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2002/01/01 23:54:33
>Gerd Mullenheim<
[SCI] AW: Religionsverteilung
Datum 2002/01/02 00:10:02
Guenter Boehm
Re: [SCI] Betrifft Ulrich Sanner- E-mail kann ich ni cht öffnen und Adresse ist falsch
2002/01/01 18:34:46
Guenter Boehm
Re: [SCI] Entstehung der Familiennamen: Boehm/Boehme
Betreff 2002/01/15 19:19:45
Heike Theis
[SCI] Erbitte kurze Aufklärung über Umfrage
2002/01/01 23:54:33
>Gerd Mullenheim<
[SCI] AW: Religionsverteilung
Autor 2002/01/02 23:57:07
>Gerd Mullenheim<
AW: [SCI] Religionsverteilung

AW: [SCI] Entstehung der Familiennamen: Boehm/Boehme

Date: 2002/01/01 23:54:39
From: >Gerd Mullenheim< <muellenh(a)pt.lu>

|
| Hallo Herr Muellenheim,
| in dem kuerzlich von mir erworbenen Buch
|
| > Meier, Joachim, 1702:  "De Bojorum Migrationibus & Origine, nec non de
| claris Böhmeris dissertatio epistolica" <
|
| fand ich die Mehrheit der bekannten Namensträger in der
| Reformationszeit als
| protestantische Theologen. Für sie war wohl der Name mit Bezug auf Böhmen
| ein "Ehrenname" (Humanismus), da mit Jan Hus (1369-1415) die
| Reformation in
| Böhmen begann; wogegen die Gegenreformation den Namen eher verächtlich
| anwandt.
|
| Herzliche Gruesse aus Upstate New York,
| Guenter Boehm
| _________________________________________________________________

Lieber Herr Boehm,

erlauben Sie mir bitte, einen Abschnitt aus meinem Buch (Kapitel 6,
Seite 17/18) zu zitieren, in dem ich versucht habe, den Begriff des
Humanismus einigermaßen zu erklären:

Gleichzeitig mit der Aufklärung und in deren Gefolge wurde im 18./19.
Jahrhundert das Gedankengut des Humanismus im sogenannten Neuhumanismus
insbesondere durch Johann Joachim Winckelmann und Wilhelm von Humboldt
aufgegriffen und fortentwickelt. Im 19./20. Jahrhundert löste sich der
Begriff des Humanismus weitgehend von seinen historischen Wurzeln und
nahm als sogenanntes Humanitätsideal vielfach eine soziale Komponente an,
indem die Schaffung der gesellschaftlichen Voraussetzungen für eine
freie Persönlichkeitsentfaltung in die Zielsetzung einbezogen wurde.

Johann Joachim Winckelmann (9.12.1717-8.6.1768, ermordet in Triest),
war ein deutscher Archäologe und Kunsthistoriker, der maßgeblich die
Schönheitsideale des Klassizismus bestimmte. Wilhelm Freiherr von Humboldt
(22.6.1767-8.4.1835) war in den Jahren 1809/10 Leiter des preußischen
Kultus- und Unterrichtswesens. Er ist der Begründer der Berliner
Universität und des humanistischen Gymnasiums in Preußen, als Staats-
Minister vertrat er Preußen auf verschiedenen Kongressen, besonders
auf dem Wiener Kongreß von 1814/15.

Der Begriff Humanismus wurde erst im Jahre 1808 geprägt und sollte
zunächst den höheren Wert der althumanistischen Gymnasien gegenüber
den Realschulen ausdrücken. Erst später wurde er zur Bezeichnung
einer Epoche gebraucht, in der man die altgriechische und römische
Kulturwelt zu erschließen suchte und die daraus gewonnenen Erkenntnisse
zur Bildung des Menschen heranzog. So wurde der Humanismus dann zu
einer geistesgeschichtlichen Bewegung, mit dem Ziel, edler, allseitig
ausgebildeter Menschlichkeit unter Berufung auf das Vorbild der
klassischen Antike. Zum Gehalt eines Humanismus, der diesen Namen
verdient und wie er jetzt verstanden wird, gehört inzwischen auch das
Bewußtsein der Zusammengehörigkeit von Mensch und Natur mit allen
erforderlichen Konsequenzen.

Die Kenntnis um einen notwendigen Verzicht auf totalitäre Wissensansprüche
jeder Art ist heute zu einer entscheidenden Bedingung menschlichen
Miteinanderlebens geworden, d. h. des Friedens, den die Welt auch
ohne Gott schaffen will. Deshalb richtet sich der Humanismus neuerdings
auch ganz gezielt gegen den christlichen Fundamentalismus, der auf
dem Ausschließlichkeitsanspruch der Bibel als Gottes Wort beruht,
das einmalig, unveränderlich und unvergänglich ist, und nach dessen
Zeugnis es kein Heil ohne Jesus Christus gibt. (Anmerkung: Alle wahren
Christen können daher ausschließlich als christliche Fundamentalisten
bezeichnet werden.).

Gemeinsamkeiten bestehen demzufolge auch zwischen dem Humanismus
und der Ökumene durch den Konziliaren Prozeß für Gerechtigkeit,
Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Ein führender Vertreter dieser
Bewegung ist Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker (geb. 28.6.1912),
ein Bruder des früheren deutschen Bundespräsidenten Richard Freiherr
von Weizsäcker (geb. 15.4.1920).

Unter Humanitätsideal versteht man allgemein eine Gesinnung, die die
Verwirklichung der Menschenrechte anstrebt. Es ist auch das Gefühl
für die Würde des Menschen, unabhängig von Rasse, Geschlecht u. a.,
ferner die Erziehung zu Mitverantwortung, Toleranz und allgemeiner
Anerkennung der Menschenrechte. Die erste verfassungsrechtliche
Formulierung erfuhren die Menschenrechte im Jahre 1776 in der
amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, die alsdann zum Vorbild wurde
für die "Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte" in der Französischen
Revolution von 1789. Das Humanitätsideal wurde jedoch zur Bezeichnung
der gesellschaftlichen Wirklichkeit des Menschen, die absolut jeden
Gedanken an eine transzendente Bestimmung des Menschen ausschließt,
also jeden Glauben an ein Jenseits.

Durch den Humanismus wurde so das Startzeichen zum Aufbruch in eine
neue Zeit der gesellschaftlichen Ordnung gegeben, die nun in drei
geistigen Strömungen zum Ausdruck kommt, und zwar:
a)  im Liberalismus (= lat. liber = frei), Freisinnigkeit;
b)  im Sozialismus (= lat. socius - sozial = gesellschaftlich),
Veränderung des gesellschaftlichen Lebens;
c)  in der Emanzipation (= lat. emancipare - ex = aus - manu(s) = Hand;
aus der Hand lassen), Freilassung aus der Abhängigkeit, Befreiung
aus der Gewalt, Verselbständigung, Gleichberechtigung der Geschlechter.
Mit diesen geistigen Strömungen wurde endgültig die Tür zur Gottlosigkeit
aufgestoßen und der Weg für die antichristliche Weltanschauung des
Humanismus war von jetzt an unumkehrbar eingeschlagen und geebnet. <

Ganz herzliche Grüße aus Luxemburg

Gerd Müllenheim
_______________________________
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Tel. (00352) 460346
E-Post / e-mail: muellenh(a)pt.lu
Buch: "Die Zukunft der Welt..."
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