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2002/01/26 20:04:04 Guenter Boehm Re: [SCI] Batch-Nummern fuer Schlesien |
Datum | 2002/01/26 20:44:06 Merlin199305505 [SCI] Schlesier in Hessen-Waluga etc. |
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2002/01/03 23:18:32 >Gerd Mullenheim< AW: [SCI] Hugenotten mit dem Namen PUIN |
Betreff | 2002/01/27 14:28:24 helmut obst Re: [SCI] Hussiten und schlesische Geschichte |
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2002/01/26 19:34:27 >Gerd Mullenheim< [SCI] Familie RZEPKA, REPKA aus Namslau |
Autor | 2002/01/26 23:03:04 >Gerd Mullenheim< AW: [SCI] Re: Strzeletz |
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Date: 2002/01/26 20:42:59
From: >Gerd Mullenheim< <muellenh(a)pt.lu>
>>>>> NACHRICHTEN AN DIE LISTE UNTERLIEGEN DER ZENSUR <<<<<
Liebe Freunde,
hat die Geschichte der Hussiten, einer böhmischen Religionsgemeinschaft aus
dem 15. Jahrhundert, etwas mit Schlesien zu tun? Die Antwort ist sicherlich
bekannt: Friedrich der Große unterstützte die Gründung mehrerer Kolonien in
Schlesien durch die Hussiten. Die Geschichte dieser Kolonien ist also über-
aus eng mit der Geschichte der Hussiten verbunden, deshalb sollte man diese
auch kennen. Sie lebten in Böhmen, Schlesien gehörte zu Böhmen, wegen ihres
Glaubens wurden die Hussiten vertrieben. Man könnte natürlich fragen, warum
mußte das sein und durch wen geschah das?
Da ich selbst in Friedrichsgrätz/OS. forsche, möchte ich nur einige heraus-
ragende Ereignisse aus diesem Ort hier anführen:
1751 am 30. September verhandelten 30 Böhmen (Hussiten) mit Blanicky und
dem Förster Redanz im Wald von Krasejov über die Gründung einer neu-
en Kolonie
1752 der König bestätigte die Gründung der Kolonie Friedrichsgrätz;
am 19. November wurde den Friedrichsgrätzern der Bau einer Brauerei,
einer Weinbrennerei und einer Mühle genehmigt; die Pacht sollte in
die Kirchenkasse zum Unterhalt der Schule, der Pfarrei und für das
Gehalt der Lehrer abgeführt werden
1754 am 14. November bestätigte das Breslauer Konsistoriat Jan Ondrej
Stetina als ersten evangelisch-reformierten Prediger in Friedrichs-
grätz
1758 bauten die Friedrichsgrätzer eine Kirche mit Schindeldach
1796 in Friedrichsgrätz standen 100 Häuser in denen 468 Menschen lebten
1810 die evangelisch-reformierte Gemeinde zählte 422 Männer, 432 Frauen
und 266 Kinder, gleichzeitig lebten hier 8 Deutsche (Lutheraner),
10 Polen (Katholiken), 12 Juden
1821 der junge Pfarrer Peter Sikora aus Husinec wird am 2. Dezember in
sein Amt eingeführt (Husinec = Hussinetz = Kolonie der Hussiten)
1845 in Friedrichsgrätz standen 162 Häuser mit 1117 Einwohnern, 48 Männer
betrieben das Schusterhandwerk, 31 ernährten sich vom Baumwoll- und
Leinenweben, 20 Weber arbeiteten an Webstühlen
1872 die Friedrichsgrätzer Kirche muß repariert und gestützt werden,
damit sie nicht einstürzt
1874 am 22. Mai überlassen die Kirchenältesten der Gemeinde das Wirtshaus
(Harenda), mit der Auflage, daß sich die Gemeinde um das Lehrergehalt
und um die Erhaltung der Schule und der Kirche zu kümmern hat
1890 in Friedrichsgrätz wird der Bau der neuen Kirche beendet (Ziegelbau)
1904 am 7. September brannten in Friedrichsgrätz 110 Häuser nieder,
147 Familien (664 Personen) wurden obdachlos. Für den Wiederaufbau
der Häuser mußte zunächst eine Verbindung zum Bahnhof Krasejov
geschaffen werden. Hiermit wurde die Anlieferung von Steinen für
die Grundmauern möglich.
1912 am 1. Mai wurde in Friedrichsgrätz Richard Obst Hauptlehrer
1921 in Oberschlesien wurden am 20. März Wahlen durchgeführt.
In Friedrichsgrätz wählten 1252 Personen, davon 1239 für Deutschland,
13 für Polen
1929 lud Pfarrer Klaar den Pfarrer Radechovsky ein, um in Friedrichsgrätz
eine Evangelisation durchzuführen, aber das Breslauer Konsistorium
lehnte den Redner aus Böhmen ab
1938 wurden noch alle drei bis vier Wochen die Gottesdienst in
tschechischer
Sprache gehalten
1945 am 16. Januar wurden die Friedrichsgrätzer Einwohner aufgefordert,
binnen zwei Tagen die Gemeinde zu verlassen, da sich die Front näherte
1945 im August besuchte Pfarrer Radechovsky Friedrichsgrätz. Er feierte im
Hof einen Gottesdienst, weil die Kirche von den katholischen Polen
besetzt war.
Er brachte Anträge für die Rückwanderung nach Böhmen
(Tschechoslowakei)
mit. Am 17. Dezember übersiedelten die Nachfahren der Gründer der
Friedrichsgrätzer Kolonie, soweit sie nach dem Krieg nach Friedrichs-
grätz zurückgekehrt waren, in das Land ihrer Väter nach Böhmen.
Keiner blieb.
Ganz herzliche Grüße aus Luxemburg
Gerd Müllenheim
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