in einem Kinosaal in Rinteln sitzt eine Frau,
deren mütterliches Antlitz von vielen Leiden spricht. Zum erster Male nach
dem grausamen Ende des Krieges umgibt Agnes Miegel ein Kreis von Menschen,
die zu ihr gekommen sind, um sie wissen zu lassen dass sie unvergessen ist.
Es ist eine schliche aber so unendlich warme Feier. Hinter der Dichterin
liegt die Flucht aus dem brennenden Königsberg, eine furchtbare Fahrt über
See bis Dänemark, liegen Jahre hinter Stacheldraht und einsamer Wiederbeginn
eines neuen Lebens in der deutschen Heimat, in der alten Wasserburg Apelern
im Weserbergland. Aber Agnes Miegel greift wieder zur Feder. Was sie ihren
Landsleuten nun schenkt, sind lebendige Erinnerungen, ist ein unsterbliches
Stück Ostpreußen, ihrer über alles, geliebten Heimat. 

Werner Wien 
„Da war viel Preußisches am Werk, nicht so männlich freilich, dass es zur
kantischen Abgrenzung der Urteilskraft gegenüber dem „Ding an sich" kam;
aber es waren die Dinge, Gesichter, Geschichte und Geschick ihrer Heimat,
die sich durch ihr Werk aussagen sollten, in balladischer Gewalt erspürt, in
den Formeln ihrer Gedichte und der so hinstellenden Prosa beim Wort
genommen. 

Die Stimme ihres Herzens ordnete sich immer dem Chor der Stimmen ihrer
ostpreußischen, aber durch viel Erbgang aus Friesland, vom Rhein und dem
Salzburgischen auch der größeren deutschen Heimat ein. So ist auch in ihrem
Gesamtwerk wohl kaum die Hälfte eigentliche Ostpreußendichtung, aber alles
ist vom Gesetz, dem so zärtlichen und so harten Gesetz der Landschaft ihres
Lebens zuinnerst geprägt, Zeugnis mehr einer Art als eines Raums und darum
so unverlierbar, weil aus ihr niemand vertrieben werden kann“.

Seite 14   Landbriefträger Ernst Trostmann erzählt.  (68)
Liebe ostpreißische Landsleite! 
Dieses Jahr is ja nu sehr frieh Ostern gewesen, und de Osterhasen haben
orndlich gehubbert, wie se aufes Feld ihre Schuckladen-Eier legen taten.
Denn wie aller dachden, nu is der Winter rum, da kam noch emal e kalter Wind
und pusd ihnen unterm Zagel. Was hab ich mir gefreit, dass ich kein Osterhas
nich bin! Wissen Se, Ostern is bald noch scheener wie Weihnachten, und das
liegt vor allem an dem Friehling, wo einem um die Zeit untre West
rawaukschen tut, dass einer ganz krieslig wird. Da is einer mit eins e ganz
andrer Mensch, und einer könnd immer jauchzen und singen, bloß einer dirf
nich, weil de andre Menschen denn womeeglich denken, dass einer e Happche
dammlich is. Deshalb singt einer alles in sich rein, was auße Knopflöcher
raus will. Und denn giebt Griendonnerstag-Kringel und geforbene Eier, und
wenn denn noch e Mergellche einem schmadeostern kommt, denn fiehlt einer
sich wie e Spirgel aufes Schmalzbrot. 

„Ja, ja“, sagd der alte Lepschies vorgte Woch, wie ich ihm vonnes
Schmackostern erzähld, „man missde noch mal sechzig sein!" De Emma, was
meine Frau is, hält allerdings nuscht von die alte Sitten. Das hat aber
seinem besonderen Grund, und der heißt mit Vornamen Friedche. Das is e
hibsches ostpreißisches Mergellche hier innes Dorf. Was meinen Se, was die
jedes Jahr Ostern Erstfeiertag fier Arbeit hat! Alle Hände voll hat se zu
tun, denn alle Kerdels wollen von ihr schmackostert werden, und ihre Muttche
weiß gar nich, wo se nachdem hin soll mit die Berge von Eier und Speck.
Genau wie de Emma sind auch die andre Frauen nich sehr dafier und treten ihr
inne Seit, wenn se sich dadrieber aufregt. Heidnische Gebräuche sollen das
sein, sagt se, und dadran könnden bloß abergleibische Menschen festhalten,
wo geistig unterernährt sind. Aber wenn das wirklich wahr is mit die
heidnische Sitten, denn will ich gern e unterernährter Heid sein. Einer muss
sich direkt emal umne Vergangenheit kimmern, emmend hadden die noch mehr
sone simpatische Gebräuche. 

Aber nu hab ich mir wegen die Schmakkosterei richtig in Hitze geschrieben,
und dabei wolld ich Ihnen, meine lieben Landsleite, eigentlich erzählen, wie
mir emal umme Osterzeit zu Haus gegangen is. Es is nu all lang her, und es
war so Anfang April, acht Tage vor Ostern. E bissche hubbrig war es auch
noch, aber der Schnee war all weg, und de Emma ging jeden Morgen im Stall,
de Hiehner fiehlen. Die legden rein wie verrickt, und es kadakschd dem
ganzen Tag. Aber.da waren auch e paar vornehme Hiehner mang, die hadden e
Kopp fier sich. Die passd es nich, sich aufes Nest zu hucken, wo all e andre
gehuckt hadd, und deshalb kratzden se sich e Platzche inne Scheun oder aufem
Hof. Denn konndst nachdem de Eier mitte Winschelrut suchen gehn. Deshalb
steckd de Emma morgens jedem Huhnche dem Finger im Dups rein, und wer e Ei
hadd (ich denke es soll heißen, und wer e Ei nich hadd), dirfd nich raus,
sondern wurd eingespundt, bis es gelegt hadd. 

Und denn kam der Tag, wo ich zwei Mandel Eier nach Insterburg bringen missd.
Die kriegd der Herr Oberpostsekretär Raudies. Doll preisden se ja nich, und
zu Ostern all gar nich, aber de Mandel kosd doch wenigstens noch fimf e halb
Dittche. Raudiessens wollden ganz sicher gehn, dass se auch frisch waren,
deshalb mussd ich als zuverlässiger Kollege ihnen liefern. Mitte Kleinbahn
fahren lohnd sich natierlich nich, denn das Balljett hädd dem ganzen
Verdienst aufgefressen. So hold ich meinem Brennabor-Drahtesel außem Stall,
wo er sich Winter ieber ausgeruht hadd, pusd ihm auf und öld ihm, packd de
dreißig Eier hibsch im Rucksack rein, huckd mir rauf und brausd los längs
die Karalener Schosseeh. Ich strampeld so richtig vergniegt durche
Landschaft, denn ich freid mir auf die elf Dittchens, wo ich vonne Frau
Raudies zu kriegen hädd. Drei durfd ich in Fusikalien umsetzen und mir
hintre Mandel gießen, das hädd de Emma mir ausdricklich zugestanden. Sonst
wär ich nämlich doch mitte Kleinbahn gefahren. 

Bei Pieragienen kriegd ich Gesellschaft, da kam die dicke Hotopsche zu, wo
in Insterburg aufem Markt Kimmel-Käs'chens verkaufen wolld. Wissen.Se, die
arme Frau war wirklich zu bedauern. Se aß wie e Vogelche, sagd se und se
wurd immer dicker und dicker. Wenn einer dreimal um die rumging, denn hädd
er e Ausflug gemacht. Der Dokter hädd ihr Bewegung verordent, und deshalb
hädd se sich auch e Fahrrad gekauft. Aber es gab keinem Sattel, wo fier ihr
passen tat, se waren aller viel zu klein. Da hädd bloß e Virtel von ihrem
Hinterteil Platz, drei Virtel huckden aufem Gepäckträger. Vorne anne
Lenkstang hädd ihr Mann e Brettche angebracht, und da wurd der Korb mit die
Kimmel-Käs'chens raufgestellt und angebunden. 

Wir beide waren wirklich e drolliges Gespann, ich lang und dinn wie e
ausgenommener Hering, und de Hotopsche klein und dick wie e Kugelkäs mit
Beine. Wenn wir damals beim Film gegangen wären, die hädden Pat und Patachon
bestimmt zu Haus qeschickt. De Hotopsche trampeld sich rein de Seel äußern
Leib, besonders, wenn e bissche bergauf ging se pusd wie e Dampfmaschien und
schwitzd wie e Aff und hädd e ganz rotem Kopp. Das sah ich, wenn ich mir
umdrehd, denn ich missd vorneweg fahren. De Hotopsche hädd es nich gern,
wenn einer hinter ihr fuhr. So kamen wir in Luxenberg iebre Tilsiter Bahn
und waren denn auch bald In Insterburg. Gleich wenn einer inne Stadt
reinkam, ging es mit eins anne Spinnerei ziemlich steil bergab Unten anne
linke Seit war so t Stickche Anger, wo einer aufe Bleich am Pregel gehen
konnd. Und an diese Stell ereild uns das Schicksal. Da spielden de Jungens
Klippche. und einer machd gerad e dollem Schlag. Das Klippche sausd in hohem
Bogen durche Luft und haud mir mit Wucht anne linke Back. Das is e
ziemlicher Schreck, wenn einer aufem Rad so unverhofft mittem Klipp fiere
Fress kriegt besonders, wenn es aufem groben Pflaster steil bergab geht und
einer keine Ricktrittbrems nich hat. Na jedenfalls verlor ich die Bilangs
und haud rum. Ich konnd noch von Glick sagen, dass ich mir nich das Kreiz
brach. Aber was nitzd das alles, ich kam auf meinem Rucksack zu liegen, und
die zwei Mandel Eier waren nicht mehr wiederzuerkennen. In diese
Schrecksekunde gingen mir die elf Dittchens durchem Kopp, aber ich kam gar
nich dazu, mir alle Folgen von diese Riehrei-Tragödie auszumalen, denn mit
eins kam de Hotopsche durche Luft geflogen und zerquetscht mit ihrem
pummligen Kadawer bestimmt die letzte drei Eier, wo vleicht noch ganz
geblieben waren. Se hadd natierlich nich bremsen konnd, aber se fiel
wenigstens weich, indem dass mein Bauch als Madratz wirken tat. Ihre
Kimmel-Käs'diens hädden zum Teil auch de Fassong verloren, der Schaden war
aber zu reparieren, was ich von meine dreißig Eier leider nich behaupten
kann. De Frau Oberpostsekretär Raudies ärgerd sich, dass se nu keine frische
Eier hadd, aber denn fing se an zu lachen, ließ mir rein und hat mir
bereinigt. Zum Dank dafier missd ich dem Teppich runterschleppen und
auskloppen und nachdem auch noch de Gardienen anmachen, denn se hadd
geradzig große Reinigung. Und weil ich ihr so leid tat, gab se mir zuletzt
fimf Dittche. Mit die bin ich in Laurinats Bierstub gegangen und hab mir
fimf Ausgewachsene hintrern Schlips gekippt. Ich mussd mir nämlich e bissche
Mut machen gegne Emma, denn die hädd kein Verständnis fier einem solchen
Verkehrsunfall. Dass de Hotopsche bei die Gelegenheit auf mir zu liegen kam,
dirfd ich ihr all gar nich erzählen. Na, jetz wird se es inne Zeitung lesen!
Herzliche Friehlingsgrieße! Ihr alter Ernst Trostmann. Landbriefträger z. A.

[OWP] Stallupönen, lutherische Taufen 1807-1 811

Date: 2016/12/08 13:09:22
From: Ulrich Ilchmann <uw.i(a)gmx.de>

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es gibt von den Taufen in Stallupönen eine Vielzahl von unterschiedliche Verfilmungen. Hat jemand von Euch eine sortierte Aufstellung für sich erstellt. Ich suche drei lutherische Einträge zwischen 1807-1811. Ein Taufbuch 1807-1816 enthält nur Einträge der Reformierten (EZA, Nr. 1710). Ob die Verfilmung der Mormonen Film-Nr. 490421 Taufen 1799-1816, ab 1807 auch lutherische Einträge hat, ist mir unbekannt. In welcher Verfilmung könnte ich fündig werden.

Wer kann sachdienliche Hinweise machen.

Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Ilchmann
 

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 04 vom April 195 9

Date: 2016/12/08 13:28:57
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 15   Aus den Landsmannschaften
Flensburg 
Mit „Liedern zur Laute" wurde die letzte Monatsversammlung der LO im
Musiksaal des Deutschen Hauses umrahmt, dargebracht von den Geschwistern
Ursula und Wulfhild Mithaler (früher Königsberg). Während der 1.
Vorsitzende, Dr. Kob, aus Anlass des 80. Geburtstages von Agnes Miegel –
Leben und Verdienste dieser ostpreußischen Dichterin – in kurzen Worten
gedachte, überbrachte Wulfhild Milthaler der Landsmannschaft die Grüße von
Agnes Miegel, deren 80. Geburtstag sie einen Tag zuvor mit ihrer Schwester
in Bad Oeynhausen mitgefeiert hatte. Aus diesem Anlass begannen die
Geschwister Milthaler die Vortragsfolge mit Gedichten der großen Dichterin,
deren Ursula Milthaler ein charakterliches musikalisches Gewand gegeben
hatte. Im zweiten Teil wurde die ostpreußische Heimat mit ihren tiefen
Wäldern, weiten Seen, Haff und Nehrung und ihren festgewurzelten Menschen in
urwüchsiger Kraft lebendig. Zum Abschluss sangen die Künstlerinnen heitere
und besinnliche von ihnen selbst vertonte Texte ostpreußischer Dichter im
Dialekt. Während Ursula Milthaler (Komponistin) mit großem Können ihr
Lauten-Instrument spielte und mit zartem, klangvollem Sopran führte, wurde
sie durch die schlichte Altstimme ihrer Schwester ergänzt. Volksliedhafter
Ton und Lautmalerei und der für Jedes Thema typische Rhythmus gaben ihren
Liedern eine seltene Lebendigkeit, die noch durch die Vortragskunst der
Sängerinnen weitgehend unterstrichen wurde. Von allen Zuhörern wurden die
Darbietungen mit starkem, aufrichtigem Beifall belohnt und den Künstlerinnen
vom 1. Vorsitzenden herzlicher Dank im Namen aller ausgesprochen. 

Itzehoe 
Der „Pillkaller Jahrmarkt", die In Itzehoe schon traditionelle Veranstaltung
der Landsmannschaft, wurde auch in diesem Jahre ein großer Erfolg. In den
ausverkauften Räumen von Baumanns Gesellschaftshaus vergnügten sich die
Teilnehmer nach Herzenslust. Erneut fand das „Pillkaller Standesamt" viel
Zuspruch und auch die sonstigen Darbietungen erfreuten die
„Jahrmarktsbesucher". Viele Gäste und alte Genießer hatten Gelegenheit,
echten „Pillkaller" zu trinken. Der Marktmeister Fritz Gralki führte mit
Charme und Schwung durch den Abend. Allgemein zählt in Itzehoe diese
Veranstaltung zu den schönsten ihrer Art. 

Eine würdige Feierstunde im Stadttheater Itzehoe veranstaltete die
Landsmannschaft Ost- und Westpreußen anlässlich ihres 10-jährigen Bestehens.
Die große Zahl namhafter Ehrengäste und Persönlichkeiten des öffentlichen
Lebens unterstrich, wie sehr sich die Landsmannschaft in Itzehoe allgemeiner
Achtung und Wertschätzung erfreut. Es waren erschienen: MdL Fischer,
Kreispräsident Dohr, Landrat Matthiesen, Bürgervorsteher Busch,
Bürgermeister Schulz, Oberstleutnant Johannes (Kommandeur des Gren.-Batl. 31
Itzehoe), Standortkommandant Major Witwer u. a. 

Im Blickpunkt der festlich dekorierten Bühne stand das Abstimmungsdenkmal
Allenstein. Zu einer Stunde der Mahnung und Besinnung gestaltete sich die
Feier, in deren Rahmen das Streichquartett Urban Musik von Beethoven darbot.
Das „Ostpreußenlied" und „Heilige Heimat", gesungen vom gemischten Chor der
Ost- und Westpreußen unter der Leitung von Walter Lach sowie Rezitationen,
vorgetragen von Hans Handt, bildeten das weitere Programm. 

Der Festredner, Rechtsanwalt Reinhold Rehs, Kiel (früher Königsberg), MdB
und Präsidialmitglied des Bundes der Vertriebenen, würdigte die von der
Landsmannschaft in Itzehoe in zehn Jahren geleistete Arbeit und dankte dem
Vorsitzenden, Schulrat i. R. Richard Grohnert mit herzlichen Worten für die
ernsten Bemühungen, den Heimatgedanken wachzuhalten. Der Festredner nahm zu
der heimatpolitischen Lage eingehend Stellung und leitete seine Ausführungen
mit allgemeinen politischen Betrachtungen ein.

 Abschließend appellierte Rehs an die Jugend, in der Landsmannschaft die
Arbeit von den schon gebeugten Schultern auf die eigenen zu übernehmen: „Ihr
sucht Ideale, hier findet Ihr sie. Das Recht und die Freiheit waren stets
höchste Werte der Menschheit“. 

Der langjährige Vorsitzende der Landsmannschaft, Schulrat i. R. Grohnert,
erfuhr am Schluss der Feier eine besondere Ehrung. Landrat Matthiesen
überreichte ihm den Patenschaftsteller des Kreises Steinburg. Im Namen der
Stadt Itzehoe übergab Bürgervorsteher Busch der Landsmannschaft das neue
Heimatbuch des Kreises Steinburg. Bürgermeister Schulz, früher Landrat in
Pr.-Holland, ehrte MdB Reinhold Rehs, den treuen Verfechter des Rechts der
Vertriebenen auf ihre Heimat, durch die Überreichung des Patenschaftstellers
der Stadt Itzehoe. 

Die Jahreshauptversammlung der Landsmannschaft Ost- und Westpreußen ergab
die einstimmige Wiederwahl aller Vorstandsmitglieder. Dem Vorstand gehören
an: Erster Vors. Schulrat i. R. Grohnert, Stellv. Dr. Bahr und Lm. Glaner,
Kassa Lm. Schlossecki, Schriftw. Frau Tiedtke, Presse Lm. Nowitzki,
Beisitzer Frau Worm, Lm. Radtke, Gralki, Handt, Groth, Szymanzik, Teichert,
Harnau; Kassenprüfer Lm. Jonas und Stachel.

Lübbecke
In der letzten Monatsversammlung gedachte die Ortsgruppe der LO des 80.
Geburtstages von Agnes Miegel. Der Vorsitzende, Lm. Hardt, gab einen
Überblick über die augenblickliche politische Lage. Lm. Neuwald berichtete
sodann über die geplante Errichtung eines Mahnmals auf einem im Weichbild
der Stadt liegenden Berg. 

Seesen 
Das „Heimatliche Kunterbunt" fand beim letzten Heimatabend ein starkes Echo
und eine so aktive Mitarbeit der Heimatgemeinschaft, dass Obmann Papendick
sich bereit erklärte, dieses lustige und erklärende ABC der altpreußischen
Umgangssprache in weiteren Kulturstunden fortzusetzen. Über das „Aktuelle
Problem der Heimatpolitik" sprach Lm. Luszik. Es folgte eine angeregte
Diskussion über die angeschnittenen Fragen. — Für das „Haus des deutschen
Ostens" in Hannover wurden 130,-- DM als Bausteinspende abgeführt. —
Anmeldungen für die dreitägige Pfingstfahrt nach Berlin vom 16. bis 18. Mai
nimmt der Vors. Papendick entgegen. Gesamtpreis einschl. Stadtrundfahrt und
Autobahngebühren ca. 31,-- DM. 

Hof/Saale 
Die Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen hatte ihre Mitglieder zu einer
Agnes-Miegel-Feier aus Anlass des 80. Geburtstages der Dichterin eingeladen.
Eingangs dieser Versammlung gab der erste Vorsitzende, Studienrat Paul
Bergner, eine Vorschau auf die nächsten Veranstaltungen. Am 11. April findet
ein Lichtbildervortrag statt, am 2. Mai wird die Jahreshauptversammlung
abgehalten. Der Jahresausflug, diesmal nach Lauenstein, mit Feier zum
10-jährigen Bestehen der Hofer Kreisgruppe, wird am 31. Mai unternommen. —
Im Anschluss daran schilderte der Vorsitzende Leben und Werk der größten
lebenden deutschen Balladendichterin, der Dichterin Ostpreußens, Agnes
Miegel. Es folgten Gedichte und Balladen, vorgetragen von Gisela Bergner und
Beate Sziegoleit, die durch Treffsicherheit und Knappheit wie auch durch die
ungewöhnliche Kraft des Wortes der Dichterin packten. Die Dichterin kam auf
Tonband selbst zu Gehör mit „Es war ein Land" und dem „Abschied von
Königsberg". Mit dem Läuten der Glocken des Königsberger Domes fand der
inhaltsreiche Abend seinen Abschluss. 

Traunstein 
Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung konnte der Vorsitzende. Lm.
Folkerts, das Bundesvorstandsmitglied Paul v. Saint sowie eine Anzahl von
Landsleuten aus Lambach begrüßen. Der Vorsitzende würdigte zunächst Leben
und Werk der ostpreußischen Dichterin Agnes Miegel anlässlich ihres 80.
Geburtstages. Anschließend daran wurde die von Agnes Miegel besprochene
Ostpreußenplatte zu Gehör gebracht, und die versammelten Landsleute sandten
eine Glückwunschadresse an die Dichterin. — Der Jahresbericht des
Vorsitzenden zeugte von der regen landsmannschaftlichen Tätigkeit der
Traunsteiner Gruppe: neben zehn Mitgliedsversammlungen und zahlreichen
Vorstandssitzungen standen Lichtbilder- und andere Vorträge, das
Erntedankfest, die Teilnahme an der Einweihung der Gedenkstätte der
Heimatvertriebenen auf dem Waldfriedhof, die Weihnachtsfeier und das mit der
Landsmannschaft Schlesien durchgeführte Faschingsvergnügen. Für ihre
erfolgreiche Arbeit wurde den Vorstandsmitgliedern Folkerts und Schadau vom
Landesverband Bayern, der Ost- und Westpreußen die Elchschaufel mit
Silberkranz und Ehrenurkunde verliehen. Die Neuwahl ergab folgenden
Vorstand: Erster Vors. Lm. Folkerts, Stellv. Lm. Konarski, Kassa Lm.
Grohnert, Kultur Frau Romahn, Kassenprüfer und Beisitzer Lm. Pellnat und
Kalinowski.

Seite 15   Trakehner-Pferde bis nach Venezuela 
Venezuela, Kanada, Österreich, Dänemark, die Schweiz und die Niederlande
kauften im letzten Jahr durch Vermittlung des Trakehner Verbandes, Trakehner
Pferde. Dies ging aus den Berichten auf der diesjährigen Jahresversammlung
des Verbandes hervor. Der Trakehner Verband, der das Erbe der
„Ostpreußischen Stutbuchgesellschaft für Warmblut Trakehner Abstammung" im
Bundesgebiet verwaltet, versammelt in seinen Reihen heimatvertriebene,
einheimische und auch ausländische Züchter. Die Zahl der Mitglieder ist im
letzten Jahr von 560 auf 612 angestiegen und die Zahl der eingetragenen
Zuchtstuten von 634 auf 685, wozu außer den anerkannten Vollbluthengsten
noch 49 Trakehner Hengste kommen. 

Das Zuchtziel der heimatgebundenen bodenständigen Zuchten ist die Erstellung
eines modernen Wirtschaftspferdes, wobei beim Warmblut die erforderliche
Eignung für Reit- und Fahrzwecke dazu kommt. Das Zuchtziel des Trakehner
Pferdes ist aber ein Gebrauchstyp, der sich vornehmlich für Reitzwecke
bestens eignet, dessen Mutterstuten nach Möglichkeit auch die Eignung für
die Verwendung in der Landwirtschaft besitzen sollen. 

Trakehner in der Spitzengruppe 
Zu den drei Pferdezuchtverbänden, die alljährlich mit einer
Reitpferde-Auktion hervortreten, wobei der Verband hannoverscher
Warmblutzüchter jährlich die Herbst- und Frühjahrsauktion in Verden
aufzieht, gehört auch der Trakehner Verband. Die Restzucht des Trakehner
Pferdes ist im Bundesgebiet auf alle Länder verteilt. Hannover gehört mit zu
den Stützpunkten des Westdeutschland-Trakehners. Aus diesem Grunde ist es
auch weiterhin nicht verwunderlich, dass bei der Trakehner
Reitpferde-Auktion in Dortmund sich unter den 11 Pferden, die mindestens
5000 DM erzielten, nicht weniger als 6 Pferde aus Hannover befanden. Von den
insgesamt 35 Pferden wurden 33 bei der Auktion zu einem Durchschnittspreis
von 4275 DM bei einem Höchstpreis von 11000 DM und einem Mindestpreis von
2500 DM zugeschlagen. 30 Pferde blieben im Bundesgebiet, während 3 Pferde
ins Ausland gingen, davon zwei in die Schweiz und eins nach Dänemark. Die
Niederländer, Belgier und Italiener blieben ohne Zuschlag. Mit 7700 DM
konnte der 4-jährige Wallach v. Abendstern, der in Oberhode, Kreis
Fallingbostel, durch Frau Anna v. Zitzewitz, der Witwe des größten
ostpreußischen Privathengstzüchters, gezüchtet wurde, den dritthöchsten
Preis der Auktion erzielen, er ging nach Wiesbaden. Das Trakehner Gestüt von
Fritz Bähre (Springe) verzeichnete mit seinen drei Pferden jeweils Preise
von über 5000 DM. Auch der vom Trakehner Verband zur Auktion gestellte
4-jährige Wallach Blizzard v. Totilas aus der Hunnesrücker Zucht kam mit
5900 DM in die Spitzengruppe. 

16 Trakehner Hengste in Niedersachsen 
Im Lande Niedersachsen wirken entweder für die Trakehner Restzucht und zum
Teil auch als Blutauffrischer in der hannoverschen Landespferdezucht
insgesamt sechzehn Trakehner Hengste, wovon drei beim Trakehner Gestüt
Hunnesrück, 7 auf Stationen des Landgestüts Celle, 2 auf Stationen des
Landgestüts Harzburg und 4 als Privatbeschäler wirken.

Seite 15   Turnerfamilie Ostpreußen-Danzig-Westpreußen 
Anschrift: Wilhelm Alm (23) Oldenburg (Oldb.) Gotenstraße 33. 
Herzliche Geburtstagsglück- und Segenswünsche allen Aprilkindern unserer
Gemeinschaft. 

am 17.04.1959 Wolfgang Neumann (Gumbinnen), 20 Jahre; 

am 19.04.1959: Klaus Pangritz (VfK Königsberg), 30 Jahre; 

am 03.04.1959: Charlotte Willer-Rempel (FrTV Königsberg), 50 Jahre; 
am 10.04.1959: Gertrud Gelszinnus-Mischon (Marienwerder), 50 Jahre;
am 16.04.1959: Erna Stickel-Hoffmann (FrTV), 50 Jahre; 

am 06.04.1959: Anni Raap-Hochmut (KMTV Königsberg), 60 Jahre;
am 07.04.1959: Elly Händschke-Schmidt (Zoppot), 60 Jahre;
am 14.04.1959: Hildegard Toussaint-Habekost (KTC Königsberg), 60 Jahre;
am 23.04.1959: Otto Brandt (Jahn Gumbinnen), 60 Jahre; 

am 01.04.1959: Hugo Weick (Elbing/Marienwerder), 70 Jahre;
am 08.04.1959: Kurt Pulter (Lyck), 70 Jahre;
am 11.04.1959: Hermann Ellrath (Pillau), 70 Jahre;
am 25.04.1959: Frau Frieda Eich (KTC Königsberg), 70 Jahre; 
am 28.04.1959: Ernst Stoehr (Bartenstein), 70 Jahre; 

am 08.04.1959: Rudolf Klug (Lyck), 81 Jahre;
am 24.04.1959: Hilde Tribukait (KMTV Königsberg), 81 Jahre. 
Gut Heil! 

Deutschlandtreffen der Landsmannschaft Ostpreußen in der Hauptstadt Berlin
Pfingsten 1959: 
Meldung über die Orts- oder Kreisgruppen der Landsmannschaft Ostpreußen. Für
die Turner ist für die Veranstaltungstage eine noch zu benennende Gaststätte
als Treffpunkt vorgesehen, wo ein Treff- und Suchbuch ausgelegt werden wird.
Es ist dort kein Sondertreffen der Turner an einem bestimmten Tag oder zu
bestimmter Stunde geplant, aber die Möglichkeit geboten, sich mit
Turnerfreunden schon von Hause aus oder an Ort und Stelle durch das
Treffbuch zu verabreden. 
Das ganze Deutschland soll es sein! Macht Euch zahlreich auf nach Berlin! 

Silberhochzeit feierten 
am 17. März 1959 Kurt Wiese und Christa Wiese vom KMTV 1842 Kbg. 
Die Turnerfamilie hat diesem verdienten Turnerehepaar schriftlich und mit
Blumen Glück und Segen für den weiteren gemeinsamen Lebensweg gewünscht. 

Solche und andere Jubiläen bitte ich mir rechtzeitig bekanntzugeben. 

Das Bundesverdienstkreuz I. Klasse erhielt Turnschwester Hertha Pech
(Danzig-Heubude) am 16.02.1959 aus der Hand des Niedersächsischen
Ministerpräsidenten Hellwege in einer Feierstunde im Gästehaus der
Landesregierung zu Hannover. Hertha Pech ist stellv. Mitglied des Präsidiums
des Bundes der Vertriebenen und Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft
der vertriebenen Frauen, deren Gründerin sie ist. Durch die Verleihung sind
ihre großen Verdienste auf sozialem und kulturellen Gebiet und ihr
beispielhaftes selbstloses Wirken für das Wohl ihrer Mitmenschen von
höchster Stelle anerkannt und gewürdigt worden. Onkel Wilhelm
 
Seite 15   Diplome und Examina 
Dr. med. Winfried Rathke aus Königsberg/Pr., Hufenallee 80, bislang
Assistent am Tropenkrankenhaus Hamburg, bestand am Universitätsinstitut für
Schiffs- und Tropenkrankheiten die Diplomprüfung für Tropenmedizin und
Medizinische Parasitologie. Dr. Rathke wohnt zurzeit in Hannover,
Grimmstraße 9. 

Stadtinspektor Gustav Hoppe, Wülfrath (Rhld.), Bergstraße 4, aus Königsberg/
Pr., Hippelstraße 14, früher bei der Bank der Ostpr. Landschaft in
Königsberg tätig, hat nach abgeschlossenem Studium und abgelegtem Examen an
der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Wuppertal das Kommunal-Diplom
erworben. 

Schiffbauer Walter Lattek überraschte seinen Firmenchef und seine
Arbeitskollegen bei der Schiffswerft Albert Eckhoff in Hoopte mit der vor
der Handwerkskammer in Hamburg mit „Sehr gut" abgelegten Meisterprüfung, auf
die er sich heimlich in Abendkursen vorbereitet hatte. Walter Lattek kam
1945 mit seiner Familie aus Königsberg/Pr. 

Seite 15   Verdienstkreuz für Hertha Pech 
Frau Hertha Pech aus Danzig, das stellv. Präsidialmitglied des Bundes der
Vertriebenen — Vereinigte Landsmannschaften und Landesverbände — erhielt das
Bundesverdienstkreuz I. Klasse, das ihr in einer Feierstunde in Hannover von
Ministerpräsident Hellwege überreicht wurde. 

Seite 15   „Alberten" für bestandenes Abitur 
In Bonn hat die Landsmannschaft Ost- und Westpreußen wieder einen alten
Brauch lebendig gemacht und allen ostpreußischen Abiturienten den „Alberten"
überreicht. Das ist eine Plakette oder eine Anstecknadel mit dem Bildnis des
letzten Hochmeisters des Deutschen Ritterordens, Albert, der die Universität
Königsberg gründete, nach dem sie noch heute den Namen Albertus-Universität
trägt. Es war in Ostpreußen üblich, dass jeder Abiturient von Verwandten und
Bekannten nach bestandener Prüfung dieses Abzeichen bekam. Wir freuen uns,
dass dieser alte Brauch in Bonn wieder aufgenommen wurde und hoffen, dass
die Landsmannschaft Ostpreußen bald überall den Abiturienten den „Alberten"
aushändigen wird; denn er ist heute Symbol für die Verbindung zur Heimat und
Mahnung für die jungen Abiturienten zum Einsatz für die Heimat. 

Seite 15   Ostpreußisches Jugendbildungswerk 
Im März nimmt das vom Ostheim E. V. betreute Jugendbildungswerk in Bad
Pyrmont seine Arbeit auf. Jeweils 40 bis 60 Jugendliche, Studenten und
Angehörige der jungen Generation werden in laufenden Lehrgängen mit den
ostpolitischen Problemen vertraut gemacht werden. Als Dozenten wurden
namhafte Universitätsprofessoren, Publizisten und Jugendleiter gewonnen. Die
Leitung der ostpreußischen Lehrgänge liegt bei der Bundesgeschäftsführung
der Landsmannschaft Ostpreußen. 

Seite 15   Es starben fern der Heimat
Stadtrentmeister a. D. Paul Huhn, aus Saalfeld/Ostpr. im Alter von 77 Jahren
am 16. März 1959 in Emstek i. Oldb.; 

Zeichenlehrerin i. R. Julie Tribukait, aus Königsberg am 6. März 1959 nach
kurzer Krankheit im Alter von 93 Jahren in Glashütte i. Sa.; 

Ella Werner, geb. Conrad, aus Tilsit im Alter von 64 Jahren am 13. März 1959
in Uphusen, Kreis Achim. 

Möge unseren lieben Toten die fremde Erde leicht sein. 


[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 04 vom April 195 9

Date: 2016/12/08 13:29:41
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 16   Eltern suchen ihre Kinder
Tausende ostpreußische Eltern und Angehörige suchen noch immer ihre Kinder,
die seit der Vertreibung aus der Heimat verschollen sind. Nachstehend
beginnen wir mit der Veröffentlichung einer ersten Liste. Wer Auskunft geben
kann, schreibe bitte sofort an den Kindersuchdienst Hamburg-Altona, Allee
125 unter Angabe von Namen, Geburtsdatum und Ort des Kindes und von Namen,
Vornamen, Geburtsdatum Ort sowie Heimatanschrift von 1939 der Angehörigen.
Landsleute, helft mit, das Schicksal der Vermissten aufzuklären! 

Aus Freudenau, Kreis Plöhnen, Bezirk Zichenau, wird Ursula Gruner, geboren
etwa 1941/1942 in Freudenau, gesucht von ihrem Vater, Paul Gruner. Nachdem
Ursula Gruner von ihrer Mutter, Großmutter und ihrem Onkel getrennt wurde,
kam sie unter dem Namen Ulla Gröner zu einer Familie Anton und Wladyslawa
Zielinski in Freudenau, Kreis Plöhnen, in Pflege und wurde in dieser Familie
Hania genannt. 1948 wurde das Kind mit einem Auto abgeholt und kam zunächst
in den Kreis Plonsk und später in ein Kinderheim nach Warschau.

Aus Ortelsburg, Erich-Koch-Straße 3, werden die Geschwister Reinhold
Konegen, geboren 1933, und Ruth Konegen, geboren 1938, gesucht. Sie kamen
auf einem Lastkraftwagen 1945 bis Groß-Blumenau, Kreis Samland, und gerieten
dort in Kampfhandlungen.

Aus Kybarti / Litauen wird Martin Hube, geboren 10.10.1938 in Kybart /
Litauen, gesucht von seinen Eltern Martin Hube, geboren 10.07.1913, und Jeny
Hube, geborene Scherschinski, geboren 20.07.1919. Martin Hube erkrankte auf
der Flucht 1945 an Scharlach und wurde in eine Kinderklinik in Stargard /
Pommern eingeliefert.

Aus Stablack, Kreis Preußisch-Eylau, werden die Kinder Wolfgang Kalinna,
geboren 12.11.1939, sowie deren Mutter, Frau Erna Kalinna, und deren
Großmutter Frau Anna Auguste Klaws, gesucht. Frau Kalinna kam mit ihrer
Mutter und den Kindern bis in die Gegend von Elbing.

Aus Waldau, Kreis Samland, werden die Geschwister Gerhard Karsties, geboren
26.09.1939 in Waldau, und Rudolf Karsties, geboren 24.11.1941 in Waldau,
gesucht von ihrer Tante Anna Bendig, geborene Karsties, geboren 08.01.1903.
Rudolf Karsties soll am 28. Oktober 1947 mit einem Kindertransport nach
Pasewalk gekommen sein.

Aus Landsberg, Kreis Preußisch-Eylau, wird Kurt Liedtke, geboren 08.07.1944,
gesucht. Kurt Liedtke soll sich Anfang 1945 in einem Säuglingsheim in Pillau
befunden haben.

Aus Ebendorf, Kreis Ortelsburg, wird Erika Rachny, geboren 08.12.1940,
gesucht von ihrer Mutter, Charlotte Rachny, geboren 12.11.1904. Erika befand
sich mit ihrer Schwester Edith Rachny, geboren 30.04.1925, auf der Flucht.
Sie kamen bis Danzig und wollten im Februar 1945 zusammen mit ihren
Verwandten auf einem Schiff Danzig verlassen.

Aus Königsberg-Lauth, Luisenallee 76, werden die Brüder Karl-Heinz Ruhnke,
geboren 10.04.1932 in Königsberg, und Wolfgang Ruhnke, geboren 26.07.1933 in
Königsberg, gesucht von ihrem Vater, Hans Ruhnke, geboren 31.01.1903 in
Königsberg.

Aus Worienen, Kreis Preußisch-Eylau wird Annemarie (Anni) Sommer, geboren
21.06.1933, gesucht. Das Mädchen wurde am 10.02.1945 frühmorgens in Eichen /
Ostpreußen während einer Rast durch Artilleriebeschuss am Kopf verwundet und
soll von Soldaten nach einem Verbandsplatz gebracht worden sein.

Aus Allenstein, Lutherstraße 6b, wird Horst-Joachim Rüdiger Szimanski,
geboren 26.09.1942 in Berlin, gesucht von seinem Vater, Hans Szimanski.
Anfang Mai 1945 kam der Knabe nach dem Tode seiner Mutter in das Kinderheim
Allenstein, Schanzenstraße. Von dort soll er entweder in ein Kinderheim nach
Grislienen oder Dietrichswalde, Kreis Allenstein, gekommen sein.

Aus dem Krankenhaus Soldau, Kreis Neidenburg, wird Rosemarie Schulz, geboren
24.12.1940, gesucht von ihrer Stiefmutter, Regina Schulz, geboren
25.06.1918. Rosemarie erkrankte auf der Flucht an Scharlach und wurde im
Jahre 1943 in das Krankenhaus in Soldau eingeliefert.

Aus Birken, Kreis Insterburg, wird Arno Dittmeyer, geboren am 8. September
1942 in Birken, gesucht von seiner Mutter Frieda Dittmeyer, geborene
Kaufmann, geboren am 1. Dezember 1907. Das Kind ist bis Juni 1947 im
Waisenhaus in Preußisch-Eylau gewesen und anschließend drei Monate zur
Erholung in Königsberg. Im Oktober 1947 soll es nach dem Westen ausgesiedelt
worden sein.

Aus Hohensalzburg, Kreis Tilsit-Ragnit, wird Lothar Otto Scharnweber,
geboren am 2. Februar 1943 in Goldap, gesucht von seiner Schwester Helga
Scharnweber, geboren am 20. Januar 1936. Das Kind wurde wegen
Mittelohrentzündung in das Krankenhaus Hohensalzburg, Kreis Tilsit-Ragnit,
eingewiesen.

Aus Klein-Schläfken, Kreis Neidenburg, werden die Geschwister Ruth
Godlinski, geboren am 8. Juli 1940 in Klein-Schläfken, und Helga Godlinski,
geboren am 19. Januar 1934, gesucht von ihrem Vater Albert Godlinski,
geboren am 2. April 1907. Die Geschwister Godlinski gingen ihren Eltern auf
der Flucht verloren. Beide Kinder befanden sich zuletzt auf dem Wagen der
Nachbarsfamilie Hugo Fritz, geboren am 3. März 1884, und Frau Karoline
Fritz, geborene Wunsch, geboren am 30. Januar 1890. Wer kann über den
Verbleib der Geschwister Godlinski und der Familie Fritz Auskunft geben?

Aus Königsberg, Briesener Straße 35/37, werden die Brüder Norbert Pluskat,
geboren am 4. Feruar 1938, und Plaus? (wahrscheinlich Klaus?) Pluskat,
geboren am 28. Dezember 1935, gesucht von ihrem Vater Kurt Pluskat, geboren
am 4. Dezember 1906. Auch die Mutter der Kinder, Margarete Pluskat, geborene
Glagau, wird noch vermisst.

Aus Königsberg, Hans-Sagan-Straße 82 – 84, werden die Geschwister Gisela
Böttcher, geboren am 27. oder 28. Februar 1938, und Joachim Böttcher,
geboren am 16. Dezember 1934, gesucht von einer Verwandten, Frau Hertha
Bubat. Die Mutter, Maria Böttcher, geborene Scheiba, geboren am 5. Juni
1902, wird ebenfalls noch gesucht.

Aus Königsberg, Löbenichtsche Langgasse 45, wird Heidrun Ziemba, geboren
etwa 1944, gesucht von ihrer Schwester Roswitha Ziemba, geboren am 20. März
1938. Auch der Vater Erich Ziemba wird noch gesucht.

Aus Königsberg, Schindekopstraße 16, wird Elfrun Pentzek, geboren am 21.
Juli 1936, gesucht von ihrem Vater, Dr. E. Pentzek. Der ältere Bruder,
Helmut Pentzek, geboren am 11. Januar 1909, wird auch noch vermisst.

Aus Königsberg-Spandienen 3, Straße 1775, Nr. 16, werden die Geschwister
Wienfried Schröder, geboren am 2. Dezember 1942 und Günther Schröder,
geboren am 14. Juni 1940, gesucht von ihrer Großmutter Wanda Jansen, geboren
am 5. April 1894. Zusammen mit den Kindern wird auch die Mutter, Margarete
Schröder, geborene Jankowski, geboren am 2. März 1919 in Stuhm/Westpreußen,
vermisst. Die Vermissten sollen sich auf der „Nettelbeck“ befunden haben.
Dieses Schiff ist Ende Januar, Anfang Februar 1945 bei Hela gestrandet.

Aus Landsberg, Kreis Preußisch-Eylau, Heilsberger Straße 208, werden die
Geschwister Gerhard Bartel, geboren am 23. Januar 1939 und Hildegard Bartel,
geboren am 10. Januar 1937, gesucht von ihrer Tante Berta Kehrick, geborene
Kreutz.

Aus Rastenburg, Bahnhofstraße 1, werden die Geschwister Vera Sankowsky,
geboren am 22. September 1939 und Hans-Günther Sankowsky, geboren am 11.
März 1933, gesucht von ihrem Vater Erich Sankowsky, geboren am 27. Juli
1900. Auch die Mutter der Kinder, Minna Sankowsky, geborene Scheffler,
geboren am 25. September 1911, wird noch gesucht.

Aus Zinten, Memellandstraße, wird Ulrich Gems, geboren am 2. Januar 1935,
gesucht von seinem Vater Otto Gems, geboren am 4. Februar 1913.

Kindersteckbrief mit Foto.
Name: Buchwaldt
Vorname: Ingrid
Geboren: 05.08.1942 in Königsberg
Augen: blau
Haar: dunkelblond
Das Kind kommt aus Königsberg. Die Mutter heißt Hildegard Buchwaldt, war
gehörlos und soll kurz vor der Flucht geheiratet haben. Bildnr. 0227

Kindersteckbrief mit Foto
Name: unbekannt
Vorname: vermutlich Helga
Geboren: etwa 1939/1940
Augen: blau
Haar: dunkelblond
Man fand das Kind in einem Lager in Dänemark. Es nannte sich selbst Helga.
Das Kind stammt vermutlich aus Ostpreußen. Helga erzählt von einem
Brüderchen, das noch im Kinderwagen lag. Durch Beschuss wurde Helga
wahrscheinlich von der Mutter getrennt. Der Vater soll sie auf der Flucht
nur ein kurzes Stück begleitet haben. Bildnr. 1946

Seite 16   Wehrmachtsangehörige aus Ostpreußen — 
Heimkehrer haben beim Suchdienst Aussagen über ehemalige Wehrmachtangehörige
gemacht. Die Familien dieser von Heimkehrern gemeldeten Männer und Frauen
konnten bisher nicht ermittelt werden. Erkennen Sie aus den nachstehend
aufgeführten Personalangaben einen der Vermissten und können Sie Auskunft
über dessen Angehörige geben? Für jeden der aufgeführten Namen liegt eine
Nachricht vor. Helfen Sie uns, die Angehörigen ausfindig zu machen. Jede
zutreffende Mitteilung von Ihnen bedeutet ein geklärtes Vermisstenschicksal!
Geben Sie Ihren Hinweis zur Auffindung der Angehörigen bitte unverzüglich
unter Bezugnahme auf die Befragungsnummer dieser Liste (jeweils am Ende der
Suchanzeige) an das Deutsche Rote Kreuz, Suchdienst München,
Rundfunkauskunft, München 13, Infanteriestraße 7 a.

Allenstein: die Angehörigen von Bruno Krüger, geboren etwa 1925, ledig,
Gefreiter, gefallen April 1945 bei Trautenau, B/12504

Klein-Barwenn: die Angehörigen von Michael Rankuttes, Geburtsdatum
unbekannt, gefallen im April 1945 bei Königsberg, B/12499. 

Elbing oder Umgebung: die Angehörigen von Eisenblätter, Vorname unbekannt,
geb. etwa 1900/1808, verheiratet, Obergefreiter bei der Feldpostnummer 37958
E, B/12590. 

Gumbinnen: die Angehörigen von Erich Wannagat, geb. etwa 1923. Melker,
Angehöriger der Feldpostnummer 41075 A, B/12521. 

Heiligenbeil: die Angehörigen von Werner Hofmann, Geburtsdatum unbekannt,
Stabsgefreiter bei der Feldpostnummer 39108, B/12312. 

Sensburg: die Angehörigen von Ewald Lemke, geb. etwa 1927, ledig, Friseur,
Grenadier bei der Feldpostnummer 04184 D, B/12497. 

Seewalde: die Angehörigen von Friedel Blunk, Geburtsdatum unbekannt,
Angehöriger der Stabskompanie Panzergrenadier-Ersatz-Bataillon 413, B/12500.


Ostpreußen: die Angehörigen von Mild, Vorname und Geburtsdatum unbekannt,
Oberleutnant bei einer Flak-Einheit, B/12863. 

Ostpreußen: die Angehörigen von Karl Piela, geb. etwa 1920, ledig.
Obergefreiter, gefallen Februar 1945 in Wien, B/12623. 

Ostpreußen: die Angehörigen von Rosen, Vorname unbekannt, geb. etwa 1918,
SS-Obersturmführer bei der Feldpostnummer 43115, B/13160. 

Ostpreußen: die Angehörigen von Bauer, Vorname und Geburtsdatum unbekannt.
Rottenführer bei der Feldpostnummer 33876, B/12509. 

Danzig: die Angehörigen von Bote oder ähnlich, Vorname unbekannt, geb. etwa
1929, Grenadier bei dem Infanterie-Regiment 9, A/25 318.

[OWP] Name Ehresmann

Date: 2016/12/08 17:44:38
From: Renate Bruhn <renate.bruhn(a)t-online.de>

Kieler Nachrichten v.03.12.2016, Anzeige mit Elchschaufel 
Helmut Ehresmann * 20.07.1929 + 28.11.2016
Trauerfeier war am 06.12.2016 um 12 Uhr in der Friedhofskapelle in Russee
Angehöriger:Manfred Ehresmann als Sohn
Weitere Ortsangabe: 24852 Bordesholm

Re: [OWP] Johannisburger Heimatbrief

Date: 2016/12/08 19:41:44
From: Werbung <werbung(a)ballmann.org>

Hallo,

beim ZVAB, dem zentralen Verzeichnis antiquarischer Bücher, habe ich gerade mal nach "Johannisburger Heimatbriefe" gesucht. Da gibt es einige Treffer:

https://www.zvab.com/servlet/SearchResults?kn=Johannisburger+Heimatbriefe&sts=t

Vielleicht ist ja was passendes dabei.

Viel Erfolg und ein gute Vorweihnachtszeit
Petra [Ballmann]


Am 07.12.2016 um 18:02 schrieb Eva Heller via OW-Preussen-L:
Guten Abend
Es weihnachtet … und ich wollte dem Cousine meiner Grossmutter einige Bilder seines Heimatortes unter den Weihnachtsbaum legen. Er wuchs in Lupken auf und erzählte mir, daß er nicht ein einziges Bild hat. Ich hatte geplant mir über ein Antiquariat diejenigen Hefte der Johannisburger Heimatbriefe zu besorgen, die Beiträge zu Lupken enthalten. Jetzt muß ich aber feststellen, daß gar nicht alle fraglichen Hefte via Antiquariat verfügbar sind.
Daher wende ich mich heute an die Liste. Hat jemand zufällige eines oder mehrere dieser Hefte und könnte für mich nachsehen, ob ein Bild von Lupken dabei ist:
1979198219982001200520062013
Die zwei Bilder im Bildarchiv Ostpreußen habe ich entdeckt. Ebenso die beiden im Bildband "Heimat umgeben von Wäldern und Seen".
Besten Dank und viele Grüße
Eva (Heller)

_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l


Re: [OWP] Lesehilfe / Ortsname Knieloerg ?

Date: 2016/12/08 20:43:07
From: Werbung <werbung(a)ballmann.org>

Hallo,

es gab eine Stadtfreiheit Knieberg bei Marienwerder.

Siehe dazu Seite 7 des unter folgendem Link einsehbaren Buches "die Topographie des Königreichs Preussen", erschienen in Marienwerder1789:

https://books.google.de/books?id=SQw_AAAAcAAJ&pg=PA4&dq=%22Stadtfreiheit+Knieberg%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi6qtGfq-XQAhUSOsAKHfevBhsQ6AEIHDAA#v=onepage&q=%22Stadtfreiheit%20Knieberg%22&f=false


Vielleicht hilft es.

Eine besinnliche Weihnachtszeit wünscht
Petra [Ballmann]





Am 07.12.2016 um 21:37 schrieb Ahnenforschung.Stuertz(a)web.de:
Hallo Uli,

ich lese Knieberg! Ein sehr schwungvolles L! In wikipedia konnte ich einige Kniebergs finden, allerdings kein Knieberg in Ost- oder Westpreußen...

VG
Inke (Stuertz)

Gesendet: Mittwoch, 07. Dezember 2016 um 16:49 Uhr
Von: "U H" <ahnen(a)hanke1.de>
An: Ostpreußen <ow-preussen-l(a)genealogy.net>, Brandenburg <brandenburg-l(a)genealogy.net>
Betreff: [OWP] Lesehilfe / Ortsname Knieloerg ?

Hallo liebe Mitforscher,

ich habe Probleme bei einem Heiratseintrag den Wohnort des Vaters vom
Bräutigam zu erkennen. Die Schrift des Pastors ist meines Erachtens
ordentlich. Ich lese  Knieloerg. Im Internet fand ich keinen Namen mit
dem Ort.

Unter      https://www.magentacloud.de/lnk/CVPSuduq          kann der
Eintrag angesehen bzw. heruntergeladen werden. Es handelt sich um den
Eintrag 296 und dort dort um die 2. Spalte. Ich wüßte gern ob ich den
Namen richtig entziffert habe und dann wo der Ort liegt.

Viele Grüe,

Uli (Hanke)

_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l

_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l


[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 05 vom Mai 1959

Date: 2016/12/08 20:47:46
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Ostpreußen-Warte
Folge 05 vom Mai 1959

Seite 1   Foto: Der Ehrentempel mit dem Grabe Immanuel Kants auf dem
Domplatz seiner Vaterstadt Königsberg. Foto: Löhrich

Seite 1   Oder-Neiße-Linie kein Tauschobjekt. Polnische Stimme zu jüngsten
Äußerungen westlicher Politiker.
Die parteiamtliche „Trybuna Ludu" veröffentlichte einen aufschlussreichen
Kommentar zur Oder-Neiße-Frage, in dem nachdrücklich festgestellt wird, dass
eine Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als deutsch-polnische „Grenze"
keinesfalls ein „Tauschobjekt" für die Zustimmung zur Wiedervereinigung
Deutschlands in Freiheit darstellen und sich auch nicht auf die engen
Beziehungen zwischen der Volksrepublik Polen und der Sowjetunion auswirken
werde. Unter Bezugnahme auf die Äußerungen de Gaulles sowie auf die
Tatsache, dass Präsident Eisenhower seine „Berlin-Rede" vor einer Karte
hielt, auf der die Oder-Neiße-Linie als Polens Westgrenze eingezeichnet war,
wird es in dem Kommentar begrüßt, dass „in letzter Zeit in der westlichen
Öffentlichkeit eine Wendung zugunsten der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze"
eingetreten sei. 

In einer Kritik der Gründe für diesen Vorgang heißt es in dem Kommentar, der
zugleich von der polnischen Agentur PAP verbreitet wurde:  

„Die sich in dieser Frage abzeichnende Wendung muss zweifellos vor allem
durch die Tatsache erklärt werden, dass auf Grund der sowjetischen
Vorschläge für den Abschluss eines Friedensvertrages mit Deutschland und für
die Normalisierung der Situation in Westberlin eine Lage entstanden ist, in
der der Westen sich gezwungen sieht, einige Elastizität zu zeigen. 

Bei der Untersuchung der Gründe für die neuen Ansichten des Westens über
unsere Grenze an der Oder und Neiße kann man einen weiteren Aspekt dieser
Angelegenheit nicht übersehen. Einige westliche Journalisten machen kein
Geheimnis daraus, dass sie, wenn sie die Anerkennung dieser Grenze
vorschlagen, ein völlig anderes Ziel im Auge haben. Sie bilden sich ein,
dass sie durch die Anerkennung unserer Westgrenze die uns mit der
Sowjetunion und anderen sozialistischen Ländern verbindenden, Bande lockern
könnten. Diese Journalisten weigern sich, einzusehen, dass wir mit der
Sowjetunion neben den gemeinsamen Sicherheitsinteressen durch nicht minder
starke ideologische Bande verbunden sind. 

Es gibt noch eine weitere Kategorie der an unseren Grenzen interessierten
westlichen Journalisten. Es sind jene, die aus der Anerkennung der
Oder-Neiße-Grenze ein internationales Tauschobjekt machen wollen. Einige
schlagen die Anerkennung dieser Grenzen im Austausch gegen eine Zustimmung
zur — Integration der DDR in die Bundesrepublik vor. Sie halten uns für
naive Kinder. Es wird von uns erwartet, der Austeilung eines Schlages gegen
unsere Freunde in der DDR und damit gleichzeitig dem Vorrücken der
Bundeswehrdivisionen an die Oder und Neiße zuzustimmen. Noch andere schlagen
die Anerkennung der Grenzen im Austausch für die Zustimmung zur atomaren
Bewaffnung der Bundeswehr vor. Dieser Vorschlag ist offensichtlich ebenfalls
lächerlich. Die europäische Sicherheit fordert sowohl die Anerkennung
unserer Westgrenzen als auch die Verhinderung der atomaren Bewaffnung der
Bundeswehr“. 

Seite 1   Königsberg - waffenstarrende Festung. Betreten nur mit
Sondergenehmigung / Grenzzone verbreitert 
Die Militärbehörden im sowjetisch verwalteten Teil Ostpreußens haben
kürzlich entlang der polnisch-sowjetischen Demarkationslinie die Grenzzone
von fünf auf 15 Kilometer Breite erweitert. Aus Berichten von Deutschen, die
aus Ostpreußen in die Sowjetzone zurückkehrten, geht hervor, dass Anfang
April in der Grenzzone auf sowjetisch verwaltetem Gebiet eine größere Zahl
von Einwohnern umgesiedelt worden sei. 

Eine aus Königsberg, dem jetzigen „Kaliningrad", zurückgekehrte polnische
Landarbeiter-Delegation berichtete, der sowjetische Verwaltungsteil werde
immer mehr zu einer „waffenstarrenden Festung und einem Militärstützpunkt"
ausgebaut, der auch von der Sowjetunion her nur mit Sondergenehmigung
betreten werden dürfe. Die polnische Delegation sei in Königsberg, Tilsit
und Insterburg jede Nacht drei- bis viermal von sowjetischen Sonderstreifen
kontrolliert worden. Die Furcht vor „westlichen Spionen" sei groß. 

Im sowjetischen Verwaltungsteil leben nur noch etwa 100 Deutsche. Sie
besäßen alle die sowjetische Staatsbürgerschaft und erhielten von den
Sowjets keine Ausreisegenehmigung. Diese Deutschen hätten berichtet, dass in
den baltischen Staaten weit verstreut noch zahlreiche Deutsche mit
sowjetischer Staatsbürgerschaft ansässig seien. 

Seite 1   Schlösser zum Verkauf 
Über 100 ehemalige deutsche Schlösser sowie zahlreiche Klöster und
Gutshäuser in den unter polnischer Verwaltung stehenden deutschen
Ostgebieten werden von den polnischen Behörden zum Kauf angeboten, berichtet
die polnische Zeitung „Slowo Polskie" aus Breslau. Der Wert der angebotenen
Objekte sei allerdings seit 1950 um 70 Prozent infolge anhaltenden Verfalls
gesunken, heißt es weiter. Das Blatt nennt die Zustände auf den Schlössern,
Gutshäusern und Klöstern „traurig, deprimierend und fast aussichtslos", weil
Tag für Tag Mauern einstürzten und „Ziegelsteinmarder" in den Nachtstunden
ihr Unwesen trieben. Das Blatt erklärt, die polnischen Behörden hätten seit
1950 in Niederschlesien nur ganz geringfügige Mittel für den Erhalt der
kunsthistorischen Baudenkmäler, zu denen vor allem die niederschlesischen
Schlösser zählten, aufbringen können. 

Seite 1   Bevölkerungsrückgang 
Nach dreizehn Jahren polnischer Verwaltung liegt die Bevölkerungsdichte im
Kreise Marienburg/Westpreußen heute noch um mehr als die Hälfte unter dem
Stande von 1939. Das ständige Absinken ist vor allem auf das Abwandern der
Landbevölkerung zurückzuführen. Entsprechend gering sind auch die
landwirtschaftlichen Erträge auf dem ohnehin schweren Boden in der
Weichselniederung, der besonders hohen Arbeitseinsatz verlangt.

Seite 1   Frauenmangel in Nordostpreußen. Soldatensender Königsberg wirbt um
heiratsfähige Mädchen 
Die entlassenen russischen Soldaten, die man in Ostpreußen angesiedelt hat,
beklagen sich über „Frauenmangel". Der sowjetische Soldatensender in der
ehemaligen ostpreußischen Metropole Königsberg und auch andere
sowjetrussische Stationen haben bereits heiratsfähige Mädchen aus
verschiedenen Teilen Russlands aufgefordert, nach Ostpreußen zu gehen, um
dort gemeinsam mit den einstigen Soldaten eine Familie zu gründen. 

Den Mädchen, die sich entschließen, nach Ostpreußen zu gehen, werden viele
materielle Vorteile geboten, die sie in ihrer bisherigen Heimat nicht hatten
und auch kaum bekommen würden. Der Staat ist sehr daran interessiert, dass
Ostpreußen baldmöglichst sowjetisiert wird. Verschiedene Parteizeitungen
haben wiederholt in Kommentaren gefordert, dass die Zuwanderung nach
Ostpreußen unter allen Umständen rascher als bisher durchgeführt werden
muss. Vor allem verlangen die sowjetischen Zeitungen und Rundfunkanstalten,
dass die Einwanderer nicht nur in den Städten, sondern auf dem Lande
angesiedelt werden müssen, um die wirtschaftlichen Möglichkeiten dieses
Raumes ganz auszunützen. Es hat sich wiederholt herausgestellt, dass die
Einwanderer nach Ostpreußen in der Regel „Kaliningrad", wie Königsberg heute
heißt, als Wohnort bevorzugten. 

Bis heute sind nur wenige Mädchen aus Russland in die neue Provinz
Ostpreußen gezogen. Sie sind an dem großartigen Angebot ihrer Regierung
wenig interessiert. Sie ziehen es vor, in der Heimat bleiben zu können und
verzichten dafür gern auf finanzielle Vorteile. Die meisten ehemaligen
russischen Soldaten, die man in Ostpreußen ansiedelte, schickte man in die
Umgebung von Königsberg. Hier finden sie je nach ihren beruflichen
Kenntnissen Arbeit und Wohnung. Großen Wert legt die russische
Planungsstelle in Königsberg auf landwirtschaftliche Arbeiter. Sie sollen
die vernachlässigten Kolchosen wieder in Schwung bringen. Im Gegensatz zu
den meisten russischen Städten, wo empfindlicher Mangel an Wohnungen
herrscht, gibt es in den Städten Ostpreußens Wohngelegenheiten genug. Im
Übrigen genießen russische Facharbeiterfamilien in Ostpreußen jede nur
mögliche Unterstützung. 

Moskau erwägt, schon in allernächster Zeit einige tausend Mädchen nach
Ostpreußen als Heiratswillige zu .verpflichten". 

Seite 1   „Für die Lagerhallen" 
Unter der Überschrift „Produktion — für die Lagerhallen" kritisiert die in
Allenstein erscheinende Parteizeitung „Glos Olsztynski" die —wie es wörtlich
heißt — „sich von Monat zu Monat verschlechternde" Produktionsleistung in
verschiedenen ostpreußischen Industriebetrieben. Viele Magazine seien mit
unverkäuflichen Waren aller Art, die kein Geschäft und kein Einzelkunde
abnehmen wollen, überfüllt. Allein Bakelit-Erzeugnisse im Werte von 900 000
Zloty, von deren Unverkäuflichkeit man überzeugt sei, lagerten in den Hallen
des Landes. Ungeachtet dessen, würde munter weiter produziert. Das gleiche
betreffe andere Waren, die man viel billiger und in besserer Qualität aus
dem Auslande erhalte. Ostpreußen-Warte
Folge 05 vom Mai 1959

Seite 1   Foto: Der Ehrentempel mit dem Grabe Immanuel Kants auf dem
Domplatz seiner Vaterstadt Königsberg. Foto: Löhrich

Seite 1   Oder-Neiße-Linie kein Tauschobjekt. Polnische Stimme zu jüngsten
Äußerungen westlicher Politiker.
Die parteiamtliche „Trybuna Ludu" veröffentlichte einen aufschlussreichen
Kommentar zur Oder-Neiße-Frage, in dem nachdrücklich festgestellt wird, dass
eine Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als deutsch-polnische „Grenze"
keinesfalls ein „Tauschobjekt" für die Zustimmung zur Wiedervereinigung
Deutschlands in Freiheit darstellen und sich auch nicht auf die engen
Beziehungen zwischen der Volksrepublik Polen und der Sowjetunion auswirken
werde. Unter Bezugnahme auf die Äußerungen de Gaulles sowie auf die
Tatsache, dass Präsident Eisenhower seine „Berlin-Rede" vor einer Karte
hielt, auf der die Oder-Neiße-Linie als Polens Westgrenze eingezeichnet war,
wird es in dem Kommentar begrüßt, dass „in letzter Zeit in der westlichen
Öffentlichkeit eine Wendung zugunsten der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze"
eingetreten sei. 

In einer Kritik der Gründe für diesen Vorgang heißt es in dem Kommentar, der
zugleich von der polnischen Agentur PAP verbreitet wurde:  

„Die sich in dieser Frage abzeichnende Wendung muss zweifellos vor allem
durch die Tatsache erklärt werden, dass auf Grund der sowjetischen
Vorschläge für den Abschluss eines Friedensvertrages mit Deutschland und für
die Normalisierung der Situation in Westberlin eine Lage entstanden ist, in
der der Westen sich gezwungen sieht, einige Elastizität zu zeigen. 

Bei der Untersuchung der Gründe für die neuen Ansichten des Westens über
unsere Grenze an der Oder und Neiße kann man einen weiteren Aspekt dieser
Angelegenheit nicht übersehen. Einige westliche Journalisten machen kein
Geheimnis daraus, dass sie, wenn sie die Anerkennung dieser Grenze
vorschlagen, ein völlig anderes Ziel im Auge haben. Sie bilden sich ein,
dass sie durch die Anerkennung unserer Westgrenze die uns mit der
Sowjetunion und anderen sozialistischen Ländern verbindenden, Bande lockern
könnten. Diese Journalisten weigern sich, einzusehen, dass wir mit der
Sowjetunion neben den gemeinsamen Sicherheitsinteressen durch nicht minder
starke ideologische Bande verbunden sind. 

Es gibt noch eine weitere Kategorie der an unseren Grenzen interessierten
westlichen Journalisten. Es sind jene, die aus der Anerkennung der
Oder-Neiße-Grenze ein internationales Tauschobjekt machen wollen. Einige
schlagen die Anerkennung dieser Grenzen im Austausch gegen eine Zustimmung
zur — Integration der DDR in die Bundesrepublik vor. Sie halten uns für
naive Kinder. Es wird von uns erwartet, der Austeilung eines Schlages gegen
unsere Freunde in der DDR und damit gleichzeitig dem Vorrücken der
Bundeswehrdivisionen an die Oder und Neiße zuzustimmen. Noch andere schlagen
die Anerkennung der Grenzen im Austausch für die Zustimmung zur atomaren
Bewaffnung der Bundeswehr vor. Dieser Vorschlag ist offensichtlich ebenfalls
lächerlich. Die europäische Sicherheit fordert sowohl die Anerkennung
unserer Westgrenzen als auch die Verhinderung der atomaren Bewaffnung der
Bundeswehr“. 

Seite 1   Königsberg - waffenstarrende Festung. Betreten nur mit
Sondergenehmigung / Grenzzone verbreitert 
Die Militärbehörden im sowjetisch verwalteten Teil Ostpreußens haben
kürzlich entlang der polnisch-sowjetischen Demarkationslinie die Grenzzone
von fünf auf 15 Kilometer Breite erweitert. Aus Berichten von Deutschen, die
aus Ostpreußen in die Sowjetzone zurückkehrten, geht hervor, dass Anfang
April in der Grenzzone auf sowjetisch verwaltetem Gebiet eine größere Zahl
von Einwohnern umgesiedelt worden sei. 

Eine aus Königsberg, dem jetzigen „Kaliningrad", zurückgekehrte polnische
Landarbeiter-Delegation berichtete, der sowjetische Verwaltungsteil werde
immer mehr zu einer „waffenstarrenden Festung und einem Militärstützpunkt"
ausgebaut, der auch von der Sowjetunion her nur mit Sondergenehmigung
betreten werden dürfe. Die polnische Delegation sei in Königsberg, Tilsit
und Insterburg jede Nacht drei- bis viermal von sowjetischen Sonderstreifen
kontrolliert worden. Die Furcht vor „westlichen Spionen" sei groß. 

Im sowjetischen Verwaltungsteil leben nur noch etwa 100 Deutsche. Sie
besäßen alle die sowjetische Staatsbürgerschaft und erhielten von den
Sowjets keine Ausreisegenehmigung. Diese Deutschen hätten berichtet, dass in
den baltischen Staaten weit verstreut noch zahlreiche Deutsche mit
sowjetischer Staatsbürgerschaft ansässig seien. 

Seite 1   Schlösser zum Verkauf 
Über 100 ehemalige deutsche Schlösser sowie zahlreiche Klöster und
Gutshäuser in den unter polnischer Verwaltung stehenden deutschen
Ostgebieten werden von den polnischen Behörden zum Kauf angeboten, berichtet
die polnische Zeitung „Slowo Polskie" aus Breslau. Der Wert der angebotenen
Objekte sei allerdings seit 1950 um 70 Prozent infolge anhaltenden Verfalls
gesunken, heißt es weiter. Das Blatt nennt die Zustände auf den Schlössern,
Gutshäusern und Klöstern „traurig, deprimierend und fast aussichtslos", weil
Tag für Tag Mauern einstürzten und „Ziegelsteinmarder" in den Nachtstunden
ihr Unwesen trieben. Das Blatt erklärt, die polnischen Behörden hätten seit
1950 in Niederschlesien nur ganz geringfügige Mittel für den Erhalt der
kunsthistorischen Baudenkmäler, zu denen vor allem die niederschlesischen
Schlösser zählten, aufbringen können. 

Seite 1   Bevölkerungsrückgang 
Nach dreizehn Jahren polnischer Verwaltung liegt die Bevölkerungsdichte im
Kreise Marienburg/Westpreußen heute noch um mehr als die Hälfte unter dem
Stande von 1939. Das ständige Absinken ist vor allem auf das Abwandern der
Landbevölkerung zurückzuführen. Entsprechend gering sind auch die
landwirtschaftlichen Erträge auf dem ohnehin schweren Boden in der
Weichselniederung, der besonders hohen Arbeitseinsatz verlangt.

Seite 1   Frauenmangel in Nordostpreußen. Soldatensender Königsberg wirbt um
heiratsfähige Mädchen 
Die entlassenen russischen Soldaten, die man in Ostpreußen angesiedelt hat,
beklagen sich über „Frauenmangel". Der sowjetische Soldatensender in der
ehemaligen ostpreußischen Metropole Königsberg und auch andere
sowjetrussische Stationen haben bereits heiratsfähige Mädchen aus
verschiedenen Teilen Russlands aufgefordert, nach Ostpreußen zu gehen, um
dort gemeinsam mit den einstigen Soldaten eine Familie zu gründen. 

Den Mädchen, die sich entschließen, nach Ostpreußen zu gehen, werden viele
materielle Vorteile geboten, die sie in ihrer bisherigen Heimat nicht hatten
und auch kaum bekommen würden. Der Staat ist sehr daran interessiert, dass
Ostpreußen baldmöglichst sowjetisiert wird. Verschiedene Parteizeitungen
haben wiederholt in Kommentaren gefordert, dass die Zuwanderung nach
Ostpreußen unter allen Umständen rascher als bisher durchgeführt werden
muss. Vor allem verlangen die sowjetischen Zeitungen und Rundfunkanstalten,
dass die Einwanderer nicht nur in den Städten, sondern auf dem Lande
angesiedelt werden müssen, um die wirtschaftlichen Möglichkeiten dieses
Raumes ganz auszunützen. Es hat sich wiederholt herausgestellt, dass die
Einwanderer nach Ostpreußen in der Regel „Kaliningrad", wie Königsberg heute
heißt, als Wohnort bevorzugten. 

Bis heute sind nur wenige Mädchen aus Russland in die neue Provinz
Ostpreußen gezogen. Sie sind an dem großartigen Angebot ihrer Regierung
wenig interessiert. Sie ziehen es vor, in der Heimat bleiben zu können und
verzichten dafür gern auf finanzielle Vorteile. Die meisten ehemaligen
russischen Soldaten, die man in Ostpreußen ansiedelte, schickte man in die
Umgebung von Königsberg. Hier finden sie je nach ihren beruflichen
Kenntnissen Arbeit und Wohnung. Großen Wert legt die russische
Planungsstelle in Königsberg auf landwirtschaftliche Arbeiter. Sie sollen
die vernachlässigten Kolchosen wieder in Schwung bringen. Im Gegensatz zu
den meisten russischen Städten, wo empfindlicher Mangel an Wohnungen
herrscht, gibt es in den Städten Ostpreußens Wohngelegenheiten genug. Im
Übrigen genießen russische Facharbeiterfamilien in Ostpreußen jede nur
mögliche Unterstützung. 

Moskau erwägt, schon in allernächster Zeit einige tausend Mädchen nach
Ostpreußen als Heiratswillige zu .verpflichten". 

Seite 1   „Für die Lagerhallen" 
Unter der Überschrift „Produktion — für die Lagerhallen" kritisiert die in
Allenstein erscheinende Parteizeitung „Glos Olsztynski" die —wie es wörtlich
heißt — „sich von Monat zu Monat verschlechternde" Produktionsleistung in
verschiedenen ostpreußischen Industriebetrieben. Viele Magazine seien mit
unverkäuflichen Waren aller Art, die kein Geschäft und kein Einzelkunde
abnehmen wollen, überfüllt. Allein Bakelit-Erzeugnisse im Werte von 900 000
Zloty, von deren Unverkäuflichkeit man überzeugt sei, lagerten in den Hallen
des Landes. Ungeachtet dessen, würde munter weiter produziert. Das gleiche
betreffe andere Waren, die man viel billiger und in besserer Qualität aus
dem Auslande erhalte. Ostpreußen-Warte
Folge 05 vom Mai 1959

Seite 1   Foto: Der Ehrentempel mit dem Grabe Immanuel Kants auf dem
Domplatz seiner Vaterstadt Königsberg. Foto: Löhrich

Seite 1   Oder-Neiße-Linie kein Tauschobjekt. Polnische Stimme zu jüngsten
Äußerungen westlicher Politiker.
Die parteiamtliche „Trybuna Ludu" veröffentlichte einen aufschlussreichen
Kommentar zur Oder-Neiße-Frage, in dem nachdrücklich festgestellt wird, dass
eine Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als deutsch-polnische „Grenze"
keinesfalls ein „Tauschobjekt" für die Zustimmung zur Wiedervereinigung
Deutschlands in Freiheit darstellen und sich auch nicht auf die engen
Beziehungen zwischen der Volksrepublik Polen und der Sowjetunion auswirken
werde. Unter Bezugnahme auf die Äußerungen de Gaulles sowie auf die
Tatsache, dass Präsident Eisenhower seine „Berlin-Rede" vor einer Karte
hielt, auf der die Oder-Neiße-Linie als Polens Westgrenze eingezeichnet war,
wird es in dem Kommentar begrüßt, dass „in letzter Zeit in der westlichen
Öffentlichkeit eine Wendung zugunsten der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze"
eingetreten sei. 

In einer Kritik der Gründe für diesen Vorgang heißt es in dem Kommentar, der
zugleich von der polnischen Agentur PAP verbreitet wurde:  

„Die sich in dieser Frage abzeichnende Wendung muss zweifellos vor allem
durch die Tatsache erklärt werden, dass auf Grund der sowjetischen
Vorschläge für den Abschluss eines Friedensvertrages mit Deutschland und für
die Normalisierung der Situation in Westberlin eine Lage entstanden ist, in
der der Westen sich gezwungen sieht, einige Elastizität zu zeigen. 

Bei der Untersuchung der Gründe für die neuen Ansichten des Westens über
unsere Grenze an der Oder und Neiße kann man einen weiteren Aspekt dieser
Angelegenheit nicht übersehen. Einige westliche Journalisten machen kein
Geheimnis daraus, dass sie, wenn sie die Anerkennung dieser Grenze
vorschlagen, ein völlig anderes Ziel im Auge haben. Sie bilden sich ein,
dass sie durch die Anerkennung unserer Westgrenze die uns mit der
Sowjetunion und anderen sozialistischen Ländern verbindenden, Bande lockern
könnten. Diese Journalisten weigern sich, einzusehen, dass wir mit der
Sowjetunion neben den gemeinsamen Sicherheitsinteressen durch nicht minder
starke ideologische Bande verbunden sind. 

Es gibt noch eine weitere Kategorie der an unseren Grenzen interessierten
westlichen Journalisten. Es sind jene, die aus der Anerkennung der
Oder-Neiße-Grenze ein internationales Tauschobjekt machen wollen. Einige
schlagen die Anerkennung dieser Grenzen im Austausch gegen eine Zustimmung
zur — Integration der DDR in die Bundesrepublik vor. Sie halten uns für
naive Kinder. Es wird von uns erwartet, der Austeilung eines Schlages gegen
unsere Freunde in der DDR und damit gleichzeitig dem Vorrücken der
Bundeswehrdivisionen an die Oder und Neiße zuzustimmen. Noch andere schlagen
die Anerkennung der Grenzen im Austausch für die Zustimmung zur atomaren
Bewaffnung der Bundeswehr vor. Dieser Vorschlag ist offensichtlich ebenfalls
lächerlich. Die europäische Sicherheit fordert sowohl die Anerkennung
unserer Westgrenzen als auch die Verhinderung der atomaren Bewaffnung der
Bundeswehr“. 

Seite 1   Königsberg - waffenstarrende Festung. Betreten nur mit
Sondergenehmigung / Grenzzone verbreitert 
Die Militärbehörden im sowjetisch verwalteten Teil Ostpreußens haben
kürzlich entlang der polnisch-sowjetischen Demarkationslinie die Grenzzone
von fünf auf 15 Kilometer Breite erweitert. Aus Berichten von Deutschen, die
aus Ostpreußen in die Sowjetzone zurückkehrten, geht hervor, dass Anfang
April in der Grenzzone auf sowjetisch verwaltetem Gebiet eine größere Zahl
von Einwohnern umgesiedelt worden sei. 

Eine aus Königsberg, dem jetzigen „Kaliningrad", zurückgekehrte polnische
Landarbeiter-Delegation berichtete, der sowjetische Verwaltungsteil werde
immer mehr zu einer „waffenstarrenden Festung und einem Militärstützpunkt"
ausgebaut, der auch von der Sowjetunion her nur mit Sondergenehmigung
betreten werden dürfe. Die polnische Delegation sei in Königsberg, Tilsit
und Insterburg jede Nacht drei- bis viermal von sowjetischen Sonderstreifen
kontrolliert worden. Die Furcht vor „westlichen Spionen" sei groß. 

Im sowjetischen Verwaltungsteil leben nur noch etwa 100 Deutsche. Sie
besäßen alle die sowjetische Staatsbürgerschaft und erhielten von den
Sowjets keine Ausreisegenehmigung. Diese Deutschen hätten berichtet, dass in
den baltischen Staaten weit verstreut noch zahlreiche Deutsche mit
sowjetischer Staatsbürgerschaft ansässig seien. 

Seite 1   Schlösser zum Verkauf 
Über 100 ehemalige deutsche Schlösser sowie zahlreiche Klöster und
Gutshäuser in den unter polnischer Verwaltung stehenden deutschen
Ostgebieten werden von den polnischen Behörden zum Kauf angeboten, berichtet
die polnische Zeitung „Slowo Polskie" aus Breslau. Der Wert der angebotenen
Objekte sei allerdings seit 1950 um 70 Prozent infolge anhaltenden Verfalls
gesunken, heißt es weiter. Das Blatt nennt die Zustände auf den Schlössern,
Gutshäusern und Klöstern „traurig, deprimierend und fast aussichtslos", weil
Tag für Tag Mauern einstürzten und „Ziegelsteinmarder" in den Nachtstunden
ihr Unwesen trieben. Das Blatt erklärt, die polnischen Behörden hätten seit
1950 in Niederschlesien nur ganz geringfügige Mittel für den Erhalt der
kunsthistorischen Baudenkmäler, zu denen vor allem die niederschlesischen
Schlösser zählten, aufbringen können. 

Seite 1   Bevölkerungsrückgang 
Nach dreizehn Jahren polnischer Verwaltung liegt die Bevölkerungsdichte im
Kreise Marienburg/Westpreußen heute noch um mehr als die Hälfte unter dem
Stande von 1939. Das ständige Absinken ist vor allem auf das Abwandern der
Landbevölkerung zurückzuführen. Entsprechend gering sind auch die
landwirtschaftlichen Erträge auf dem ohnehin schweren Boden in der
Weichselniederung, der besonders hohen Arbeitseinsatz verlangt.

Seite 1   Frauenmangel in Nordostpreußen. Soldatensender Königsberg wirbt um
heiratsfähige Mädchen 
Die entlassenen russischen Soldaten, die man in Ostpreußen angesiedelt hat,
beklagen sich über „Frauenmangel". Der sowjetische Soldatensender in der
ehemaligen ostpreußischen Metropole Königsberg und auch andere
sowjetrussische Stationen haben bereits heiratsfähige Mädchen aus
verschiedenen Teilen Russlands aufgefordert, nach Ostpreußen zu gehen, um
dort gemeinsam mit den einstigen Soldaten eine Familie zu gründen. 

Den Mädchen, die sich entschließen, nach Ostpreußen zu gehen, werden viele
materielle Vorteile geboten, die sie in ihrer bisherigen Heimat nicht hatten
und auch kaum bekommen würden. Der Staat ist sehr daran interessiert, dass
Ostpreußen baldmöglichst sowjetisiert wird. Verschiedene Parteizeitungen
haben wiederholt in Kommentaren gefordert, dass die Zuwanderung nach
Ostpreußen unter allen Umständen rascher als bisher durchgeführt werden
muss. Vor allem verlangen die sowjetischen Zeitungen und Rundfunkanstalten,
dass die Einwanderer nicht nur in den Städten, sondern auf dem Lande
angesiedelt werden müssen, um die wirtschaftlichen Möglichkeiten dieses
Raumes ganz auszunützen. Es hat sich wiederholt herausgestellt, dass die
Einwanderer nach Ostpreußen in der Regel „Kaliningrad", wie Königsberg heute
heißt, als Wohnort bevorzugten. 

Bis heute sind nur wenige Mädchen aus Russland in die neue Provinz
Ostpreußen gezogen. Sie sind an dem großartigen Angebot ihrer Regierung
wenig interessiert. Sie ziehen es vor, in der Heimat bleiben zu können und
verzichten dafür gern auf finanzielle Vorteile. Die meisten ehemaligen
russischen Soldaten, die man in Ostpreußen ansiedelte, schickte man in die
Umgebung von Königsberg. Hier finden sie je nach ihren beruflichen
Kenntnissen Arbeit und Wohnung. Großen Wert legt die russische
Planungsstelle in Königsberg auf landwirtschaftliche Arbeiter. Sie sollen
die vernachlässigten Kolchosen wieder in Schwung bringen. Im Gegensatz zu
den meisten russischen Städten, wo empfindlicher Mangel an Wohnungen
herrscht, gibt es in den Städten Ostpreußens Wohngelegenheiten genug. Im
Übrigen genießen russische Facharbeiterfamilien in Ostpreußen jede nur
mögliche Unterstützung. 

Moskau erwägt, schon in allernächster Zeit einige tausend Mädchen nach
Ostpreußen als Heiratswillige zu verpflichten". 

Seite 1   „Für die Lagerhallen" 
Unter der Überschrift „Produktion — für die Lagerhallen" kritisiert die in
Allenstein erscheinende Parteizeitung „Glos Olsztynski" die —wie es wörtlich
heißt — „sich von Monat zu Monat verschlechternde" Produktionsleistung in
verschiedenen ostpreußischen Industriebetrieben. Viele Magazine seien mit
unverkäuflichen Waren aller Art, die kein Geschäft und kein Einzelkunde
abnehmen wollen, überfüllt. Allein Bakelit-Erzeugnisse im Werte von 900 000
Zloty, von deren Unverkäuflichkeit man überzeugt sei, lagerten in den Hallen
des Landes. Ungeachtet dessen, würde munter weiter produziert. Das gleiche
betreffe andere Waren, die man viel billiger und in besserer Qualität aus
dem Auslande erhalte.

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 05 vom Mai 1959

Date: 2016/12/08 20:48:49
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 2   Menschenrechte allein Grundlage des Friedens. Jahrestagung des
„Göttinger Arbeitskreises" / über 200 Publikationen / Archiv ostdeutscher
Presse. 
Zu Beginn der Tagung wurde in ehrenden Worten des am 9. April 1959 plötzlich
verstorbenen Beiratsmitglieds Prof. Dr. Dr. Hans Koch gedacht, dessen Leben
und Werk der deutschen Ostforschung im Geiste der Versöhnung und der guten
Nachbarschaft zwischen dem deutschen Volke und den Völkern und Staaten
Osteuropas gewidmet war. 

Den Jahresbericht über die Tätigkeit des Arbeitskreises erstattete das
geschäftsführende Mitglied des Vorstandes, Joachim Freiherr von Braun. Im
Rahmen einer eingehenden Übersicht über die Grundlagen der
wissenschaftlichen Forschung und publizistischen Tätigkeit des
Arbeitskreises behandelte er insbesondere die aktuellen Fragen, die sich im
Hinblick auf die Erörterungen um den Gang der bevorstehenden
Ost-West-Konferenz in Genf ergeben haben. Freiherr von Braun wies dabei
darauf hin, dass ein Friedensvertrag allein auf der Grundlage des
Völkerrechts und der Achtung der Menschenrechte abgeschlossen werden kann.
Keine Regierung, so betonte er, könne sich mit Regelungen einverstanden
erklären, welche Verstöße gegen die Menschenrechte, also u. a. die
Austreibung der ostdeutschen Bevölkerung aus ihrer Heimat, sanktionieren
würden. In diesen Zusammenhang stellte der Vortragende auch den Bericht über
das Handbuch: „Das östliche Deutschland", in dessen einleitendem
„Völkerrechtlichen Teil" u. a. das geltende Verbot territorialer Annexionen
und das Selbstbestimmungsrecht der Völker eingehend in ihrer die
Völkerrechtsgemeinschaft verpflichtenden Bedeutung dargestellt worden sind.
Freiherr von Braun konnte darauf hinweisen, dass dieses große Werk — das
Handbuch stellt auf über 1000 Seiten die wichtigsten rechtlichen,
historischen und wirtschaftlichen Fragen des deutschen Ostens dar — bereits
ein erfreuliches und verständnisvolles Echo nicht nur im In-, sondern auch
im Auslande gefunden hat. 

Der Arbeitskreis hat, dem Tätigkeitsbericht zufolge, bisher über 200
selbständige Publikationen herausgebracht, die sich — ebenso wie seine
Periodika — mit den Fragen der Vertriebenen und ihrer Heimatgebiete
befassen. Das „Jahrbuch der Albertus-Universität zu Königsberg/Pr." erschien
im Berichtszeitraum mit seinem IX. Bande, das „Jahrbuch der Schlesischen
Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau" mit dem IV. Jahresbande. Durch
diese Jahrbücher nehmen die beiden ehrwürdigen ostdeutschen Universitäten
weiterhin am internationalen wissenschaftlichen Gespräch der Gegenwart teil.
Des Weiteren wurde eingehend der Aufbau des „Archivs der ostdeutschen
Presse" geschildert, das im Zusammenwirken mit der Staatsbibliothek Bremen
z. T. als Mikrofilmarchiv errichtet worden ist und das bereits über
umfangreiche Bestände verfügt, die der wissenschaftlichen Auswertung zur
Verfügung stehen. 

Der erste Tag der Beiratssitzung wurde beschlossen mit einem Vortrag von
Prof. Dr. Werner Frauendienst, Mainz, über das Thema: „Die Beziehungen
zwischen Preußen und Russland in der Geschichte“. Der Vortragende gab einen
Überblick über das Entstehen der russischen Großmacht seit der Zeit Peters
des Großen und schilderte die Grundzüge der Ostpolitik der europäischen
Staaten in den vergangenen drei Jahrhunderten. Vor diesem Hintergrund
stellte er die Entwicklung des preußisch-russischen Verhältnisses dar, wobei
er zu dem Ergebnis kam, dass die preußische Politik bestrebt war,
tatsächlichen oder befürchteten expansiven Absichten Russlands durch
Sicherung der eigenen Position und durch Bemühungen um die Herstellung
zufriedenstellender nachbarlicher Beziehungen mit der östlichen Macht zu
begegnen. — Am zweiten Tage fand eine Diskussion der aktuellen Fragen statt,
die durch einen Bericht von Prof. Dr. Kurth über die internationale Lage
eingeleitet wurde. Im Mittelpunkt der Aussprache stand die Frage der
Wiedervereinigung des viergeteilten Deutschlands in ihren europäischen und
allgemeinen Aspekten.

Seite 2   Walfänger in Königsberg 
Die Sowjetregierung will einen Walfangstützpunkt in Königsberg errichten. Zu
der Flotte wird das 40 000 Tonnen Walfangmutterschiff „Juri Dolgoruki"
gehören, das gegenwärtig in der Sowjetzone gebaut wird. 

Die Walfangflotte wird in diesem Herbst zu ihrer ersten Fahrt in die
Antarktis auslaufen. 

Seite 2   Selbständige deutsche Gemeinden. Polnischer Bischof über die
Seelsorge in den deutschen Ostgebieten. 
Auf zwei- bis dreitausend bezifferte der Präses des ökumenischen Rates in
Warschau, Bischof Sygmund Michelis, die Mitglieder der deutschen
evangelischen Gemeinde in den polnisch verwalteten Gebieten. Ihre Zahl habe
noch vor wenigen Jahren etwa 100 000 betragen. Durch die
Familienzusammenführung sei sie in den letzten Jahren und Monaten so
zusammengeschrumpft.
 
Wie der Bischof, der in seiner Eigenschaft als Präses des ökumenischen Rates
die deutschen Restgemeinden betreut, in einem Gespräch in Warschau erklärte,
bewahrten die Restgemeinden der evangelischen Kirche der altpreußischen
Union ihre Selbständigkeit und seien der polnischen Kirche auch nach
Auflösung der „Kommission für deutsche Seelsorge" am Jahresende nicht
einverleibt worden. Die drei Pastoren der deutschen Gemeinden seien
lediglich aus Zweckmäßigkeitsgründen den jeweiligen Superintendenten der
polnischen Kirche unterstellt worden. Predigten und Andachten würden nur in
deutscher Sprache gehalten. 

Michelis nannte drei Zentren der deutschen evangelischen Gemeinden: Stolp
mit etwa 400 - 500 Mitgliedern, Stettin und Umgebung mit rund 200 und
Niederschlesien Waldenburg mit ebenfalls etwa 200 Personen. Die anderen
Glieder der Kirche lebten verstreut. Die Pastoren sind in Stolp, wo ein
großer früherer Gemeinschaftssaal für die Gottesdienste zur Verfügung steht,
in Waldenburg und in Breslau tätig. In Stettin sammeln sich die
evangelischen Christen um einen Laienprediger, außerdem werden sie von dem
Pastor der polnischen Gemeinde betreut. 

Das Zusammenleben der Restgemeinden sei stark, sagte der Bischof Michelis.
Die Kirche stelle praktisch den einzigen Ort dar, in dem diese Menschen
Heimatluft atmeten. Die Seelsorge sei jetzt besser als vor Jahren, weil die
gleiche Zahl von Pastoren im Amt blieb wie vor der Familienzusammenführung.
Es gebe gegenwärtig materielle Schwierigkeiten. Lange habe man vor der Frage
gestanden, ob eine Kirche in Stettin für die rund 200 Kirchenmitglieder
wieder erneuert werden sollte. Man habe sich schließlich dafür
ausgesprochen. Die Mittel dafür kämen über den ökumenischen Rat vom
evangelischen Hilfswerk. 

Seite 2   Kritik an der Statistik 
Über die bestehenden „Mängel in der Statistik" führt die in Danzig
erscheinende polnische Zeitung „Glos Wybrzeza" beredte Klage. Es wird
festgestellt, dass es um die Statistik in Polen „ganz und gar nicht gut
bestellt" sei, dass sie „Lücken" aufweise, die nicht vorhanden sein sollten.
Der Verfasser habe vor kurzem in Erfahrung bringen wollen, wie viele
Familien in Gdingen wohnen. Obgleich er sich an eine Reihe „Instanzen und
Ämter" gewandt habe, von denen er geglaubt hatte, sie könnten irgendwelche
näheren Auskünfte zu seiner Anfrage erteilen, sei niemand in der Lage
gewesen, ihm eine „wenn auch nur annähernd konkrete Zahl" zu nennen. Auf
Grund von freundlichen Ratschlägen von Seiten einer beim Meldeamt
beschäftigten Angestellten habe er es schließlich selbst unternommen, die
Zahl der in Gdingen wohnhaften Familien annähernd zu errechnen. Resigniert
bemerkt der polnische Journalist zu seinen eigenen Berechnungen: „Ich weiß
nicht, inwieweit diese Berechnungen richtig sind; andere Zahlen konnte ich
jedoch nicht erhalten“.
 
Seite 2   Straßen erst in 128 Jahren instandgesetzt 
Das Danziger Straßennetz wird erst in 128 Jahren instandgesetzt sein, wenn
das bisherige Arbeitstempo beibehalten wird, stellt „Dziennik Baltycki" in
einem Bericht über den Zustand, des Straßennetzes in Danzig und Umgebung
fest. Vom langsamen Fortschreiten der Instandsetzungen zeuge die Tatsache,
dass bei 720 km Straßenlänge jährlich nur 5 bis 6 km instandgesetzt würden.
In Nachbarstädten herrschen ähnliche Verhältnisse, so werden jährlich in
Zoppot nur 4,6 km bei 116 km Gesamtlänge und in Elbing sogar jährlich nur
2,75 km ausgebessert. Die Zeitung weist darauf hin, dass bereits die
geringfügige Steigerung des Autoverkehrs im vergangenen Jahr die
Unzulänglichkeit der Danziger Straßenverhältnisse gezeigt habe. Die meisten
Straßen wiesen keine Straßenschilder auf, vorhandene Verkehrszeichen seien
häufig so aufgestellt, dass sie zu Irrtümern Anlass geben. Auch fehle es an
Parkmöglichkeiten. Eine Sonderkommission für Verkehrsfragen sei gebildet
worden, teilt die Zeitung mit, und erklärt dazu: „Wir sind der Meinung, dass
der schlechte Zustand der Straßen in der Dreistadt (d. i.
Danzig-Zoppot-Gdingen) bereits genügend ausgewachsen ist und eine spezielle
Behandlung verlangt“. 

Seite 2   Razzien gegen Prostituierte in deutschen Ostgebieten 
Die polnischen Polizeibehörden in Danzig, Stettin, Breslau und mehreren
oberschlesischen 
Städten unternehmen gegenwärtig Großrazzien gegen die angewachsene
Prostitution in den unter polnischer Verwaltung stehenden Ostgebieten. Wie
aus polnischen Presseberichten hervorgeht, haben sich in die Razzien auch
die polnischen Jugendbehörden eingeschaltet, da anfangs auch Mädchen im
Alter von 13 bis 18 Jahren als Prostituierte aufgegriffen wurden. Danzig
hält, wie die polnische Presse berichtet, den traurigen Rekord, die jüngste
Prostituierte zu haben. Das von der Sittenpolizei im Danziger Hafengebiet
aufgegriffene Mädchen ist elfeinhalb Jahre. 

Die polnische Polizei führt das Anwachsen der Prostitution auf die
schwierigen Lebensverhältnisse und die Verlockung des leichten
Geldverdienens sowie auf den übermäßigen Alkoholgenuss der Eltern der
festgenommenen jugendlichen Prostituierten zurück. In Breslau wurde bei
einer Razzia eine „Prostituierten-Schule" entdeckt, die sich regen Zuspruch
erfreute und monatlich bis zu 30 „Schülerinnen" aus Polen und Schlesien
kostspieligen Ausbildungsunterricht" erteilte.“.
 
Seite 2   Slawisches Museum in Marienburg
In Marienburg soll als Erinnerung an die Schlacht von Grunwald – wie in
Polen die Schlacht bei Tannenberg im Jahre 1410 genannt wird – ein
slawisches Museum errichtet werden. Ein vereinigtes litauisch-polnisches
Heer hatte dort das Heer des Deutschen Ordens unter Hochmeister Ulrich von
Jungingen vernichtet.

Seite 2   Pressespiegel
Gelungene Deutschland-Politik …
Die Nachbarn im Osten misstrauen Deutschland mit Adenauer, mit Franz Josef
Strauß und mit Atomwaffen. Die Nachbarn im Westen misstrauen Deutschland
ohne alle diese „Trümpfe“. War Deutschland jemals einsamer?  Das ist die
Wahrheit hinter der Fassade der deutschen Wiedergeburt im westlichen Geiste
und der Aufnahme Deutschlands in die westliche Familie. Die westliche
Familie nahm so viel von Deutschland auf, wie sie selbst brauchen konnte und
dem Osten nicht gönnte, und verhinderte damit zugleich die
Wiedervereinigung. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Das alles war
beabsichtigt, das alles ist gelungen. Die Deutschland-Politik des Westens
war also ohne Zweifel erfolgreich. Nur hätte man nicht sagen sollen dies
alles sei zum Wohle Deutschlands geschehen, weil diese Unwahrheit sich eines
Tages rächen wird, genauso wie sich die Unwahrheit, Frankreich kämpfe in
Afrika „für Europa", schon gerächt hat. Jedes weitere Jahr der Unwahrheit
erschwert die Lösung sowohl der deutschen wie der französischen Frage. Der
Preis, zu dem eine Lösung möglich ist, wird immer höher“. „Die Tat“, Zürich 

Dummer Zufall... 
„Denn die Möglichkeit eines dritten Weltkrieges ist heute nicht mehr ohne
weiteres von der Hand zu weisen, und alles, was gesprochen und getan wird,
spielt sich vor diesem dunklen Hintergrund ab. Das kann nicht bedeuten, dass
man die Waffen streckt und vor den sowjetischen Ultimaten und Diktaten
kapituliert. Diese Möglichkeit schließt auch der britische Premier aus, und
seine Erkundungsfahrt in die Sowjetunion hat nichts Gegenteiliges offenbart.
Im Gegenteil hat sie deutlich gemacht, dass er in der Berliner Frage und in
der deutschen Frage nicht zu Konzessionen bereit war. Aber der Ernst der
Stunde macht es erforderlich, die Möglichkeit von Verhandlungen bis zum
letzten auszuschöpfen, bevor die große Mobilmachung in Gang gesetzt wird.
Sie würde heute etwas Unwiderrufliches in sich tragen, weil die Angst vor
dem Überraschungsschlag des Gegners wahrscheinlich den eigenen
Überraschungsschlag herausfordern und auslösen würde . . . Der einfache
Bürger übersieht diese Tatsachen, weil er es für Wahnsinn hält, wenn die
Völker sich selber vernichten würden. Die Staatsmänner aber kennen sie und
müssen sie auch veranlassen, wenn der Gegner das gleiche tut. Sie handeln
zwangsläufig. Darin liegt die Gefahr. Und darin, dass einer jener dummen
Zufälle, wie sie niemals auszuschließen sind, einen Mechanismus auslösen
kann, der dann nach seinen eigenen Gesetzen abläuft“. „Die Welt“, Hamburg. 

Törichte Vorausleistungen 
„Die Geschichte verlangt nun eben gerechter Weise die Bezahlung einer
Schuld, die Deutschland im zweiten Weltkrieg auf sich lud. De Gaulles
Erklärung aber ist eine jener törichten Vorausleistungen, durch die sich der
Westen aller Möglichkelten beraubt, bei künftigen ernsthaften Verhandlungen
echte Angebote zu machen“. „Bieler Tagblatt“, Schweiz
 
Die Alternativen 
„10 Jahre Nato und Warschauer Pakt — das heißt 10 Jahre finstere Reaktion,
verharren in den Formen und Vorstellungen einer versunkenen Welt, heißt
Züchtung eines Feindkomplexes, Kriminalisierung des Bewusstseins,
Vorbereitung zum Krieg, auf den Selbstmord, auf die Vernichtung der Erde.
Geopolitisch denken heißt Hineintreten in die Dimensionen einer neuen Welt
und Nachvollziehen der atomaren Revolution im politischen Bewusstsein, heißt
Auflösung jedes Feindkomplexes. Versittlichung des Menschen, Erarbeitung des
Friedens, Neuordnung der Gesellschaft, Hegung der Erde“. „Gemeinschaft und
Politik“
 
Wir stehen allein 
„Die Schwierigkeit liegt nicht darin, einen Modus für die Wiedervereinigung
zu finden, der von beiden Mächten gebilligt werden könnte. Hier gibt es eine
Reihe von Möglichkeiten. Sie liegt vielmehr darin, einzusehen und
zuzugestehen, dass Wiedervereinigung und Friedensschluss nicht nur den Krieg
beenden, sondern auch das Fazit des verlorenen Krieges ziehen werden und
damit die bis zur Stunde sorgsam gepflegte Illusion zerstören müssen, als
könne die Liquidation des Hitlererbes ohne weitere schwere Opfer des
deutschen Volkes und in der vollen Gesichertheit der eigenen Existenz
vollzogen werden. Es ist eine Augentäuschung, wenn sich Bonn schmeichelt, in
dem gegenwärtigen Weltkonflikt endlich „auf der richtigen Seite" zu stehen.
Das deutsche Volk steht nach wie vor allein!" Hermann Rauschning (ehem.
Staatspräsident von Danzig)

Seite 2   Beliebte Jagdgebiete um Elbing. Rückläufiger Wildbestand —
Wildpflege unbekannter Begriff. 
Die weiten ostpreußischen Jagdgebiete unterstehen heute im südlichen Teil
des Landes dem Verband der polnischen Jäger, dessen oberste Leitung in
Warschau ist. Die Jagdgebiete um Elbing bildeten Jahrelang das
repräsentative Reiseziel polnischer Jagdprominenz, u. a. auch von Marschall
Rokossowski, der dort mehrere Besuche abstattete. 

Im Zuge der sozialistischen Entwicklung unter polnischer Verwaltung wurde
die Jägerei zu einer Art Volkssport, dem man ungehindert huldigen kann,
sofern man einen Kursus im Gebrauch von Jagdgewehren absolviert hat und vor
einer Jägerkommission eine leichte Prüfung bestanden hat. 

In Elbing bestehen heute zwei Jägerklubs, die 32 bzw. 27 Mitglieder zählen.
Dem ersten Klub gehören die sogenannten Intelligenzler an, im zweiten sind
die jagdlustigen Angestellten der lokalen Industriebetriebe vertreten. Beide
Klubs unterstehen dem Jägermeister Krawcyk, dem aus Posen gebürtigen
Direktor der Elbinger Maschinenfabrik. Dieser wiederum ist dem Inspektor der
Danziger Forsten, Stypinski, unterstellt. 

Die Jagdgewehre stammen zum größten Teil aus der Zone. Patronen und Schrot
sind in Polen knapp, obwohl gerade dieser Artikel reichlich in der Fabrik
von Radom hergestellt wird. Allerdings werden die Bestände hauptsächlich in
die Bundesrepublik exportiert. 

Der Enthusiasmus der Mitglieder der Jägerklubs steht im umgekehrten
Verhältnis zum stark rückläufigen Wildbestand in den Elbinger Forsten. Das
Jägerethos ist stark abgefallen und Wildpflege ein nahezu unbekannter
Begriff geworden. Zweimal monatlich haben die Klubs eine Sitzung, um
Treibjagden zu planen. Neben dem aussterbenden Wild jagt man Wildgänse,
Füchse, Pelztiere und Wasservögel. 

Die Treiber müssen von. den Klubmitgliedern bezahlt werden, und das nicht zu
niedrig, da diese Tätigkeit Gefahren mit sich bringt. Die begeisterten
Neujäger schossen vielfach versehentlich auf die Treiber, so dass die
Anordnung der Klubs neuerdings vorsieht, dass erst geschossen werden darf,
wenn das Wild unmittelbar in die Schusslinie tritt. 

Das erbeutete Wild gehört den Jägern und kann an die staatliche Wild- und
Geflügelzentrale verkauft werden, die hauptsächlich nach Großbritannien
exportiert. Die Wildaufzucht wird sträflich vernachlässigt. Der Erfolg ist,
dass die Jagden immer mehr eingeschränkt werden müssen und die Prominenz aus
Warschau sich in wildreichere Jagdgebiete zurückzieht. Unter den Aufsehern
befinden sich viele Wilderer, denen man nur schwer auf die Schliche kommt.
Diese sogenannten „Fleischmacher" bereichern allerdings die polnischen
Exportmöglichkeiten, haben dafür aber den Wildbestand aufgerieben.

Seite 2   Unsere Heimat heute
Die Abhängigkeit der in Allenstein herrschenden polnischen Kommunisten von
den Sowjets lässt sich sogar an der Häufigkeit der Ferngespräche ablesen. In
der Reihe der Auslandsgespräche führt mit großem Abstand — Moskau! 

Die Viehhaltung in den städtischen Wohnungen von Allenstein, die in den
Jahren der polnischen Verwaltung üblich geworden ist, soll jetzt
hygienischer Bedenken wegen verboten werden. 

In dem von Allenstein aus verwaltetem Gebiet Ostpreußens bestehen 744
Staatsgüter. Von diesen werden 200 von fachlich nicht vorgebildeten Leitern
verwaltet. Diese sollen jetzt in Schnellkursen geschult werden. 

In dem Restaurant Zatorze in Allenstein wurden im letzten Jahr Spirituosen
im Werte von 3 Millionen Zloty umgesetzt. Das entspricht den Baukosten von
etwa 60 Schulräumen. 

In den Kreisen Sensburg und Ortelsburg stehen 100 landwirtschaftliche
Anwesen zum Verkauf, ohne dass sich bisher ein Käufer gemeldet hätte. 

Die Binnenfischerei in Ostpreußen leidet unter der Behinderung durch
Treibholz, das auch die Verbindungen zwischen den Seen zum Teil völlig
verstopft. Nach polnischen Quellen sind noch 8000 Kubikmeter Holz aus den
ostpreußischen Seen zu bergen. 

Nach sowjetischem Muster soll die Schuljugend im polnisch verwalteten
Ostpreußen uniformiert werden. Uniformmuster sind bereits in Allenstein
eingetroffen. 

In Gdingen wurde der Absturz eines glühenden Metallkörpers ins Meer
beobachtet. Der geheimnisvolle Gegenstand wurde geborgen und wird zurzeit
untersucht. Man vermutet in ihm den Rest einer Raketenhülle.

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 05 vom Mai 1959

Date: 2016/12/08 20:50:15
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 3   Foto: Schöne Heimat, wie wir sie alle in unserer Erinnerung haben.
Auf dem Bild, die Brücke von Nikolaiken am großen Spirdingsee. Foto: Löhrich

Seite 3   Bild einer Landschaft: Johannisburger Heide Ganze Ortschaften
verschwinden — Urwälder breiten sich aus — Abwässer verseuchen Seen 
Kaum eine Landschaft des südlichen Ostpreußens ist so einschneidenden
Veränderungen unterworfen worden wie das bekannte Gebiet um Johannisburg.
Bevor wir in der Stadt einen Besuch machen, wollen wir uns die
Johannisburger Heide, die Seen und einige Dörfer ansehen. 

Kommen wir heute vom Beldahnsee südlich zum Niedersee, dann begleiten einen
links und rechts des Weges stark oder gänzlich eingeschlagene Waldflächen.
Zu jeder Jahreszeit setzen die Polen hier Dutzende von Holzfällerkolonnen
ein, die mit Motorsägen den alten Beständen zu Leibe gehen. Unzählige Stämme
flößt man die Seen hinab. Zum Teil wird das Holz auch gleich hier
verarbeitet. So unter anderem im Dorf Niedersee, wo das dortige Sägewerk
wieder in Gang gesetzt wurde. Heute arbeitet es in Tag- und Nachtschichten.
Masuren ist der Forstbezirk im polnisch verwalteten Ostdeutschland, der
ständig die Sollzahlen für den Holzeinschlag übererfüllt. 

Kommt man in bewohnte Gebiete, so sieht man auch dort, dass den Polen die
Forstwirtschaft wichtiger als alles andere ist. Tausende von Hektar
Kulturland, die während der Kollektivierungsperiode unbebaut blieben oder
Staatsgütern angehörten, hat man dem Staat überlassen. Und die Regierung
wusste nichts Besseres mit dem Ackerland anzufangen, als es wiederum den
Oberförstereien zu übergeben, die mit der Aufforstung begannen. So hat sich
die landwirtschaftliche Nutzfläche im Kreis Johannisburg ganz empfindlich
verringert. Offenbar hat man diesen Teil Masurens nur als Holzlieferanten
ausersehen. Die staatlichen Forsten haben im vergangenen Jahr auch erstmalig
größere Mittel zur Wiederaufforstung der kahlgeschlagenen und durch
Waldbrände vernichteten Flächen erhalten. Gutsarbeiter, Hilfskräfte und
Soldaten roden seitdem Stubben und schonen die arg verwüsteten Wälder wieder
an. 

Leider weist der Kreis Johannisburg auch eine völlig tote Zone auf, in der
gar nichts für den Wiederaufbau geschieht. Es handelt sich dabei um den
Bezirk östlich des Spirdingsees bei Arys. Dort befindet sich ein großer
Truppenübungsplatz, der in der Nachkriegszeit schon zweimal beträchtliche
Erweiterungen erfahren hat. In diesem Bezirk gibt es keine Ortschaften,
keine Zivilbewohner und keine friedliche Arbeit mehr! Alles ist dem Militär
untergeordnet, und das Gebiet wurde hermetisch von der Außenwelt abgesperrt.
Heute gibt es auch keine Eisenbahnverbindung zwischen der Kreisstadt und
Arys mehr. Von den Sowjets wurde diese Linie nach dem Kriege demontiert.
Polnischerseits hat man kein Interesse an einem Wiederaufbau der Strecke. 

Trotz der starken Einschläge im ländlichen Gebiet gibt es noch immer
Bezirke, die seit Jahren von keinem Menschen mehr betreten worden sind.
Anstatt alle Waldgebiete gleichmäßig durchzuforsten und Kahlschläge zu
vermeiden, arbeiten die Holzfällerbrigaden nur in den am leichtesten
zugänglichen Forsten. So ist es anderseits zur Bildung von regelrechten
Urwäldern gekommen. Das hat nicht nur für die Wälder selbst große Nachteile,
sondern auch die Bevölkerung in der weiteren Umgebung wird davon betroffen.
Sind doch diese vernachlässigten Gegenden Schlupfwinkel hunderter
Wildschweinrotten, die eine große Plage für die Landwirtschaft darstellen.
Die Zahl der Schwarzkittel hat sich im Kreis Johannisburg in einem seit
Menschengedenken nicht mehr gekannten Ausmaß vergrößert. Es ist bereits so
weit gekommen, dass einige Staatsgüter nachts Posten auf den Feldern
aufstellen müssen. Jetzt endlich hat sich die Armee zur Unterstützung
bereiterklärt, nachdem die polnischen Förster in der Bekämpfung gänzlich
versagt haben. Scharfschützen aus den Einheiten auf dem Truppenübungsplatz
werden zur Wildschweinjagd eingesetzt. Doch das alles wird kaum große
Erfolge haben, solange nicht alle Wälder gleichmäßig in Ordnung gehalten
werden. Genauso ist es mit der Wolfsplage, die im Johannisburger Gebiet
nicht minder umfangreiche Schäden anrichtet. Es ist jedoch auch hier nicht
gelungen, eine durchgreifende Besserung zu erzielen. Nach wie vor hausen
Rudel der Raubtiere in den abgelegenen Gebieten und unternehmen von dort
ihre Raubzüge, denen jährlich viel Vieh zum Opfer fällt. Die Zahl der Wölfe
in ganz Masuren wird nach neuesten polnischen Schätzungen mit etwa
zweihundert angegeben. 

Wie die polnische Bevölkerung alle diese Unzulänglichkeiten empfindet, mögen
Vorgänge in Gehlenburg schildern. Dort vermindert sich die Zahl der Polen
von Jahr zu Jahr mehr, weil die Lebensbedingungen schlecht sind. Hatte das
Städtchen auch nur wenige Kriegszerstörungen aufzuweisen, so unterblieb
jedoch jegliche Reparatur an den bestehenden Häusern. Der Verfall schritt
fort, und heute ist ein Teil der Häuser nicht mehr bewohnbar. Die
Einwohnerzahl sank in der letzten Zeit allein um 360 Personen! Kennzeichnend
für die Lage dort ist, dass die schulentlassene Jugend meistens versucht,
Arbeits- oder Lehrstellen in Polen zu erhalten. Die Zandersche Mühle
beispielsweise, die erhalten geblieben ist, hat nur noch überalterte
Arbeitskräfte. Auch sonst suchen sich qualifizierte Arbeitskräfte andere
Wohnorte. Als man kürzlich die evangelische (heute katholische) Gehlenburger
Kirche renovieren wollte, konnte man in der Stadt keine Handwerker dazu
finden. Dasselbe Problem besteht in der Bauwirtschaft, die die
übriggebliebenen Häuser reparieren soll, aber keine Arbeitskräfte hat.
Selbst also wenn man Geld und Material hat, klappt es nicht! Viele Polen in
Gehlenburg sind in der Forstwirtschaft oder als Verladearbeiter auf den
Bahnhöfen der Strecke Lyck—Ortelsburg beschäftigt, die durch die
Johannisburger Heide führt. Auch auf diesen Bahnhöfen wird ständig Holz
abgefahren. 

Kommt man weiter in das südliche Gebiet der früheren Grenze zwischen Polen
und Ostpreußen, so macht man eine traurige Entdeckung. Hier haben die Polen
viele Häuser aus den Gütern und Dörfern abgebrochen und über die Grenze
fortgeschafft. Es handelt sich um Polen, die nicht an die dauernde polnische
Verwaltung Ostdeutschlands glauben und deshalb in Ostpreußen nicht wohnen
wollen. Andererseits wollen sie ihre eigenen zumeist armseligen Behausungen
durch bessere ersetzen. Und so kam es lange Zeit hindurch zu Fahrten über
die Grenze, um Häuser abzureißen und das Beste fortzuholen. Heute ist es so,
dass den trostlos aussehenden ostpreußischen Ortschaften in der
Johannisburger Heide neu gebaute Dörfer und Gehöfte auf der polnischen Seite
gegenüberstehen! Es ist also genau der umgekehrte Umstand eingetreten, wie
er früher hier üblich gewesen ist. Nun, wir verzichten gern auf alle Häuser
in Ostpreußen, wenn sie von den Russen und Polen mitgenommen werden und sie
uns wieder in unsere Heimat lassen! Heute jedoch schon zeigen diese Vorgänge
an der alten Reichsgrenze wie wenig viele Polen auf die Regierungspropaganda
geben und mit einem Verbleiben Ostpreußens bei Polen rechnen. 

Um den Zustand aller Dörfer in diesem Kreis zu schildern, fehlt uns der
Platz. Wir wollen uns daher mit einigen Orten beschäftigen, die für die
Gesamtlage sprechen. In Richtwalde leben nur wenige Polen. Dort ist einiges
dem Abbruch zum Opfer gefallen. Die Zahl der Höfe ist gegenüber früher um
vier Fünftel zurückgegangen. Koslowen existiert überhaupt nicht mehr. Es ist
völlig verschwunden. Schwiddern musste schwere Schäden durch Fortschaffen
ganzer Gebäude über die Grenze hinnehmen. In dieser Ortschaft befanden sich
letzthin nur sechs polnische Bauern. Klein -Kessel hatte Jahre hindurch viel
Brachland, das jedoch an Landwirte verkauft wurde. Dann wanderten diese ab
und das Staatsgut übernahm die Flächen. Heute gibt es wieder Brachland. Die
übrigen Felder sind so schlecht bestellt, dass die Hektarerträge nach
polnischen Presseberichten „nicht einmal einen Teil der Unkosten des
Betriebes decken, geschweige denn zu einem Überschuss führen". Der Betrieb
ist total verschuldet. Lindensee ist ebenfalls ausgelöscht. Drosselwalde ist
einigermaßen erhalten. Dort gibt es auch eine Anzahl polnischer Bauern. Vor
zwei Jahren wurde dort die einzige „Ländliche Gesundheits-Genossenschaft" im
Kreis Johannisburg gegründet. Dies war notwendig, weil das Arztwesen auf dem
Lande darniederliegt und mit früher nicht mehr zu vergleichen ist. Hier sind
einige neue Unterkünfte für die Arbeiter entstanden. Nittken ist so ziemlich
erhalten. Die Zahl der polnischen Bauern liegt bei einem Dutzend. Birkenberg
haben die Polen fast völlig abgebrochen. Das Baumaterial wurde über die
Grenze nach Polen geschafft. Drygallen gehört wie Gehlenburg zu den
Ortschaften, in denen noch verhältnismäßig viele Landsleute leben. Drygallen
wurde in der letzten Zeit dadurch bekannt, dass von hier aus Zivil- und
Militärfeuerwehren zur Löschung der großen Waldbrände in der Umgebung
eingesetzt wurden. Große Flächen wurden damals vernichtet, die erst langsam
wieder aufgeforstet werden. Falkendorf gehört auch zu den Gemeinden, die
heute nicht mehr bestehen. Auch hier wirkte sich eine großangelegte
Abbruchaktion vernichtend aus. 

Die Seen haben heute keinen Fischbestand mehr. Erst machte sich die
Raubfischerei bemerkbar, und später kam von Nieden her das Unglück. Dort
haben die Polen nämlich eine Pressplattenfabrik eingerichtet, deren Abwässer
schädliche bzw. giftige Chemikalien enthalten und alle Gewässer der Umgebung
verseuchten, so dass die Fische eingingen. Die Abwässer fließen zuerst in
die Nida, kommen dann in den Wigrinnensee, durchfließen den schon eingangs
erwähnten Beldahnsee und landen schließlich bei Nikoleiken im Spirdingsee.
Die masurischen Seen sind durch das Werk in Nieden fast alle aufs schwerste
geschädigt worden. Für die ganze Landschaft sind die stinkenden bräunlichen
Abwässer zu einer Gefahr geworden. Auch der Ferienverkehr leidet bereits
darunter, weil die Wanderer und Zeltgäste nicht mehr in diesem einst
herrlichen Ferienparadies bleiben wollen. Die ganze Gegend der
Johannisburger Heide stinkt heute nach Schwefel, der in den Abwässern
enthalten ist. Am schlimmsten steht es mit dem Wigrinnersee, der bereits
völlig verseucht ist und nicht mehr für den Fischfang oder die Fischzucht
geeignet ist. Die verseuchten Flächen in den Gewässern breiten sich
inzwischen immer mehr aus, weil die in der letzten Zeit eingebaute
Filteranlage in Nieden nur ungenügend arbeitet. 

Kotten ist auch einmal gewesen. Hier steht ebenfalls kein einziges Haus
mehr! Von Drygallen ist nachzutragen, dass sich dort ein
Holzverarbeitungskombinat befindet, in dem jetzt auch Repatrianten
beschäftigt werden. Polnische Russlandheimkehrer arbeiten seit kurzem auch
auf dem Drygaller Staatsgut. Kallischken ist relativ gut erhalten. Das
dortige Gut wurde verstaatlicht. Wiederum völlig vernichtet ist aber
Steinfelde, wo nur noch Trümmerstaub die ehemals bebauten Grundstücke
kennzeichnet. Auch der letzte Ziegelstein ist von hier abgefahren worden.
Zum Schluss noch ein Hinweis auf Komorowen, wo sich ein Staatsgut befindet.
Dort arbeitet als Gutsleiter jetzt der frühere Kolchosdirektor von Nittken,
nachdem die dortige Kolchose aufgelöst wurde. Dieser „Direktor" wirtschaftet
in Komorowen genau so schlecht wie in Nittken. 

Die Kreisstadt Johannisburg bietet heute das traurigste Bild im ganzen
Landkreis! Nach den ersten schweren Verwüstungen während des Russeneinfalls
im Jahre 1914/19 sanken am Ende des zweiten Weltkrieges und während der
polnischen Verwaltung wiederum hunderte Häuser in Schutt und Asche. Man
nimmt eine Zerstörung von mindestens 80 Prozent an! Wahrscheinlich ist die
Vernichtung aber noch viel größer, weil man auch hier statt Wiederaufbau zu
treiben den Häuserabbruch gestattete. Die Zahl der total vernichteten
Gebäude (durch Krieg wie Abbruch) liegt zwischen sechshundert und
siebenhundert! Die vertriebenen Johannisburger werden am besten wissen, was
diese Zahlen für ihre Heimatstadt bedeuten. 

Auch heute ist es in der Kreisstadt noch zu keiner wesentlichen Besserung
gekommen. Erhalten blieben nur einige Häuser um den Marktplatz, wenn man von
einigen Einzelhäusern absehen will, die sonst noch verstreut stehen. Am
Marktplatz befinden sich das polnische Rathaus, ein Lichtspieltheater, das
Kreisgericht, zwei Kaufhäuser, mehrere Kioske, eine Apotheke und Wohnbauten.
Das kann aber nicht über die schweren Zerstörungen hinwegtäuschen, überdies
sehen die erhaltenen Häuser gespenstisch in der sonstigen Trümmerwüste aus,
die noch nicht einmal voll aufgeräumt worden ist! Der Verkehr ist minimal.
Eine Straßenreinigung hat man erst gar nicht mehr eingerichtet. Der
Wiederaufbau umfasste bisher nur elf Gebäude. Dabei handelte es sich auch um
keine echten Neubauten, sondern um Reparaturen beschädigter Gebäude. Ob die
vor kurzem bekanntgegebenen Aufbaupläne, die eine Reihe von Neubauten
vorsehen, verwirklicht werden, darf man mit Fug und Recht bezweifeln.
Johannisburg ist nicht zuletzt durch Abbruch und Vernachlässigung zu dem
heutigen Torso einer Stadt geworden. Sogar die erhalten gebliebenen Häuser
sehen jämmerlich aus und zeigen typische Verfallserscheinungen. So ist das
ganze Gesicht der Johannisburger Landschaft seit dem Kriege entscheidend
verändert worden. 

Seite 3   „Küstenwojewodschaften am stärksten vernachlässigt“.
Die Zeitschrift „Rada Narodowa", das in Warschau erscheinende
Instruktionsorgan für die polnischen „Nationalräte", trifft die
bemerkenswerte Feststellung, die drei Küstenwojewodschaften" Stettin, Köslin
und Danzig sowie die „Wojewodschaft" Allenstein seien „die bisher am
stärksten vernachlässigten Wojewodschaften". 

Diese Feststellung ist in einem eingehenden Bericht über verschiedene Pläne
der Regierungsstellen zur wirtschaftlichen „Aktivierung der Westgebiete"
enthalten. Unter anderem wird behauptet, dass sowohl im Jahre 1958 als auch
in den Plänen für 1959 bei der Entwicklung der „Wojewodschaften" in den
„Westgebieten" ein „schnelleres Tempo" zugrunde gelegt worden sei als für
die übrigen polnischen Wojewodschaften, wie auch der Anstieg der globalen
Investitionsmittel hier bei der örtlichen Wirtschaft schneller verlaufe als
in Zentralpolen. Des Weiteren wird in dem Bericht ausgeführt, dass
„besondere Vergünstigungen und Ermäßigungen" für die „individuellen" Fischer
von den Regierungsstellen angeordnet und ihnen auch „günstige
Verkaufspreise" für die von ihnen abgelieferten Fische bewilligt worden
seien, wodurch ihnen die Anschaffung von Motoren für ihre Fischerboote
ermöglicht worden sei usw. Demgegenüber hatte erst kürzlich die in Danzig
erscheinende Zeitung „Glos Wybrzeza" lebhafte Klage darüber gefühlt, dass
die „individuellen" Fischer gegenüber den Fischereigenossenschaften dadurch
benachteiligt würden, dass sie beim Verkauf ihrer Fangergebnisse an die
staatlichen Firmen lediglich die Hälfte, ja oftmals nur den dritten Teil der
Preise erzielen könnten, welche den Fischereigenossenschaften zugebilligt
werden. Die schlechten Preise würden es den selbständigen Fischern nicht
einmal ermöglichen, ihr abgenutztes Fischereigerät zu erneuern, ganz zu
schweigen von der Anschaffung eines Motors für ihre Fischerboote. Demzufolge
— so war in dem polnischen Blatt festgestellt worden — bleibe den Fischern
nichts anderes übrig, als auch weiterhin das noch aus deutscher Zeit
stammende Fischfanggerät zu benutzen. 

Seite 3   Prof. Lemberg neuer Präsident 
Zum neuen Präsidenten des Johann-Gottfried-Herder-Forschungsrates in
Marburg, dessen Arbeit den Problemen Ostmitteleuropas gilt, wurde Prof.
Eugen Lemberg (Wiesbaden) gewählt.

Re: [OWP] Lesehilfe / Ortsname Knieloerg ? ERLEDIGT

Date: 2016/12/08 21:32:15
From: U H <ahnen(a)hanke1.de>

Vielen Dank an Alle. Das Knieberg bei Marienwerder wird das von mir gesuchte sein. Google books war mir nicht bekannt.


Viele Grüße,
Uli (Hanke)

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 05 vom Mai 1959

Date: 2016/12/08 23:13:13
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 5   Die Kogge. Jugend- und Kinderbeilage der Ostpreußen-Warte. Nummer
5. Mai 1959.
Dank an die Mutter.
Einer der stärksten Vertreter ostpreußischen Künstlertums seiner Zeit, der
große Schauspieler Adalbert Matkowsky (geb. 06.12.1858 in Königsberg, gest.
10.03.1909 in Berlin, vor 50 Jahren also), legt in den nachstehenden Zeilen
ein schönes Bekenntnis zu seiner einfachen, armen Mutter ab. 

Wie sie es unermüdlich und immer tat, wenn der Knabe rufend nach ihr
verlangte, wie sie freundlich schnell herbeieilte auch? auf die leiseste
Bitte und ihm, bald tröstend, bald mahnend, stets aber gütig und helfend
erschien, so ergeht es mir heut noch mit der Mutter, heut, wo die Gute doch
ach so lange schon dahin. 

Ich brauche nur die Augen schließen und eine kleine Weile an sie denken,
gleich steht sie vor mir, die große, schlanke Frau, und schaut mich warm an
mit ihren großen, frommen, nur ein wenig müden Augen! Kein Wunder, dass sie
müde „geworden sind, sie haben viel offen stehen und schauen müssen, haben
dazu wohl nicht allzu viel Gutes erschaut, und haben sich müde gemacht Jahre
hindurch in langen Nächten voll harter Arbeit und mancher Sorge ums tägliche
Brot. Ja, die Tapfere! Sie hat sich und den Buben, der gar wenig still und
bescheiden war, jahrelang ernährt und durchs raue Leben gebracht einzig mit
ihrer nimmermüden, schlanken Hände Arbeit! 

Trotz mancher Mühsal verlor die Gute nie die Laune, sie blieb immer ruhig
und still und äußerte niemals Unzufriedenheit oder Unwillen; weder in den
Jahren, wo es am schlimmsten ging, war sie übellaunisch, noch übermütig oder
maßlos, als es später dann besser und gefestigter wurde. Selbst kaum den
Kinderschuhen entwachsen, musste sie die sorgenvolle Aufgabe übernehmen, ein
wildes, ungebändigtes Kind zu erziehen, und hatte dazu noch alles
Notdürftige zu erwerben; denn leider allzu früh war der Heißgeliebte ihr und
dem Knaben entrissen worden. Sie hat demütig getragen und herrlich gekämpft,
ihre Liebe aber war ihr Größtes! 

Dann musste sie gehen, als das Geschick sich zum Besten zu wenden schien,
und konnte nicht teilnehmen an manchem Glück und Erfolg, die doch einzig ihr
Werk. Wenig von Glück hat die Einzige hier genossen, aber viel, viel Glück
und Segen denen gebracht, denen sie näher trat.

Seite 5   Wilhelm Raabe.
Was man von der Mutter hat, das sitzt fest und lässt sich nicht ausreden,
das behält man, und es ist auch gut so, denn jeder Keim der sittlichen
Fortentwicklung des Menschengeschlechts liegt darin verborgen.

Foto: Ein kleines Mädchen und ein Junge auf einer blühenden Wiese mit einem
blühenden Baum. Das Mädchen pflückt einen bunten Wiesenstrauß. Der Junge
hält von dem Baum einen blühenden Zweig in der Hand.

Seite 5   Wusstest Du schon . . . 
dass Danzig schon vor 550 Jahren eine Einwohnerschaft von 20 000 Menschen
besaß. Das ist für die damalige Zeit eine gewaltige Zahl, betrugen doch
beispielsweise die Einwohnerzahlen von Frankfurt am Main damals 10 000,
Basel ebenfalls 10 000, Rom 17 000 und Dresden lediglich 3000. 

Seite 5   Die Riesen am Frischen Haff. Eine Heimatsage erzählt von Jochen
Schmauch.
In uralten Zeiten lebten zwei Riesen am Frischen Haff, der eine zwischen
Tolkemit und Frauenburg, da, wo die Haffhöhen von Wäldern umschattet sind,
der andere zwischen Kahlberg und Narmeln, dort, wo der gelbe Rücken der Düne
sich zwischen Haff und Meer schiebt. Sie waren ungeheuer groß, so dass sie
das Haff durchqueren konnten, ohne zu ertrinken; mit ihren ungefügen Armen
rissen sie Kiefern wie Stranddisteln aus dem Boden, möchten sich ihre
Wurzeln auch noch so fest in die Erde gesaugt haben. Wenn sie ihre Stimme
erhoben, erdröhnte die Luft wie unter Donnerschlägen, so dass die Möwen
entsetzt ins Schilf stürzten und die Haubentaucher vor Angst die rettende
Tiefe aufsuchten. 

Aber da sie sich vertrugen, war ihr Geschrei nicht böse gemeint, so
schauerlich es auch, zumal am Abend, über das Haff drang. Sie scherzten
vielmehr oft miteinander, warfen sich Axt und Spieß zu und tauschten ihre
Erfahrungen über Jagd und Wetter aus, bis eines Tages Streit zwischen ihnen
ausbrach, dessen Ursache sie sich selbst nicht erklären konnten. War es der
Unmut des einen, dass sein Fang so schlecht ausgefallen war, oder die Wut
des anderen, der seinen Bruder im Reichtum wähnte — was es auch immer war,
sie brüllten einander über den Spiegel des Haffes an, als wären sie Feinde,
die ihren Hass lange mit sich herumgetragen hatten und nun endlich Aug in
Auge sich gegenüberstanden. Ein Wort gab das andere, keiner war zur
Versöhnung bereit, so dass der Nehrungsriese einen großen Stein aufhob und
ihn, als wäre es ein flacher Kiesel, gegen seinen Bruder auf der anderen
Seite warf. Da die Wut aber sein Auge getrübt hatte, verfehlte der Stein
sein Ziel und bohrte sich unweit von Tolkemit in den Uferschlamm des Haffes,
wo er noch heute, samt dem Abdruck der Riesenhand, zu sehen ist. 

Erbittert griff der Waldriese nun ebenfalls zu einem Felsblock, um den
heimtückischen Anschlag zu vergelten, schleuderte ihn über die Flut und traf
seinen Bruder, den Meer und Düne gut sichtbar werden ließen, an die Stirn. 

Da floss das Blut des Riesen in den Sand, floss und ließ sich nicht stillen,
floss über den Tod hinaus, der nun auch ihn erreichte, der ob seiner Größe
unvergänglich schien, und färbte den Sand der Nehrung, als sei das Abendrot
der Sonne auf die Erde geflossen und habe die bleiche Düne verschlungen.  

Übers Jahr aber, da der Haffriese seine alte Behausung verlassen hatte, weil
es ihn an der Stätte nicht mehr litt, wuchsen Felder von Heidelbeeren auf
der Nehrung, als hätte das Blut des Gemordeten ihren Keim geweckt und ihr
Wachstum gespeist. 

Und ihr blauroter Teppich breitet sich noch heute unter den schwermütigen
Wipfeln der Kiefern aus, als erinnerten sie sich von Geschlecht zu
Geschlecht ihres Ursprungs und erwarteten den Brudermörder zurück, um ihn
anzuklagen. 

Aus „Ost- und Westpreußischer Sagenborn, von Jochen Schmauch. Verlag Volk
und Heimat. München 15 (68 Seiten, reich illustriert, DM 3,90).

Re: [OWP] Johannisburger Heimatbrief

Date: 2016/12/09 00:15:48
From: Mirco Stodollick <stodollick(a)gmx.de>

Zumindest 2 Bilder gibt es auch unter http://www.bildarchiv-ostpreussen.de/suche/index.html.de?qp=searchtext%3D6%3ALupkenmode%3D1%3Af#!start=1


Am 07.12.2016 um 18:02 schrieb Eva Heller via OW-Preussen-L:
Guten Abend
Es weihnachtet … und ich wollte dem Cousine meiner Grossmutter einige Bilder seines Heimatortes unter den Weihnachtsbaum legen. Er wuchs in Lupken auf und erzählte mir, daß er nicht ein einziges Bild hat. Ich hatte geplant mir über ein Antiquariat diejenigen Hefte der Johannisburger Heimatbriefe zu besorgen, die Beiträge zu Lupken enthalten. Jetzt muß ich aber feststellen, daß gar nicht alle fraglichen Hefte via Antiquariat verfügbar sind.
Daher wende ich mich heute an die Liste. Hat jemand zufällige eines oder mehrere dieser Hefte und könnte für mich nachsehen, ob ein Bild von Lupken dabei ist:
1979198219982001200520062013
Die zwei Bilder im Bildarchiv Ostpreußen habe ich entdeckt. Ebenso die beiden im Bildband "Heimat umgeben von Wäldern und Seen".
Besten Dank und viele Grüße
Eva (Heller)

_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l

[OWP] Rehhof-Ryjewo

Date: 2016/12/09 11:53:49
From: Uli <UBudler(a)gmx.de>

Liebe Liste, 
für einen Freund suche ich Informationen oder Hilfestellung bei der Suche nach seinen Vorfahren in Rehhof/ Ryjewo in der Nähe von Stuhm.
Er hat die Geburtsurkunde seiner Großmutter (* 1902) und deren Eltern.
Frage, hat jemand Anregungen, wie man nun weiter vorgeht???

Ja, ich weiß, Standesamt selbst anschreiben. 
Aber gibt es Online eine Möglichkeit???

Kann man einen Auftrag vor Ort vergeben??

Liebe Grüße 
Uli

Re: [OWP] Rehhof-Ryjewo

Date: 2016/12/09 17:53:13
From: Henry Lange <henry.lange(a)berlin.de>

Hallo Uli,


Aber gibt es Online eine Möglichkeit???


mit etwas Geduld, wenn man nicht an das Archiv bzw. Standesamt schreiben will...ja. Von Rehhof sind die Zweitregister u.a. beim Standesamt I in Berlin bzw. teilweise schon im Landesarchiv Berlin.
Näheres dazu siehe hier:
http://www.westpreussen.de/cms/ct/standesamtsregister/quellen.php?ID=87

Teilweise sind die beim Landesarchiv lagernden Unterlagen bereits digitalisiert und bei ancestry.de einsehbar. Im Moment aber nur bis zum Namen bzw. Buchstaben N=Neuhöfchen. Es wird weiter digitaiert und dann eingestellt. Über die Suchmaske könnte dann recherchiert werden oder über die Einzeldatensätze dann die Register durchsucht werden.
http://search.ancestry.de/search/db.aspx?dbid=60749

Auch wenn bis zu Rehhof ca. 170 Standsämter dazwischen liegen, könnten die Digitalisate schon beim nächsten "Schwung" der Veröffentlichung dabei sein; vielleicht in zwei-drei Monaten... Aer vielleicht lohnt es sich ja schon jetzt, die Suchmaske zu den (nicht mitgeteilten) Namen mal zu rpüfen, evtl. fand die Heirat der Urgroßeltern in einem erfassten Standesamt statt.

Gruss, Henry

[OWP] Zufallsf.: Joost aus Berlin-Neukölln im StaA Christburg Wp 1919

Date: 2016/12/09 18:15:17
From: sternbergerland <sternbergerland(a)online.ms>

Nr. 35
Christburg 23. Mai 1919
die Geschäftsinhaberein

Emma JOOST 

whft. Christburg, zeigt an, daß die

Ida Joost-WERNER

ihr Pflegekind, 13 J. alt, whft. Christburg
geb. zu Rixdorf, jetzt Neukölln bei Berlin,
Tochter des Polizeisekretärs

Eugen WERNER und dessen Ehefrau
Gertrud geb. REDMER

zu Christburg i. deren Wohnung am
23. Mai 1919
verstorben sei.
----

Gruß,
Wolfgang Freyer
09.12.2016

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 05 vom Mai 1959

Date: 2016/12/09 20:19:45
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 6   Alexander v. Humboldt. Botschafter des übernationalen Geistes der
Wissenschaft.
Naturforscher und Entdecker, Gelehrter und Weltmann — ein Repräsentant
europäischen Geistes in der Welt. Das war Alexander von Humboldt. Der „nicht
bestallte, aber anerkannte Botschafter des übernationalen Geistes der
Wissenschaft" — so nannte ihn Theodor Heuss in seiner letzten
Silvesteransprache. Humboldt starb vor 100 Jahren, am 6. Mai 1859. 

Bei den Indianern Südamerikas fand er das Pfeilgift Curare und erkannte
seine Heilwirkung für die Medizin. Heute ist Curare ein wirksames Mittel
gegen die Kinderlähmung und wird im Operationssaal für schwierige Narkosen
verwendet. 

Als Justus von Liebig die Agrikulturchemie revolutionierte, knüpfte er an
Humboldt an, der schon ein halbes Jahrhundert vorher auf den Vogelmist Guano
als wertvolles Düngemittel hingewiesen hatte. 

Mit seinen Büchern über Mexiko und Cuba hat Humboldt die ersten modernen
Länderkunden geschaffen. 
Auf seine Forschungen mit Gay-Lussac über die Gase gründet sich unsere
Kenntnis der Atome. 
Die Wissenschaft vom Erdmagnetismus ist ohne Humboldt nicht denkbar.

Gemeinsam mit seinem Freunde, dem Botaniker Aimé Bonpland, sammelte und
beschrieb er sechstausend Pflanzen, von denen mehr als die Hälfte unbekannt
war. Er begründete damit die Pflanzengeographie. 

Er war der erste, der auf die verheerenden Folgen der Entwaldung der
Erdoberfläche für Klima und Wachstum aufmerksam machte. 
Mit der Besteigung des Chimborasso kam er in Höhen, die vor ihm noch kein
Mensch erreicht hatte. 

Seine naturwissenschaftlichen Vorträge in Berlin um die Mitte des vorigen
Jahrhunderts eröffneten den Weg zu einer allgemeinen naturwissenschaftlichen
Volksbildung in Deutschland. 
Sein Werk „Kosmos“ war nach der Bibel das meist gelesene Buch seiner Zeit. 

Mit uns feiern in diesen Tagen Mittel- und Südamerika das Andenken an diesen
Mann, der das Vorbild ganzer Generationen von Forschern geworden ist. 

Im Franz Schneider Verlag gibt es einen mitreißenden Lebensbericht von M. Z.
Thomas unter dem Titel „Draußen wartet das Abenteuer“ (Ganzleinen DM 9,80).
Mit freundlicher Zustimmung des Verlages veröffentlichen wir daraus den
Abschnitt. „In den Steppen Südamerikas“.

Seite 6   In den Steppen Südamerikas / Zum 100. Todestag Alexander v.
Humboldts.
Glutwind fegte über die Steppe und trieb die Hitze auf über 40 Grad. Sie
steckten sich rasselnde Palmblätter an die Hüte, um sich vor der Sonne zu
schützen. Die Luft war voll Staub, und mühsam arbeiteten sich die Maultiere
vorwärts.

Gegen Mittag erreichten sie Calabozo und wurden auf einer Hazienda
gastfreundlich aufgenommen. Sogar ihr am Vorabend so jäh unterbrochenes Bad
durften sie nachholen. 

„Seien Sie froh", sagte der Verwalter des Gutes, „dass es Krokodile waren,
die Sie vertrieben". 

„Ich danke schön!" rief Aimé lachend. „Was hätte es Schlimmeres geben sollen
als Krokodile?" „Elektrische Aale zum Beispiel", erwiderte der Spanier.
„Viele der Tümpel und stehenden Wasser in der Savanne sind voll von ihnen,
die wir Tembladores, Zitterer nennen. So ein Aal teilt elektrische Schläge
aus, die ein Pferd besinnungslos machen können. Es ist schon mancher Mensch,
der nichtsahnend dort gebadet hat, nach einem Schlag ertrunken“.  
Aimé gruselte es. Aber Alexander fragte schon: „Wo finden wir Zitteraale?" 
Der Verwalter rief einen Indianer. „Tembladores? Die gibt es in jedem
Teich!" behauptete die Rothaut. 
„Dann fang uns einen!" sagte Alexander. „Du bekommst einen Piaster!" 

Der Indianer machte große Augen. Ein Piaster, das war der Preis für einen
zweijährigen Stier in den Lianos. Er verschwand sofort. Alexander packte
seine elektrischen Messgeräte aus und wartete auf den Aal. 
Am Abend kam der Indio verlegen und mit leeren Händen zurück. Es ist zu
schwer, einen zu fangen", meinte er. 

Am nächsten Tag erhöhte Alexander die Prämie auf zwei Piaster. Dafür bekam
man ein ungezähmtes Pferd. Sechs Indianer zogen aus. Sie brachten endlich
einen halbtoten Zitteraal. Alexander begann seine Experimente, doch er hätte
ebenso gut einen Besenstil auf seine Elektrizität untersuchen können. 

Aimé zog das Tier am Schwanz und sagte: „Nun hättest du berühmt werden
können und verhältst dich wie ein eingelegter Hering. Schäm dich!" 
„Wir gehen morgen selbst hinaus!" erklärte Alexander. „Es wäre ja gelacht,
wenn wir nicht einen frischen Aal fangen!" 
Zu sechs ritten sie in der Frühe des folgenden Tages in ein Dorf vor
Calabozo. Ein Indianer führte sie zu einem Bach, der in der Trockenheit ein
schlammiges Wasserbecken bildete, an dessen Ufern blühende Tamarinden und
Palmen wuchsen. 
Aimé strahlte. „Wundervoll zum Schwimmen!" Er rieb sich vor Begeisterung die
Hände“. 
Der Indianer ließ einen Stein in das Wasser klatschen und drei, vier, sechs
olivgrüne Aale von Manneslänge schlängelten sich durch den Teich. 
Aimé überlief eine Gänsehaut. „Hua! Ich geh' nie wieder baden!" schwor er
und verfolgte die Tiere mit den Augen, bis sie sich langsam auf den Grund
des Gewässers sinken ließen. 
„Woher wisst ihr, wenn Zitteraale in einem Tümpel sind?" erkundigte sich
Alexander bei dem Indianer. „Wir warten und hören!" antwortete die Rothaut. 

Sie verhielten sich eine Zeitlang ruhig. Dann sahen sie, wie ein Aal sein
rundes Maul aus dem Wasser schob, hörbar Luft einschlürfte und wieder
tauchte. 
„Sie verraten sich beim Luftschnappen", erklärte der Indianer und ahmte das
saugend-schmatzende Geräusch nach. 
An den verschiedensten Stellen erschienen die Köpfe der Aale. Sie atmeten
und verschwanden. 
„Aber wie kriegen wir so ein Biest?" überlegte Aimé.
„Embarbascar con cavallos", riefen die Indianer. „Mit Pferden einschläfern!"

„Das ist mir neu!" Aimé staunte. „Pferde als Schlafmittel! Also fangt an!" 
Die Indianer trabten in die Steppe kreisten gemeinsam mit anderen Gauchos
rufend und lärmend eine Herde und Maultieren ein und trieben sie in den
Teich. 

Kaum stürzten sich die ersten Pferde wiehernd ins Wasser, als die Zitteraale
wie Schlangen aus dem Schlamm schossen und aufgeregt an die Oberfläche
kamen. Das Wasser brodelte. Immer neue Pferde und Maultiere sprangen
klatschend in den Teich. 
Die Indianer bildeten mit Harpunen und langen Rohrstäben eine dichte Reihe
am Ufer. Einige kletterten auf die Bäume, deren Äste sich waagerecht über
die Wasserfläche breiteten. Dabei schrien sie und schlugen auf die Tiere
ein, die auf das Ufer zurückfluten wollten. 

Die Aale drängten sich unter den Bauch der Pferde und entluden ihre
elektrischen Batterien. Mehrere Pferde brachen betäubt zusammen und
verschwanden im Wasser. Andere bäumten sich schnaubend auf. Ihre Mähnen
sträubten sich. Grausige Angst verglaste ihre starren Augen. Einige
erreichten das Ufer, strauchelten bei jedem Schritt und warfen sich in den
Sand, zu Tode erschöpft. Ihre Beine waren von den elektrischen Schlägen
gelähmt. Ehe fünf Minuten vergingen, waren zwei Pferde ertrunken. 

Der Teich kochte. Je länger die verzweifelte Schlacht zwischen den Pferden
und den Zitteraalen dauerte, umso mehr ließ die Kraft der Aale nach.
Allmählich wurden die Pferde und Maultiere ruhiger. Sie verrieten auch von
etwa dreißig ungezähmten Pferden weniger Angst und zuckten nur noch, wenn
ein Stromstoß sie an besonders empfindlichen Körperteilen traf. 

Jetzt kamen die Aale ans Ufer. In kurzer Zeit hatten die Indianer fünf von
ihnen mit Harpunen und Stricken gefangen. Es waren große, kräftige Tiere. 
„Sie sind betäubt. Sie haben keine Kraft mehr", sagten die Indianer. 
„Aha, das nennt ihr einschläfern", antwortete Aimé. 
Ein starker Aal wand sich wütend im Sand. Zwei Gauchos versuchten, ihm
trockene Seile über den Kopf zu ziehen. 
„Warum so umständlich?" knurrte Alexander, „es kann doch nichts mehr
passieren!" und stellte den Fuß auf das sich windende und schwer gereizte
Tier. Er bekam einen Schlag, dass er fast zusammenbrach. Vor Schmerz brüllte
er auf. Die Indianer wollten sich totlachen. 

Noch Stunden später zitterten Alexander die Knie und alle Gelenke taten ihm
weh. 
Aber darauf nahm er keine Rücksicht. Den ganzen Tag untersuchte er mit Aimé
die elektrischen Organe dieser gefährlichen Tiere. Abwechselnd ließen sie
sich kurze elektrische Schläge an verschiedenen Körperteilen beibringen, die
ihre Sehnen hüpfen machten, worauf eine schmerzhafte Betäubung folgte. Die
elektrischen Organe fanden sie zu beiden Seiten der Wirbelsäule der Aale.
Sie bestehen aus etwa sechstausend Einzelzellen, die hintereinander
geschaltet sind und eine elektrische Batterie von sehr erheblicher Kraft
bilden. 

Als Aimé an diesem Abend zu Bett ging, kam es ihm vor, als hätte er zwölf
Stunden Eichenkloben gehackt. Er war fast zu schwach, um noch einen Arm zu
heben und Alexander ließ ihn bis in den nächsten Vormittag hinein schlafen. 


Seite 6   Johann Voigt. Der Kampf um Balga. 1. Fortsetzung
Die Verstärkung ihrer Kriegsmannschaft, die ihnen in solcher Weise zuwuchs,
kam hierbei wohl am wenigsten in Betracht, denn weit mehr trug es aus, dass
ihnen durch solche flüchtigen Schützlinge des Volkes innere Verhältnisse,
seine Verfassung und Kriegsart, seine Lebensweise, die Gesinnungen der
Volksführer, die Beschaffenheit und Lage des ganzen Landes nunmehr viel
bekannter wurden. Durch sie vernahmen auch die Ritter auf Balga, dass im
Volke Warmiens die Hoffnung auf Balgas Wiedergewinn noch keineswegs
erstorben und nach seines Hauptmanns Tod das so mächtige, als dem Orden
höchst feindliche Geschlecht der Glottiner an seine Spitze getreten sei, um
Land und Freiheit, Götter und Priester gegen die Ordensherren zu
verteidigen. 

Um Balga gegen den neuen drohenden Sturm zu sichern, schien das
Notwendigste, dem Feinde den nahen Zugang zur Burg zu versperren. Dieses
aber konnte umso leichter geschehen, da die Natur des umliegenden Landes
schon selbst das Wichtigste im Plan vorgearbeitet. Das ganze Gebiet nämlich,
auf welchem Balga stand, war nach der Landseite gen Osten hin fast ringsum
von tiefem Gesümpfe, Morast und Brüchen umgeben, so dass bei milder
Jahreszeit der Zugang zu der Burg hier für ganz unmöglich galt. Den
Aufenthalt, einer zahllosen Menge wilder Sumpfvögel bildete dieser grundlose
Morast für die Burg die allersicherste Schutzwehr. Nur nach Süden hin hatte
man durch eingelegte Baumstämme einen Damm befestigt und über dem Gesümpfe
eine Art von Brücke verfertigt, auf welcher auch zur Sommerzeit zur Burg zu
gelangen war. Dieser einzige Zugang durfte nur versperrt werden, um Balga
gegen jeglichen Angriff vom Lande her völlig sicherzustellen. Also erbauten
die Ordensritter am südlichsten Ende jenes Dammweges an dem Flüsschen,
welches von Hoppenbruch her in das Frische Haff einfließt, eine Mühle, die
sie wie eine Burg auf jede Weise bewehrten und befestigten, mit Wald und
Graben umzogen und zu Schutz und Verteidigung mit einer hinlänglichen Schar
von Bewaffneten unter dem Befehl zweier Ordensbrüder besetzten. 

Kaum aber war das Werk vollendet, als aus dem Innern Warmiens und aus der
Landschaft Natangen eine mächtige Schar von Kriegsleuten heranzog, die
Glottiner als Führer an ihrer Spitze. Der erste Angriff mit frischer Kraft
und zornigem Mut geschah auf jenes Außenwerk, und das Glück begleitete ihn.
Nach kurzer Belagerung wurde die Mühle erstürmt, die sämtliche Mannschaft
ermordet und die Feste durch Feuer vernichtet. Schwerer aber und fast
unmöglich schien den ungeübten Kriegern die Eroberung der stark befestigten
Burg. Daher auch nicht einmal ein Angriff auf ihre starken Mauern gewagt
wurde. Man hielt für zweckmäßiger, sie rings umlagert zu halten, die Ritter
mit ihren Kriegsleuten nur auf den engen Bereich ihrer Burg zu beschränken,
die Zufuhr aller Lebensmittel abzuschneiden und so die Übergabe durch Not
und Hunger zu erzwingen. Von Balga aus gen Osten hin lag jenseits des
Gebrüches ein weites Feld, Partegal genannt, durch welches, wenn zur
Winterzeit der vorliegende Morast erstarrte, der Einfall nach Warmien und
Natangen leicht offenstand. Solchen zu verhindern, erbauten hier die Preußen
eine starke Wehrburg und besetzen sie mit zahlreicher Mannschaft. Zu
gleicher Zeit befestigte ein anderer Heerhaufe südwärts von Balga aus, am
Ende des Gebrüches und am Eingang des Dammweges den Schrandenberg zum
Bergfrieden. Auch diese Wehrfeste ward mit einer starken Zahl auserlesener
Kriegsleute bemannt und hinlänglich mit Lebensmitteln versorgt. Den Rittern
auf Balga hatte es die zahllose, von Tag zu Tag vergrößerte Schar des
Feindes, wie nicht minder der zwischen ihnen und den Preußen liegende Sumpf
unmöglich gemacht, den Bau dieser Befestigungen zu hindern. Ein offener
Kampf im freien Felde wäre ihr Verderben gewesen bei der weit überlegenen
feindlichen Macht. Noch zur glücklichen Stunde hatten zuvor die Ritter vor
dem Dammwege, der nach Balga führte, auf einer Höhe, die wir den
Schneckenberg genannt finden, eine feste Burgwehre errichtet und diese mit
einer bedeutenden Schar rüstiger Kriegsleute unter dem Befehl mehrerer
Ordensbrüder und eines tapferen Kriegers, Hartwichs von Pokarben —
wahrscheinlich einer von den zu den Rittern geflüchteten Edlen der nahen
Gegend — so trefflich bemannt, dass der Zugang zu der Hauptfeste Balga
hierdurch versperrt war. Freilich war auf die Länge dadurch nicht viel
gewonnen, denn die Kühnheit der Preußen durchbrach bald diese Hemmung; in
kurzem, war die Burgwehre von allen Seiten eingeschlossen und keiner von den
Kriegsleuten durfte es wagen, im Freien zu erscheinen. Gelang es den
Belagerern auch nicht, die Befestigung zu erstürmen, so wurden sie doch bald
wieder Meister des Dammweges nach Balga hin und täglich trieb kecke
Kampflust und Raubgier einzelne starke Heerhaufen bis unter die Mauern der
Burg, so dass die Ritter auf Balga keine Stunde vor dem Feinde sicher waren
und keiner die Wehren der Burg verlassen konnte. Jeder Tag aber steigerte
die Gefahr und jeder Tag verminderte die Hoffnung auf Hilfe und Errettung.
Nun drohte auch schon Mangel an den notwendigsten Bedürfnissen, denn selbst
die Verbindung zu Wasser auf dem Haff mit den westlichen Landschaften war,
wie es scheint, lange unterbrochen, sei es durch die Jahreszeit oder durch
den Feind, der vielleicht mittels Besetzung des Uferlandes unterhalb der
Burg die Anfahrt verhinderte. Immer näher rückte die Stunde des Verderbens;
es schien keine Rettung möglich, man dachte bald schon an das Äußerste: die
Burg zu verlassen, durch Feuer zu vernichten und jeden sich Hilfe und
Befreiung suchen zu lassen, wie er sie finden könne. Da kam auf unerwartete
Weise rettender Beistand. Aber er kam dieses Mal nicht, wie früherin durch
den Papst, denn am Hofe zu Rom waren es für den Orden nicht mehr die
glücklichen Tage Hermanns von Salza. Seit dieser Meister durch Krankheit
gehindert in die Verhandlungen des Kaisers und des Papstes nicht mehr tätig
eingreifen und die noch immer feindlichen Verhältnisse Lombardiens mit so
geschickter, als glücklicher Hand leiten und lenken konnte, war die alte
Spannung zwischen dem Kaiser und dem Römischen Hofe, der sich schon immer
entschiedener zu Friedrichs Feinden hinwandte, von Tage zu Tage höher
gestiegen. Das Schicksal fügte es, dass an demselben Tage und in denselben
Stunden, als Hermanns friedsamer und versöhnlicher Geist dem Irdischen
entschwand, ein furchtbarer Fluch des Papstes den Kaiser Friederich in den
Bann erklärte. Am zwanzigsten März des Jahres 1239 ward dieser aus der
Gemeinschaft der Kirche durch den Bannspruch ausgeschlossen: ein
schrecklicher Tag für Friederichs Seele, die in einer Stunde den biedern,
wahrhaften und treuliebenden Freund und den Frieden der Kirche sich
entrissen sah. Aber auch für den Deutschen Orden trat eine betrübte,
schwerbedrängte Zeit ein, denn wie der zornerfüllte Papst Fürsten und Völker
vom Kaiser loszureißen und alle Banden der Treue, des Gehorsams und der
Liebe zum Oberhaupt des Reiches durch die Gewalt der Kirche zu zersprengen,
alle Drohungen seiner Macht aufbot, um das Haus der Hohenstaufen für immer
in den Staub zu treten, so erließ er auch an den Deutschen Ritterorden das
strenge Gebot: er solle und müsse sofort alle Verbindung und jegliche
Gemeinschaft mit dem gebannten und der Kirche entfremdeten Kaiser aufgeben,
wofern er nicht alle Freiheiten, Vorrechte und Begünstigungen, die ihm je
der Stuhl zu Rom verliehen, vernichtet sehen wolle. So schreckend indessen
die Drohung war, so hatte sie doch keineswegs die erwartete Wirkung; denn
wie sich der Papst in allem, was er als Folge seines Bannstrahles in Italien
und Deutschland bezweckte, in dem Sturme seiner Leidenschaft gewaltig
verrechnete und weder Fürsten noch Völker, selbst nicht einmal alle hohen
Geistlichen in ihrer Treue gegen den Kaiser wankend wurden, so stand auch
fernerhin der Deutsche Ritterorden unerschütterlich fest in seiner
Anhänglichkeit zu seinem hohen Gönner, keine Schrecken der Kirche brachen
seine Treue, und der Papst, durch diesen Ernst und diese Beharrlichkeit in
der Gesinnung wie entwaffnet, wagte es nicht einmal, seine Drohung zu
vollziehen. Seinen Groll indessen gegen den Orden legte er dadurch an den
Tag, dass er, so lange er lebte, der Deutschen Ordensbrüder mit keinem
gütigen Worte mehr gedachte und wie zur Rache an ihrer Sache in Preußen nur
zu einem Kreuzzuge nach Estland aufmunterte. So war es ohne Zweifel auch
eine nur erzwungene Mäßigung, wenn nicht die Klugheit es gebot, dass er die
damals gerade vom Bischof Christian bei ihm angebrachte Anklage gegen den
Orden nicht ganz anders benutzte, als es geschah. 

Sanken aber auch in solcher Weise die Ordensritter in der Gunst und
Zuneigung des Papstes wegen der deutschen biederen Gesinnung, wegen der
treuen Anhänglichkeit gegen ihren Herrn, ihren Wohltäter und Mitstifter
ihrer Größe, wegen der ritterlichen Treue und Liebe zu ihrem Kaiser, so
stieg der Orden doch in gleichem Maße in Wertschätzung und Achtung bei dem
Kaiser, in Liebe und Zuneigung bei Königen und Fürsten. Friederich selbst
vergalt die biedere Gesinnung bald durch neue Gunstbezeigungen. Unter den
Königen leuchtet Wenzeslav, der von Böhmen, am meisten hervor, folgend dem
rühmlichen Beispiel seines Vorgängers Ottokars des Zweiten. Aber auch Bela,
der König von Ungarn, trat bald, wie wir fernerhin sehen werden, unter des
Ordens Wohltätern und Beschützern auf. Unter der Zahl der Fürsten
Deutschlands war es vor allen Otto, der edle Herzog von Braunschweig,
welcher sich um den Orden manche hohe Verdienste erwarb. 

Dieser Otto, das Kind genannt, seit wenigen Jahren erster Herzog von
Braunschweig, war es, welcher dem Orden in Preußen, vorzüglich auch jenen
bedrängten Rittern auf Balga, die langersehnte Hilfe brachte. Jugendliche
Tatenlust, Durst nach Ruhm in Kämpfen gegen die Heiden, frommer
Glaubenseifer und Zuneigung für den Deutschen Orden mögen ihm das Herz
erfüllt und ihn getrieben haben, einen Kreuzzug nach Preußen zu unternehmen.
Gewiss aber wirkte auch der neue Hochmeister des Ordens, Conrad von
Thüringen, auf seinen Entschluss nicht wenig ein, da nahe Verwandtschaft
beide Fürsten verband. Nach trefflicher Rüstung trat er im Winter des Jahres
1239 den Zug nach Preußen an, an der Spitze von siebenhundert Lanzen und
einer großen Schar von Pilgern. Ihn begleitete ohne Zweifel auch der neue
Landmeister Heinrich von Wida. 

An der Weichsel angelangt, fanden sie den Orden in neuen Misshelligkeiten
mit dem Herzog Conrad von Masovien. Das Gebiet von Löbau, an seiner
westlichen Grenze das Kulmerland berührend, war des Zwistes Ursache. In
Conrads Schenkungsbriefen war dieses Gebietes nie erwähnt worden. Vor
fünfundzwanzig Jahren hatte der Papst Innocenz der Dritte bei dem Übertritt
des damaligen Landesfürsten Suavabuno zum Christentum das ganze Land Löbau
dem Bischof Christian zugesprochen. An Rechte, welche über dieses Gebiet
etwa dem Herzog von Masovien zustehen könnten, war damals nicht gedacht
worden. Als der Orden ins Kulmerland trat, war das matte Licht des
Christentums auch dort wieder gänzlich verloschen. Erst unter den Waffen der
Ritter war es wieder angezündet und das Gebiet konnte daher mit allem Recht
nach den geschehenen Verheißungen für ein Besitztum des Ordens gelten. Nun
geschah aber im Jahre 1239, da Berlewin noch die Statthalterschaft des
Landmeisters führte, dass Herzog Conrad seine Jäger ins Löbauische Gebiet
zur Jagd aussandte, weil er es noch als sein Eigentum betrachtete. Die
Ordensritter ließen den Jagdleuten Geschoss, Hunde und das erlegte Wild
wegnehmen, mit dem Bedeuten, es sei Besitztum des Ordens, wo sie das Wild
gefangen. Da beschwerten sich Herzog Conrad und sein Sohn Boleslav über die
Gewalttat bei dem päpstlichen Legaten Wilhelm von Modena, und weil nun um
diese Zeit der neue Landmeister eben angelangt war, so wurden von jenem
Verhöre gehalten in Gegenwart beider Herzöge, Heinrichs von Wida und
mehrerer Ordensbrüder zuerst zu Ploczk, dann zu Dobrin. Die Ordensritter
leugneten, dass Löbau des Herzogs rechtmäßiges Eigentum sei, obgleich dieser
sein Anrecht darauf gründete, dass seine Voreltern das Land mit Schwert und
Schild den ungläubigen Preußen entrissen hätten. „Das ist nicht
wahrscheinlich", erwiderten die Ordensritter, „und überhaupt nicht wahr, da
ihr ja Masovien selbst, euer väterliches Erbe, gegen die Preußen damals
nicht einmal verteidigen konntet"! und die in der Versammlung gegenwärtigen
Preußen stimmten in allem den Ordensherren bei. (Fortsetzung folgt)

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 05 vom Mai 1959

Date: 2016/12/09 22:10:21
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 7   Die wahrhafte Historie vom ostpreußischen Messerschlucker. Eine
fast unglaubliche Geschichte.
Anno 1635 hat sich am Morgen des 29. Mai im ostpreußischen Dorfe Grünwalde
bei Landsberg (Kr. Preußisch Eylau) folgende Begebenheit wirklich
zugetragen. War es eine Folge der ausgiebigen Zecherei am Abend davor im
Dorfkrug oder das reichliche Abendbrot aus dickem Erbsenbrei mit fetten
„Spirgeln" (gebratenes Bauchfleisch) und saurer Milch, jedenfalls verspürte
der Bauer Andreas Grünheide beim Erwachen eine sehr große, vom Magen
kommende Übelkeit. Um sie zu vertreiben, hat er dann zu einem oft erprobten
Mittel gegriffen. Er fasste einfach sein Messer zwischen Daumen und
Zeigefinger bei der Spitze und ließ den hölzernen Messergriff langsam in
seinen Schlund (der Chronist schreibt „Schlunk") hinabbaumeln, damit durch
das Kitzeln des Schlundes Erbrechen eintrete. Diesmal schien dergleichen
jedoch wirkungslos zu bleiben und so ließ der Bauer das Messer immer tiefer
und noch tiefer in den Schlund hinabgleiten, und dann — ja dann hat er
später nicht mehr zu sagen gewusst, wie alles gekommen war. Denn plötzlich
war das Messer den Fingern entglitten, Andreas spürte nur noch ein Würgen in
der Speiseröhre, er schluckte ein paar Mal heftig, und dann war das Messer
nicht mehr da. Es war fort, in den Schlund hinuntergerutscht. 

Ganz begreiflich, dass Andreas Grünheide es jetzt mit der Angst zu tun
bekam. In seiner Not, er wusste sich sonst keinen Rat, hat er schnell eine
Kanne des dicken Landsberger Bieres in einem Zuge ausgetrunken, um, wie er
sagte, „die Kehle zu feuchten", sich auf den Kopf gestellt, aber das Messer
ist nicht heraus gekommen. 

Da Grünheide ansonsten keine sonderlichen Beschwerden verspürte, ist er
tagsüber noch seiner Tätigkeit nachgegangen, „hat aber gar erschröckliche
Angst gehabt, der ungebetene Gast werde ihm den Bauch durchschneiden". Auch
der Stuhl hat diesen nicht zutage gebracht. Da hat sich Andreas Grünheide in
seiner Betrübnis schließlich an den Bürgermeister zu Landsberg gewandt, und
da dieser auch keine Hilfe gewusst, hat er den Messerschlucker mit einem
Brieflein, worinnen alles genau aufgeschrieben, an den Professor und
Hofmedicus Beckherrn zu Königsberg verwiesen. Der Professor hat nach einer
gründlichen Untersuchung des Leibes besagten Grünheides bedenklich den Kopf
geschüttelt und vermeint, „dass solches eine nicht geringe Sache wäre und
man dergleichen exempli außer der Pragischen historia, daselbsten auch einer
unverhofft ein Messer hinabgeschlucket, und solches durch einen Schnitt
herausgenommen worden, keine anderen wüsste". 

Da aber ernstiglich zu befürchten gewesen ist, dass der arme Teufel mit
solchem Mageninhalt über kurz oder lang mit dem Leben abgehen müssen, hat
sich in dem daraufhin von den doctores zu Königsberg abgehaltenen conventus
medicorum jedermänniglich dafür entschieden, das Messer vermittelst eines
Schnittes aus dem Magen wieder herauszuholen. Um das Messer aber nach oben
zu locken, müsse erst ein magnetisches Pflaster auf den Leib gelegt werden,
da der Magnet bekanntlich Eisen anziehe, was auch bei dem Prager
Messerschlucker mit gutem Erfolg angewendet worden sei. Der Magnet wirke
nämlich auf eine Entfernung von einem halben Fuß, und so tief läge das
Messer ja nicht unter der Haut. Die magnetische Wirkung könne man durch ein
„ziehendes" Mittel noch verstärken, so dass das Messer dann durch einen
Hautschnitt unschwer aus dem ihm nicht gebührenden Ort herauszuholen, sei. 

Während des ganzen conzilium haben die gelehrten Herren lateinisch hin und
her disputiert, wovon Andreas Grünheide nicht ein Wort verstanden. Man hat
ihm aber zum Schluss bedeutet, dass sich die doctores für Schneiden
entschieden haben, womit selbiger sehr einverstanden gewesen ist und sich
dafür bedanket habe. 

Der Tag der Operation ist auf den 9. Juli festgelegt worden, die der
hinlänglich bekannte Stein- und Wundarzt Daniel Schwaben vorzunehmen sich
erbötig zeigte. Tags zuvor wurde dem Andreas Grünheide ein ziehendes
Pflaster auf den Leib gelegt, bestehend aus 2 Lot gepulvertem Magnetstein. 1
½ Quentlein Gänsedreck, 1 Unze gestoßenem Bernstein und Honig, und solches
einen Tag dort liegengelassen. Nachdem der Patient zur Herzstärkung
„Perlenwasser" zu trinken bekommen, also Wasser, in dem zerstoßene Perlen
aufgelöst gewesen, hat man den Andreas Grünheide nach einem gemeinsamen
Gebet, in dem die Hilfe des Höchsten inbrünstiglich angefleht worden, auf
ein Brett gebunden. Die Körperstelle, wo der Schnitt gemacht werden sollte,
ist mit Kohle angezeichnet worden. Andreas Grünheide hat keinerlei Angst
gezeigt und selbst zugesehen, wie seine Bauchdecke mit einem scharfen Messer
aufgeschnitten und der Magen vermittelst einer krummen Nadel in die Höhe
gezogen worden ist. Dabei ist ihm aber reichlich Schweiß übers Gesicht
gelaufen, auch hat er zwischen Seufzen und Stöhnen vernehmlich gebetet. Doch
konnte er sich nimmer rühren, so fest ist er angebunden gewesen. Alsbald hat
der Chirurg nach Abtasten des Magens einen harten Gegenstand darinnen
verspüret, den Magen behutsam aufgeschnitten, mit seinen eigenen Händen
behutsam hineingegriffen und dann mit der rechten Hand das Messer
herausgeholt und es allen Umstehenden triumphierend gezeigt. Andreas
Grünheide aber hat mit kräftiger Stimme freudig ausgerufen „Das ist mein
Messer!" und hat danach greifen wollen. Die Wunde jedoch, so berichtet der
Chronist weiter, „ist daraufhin von selbst zugeschnappet". 

Andreas Grünheide ist bald danach völlig genesen, hat fleißig werken und
essen können und ist erst Anno 1645 selig entschlafen. 

In der ganzen wissenschaftlichen Welt hat solches Geschehen gar großes
Aufsehen herfürgerufen. Die Universität Leyden, damals die berühmteste
Europas, hat sofort glaubhafte attesta vom Rat der Altstadt Königsberg und
von der medizinischen Fakultät der Albertina erbeten und auch erhalten.
Wissenschaftliche Werke in mancherlei Sprachen brachten das in Kupfer
gestochene Konterfei des Messerschluckers, das ihn mit dem Messer in der
einen Hand, mit der anderen auf seinen Bauch weisend, darstellt. Und der Rat
von Königsberg hat solches sogar in Öl malen lassen. Das Messer aber ist in
einem roten Samtfutteral sorgsam zu Königsberg aufbewahrt worden, von hoch
und niedrig bestaunt. Alsbald ist König Wladislaw IV. von Polen nach
Königsberg gekommen, sich das Messer selbst anzusehen und es für eine Zeit
nach Warschau auszubitten, um es den Großen seines Landes zu zeigen. Und Zar
Peter der Große, der am 12. Juni 1697 in Königsberg weilte, wollte das
Messer sogar kaufen, aber um keinen Preis der Welt hat der Rat dieses
Kleinod hergegeben. 

Der Professor und Hofmedicus Daniel Beckherrn hat dann Anno 1643 über diese
fast unglaubliche historia ein dickes Buch geschrieben und es in Königsberg
drucken lassen unter dem Titel „Historische Beschreibung des preußischen
Messerschluckers".

Seite 7   Ratslinden. Von Ulli Baltrusch 
Aus dem unveröffentlichten Manuskript „Elegien um eine verlorene Stadt
(Königsberg)“ 

Hammer und Zwillingsteich 
machen dich reich. 
Rasenplätze, verträumte Villen 
leuchten aus deinen stillen 
stadtvergessenen Ecken. 
Sie verstecken 
das Ratshofes Schaffen. 
Hier lassen sie schlafen 
den Menschen nach all seiner Unruh 
und decken ihn zu 
mit grünenden Wegen 
und Schluchten und Stegen 
und lassen ihn atmen 
der Landschaft Geschenk.

Seite 7   Schönes Königsberg
Foto: An der Lastadie im Königsberger Speicherviertel, im Hintergrund der
Turm des Schlosses. Foto: Löhrich

Seite 7   Das Ende der Königsberger Stadtpost. Interessantes aus der
ostpreußischen Postgeschichte. 
Als der Große Kurfürst im Jahre 1640 die. Regierung übernahm, waren seine
Länder noch teilweise in den Händen der Feinde, die ihre Truppen vom
besetzten Lande unterhalten ließen. Infolgedessen herrschte in
Kurbrandenburg große Not; die Intraden flössen sehr spärlich der Hofkasse
zu. Kein Wunder, dass der Statthalter der Kurmark, Graf Adam von
Schwartzenberg, klagte: „. . . die Hofrentei solche Sterilität und Mangel
zeigt, dass die Posten nicht mehr bestellt und die Boten gelöhnt werden
können. Auch werden die kurfürstlichen Diener, die höchsten und die
niedrigsten, keine Besoldung mehr empfangen können, darum lamentieren sie
gar sehr und fatigieren mich". Kein Wunder auch, dass der junge Fürst nach
Einnahmequellen für seine Hofkasse suchte und sie nutzte, zumal da ihm von
allen Seiten offene Hände entgegengestreckt wurden, die gefüllt werden
sollten und mussten, wenn z. B. die Belehnung mit dem Herzogtum Preußen
erlangt werden sollte. Selbst der König von Polen verlangte als Oberherr
beträchtliche Summen, ehe er die Belehnung erteilte. 

Die Leere der Staatskasse geht auch aus folgendem hervor: Die drei je für
sich verwalteten Städte Königsbergs — Löbenicht, Altstadt und Kneiphof —
unterhielten drei angesehene Bürger als Stadtboten, die den alten Botenkurs
nach Memel mit Wagen versahen und die von Danzig zugehenden Briefe
zustellten. Ein anderer, gleichfalls von den drei Städten gewählter Bürger
beaufsichtigte den Betrieb und führte den Titel „Stadtpostmeister". Die
verhältnismäßig geringen Beförderungsgebühren von 5 poln. Groschen nach
Danzig und Memel — das polnische Geld stand sehr niedrig — veranlassten die
preußische Regierung, für ihre Zwecke die Königsberger Stadtpost
mitzubenutzen. Das war angesichts der leeren Staatskasse insofern von
Vorteil, als die Stadtboten nach alter Observanz die verauslagten
Beförderungsgelder immer erst nach Ablauf eines Vierteljahres einzogen. Wenn
dieses Vierteljahr abgelaufen war, legten die Boten die Rechnung vor, die in
der Regel 100 poln. Gulden betrug. Die Regierung konnte natürlich nicht
bezahlen und verlangte meist Nachfrist. Da dies nach Ablauf der Frist
wiederum verlangt wurde, gab es unangenehme Auseinandersetzungen mit den
Stadtboten, die die kurfürstlichen Briefe nicht mehr befördern wollten. 

Bei einer neuen Auseinandersetzung mit den Boten Anfang 1643, die wiederum
großen Lärm machten und die Briefe der Regierung ablehnten, war der Große
Kurfürst zufällig Zeuge. Das Benehmen der Stadtboten gefiel ihm natürlich
nicht; nach seiner Ansicht wären die Stadtposten verpflichtet,
Regierungsbriefe unentgeltlich zu befördern. Bei dieser Gelegenheit erfuhr
er, dass sowohl die Boten als auch der Postmeister durch das Postwesen
reiche Leute geworden seien und nicht allein in Königsberg, sondern auch in
Danzig. Kein Wunder, dass er danach trachtete, die Einnahmen seiner
Staatskasse zuzuführen. Die Übernahme des Stadtbotenwesens musste jedoch mit
aller Vorsicht durchgeführt werden, da einerseits der Kaiser das Postregal
aller deutschen Länder für sich beanspruchte und anderseits der König von
Polen als Oberherr des Herzogtums Preußen die Machtkämpfe der Städte
unterstützte. 

Die erste Gelegenheit zur Übernahme bot sich noch im Januar 1643, als der
Stadtpostmeister gestorben war, jedoch wurde sie aus vorstehenden Gründen
noch nicht genutzt. 

Um das Amt hatte sich der verarmte Kaufmann Hans Bünsing beworben, der den
Verstorbenen schon seit zwei Jahren unterstützt hatte. Die Ratsherren hatten
ihn abgelehnt, darum wandte er sich an den König als Oberherrn und an den
Kurfürsten als Landesherrn und beide empfahlen ihn. So gelang es Bünsing,
die Stadt zur Austeilung der Bestallung vom 17.02.1643 zu zwingen. 

Zweifellos hatten sowohl der Kurfürst als auch die preußische Regierung
erwartet, dass Bünsing sich dankbar zeigen und Entgegenkommen beweisen
würde. Dieser dachte daran, keineswegs, sondern strebte nach schneller
Gewinnung des ehemaligen Reichtums. Dadurch erregte er natürlich den
Unwillen des Landesherrn und freilich auch seiner auswärts stationierten,
mit ihm korrespondierenden Kollegen. Sein größter Feind wurde der
schwedische Postmeister Vollrath Happach in Riga, der mit Unterstützung
seiner Regierung seine Wagen seit 1632 bis Memel und seit 1640 sogar bis
Königsberg fahren ließ. 

Anfang 1646 erschien in Königsberg der Postmeister Jacob Becker als
Nachfolger des Happach, um wegen Einrichtung einer Reitpost von Riga über
Königsberg nach Danzig Rücksprache zu nehmen. Sein Vorhaben fand beim
Kurfürsten Beifall, der jetzt die Gelegenheit vermutete, in den Besitz der
Stadtpost von Königsberg zu gelangen. Die bisherigen, Zurückhaltung
empfehlenden Gründe wurden durch den schwedischen Postmeister beiseite
gerückt; denn nun konnten alle Angriffe der Gegner mit dem Hinweis auf die
schwedische Krone zurückgewiesen werden. Beckers Antrag wurde sogleich
genehmigt, aber freilich in anderer Weise, als Becker gedacht hatte. Um zum
Ziele zu kommen, musste er dem kurfürstlichen Postmeister alle
Selbständigkeit für die Verwaltung des Reitpostkurses im brandenburgischen
Kursteil übertragen, ihm auch noch hohe Beträge für die Unterhaltung des
Teilkurses zubilligen. So war es möglich, bei Gelegenheit den Eindringling
gleichfalls zu entfernen. 

Inzwischen hatte es der Große Kurfürst verstanden, seine Stellung als
Landesherr von Preußen zu festigen. Seine Bestechungsgelder an mehrere hohe
Würdenträger in Warschau, seine Partei am Königshof und nicht zuletzt der
Umstand, dass der Erbkrieg zwischen Polen und Schweden jeden Augenblick
ausbrechen könnte, sorgten dafür, dass der Kurfürst von polnischer Seite
keinen Gegenzug zu erwarten brauchte; denn der König wünschte ihn als
Teilnehmer und nicht als Gegner. So hatte Brandenburg freie Hand, das
Postwesen in Königsberg zu zerschlagen und es in eigene Verwaltung zu
übernehmen. Gleichzeitig wurde auch die Danziger Stadtpost vom Wege nach
Königsberg abgedrängt. Alle Versuche der beiden Städte, die nun gemeinsame
Sache machten, ihr Postregal zur Geltung zu bringen, waren vergeblich, da
sie keine Macht hinter sich hatten; denn auch die Stadt Danzig stand unter
polnischer Oberhoheit. 

Der Königsberger Stadtpostmeister wollte sich nicht zufrieden geben, aber
seine Boten wurden verhaftet und die Postsendungen der brandenburgischen
Post übergeben. Die Stadtherren, die nicht zu Gunsten Brandenburgs
eingegriffen hatten, sondern mit langatmigen Berichten das Recht der Stadt
zur Geltung bringen wollten, wurden zu einer hohen Geldstrafe verurteilt,
die der Staatskasse zugutekamen. Und die Schweden, die mit Brandenburg die
Grenzverhandlungen in Stettin führten und von Danzig aufgefordert worden
waren, in den künftigen Vertrag eine Bestimmung aufzunehmen, nach der die
Stadt Danzig ihren langen Postkurs von Stettin bis Königsberg wieder
einführen dürfte, wurden mit Bestechungsgeldern dahin gebracht, dass sie den
gewünschten und auch versprochenen Passus zwar mündlich erwähnten, aber
nicht schriftlich niederlegten. Albert Gallitsch 

Seite 7   Flüchtlingslager in Bayern leeren sich 
Arbeitsminister Walter Stain teilt mit, dass sich die Zahl der
Flüchtlingslager in Bayern erneut verringert hat. Seit 1959 sind 457 Lager
(76 699 Insassen) aufgelöst worden. Weitere 92 Lager mit 16 844 Insassen
wurden ausgebaut und an die Finanzverwaltung oder Gemeinden übergeben. Am 1.
April 1959 bestanden in Bayern noch neun Lager, in denen sich 1389 Personen
befinden. Vier dieser Lager stehen vor der Auflösung; zum Teil werden sie
dazu benützt, vorübergehend Flüchtlinge aus der Sowjetzone oder
Spätaussiedler aufzunehmen. Seit 1949 konnten von 100 891 Lagerinsassen 99
502 in Wohnungen untergebracht werden.
 
Eine neue Belastung Bayerns hat jedoch, wie der Arbeitsminister betont, die
ständige Zuwanderung aus der Sowjetzone gebracht. Die Zahl der Lager für
diese Flüchtlinge ist von 1953 um 30 auf gegenwärtig 37 gestiegen. In diesen
37 Lagern befinden sich zurzeit 11058 Insassen. Ein Teil davon, nämlich
6915, sind jedoch Spätaussiedler. Da die meisten Lager in ehemaligen
Kasernen eingerichtet werden mussten, die Bundeswehr aber die Freimachung
der Kasernen verlangt, hat man jetzt auf vier alte Flüchtlingslager in
„Pocking, Ganacker, Nürnberg-Schafhof und Augsburg zurückgreifen müssen. 

In ähnlichem Umfang wie die allgemeinen Flüchtlingslager wurden in Bayern
die Lager für Ausländer abgebaut. Am 1. April 1959 bestanden nur mehr fünf
Ausländerlager mit 1941 Insassen.

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 05 vom Mai 1959

Date: 2016/12/09 23:48:54
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 8   Ausstellungen ostpreußischer Künstler. Hans Orlowski zum 65.
Geburtstag / Alfred Partikel Gedächtnisausstellung
In Westberlin fanden in letzter Zeit Ausstellungen von Werken zweier
ostpreußischer Künstler statt: in der Galerie Gerd Rosen. Kurfürstendamm
215, von Hans Orlowski und in der Galerie Schüler, Kurfürstendamm 51, eine
Gedächtnisausstellung von Alfred Partikel. 

Hans Orlowski wurde am 1. März 1894, vor fünfundsechzig Jahren, in
Insterburg in Ostpreußen geboren, kam jedoch bereits im Alter von sieben
Jahren nach Berlin, wo er auch seine Kunststudien machte. Er war als Maler
und Holzschneider tätig und wurde 1945 Leiter einer Klasse für Wandmalerei,
Fresko, Sgraffito und Glasmalerei an der Berliner Hochschule für bildende
Künste. Als Graphiker schuf er freie Holzschnitte, z.B. „Frankreich-Reise",
„Mädchen im Herbst", „Gruß an Gent", „Betende Hände", und Illustrationen,
bei denen er auf das Zusammenstimmen von Schrift und Darstellung großes
Gewicht legte. Nachdem er mehrere Blätter zur „Cholera in Paris" von H.
Heine geliefert hatte, veröffentlichte er ein von ihm geschnittenes
Blockbuch über „Das Jüngste Gericht", und es folgten Illustrationen zu dem
„13. Brief" von Hölderlin, dem „Kaleidoskop" von Wijngaert, der „Natur" von
Goethe, der „Elegie" von Rilke, dem Fragment „Von Zeit und Strom" von Thomas
Wolf, der „Legende" von Kranz, dem „Kasperle" von Drabsch, dem „Requim" von
Schönewiese und anderen Werken, und 1946 erschien im Verlag Schichnote in
Potsdam ein Mappenwerk mit zehn Holzschnitten. In vielen Blättern bevorzugt
er mythologische Stoffe, z. B. in „Dionysos und Orpheus", Zeus im Giardino
Boboli", und in sinnvoller Weise gestaltete er eine bibliophile Ausgabe zu
Schillers Gedicht „Kassandra". Mit feinen Linien umreißt er ausdrucksvolle,
zum Monumentalen neigende Formen, die zuweilen durch die Farbe noch
besonders hervorgehoben werden. Im Jahre 1945 wurde ihm der Kunstpreis für
Graphik der Stadt Berlin verliehen, außerdem trat er der Vereinigung „Xylon
Société internationale des graveurs sur bouis" bei, und die Königliche
Flämische Akademie für Wissenschaften, Literatur und Schöne Künste ernannte
ihn zu ihrem Mitglied. Das Kupferstichkabinett in Berlin Dahlem, die
Albertina in Wien und andere Sammlungen erwarben Holzschnitte von ihm. Von
seinen in Mischtechnik ausgeführten Gemälden gelangten „Zwei Frauen", 1929
nach Darmstadt, „Mädchen", 1930, nach Königsberg, „Mann mit Spiegel", 1946,
nach Halle und „Isolina", 1954, in die Berliner Galerie des 20.
Jahrhunderts. Außer in Deutschland fanden Ausstellungen seiner Werke auch in
Leiden, Den Haag und Utrecht statt. 

Alfred Partikel wurde am 7. Oktober 1888 in Goldap geboren, blieb seit dem
20. Oktober 1945 in Ahrenshoop an der Ostsee verschollen und starb 1946 in
Niehagen bei Wustrow. Er war von 1905 - 1907 Schüler von Ludwig Dettmann an
der Königsberger Kunstakademie und lebte von 1908 als freier Maler erst in
München und dann in Weimar. Von 1911 - 1914 war er in Berlin, wo seine erste
Graphik-Ausstellung stattfand, und er Mitglied der freien Sezession wurde.
Am ersten Weltkrieg nahm er als aktiver Soldat teil, und von 1921 lebte er
in Ahrenshoop an der Ostsee. Mehrfach unternahm er Reisen nach Italien,
Holland und Paris, und 1930 - 1931 war er Gast der Villa Massimo in Rom.
Bereits 1929 wurde er an die Kunstakademie Königsberg berufen, und außerdem
ernannte man ihn zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin.
Werke von ihm wurden in den Museen in Altona und Königsberg und von dem
Folkwang Museum in Essen erworben. Nachdem zu seinen Lebzeiten bereits
mehrfach Ausstellungen seiner Werke in Berlin und Königsberg stattfanden,
und er auch 1936 auf der Biennalein Venedig vertreten war, ehrte man ihn
nach seinem Tode in der Bremer Kunsthalle durch eine Gedächtnisausstellung.
Mit Vorliebe malte er die norddeutsche Flachlandschaft in Masuren, am Pregel
und im Samland zur reifen Sommer- und zur strengen Winterzeit mit ihren
ansprechenden Bewohnern, aber auch auswärtige Ansichten, z. B. das Castel
Gandolfo. Die leuchtenden Farben geben seinen Bildern einen frischen,
festlichen Charakter und erwecken auch Interesse für den Künstler, dessen
von Gerhard Marcks modellierter Porträtkopf aus der Sammlung Bernhard
Koehler ebenfalls ausgestellt war“. Charlotte Steinbrucker

Seite 8   Eröffnung der Käthe-Kollwitz-Ausstellung 
Im Spendhaus der Stadt Reutlingen wurde eine umfangreiche Ausstellung mit
graphischen und plastischen Werken von Käthe Kollwitz, veranstaltet von der
Hans-Thoma-Gesellschaft, mit einer Ansprache von Oberbürgermeister Oskar
Kalbfell und einem Vortrag von Dr. Ernst Schremmer über „Die menschliche
Botschaft der Käthe Kollwitz", eröffnet. 

Seite 8   Carl Lange. Erster Träger des Westpreußischen Kulturpreises.
(Foto)
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Landsmannschaft Westpreußen im
April dieses Jahres wurde ein „Westpreußischer Kulturpreis" gestiftet und
erstmalig dem Danziger Schriftsteller und jahrzehntelangen Herausgeber der
„Ostdeutschen Monatshefte" (jetzt im 25. Jahrgang, Verlag Rauschenbusch,
Stollham i. O.) Carl Lange, der heute in Bremen lebt, verliehen. Die von
Carl Lange nach dem ersten Weltkrieg als Konzentrationsforum deutschen
Geisteslebens im Osten geschaffenen „Ostdeutschen Monatshefte", die dem
Deutschtum vom Baltenland bis in den südosteuropäischen Raum eine
vorbildliche Heim- und Pflegstätte boten, konnten durch die Initiative ihres
alten Herausgebers 1955 in Westdeutschland ihre traditionsreiche, durch neue
Aufgaben erweiterte Tätigkeit wieder aufnehmen. Auch heute bilden die OM ein
Sammelbecken deutscher Geisteskräfte aus den Vertreibungsgebieten und
leisten einen beispielhaften Beitrag an der Sammlung und Bewahrung
ostdeutschen Kulturerbes. Nach der Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz
findet der unermüdliche Einsatz ihres Herausgebers Carl Lange nun auch
seitens seiner engeren Landsleute durch die Verleihung des „Westpreußischen
Kulturpreises" eine verdiente Anerkennung. Aber auch als Erzähler und
Lyriker hat Carl Lange seinen Namen, verweisen wir hier nur auf seine letzte
Veröffentlichung „Gedanken und Gedichte aus dem Kerker" (Helmut
Rauschenbusch Verlag, Stollham i. O.). In den zurückliegenden Ausgaben haben
wir unsere Leser wiederholt mit Leben und Schaffen des Preisträgers
bekanntgemacht, und die „Ostpreußen Warte" schätzt sich glücklich, Carl
Lange zu ihren Mitarbeitern zählen zu dürfen. Herzlichen Glückwunsch!

Seite 8   Mahner und Rufer. Gustav Roethe zum 100-Jahresgedenken /
Wissenschaftler von Rang.
Germanist und Literaturhistoriker von hohen Graden, der dem deutschen Orte
entstammte und dem er sich in den bitteren Nöten der Nachkriegszeit von 1918
doppelt verpflichtet fühlte, so wird das Lebensbild Gustav Roethes lebendig.
Ihm gilt heute ein ehrendes Hundertjahrgedenken. In der von deutscher
Ordensgeschichte und preußischer Kriegsgeschichte umwitterten Weichselstadt
Graudenz stand seine Wiege. Gustav Roethe wurde hier am 5. Mai 1859 als
Spross einer hoch angesehen Buchdruckerfamilie geboren. Mit dem Namen seines
Vaters als Verleger und Drucker verband sich 1826 die Neubegründung der
Graudenzer Tageszeitung „Der Gesellige“. Es war dieses ein Tageszeitungstyp
besonderer Art, der mit den Aufgaben der kulturellen und wirtschaftlichen
Stärkung des Deutschtums im Osten in seinem ausgedehnten Verbreitungsgebiet
von Westpreußen, Ostpreußen und Posen bis vor die Tore Berlins reichte. Der
Graudenzer „Gesellige“, der nach der Besetzung des Weichselkorridors durch
Polen 1920 als Tageszeitung zu erscheinen aufhörte, hatte bis dahin eine für
damalige Verhältnisse hohe Auflage von über 100 000 Exemplaren. 

Die vaterländische Haltung dieses wirksamen Presseorgans in seiner alten
Vaterstadt im Ausdruck seiner gepflegten Sprache, die in weite
Kulturbereiche des deutschen Ostens ausstrahlte, beflügelte schon den jungen
Gustav Roethe in seinen vielseitigen Interessen für Literatur und Sprache.
So reifte in ihm nach Erlangung der Universitätsreife in Graudenz der
Entschluss, sich dem Studium der Literatur und der Sprachforschung zu
widmen. Er begann mit 17 Jahren (1876) sein Studium in Göttingen und stellte
hier seine Arbeit zielbewusst auf indogermanische Grundlage. Als
begeisterter Schüler des großen Germanisten Wilhelm Scherer (1841/1886) in
Berlin festigte sich bei Gustav Roethe die Überzeugung von der
Zusammengehörigkeit von Sprachwissenschaft und Literaturgeschichte. Er
habilitierte sich 1886 in Göttingen, wo er 1888 Professor an der Georgia
Augusta wurde. Als er 1902 nach Berlin ging, entwickelte er seinen
Lehrbereich an der Universität und der Akademie über die akademischen
Grenzen hinaus bis in die Politik. Er wurde 1904 ständiger Sekretär der
Berliner Akademie der Wissenschaften. Sein erstes bedeutendes Werk war die
Ausgabe der Gedichte Reimars von Zweter. Er betätigte sich als
Mitherausgeber der Zeitschrift für das deutsche Altertum und war seit 1921
erster Vorsitzender der Goethe-Gesellschaft in Berlin. Von ihm stammt u. a.
die wissenschaftliche Erforschung der Entstehung des Urfaust (1920). 

Die Vitalität des in die erste Reihe der deutschen Wissenschaftler gelangten
Sohnes seiner alten Vaterstadt Graudenz verlieh Gustav Roethe die
charakteristischen Züge des in seinen Qualitäten fundierten deutschen
Professors. Ihn zeichnete eine glänzende Rednergabe aus, so dass er zumeist
vor überfüllten Hörsälen sprach. Im flammenden Wort und in aufrüttelnden
Aufsätzen in der Tagespresse und in vielen Zeitschriften wurde er nach dem
Zusammenbruch von 1918 zum Rufer für den deutschen Osten, ihm in seiner
willkürlichen Zerschlagung Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Mit großer
Bitterkeit empfand Gustav Roethe besonders den Verlust seiner
westpreußischen Heimat und den durch das Diktat von Versailles geschaffenen
Widersinn des Weichselkorridors. Unvergessen sind seine vielen Vorträge und
mahnenden Reden an die deutsche Nation, auch in trüber Gegenwart das
kulturelle Erbe und alle überkommenen geistigen Güter zu bewahren. 

Aus dieser Blickrichtung wird Gustav Roethe noch heute zielweisend für seine
vom Vertriebenenschicksal hart betroffenen ostdeutschen Landsleute. Er starb
am 17. September 1926 im 68. Lebensjahre in Bad Gastein. Sein ehrendes
Gedächtnis aber bleibt bei allen treu bewahrt, die sich auch weiterhin dem
deutschen Osten in Anhänglichkeit verbunden fühlen. Arthur Lenz

Seite 8   Die Stadt Tilsit / Ostpreußische Geschichte am Beispiel einer
Stadt. (Fortsetzung)
Die Würfel fielen im Sommer 1410.
Seit der Schlacht bei Rudau im Samland am 17. Februar 1370, in der die über
Ortelsburg und das zugefrorene Kurische Haff auf Königsberg vorstoßenden
Heere der litauischen Großfürsten Keistutis und Algirdas entscheidend
geschlagen wurden, war kein Feind mehr so weit in das Land eingedrungen. Der
Sage nach soll der Sieg damals nur dem Königsberger Schuhmacher Hans von
Sagan zu verdanken gewesen sein. Angetan mit einem schlichten blauen
Arbeitskittel hat der Schustergeselle das schon in den Staub gesunkene
Ordensbanner an sich gerissen und es den zurückweichenden Rittern wieder
vorangetragen, diese dadurch zu erneutem Vorgehen und zum Siege anfeuernd.
Franz von Pocci (1807 - 1876) hat diesem sagenhaften Königsberger
Schuhmacher in seinem Gedichte, das einst in allen ostpreußischen
Lesebüchern zu finden war, ein poetisches Denkmal gesetzt. 

„Zu Rudau war's, in Preußen, wo mancher Held erblich, 
Es sank die Kreuzesfahne, das Heer des Ordens wich ..." 
Und die letzten Verse lauten: 
„Das Fell weiß ich zu gerben und kenne Schnitt und Stich, 
Zu Königsberg im Kneiphof, da lehrten sie es mich!" 
Er rief's und fuhr zur Rechten und scharf zur Linken aus: 
„Ihr Ritter, lernet fechten, ein Schuster lacht euch aus!" 
Sie schlagen mit dem Schuster beschämt und zornig drein, 
und rot ward von dem Blute der blaue Ärmel sein. 

„Nun ford're eine Gnade nach Deines Herzens Lust!" 
So spricht der Ordensmeister und drückt ihn an die Brust. 
„Nur eines bitt ich: Feire am Fest der Himmelfahrt 
den Tag, an dem ein Schuster die Fahne hat bewahrt! 
Im Kneiphof lade jährlich zum Mahl die Brüderschaft 
und lass das Schenkbier kreisen, das gibt dem Handwerk Kraft!" 
Der Meister nahm die Worte des Schusters wohl in acht, 
zu Königsberg ward jährlich gezecht am Tag der Schlacht. 
Er lieh den blauen Ärmel und eine güldne Kron 
dem Königsberger Schuster als Wappenschild zum Lohn. 
Der Ärmel und die Krone sind noch das Schild der Stadt. — 
Die Stadt sei hochgepriesen, die solche Schuster hat! 

Die Geschichte allerdings benennt den tatkräftigen Ordensmarschall Hennig
Schindekopf als Sieger von Rudau. Er war übrigens 1350 Komtur zu Ragnit und
hatte dort schnell Karriere gemacht. 1360 ließ er zum Schutz der damals
vielarmigen Memelstrommündung u. a. die sagenhafte Windenburg (auf der
heutigen Windenburger Ecke) am Kurischen Haff erbauen und die kleine Burg
Variskin im Memeldelta (heute Dorf Warrischken bei dem Flecken Ruß).
Schindekopf ist 1382 gestorben. 

Im Sommer 1410 stand jenes Großfürsten Keistutis Sohn Jagaila, der sich
jetzt König Wladislaw von Polen nannte, dicht vor der Südgrenze Preußens
bereit zum Einfall. Ihm gegenüber lag das von Hochmeister Ulrich von
Jungingen befehligte, gut ausgerüstete Ordensheer, um die Eindringlinge
dorthin zurückzutreiben, woher sie gekommen. Vertrauend auf die eigene
Stärke war alles guter Dinge. Von allen Ordensburgen waren, soweit möglich,
Ordensritter und Reisige zur Verstärkung herangezogen worden. Und auch die
Brüder des Ragniter Konvents waren dem Ruf ihres Hochmeisters gefolgt und
hatten sich, geführt von dem Ragniter Komtur Eberhard von Wallenfels (1407 -
1410) bereits Ende Mai 1410 auf die Kriegsreise gen Südostpreußen begeben.
Keiner von ihnen hat den Memelstrom wiedergesehen. 

Die auf der wohlausgebauten Burg Ragnit zurückbleibende Besatzung schien
genügend stark zu sein. Zudem waren zwischen Splitter und Obereißeln eine
Anzahl altschalauischer Schloßberge, im heutigen Willmantienen, Paskallwen,
Paßelgsten, Schupinnen, Tussainen usw. gelegen, zu militärischen Posten
ausgebaut. Diese Sperrforts standen in Stromnähe und hatten miteinander
„Augenverbindung", konnten sich aber auch durch Rauch- und Feuersignale
verständigen. Alle strategischen Maßnahmen waren diesmal am Memelstrom aber
unnötig gewesen, in diesem Jahre kam der Feind nicht mehr nach Schalauen. Er
vermied bewusst die sonst üblichen und ablenkenden Störungsmanöver, um seine
ganze Kraft auf eine Stelle des Landes zu konzentrieren, die der ihm
wichtigen Marienburg, dem Herzen des Ordenslandes, am nächsten lag. 

Im Sommer 1410 herrschte daher scheinbar tiefster Friede im
Memelstromgebiet, während sich im Süden des Ordenslandes die große
Entscheidungsschlacht zwischen der westlichen und der östlichen Welt
vorbereitete. Auf der Memel war weiter Handel und Wandel, und die Bewohner
gingen dem gewohnten Tagewerk nach. Unbehelligt wurden die restlichen
Bauarbeiten am „nuwen husze of der Tilsot“, der Ordensburg Tilsit, zu Ende
geführt. Dann brach die „Bauhütte“ ihr Lager ab. Der „muwerer“ Hannes Bolle
ist noch eine Zeitlang in Tilsit gebliegen, um die Handwerker zu entlohnen
und die Endabrechnungen abzuwickeln, bis auf die kleinste Münze peinlich
genau. Wahrscheinlich, ist er erst im nächsten Jahre, als der Waffenlärm im
Lande verrauscht war und die Zeiten ruhiger geworden, in seine Vaterstadt
Danzig abgereist und ist nie wieder nach Tilsit zurückgekehrt. Hannes Bolle
ist untergetaucht im Heer der vielen Namenlosen, aus dem ihn die
Eintragungen des Marienburger Treßlerbuches für kurze Zeit in unseren
Blickpunkt gestellt haben. Nur im Stadtwappen Tilsits ist ihm ein ewiges
Denkmal gesetzt worden. Es zeigt auf roter Ziegelmauer Turm und zwei Zinnen
der von dem Danziger Meister Hannes Bolle erbauten Ordensburg Tilsit, und
darunter fließt, wie heute noch, unser Memelstrom. 

Zu Mittsommer 1410 kam aus dem Kulmer Land die alarmierende Botschaft, dass
der Feind im Begriffe sei, hier einzufallen. Sofort eilte Hochmeister Ulrich
von Jungingen mit der gesamten Hauptmacht seines Heeres zur vermeindlichen
Gefahrenstelle. Es war aber nur eine arglistige Täuschung des Feindes. In
Wirklichkeit stand das Heer König Wladislaws nach wie vor an der Südgrenze
des heutigen Masurens und drang jetzt in Preußen ein. Bei Soldau kam es zu
einem erbitterten Kampf mit der sich ihm entgegenstellenden Vorhut des
Ordensheeres, die der Großmarschall und Königsberger Komtur Friedrich von
Wallenrodt (1407 - 1410) befehligte. Soldau fiel in die Hände der Polen.
Hart bedrängt und verfolgt vom Feinde zog die Vorhut nach Norden zurück. 

Zu spät hatte Ulrich von Jungingen von der neu entstandenen Lage Nachricht
erhalten. In Eilmärschen führte er sein Heer wieder nach Ostpreußen zurück.
Als die Ordensritter am Abend des 14. Juli in Löbau eintrafen und dort ihr
vorläufiges Feldlager aufschlugen, war das polnisch-litauische Heer am
selben Tage schon bis in die dortige Nähe vorgedrungen, während ein Teil des
Feindheeres den großen Damerauer See bereits umgangen hatte und nun unweit
von Tannenberg der weiteren Entwicklung harrte. (Fortsetzung folgt)

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 05 vom Mai 1959

Date: 2016/12/10 02:29:50
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 9   Die stille Stunde. Unterhaltungsbeilage der Ostpreußen-Warte.
Margarete Kubelka. Der Pfingstausflug.
Als Studienrat Dr. Bingsen die Klasse betrat, wurde der Lärm nur um eine Nuance schwächer. Bingsen war bei seinen Schülern nicht sonderlich beliebt. Sie nannten ihn „Pfingsten", mit einem kleinen verächtlichen Unterton in der Stimme, wenn sie unter sich waren. Dieser Spitzname hatte zwei Gründe. Einmal war der ähnliche Klang des Namens daran schuld, aber der andere Grund lag ein wenig tiefer. 

Dr. Bingsen, der Deutschlehrer, der sein Fach aus Idealismus und Neigung gewählt hatte, war ein großer Verehrer Goethes, den er zu jeder Zeit unermüdlich zitierte und dessen universelle Bildung er seinen Schäflein immer wieder zu Nachahmung und Vorbild empfahl. Und da war es vor allem der Anfang des „Reineke Fuchs", der es seinem gepflegten Sprachempfinden angetan hatte und den er immer wieder in selbstverlorener Schwärmerei seinen Schülern hersagte: „Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen ..." 

Herr Dr. Bingsen war kein Schauspieler, sondern ein von der Woge der Begeisterung getragener Germanist, und so war sein Vortrag weniger mitreißend als ein wenig komisch — wenigstens in den Augen seiner Klasse. Es war deshalb allzu natürlich, dass sich unter seinen Schülern einer fand, der geschickt genug war, Herrn Dr. Bingsen zu kopieren. Und es gab jedes Mal lauten Jubel, wenn Richard Brack mit geneigten Schultern und hängenden Armen, der typischen Haltung Bingsens, das Podium erstieg und mit bewegter Stimme und leuchtenden Augen verkündete, Pfingsten, das liebliche Fest, sei gekommen. 

Niemand hat ein so feines Empfinden für die Schwächen seiner Mitmenschen wie Kinder und unfertige Jugendliche, die selbst noch ein Spielball aller Kräfte sind. So war es der Obertertia des kleinen Provinzstädtchens bald klar, dass Dr. Bingsen, ihr Klassenlehrer, in körperlichen Dingen kein allzu großer Held vor dem Herrn war. Wie viele Menschen, deren Bestrebungen vorwiegend auf das Geistige gerichtet sind, war er in der Leibeszucht und Körperertüchtigung ein wenig nachlässig, er hielt sich schlecht und hatte einen Hang zu Erkältungen, weshalb er auch an warmen Tagen mit einer Wollweste angetan und ständig mit einem großen, altmodischen Regenschirm versehen war. Ja, es hieß sogar von ihm, er könne nicht einmal schwimmen, was in der Mentalität eines Obertertianers verwerflicher war als der finsterste Analphabetismus, Da war Turnlehrer Hartog doch ein anderer Kerl: forsch, kerzengerade und immer zu herzhaften, derben Späßen aufgelegt, die ihm in kürzester Zeit eine Atmosphäre respektvoller Vertraulichkeit schufen. 

Heute nun hatte Bingsen an seine Schüler ein besonderes Anliegen. Er wollte mit ihnen einen Pfingstausflug unternehmen, auf freiwilliger Basis freilich, aber es wäre ihm lieb gewesen, wenn alle mitgetan hätten. 

Es war nicht allein die Hoffnung, zu seinen Schülern ein herzlicheres und persönlicheres Verhältnis zu gewinnen, die ihn dazu bewegte, sondern auch der heimliche und uneingestandene Wunsch, in der freien Natur und am lebenden Objekt seinen Schülern die vielfältige und wunderbare Welt Goethes näherzubringen, wie er sie beispielsweise in seiner „Metamorphose der Pflanze" oder in seinem herrlichen Aufsatz über den Granit beschrieben hatte. 

Nun, der Ausflug kam zustande. Weniger freilich Goethe oder Dr. Bingsen zuliebe als aus dem Wunsch heraus, einmal in der Zwanglosigkeit des Wanderns und der räumlichen Entfernung von der Schulstube gemeinsam einen Nachmittag zu vertun. 

Der Ausflug verlief programmmäßig, und die Schüler vergnügten sich damit, Fußball zu spielen oder Wettläufe zu arrangieren, während ihr Klassenvater in ein stark reduziertes Publikum Bemerkungen über Goethe und sein Weltbild streute. Aber dann geschah es. 

Bernd Schäufel, ein etwas alltäglicher Junge, der seine mangelnde Begabung durch ein Zuviel an Forschheit und Wagemut wettzumachen trachtete, hatte mit seinen Mitschülern gewettet, den kleinen Fluss, an dem sie entlangwanderten, überspringen zu können. Er glaubte dies tun zu dürfen, weil er der beste Turner der Klasse war, aber er hatte die Breite des an dieser Stelle reißenden Gewässers unterschätzt. Er sprang, und unter dem einstimmigen Aufschrei der Umstehenden landete er im Wasser und wurde, obwohl er zu schwimmen verstand, augenblicks von der Strömung fortgerissen. 

Auf den Schrei sprang Dr. Bingsen hinzu, und ohne zu überlegen, riss er die Jacke und die unvermeidliche Wollweste herunter und sprang dem in der Strömung treibenden Bernd nach. 

Die Schüler standen zunächst wie erstarrt. Sie wussten alle, dass Bingsen nicht schwimmen konnte, und erwarteten nun voller Entsetzen, Lehrer und Schüler gemeinsam in den Fluten verschwinden zu sehen. 

In diesem Augenblick tauchte Richard Brack auf, der sich irgendwo in der Gegend herumgetrieben hatte und keine Ahnung davon hatte, was inzwischen geschehen war. Als er seine Mitschüler alle durcheinander rennen und ohne ihren Lehrer sah, zog er den Kopf ein, ließ die Arme hängen und deklamierte, dass es weithin tönte: „Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen ..." 

Aber wo sonst Kichern und Gelächter seine Worte begleitet hatten, starrten nun alle voll Entsetzen auf ihn, und der lange Brack erkannte, was geschehen war. 

Sie alle aber, die sie Zeugen des schrecklichen Geschehens waren, hatten bei diesen Worten das Gefühl, dass von diesem Pfingstsonntag an Pfingsten nie mehr ein liebliches Fest für sie sein würde, sondern mit dem Furchtbaren, das über sie hereingebrochen war, ihr ganzes künftiges Leben überschatten sollte. 

Aber der Wille ist manchmal stärker als der Körper, und in der Not entwickeln wir Fähigkeiten, von denen wir bislang nichts wussten. Dr. Bingsen kämpfte verzweifelt um das Leben seines Schülers und sein eigenes, und wider Erwarten blieb er Sieger in diesem scheinbar aussichtslosen Kampf. Mit letzter Willensanstrengung gelang es ihm, sich und Bernd ans rettende Ufer zu bringen. 

Der Rest ist schnell erzählt. Dr. Bingsen, dessen schwächlicher Körper solche nasskalten Unternehmungen nicht gewohnt war, hatte sich eine Lungenentzündung geholt, von der er erst nach ein paar schlimmen Wochen genas. Seine Schüler nannten ihn nach wie vor Dr. Pfingsten, aber wenn sie jetzt dieses Wort aussprachen, schwang ein warmer und fast liebevoller Ton mit, so als handelte es sich nicht um einen Spitznamen, sondern um eine geheime, raue Zärtlichkeit. 

Der dem Leben wiedergewonnene Bernd Schäufel war der erste, der mit leuchtenden Augen ins Klassenzimmer stürmte und freudig verkündete: „Pfingsten kommt morgen wieder!"

Seite 9   Das heimliche Leuchten. Spruchhaftes von Carl Lange. 
Schau vorwärts, lass Dich nimmer beugen! 
Das Gute wird das Gute zeugen. 

Was Du den Menschen Gutes angetan, 
fängt heimlich still in Dir zu leuchten an... 

Das Gute wirkt wie segensreiche Saat: 
Die Ernte schenkt die Kraft zu neuer Tat. 

Wer freudig gibt und ohne zu bedenken, 
den wird das Schicksal doppelt reich beschenken. 

Dein Auftrag ist, Dich zu vollenden, 
und freudig schaffend immer spenden. 

Hab Acht, wenn Du auf steilen Stufen 
zu neuem Werke aufgerufen. 

Was doch ein liebes Wort vermag, 
es wandelt Nacht zu lichtem Tag.

Seite 9   Foto: Mutter mit Kind / Holzschnitt von Franz Neundlinger

Seite 9   Ruth Syring. Zigeuner.
Über Nacht sind Zigeuner gekommen 
unten am Bach. 
Wo hat der Mai so viel Grün hergenommen 
für den Wegrain und ihr Wagendach? 

Im goldnen Abendschein singen sie leise 
unten am Bach. 
 
Sind sie am Anfang, am End ihrer Reise? 
Frag nicht danach. 

Über Nacht sind sie fortgezogen... 
Weiß nicht wohin. 
Haben den Himmel um Sterne betrogen, 
die mit ihnen ziehn.

Seite 9   Vertrauen. Erzählung von Wolfgang Altendorf.
Während der Geselle den Vorderreifen meines Wagens flickte, kam ich mit dem Meister der kleinen Reparaturwerkstatt ins Gespräch. Ich fragte ihn nach dem Gang seines Geschäftes, und er erwiderte, dass er zufrieden sei. Während wir uns so unterhielten, fuhr ein rotes Sportkabriolett vor. Ein junger, sehr modern gekleideter Mann sprang heraus und verlangte fünf Liter Benzin. Als er aber bezahlen sollte, suchte er in allen Taschen nach seinem Geldbeutel, schlug dann mit der flachen Hand gegen die Stirn und eröffnete dem Meister, dass er wieder zurückfahren müsse. Er habe die Nacht im Nachbardorf bei einem Freund verbracht und dort bestimmt den Geldbeutel liegengelassen. In einer Viertelstunde wäre er wieder zurück. Der Meister nickte dazu. Der junge Mann wendete seinen Wagen und brauste davon. 

„Ist das nicht etwas leichtsinnig von Ihnen, Meister?" fragte ich. „Der Bursche hätte Ihnen doch mindestens ein Pfand dalassen sollen. Ah, ich weiß, Sie haben sich bestimmt die Nummer seines Wagens gemerkt, wie?" 
„Keineswegs", antwortete er mir. 
„So kennen Sie den jungen Mann?" 
„Ich habe ihn noch nie gesehen." 
„Dann verstehe ich nicht --? Wenn er nun die Absicht hatte, Sie um den Ertrag dieser fünf Liter zu betrügen?" 
„Ich vertraue ihm", erwiderte der Meister. 
„Mir machte er keinen so vertrauenswürdigen Eindruck“. 

Der Meister lächelte. „Meine kleine Tankstelle dient diesen jungen Leuten eigentlich nur als Notbehelf. Sie tanken bei mir ihre fünf Liter, um damit bis in die Stadt zu kommen. Dort fahren sie bei der Großtankstelle vor und lassen sich ihren Tank füllen“. 

„Nun, Ihre Tankstelle sieht doch recht passabel aus --". 

Der Meister winkte ab. „Junge Leute lieben die Technik, das Großartige, den Glanz. Natürlich könnte mich der junge Mann um diese fünf Liter betrügen. Ich würde es verschmerzen. Ich habe in dieser Beziehung nämlich noch etwas Überschuss“. 

„Überschuss?" fragte ich. 
„Vor fünf Jahren", erzählte der Meister, „stand hier an dieser Stelle nichts weiter als eine alte Scheune. Mir gehörte das Häuschen daneben. Ich stamme aus dem Osten, müssen Sie wissen, bin durch die Lager gegangen, und da erfuhr ich plötzlich, dass ich dieses kleine Haus da geerbt hatte. So 
kam ich hierher. Aber ich fand keine richtige Arbeit. Hier gibt es ja keine Industrie. Gelegenheitsarbeiten mit Stempeln gehen wechselten ab. Eines Tages nun, ich war schon mit dem ersten Omnibus in die Stadt gefahren, um meine Unterstützung abzuholen, lernte ich auf der Heimfahrt im Omnibus einen Herrn kennen. Der war nun im Begriff, eine Wanderung zu unternehmen. Als der Schaffner kam — wir fuhren bereits aus der Stadt heraus — stellte dieser Herr fest, dass er sein Geld vergessen hatte. Ich konnte ihm aushelfen, aber damit war‘s nicht getan. Der Herr erzählte mir, dass er in einer großen Verlegenheit wäre. Alljährlich an diesem Tage unternahm er seine Wanderung. Vor langen Jahren hatte er bei dieser Gelegenheit seine nun schon verstorbene Frau kennengelernt. Sie hatten zusammen eine sehr glückliche Ehe geführt, und es wäre ihm sehr schmerzlich, müsse er nun wieder umkehren. Ich hatte ja gerade meine Unterstützung abgeholt und konnte ihm deshalb zwanzig Mark geben. Er wollte mir seine Adresse geben, aber ich wehrte ab. Ich vertraute ihm ganz einfach“. 

„Na, immerhin —!" meinte ich. 
„Warten Sie ab", fuhr der Meister fort. 
„Wir kamen ins Gespräch, der Herr und ich im Omnibus. Er hatte so eine Art an sich, — kurz und gut, er quetschte so ungefähr alles aus mir heraus, woher ich stammte, was für einen Beruf, was für Wünsche ich hätte, na — und so weiter. 

Am nächsten Tag erschien er hier in meinem Häuschen, brachte mir die zwanzig Mark zurück, und nun erst erfuhr ich, dass er der Direktor der Kreissparkasse war. Er erklärte mir alles genau, sagte, dass ich, so wie ich wäre, ihm kreditwürdig genug sei, und so verschaffte er mir denn auch das Geld für diese Reparaturwerkstatt. Nächstes Jahr habe ich alles wieder zurückgezahlt. Meinen Sie nicht, dass ich zufrieden sein kann?" 

Ich nickte. „Es ist gut", sagte ich, „dass es so etwas heutzutage noch gibt!" 

Als ich mein Auto aus der Werkstatt fuhr, erschien der junge Mann mit dem roten Sportkabriolett wieder. „Es ist mir erst unterwegs eingefallen, dass ich Ihnen so ohne weiteres davongefahren bin", sagte er etwas verlegen zu dem Meister. „Entschuldigen Sie bitte!" Er hatte seine Geldbörse wiedergefunden, hielt dem Meister einen Zwanzigmarkschein hin und ließ sich dafür nochmals fünfzehn Liter Benzin geben.

[OWP] Koll, Bruno Sterbeanzeige

Date: 2016/12/10 09:34:53
From: sawischlewski <sawischlewski(a)freenet.de>

Hallo und guten Morgen,
 
Sterbeanzeige in der Celleschen Zeitung vom 10. Dez. 2016:
 
Landwirt Bruno Koll
* 5.8.1925 in Bischofstein/ Ostpr.
+ 8.12.2016 in Höfer Krs. Celle
 
Lothar Koll, Hauptstr. 18, 29361 Höfer/ Krs. Celle
 
HG Dieter Sawischlewski


---
Die Bundesliga hat begonnen! Alle Tore, alle Ergebnisse, alle News: Pocket Liga jetzt im AppStore oder Google Play Store herunterladen - kostenlos!

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 05 vom Mai 1959

Date: 2016/12/10 10:46:10
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 10   Fichten. Von Franz Erdmann. Aus dem Zyklus „Bäume der Heimat“ 
O Tannenwald, o dämmerdunkler Wald, 
wo sich das scheue Reh im Dickicht birgt, 
wo hoch vom Wipfel laut der Kuckuck ruft
und viele kleine Stimmen Antwort geben. 
O wunderbarer deutscher Märchenwald, 
wo einst der Wolf begegnete dem Kinde. 
Rotkäppchen geht noch immer durch den Wald
und trifft den Wolf noch immer hart am Wege, 
und Hänsel, Gretel finden nicht mehr heim 
und irr'n umher, sich bei den Händen haltend, 
und auf der Wiese steht auch immer noch 
der bösen Hexe Pfefferkuchenhaus. 
O Tannenwald, verwunschner Märchenwald!
Ein jedes Jahr wird hier zum Freudenfest, 
ob's Frühling ist, ob Sommer, Herbst und Winter, 
Im Schneefall stehn die Bäume ganz vermummt! 
wie stille Frauen, die ihr Kindlein tragen 
im hohen Leib, fromm harrend mit Geduld. 
Doch kommt der Lenz und steigt der junge Saft 
in ihren Stämmen brausend auf und nieder, 
dann flammt es lichterloh aus grünen Trieben, 
die schöner sind als helle Weihnachtskerzen, 
als bunte Kugeln, Nüss' und Engelshaar. 

Seite 10   Edith Mikeleitis. Luises Ankunft in Memel.
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Otto Aug. Ehlers, Darmstadt,
entnehmen wir dem Roman um die Königin Luise von Preußen „Dia Königin" von
Edith Mikeleitis den nachstehenden Abschnitt, der, nach einer Fahrt über das
Kurische Haff, die Ankunft der Königin in Memel schildert. Die Begegnung mit
Zar Alexander und damit das Eingreifen der Königin in die hohe Politik steht
kurz bevor. Dieser bekannteste Roman über Königin Luise, der in immer neuen
Auflagen fast eine Viertelmillion Exemplare erreichte, liegt nun in 3 einer
Neuauflage wieder vor, auf die wir besonders unsere ostpreußischen Leser
hinweisen möchten. 

Die Königin zog ihren Pelzumhang enger um die Schultern, denn der beginnende
Juniabend strich mit kühlem Wind über das Haff. Das nahe Meer verwandelte
selbst glutvolle Tage bei bescheidenem Licht in glasklare Frische, darin man
gut und leicht atmen konnte. Die Häuser von Memel wurden noch immer nicht
sichtbar, obwohl man schon lange in der geschmückten Barke saß, die, ein
großer Kurenkahn, für die Königin von Preußen so bequem eingerichtet worden
war, wie sich die Bürger der Stadt das Schiff einer Fürstin vorstellen
mochten. Es sah beinahe einer Gondel ähnlich, wenn auch aller Reichtum von
Blumen und bunten Bändern die plumpe Form nicht verbergen konnte. 

Die weite Wasserfläche machte Luise traurig. Aber sie liebte diese
unbestimmte Traurigkeit des Herzens, die aus Urgründen aufstieg. Auf dem
sanften, schönen Gesicht der Königin, das aus der Umrahmung eines
Spitzentuchs sich entspannt und weit aufgetan dem Himmel zuwandte, wuchs
mehr und mehr ein Schimmer sehnsüchtiger Schwermut. Ihre großen, blauen
Augen unter der hohen Stirn blickten in die Ferne, ohne etwas Bestimmtes zu
erfassen. Die schön geschwungenen Lippen zitterten zuweilen wie in einer
stummen Zwiesprache mit einem unsichtbaren Gegenüber. Die alte
Oberhofmeisterin Gräfin Voß, die Hofdamen und Kavaliere hatten sich im
Halbkreis um die Königin gelagert, ungeduldig und müde der Wasserfahrt, die
durch die Schweigsamkeit Luises nicht kurzweiliger wurde. 

Sie aber bemerkte nicht, was um sie her vorging, so sehr umspülten sie
Gefühle und Bilder ihres vergangenen und gegenwärtigen Lebens. Plötzlich
schauerte sie zusammen. Es mochte eine kühle Brise sein, die das Wasser
kräuselte und sie frösteln ließ — oder war es die Erwartung der morgigen
Begegnung mit dem Zaren? 

Sie lehnte sich tiefer in den aus vielen Kissen bereiteten Sitz und schloss
die Augen. Es tat ihr wohl wie lange nichts mehr, so allein und
abgeschlossen in diesem kleinen Schiff zu sitzen, über sich den Himmel und
weit und breit nur das geheimnisvolle Element Wasser, dem kein
Menschenverstand Gewalt und Freiheit zu binden imstande war. Hier brauchte
sie nicht jene milde Heiterkeit zur Schau zu tragen, die der König so liebte
und ohne die er leicht unruhig und verzagt wurde. 

Bei dem Gedanken an Friedrich Wilhelm straffte sie sich, und ein
mütterlicher, erbarmender Zug vertiefte ihr junges Gesicht. Mit bewusstem
Blick suchte sie jetzt über die Weite ringsum. Da hoben sich gerade vor
ihren Augen die Türme Memels aus dem flachen Landstreifen empor, noch fern,
aber schon nahe genug, um auch den geschmückten Hafen erkennen zu lassen, wo
eine bewegte Menge sich drängte. Luise ließ sich willig von ihren Damen die
kleinen Handreichungen zur Auffrischung ihres Äußeren gefallen, während doch
ihre Seele, befangen von undeutlicher Erwartung, sich nicht bis zum
gegenwärtigen Augenblick ermuntern wollte, sondern im Traum und im Dämmer
verharrte. 

Tiefer noch sank sie in ihre seltsame Traumverlorenheit, als sich plötzlich
junge Stimmen erhoben und ein schwermütiges, fremdes Lied sangen, das gleich
klingenden Urlauten über das Wasser schwebte, Kurenkähne näherten sich dem
Königsschiff, und im Auf und Ab des Ruderschlags bewegten sich viele
schlanke Mädchenkörper im bunten Festgewand der Ostpreußinnen. Ihre Königin
erkennend, brachen sie in Jubel aus und warfen duftende Blumen hinüber, die
glänzenden Gesichter der schönen Frau zugewandt, ungläubig fast vor so viel
nie gesehener Anmut. 

Luise schreckte auf, und der verlorene Ausdruck ihres Gesichts wechselte
zauberhaft zu freundlicher Anteilnahme. Sie rief den Mädchen eine Bitte um
Wiederholung ihrer Gesänge hinüber, um noch einmal in den Traum einer
weichen Sehnsucht zu finden, ehe sie endgültig von dieser Stunde Abschied
nehmen musste.

Willig stimmten die Kinder des Volkes ihre Daina an, und jeder Ton sank ihr
wie eine uralte Erinnerung ins Herz. Verborgenes Wissen um Liebe und
Liebesleid, um Menschenwerden und -vergehen, um die Allmacht des Lebens und
seines Glühens durchströmte ihr Blut und machte es schwer und reif für ein
großes Schicksal. Alt wie die Welt bin ich, wurde ihr bewusst, und tausend
Schmerzen habe ich erfahren, tausend Wonnen sind in mir verborgen, und sie
werden mir wieder bereitet sein, weil sie das Leben sind. 

Schon umfasste ihr Blick den König und seine Begleiter am Landungssteg. Er
wusste ihre Augen auch in der Ferne auf sich gerichtet und belebte seine
Steifheit im Vorgefühl der Sicherheit, die mit ihr ihm wieder zuwuchs. Luise
aber suchte seine Züge im Raume ihres Gedächtnisses nachzuzeichnen, und sie
fand darin seinen immer mürrisch verzogenen Mund, seine lange, feine Nase
und die ausdruckslosen Augen, von denen abwehrender Hochmut auszugehen
schien. Und dahinter schaute sie seine Weichheit und Bedürftigkeit und seine
vergebliche Sehnsucht nach Größe.

 Während das kleine Schiff sich Ruderschlag für Ruderschlag dem Lande
entgegenarbeitete, wartete die Königin gelassen in ihrem Sitz, und ihre
Augen  wandten sich erneut dem hellen, weißlichen Abendhimmel zu, dem
nördliches Licht so eindringlich entfloss, dass in seinem Schein die
Landschaft zu einer gläsernen Unwirklichkeit wurde. Eine Ewigkeitssekunde
lang entrückte das verhallende Lied und die überirdische Helle den Sinn der
Frau. Dann aber störte sie der Empfangsjubel der harrenden Bürger Memels
endgültig aus ihrer Gefühlsverlorenheit auf. 

Das Schiff scheuerte an der Brücke entlang. Luise strich sich mit einer Hand
wie erwachend über die Stirn, während sie die andere winkend ausstreckte.
Als sie sich grüßend erhob, fand sie jene warme Anteilnahme wieder, der ihr
Mann vertraute. 

Er war längst vom Pferd gestiegen und schritt ihr nun entgegen. Unbewegt
blieb sein Gesicht auch im aufwallenden Entzücken seines Herzens über ihre
süße, mädchenhafte Anmut, die sich im Kreise vieler Menschen erst ganz zu
entwickeln schien, als strahle die Sonne ihres Gemüts heftiger im Widerspiel
bereiter Augen. Ihm bedeutete eine Trennung von nur zwei Tagen, eben erst
erlitten um der Manöver in Ostpreußen willen, eine große Verlorenheit im
unaufhörlichen Anspruch seines königlichen Amtes. 

Als sie ihre Hand in seine legte, spürte sie seine verhaltene Freude gleich
einem Vorwurf für ihre eigene Kühle, und sie nahm seinen Arm mit einem guten
Lächeln, das um Entschuldigung bat. So trug sie schon seit zehn Jahren die
Ehe mit Friedrich tapfer durch alle Sehnsucht, Fülle und Ungeduld ihrer
reichen Natur wie eine beständige, tief bewusste Bemühung. Sein Glück aber
und das ihrer Kinder gab dieser Verbindung in ihrem Herzen die Berechtigung.


Das Volk von Memel, diese schwerblütigen, verhaltenen Menschen der
nördlichen Küste, fieberten seit Wochen in einer wachen Unruhe, die ihren
Gesichtern Glanz verlieh. Ihnen standen jetzt diese Tage wie ebenso viele
Verheißungen auf festliches Gepräge vor den weit aufgetanen Sinnen, denn im
schlichten Hause des Bürgermeisters erwartete man das preußische Königspaar
und seinen von märchenhaften Vorstellungen umwobenen Gast, den Kaiser
Alexander von Russland. Dem eintönigen Ablauf ihres Jahres war plötzlich ein
berauschendes Erlebnis eingefügt, dem sie sich mit kindlichem Überschwang
öffneten. 

So begleiteten sie jetzt das Königspaar auf seinem Wege durch die Stadt mit
ungehemmtem Jubel. Zu beiden Seiten des geschmückten Wagens ritten die
jungen Männer und Frauen, bunt und hell angetan wie der Sommer dieses
Landes. Sie waren arm und schicksalsergeben, aber das legte keine Enge um
ihre Herzen, sondern ein Bedürfnis nach Grenzenlosigkeit lebte ihnen tief im
Gemüt und drückte sich in der Weite des Stadtbildes, in ihren geräumigen
Häusern und in der offenen Freude ihrer Feste aus. Noch gab das weißliche
Abendlicht genügend Schein, um dem klaren, sehr leuchtenden Gesicht der
Königin jenen Schmelz zu verleihen, der das Volk fast bis zu Tränen
entzückte. Sie hatten so viel Anmut noch niemals gesehen, und vielleicht
standen nun ihre Märchen und Sagen lebendig in ihnen auf, darin verzauberte
Prinzessinnen und mächtige Prinzen und Könige unversehens die Kargheit des
Lebens erleuchteten. 

Endlich, nach langen, herzlichen Begrüßungen durch die Väter der Stadt war
Luise mit ihrem Mann allein. Das einfache Zimmer belebte sich im Duft der
Junirosen, womit die Frauen Memels es überreich geschmückt hatten. Luise,
schon im leichten Hausgewand, stand am Fenster und sah auf die still
gewordene Straße hinunter. Friedrich Wilhelm saß im Sofa und blickte mit
leisem Argwohn zu ihr hin, denn unvermutet hatte ihn die Vorstellung
überfallen, als sei sie traurig. Immer aber belastete ihn jede Stimmung
seiner Frau mit dem Gefühl der eigenen Unfähigkeit, etwas zu ihrer Freude
beizutragen. 

Sie spürte sogleich seinen zornigen Blick in ihrem Rücken und wandte sich
langsam um. Obwohl in ihren Zügen noch die Versonnenheit hing, davon sie
sich den ganzen Tag über nicht befreien konnte, lächelte sie ihn an. Seine
Angst verflog, und ein tiefes Verlangen nach ihr zitterte um seine Lippen.
Er erhob sich rasch und stellte sich an ihre Seite. Sein Atem streifte ihren
Hals, und mit rauer, bewegter Stimme flüsterte er: „Sehnsucht gehabt! Wollen
uns nie wieder trennen!" 

Luise verhielt sich ganz still. Sie kannte jede Regung seines Herzens, und
seine unbeholfene, abgehackte Sprache, die der Ausdruck seines gehemmten,
niemals zur Entwicklung gekommenen Wesens war, rührte ihre Mütterlichkeit
an. Sie zog seinen Kopf zu sich herab und küsste ihn auf den Mund.

„Du weißt doch, dass ich immer an dich denke", sagte sie leise. In seine
hellen Augen kam ein Strahlen. Seine gezwungene Haltung veränderte sich, und
es schien so, als ob ihm wie durch ein Wunder Zuversicht und Mut wieder
wuchsen. 

Vielleicht ist in ihm ein ganz anderer Mensch verborgen, dachte sie
plötzlich und betrachtete den gelösten Ausdruck seines Gesichts. Vielleicht
hat nur seine trübe Jugend alle Ansätze in ihm zerstört, und er ist wie ein
halb vertrockneter Baum geworden, an dem einige Äste noch mühsam grünen! 

Diese Vorstellung überwältigte sie, so dass sie mit wahrhafter Zärtlichkeit
seine Umarmung erwiderte und ihren von ihm so geliebten Leib an ihn
schmiegte. Dass sie ihm Lebensatem und Wärme gab, durchflutete sie wie
Glück, darin ihre eigene Einsamkeit unterging. 

In ihr war keine Lüge, ihres Herzens Wille hieß schenken und sich
verschwenden. Und als sie endlich allein in ihrem Zimmer lag und nicht
einschlafen konnte, noch des Mannes Umarmung in ihrem Blute spürend,
umfassten ihre Gedanken die Welt und alle nahen Menschen mit Liebe.

Seite 10   Der heutigen Gesamtauflage liegt ein Prospekt der Bausparkasse
Schwäbisch Hall AG bei, um dessen Beachtung wir freundlichst bitten. Der
heutigen Gesamtauflage liegt ein Prospekt der Bausparkasse Schwäbisch Hall
AG bei, um dessen Beachtung wir freundlichst bitten.

Seite 10   Professor Dr. Walther Hubatsch neuer „Bohnenkönig“
Am 235. Geburtstage Kants hielt die „Gesellschaft der Freunde Kants“, die
auf die Tischrunde des berühmten Königsberger Philosophen zurückgeht und
nach ihrer Vertreibung aus Königsberg jetzt in Göttingen ansässig geworden
ist, unter Vorsitz ihres amtierenden „Bohnenkönigs“, Prof. Dr. Dr. Heinrich
Kolbow, in Göttingen ihre diesjährige Tagung ab.

Nach altem Brauch ermittelte die Gesellschaft ihren neuen „Bohnenkönig“
durch ein „Bohnenmahl“, bei dem alle Teilnehmer von einer Torte essen, in
der sich eine Bohne befindet. Wer die Bohne erhält, ist Vorsitzender für das
laufende Jahr. „Bohnenkönig“ für das Jahr 1958/1959 wurde der Bonner
Historiker Prof. Dr. Walther Hubatsch. „Minister“, so werden die übrigen
Mitglieder des Vorstandes genannt, wurden Prof. Dr. Wittram, Göttingen, und
Herbert Marzian, Referent im „Göttinger Arbeitskreis“.

Seite 10   Bücher – die uns angehen.
Dr. Rudolf Klatt: Ostpreußen unter dem Reichskommissariat 1919/1920. Mit
einem Geleitwort von Frhr. v. Braun-Neucken, Reichsminister a. D. Verlag
Quelle & Meyer, Heidelberg. 272 Seiten, DM 2,--. 
Der dritte Band der von Prof. Hubatsch herausgegebenen „Studien zur
Geschichte Preußens" führt uns in eine Zeit, die noch viele Ostpreußen sehr
bewusst durchlebt haben, in die gerade für unsere Heimat so stark bewegte
und mit wechselnden Spannungen geladene zwischen Kriegsende November 1918
und Volksabstimmung Juni 1920. In peinlich genauer Arbeit hat der Verfasser
alle die Ereignisse und Strömungen erforscht, die für das damals ständig
bedrohte Ostpreußen den Einsatz besonderer Reichskommissare mit
entsprechenden Vollmachten neben der bestehenden Verwaltung als notwendig
erscheinen ließ. Manches erscheint dadurch in neuem Lichte. Eine Fülle von
Ereignissen zieht in jenen zwanzig Monaten an uns vorüber, die wir nur in
Stichworten andeuten können: Die fast ein Jahr dauernde Rolle der
Soldatenräte, den Einsatz August Winnigs als Reichskommissar für die zu
Anfang 1919 ganz besonders durch die Russen bedrohte Provinz, das Auftauchen
des Gedankens für ein selbständiges Ostpreußen, der Kampf in Königsberg
gegen die kommunistischen Matrosen am 3. März 1919, das Verhältnis zu den
Grenznachbarn Litauen und Polen, die Ereignisse im Baltikum und ihre Folgen,
die Maßnahmen zum Schutze der Provinz und die Einwohnerwehren, die Aufgaben
der mobilen Kreiskommissare, der späteren Kreisräte, der „Ostdeutsche
Heimatdienst", Winnig als Nachfolger Batockis im Oberpräsidium, der
Kapp-Putsch und die Verabschiedung Winnigs, der schildert. 

Übertritt von 50 000 Russen der von den Polen geschlagenen Sowjetarmee über
die ostpreußische Grenze und ihre Unterbringung in Arys. Und endlich die
Tätigkeit des Stadtrats Barowski als Reichskommissar mit der Aufgabe, die
Vorgänge des Kapp-Putsches in Ostpreußen zu untersuchen. Die Volksabstimmung
am 11. Juli 1920 rundet das Bild der Ereignisse ab, die Dr. Klatt in leicht
lesbarer und spannender Art (hier bricht der Absatz ab).
 
Der starke ostpreußische Abwehrwille gegen jeden Versuch der Losreißung
heimatlichen Landes tritt jederzeit klar hervor, ebenso aber auch die
Tüchtigkeit der Verwaltungsbehörden, denen der Staat über die Staatsform
ging", und die unter tausend Schwierigkeiten die Provinz vor völligem
Zusammenbruch bewahrten. Neue Aufbaukräfte konnten sich daraus entwickeln.
Ein interessantes Kapitel ostpreußischer Geschichte. Dr. W. Gr. 

Ellen Pröbstel: Reisen in Europa. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh. 480
Seiten mit 222 Schwarzweißfotos und 36 Kartenskizzen. Gln.,DM 9,80.
In diesen Tagen, Wochen und Monaten geht die Reisewelle wieder hoch. Wovon
man in grauen Wintertagen geträumt hat, das soll nun Wirklichkeit werden.
Urlaub - Reisen - Ausland, drei Begriffe und drei Wünsche. Reisen von Dr.
Ellen Pröbstel in der Reihe der Praktischen Ratgeber des C. Bertelsmann
Verlages ist gerade zur rechten Zeit erschienen, um bei der Verwirklichung
der Träume und Pläne Hilfestellung zu leisten. Es erschließt in klarer,
übersichtlicher Form alle europäischen Länder, gleich ob die Sehnsucht der
deutschen Heimat oder der Fremde jenseits ihrer Grenzen gilt, erleichtert
die Reisevorbereitungen durch praktische Winke und beantwortet die
wichtigsten Fragen, ob es sich nun bei Einzel- und Gesellschaftsfahrten
handelt. Ein buntes Bild der Länder Europas gibt einen ausgezeichneten
Überblick auch über das Land der jeweiligen Sehnsucht, macht Vorschläge für
Rundfahrten und reizvolle Abstecher und gibt eine instruktive Beschreibung
der Landschaften, die sinnvoll nach touristischen Gesichtspunkten
untergliedert ist. Geschichte, Klima, Landschaft, Städte und Dörfer, die
Menschen, ihre Kunst und Kultur, Sitten und Gebräuche, alles das findet man
in diesem Buch, das auch unterwegs ein unentbehrlicher Ratgeber sein wird.

Water Meckauer – Mensch und Werk. Festschrift zum 70. Geburtstag des
Dichters. Hrsg. von Joachim Zeuschner. Bergstadtverlag Wilh. Gottl. Korn,
München, 46 Seiten, engl. brosch. DM 1,80.
Zum 70. Geburtstag des namhaften, aus Schlesien stammenden Dichters Walter
Meckauer erschien diese Festschrift, die neben einem Selbstporträt,
Werkproben, einer Bibliographie, Beiträge von Hermann Hesse, Erich Kästner,
Kasimir Edschmid, Gerhart Pohl, Friedrich Bischoff und anderen enthält.
Fotos auf Kunstdrucktafeln ergänzen das Lebensbild. Aus dem Schaffen dieses
bedeutenden ostdeutschen Dichters seien hier nur seine letzten beiden
Erfolgsbücher genannt „Die Sterne fallen herab“ und „Viel Wasser floss den
Strom hinab“.

[OWP] Frage zu Gebuehren Diozoesanarchiv Thorn

Date: 2016/12/10 12:21:55
From: paculli <paculli(a)web.de>

   Hallo in die Forscherrunde.

   Habe vor zwei Wochen eine Anfrage zu Heiratsurkunden an das Kirchl.
   Archiv in Thorn gestellt.

   In der Antwort wurde mir mitgeteilt:
   - das eine Vorabeinzahlung von 95 PLN zu taetigen ist,
   - Kopien nicht erstellt werden, nur beglaubigte Abschriften,
   - die in gekuerzter Form 25 PLN
   - in vollem Umfang 35 PLN kosten.
   - eine Stunde der Suche kostet 40 PLN.

   Ist dies so der normale Ablauf?

   Mit freundlichem Gruss

   Ulrich (Packeisen)

Re: [OWP] Koll, Bruno Sterbeanzeige

Date: 2016/12/10 12:43:43
From: Ralf Wenn <wenninger(a)gmx.net>

Hallo,
ein Bruno Koll aus Wormditt lebte bis vor wenigen Jahren auch in Pinneberg.
Gruß Ralf


> Gesendet: Samstag, 10. Dezember 2016 um 09:32 Uhr
> Von: sawischlewski(a)freenet.de
> An: ow-preussen-l(a)genealogy.net
> Betreff: [OWP] Koll, Bruno Sterbeanzeige
>
> Hallo und guten Morgen,
>  
> Sterbeanzeige in der Celleschen Zeitung vom 10. Dez. 2016:
>  
> Landwirt Bruno Koll
> * 5.8.1925 in Bischofstein/ Ostpr.
> + 8.12.2016 in Höfer Krs. Celle
>  
> Lothar Koll, Hauptstr. 18, 29361 Höfer/ Krs. Celle
>  
> HG Dieter Sawischlewski
> 
> 
> ---
> Die Bundesliga hat begonnen! Alle Tore, alle Ergebnisse, alle News: Pocket Liga jetzt im AppStore oder Google Play Store herunterladen - kostenlos!
> _______________________________________________
> OW-Preussen-L mailing list
> OW-Preussen-L(a)genealogy.net
> http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
>

[OWP] Links zu Archiven in Polen gesucht

Date: 2016/12/10 14:14:56
From: kurt . kriegel <kurt.kriegel(a)arcor.de>

Liebe Listenmitglieder,

leider habe ich durch einen Computerabsturz meine Internetadressen
der Archive in Polen verloren.

Ich würde gerne nach Urkunden in Ostpreussen suchen.
Wenn jemand so nett wäre mir entsprechende links zu schicken.

Schöne Grüße und danke.

Gruß Kurt

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 05 vom Mai 1959

Date: 2016/12/10 14:27:21
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 11   Wir gratulieren!
Diamantene Hochzeit
Eheleute Johann Turowski und Auguste Turowski, geb. Feders, aus Ostpreußen
am 4. April 1959 in Winsen, Lassrönner Weg. 

Goldene Hochzeit 
Eheleute Andreas Thates und Maria Thates, geb. Wobbe, aus Frauenburg-Dom am
25. Mai 1959 in Bremen, Löhnhorster Straße 5. 

Eheleute Paul Narzinski und Maria Narzinski, geb. Teschner, aus Baumgarten,
Kr. Stuhm/Westpr., am 19. April 1959 in Raven, Kr. Winsen. 

Eheleute August Urban und Martha Urban, geb. Kunz, aus Tilsit-Ragnit am 17.
April 1959 in Rüpsel, Kreis Zeven. 

82. Geburtstag 
Maria Danehl, aus Allenstein am 4. Mai 1959 in Berlin-Steglitz, Schöneberger
Straße 15/II, wo sie bei ihrer Tochter Frieda ihren Lebensabend verbringt. 

78. Geburtstag 
Charlotte Schmidt, geb. Böhnke, Landwirtswitwe aus Nosewitz, Kr. Mohrungen,
am 24. Mai 1959 in Bornhausen 26 über Seesen. 

Mai 1959-Geburtstagskinder in Flensburg 
Amalie Schule, aus Königsberg am 2. Mai 1959, 81 Jahre, wohnhaft
Turnierstraße 5. 

August Beyer, aus Wenkendorf bei Gerdauen am 4. Mai 1959, 81 Jahre, wohnhaft
Friedheim 26. 

Michael Penellis, aus Memel am 8. Mai 1959, 75 Jahre, wohnhaft Lager
Westerallee. 

Elisabeth Rosenkranz, aus Königsberg am 14. Mai 1959, 80 Jahre, wohnhaft
Falkenberg 28. 

Rosalie Bergmann, aus Königsberg am 15. Mai 1959, 86 Jahre, wohnhaft
Dorotheenstraße 24. 

Max Trepp, aus Cranz am 18. Mai 1959, 70 Jahre, wohnhaft Flurstraße 27. 

Hans Lubitzki, aus Nordenburg am 26. Mai 1959, 75 Jahre, wohnhaft Bergstraße
22. 

Ferdinand Neumann, aus Königsberg am 28 Mai 1959, 93 Jahre, wohnhaft
Mathildenstraße 6. 

Berta Hirschfelder aus Neumünsterberg am 30. Mai 1959, 96 Jahre, wohnhaft
Schiffbrücke 65.

Johann Sakuth, aus Nidden am 30. Mai 1959, 83 Jahre, wohnhaft Hafendamm 52. 


Leo Liedeka, aus Tilsit am 30. Mai 1959, 70 Jahre, wohnhaft Kastanienweg 8. 

Das Heimatblatt der Ost- und Westpreußen, die „Ostpreußen-Warte", gratuliert
allen Jubilaren von Herzen und wünscht recht viel Glück und auch weiter
beste Gesundheit. 

Seite 11   Kameradschaft Luftgau I 
Anschrift: W. Gramsch, Celle, Waldweg 83. 
Sondertreffen Pfingsten in Berlin. 
Das von der Landsmannschaft Ostpreußen angesetzte Deutschlandtreffen wurde
aus triftigen Gründen abgesagt. Trotzdem wollen wir, wie beabsichtigt, unser
Sondertreffen in Berlin durchführen.
Wir kommen also am ersten Feiertag ab 13 Uhr im Restaurant „Zum
Mecklenburger"- Berlin-Wilmersdorf, Mecklenburgische Straße 57a, mit unseren
Berliner Kameraden zusammen. Ich brauche aber unbedingt die Anmeldung der
Teilnehmer, damit wir einen entsprechend der Teilnehmerzahl großen Raum
reserviert bekommen und sich die Gaststätte mit den Vorbereitungen für das
Essen einrichten kann. Ich bitte daher, dieses zu beachten! 

Suchdienst
Gesucht werden von der Unterkunftsstelle des Fliegerhorstes Neuhausen:
Reg.-Insp. Beckmann sowie die Angestellten Helmut Kemsath, Rudolf Ziemer,
Gustav Ehlert, Franz Albrecht und Konrad Wienskowski von Hermann Poschka,
Oberhausen/Rhld., Konradstr. 126 (bei Krogull).

Seite 11   Geheimrat Dr. Ernst Volkmann gestorben. Der Schöpfer der Danziger
Guldenwährung.
Am 27. März (Karfreitag) 1959, starb in seinem Ruhesitz in Hamburg mit 78
Jahren Geheimrat Dr. jur. et rer. pol. Ernst Volkmann, Finanzsenator i.R.
der Freien Stadt Danzig und Ehrenbürger der Technischen Hochschule in
Danzig. Als der Schöpfer der Danziger Guldenwährung in Anlehnung an das
englische Pfund gelang ihm 1923 die Regelung dieser Währungsfrage, die in
maßgebenden Finanzkreisen als eine Musterlösung anerkannt wurde. Ihn reizte
die neue große Aufgabe, die Finanzen des neugeschaffenen Freistaates Danzig
neu aufzubauen und ihm unter Trennung von der wertlos gewordenen deutschen
Reichswährung eine eigene Währung zu schaffen. Geheimrat Volkmann brachte
1921, als er seine Berufung nach Danzig erhielt, reiche fachliche
Erfahrungen aus dem preußischen Finanzministerium sowie in der
Kolonialverwaltung mit, in der er bereits eine Währungsreform durchgeführt
hatte. 

Ernst Volkmann wurde am 25. Februar 1881 in Kettwig an der Ruhr geboren und
studierte nach Absolvierung des Abiturientenexamens 1899 die Rechts- und
Staatswissenschaften in Tübingen, Halle und Bonn. Als Regierungsassessor war
er 1907 beim Landratsamt in Harburg tätig und arbeitete 1908 als Referent im
Reichskolonialamt. Von 1909 bis 1910 war Volkmann Finanz- und
Handelsreferent beim Gouvernement in Deutsch-Ostafrika, machte im folgenden
Jahre Studienreise in Afrika und im Orient und im Jahre 1914 in Westafrika.
Von 1911 bis 1918 war er Etatreferent im Reichskolonialamt, 1918 wurde er
Vortragender Rat im preußischen Finanzministerium, wo er bis 1920 als
Generalreferent verblieb. Aus diesem Amtsbereich wählte ihn der Danziger
Volkstag im Januar 1921 zum hauptamtlichen Senator für die Finanzen der
Freien Stadt Danzig. Die Überleitung der Freien Stadt Danzig in ein
einheitliches Zoll- und Wirtschaftsgebiet mit der Republik Polen unter
Wahrung einer eigenen Danziger Zollverwaltung und die Sicherung eines
entsprechenden Zollanteiles Danzigs als Rückgrat der staatlichen
Finanzgebarung müssen Geheimrat Volkmann als ein bleibendes Verdienst
staatspolitischen Wirkens anerkannt werden. 

Mehr noch aber bleibt sein Name verbunden mit der von ihm zielbewusst
durchgeführten Schöpfung der Danziger Guldenwährung. Auf den Danziger
Kleinmünzen von 5 und 10 Pfg. sah man in der Charakterisierung dieses
„Fischgeldes" eine Flunder und einen Pomuchel (Dorsch). Die Silbermünzen der
Guldenwährung (2- und 5-Guldenstück) zeigten die Abbildungen einer alten
Danziger Kogge und der Oberpfarrkirche von St. Marien. Der Danziger
20-Goldgulden wurde nur in ganz beschränktem Umfange ausgegeben. 

Innerhalb und außerhalb Danzigs und ganz besonders vor den Organen des
Völkerbundes in Genf vermochte sich Geheimrat Volkmann in den oft
schwierigsten Auseinandersetzungen, u. a. bei der Regelung des
Zollverteilungsschlüssels mit der Republik Polen, für eine gesunde
Finanzpolitik und für die Aufrechterhaltung der Stabilität des Danziger
Guldens erfolgreich durchzusetzen. Nach dem Ausscheiden als Finanzsenator
(1928) übernahm er einen Lehrauftrag für Rechts- und Staatswissenschaften an
der Technischen Hochschule in Danzig. In seinem schönen Villenwohnsitz im
„Haus am Meere" in Zoppot mit dem herrlichen Weitblick über die Ostsee nach
Hela reiften reiche Früchte seiner umfangreichen Goethe-Forschungen, wofür
ihm die Auszeichnung mit der Goethe-Medaille zuteilwurde. Aus seiner
Bücherliebhaberei wurde Geheimrat Volkmann zum sachkundigen Bibliophilen.
Die gesammelte Buchgraphik Chodowieckis gehörte zum wertvollsten Bestand
seiner reichen Bücherschätze. Sie alle aber gingen im Wüten der Kriegsfurie
von 1945 verloren. Die deutsche Bibliophilie würdigte die hohen
schöngeistigen Verdienste Dr. Volkmanns dadurch, dass sie ihn zum
Ehrenvorsitzenden der Gesellschaft der Bibliophilen e. V. erwählte. Der
Dichter Wilhelm Schäfer, selbst Ehrenmitglied der deutschen Bibliophilen,
machte sich schon zum 70. Geburtstag Dr. Volkmanns in der führenden
bibliophilen Fachliteratur zum Sprecher der verdienten Würdigung des
Jubilars. Aufgeschlossen auch allen sonstigen schöngeistigen und kulturellen
Bestrebungen, betätigte er sich ebenso im Dienste anerkennenswerter tat
kräftiger Förderung der weltbekannt gewordenen Zoppoter Waldoper, über aller
Bitterkeit der Vertreibung aus der liebgewordenen Heimstätte am Meer trug er
diese harten Schicksalsschläge mit einer bewundernswerten Seelengröße. Nach
56 Tagen beschwerlichster einsamer Wanderungen als Vertriebener landete er
schließlich in bejammernswerten Zustand in Flensburg, um danach in Hamburg
die letzte Bleibe finden zu können. Arthur Lenz 

Seite 11   Urkunden-Abschriften aus polnisch besetzten Gebieten 
Wie das „Zentrale Katholische Kirchenbuchamt und Kath. Archiv für
Heimatvertriebene" in München mitteilt, können von dieser Stelle jetzt
wieder Abschriften von Geburts-, Tauf-, Heirats- und Sterbeurkunden aus den
unter polnischer Verwaltung stehenden deutschen Ostgebieten beschafft
werden. Das Münchner Kirchenamt leitet entsprechende Anträge von
Vertriebenen an das polnische Kirchenamt in Warschau weiter, das sich
seinerseits mit den entsprechenden Pfarrämtern in Verbindung setzt. 

Seite 11   Turnerfamilie Ostpreußen-Danzig-Westpreußen
Anschrift: Wilhelm Alm, (23) Oldenburg (Oldb.), Gotenstraße 33. 
Herzliche Geburtstagsglückwünsche allen Kindern des Maien! 

am 02.05.1959: Erhard Granicky (KTC Königsberg), 20 Jahre; 

am 01.05.1959: Kurt Semrau und Hartwig Elten (beide TuF Danzig), 30 Jahre; 

am 18.05.1959: Elisabeth Makowski-Borchert (KMTV Königsberg), 40 Jahre; 
am 20.05.1959: Helmut Feyerabend (MTV Wehlau), 40 Jahre; 

am 04.05.1959: Walter Lambert (Tgm. Danzig),  50 Jahre;
am 11.05.1959: Ewald Mauritz (TV Marienwerder), 50 Jahre;
am 13.05.1959: Frida Pohl-Amort (TV Dz.-Neufahrwasser), 50 Jahre;
am 16.05.1959: Gertrud Kaiser-Treder (TV Zoppot), 50 Jahre; 
am 30.05.1959: Rosemarie Choitz-Lengwenat (KTC Königsberg),50 Jahre;
am 31.05.1959: Frau Eriki (wahrscheinlich Erika) Korittki (KTC Königsberg),
50 Jahre;

am 07.05.1959: Walter Schwiderski (MTV Lyck), 60 Jahre; 
am 22.05.1959: Erich Hübsch (KMTV Königsberg), 60 Jahre;

am 03.05.1959: Johannes Hippler (Ponarth und KMTV Königsberg), 70 Jahre; 

am 04.05.1959: Robert Sander (Tgm. und TuF Danzig), 81 Jahre;

am 21.05.1959: Karl Schüleit (Tilsit u. KMTV Königsberg), 83 Jahre; 

am 15.05.1959: Richard Schirrmann, der Vater des Jugendherbergswerks
(Turnlehrervereinigung), 85 Jahre.

Das Deutschlandtreffen der Landsmannschaft Ostpreußen Pfingsten 1959 in der
Hauptstadt Berlin ist abgesagt worden. In den Pfingstfeiertagen findet aber
in Berlin ein Landestreffen der Gruppe Berlin der Landsmannschaft Ostpreußen
statt, zu dem alle Landsleute aus der Bundesrepublik herzlich eingeladen
sind. Unter diesen Umständen wollen wir auf einen besonderen gemeinsamen
Turnertreffpunkt in Berlin während des Treffens verzichten. Die Ostpreußen
treffen sich am 17. Mai nach der Kundgebung in der Waldbühne kreisweise in
Berliner Gaststätten, die im Veranstaltungsplan aufgeführt sind. Dort ist
auch die günstigste Gelegenheit, dass sich die in Berlin ansässigen
ostpreußischen Turner und die am Pfingsttreffen als Gäste-teilnehmden
Turnbrüder vereinsweise zusammenfinden und alte Erinnerungen austauschen. 
Auf Wiedersehen in Berlin! 

KMTV 1842 Königsberg 
Tbr. Dr. Lothar Winter weilte zu Ostern kurze Zeit aus den USA zu Besuch in
Deutschland. Leider reichte die Zeit nicht, um alle vor der Reise geplanten
Besuche zu machen. Lothar lässt alle Turnfreunde herzlichst grüßen. — 

Wer kann mir die Anschrift des "früheren KMTVers Kubatz mitteilen? Auch die
Anschriften von Helga Ludewig. Gerda Utcke und Helga WorguII in meiner
Kartei stimmen nicht mehr. 

Zoppoter Turnverein: 
Tschw. Erika Pelz geb. Moritz und Manfred Pelz zeigen die Geburt des
Stammhalters Holger Pelz am 04.04.1959 an. Herzliche Glückwünsche! Alles
Gute für Eltern und Kind! 

Macht das Tor auf! Für uns norddeutsche Turner ist es eine Ehrenpflicht, die
Verbindung zu unsern Turnschwestern und Turnbrüder in der DDR zu pflegen und
nicht abreißen zu lassen, damit der Glaube an eine Wiedervereinigung
Deutschlands in Recht und Freiheit auf friedlichem Wege hüben und drüben
nicht verlorengeht! Macht das Tor auf! Wir Turner verlangen Freizügigkeit in
ganz Deutschland! Onkel Wilhelm

Seite 11   Landbriefträger Ernst Trostmann erzählt. (69)
Liebe ostpreißische Landsleite! 
Wenn ich an zu Haus denk und in meine Erinnerung rumkraasseln tu, denn
erscheinen alle meegliche drollige Leite vor mein geistiges Auge, wo ich all
längst vergessen hadd. Es is ganz merkwirdig, se tauchen mit eins aus die
Versenkung auf und sind da. 

So ging mir vor e paar Tage mittem Burgschat und mittem Zwillus. Der
Burgschat war e Krugwirt und sprach immer e bißche ruckweis, das heißt, er
mussd jedes Mal orndlich Anlauf nehmen, indem er stottern tat. Der Zwillus
war e Besitzer und hadd gut zweihundert Morgen schwerem Weizenboden und ein
kürzeres Bein. Deshalb hinkd er beim Gehen. Er war e bissche klogschietrig
und machd ieberall viel Wind, wo er hinkam. Und die beide hatten sich immer
beim Wischkoll, wo se sich bloß trafen. Jeder bemiehd sich, dem andern
reinzulegen. 

Wie der Zwillus nu mal zu Hause Ärger mit seine Frau kriegd, tat er sich per
Telefong beim Burgschat inne Stadt anmelden und bestelld e gutes, ruhiges
Einbettzimmer. Und wie er angekommen war und dem Burgschat begrießt hadd,
trank er mit ihm drei Steinhäger, und denn fragd er: „Weißt, was das is?"
Dabei tippt er sich mittem Zeigefinger gegne Back und sagt „pick, pick!" 

„Wie soll ich das wissen", meind der Burgsdiat.  

„Na ja, das is ja von dir auch zu viel verlangt. Aber Mensch, das is doch
ganz einfach. Das is e Mann mit einem kurzen Arm. Der reicht nich ganz rauf
bis am Kopp und will dir begreiflich machen, dass du vonne Kluck behuckt und
leicht angebrietet bist“ 

„Wart", dachd der Burgschat, „ich krieg dich schon“. Und laut sagd er: „Du
bist mir e schee-scheener Freind! Und ich bin --so-dammlich und
zerbrech--mir--mir dem Kopp fier--dich. Weißt, wie es machen musst, dass
kei-keiner merkt, dass - du-du-beim Gehen-hi-hinken tust?" 

„Na wie", sagd der Zwillus. 
„Du mu—musst- mit dem kurzen Bei-Bein aufem-Bü-Bürgersteig gehen u--und mit
dem langen im Ri-Rinnstein“. 
„Das is e gutes Rezept", meind der Zwillus, „aber weißt, was du tun musst,
dass nich mehr stotterst?" 

„Na?" 
„Du musst de Fress halten!" 

So haben se sich noch e ganze Weil angeflaumt und auch noch e paar
Steinhäger getrunken. E paar Stammgäste kamen auch noch zu und amesierden
sich ganz aasig ieber die beide. Denn wurd der Zwillus mied und ging
schlafen. Aber es dauerd nich lang, da kam er im Schimpfens de Trepp runter,
de Hosenträger baumelden ihm hinten runter, das kurze Bein ging aufem
Schlorr, das lange aufem Sock. Er haud mitte Faust aufem Tisch, dass de
Biergläser tanzden, und brilld: „E scheene Schweinerei is das hier! Vor drei
Tag hab ich mich angemeldet, und inzwischen habt ihr nich emal Zeit gehabt,
dem Nachttopp auszugießen. Mir scheint, der steht all drei Wochen
unausgekippt im Nachttisch. Ich muss schon sagen, das is wirklich „das erste
Haus am Platze". 

Da sprang der Burgschat auf und sagd, und er kriegd gar nich schnell genug
de Wörter raus: „Das ist e-e Unverschämtheit, da-das is nich wa-wahr. Bei
mir is - or – Ordnung“. 

„Ja", unterbrach ihm der Zwillus, „da liegt der Kamm aufe Butter, und da
steht der Patscheimer aufem Klavier. Bitte, meine Herren, kommen Se aller
mit rauf und sehen Se sich das an“. 

Nun standen se aller auf und gingen mit ihm rauf nach oben, um sich zu
ieberzeigen. Und richtig, der Topp war bald voll, bis am Rand. 

„Siehst", sagd der Zwillus, „was sagst nu? Nu bist platt wie e
Dittche-Briefmark. Das wird sich nu ja schnell rumsprechen, wie orndlich du
dein Hotel fiehrst“. 

Aber statt dass der Burgschat nu verlegen wurd und sich entschuldgen tat,
fing er mit eins an, ganz laut zu lachen, dass er direkt e blauem Kopp
kriegd, und denn sagd er, immer im Prustens: „Jetz ha - hab - ich di-dich
doch ma-mal gekriegt, du Klo-KIo-Klogschieter! Wei-weisst, was da-das is?
Das is - is be-bester Moselwei-wein äußem Ke-Keller. Der Na-Na-Nachtstopp is
ja ga-ganz nei gekau-kauft, und ich hab zwei Fla-Flaschen reinge—gegossen —
als Begrie-grie-grie-ßungstrunk fier di-dich. Pa-papass auf, ich sag jetzt —
pro - prost!" Damit nahm er dem Topp in beide Hände und trank e ordentlichem
Schluck. Denn reichd er ihm weiter an seine Stammgäste, und die ließen sich
nich zweimal auffordern, denn so billig kriegden se sonst nich beim
Burgschat zu trinken. Der aber strahld iebers ganze Gesicht, dass ihm der
Spaß gelungen und dass der Zwillus dadrauf reingefallen war. Der Zwillus
ließ dem Kopp hängen und sagd vor Boß garnuscht. Was solld er auch sagen!
Alle gönnden es ihm, dass er auch emal aufgelaufen war. Erst zuletzt, wie
der Topp rundrum gegangen und nu natierlich all halb ausgetrunken war und er
nur selbst  rankam zum trinken, sagd er, — in solche Situatzjohnen sprach er
meistens plattdeitsch: „Öck Schoapskopp! Wenn öck gewusst hadd, dat dat Wien
ös, hadd öck dem Topp doch alleen utgesoape, on nich eerscht rönge . . ." 

Ja, das sind so Sachen! In meine Kompanie wurd einem Kamerad von unsre Stub
— das war im ersten Krieg — e Stick Speck gestohlen. Er ärgerd sich und
machd Meldung aufe  Schreibstub. Beim Antreten sagd der Spieß, dass de ganze
Kompanie e Stund nachexerzieren muss, wenn der Speckdieb sich nich melden
tut. Das tat dem Kameraden wieder leid, und er zog seine Meldung zurick,
indem er sagd: „Herr Feldwebel, so schlimm is das ja auch nich mit die
Scheibe Speck. Ich lauf mir doch leider so leicht durch beim Marschieren,
und denn hab ich mir mit die Speckscheibe immer abends dem Wolf eingerieben,
dass er schneller beheilt“. 

Da kippd der rechte Fliegelmann vonnes zweite Glied nach vorne um und haud
mitte Tuntel aufes Kochgeschirr von seinem Vordermann, weil ihm mit eins
iebel wurd, und nu wussd der Feldwebel und de ganze Kompanie auch foorts,
wer dem Speck geklaut und gegessen hadd. 

Das mit die Ziege is auch im Krieg passiert. Wie de Leite aller auf Karten
lebden und dem Schmachtriemen enger schnallen mussden, besonders inne Stadt,
da kam der alte Sußminkat auf dem Gedanken, sich e Zieg zu halten, dass se
wenigstens scheene fette Milch hadden. Es war ja e bissche miehsam, mittem
Handwagen rauszufahren und Grienfutter zu besorgen, und fierem Winter mussd
er fier teires Geld Heu kaufen, aber de Zieg gab gut Milch, und das freid
dem Sußminkat. Und wie er seinem Nachbar stolz von seine Ziege erzählen tat,
da fragd ihm der, wo er ihr denn lässt, e Stall hadd er doch nich, bloß so e
kleines Kaburrche aufem Hof fier Holz unterzupacken. Da konnd sich vleicht e
Ganter umdrehen, aber keine Zieg. 

„Na", meind der Sußminkat, „wir haben doch e scheenem Balkong. Der is doch
ganz ideal fier unsre Zieg. Da hat se frische Luft und kann immer hin und
her spazieren gehen. Da hat se doch bestimmt nuscht auszustehen. Wir haben
jedenfalls dem Eindruck, dass se sich aufem Balkong sehr wohl fühlt“.
 „Und wo lasst ihr de Zieg inne Nacht? Bleibt se draußen, auch wenn kalt
is?" 

„I wo", sagd der Sußminkat, „dass se sich vleicht erkältet und de Grippe
kriegt! Dazu is se uns zu wertvoll. Deshalb nehmen wir ihr jede Nacht inne
Schlafstub rein“. 
„Inne Schlafstub?" sagd der Nachbar, „aber Mensch, das stinkt doch!" 
„Ach wo", sagd der Sußminkat, „dadran hat unsre Zieg sich sehr schnell
gewehnt“. 
Frohe Pfingsten winsch ich Ihnen, meine lieben Landsleite, und verabschiede
mich fier heite mit herzlichen Heimatgrießen! 
Ihr alter Ernst Trostmann, Landbriefträger z. A.

Re: [OWP] Links zu Archiven in Polen gesucht

Date: 2016/12/10 14:31:57
From: Dieter Sommerfeld <info(a)sommerfeldfamilien.net>



Am 10.12.2016 um 14:14 schrieb kurt.kriegel(a)arcor.de:
Leider habe ich durch einen Computerabsturz meine Internetadressen
der Archive in Polen verloren.
[...]
Wenn jemand so nett wäre mir entsprechende links zu schicken.

-

Archive und Genealogie-Vereine im hetigen Polen:
http://ahnen-navi.de/viewforum.php?f=130

Dieter Sommerfeld, Hamburg

AHNEN-NAVI:
http://ahnen-navi.de

SOMMERFELD-FORUM:
http://forum.sommerfeldfamilien.net

DAG-FORUM 'Zukunft braucht Erinnerung':
http://dag-forum.de

TRANSOCEANIC EMIGRATION FORUM /
ÜBERSEEISCHE AUSWANDERUNG:
http://transoceanic-emigration.net


Re: [OWP] Links zu Archiven in Polen gesucht

Date: 2016/12/10 15:25:07
From: kurt . kriegel <kurt.kriegel(a)arcor.de>

 Vielen Dank!


----- Original Nachricht ----
Von:     Dieter Sommerfeld <info(a)sommerfeldfamilien.net>
An:      OW-Preussen-L <ow-preussen-l(a)genealogy.net>
Datum:   10.12.2016 14:31
Betreff: Re: [OWP] Links zu Archiven in Polen gesucht

> 
> 
> Am 10.12.2016 um 14:14 schrieb kurt.kriegel(a)arcor.de:
> > Leider habe ich durch einen Computerabsturz meine Internetadressen
> > der Archive in Polen verloren.
> > [...]
> > Wenn jemand so nett wäre mir entsprechende links zu schicken.
> 
> -
> 
> Archive und Genealogie-Vereine im hetigen Polen:
> http://ahnen-navi.de/viewforum.php?f=130
> 
>   
> Dieter Sommerfeld, Hamburg
> 
> AHNEN-NAVI:
> http://ahnen-navi.de
> 
> SOMMERFELD-FORUM:
> http://forum.sommerfeldfamilien.net
> 
> DAG-FORUM 'Zukunft braucht Erinnerung':
> http://dag-forum.de
> 
> TRANSOCEANIC EMIGRATION FORUM /
> ÜBERSEEISCHE AUSWANDERUNG:
> http://transoceanic-emigration.net
> 
> 
> _______________________________________________
> OW-Preussen-L mailing list
> OW-Preussen-L(a)genealogy.net
> http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l
>

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 05 vom Mai 1959

Date: 2016/12/10 15:38:31
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 12   Achtung Königsberger! 
Gesucht werden in dringender Hypothekenangelegenheit Beamte oder Angestellte
der Stadtsparkasse Königsberg/Pr., Hauptstelle Kneiphöfsche Langgasse.
Nachricht erbeten an E. R. Pélissier, Oberpostinspektor a. D., Frankfurt/M.,
Mechtildstraße 17.

Seite 12   Aus den Landsmannschaften
Wiesbaden
Über den letzten Heimatabend der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen
gab der Berichterstatter des „Wiesbadener Kurier" ein eindrucksvolles Bild,
das wir gern anstelle eines Eigenberichtes unseren Lesern zur Kenntnis
bringen: „In die Heimat zurück führte der Schriftsteller und Herausgeber der
„Ostdeutschen Monatshefte" Carl Lange die Mitglieder der Landsmannschaft der
Ost- und Westpreußen, als er über den „Anteil des deutschen Ostens am
Geistesleben der Gegenwart" sprach. Bilder der Landschaft wurden in seinen
Schilderungen anschaulich: die alten Burgen der Ritter vom
Deutschherrenorden, das deutsche Bild der Städte und die breit gelagerten
Gutshöfe mit ihren Pferde- und Rinderherden, die großen Ströme und die
idyllischen Seen, die Steilküste und die Wanderdünen an der Ostsee — alles
das zusammengefasst in den Gedanken und Gefühlen der Heimatliebe und besonnt
von unverwischbaren Erinnerungen. Diese Liebe entschied schon nach dem
ersten Weltkrieg über die Existenz des Landes bei der Abstimmung. Sie ist
auch heute wieder die treibende Kraft des Wunsches, die Heimat
wiederzugewinnen und ihr die Treue zu bewahren. Carl Lange arbeitete vor
allem den Einfluss großer Persönlichkeiten Ost- und Westpreußens in der
Geistesgeschichte Deutschlands heraus. Zu ihnen gehörten in älterer Zeit
Simon Dach, der Astronom Kopernikus mit seinem umstürzenden Weltbild, Opitz,
der Gründer einer Dichterschule in Danzig, Herder, Hamann und Kant, E. T.
Hoffmann Schopenhauer haben die Literatur und Philosophie stark beeinflusst.
Vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in unsere Zeit waren Hermann Sudermann,
Dichter des „Katzensteg" und der „Frau Sorge", Max Halbe, Ernst Wiechert,
Lovis Corinth und Agnes Miegel gewichtige Stimmen aus dem Osten und Träger
einer individuellen, starken, eigenwüchsigen Geisteskultur, deren Einfluss
im Gesamtbild Deutschlands nie verlöschen kann. Der Vortrag wurde mit
herzlichem Dank entgegengenommen“. 

Hof / Saale 
Im „Blauen Stern" hielt die Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen ihre
gutbesuchte Monatsversammlung ab, in deren Mittelpunkt ein von Studienrat
Wolf gehaltener Lichtbildervortrag stand. Der Redner ließ die Versammelten
an Hand ausgewählter Bilder an einer Reise durch Belgien teilnehmen, die er
anlässlich der Weltausstellung unternommen hatte. In oft phantastisch
schönen Aufnahmen zogen die Sehenswürdigkeiten dieses Landes vorüber. Die
Versammelten dankten mit herzlichem Beifall für diesen interessanten
Vortrag. 

Der erste Vorsitzende, Studienrat Bergner, hatte eingangs die Versammlung
eröffnet und bekanntgegeben, dass der Jahresausflug in den Raum
Kulmbach-Stadtsteinach am 31. Mai unternommen wird. Am 13. Mai wird Dr.
Radzimowski einen Lichtbildervortrag halten über eine Reise durch Portugal,
Spanien und Südfrankreich. Der Vorsitzende würdigte dann den 300. Todestag
von Simon Dach und führte zum Schluss eine englische Pressestimme an, dass
die an der Autobahn in der Nähe der Zonengrenze stehenden Wegweiser nach
Danzig und Königsberg „in schlichter Weise daran erinnern, ein Ziel
beständig im Auge zu haben, darauf zu hoffen und dafür zu arbeiten, es unter
veränderten Verhältnissen zu erreichen". 

Amberg 
In der Jahreshauptversammlung der Ostdeutschen Landsmannschaft wurde der
langjährige erste Vorsitzende Dr. Asmus für seine Verdienste um die
Landsmannschaft zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Von einer Neuwahl bat er
jedoch aus beruflichen Gründen abzusehen. Der Vorstand für das laufende
Geschäftsjahr setzt sich zusammen: 1. Vorsitzender Graf Keyserlingk, 2.
Vorsitzender und Organisationsleiter Lm. Behrens, Kassa Lm. Katruss und
Augustat, Schriftführer Frau Behrens und Frau Marchlewitz, Kultur Frau
Schumacher, Jugendleiter Lm. Koschorz. Zu Beisitzern wurden gewählt: Pfarrer
Klein und die Landsleute Zipser, Rippa, Knischewski, Peterson. Fiek,
Marchlewitz und Lankowski. 

Lübbecke 
Mit einem Gedenken an die jüngst verstorbenen Mitglieder eröffnete der
Vorsitzende, Lm. Hardt, den Heimatabend, in dessen Mittelpunkt ein
Lichtbildervortrag von Lm. Engel über die Gaststadt und deren Umgebung
stand. Zu sozialen Fragen sprach Lm. Pieper, während der Vorsitzende einen
Überblick über die politische Lage gab. 

Seesen am Harz 
Erhebend und eindrucksvoll verlief die Feierstunde zum 80. Geburtstag von
Agnes Miegel im Festsaal des Ratskellers, die sich um die Wiedergabe der
Schallplattenaufnahme „Heimatland Ostpreußen" mit der warmen und frischen
Stimme der Dichterin konzentrierte. An dem reichhaltigen Programm wirkten
Lieselotte Donnermann, Lina Fahlke, Ilona Liedtke und Obmann Papendick mit
Lesungen Gedichtrezitationen und einem Grußwort mit. Den musikalischen Teil
der Feierstunde bestritten die Altistin Lilo Bretschneider und Annemarie
Patett (Klavier). 

Langelsheim 
Die Volkshumoristin Lina Fahlke (Seesen früher Pillau) wird die Kulturstunde
unseres Heimatabends am 9. Mai gestalten und mit einem ernsten Auftakt unter
dem Motto „Ruf der Heimat" einleiten. Im Hauptteil „Humor der Heimat" wird
die bekannte Vortragskünstlerin die ostpreußischen Humoristen Robert
Johannes, Dr. Lau, Wilhelm Reichermann u. a. interpretieren. Diesen
fröhlichen Abend sollte niemand versäumen! 

Seite 12   Wertvolle heimatkundliche Arbeit 
Die Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher (AGoFF) —
hervorgegangen aus dem Zusammenschluss schlesischer Familienforscher (1948)
mit Forschern aus den anderen deutschen Ostgebieten — ist die größte
familienkundliche Organisation, die sich mit dem deutschen Osten befasst.
Sie hat Ende 1958 durch Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht
in Herne einen weiteren wichtigen Abschnitt in ihrem organisatorischen
Aufbau erreicht. 

Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist, die famlienkundliche Forschung für den
ostdeutschen Raum weiterzuführen und zu fördern in der Erkenntnis, dass
dadurch eine bleibende Verbindung zur ostdeutschen Heimat geschaffen wird.
Dieses Ziel soll erreicht werden durch: 

1) Zusammenschluss aller Genealogen, die bis 1945 östlich der
Oder-Neiße-Linie wohnten, aus diesem Raum stammen oder deren
Forschungsbelange dort liegen; 

2) Geistig genealogische Verbindung der Heimatvertriebenen ostdeutscher
verwandter Familien im westdeutschen Raum; 

3) verbilligten Bezug der Zeitschrift „Ostdeutsche Familienkunde" für die
Mitglieder; 

4) verbilligten Abdruck von Forschungsergebnissen, namentlich Arbeiten
geringeren Umfangs, deren Veröffentlichung — und damit Sicherung — sonst
nicht möglich wäre in dem von der AGoFF herausgegebene: „Archiv Ostdeutscher
Familienforscher"; 

5) Sammeln und Auswerten von Stamm- und Ahnenlisten und sonstiger
familienkundlicher Aufzeichnungen oder Veröffentlichungen aus dem Ostraum
bei den für die verschiedenen Landschaften errichteten Forschungsstellen; 

6) Auskünfte an die Mitglieder aus dem Material der Forschungsstellen und
ihre Beratung in allen fachlichen Fragen. 

Durch enge Verbindung mit der „Bücherei des deutschen Ostens" in Herne wird
auch das reiche Material an dieser Stelle für die Mitglieder nutzbar
gemacht. Anfragen sind zu richten an: Dr. Hans Bartsch, Kassel, Kölnische
Straße 58.

Seite 12   Ostverein für Prüfung von Gebrauchshunden zur Jagd. 
Anschrift: Dr. Gehrmann-Gr. Neumühl, Münster 1. Westf., Norbertstr. 1. 
An der Gestaltung des im Dezember des Vorjahres in Lüneburg eröffneten
„Ostpreußischen Jagdmuseums, Wild, Wald und Pferde Ostpreußens e. V." konnte
der Ostverein durch Einreichung von Dokumenten, Bildern, Berichten usw.
einen wertvollen Beitrag leisten. Dem Wirken des Ostvereins in der Heimat
war durch Überlassung einer Kabinenwand Rechnung getragen. Eine Erweiterung
der Dokumentation ist vorgesehen, wie meine persönliche Rücksprache mit
Forstmeister Löffke in Lüneburg ergab. Wer noch Dokumente aus der Geschichte
des Ostvereins besitzt, möge mir diese zu treuen Händen für das Jagdmuseum,
die Sammelstätte ostpreußischer Jagdtradition, überlassen. Forstmeister
Löffke erklärte sich seinerseits bereit, mir gewisse Dokumente zur
Vervielfältigung zu überlassen, wodurch sicher unseren Mitgliedern,
besonders den älteren, manche Freude bereitet werden kann. Es kann unseren
Mitgliedern nur empfohlen werden, das Jagdmuseum zu besuchen und sich an den
Trophäen und den vielen, vielen Stücken jagdlichen und heimatlichen Erlebens
zu erfreuen. 

Große, Freude hat überall unser neues Vereins-Abzeichen hervorgerufen. Das
Abzeichen wurde bereits allen Mitgliedern zugestellt. Viele Dankschreiben
gingen hier ein. Der Gedanke, für die alten Mitglieder in Anlehnung an
frühere Zeiten Anhänger mit den Zahlen 25 und 40 im Eichenkranz zu schaffen,
musste wegen der Preisfrage fallen gelassen werden. Dafür wurden diese
Abzeichen versilbert resp. vergoldet geliefert. Da Otto Wenck ein altes
Mitgliederverzeichnis ausgegraben hatte, konnte jeder das ihm zustehende
Abzeichen erhalten. 

Das Abzeichen in Gold tragen die Mitglieder: 
Ulmer-Quanditten, 
Strüvy-Gr. Peisten, 
Sauerhering-Elbing, 
Otto Wenck-Königsberg, 
Dr. Gehrmann-Gr. Neumühl; 

in Silber: 
Dr. Lackner, 
Rechtsanwalt Dr. Kather und Dr. Wienert aus Königsberg, 
Dr. Hilbrig-Insterburg, 
Amtsgerichtsrat Schulz-Fischhausen. 

Der Unterzeichnete nahm wiederum an der Generalversammlung des
Gebrauchshundeverbandes am 22. Februar 1959 zu Goslar teil. Es war ein
Ehrentag des Verbandes und auch des Ostvereins, wurde doch vor 60 Jahren,
wie Präsident Ostermann ausführte, der Gebrauchshundverband gegründet. Zu
den drei Gründervereinen gehörte auch der Ostverein. Großen Beifall
spendeten die vielen, vielen Delegierten und Gäste dem Vertreter des
Ostvereins, als er dem Präsidenten Ostermann unser goldenes Vereinsabzeichen
überreichte in Erinnerung an die treue Zusammenarbeit zwischen Ostverein und
Verband in langen Jahrzehnten und die vielen Verbandsschlachten, bei denen
der Ostverein wohl nie fehlte, sowie in Dankbarkeit für die Förderung, die
der Verband durch seinen Präsidenten dem Ostverein angedeihen ließ. Nur so
war es möglich, dass nach diesem Kriege der Ostverein wenigstens als
Traditionsverein bestehen bleiben und dem Verband weiter angehören konnte.
Mit bewegten Worten dankte Herr Ostermann für die Ehrung, die uns überall
große Sympathien eingetragen hat. 

Unserem Bemühen, ist es gelungen, alte Mitglieder auszukundschaften und neue
zu werben: 
Lankau-Metgethen, 
Dr. Grigat-Allenburg, 
Dr. Reimer-Adl. Schilleninken, 
Horst Kupfer, ein Meisterdresseur des Westens und Enkel unseres alten Herrn
Kupfer-Wilmsdorf, 
die beiden Söhne von Dr. Albrecht-Hasseldamm, 
Pastor A. und Dipl.-Landwirt Albrecht, 
Frau Gertrud Wenck, 
Horst Forderung, 
Dr. Wallat-Willuhnen, OLFM. 
Dombois-Königsberg, 
die Revierförster Paul Schindowski und Horst Schindowski-Mühling, 
Landgerichtsrat Steckel-Königsberg, 
Direktor Graf-Königsberg. 

Ich bitte um Angabe von Adressen alter Mitglieder und solcher die es werden
wollen. 
Dr. Gehrmann, Groß-Neumühl

Re: [OWP] Links zu Archiven in Polen gesucht

Date: 2016/12/10 15:38:34
From: Mark F Rabideau <linux(a)eirenicon.org>

Hier sind ein paar Thousande:

http://www.many-roads.com/manyroads-services/german-prussian-genealogy-aids/

Pax vobiscum,

Pax vobiscum,
...mark

------------------------------------------------------------------------

*Mark F. Rabideau,* *Owner/ Manager of:
PEP, Inc. & eirenicon l.l.c. +1.303.660.9400*
711 Nob Hill Trail - Franktown, Colorado USA - 80116
CMMI Institute Authorized High Maturity SCAMPI Lead Appraiser # 0100059-00
SIX SIGMA Master Black Belt Certificate #3167140TY463591U
*PEP, Inc*.:_http://www.pep-inc.com_ <http://www.pep-inc.com/> *eirenicon l.l.c.*:_http://www.eirenicon.org_ <http://www.eirenicon.org/> */Envision-It!/*: _http://www.envision-it.org_ <http://www.envision-it.org/>

/*"*//*The privilege of a lifetime is being who you are.*//*"
*//*- Joseph Campbell*/

------------------------------------------------------------------------

/*The information transmitted is intended only for the person or entity to which it is addressed and may contain confidential and/or privileged material. Any review, retransmission, dissemination or other use of, or taking of any action in reliance upon, this information by persons or entities other than the intended recipient is prohibited. If you received this in error, please contact the sender and delete the material from any computer.*/

On 12/10/2016 06:14 AM, kurt.kriegel(a)arcor.de wrote:
Liebe Listenmitglieder,

leider habe ich durch einen Computerabsturz meine Internetadressen
der Archive in Polen verloren.

Ich würde gerne nach Urkunden in Ostpreussen suchen.
Wenn jemand so nett wäre mir entsprechende links zu schicken.

Schöne Grüße und danke.

Gruß Kurt
_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l


[OWP] Frage zu Gebuehren Diozoesanarchiv Thorn

Date: 2016/12/10 23:05:14
From: paculli <paculli(a)web.de>

   Hallo in die Forscherrunde.

   Habe vor zwei Wochen eine Anfrage zu Heiratsurkunden an das Kirchl.
   Archiv in Thorn gestellt.

   In der Antwort wurde mir mitgeteilt:
   - das eine Vorabeinzahlung von 95 PLN zu taetigen ist,
   - Kopien nicht erstellt werden, nur beglaubigte Abschriften,
   - die in gekuerzter Form 25 PLN
   - in vollem Umfang 35 PLN kosten.
   - eine Stunde der Suche kostet 40 PLN.

   Ist dies so der normale Ablauf?

   Mit freundlichem Gruss

   Ulrich (Packeisen)

[OWP] Mircrofilm Scanner gesucht

Date: 2016/12/10 23:17:28
From: athiel(a)t-online.de <athiel(a)t-online.de>

Hallo Listenleser!
 
Für die Erstellung einer hochauflösenden, digitalen Erfassung von 5 Stück 
35 mm Microfilmrollen bzgl. eines ostpreussischen Kirchspiels, lfd. Meter 
ca. bis 30-40 m, evtl. weniger je Film benötige ich einen entsprechenden 
professionellen Microfilm-Scanner z.B. aus nach Bauart von Zeutschel, 
ScanPro oder ähnlich.
 
Einen solchen Scanner  o.g.  oder anderer Bauart möchte ich lediglich 
leihen, wenn kostenmässig interessant, gerne auch für weitere Projekte 
kaufen.
 
Bitte auf meinen Beitrag keine Hinweise schicken zu:
 
-Bauanleitungen für Scanner
-Digi-Scanner
- Auftragsdienste für Mircroscan-Verfilmungen
-Eine Abgabe der Verfilmung ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich
 
Über ernsthaft gemeinte Angebote zum Verleih /Verkauf von professionellen 
Microfilm-Scannern würde ich mich sehr freuen.
Für Anbieter eines MF-Scanners gebe ich gerne weitere Informationen zum 
Thema ab.
Die Ergebnisse der Digitalisierung sollen nach Fertigstellung der 
Auswertung allen Ahnenforschern in Ostpreussen in Form eines weiteren OFB 
zugänglich sein.
 
Bitte kontaktieren Sie mich in dieser Angelegenheit privat: 
athiel(a)t-online.de <mailto:athiel(a)t-online.de> und NICHT über die Liste!
Besten Dank
A, Thiel
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Re: [OWP] Frage zu Gebuehren Diozoesanarchiv Thorn

Date: 2016/12/10 23:32:42
From: gerdrudolfscholz <gerdrudolfscholz(a)t-online.de>

Hallo Ulrich,
ich hatte vor ca. 5 Jahren im kath. Archiv in Stettin 2 Geburtsurkunden bestellt.
Ich bekam nur sog. "Abschriften" in denen alles polnisch war.
Aus "Krüger" wurde "Kryger" oder "Krygera", aus "Wilhem" wurde "Vilem", aus "Hedwig"
wurde "Jadwiga", usw.
30€ Anzahlung wurden verlangt, die beiden "Abschriften" kosteten nochmals 30€. Die Preise in den staatlichen Archiven waren deutlich günstiger und dort fertigte man
Fotos an.
Also, erstmal nachfragen, wie so eine "Abschrift" denn aussieht, eine buchstabengetreue
Wiedergabe oder eine totale Übersetzung ins Polnische.
Viel Erfolg!
Gerd aus Ritterhude



-----Ursprüngliche Nachricht----- From: paculli(a)web.de
Sent: Saturday, December 10, 2016 11:05 PM
To: ow-preussen-l(a)genealogy.net
Subject: [OWP] Frage zu Gebuehren Diozoesanarchiv Thorn

  Hallo in die Forscherrunde.

  Habe vor zwei Wochen eine Anfrage zu Heiratsurkunden an das Kirchl.
  Archiv in Thorn gestellt.

  In der Antwort wurde mir mitgeteilt:
  - das eine Vorabeinzahlung von 95 PLN zu taetigen ist,
  - Kopien nicht erstellt werden, nur beglaubigte Abschriften,
  - die in gekuerzter Form 25 PLN
  - in vollem Umfang 35 PLN kosten.
  - eine Stunde der Suche kostet 40 PLN.

  Ist dies so der normale Ablauf?

  Mit freundlichem Gruss

  Ulrich (Packeisen)
_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l

[OWP] Literaturhinweis: Biographisches Handbuch der p reußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740-1806 /15

Date: 2016/12/11 14:32:42
From: Andreas Meininger <a.meininger(a)freenet.de>

Weitergeleitete Nachricht:

> -----weitergeleitete Nachricht-----
> Von: Thomas Engelhardt 
> Gesendet: So. 11.12.2016 14:17
> An: sachsen-anhalt-l(a)genealogy.net
> Betreff: [S-A] Rud. Fch. GELPKE, preuß. Hofrat
>
>
> Hallo Tim,
>
> direkt weiterhelfen kann ich ebenfalls nicht.
> Jedoch seien zwei ggf. weiterführende Veröff. genannt:
>
> Rolf Straubl: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740-1806/15
> München: Verlag De Gruyter Saur, 2009
> Teil 1: Biographien A - L (604 S.)
> Teil 2: Biographien M - Z (S. 605 - 1180)
>
> (= Einzelveröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs Bnd. 7) 
> (= Einzelveröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, Bnd. 85)
>
> sowie
>
> Fritz JUNTKE (Bearb.): Matrikel der ... Uni Halle- Wittenberg 1690- 1730, Halle 1960
> Charlotte Lydia Preuß (Bearb.): dito, Band 2 1730-1741, Halle, 1994. 
>
> siehe auch hier 
>http://wiki-de.genealogy.net/Martin-Luther-Universität_Halle-Wittenberg/Matrikel/Veröffentlichungen
>
>
> --> Klappentext zu „Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten
> 1740-1806/15“:
> Das biographische Handbuch beinhaltet 3650 Kurzbiographien von Verwaltungs- und Justizbeamten, die zwischen
> 1740 und 1806/15 in den preußischen Provinzial- und Zentralbehörden tätig waren. Die Artikel enthalten
> neben den Lebensdaten einschlägige Angaben über die soziale und regionale Herkunft, Schul- und
> Universitätsbesuche sowie über die berufliche Laufbahn. Die meisten der erfassten Beamten finden sich in
> keinem anderen biographischen Lexikon. Ausgewertet wurden unter anderem Bestallungs- und Prüfungsakten. Jedem
> Artikel folgt ein knappes Literatur- und Quellenverzeichnis. 
>
>
>
> Message: 2
> Date: Sat, 10 Dec 2016 23:49:43 +0100
> From: "Tim Walter via Sachsen-Anhalt-L"
>
> Subject: [S-A] Gelpke / Fuhrmanns
>
>
> ich suche die Herkunft und Vorfahren des Rudolph Friedrich GELPKE und seiner Ehefrau, eine geborene FUHRMANNS,
> die ich im heutigen Sachsen-Anhalt vermute.
> Er war kgl. preuß. Hofrat und Postmeister in Lippstadt in Westfalen, wo er am 07.07.1758 beerdigt wurde.
> Seine Frau wurde bereits am 18.11.1748 dort beerdigt. Sie wohnten spätestens seit 1719 in Lippstadt, eine
> Tochter wurde aber 1716 wo anders geboren. Ein Sohn, der ebenfalls nicht in Lippstadt geboren wurde, Friedrich
> Wilhelm, studierte ab 1733 in Duisburg Rechtswissenschaften, vorher studierte er aber zu Halle. Gibt es eine
> Matrikel der Studenten in Halle zu der Zeit? Hat jemand zufälliger Weise weitere Informationen über das Paar
> oder über eine der Familien?
>
> Vielen Dank und liebe Grüße
>
> Tim (Walter)
>
>
> _______________________________________________
> Sachsen-Anhalt-L mailing list
> Sachsen-Anhalt-L(a)genealogy.net
>http://list.genealogy.net/mm/listinfo/sachsen-anhalt-l
>
>
> -----weitergeleitete Nachricht Ende-----


Re: [OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 05 vom Mai 1959

Date: 2016/12/11 17:15:20
From: Ahnen-Pool <info(a)ahnen-pool.info>



Mit freundlichen Grüßen

Franz-Jörg (Becker) aus der
Messestadt Leipzig

e-Mail to: 
info(a)ahnen-pool.info	

Meine Datenbank ist -
vielleicht auch durch Ihre /
deine Hilfe - wie folgt
gewachsen:
______________________________
______________________________
______________________________
______________________________
______

"Der Ahnen - Pool" - Eine
ostpreußische Datenbank
vorwiegend für den Kreis
Ebenrode (Stallupönen) und
teilweise 
seine Nachbarkreise. Sie
enthält gegenwärtig in 271.167
Personen- und 74.104
Familiensätzen auch Angaben
über 
eingewanderte Kolonisten, die
Flucht, Kriegsschauplätze und
die neuen Heimatorte in 27.410
Orten und Ortsteilen.
______________________________
______________________________
______________________________
______________________________
_______

-----Ursprüngliche
Nachricht-----
Von:
ow-preussen-l-bounces(a)genealog
y.net
[mailto:ow-preussen-l-bounces@
genealogy.net] Im Auftrag von
Inge Barfels
Gesendet: Freitag, 9. Dezember
2016 22:11
An:
ow-preussen-l(a)genealogy.net
Betreff: [OWP]
Ostpreußen-Warte, Folge 05 vom
Mai 1959

Seite 7   Die wahrhafte
Historie vom ostpreußischen
Messerschlucker. Eine
fast unglaubliche Geschichte.
Anno 1635 hat sich am Morgen
des 29. Mai im ostpreußischen
Dorfe Grünwalde bei Landsberg
(Kr. Preußisch Eylau) folgende
Begebenheit wirklich
zugetragen. War es eine Folge
der ausgiebigen Zecherei am
Abend davor im Dorfkrug oder
das reichliche Abendbrot aus
dickem Erbsenbrei mit fetten
„Spirgeln" (gebratenes
Bauchfleisch) und saurer
Milch, jedenfalls verspürte
der Bauer Andreas Grünheide
beim Erwachen eine sehr große,
vom Magen kommende Übelkeit.
Um sie zu vertreiben, hat er
dann zu einem oft erprobten
Mittel gegriffen. Er fasste
einfach sein Messer zwischen
Daumen und Zeigefinger bei der
Spitze und ließ den hölzernen
Messergriff langsam in seinen
Schlund (der Chronist schreibt
„Schlunk") hinabbaumeln, damit
durch das Kitzeln des
Schlundes Erbrechen eintrete.
Diesmal schien dergleichen
jedoch wirkungslos zu bleiben
und so ließ der Bauer das
Messer immer tiefer und noch
tiefer in den Schlund
hinabgleiten, und dann — ja
dann hat er später nicht mehr
zu sagen gewusst, wie alles
gekommen war. Denn plötzlich
war das Messer den Fingern
entglitten, Andreas spürte nur
noch ein Würgen in der
Speiseröhre, er schluckte ein
paar Mal heftig, und dann war
das Messer nicht mehr da. Es
war fort, in den Schlund
hinuntergerutscht. 

Ganz begreiflich, dass Andreas
Grünheide es jetzt mit der
Angst zu tun bekam. In seiner
Not, er wusste sich sonst
keinen Rat, hat er schnell
eine Kanne des dicken
Landsberger Bieres in einem
Zuge ausgetrunken, um, wie er
sagte, „die Kehle zu
feuchten", sich auf den Kopf
gestellt, aber das Messer ist
nicht heraus gekommen. 

Da Grünheide ansonsten keine
sonderlichen Beschwerden
verspürte, ist er tagsüber
noch seiner Tätigkeit
nachgegangen, „hat aber gar
erschröckliche Angst gehabt,
der ungebetene Gast werde ihm
den Bauch durchschneiden".
Auch der Stuhl hat diesen
nicht zutage gebracht. Da hat
sich Andreas Grünheide in
seiner Betrübnis schließlich
an den Bürgermeister zu
Landsberg gewandt, und da
dieser auch keine Hilfe
gewusst, hat er den
Messerschlucker mit einem
Brieflein, worinnen alles
genau aufgeschrieben, an den
Professor und Hofmedicus
Beckherrn zu Königsberg
verwiesen. Der Professor hat
nach einer gründlichen
Untersuchung des Leibes
besagten Grünheides bedenklich
den Kopf geschüttelt und
vermeint, „dass solches eine
nicht geringe Sache wäre und
man dergleichen exempli außer
der Pragischen historia,
daselbsten auch einer
unverhofft ein Messer
hinabgeschlucket, und solches
durch einen Schnitt
herausgenommen worden, keine
anderen wüsste". 

Da aber ernstiglich zu
befürchten gewesen ist, dass
der arme Teufel mit solchem
Mageninhalt über kurz oder
lang mit dem Leben abgehen
müssen, hat sich in dem
daraufhin von den doctores zu
Königsberg abgehaltenen
conventus medicorum
jedermänniglich dafür
entschieden, das Messer
vermittelst eines Schnittes
aus dem Magen wieder
herauszuholen. Um das Messer
aber nach oben zu locken,
müsse erst ein magnetisches
Pflaster auf den Leib gelegt
werden, da der Magnet
bekanntlich Eisen anziehe, was
auch bei dem Prager
Messerschlucker mit gutem
Erfolg angewendet worden sei.
Der Magnet wirke nämlich auf
eine Entfernung von einem
halben Fuß, und so tief läge
das Messer ja nicht unter der
Haut. Die magnetische Wirkung
könne man durch ein
„ziehendes" Mittel noch
verstärken, so dass das Messer
dann durch einen Hautschnitt
unschwer aus dem ihm nicht
gebührenden Ort herauszuholen,
sei. 

Während des ganzen conzilium
haben die gelehrten Herren
lateinisch hin und her
disputiert, wovon Andreas
Grünheide nicht ein Wort
verstanden. Man hat ihm aber
zum Schluss bedeutet, dass
sich die doctores für
Schneiden entschieden haben,
womit selbiger sehr
einverstanden gewesen ist und
sich dafür bedanket habe. 

Der Tag der Operation ist auf
den 9. Juli festgelegt worden,
die der hinlänglich bekannte
Stein- und Wundarzt Daniel
Schwaben vorzunehmen sich
erbötig zeigte. Tags zuvor
wurde dem Andreas Grünheide
ein ziehendes Pflaster auf den
Leib gelegt, bestehend aus 2
Lot gepulvertem Magnetstein. 1
½ Quentlein Gänsedreck, 1 Unze
gestoßenem Bernstein und
Honig, und solches einen Tag
dort liegengelassen. Nachdem
der Patient zur Herzstärkung
„Perlenwasser" zu trinken
bekommen, also Wasser, in dem
zerstoßene Perlen aufgelöst
gewesen, hat man den Andreas
Grünheide nach einem
gemeinsamen Gebet, in dem die
Hilfe des Höchsten
inbrünstiglich angefleht
worden, auf ein Brett
gebunden. Die Körperstelle, wo
der Schnitt gemacht werden
sollte, ist mit Kohle
angezeichnet worden. Andreas
Grünheide hat keinerlei Angst
gezeigt und selbst zugesehen,
wie seine Bauchdecke mit einem
scharfen Messer aufgeschnitten
und der Magen vermittelst
einer krummen Nadel in die
Höhe gezogen worden ist. Dabei
ist ihm aber reichlich Schweiß
übers Gesicht gelaufen, auch
hat er zwischen Seufzen und
Stöhnen vernehmlich gebetet.
Doch konnte er sich nimmer
rühren, so fest ist er
angebunden gewesen. Alsbald
hat der Chirurg nach Abtasten
des Magens einen harten
Gegenstand darinnen verspüret,
den Magen behutsam
aufgeschnitten, mit seinen
eigenen Händen behutsam
hineingegriffen und dann mit
der rechten Hand das Messer
herausgeholt und es allen
Umstehenden triumphierend
gezeigt. Andreas Grünheide
aber hat mit kräftiger Stimme
freudig ausgerufen „Das ist
mein Messer!" und hat danach
greifen wollen. Die Wunde
jedoch, so berichtet der
Chronist weiter, „ist
daraufhin von selbst
zugeschnappet". 

Andreas Grünheide ist bald
danach völlig genesen, hat
fleißig werken und essen
können und ist erst Anno 1645
selig entschlafen. 

In der ganzen
wissenschaftlichen Welt hat
solches Geschehen gar großes
Aufsehen herfürgerufen. Die
Universität Leyden, damals die
berühmteste Europas, hat
sofort glaubhafte attesta vom
Rat der Altstadt Königsberg
und von der medizinischen
Fakultät der Albertina erbeten
und auch erhalten.
Wissenschaftliche Werke in
mancherlei Sprachen brachten
das in Kupfer gestochene
Konterfei des
Messerschluckers, das ihn mit
dem Messer in der einen Hand,
mit der anderen auf seinen
Bauch weisend, darstellt. Und
der Rat von Königsberg hat
solches sogar in Öl malen
lassen. Das Messer aber ist in
einem roten Samtfutteral
sorgsam zu Königsberg
aufbewahrt worden, von hoch
und niedrig bestaunt. Alsbald
ist König Wladislaw IV. von
Polen nach Königsberg
gekommen, sich das Messer
selbst anzusehen und es für
eine Zeit nach Warschau
auszubitten, um es den Großen
seines Landes zu zeigen. Und
Zar Peter der Große, der am
12. Juni 1697 in Königsberg
weilte, wollte das Messer
sogar kaufen, aber um keinen
Preis der Welt hat der Rat
dieses Kleinod hergegeben. 

Der Professor und Hofmedicus
Daniel Beckherrn hat dann Anno
1643 über diese fast
unglaubliche historia ein
dickes Buch geschrieben und es
in Königsberg drucken lassen
unter dem Titel „Historische
Beschreibung des preußischen
Messerschluckers".

Seite 7   Ratslinden. Von Ulli
Baltrusch 
Aus dem unveröffentlichten
Manuskript „Elegien um eine
verlorene Stadt (Königsberg)“ 

Hammer und Zwillingsteich
machen dich reich. 
Rasenplätze, verträumte Villen
leuchten aus deinen stillen
stadtvergessenen Ecken. 
Sie verstecken
das Ratshofes Schaffen. 
Hier lassen sie schlafen
den Menschen nach all seiner
Unruh
und decken ihn zu
mit grünenden Wegen
und Schluchten und Stegen
und lassen ihn atmen
der Landschaft Geschenk.

Seite 7   Schönes Königsberg
Foto: An der Lastadie im
Königsberger Speicherviertel,
im Hintergrund der Turm des
Schlosses. Foto: Löhrich

Seite 7   Das Ende der
Königsberger Stadtpost.
Interessantes aus der
ostpreußischen Postgeschichte.

Als der Große Kurfürst im
Jahre 1640 die. Regierung
übernahm, waren seine Länder
noch teilweise in den Händen
der Feinde, die ihre Truppen
vom besetzten Lande
unterhalten ließen.
Infolgedessen herrschte in
Kurbrandenburg große Not; die
Intraden flössen sehr spärlich
der Hofkasse zu. Kein Wunder,
dass der Statthalter der
Kurmark, Graf Adam von
Schwartzenberg, klagte: „. . .
die Hofrentei solche
Sterilität und Mangel zeigt,
dass die Posten nicht mehr
bestellt und die Boten gelöhnt
werden können. Auch werden die
kurfürstlichen Diener, die
höchsten und die niedrigsten,
keine Besoldung mehr empfangen
können, darum lamentieren sie
gar sehr und fatigieren mich".
Kein Wunder auch, dass der
junge Fürst nach
Einnahmequellen für seine
Hofkasse suchte und sie
nutzte, zumal da ihm von allen
Seiten offene Hände
entgegengestreckt wurden, die
gefüllt werden sollten und
mussten, wenn z. B. die
Belehnung mit dem Herzogtum
Preußen erlangt werden sollte.
Selbst der König von Polen
verlangte als Oberherr
beträchtliche Summen, ehe er
die Belehnung erteilte. 

Die Leere der Staatskasse geht
auch aus folgendem hervor: Die
drei je für sich verwalteten
Städte Königsbergs —
Löbenicht, Altstadt und
Kneiphof — unterhielten drei
angesehene Bürger als
Stadtboten, die den alten
Botenkurs nach Memel mit Wagen
versahen und die von Danzig
zugehenden Briefe zustellten.
Ein anderer, gleichfalls von
den drei Städten gewählter
Bürger beaufsichtigte den
Betrieb und führte den Titel
„Stadtpostmeister". Die
verhältnismäßig geringen
Beförderungsgebühren von 5
poln. Groschen nach Danzig und
Memel — das polnische Geld
stand sehr niedrig —
veranlassten die preußische
Regierung, für ihre Zwecke die
Königsberger Stadtpost
mitzubenutzen. Das war
angesichts der leeren
Staatskasse insofern von
Vorteil, als die Stadtboten
nach alter Observanz die
verauslagten
Beförderungsgelder immer erst
nach Ablauf eines
Vierteljahres einzogen. Wenn
dieses Vierteljahr abgelaufen
war, legten die Boten die
Rechnung vor, die in der Regel
100 poln. Gulden betrug. Die
Regierung konnte natürlich
nicht bezahlen und verlangte
meist Nachfrist. Da dies nach
Ablauf der Frist wiederum
verlangt wurde, gab es
unangenehme
Auseinandersetzungen mit den
Stadtboten, die die
kurfürstlichen Briefe nicht
mehr befördern wollten. 

Bei einer neuen
Auseinandersetzung mit den
Boten Anfang 1643, die
wiederum großen Lärm machten
und die Briefe der Regierung
ablehnten, war der Große
Kurfürst zufällig Zeuge. Das
Benehmen der Stadtboten gefiel
ihm natürlich nicht; nach
seiner Ansicht wären die
Stadtposten verpflichtet,
Regierungsbriefe unentgeltlich
zu befördern. Bei dieser
Gelegenheit erfuhr er, dass
sowohl die Boten als auch der
Postmeister durch das
Postwesen reiche Leute
geworden seien und nicht
allein in Königsberg, sondern
auch in Danzig. Kein Wunder,
dass er danach trachtete, die
Einnahmen seiner Staatskasse
zuzuführen. Die Übernahme des
Stadtbotenwesens musste jedoch
mit aller Vorsicht
durchgeführt werden, da
einerseits der Kaiser das
Postregal aller deutschen
Länder für sich beanspruchte
und anderseits der König von
Polen als Oberherr des
Herzogtums Preußen die
Machtkämpfe der Städte
unterstützte. 

Die erste Gelegenheit zur
Übernahme bot sich noch im
Januar 1643, als der
Stadtpostmeister gestorben
war, jedoch wurde sie aus
vorstehenden Gründen noch
nicht genutzt. 

Um das Amt hatte sich der
verarmte Kaufmann Hans Bünsing
beworben, der den Verstorbenen
schon seit zwei Jahren
unterstützt hatte. Die
Ratsherren hatten ihn
abgelehnt, darum wandte er
sich an den König als
Oberherrn und an den
Kurfürsten als Landesherrn und
beide empfahlen ihn. So gelang
es Bünsing, die Stadt zur
Austeilung der Bestallung vom
17.02.1643 zu zwingen. 

Zweifellos hatten sowohl der
Kurfürst als auch die
preußische Regierung erwartet,
dass Bünsing sich dankbar
zeigen und Entgegenkommen
beweisen würde. Dieser dachte
daran, keineswegs, sondern
strebte nach schneller
Gewinnung des ehemaligen
Reichtums. Dadurch erregte er
natürlich den Unwillen des
Landesherrn und freilich auch
seiner auswärts stationierten,
mit ihm korrespondierenden
Kollegen. Sein größter Feind
wurde der schwedische
Postmeister Vollrath Happach
in Riga, der mit Unterstützung
seiner Regierung seine Wagen
seit 1632 bis Memel und seit
1640 sogar bis Königsberg
fahren ließ. 

Anfang 1646 erschien in
Königsberg der Postmeister
Jacob Becker als Nachfolger
des Happach, um wegen
Einrichtung einer Reitpost von
Riga über Königsberg nach
Danzig Rücksprache zu nehmen.
Sein Vorhaben fand beim
Kurfürsten Beifall, der jetzt
die Gelegenheit vermutete, in
den Besitz der Stadtpost von
Königsberg zu gelangen. Die
bisherigen, Zurückhaltung
empfehlenden Gründe wurden
durch den schwedischen
Postmeister beiseite gerückt;
denn nun konnten alle Angriffe
der Gegner mit dem Hinweis auf
die schwedische Krone
zurückgewiesen werden. Beckers
Antrag wurde sogleich
genehmigt, aber freilich in
anderer Weise, als Becker
gedacht hatte. Um zum Ziele zu
kommen, musste er dem
kurfürstlichen Postmeister
alle Selbständigkeit für die
Verwaltung des Reitpostkurses
im brandenburgischen Kursteil
übertragen, ihm auch noch hohe
Beträge für die Unterhaltung
des Teilkurses zubilligen. So
war es möglich, bei
Gelegenheit den Eindringling
gleichfalls zu entfernen. 

Inzwischen hatte es der Große
Kurfürst verstanden, seine
Stellung als Landesherr von
Preußen zu festigen. Seine
Bestechungsgelder an mehrere
hohe Würdenträger in Warschau,
seine Partei am Königshof und
nicht zuletzt der Umstand,
dass der Erbkrieg zwischen
Polen und Schweden jeden
Augenblick ausbrechen könnte,
sorgten dafür, dass der
Kurfürst von polnischer Seite
keinen Gegenzug zu erwarten
brauchte; denn der König
wünschte ihn als Teilnehmer
und nicht als Gegner. So hatte
Brandenburg freie Hand, das
Postwesen in Königsberg zu
zerschlagen und es in eigene
Verwaltung zu übernehmen.
Gleichzeitig wurde auch die
Danziger Stadtpost vom Wege
nach Königsberg abgedrängt.
Alle Versuche der beiden
Städte, die nun gemeinsame
Sache machten, ihr Postregal
zur Geltung zu bringen, waren
vergeblich, da sie keine Macht
hinter sich hatten; denn auch
die Stadt Danzig stand unter
polnischer Oberhoheit. 

Der Königsberger
Stadtpostmeister wollte sich
nicht zufrieden geben, aber
seine Boten wurden verhaftet
und die Postsendungen der
brandenburgischen Post
übergeben. Die Stadtherren,
die nicht zu Gunsten
Brandenburgs eingegriffen
hatten, sondern mit
langatmigen Berichten das
Recht der Stadt zur Geltung
bringen wollten, wurden zu
einer hohen Geldstrafe
verurteilt, die der
Staatskasse zugutekamen. Und
die Schweden, die mit
Brandenburg die
Grenzverhandlungen in Stettin
führten und von Danzig
aufgefordert worden waren, in
den künftigen Vertrag eine
Bestimmung aufzunehmen, nach
der die Stadt Danzig ihren
langen Postkurs von Stettin
bis Königsberg wieder
einführen dürfte, wurden mit
Bestechungsgeldern dahin
gebracht, dass sie den
gewünschten und auch
versprochenen Passus zwar
mündlich erwähnten, aber nicht
schriftlich niederlegten.
Albert Gallitsch 

Seite 7   Flüchtlingslager in
Bayern leeren sich 
Arbeitsminister Walter Stain
teilt mit, dass sich die Zahl
der Flüchtlingslager in Bayern
erneut verringert hat. Seit
1959 sind 457 Lager
(76 699 Insassen) aufgelöst
worden. Weitere 92 Lager mit
16 844 Insassen wurden
ausgebaut und an die
Finanzverwaltung oder
Gemeinden übergeben. Am 1.
April 1959 bestanden in Bayern
noch neun Lager, in denen sich
1389 Personen befinden. Vier
dieser Lager stehen vor der
Auflösung; zum Teil werden sie
dazu benützt, vorübergehend
Flüchtlinge aus der Sowjetzone
oder Spätaussiedler
aufzunehmen. Seit 1949 konnten
von 100 891 Lagerinsassen 99
502 in Wohnungen untergebracht
werden.
 
Eine neue Belastung Bayerns
hat jedoch, wie der
Arbeitsminister betont, die
ständige Zuwanderung aus der
Sowjetzone gebracht. Die Zahl
der Lager für diese
Flüchtlinge ist von 1953 um 30
auf gegenwärtig 37 gestiegen.
In diesen
37 Lagern befinden sich
zurzeit 11058 Insassen. Ein
Teil davon, nämlich 6915, sind
jedoch Spätaussiedler. Da die
meisten Lager in ehemaligen
Kasernen eingerichtet werden
mussten, die Bundeswehr aber
die Freimachung der Kasernen
verlangt, hat man jetzt auf
vier alte Flüchtlingslager in
„Pocking, Ganacker,
Nürnberg-Schafhof und Augsburg
zurückgreifen müssen. 

In ähnlichem Umfang wie die
allgemeinen Flüchtlingslager
wurden in Bayern die Lager für
Ausländer abgebaut. Am 1.
April 1959 bestanden nur mehr
fünf Ausländerlager mit 1941
Insassen.

______________________________
_________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/l
istinfo/ow-preussen-l

[OWP] Kirchenbücher Ragnit

Date: 2016/12/11 19:24:31
From: Klaus-Dieter Schulze <kropperschulze(a)web.de>

Hallo, werte Listenteilnehmer in einer Zusammenstellung auf genwiki sind als
Quellen angegeben Rose, Grigoleit, LDS, EZA, DZfG. Was bedeuten die Abkürzungen
und ist eine der Datensammlungen auch online verfügbar?
Suche einen Geburtseintrag vom 28.12.1835 für Gottlieb PESCHEL und vom
26.07.1840 für seine spätere Ehefrau Emilie HORL.
MFG Klaus-Dieter Schulze

Re: [OWP] Kirchenbücher Ragnit

Date: 2016/12/11 22:00:00
From: Norman U. Baltrusch <nbaltrusch(a)t-online.de>

Hallo Klaus-Dieter,

auf der zentralen Eingangsseite meiner KB-Übersicht findest Du (u.a. ganz unten) die notwendigen Informationen.

Viele Grüße
Norman 


-----Original-Nachricht-----
Betreff: [OWP] Kirchenbücher Ragnit
Datum: 2016-12-11T19:24:59+0100
Von: "Klaus-Dieter Schulze" <kropperschulze(a)web.de>
An: "ow-preussen-l(a)genealogy.net" <ow-preussen-l(a)genealogy.net>


Hallo, werte Listenteilnehmer in einer Zusammenstellung auf genwiki sind als
Quellen angegeben Rose, Grigoleit, LDS, EZA, DZfG. Was bedeuten die Abkürzungen
und ist eine der Datensammlungen auch online verfügbar?
Suche einen Geburtseintrag vom 28.12.1835 für Gottlieb PESCHEL und vom
26.07.1840 für seine spätere Ehefrau Emilie HORL.
MFG Klaus-Dieter Schulze
_______________________________________________
OW-Preussen-L mailing list
OW-Preussen-L(a)genealogy.net
http://list.genealogy.net/mm/listinfo/ow-preussen-l


[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 06 vom Juni 1959

Date: 2016/12/12 00:33:22
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Ostpreußen-Warte
Folge 06 vom Juni 1959

Seite 1   Foto: Posen 1959. Die Oper ist bis heute der Mittelpunkt des
geistigen Lebens geblieben. Der Spielplan ist großzügig in der Art seiner
Zugeständnisse an ausländische Besucher. In der Spielsaison des Herbstes
stand u. a. Humperdincks Märchenopfer „Hänsel und Gretel“ auf dem Spielplan
(siehe Reportage Seite 3). Foto: Schneege

Seite 1   Überalterung in Oder-Neiße-Gebieten. Polen verfolgen besorgt die
Landflucht und deren Folgen / Ständiges Hin und Her der Bevölkerung.
Das ständig wachsende Problem der starken Bevölkerungsfluktuationen in den
Oder-Neiße-Gebieten, die sich u. a. als eine Landflucht auswirken, bildet
gegenwärtig ein lebhaft von polnischen Zeitungen und polnischen
Rundfunksendern diskutiertes Thema. Eine Auswertung dieser Debatten ergibt,
dass die Fluktuationen vor allem die jüngeren und mittleren Jahrgänge
ergreifen, wodurch ein Ansteigen des durchschnittlichen Lebensalters der auf
dem Lande verbleibenden Bevölkerung herbeigeführt wird. Hand in Hand mit der
Verminderung der ländlichen Arbeitskräfte geht also ein Abfall der
Leistungsfähigkeit, welcher wiederum zu einem Absinken der
Agrarproduktivität und damit auch zu einer Zunahme der Zuschussbetriebe
führt. Diese Entwicklung drückt sich z.B. sehr deutlich in den steigenden
Defiziten der Staatsgüter aus. 

Interessante Schlaglichter zu diesen Feststellungen veröffentlichte neben
einigen anderen Blättern auch die in Grünberg erscheinende „Gazeta
Zielonogórska". Sie berichtet, dass allein im Raume Ostbrandenburg 1958
ungefähr tausend Eingaben von Landwirten eingegangen seien, die auf ihre
Höfe verzichtet hätten. Es würde in den Landgemeinden bereits von einer
„Massenerscheinung" gesprochen. Das Grünberger Blatt bestreitet zwar die
Stichhaltigkeit dieser Formulierung, kann jedoch nicht umhin, von einer
„gewissen Häufung der Verzichtanträge" in den Kreisen Grünberg (121), Sagan
(94), Neusalz (93) und Schwiebus (91) zu sprechen, um dann fortzufahren: „.
. . Interessant sind die Ursachen des Verzichts, die von den Bauern selbst
angegeben werden. An erster Stelle stehen das Alter der Besitzer, schlechter
Gesundheitszustand und das Fehlen von Arbeitskräften — am häufigsten infolge
des Fortganges der Kinder in andere Berufe. 

Die Grünberger Zeitung kommentiert diese Bilanz mit der Bemerkung, dass es
keine Gründe gebe, den Menschen nicht zu glauben. Die Arbeit auf dem Lande
sei schwer, es fehlten vielfach die Mittel für Investitionen und der „Drang
der erwachsenen Kinder nach den Reizen der Stadt" könne nicht abgestritten
werden. Hinzu komme der gewichtige Umstand, dass 80 v. Hundert derjenigen,
die ihre Wirtschaften verlassen oder verlassen wollen, „Bauern aus Zufall"
seien; sie geben ihre mangelnde fachliche Eignung sowie fehlende Kenntnisse
und Erfahrungen bei der Bodenbewirtschaftung und Viehhaltung offen zu. 

Als „besonders bitter und betrüblich" wird von der polnischen Publizistik
die Tatsache bezeichnet, dass nach wie vor Hunderte von Familien aus Dörfern
abwandern, in denen sie z. T. erst vor einigen Jahren oder gar Monaten
ansässig geworden sind; Menschen, von denen man hätte annehmen können, dass
sie gerade in den Oder-Neiße-Gebieten ihre „große Chance" sehen würden.
Jetzt kehren sie nach Polen zurück. Ihre Söhne und Töchter findet man in
Industriebetrieben. 

Die Landflucht und ihre Auswirkungen wurden auch vom Breslauer Rundfunk
behandelt, der in diesem Zusammenhang harte Worte an die polnischen Bauern
richtete, die er „starr", „übersteigert misstrauisch" und „überempfindlich"
nannte. Infolge des „ständigen Hin und Her der Bevölkerung" könne man heute
in bestimmten Gebieten Land zu Spottpreisen erwerben; das deute nicht
zuletzt auf eine „geringe Verbundenheit mit dem Lande" hin. Das Problem der
Landflucht werde nach unabsehbarer Zeit zu den zentralen Problemen Polens
gehören. Man dürfe daher auch nichts überstürzen, sondern müsse — „in
tiefgründiger Arbeit die besondere Situation des Dorfes und seiner Menschen
untersuchen", die sich in den einzelnen Landesteilen verschieden darbiete.

Seite 1   „Unüberlegte Versprechungen" 
„Wann werden die Versprechungen ein Ende nehmen?", fragt die in Danzig
erscheinende polnische Zeitung „Glos Wybrzeza" in einer Betrachtung über die
Missstände in der einstigen Freien Stadt. Reich an alarmierenden Meldungen
und Versprechungen sei der Herbst des vergangenen Jahres gewesen, schreibt
das Blatt und erinnert an die Berichte über die katastrophalen Zustände des
Danziger Kanalisationsnetzes, die in der Feststellung gegipfelt hätten, der
gute Name des Danziger Hafens sei gefährdet. „Man hätte erwarten können,
dass nunmehr mit den Arbeiten in vollem Umfange begonnen wird", meint die
Zeitung, um sodann zu erklären, dass ein neues Hindernis aufgetaucht sei,
nämlich das Fehlen der Pläne: „Dargestellt wurde die erste für unsere Stadt
so wesentliche Absicht ein gewöhnliches Versprechen“. Nicht weniger laut
habe man eine „Europäisierung" der Hauptstraße Danzigs bis Langfuhr und
Oliva erörtert und entsprechende Absichten geäußert. Aber auch hier habe
sich wieder gezeigt, dass „all dieses unüberlegte Versprechungen" waren. Das
seien nur zwei Beispiele für Versprechungen, erklärt die Zeitung
abschließend. Ihre Liste sei noch nicht vollständig und werde ohne Zweifel
erweitert. 

Seite 1   Rückwanderung zahlreicher Ukrainer 
Wie aus allgemein gut unterrichteten polnischen Exilkreisen verlautet, sind
im Verlaufe der letzten beiden Jahre mehr als 2000 ukrainische Familien aus
Ostpreußen allein in den Kreis Wlodawa zurückgekehrt, aus dem sie 1947
ausgesiedelt worden waren. Durch ihre Rückwanderung sei — so heißt es in den
polnischen Berichten weiter — eine „allgemein schwierige Situation"
entstanden, da von den seinerzeit verlassenen ukrainischen Gehöften viele
verfallen sind bzw. in andere Hände übergegangen waren. Die Nachbarn hätten
die Rückkehr der Ukrainer „mit sehr gemischten Gefühlen“ gesehen.

Seite 1   Millionenverluste in Braunsberger Gerberei 
Braunsberg sei einmal das „Klein-Athen des Nordens" genannt worden; heute
erinnere Braunsberg aber mehr an die Ruinen der Akropolis als an das
gelehrte Athen. Das stellt die Allensteiner Zeitung „Glos Olsztynski" fest.
Das Blatt berichtet sodann über den Teilaufbau einiger Industriebetriebe,
insbesondere der Gerberei, in der mehr als 200 Personen beschäftigt seien.
Eine kürzlich durchgeführte Inspektion habe allerdings allein für das Jahr
1958 Verluste in Höhe von über 1,3 Millionen Zloty ergeben. Das Versagen der
Betriebsführung sowie mangelhafte Verarbeitung der Häute und unsachgemäße
Lagerung hätten zu diesen Schäden geführt. Mehrfach sei von den vorgesetzten
Behörden die Ablösung einer Reihe leitender Angestellter gefordert worden;
diesen Wünschen habe man bis heute „wegen Kaderschwierigkeiten" nicht
entsprochen. „Glos Olsztynski" bemerkt, dass es „eine sehr bedenkliche
Erscheinung" sei, wenn es obersten Kontrollinstanzen nicht gelinge, ihre
Empfehlungen und Beschlüsse in die Tat umzusetzen. 

Seite 1   Stilliegende Industrie-Objekte 
Die „Trybuna Ludu" nimmt in einem längeren Beitrag unter der Überschrift
„Dunkle Flecken in einer hellen Landschaft" Stellung zu den ungenützten
Industrie-Objekten in den Oder-Neiße-Provinzen. Das Blatt bemerkt, dass es
noch eine ganze Reihe „herrenloser" Objekte gebe, die entweder als
Lagerräume genutzt werden oder auch ganz leer stehen. Dann aber existierten
auch Objekte, die als „bewirtschaftet" geführt werden; doch bei genauerem
Hinsehen zeige es sich, was das für eine „Bewirtschaftung" sei: die
Ausnutzung entspreche nicht im Mindesten den tatsächlichen Möglichkeiten.
Über die vergeblichen Bemühungen einsatzfreudiger Unternehmer, von den
zentralen Instanzen die Erlaubnis zur Nutzung dieses oder jenes Objektes zu
erwirken, bemerkt das Warschauer Blatt wörtlich: „Die Beamten ziehen
Grimassen, die Anträge passen ihnen nicht, und wenn sie sich heute
vielleicht auch einverstanden erklären, so erklären sie schon morgen etwas
anderes, z. B. dass das Objekt doch nicht recht passe, dass es zu weit
entfernt, dass es zu groß oder zu klein sei und überhaupt: warum denn ... ?
Und wenn sie endlich einen Entschluss fassen, beginnt der sprichwörtliche
Tanz um die Termine, und der Verlauf der ganzen Angelegenheit drängt
unwillkürlich den Gedanken an eine Fliege auf, die auf Pech spazieren geht“.


Seite 1   Wohnungsmangel führt zum Abzug von „Repatrianten" 
Das in Allenstein erscheinende Parteiblatt „Glos Olsztynski" berichtet über
Schwierigkeiten, die sich immer wieder bei der Einweisung von „Repatrianten"
aus der UdSSR ergeben. Die Vermittlung von Arbeitsplätzen gehe vielfach
rasch vonstatten, doch erweise es sich dann erst, dass nur eine
behelfsmäßige Unterbringung möglich ist. In diesen Fällen ziehen es die
Umsiedler zumeist vor, zu ihren Familienangehörigen oder auch anderswohin
weiterzuziehen. Gleichzeitig legten sie aber auch eine betonte Abneigung
gegen die Einweisung in Produktionsgenossenschaften an den Tag, und zwar
selbst dann, wenn ausreichender Wohnraum zur Verfügung gestellt wird. 

Seite 1   Neue Weichselbrücke 
Die polnische Presse berichtet von einem Plan, zwischen Kulm und Schwetz
eine neue Weichselbrücke zu errichten. Mit dem Bau, der drei Jahre dauern
soll, soll bereits im Frühjahr begonnen werden. An Baukosten wird der Betrag
von 20 Millionen Zloty angegeben.

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 06 vom Juni 1959

Date: 2016/12/12 00:34:33
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 2   In Polen wird heute wieder diskutiert. Geistige Elite Polens
interessiert an Kontakten mit dem Westen 
In Polen beginnt heute die Zeitrechnung mit 1956. Fast in jedem Gespräch,
das man als Westeuropäer in Warschau oder Krakau oder sonst irgendwo in
Polen hat, heißt es wieder und wieder „seit Gomulka kam" oder „seit dem
achten Plenum" oder „seit Posen". Die Freiheit, mit der heute in Polen
gesprochen, kritisiert wird, ist für den Besucher aus dem Westen
erstaunlich. Dabei sind die Offenheit und Aufgeschlossenheit bei Kommunisten
und Nichtkommunisten gleich groß. 

Man gibt offen zu, was vor 1956 falsch gemacht worden ist, aber auch dass in
dem Eifer, mit dem nun auf einmal alles völlig anders gemacht werden sollte,
manchmal auch das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde. Man sagt voller
Stolz, dass man sich heute in Polen nicht mehr fürchten muss. Allerdings
wird einem aber auch gerade von denen, die mit der größten Offenheit
sprechen, gesagt: „Dass wir heute atmen können, verdanken wir
Chruschtschow", und „merkt denn der Westen nicht, dass er mit seiner
dauernden Kritik an Chruschtschow nur den Stalinisten hilft?" 

Die Diskussionsfreiheit erstreckt sich vorläufig freilich nur begrenzt auf
das geschriebene Wort. Marek Hlaskos Film „Der achte Wochentag" ist immer
noch verboten —, aber über das Verbot wird offen gesprochen. Dabei ist man
allerdings der Meinung, dass Polen bessere Schriftsteller hat, die es wert
wären, in Deutschland bekannt zu sein, wie z. B. die katholische
Schriftstellerin Maria Dombrowska oder der Schriftsteller Adolf Rudnicki. 

Die moderne amerikanische, englische, französische und deutsche Literatur
ist bekannt. Übersetzungen der Werke der Weltliteratur kann man in allen
Buchauslagen sehen, über Pasternak wird mit Begeisterung gesprochen. In
einer katholischen Zeitschrift sah ich Übersetzungen von Werken von Heinrich
Böll, Elisabeth Langgässer, Albrecht Goes, Dieter Meichsner, Alfred Döblin
und Ernst Wiecherts „Missa sine nomine" angekündigt. 

Man diskutiert offen über die Propaganda und Schlagwort-Müdigkeit der
Menschen, und selbst am ersten Mai sah man verhältnismäßig wenige
Transparente an den Häuserwänden. Man ist interessiert an der modernen
Zeitungstechnik kapitalistischer Länder, und man erzählt hübsche und witzige
Geschichten über die Kinder, die sich auf ihre Art gegen politisierende
Märchen- und Kinderbücher zur Wehr setzen, wie z. B. die von dem kleinen
sechsjährigen Mädchen, das von der Mutti ein Märchen vorgelesen haben
möchte, „aber bitte nichts mit Kapitalismus und Marxismus". 

Dass die Offenheit in der Kritik ganz allgemein ist, konnte ich unter
anderem in Krakau feststellen bei dem jungen, intelligenten Taxichauffeur,
der uns in den völlig neu aufgebauten Arbeitervorort Nowa Huta — mit einem
der größten Hüttenwerke Polens — fuhr. Meilenweit erstreckten sich die
Neubauwohnblocks, die älteren im reinsten Stalin-Monumentalstil, die neuen
schön klarlinig, mit geschmackvoller Ausnützung von verschiedenfarbigen
Türen, Balkons usw. Voller Verachtung machte sich der junge Mann über diese
alten Beispiele des „sozialistischen Realismus" lustig und war ganz stolz
darauf, dass man jetzt in Polen anders und modern baut. Er fuhr in Krakau
voller Absicht durch zerbombte, ärmliche Hinterstraßen, denn ich sollte
alles sehen, auch das, was noch nicht gut ist! Auch sonst machte er aus
seinem Herzen ganz und gar keine Mördergrube. 

Die geistige Elite Polens ist sehr interessiert an Kontakten mit dem Westen,
vor allem auch mit der Bundesrepublik. Sie bedauert es, dass sich für sie
das Bild Deutschlands nur aus der Sicht der DDR darstellt. Sie ist
interessiert an einem Austausch von Zeitungen und Zeitschriften, und sie
würde genauso gern Aufführungen namhafter westdeutscher Bühnen sehen, wie z.
B. die Aufführungen des Dresdner Staatstheaters, das während meines
Aufenthaltes gerade mit Ernst Tollers „Feuer aus den Kesseln" gastierte.
Auch an einem Filmaustausch wäre sie interessiert. 

In Warschau gibt es verschiedene große, allen zugängliche Cafés und Clubs,
in denen man nicht nur alle namhaften Zeitungen und Zeitschriften der
Ostblockländer, sondern auch Europas und Amerikas kaufen und lesen kann.
Auch in den großen Hotels liegen westliche Zeitungen und Zeitschriften aus. 

Diese für einen Ostblockstaat große geistige Freiheit und Aufgeschlossenheit
bedeutet freilich nicht, dass die Polen zu den wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Zuständen von vor 1939 zurückkehren möchten. 

Seite 2   „Gesellschaftliche Offensive" gefordert 
Anknüpfend an Empfehlungen des stellvertretenden Staatsrats-Vorsitzenden,
Prof. Kulczynski, während der diesjährigen polnischen sogenannten „Woche der
Westgebiete" in den Oder-Neiße-Provinzen eine „stärkere gesellschaftliche
Aktivität und Initiative zu entfalten", führen Rundfunk und Presse
gegenwärtig einen neuen „Aufklärungs-Feldzug" durch. Es geht dabei um die
Unterrichtung der Bevölkerung über „Möglichkeiten einer stärkeren Betätigung
im Sinne der Ziele der Gesellschaft zur Entwicklung der Westgebiete".
Besonders ausführlich werden dabei u. a. Fragen der „richtigen
Entwicklungsproportionen" zwischen den polnischen Wojewodschaften und den
Oder-Neiße-Gebieten behandelt; darunter fallen 1. Probleme der
Landwirtschaft, 2. die „Aktivierung" der Häfen und Küstengebiete, 3.
Probleme des Bergbaues und 4. kulturelle Angelegenheiten. 

Im Zusammenhang mit der Forderung nach Schaffung „wirtschaftlicher Anreize"
für Angehörige bestimmter Mangelberufe wird zurzeit auch die Einführung von
Sonderprämien und Gehaltszulagen diskutiert, die an Handwerker und
Facharbeiter in den polnisch verwalteten Gebieten gezahlt werden sollen.
Ebenso ist man bemüht, die bisher sehr unbefriedigend verlaufene Ansiedlung
von Repatrianten aus der UdSSR in den Oder-Neiße-Gebieten verstärkt
fortzuführen. 

Seite 2   Ostpreußen auf der Südwest-Messe 
Schwenningen. Die Stadt Schwenningen am Neckar führt in der Zeit vom 13. -
21. Juni 1959 die 5. Industrie-, Handels- und Gewerbemesse „Südwest stellt
aus" durch, die von Kurt Georg Kiesinger, dem Ministerpräsidenten von
Baden-Württemberg, eröffnet wird. Es werden jedoch nicht nur über 700 Firmen
des In- und Auslandes einen Überblick über ihre Erzeugnisse und deren
Qualität geben, sondern zahlreiche Sonderschauen dazu die Bedeutung dieser
großen Regionalmesse unterstreichen. In einer der neunzehn Messehallen ist
so auch den Landsmannschaften der Heimatvertriebenen Raum gegeben worden, in
dem sie den Besuchern ihre unvergessene Heimat nahebringen können. Von
dieser Gelegenheit werden auch die Ostpreußen Gebrauch machen, die zugleich
hoffen, mit vielen Landsleuten zusammenzutreffen, zumal am 17. Juni eine
Großkundgebung der Heimatvertriebenen auf dem Messegelände stattfinden wird.


Seite 2   Hoffnungen vertriebener Landwirte unerfüllt 
Die Hoffnungen der vertriebenen und geflüchteten Landwirte auf eine
Verbesserung ihrer Altersversorgung haben sich auch nach der jüngsten (2)
Lesung der 11. Novelle zum LAG nicht erfüllt. Der Lastenausgleichsausschuss
des Bundestages sprach sich nur für eine geringfügige Erhöhung der
Unterhaltshilfe und Anhebung der Entschädigungsrente aus. Der Hauptforderung
der vertriebenen Bauern auf Anrechnung der Kriegsschadensrente für alle
ehemaligen Selbständigen sowie auf Zuerkennung der Unterhaltshilfe an diesen
Personenkreis auf Lebenszeit wurde nicht entsprochen. In diesem Zusammenhang
ist seitens des vertriebenen Landvolks die Durchführung einer Kundgebung für
den 21. Juni d. J. in Bad Godesberg geplant, auf der die Öffentlichkeit mit
der Lage bzw. den Forderungen der vertriebenen und geflüchteten Landwirte
vertraut gemacht werden soll. 

Seite 2   Das Prämiensparen beginnt 
Das Sparprämiengesetz ist im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden und
damit in Kraft getreten. Private Sparer, die bereit sind, ihr Geld auf fünf
Jahre festzulegen, erhalten künftig vom Staat eine Prämie von 20 Prozent des
Sparbetrages. Unverheiratete können jährlich höchstens 120 DM, Verheiratete
240 DM Prämie erhalten. Verheirateten mit drei und mehr Kindern wird eine
Prämie von 360 DM eingeräumt. Um diese Prämie in voller Höhe ausschöpfen zu
können, müssen Unverheiratete jährlich 600 DM, Verheiratete mit bis zu zwei
Kindern 1200 DM sparen.

Seite 2   Ostpreußische Jugend pflegt Soldatengräber 
Ostpreußische Jungen und Mädel planen auch für dieses Jahr eine
Kriegsgräberfahrt nach Dänemark. Vorgesehen ist der Einsatz auf den
Friedhöfen in Hilleröd, Karup, Grove, Ringköbing und Oxböl. Die Friedhöfe n
Hilleröd und Karup werden vollständig überholt, die übrigens gepflegt und
geschmückt. In Karup und Grove sollen neue Kreuze aufgestellt werden.

Seite 2   Pressespiegel
Wiedervereinigung wird unmöglich gemacht 
In den letzten Jahren ist im Westen viel geschehen, was die Fanfarenbläser
des kalten Krieges Aufweichung nennen und was nur bedeutet, dass einige
intelligente Leute den Unterschied zwischen Wunschbild und Wirklichkeit zu
begreifen beginnen. Auch heute sprechen Leute Wahrheiten aus, die man aus
ihrem Munde nicht erwartet hätte. Noch ehe die Krankheit John Foster Dulles
niederwarf legte er dar, dass freie Wahlen nicht am Anfang der
Wiedervereinigung zu stehen brauchten. Und wenige Monate später wies ein
führender amerikanischer General überzeugend nach, dass ein Rückzug
russischer Truppen über die Oder und westlicher Truppen über den Rhein keine
Schwächung des Westens bedeuten würde. Wieder kann ein Mensch mit
geschichtlichem Empfinden unmöglich den Gedanken verscheuchen, wie anders
die Entwicklung der Weltpolitik gegangen wäre, wenn schon 1952 ein
amerikanischer Staatssekretär und ein amerikanischer Oberbefehlshaber solche
Einsichten kundgetan hätten. Gewiss, auch heute noch sind Ihre neugewonnenen
Erkenntnisse nützlich, ja, unentbehrlich. Aber wie sehr hat sich auch
inzwischen der Himmel über Deutschland verdunkelt! Um wieviel weniger lässt
sich heute mit diesen Einsichten erreichen als damals! Und noch immer hat
die einfache weltpolitische Wahrheit ihren Segen erst halb errungen. Die
Westmächte haben in Genf einen Plan vorgelegt, der gewiss außerordentliche
Fortschritte enthält. Aber zum Schluss fordert er wieder ein vereinigtes
Deutschland solle sich dafür entscheiden dürfen, dass es in das atlantische
Bündnis eintrete. Noch immer also gibt man glühende Liebeserklärungen für
die Wiedervereinigung ab und macht die Wiedervereinigung gleichzeitig
unmöglich“. „Die Welt", Hamburg 

Einzig weiser Kurs 
„Die Westdeutschen müssen wissen dass, wenn sie sich an die NATO klammern,
die Versuchung ihrer Alliierten, die Teilung Deutschlands zu akzeptieren,
wachsen könnte. Deutschlands Alliierte müssen wissen, dass, wenn sie
fortfahren, der deutschen Wiedervereinigung unmögliche Bedingungen
aufzuerlegen, das deutsche Volk skeptisch werden wird und dies eines Tages
zu einer deutschen Regierung führen kann, die zu verzweifelten und
gefährlichen Manövern ihre Zuflucht nehmen würde. Der einzig weise Kurs
besteht darin, geduldig nach einem vereinigten Deutschland zu streben, das
frei und demokratisch ist, aber neutral“. The Observer, London 

Franzosen bestreiten Heimatrecht 
„Die vom polnischen Staat verwalteten Gebiete, in denen es keine Deutschen
mehr gibt, sind von Polen zur Geltung gebracht worden und haben einen
mächtigen wirtschaftlichen Antrieb erhalten. Muss das Provisorium jetzt
nicht sanktioniert werden? Das glaubt General de Gaulle. Eine Bemerkung bei
seiner Pressekonferenz hat die Bundesrepublik vor Bonn aufgefordert, die
vollendeten Tatsachen zu akzeptieren. Diese Erklärung hat jenseits des
Rheins heftige Proteste ausgelöst. Sie kam indes zur rechten Zeit, denn es
ist von Wichtigkeit, einer Unsicherheit ein Ende zu bereiten, die bei den
Polen Unruhe schafft und internationale Komplikationen auslösen kann. Polen,
das jahrhundertelang von seinen westlichen Nachbarn bedroht wurde, erregt
sich mit Recht über die ungewisse Situation, die es im Hinblick auf die
Gebiete ertragen muss, die ihm früher gehört haben und deren Wiedererlangung
für Polen einer Lebensnotwendigkeit entspricht. Am Vorabend der
bevorstehenden Konferenz sollte dieses Element der Zwietracht zwischen den
Großmächten verschwinden. Die östlich der Oder und Neiße gelegenen Gebiete
sind heute völlig polnisch. Sie haben sich seit 1945 in glücklicher Weise
entwickelt. Die zwischen Germanen und Slawen errichtete Grenze sichert in
einem gefährlichen Gebiet Europas die wünschenswerte Ruhe. Sie verdient es,
im Interesse des allgemeinen Friedens aufrechterhalten zu werden“. L'Aurore,
Paris 

Die zweite Dividende 
„Es ist eines der Ziele der gegenwärtigen diplomatischen
Deutschland-Offensive des Kreml, die Westmächte endlich zum Geständnis zu
zwingen, dass auch sie die Oder-Neiße-Grenze anerkennen. Dieses Geständnis
haben die Westmächte seit Jahr und Tag vermieden, indem sie sich seit 14
Jahren, nämlich seit Kriegsende, weigerten, irgendeinmal einen
Friedensvertragsentwurf vorzulegen. In einem solchen Dokument hätte die
Grenzfrage nicht mehr verschwiegen werden können. Neben dem Zugeständnis
einer baldigen Gipfelkonferenz wird das Offenbarwerden der Haltung der
Westmächte zur Oder-Neiße-Grenze die zweite Dividende sein, die die
Sowjetunion einheimst“.  Die Tat, Zürich 

Eine Illusion 
„Es ist eine die Wirklichkeit verfälschende Illusion, verstärkte Sicherheit
zu erwarten, wenn wir uns mit nuklearen Waffen ausrüsten (ohne es im übrigen
„genügend" zu können); das Gegenteil trifft zu: wir verschärfen das
Spannungsfeld und wir gefährden uns endgültig, mit der Aussicht auf
radikalste Existenzvernichtung, für den Fall eines etwa tatsächlich
ausbrechenden Konfliktes“. „Die Friedensrundschau", Hamburg 

Seite 2   Bahnstrecken unbenutzbar 
Nach amtlichen polnischen Mitteilungen sind im polnisch verwalteten Teil
Ostpreußens noch 550 km des Eisenbahnnetzes nicht benutzbar. Es handelt sich
u. a. um die Abschnitte Lötzen – Fischborn über Arys – Johannisburg;
Wormditt – Mohrungen über Liebstadt; Rastenburg – Schlobitten über Rössel;
Heilsberg – Wormditt; Angerburg – Goldap. Die polnischen Verlautbarungen
nennen das Jahr 1975, bis zu dem die genannten Eisenbahnstrecken in Betrieb
gesetzt werden sollen.

Seite 2   „Wir haben keine Kraft mehr …“ Tragödie der polnischen Bauern /
Ein Beispiel für viele 
Das polnische Parteiblatt „Glos Olsztynski" berichtet in einer ausführlichen
Reportage über die Tragödie der in Ostpreußen angesiedelten polnischen
Bauern und zieht an Hand eines besonders charakteristischen Falles eine sehr
traurige Bilanz der vierzehnjährigen polnischen Herrschaft in Ostpreußen. 

Der polnische Reporter berichtet: Nun sitze ich in der schmutzigen und engen
Kammer und lausche der wenig erbaulichen Erzählung: 

Einige Jahre nach Eintreffen in Gehlenburg nahm man uns die Scheune fort,
und ohne Scheune gibt es doch keine Landwirtschaft. 

Wie konnte das geschehen, frage ich. 

Nun, der Dorfschulze hatte beschlossen, eine eigene Landwirtschaft anzulegen
und brauchte dazu eine Scheune. Da wir benachbart sind, passte ihm unsere
Scheune am besten, und da der Zufall es wollte, dass die Tochter des
Dorfschulzen von Gehlenburg Bürgermeister der Kreisstadt war, so war, kaum
dass wir uns versahen, alles erledigt. 

Kurz darauf begann die Aktion der Arrondierung der landwirtschaftlichen
Produktionsgemeinschaften, dabei nahm man uns 3 ha Land und den Rest der
Gebäude fort. Irgendwie kamen wir zu einer Wohnung mitten im Ort, mit einem
kleinen Stall, aber bis zum Schluss blieben wir ohne Scheune. Trotzdem
erarbeiteten wir uns vier Kühe und zwei Pferde. Aber wie soll man da
wirtschaften, wenn ein Teil der Ernte bei einem Nachbarn untergebracht ist
und der andere Teil bei einem zweiten am anderen Ende des Ortes und ein
dritter Teil auf dem Felde? Unsere langjährigen Bemühungen um Zuteilung
einer Scheune blieben ohne Erfolg. 

So verzichteten wir am 1. Januar 1959 auf die Landwirtschaft. Wir haben
keine Kraft zur Arbeit mehr, übrigens sind wir kinderlos, und die zwei
Waisen, die wir erzogen haben, sind erwachsen und arbeiten für sich, eine in
Warschau, eine in Nieden. 

Ich warf ein: Man hat euch doch schließlich auf eine Intervention unserer
Zeitung hin eine Scheune zugeteilt, und zwar gerade die, um die es euch
ging? 

Ach, Herr, was war das damit für ein Theater! Gewiss, die Scheune teilte man
uns zu, aber davon erfuhren wir erst vor einigen Wochen ... 

Der polnische Berichterstatter versuchte im Laufe des Gespräches dem
unglücklichen Bauern nahezulegen, die Verzichterklärung zurückzuziehen.
Dieser reagierte darauf recht sauer: 

Sie haben gut reden. Sie bilden sich ein, dass ein Bauer in einem Amt wie
ein Herr behandelt wird. Ja, Ihnen macht man sicherlich schöne Verbeugungen,
bittet Sie schön — aber uns ... darüber lohnt's nicht zu reden. Kürzlich
erfuhren wir z. B., dass in Gehlenburg einige landwirtschaftliche Gebäude
zum Verkauf bestimmt worden seien. Wir fuhren in dieser Angelegenheit zur
Kreisverwaltung. Ja, gewiss sagte uns dort der Beamte, man plant es, kommt
so in zwei Wochen wieder. Man sagte es uns und wir kamen wieder. Da fingen
sie an, unsereinen von einem Zimmer ins andere zu schicken. Und immer zeigte
es sich, dass es gerade ein anderer Beamter war, der dafür zuständig war.
Wir verließen das Amt völlig benebelt.

Seite 2   Unsere Heimat heute
Russische Touristengruppen sollen im kommenden Sommer in verstärktem Maße
das von Polen verwaltete Ostpreußen besuchen. Es sind bisher 13 Reisegruppen
zu je 20 „Touristen" vorgesehen. 

In Allenstein, Ostpreußen, wurde von seiten des sowjetischen
Generalkonsulats in Danzig eine Überprüfung der Personen mit doppelter
Staatsangehörigkeit, d. h. der polnischen und sowjetischen, vorgenommen. Vor
die Entscheidung gestellt, sich für eine der beiden Staatszugehörigkeiten zu
erklären, verzichteten fast alle auf die sowjetische Staatsbürgerschaft. 

Eine Preissenkung für überlagerte Textil- und Konfektionswaren, die in
Allenstein (Ostpreußen) vorgenommen wurde, blieb ohne Wirkung, da die
besagten Artikel in den staatlichen Verkaufsstellen nicht vorhanden sind. 

In Königsberg, im sowjetisch verwalteten Teil Ostpreußens, wurde ein
Protokoll über die Stromlieferungen aus dem sowjetisch besetzten ins
polnisch besetzte Ostpreußen unterschrieben. Die Aufnahme der Stromlieferung
ist für Oktober dieses Jahres vorgesehen. 

Eine groß aufgezogene Fremdenverkehrswerbung der derzeitigen polnischen
Verwaltung des südlichen Ostpreußens ist durch den Mangel an Unterkunfts-
und Verpflegungsmöglichkeiten gefährdet. 

Der erste Selbstbedienungsladen in Allenstein mit einem Monatsumsatz von 360
000 Zloty ergab nach mehrmonatiger Tätigkeit keinen Fehlbestand. Die
polnische Presse will u. a. daraus ableiten, dass die in Allenstein zurzeit
üblichen Fehlbestände in den staatlichen Läden auf die Unehrlichkeit der
Verkäufer zurückzuführen seien. 

Die Schulraumnot in Neidenburg zwang die Eltern zu einer „freiwilligen"
Dauerausgabe, um damit einen Schulbau zu finanzieren, für den trotz
dringender Bedürfnisse keine Staatsmittel ausgeworfen werden konnten. 

Die Allensteiner Molkereien haben in den letzten Monaten trotz großen
Eigenbedarfs — den Käseexport nach Ägypten, England und in die
Bundesrepublik aufgenommen, um damit Devisen hereinzubringen. 

Die Allensteiner Verwaltung der Landgenossenschaften hat einen Autobus in
Betrieb gesetzt, der eine komplette zahnärztliche Ausrüstung erhält.
Genossenschaftsmitglieder werden in dieser fahrbaren Klinik zu ermäßigten
Preisen behandelt. Freie Bauern werden gezwungen sein, überhöhte Gebühren zu
zahlen.

[OWP] Ostpreußen-Warte, Folge 06 vom Juni 1959

Date: 2016/12/12 10:45:03
From: Inge Barfels <inge.barfels(a)ewe.net>

Seite 3   Ostpreußens blutende Grenze. Heute an der sowjetisch-polnischen
Demarkationslinie – Tote Zone entlang der Grenze
Mitten durch Ostpreußen geht seit 1945 eine widersinnige Grenzlinie, die das
immer einheitlich gewesene Land in eine sowjetische und eine polnische
Verwaltungszone teilt. Immer wieder stand diese Grenze seit Kriegsende im
Blickpunkt der Entwicklung in Osteuropa. Es gab Zeiten, wo man die
Demarkationslinie überschreiten konnte, wenn die entsprechenden Visa
vorlagen. Sogar Westberliner Besucher hatten im Vorjahr Gelegenheit, bei
einer Reise nach Süd-Ostpreußen einige Kilometer in das russische
Verwaltungsgebiet zu gelangen. Dann wieder gab es lange Perioden, in denen
diese Grenze von beiden Seiten hermetisch abgeriegelt wurde. 

Und wie sieht es heute dort aus? Einmal hieß es, eine polnische Delegation
aus dem Allensteiner Gebiet sei nach Königsberg gefahren. Und zum anderen
teilte man mit, auf der sowjetischen Seite sei die Demarkationslinie nun wie
gegenüber anderen Staaten völlig zur Staatsgrenze gemacht worden. Wir haben
in Berlin mit Umsiedlern gesprochen, die erst in den letzten Tagen aus
Ostpreußen oder dem Memelland gekommen sind. Sie berichten uns folgendes. 

Es stimmt, dass auch der kleinste Grenzverkehr heute zwischen Nord- und
Südostpreußen unmöglich ist. Westlichen Besuchsreisenden wird schon lange
von sowjetischen Konsulaten oder Botschaften keine Genehmigung mehr dafür
erteilt. Und mit offiziellen polnischen Besuchen ist es auch vorbei. Die
Sowjetunion hat vielmehr angeordnet, das gesamte Grenzgebiet auf ihrer Seite
neu zu organisieren. Zum direkten Grenzgebiet, in dem nur Menschen mit
besonderer Aufenthaltsgenehmigung leben dürfen, wurde ein Streifen von
sieben Kilometern längs der Demarkationslinie bestimmt. Dort leben nur
solche Zivilisten, die für die Truppen tätig sind oder auf Kolchosen bzw.
Sowchosen arbeiten. Es handelt sich außerdem dabei — und das ist neu — um
Personen, die in den Vorjahren in den russischen Besatzungsstreitkräften in
Nord-Ostpreußen dienten und sich nach der Entlassung bereiterklärten, dort
zu bleiben. Wer von diesen heiratete, darf seine Familie auch im Grenzgebiet
bei sich behalten. Sonst ist es auffallend, dass in den letzten Monaten
einige Tausend aus dem 7-km-Grenzbezirk entfernt wurden, die als nicht
völlig zuverlässig gelten, schon einmal beim Schmuggel mit Polen erwischt
wurden oder nicht unter die oben genannte Kategorie fallen. 

Damit verbunden war eine Verstärkung und Auswechslung der Grenztruppen. Es
gibt praktisch bei den Sowjets überhaupt keine der Zivilverwaltung
unterstehenden Grenzbeamten. Die Bewachung und Kontrolle wird jetzt
ausnahmslos von besonders geschulten Armeeeinheiten ausgeübt. Aus welchem
Grund die UdSSR eine Verstärkung der Grenzeinheiten vorgenommen hat, ist
nicht bekannt. Wahrscheinlich wollte man Polen demonstrieren, dass es keine
territorialen Veränderungen in Ostpreußen zu Gunsten der polnischen
Verwaltung geben wird. In der letzten Zeit hat es mehrfach solche Gerüchte
unter der polnischen Bevölkerung gegeben. Unter anderem hieß es, die
Sowjetzone werde Teile Ostpommerns, Ostbrandenburgs und
Nord-Niederschlesiens erhalten. Als Ausgleich dafür werde Moskau Polen
Zugeständnisse in Nord-Ostpreußen machen. Dagegen ist bekannt, warum
Einzelheiten, die bisher im russischen Grenzgebiet eingesetzt waren,
ausgewechselt werden. Hatten sich doch in den letzten Jahren trotz aller
Verbote Kontakte über die Demarkationslinie hinweg ergeben. Die sowjetischen
Grenzer konnten vor allem mit Spirituosen handeln, die in der UdSSR billiger
als bei den Polen sind, nachdem die Warschauer Regierung die Preise für
Alkohol beträchtlich heraufgesetzt hat. Im Austausch gegen den Schnaps
erhielten die Russen von den Polen Lebensmittel, Tabakwaren und Textilien.
Das alles verdross die sowjetischen Sicherheitsbehörden. So kam es jetzt zum
Auswechseln der Truppen. Man hat Einheiten aus dem nördlichen Ostpreußen
nach hier gebracht, die bisher nur in den oberen Landesteilen stationiert
gewesen waren. Zur selben Zeit ging man daran, die Grenzhindernisse einer
umfassenden Inspektion zu unterziehen und defekte Stellen neu zu befestigen.


Die uns gegebenen Informationen besagen, dass beispielsweise von
Heiligenbeil bis Hermsdorf neue Gräben gezogen worden sind. Auf der
Wassergrenze im Frischen Haff wurde die Grenze durch miteinander verbundene
Tonnen markiert. Dahinter patrouillieren flachgehende Kutter. Neu ist hier,
dass zwischen den Bojen Leuchttonnen angebracht sind, die in kurzen
Intervallen das Wasser beleuchten. Außerdem sind die Kutter mit
Scheinwerfern ausgerüstet. Auf der Frischen Nehrung ist das schmale
Grenzstück durch einen besonders tiefen Graben unpassierbar gemacht worden.
Auf der russischen Grabenseile befindet sich jetzt außerdem ein mit
elektrischem Strom geladener Drahtzaun.

Von Hermsdorf bis Stablack wimmelt es von sowjetischen Soldaten im
Grenzbezirk. Zinten und Rossitten sind Garnisonstädte geworden, wo man kaum
noch Zivilisten findet. Zwischen der Eisenbahnstrecke Stablack—Rossitten
unweit der Grenze ist ein ganzes System neuer Hindernisse entstanden. In
einigen Fällen verlegte man die Grenze um ein paar Meter vor oder zurück, um
bessere Standorte für die meterhohen Stacheldrahthindernisse zu haben. Auch
die Straßensperren werden überall erneuert. Die Straße Zinten—Tiefensee
(also von Nord- nach Süd-Ostpreußen) ist gleich durch dreierlei unpassierbar
gemacht worden, durch Aufreißen, durch Anlegen mehrerer Baumsperren und
durch Aufstellen neuer Spanischer Reiter. Außerdem besteht hier natürlich
auch ein Graben mit Stacheldraht. Ebenso hat man mit den beiden nach
Preußisch-Eylau verlaufenden Straßen verfahren. 

Die Sicherheitsbehörden haben jetzt weiter angeordnet, eine Anzahl von
Bäumen an der Grenze auf russischer Seite abzuholzen. Bisher war das anders.
Die Sowjets hatten nicht viele hölzerne Wachtürme gebaut. Sie schickten ihre
Soldaten in hohe oder alte Bäume, wo man ihnen auf den Ästen Ausguckposten
zimmerte. Das ist jetzt vorbei, weil im Sommer das Laub eben doch stört,
obwohl Äste, die die Sicht behinderten, abgesägt wurden. An der
Demarkationslinie entstehen zurzeit neue Wachtürme wie an den anderen
sowjetischen Grenzen. Die Türme sind mit Telefon und Scheinwerfern
ausgerüstet. 

Von der Ortschaft Waldkerme, Landkreis Angerburg, ist von polnischer Seite
aus beobachtet worden, dass die Russen auch den geackerten und geeggten
Grenzstreifen beträchtlich erweitert haben. Bekanntlich wendet man dieses
Verfahren an, um festzustellen, ob die Grenze doch einmal überschritten
worden ist. In Groß-Pentlack auf der nördlichen Seite haben die Russen eine
Ausbilderschule für Diensthunde eingerichtet. Die Bluthunde werden jetzt
verstärkt entlang der gesamten Demarkationslinie eingesetzt. Allerdings
liegen schon Beschwerden von polnischer Seite vor, dass sich einige Tiere
losgerissen hätten, über die Grenze gekommen wären und dort Bauern bei der
Arbeit angefallen hätten. Offensichtlich sind die bis jetzt eingesetzten
Tiere schlecht ausgebildet. Ferner zeigen diese Vorfälle, dass die
Grenzhindernisse nicht unüberwindbar sind. Die Russen interessierten sich
deswegen auch nur für diese Seite der Vorfälle, indem sie nach den letzten
undichten Abschnitten suchten. 

Man findet heute weiter im östlichen Grenzbezirk — etwa in der Umgebung von
der Rominter Heide zwischen Kudern und Ebershagen — auch weite Strecken, wo
auf russischer Seite Soldaten in regelrechten Erd- und Schützenlöchern zur
Grenzbewachung aufgestellt sind. Es handelt sich hier um Gebiete, wo die
neuen Wachtürme noch nicht sehr zahlreich sind und vor allem weit
auseinander stehen. Ferner ist es in den Gebieten, wo noch nicht genügend
Scheinwerfer installiert sind, üblich, dass zu den Nachtstunden massenweise
Leuchtraketen in den Himmel geschossen werden. Weiter ist es
charakteristisch für die neue Situation, dass das sowjetische Oberkommando
in Nord-Ostpreußen befohlen hat, die Truppenübungsplätze möglichst in die
Nähe der Grenze zu verlegen. Dies stellt eine doppelte Sicherung dar. Wird
doch auch das Gebiet von Truppenübungsplätzen hermetisch abgeriegelt, so
dass die nur von Militär beherrschte Zone entlang der Grenze von Rominten
bis zum Frischen Haff immer breiter wird. Außerdem hat diese Anordnung noch
den Vorteil, dass im Inneren des nördlichen Ostpreußens angelegte
Manövergebiete endlich aufgelöst und wieder bewirtschaftet werden können.
Bekanntlich hat man ja dort große Bezirke, die früher nur landwirtschaftlich
genutzt wurden, zu Truppenübungsplätzen gemacht. 

Ähnlich wie im Sudetenland haben die Sowjets weiter Anweisung gegeben, die
im näheren Grenzbereich gelegenen verfallenen, beschädigten und unbewohnten
Gebäude zu sprengen. Offensichtlich sieht man in diesen Häusern eine
Möglichkeit für Grenzgänger, sich vor oder nach Überschreiten der Grenze zu
verbergen. Diese Aktion ist mit der Erweiterung des Minengürtels verbunden.
Frühere Wege und Straßen, die nicht von den Truppen benutzt werden, müssen
mit Tellerminen versehen werden. Wir Ostpreußen müssen also damit rechnen,
dass in der 7-km-Grenzzone die nicht bewohnten Häuser vernichtet werden, die
als Unterschlupf für illegale Grenzgänger dienen könnten. Es ist aber
anzunehmen, dass nur solche Gebäude gesprengt werden, die in nächster Nähe
der Demarkationslinie gelegen sind. Von polnischer Seite aus wurde
beobachtet, dass man auch solche Gebäude sprengt, die noch gut erhalten
sind, aber nicht von den russischen Truppen benötigt werden. 

Man schafft jetzt also eine weitgehend tote Zone mitten durch unsere Heimat.
Die Grenze, die streckenweise bisher doch noch provisorischen Charakter
getragen hat, soll endgültig eine Staatsgrenze nach sonstigem sowjetischen
Muster werden. Selbst die bestehenden Stacheldrahtzäune — zwischen 2,5 und 3
Meter hoch — werden überprüft und erneuert. Oft sind die Stämme morsch, oder
der Draht ist verrostet. Wo Erneuerungen erfolgen, rammt man 5 Meter hohe
Stämme bis zu anderthalb Meter in die Erde. Und ferner wird hier der Zaun
auf 3,5 Meter erhöht! Bisher hat man auf polnischer Seite die Grenzbewachung
nicht sehr ernst genommen. War doch die sowjetische so gut, dass kaum etwas
zu befürchten war. Auch das wird jetzt anders. Die UdSSR verlangt von Polen
ebenfalls eine totale Grenzbewachung. So ist es neuerdings verboten, das
Grenzgebiet bis zu 500 Meter an die Demarkationslinie als Weidefläche zu
benutzen, was bisher auf polnischer Seite gang und gäbe war. Die Zone, die
nicht mehr von polnischen Zivilisten betreten werden darf, ist dadurch
erheblich erweitert worden. 

Doch die sowjetischen Vorsichtsmaßnahmen beschränken sich nicht allein auf
das nördliche Ostpreußen! Bekanntlich befinden sich ja auch im Südteil
unserer Heimatprovinz russische Garnisonen. Diese Stützpunkte stellen
neuerdings Soldaten ab, die die polnischen Grenztruppen zu unterstützen und
anzuweisen haben. Es ist also heute so, dass auf weiten Strecken der
Demarkationslinie die Grenze auf beiden Seiten (!!) von den Sowjets direkt
kontrolliert wird. Man hat also den polnischen Grenzeinheiten russische
Korsettstangen eingezogen, weil man ihnen nicht traut. Auch die polnischen
Kommandeure arbeiten vielfach unter russischer Anleitung. Bezeichnend ist
ferner, dass die Telefonverbindungen von sowjetischer zu polnischer Seite
auf der polnischen Seite in den russischen Garnisonstädten enden. Haben also
die Sowjets eine Mitteilung für die polnischen Grenztruppen, so leiten sie
diese an die sowjetischen Garnisonskommandeure weiter. Und diese erst
informieren die Polen. Dies geschieht, um auch sofort die Ausführung der
‚Wünsche' überwachen zu können. Der polnische Grenzschutz ist in der Tat so
nachlässig, dass die Russen auf alle mögliche Weise versuchen müssen, ihn
unter Kontrolle zu halten. 

Die scharfen Maßnahmen an der Grenze haben nun zu einer weiteren Abwanderung
der polnischen Bevölkerung geführt. Wohl haben sich diese Menschen hier noch
nie wohl gefühlt. Jetzt aber werden sie in ihrer persönlichen Freiheit noch
weiter eingeengt, da man auch auf polnischer Seite die Einwohner zu
überprüfen beginnt. Offenbar haben die Sowjets verlangt, dass auch auf der
anderen Seite die angeblich „Unzuverlässigen" aus einem möglichst breiten
Streifen ausgesiedelt werden sollen. Für viele Polen ist das nun der letzte
Anstoß, um freiwillig zu gehen und nach Möglichkeit wieder in ihre Heimat zu
ziehen. Ist es doch nicht angenehm, dass neuerdings beim geringsten Verdacht
der Sowjets, jemand habe die Grenze passiert, die Menschen auf der
polnischen Seite aus dem Schlaf gerissen und die Häuser stundenlang
durchsucht werden. Und es kommt jetzt immer öfters zu solchen Alarmen. Meist
ist nichts daran, denn übereifrige Soldaten glauben oft nachts, die Spur
einer Wildschweinrotte auf dem geeggten Land sei eine Spur von Grenzgängern.
Auf diese Weise — von den nächtlichen Schüssen und den Detonationen auf den
Truppenübungsplätzen abgesehen — wird das Leben an Ostpreußens blutender
Grenze immer unerträglicher. 

Seite 3   Messestadt Posen im Jahre 1959. Stätte der Ost-West-Begegnung /
Großzügiger Aufbau
In den letzten Jahren ist Posen mehr und mehr zur Stadt der Begegnung
geworden. Nicht nur, dass seit 1956 der westdeutsche Besucherstrom über
Berlin in Posen bis zur Weiterreise in die deutschen Ostgebiete für kurze
Zeit in der Stadt verweilt, sondern vielmehr auch die internationalen
Posener Messen haben dazu beigetragen, dass es eine echte Begegnung der
westlichen Welt mit den polnischen Menschen geben konnte, die nun schon mehr
als 14 Jahre durch nahezu unüberwindliche Grenzen von der freien Welt
abgeschlossen sind. 

Gegenwärtig rüstet die Stadt zur XXVIII. Internationalen Messe. Diese Messen
in der ehemals deutschen Stadt, deren Geschichte bis in das 13. Jahrhundert
zurückreicht, haben in den letzten Jahren, besonders aber seit Gomulkas
Regierungsantritt im Jahre 1956, ein nicht zu überhörendes Echo in der
westlichen Welt gefunden. Im vergangenen Jahr nahmen über 1500 ausländische
Aussteller aus 38 Ländern an der Messe teil, und die Abschlüsse dieser
Aussteller betrugen allein 137 Millionen Dollar; das ist e