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Angela Teusner
[SCI] HOFFMANN aus Liegnitz und Sagan/ JÜTTNER und BLÜMEL au s Liegnitz

RE: [SCI] Re: Arbeit auf dem Rittergut (fwd); Ausdrucken

Date: 2001/11/20 01:49:04
From: Angela Teusner <teusner.grafik(a)t-online.de>

Hallo an alle,
es geht um einen gescannten Artikel, der als RGB-Tiff vorliegt.
Man kann solch eine Datei in MS Word einfügen und dann ausdrucken.

Für alle, die an diesem Artikel interessiert sind, habe ich den Text unten
angefügt.
(Wer´s noch "in schön" möchte, also als Word-Dokument mit fetten
Überschriften, möge sich bitte bei mir melden :-) )

Alle anderen mögen bitte einmal diese Textmenge entschuldigen :-)

Angela Teusner, Essen
e-mail teusner.grafik(a)t-online.de
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TEUSNER / TÄUSSNER / THEUSNER etc. im Raum Goldberg - Liegnitz - Jauer
HOFFMANN in und um Liegnitz (Vorrangig Groß- und Altbeckern)

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Hierarchie, Deputate und am Jahresende ein Schwein
Von Gerhard Hofmann


Große Bauerngüter, vor allem Rittergüter, waren wirtschaftlich stabile, gut
durchorganisierte landwirtschaftliche Betriebe, die ihren Beschäftigten wenn
auch geringe so aber feste Einkünfte und damit auch sichere
Lebensbedingungen garantierten.


Oft mietfreies Wohnen statt Geld

Die Vergütung erfolgte nur zum Teil durch Geld, der Rest in freier Wohnung
und vor allem in Deputat und Tantiemen. Diese wurden nach Arbeitsleistung
oder Arbeitsvertrag in festen Sätzen gewährleistet. Meist waren es neben der
mietfreien Wohnung noch Heizmaterial, Kartoffeln, Getreide und für die
meisten Beschäftigten am Ende des Jahres ein Schlachtschwein mit einem
Mindestgewicht von  zweieinhalb Zentnern.

Hatte der Rittergutsarbeiter eine große Familie, konnte es natürlich
vorkommen, daß das Schwein nur über den Winter reichte. Dann mußte im Sommer
vom ,,Eingemachten“ oder vom selbstgefütterten Geflügel gelebt werden. Der
Einkauf beim Fleischer kostete Geld, und das war meist knapp.


Treff im Milchhaus bei der ,,Mamsell“

Jede Familie bekam auch täglich, je nach Stellung und der Anzahl der
Beschäftigten, eine bestimmte Menge Milch frisch von der Kuh. Das Milchhaus
war dann abends Treff der größeren Kinder, die die Milch von der Mamsell
 ausgeschenkt bekamen und im Krug nach Hause trugen. Die Vergütung der
Landarbeiter in Naturalien hatte für beide Seiten, den Gutsbesitzer und auch
den Arbeiter, Vorteile. Der Gutsherr konnte so, seine Agrarprodukte gleich
günstig vermarkten. Kein Zwischenhändler verdiente erst am Weg vom Erzeuger
zum Verbraucher daran. Die Wege zum Verbraucher waren außerdem sehr kurz.

Der Landarbeiter bekam seine Nahrungsmittel frisch vom Feld oder aus dem
Stall ohne Zwischenlagerung, aber auch kontinuierlich! So brauchte keine
Familie zu hungern, wenn zehn oder zwölf Köpfe am Tisch saßen.
Kinderreichtum war vor dem 2. Weltkrieg bei der Landbevölkerung noch sehr
verbreitet, obgleich, es damals noch kein, gestaffeltes staatliches
Kindergeld gab. Außerdem existierte zu dieser Zeit noch keine Pille.

Auf dem Rittergut gab es eine feste Hierarchie. An der Spitze stand der
Baron, der Amtmann oder der Inspektor, der die gesamte Feld- und
Viehwirtschaft leitete. Er war meist landwirtschaftlich ausgebildet und
hatte auch im Gemeinderat und im Dorf neben dem Bürgermeister das große
Sagen.
Ihm zur Seite standen die Eleven oder Verwalter. Sie waren bei allen
Arbeiten auf dem Gut dabei und bestimmten deren Ablauf. Es waren meist junge
Männer, die nach ihrer schulischen Ausbildung auf den Gütern das praktische
Wirtschaften lernten, um dann nach zwei bis drei Jahren an ihre elterlichen
Höfe zurückzukehren oder durch "Einheirat" selbständige Bauern zu werden.

An der nächsten Stelle der Hierarchie standen die festen Angestellten des
Gutes. Sie waren für die einzelnen Bereiche verantwortlich und hatten oft
Helfer - Lehrlinge oder Tagelöhner die ihnen unterstanden. So hatte der
Oberschweizer junge Männer für die schwere Arbeit im Kuhstall, der:
Gutsschmied, Stellmacher oder Gärtner einen Lehrling, der Kutscher einen
Pferdeknecht und die Wirtschaftsleiterin, die für Haushalt, Küche, Garten
und Geflügelhof verantwortlich war, hatte verschiedene Lehrmädchen.

An unterster Stelle standen die Tagelöhner, meist Ehefrauen der Angestellten
oder auch Witwen, die zu den saisonbedingten Arbeiten in der Landwirtschaft
wie Frühjahrsbestellung, Getreideernte und Hackfruchternte gebraucht wurden.
Sie mußten für einen geringen Stundenlohn bei Wind und Wetter die Feldarbeit
verrichten.


Auch im Winter Getreide gedroschen

Oft gingen die Arbeiten, vor allem der Drusch des Getreides, bis in die
Wintermonate, so daß kaum Ruhe auf. dem Gut einkehrte. So entstand aber auch
kein Verdienstausfall für die Tagelöhner. Kurzarbeit und Arbeitslosengeld
waren zu dieser Zeit noch nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Erntefest und Kirmes kleine Höhepunkte

Das Leben auf dem Lande, vor allem das der Arbeiter auf den Gütern. war oft
voller Entbehrungen. Die Arbeit und die Sorge um die Ernährung der Familie
füllten das Leben, besonders das der Frauen, aus. Kleine Höhepunkte waren
das Erntefest und die Kirmes, die von allen Dorfbewohnern gemeinsam im
Dorfkrug oder im Gasthaus zur Linde ausgiebig gefeiert wurde.

--- ENDE ---