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2017/09/26 16:09:45
Walter Hess
[AK-Mueller] Ein Müller aus Dünckelspiel
Datum 2017/09/26 19:02:48
Paul Rakow via Ak-Mueller-L
[AK-Mueller] Müller in Polen
2017/09/26 16:09:45
Walter Hess
[AK-Mueller] Ein Müller aus Dünckelspiel
Betreff 2017/09/26 19:02:48
Paul Rakow via Ak-Mueller-L
[AK-Mueller] Müller in Polen
2017/09/26 19:02:48
Paul Rakow via Ak-Mueller-L
[AK-Mueller] Müller in Polen
Autor 2017/09/26 00:29:11
Walter Hess
[AK-Mueller] Vorstellung

[AK-Mueller] Ein Müller aus Dünckelspiel

Date: 2017/09/26 17:02:16
From: Thomas Engelhardt <ThomasEngelhardt2(a)...

Hallo Herr Hess,

das sind viele Fragen, die an sich eine ausführlichere Antwort erfordern.
Müller entstammten nicht in jedem Falle Müllerfamilien.
Eine systematische Analyse von Volkmar Weiß ergab, dass nur etwa 25 % der
Müller Müller zum Vater hatten.
Oft gingen Müller auch aus Bäckerfamilien hervor.

Weiss, Volkmar: Müller und Müllerssöhne im sächsischen Erzgebirge und Vogtland in den Tälern und Nebentälern der Zwickauer Mulde, Zschopau und Weißen Elster (1540-1721). Neustadt/Aisch: Degener 1996. 660 Seiten (= Schriftenreihe der Stiftung Stoye 27).
(mit einer einleitenden Sozialgeschichte) 

Seltener aus anderen Handwerken. Das war u.a. auch der Tatsache der
sog. Unehrlichkeit dieses Berufstandes geschuldet.
Zwar war diese Unehrlichkeit behöderlicherseits und auch gesetzlich im 18. Jh.
bereits überwunden, hielt sich als Vorurteil jedoch in der Volksauffassung nach wie
vor.
https://de.wikipedia.org/wiki/Unehrlicher_Beruf

Die Lehrzeit umfasste i.d.R. vier Jahre. Im Anschluß dann die oft jahre- bis jahrzehntelange
Gesellenzeit.
Eine Walz in dem Sinne kannten die Müller nicht. Wohl aber wanderten auch sie oft lange
Strecken und gingen mehr oder wenige lange Dienstverträge ein.
Unter meinen eigenen Müllervorfahren tritt eine Wanderdistanz über 150 km nachweisbar.
In der Regel erstreckten sich die Wanderradien aber über kürzere Distanzen innerhalb eines
definierten Raumes (meistens, jedoch nicht ausschließlich innerhalb eines polit. Terr.).

Müllergesellen blieben überwiegend einige Jahre in einer Mühle, in einem Dienstverhältnis,
ehe sie wechselten. Anzustrebendes Zwischenziel war in jedem Fall die Erlangung des Meistertitels,
da nur der den Erwerb der eigenen Mühle (gleich ob als Pachtmüller oder Eigentumsmüller) möglich
machte.
Hauptsächliches Ziel jeden Müllers war letztlich der Erwerb der eigenen Mühle, weil nur auf diesem
Wege der entsprechende Verdienst möglich wurde (und damit der eigene Wohlstand ermöglicht).
Drei gängige Wege waren dazu grundsätzlich möglich:
Pacht einer Mühle
Kauf einer Mühle
Einheiratung in eine Mühle (Müllerstochter oder Müllerwitwe).

Dem standen jedoch regelmäßig Hindernisse entgegen, nicht zuletzt die rel. begrenzte Zahl der
Mühlen im Verhältnis zur Zahl der Müller.
Kurz gesagt gab es mehr Müller als freie oder frei werdende Müllermeisterstellen bzw. Mühlen.
Beachtet werden muss ebenso die hohe Spezialisierung der Müller (neben Getreide- bzw. Mahlmüllern
gab es die unterschiedlichsten Müller (Lohmühlen, Walkmühlen, Graupenmühlen, Ölmühle usw.).
Das Haupthindernis aber fast stets fehlendes Kapital.
Müllersöhnen fiel es naturgemäß am leichtesten, eine Mühle käuflich zu erwerben (das war nicht in
jdedem Fall die väterliche Mühle).
Üblicher Lebensweg war deshalb nach derGesellenzeit und dem Meistertitel der Pacht einer oder
in Folge auch mehrerer Mühlen (Pachtzeiten währten üblicherweise drei Jahre), bevor nach oft jahrelanger
Existenz als Pachtmüller der Kauf einer Mühle gelang.
Leichter war es und schneller ging es, wenn der angehende Müller in eine Mühle einheiratete, wobei
die Heirat einer Müllerstochter mindestens ebenso häufig war die Heirat einer Müllerwitwe.
Die Müllerwitwe war, um die Weiterführung des Geschäftsbetriebes zu gewährleisten, sogar auf einen
Müllermeister angewiesen, so dass solche Ehen rel. häufig vorkamen.

Wanderungen von Müllern auch über größere Distanzen waren demzufolge einzug existentiell bedingt.

Freundliche Grüße aus Niedersachsen, Thomas Engelhardt



Weiss, Volkmar: Müller und Müllerssöhne im sächsischen Erzgebirge und Vogtland in den Tälern und Nebentälern der Zwickauer Mulde, Zschopau und Weißen Elster (1540-1721). Neustadt/Aisch: Degener 1996. 660 Seiten (= Schriftenreihe der Stiftung Stoye 27).

Dieses Buch zur mitteldeutschen Müller-Berufs-Geschichte, mit einer einleitenden Sozialgeschichte und Bibliographie des Müllerberufes und methodischen Hinweisen zur Verkartung von Sonderberufen liegt seit August 2011 beim Cardamina-Verlag in 2. Auflage vor; über 700 Seiten, A4, Preis 45 Euro.





Wie muss man sich die Ausbildungszeit und das Arbeitsleben eines um das
Jahr 1777 lebenden Müllers vorstellen ?
Sicherlich wurde man Müller weil bereits der Vater Müller war und als
Sohn dieses Handwerk durch Mithilfe erlernte.
Ging man in die Lehre und auf die Walz ?
War man selbst Besitzer der Mühle, Pächter der Mühle oder am
wahrscheinlichten nur als Angestellter in einer Mühle tätig ?
Welche beruflichen Gründe können dazu geführt haben, dass Joannis
Andream MANTS von Dinkelsbühl nach Karlsruhe auszog ?