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2001/10/28 16:57:38
Klin1u
Re: [SCI] Karf / Karb, Krs. Beuthen
Datum 2001/10/28 17:09:34
Ursula Nordhorn
[SCI] Pastor Gabrys in Skoczów/Skotschau
2001/10/11 08:44:28
Sascha Ziegler
[SCI] www.ortsfamilienbuch.de
Betreff 2001/10/27 21:54:05
Sonja Stankowski
[SCI] ZEIT-Artikel über Pfarrer-Ahnenforscher
2001/10/24 14:59:36
>Gerd Mullenheim<
[SCI] AW: Verzeichnisse der Standesämter
Autor 2001/10/28 17:20:15
>Gerd Mullenheim<
AW: [SCI] um Posen herum FN Posselmann

AW: [SCI] ZEIT-Artikel über Pfarrer-Ahnenforscher

Date: 2001/10/28 16:59:45
From: >Gerd Mullenheim< <muellenh(a)pt.lu>

|
| Liebe Listenteilnehmer,
|
| ich habe einen interessanten Artikel in der aktuellen
| ZEIT gefunden, über einen Pfarrer, der in der Nazizeit
| Kirchenbücher verkartet hat, um "nicht-arische
| Elemente" ausfindig zu machen.
| Wie ich finde, ein sehr lesenswerter und interessanter
| Artikel, gefunden auch in der Online-Ausgabe der ZEIT
| Nr. 44/2001 vom 26.10.2001.
|
| Viele Grüsse
|
| Sonja Stankowski
|
| Der Berliner Pfarrer Karl Themel und sein Beitrag zur
| Judenverfolgung
|
| Von Manfred Gailus
|
| Bis 1933 hatte der aus kleinen Verhältnissen stammende
| Themel eine beeindruckende Karriere durchlaufen:
| humanistisches Gymnasium in Potsdam, Theologiestudium
| (als prägende Lehrer nennt er Adolf Schlatter, Julius
| Kaftan und Adolf von Harnack), Berliner
| Domkandidatenstift, Ordination mit 24 Jahren,
| Feldgeistlicher 1914 bis 1918, seit 1923 in Berlin,
| bald darauf engagierter Sozialpfarrer in der Tradition
| Adolf Stoeckers, um 1930 kirchlicher Experte eines
| kämpferischen sozialen Protestantismus an vorderster
| Front gegen die "Gottlosenbewegungen" der Marxisten,
| Kommunisten, Freidenker. Noch vor 1933 schließt er
| sich der Hitlerbewegung an und beteiligt sich 1932 an
| der Gründung der "Glaubensbewegung Deutsche Christen"
| (DC), die einen völkischen Protestantismus in
| Anlehnung an die Weltanschauung der NSDAP propagiert.
|
| Themels kirchenpolitischer Höhenflug erwies sich als
| nicht von langer Dauer. Als im Herbst 1934 der Versuch
| des Reichsbischofs scheiterte, alle 28 Landeskirchen
| auf den Kurs der Deutschen Christen zu bringen, kamen
| viele seiner engsten Mitstreiter wie Pfarrer Themel in
| Bedrängnis. Er verlor seine Führungspositionen bei der
| Inneren Mission und dem Evangelischen Männerwerk.
| Genau in dieser Situation erkannte der umtriebige,
| vielseitige kirchliche Multifunktionär eine neue
| Karrierechance auf einem ganz anderen Betätigungsfeld
| und bot der Reichsstelle für Sippenforschung (RfS)
| seine Mitarbeit an.
|
| Kaum war er wieder in Amt und Würden, wandelte sich
| auch schon sein Ton gegenüber der Kirchenleitung und
| nahm bisweilen renitente Färbung an, die den alten
| Geist durchscheinen ließ. So distanzierte er sich 1952
| in einem geharnischten Schreiben von der Barmer
| Theologischen Erklärung des Jahres 1934. In ihr sah er
| den Sieg des reformierten Schweizer Theologen Karl
| Barth über die Altpreußische Kirche, die doch im Kern
| stets lutherisch geblieben sei.
|
| Karl Themel, ein verdienter Mann der Kirche.
| _________________________________________________________________

Liebe Frau Stankowski,

leider waren solche kirchlichen Mitarbeiter nicht die Ausnahme. Man
kann grundsätzlich sagen, daß eine Trennung der Pfarrer, Theologen,
Mitarbeiter und Mitglieder der evangelischen Kirche durch die über-
aus mutige Barmer Theologische Erklärung im Jahre 1934 erfolgt ist.
Wer diese Erklärung nicht mitgetragen hat, kann als Nazi betrachtet
werden. In dieser Erklärung wird beispielsweise festgestellt:

"... Wir bekennen uns angesichts der die Kirche verwüstenden und
damit auch die Einheit der Deutschen Evangelischen Kirche sprengen-
den Irrtümer der Deutschen Christen und der gegenwärtigen Reichs-
kirchenregierung zu folgenden evangelischen Wahrheiten:
[...]
Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird,
ist das eine Wort Gottes, das wir hören, dem wir im Leben und im
Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche
als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte
Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahr-
heiten als Gottes Offenbarung anerkennen.
2. 'Jesus Christus ist uns gemacht von Gott, zur Weisheit und zur
Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.' (1.Kor. 1,30.)
Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer
Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger
Anspruch auf unser ganzes Leben; durch ihn widerfährt uns frohe
Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dank-
barem Dienst an seinen Geschöpfen.
[...]
Verbum Dei manet in aeternum."
Ich persönlich bin und bleibe dieser Barmer Erklärung voll und ganz
verpflichtet.

Die "Deutschen Christen" verloren schnell an Prestige. Ihr Anhang
verlief sich bald. Zu wirr war ihre Lehre, zu offenkundig ihre Ab-
hängigkeit von der nationalsozialistischen "Weltanschauung".

Karl Barth (10.5.1886-10.12.1968) hat durch seine dialektische Theo-
logie leider einen weiteren Angriff auf das Christentum vorgenommen.
Adolf Schlatter (16.8.1852-18.5.1938) ist da eher unumstritten.

Die Vertreter der alten liberalen theologischen Schule sind:
Wilhelm Bousset (1865-1920), Heinrich Gunkel (1862-1932),
Karl Gustav Adolf von Harnack (7.5.1851-10.6.1930), Albrecht Ritschl
(25.3.1822-20.3.1889), Albert Schweitzer (14.1.1875-4.9.1965), Ernst
Troeltsch (17.2.1865-1.2.1923), u.a..
Die Vertreter der liberalen-neorationalistischen Theologie sind z.B.:
Karl Barth (10.5.1886-10.12.1968), Günther Bornkamm, Herbert Braun,
Rudolf Bultmann (20.8.1884-30.7.1976), Gerhard Ebeling, Ernst Fuchs,
Friedrich Gogarten (13.1.1887-16.10.1967), Ernst Käsemann, Wilhelm
Marxsen, Manfred Metzger, Jürgen Moltmann (geb. 8.4.1926), Paul Tillich
(20.8.1886-22.10.1965), der anglikanische Bischof John A. T. Robinson
(1919-1983), neuerdings auch Eugen Drewermann (geb. 20.6.1940),
Dorothee Sölle (geb. 30.9.1929), Gerd Lüdemann, u.a..
Alle diese haben mehr oder weniger schwere Irrlehren in der Kirche
verbreitet.

Andere Kirchenvertreter, die später auch eine undurchsichtige Rolle
gespielt haben, sind beispielsweise Leute wie Manfred Stolpe, die in
Ansehen stehen, obwohl sie IM bei der Stasi waren. Es gehört immer
mehr Mut dazu, gegen den Strom zu schwimmen, als sich davon treiben
zu lassen.

Ganz herzliche Grüße aus Luxemburg

Gerd Müllenheim
_______________________________
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