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2001/04/22 16:24:22
ISATTEAM
[SCI] VOL 1 # 498 / Nr. 6 / Schlesische Ausdruecke
Datum 2001/04/22 17:25:03
Andreas Weber
[SCI] Ort Bennisch/ Benisch
2001/04/22 13:22:49
BerndG
Re: [SCI] Literatursuche zu Krieg und Vertreibung
Betreff 2001/04/23 00:27:53
Tschirner
Re: AW: [SCI] Literatursuche zu Krieg und Vertreibung
2001/04/22 16:12:53
>Gerd Mullenheim<
AW: [SCI] Hilfe bei Taufeintrag die Zweite!!!
Autor 2001/04/22 18:34:01
>Gerd Mullenheim<
AW: [SCI] Originalkopien von polnischen Standesaemtern

AW: [SCI] Literatursuche zu Krieg und Vertreibung

Date: 2001/04/22 17:15:07
From: >Gerd Mullenheim< <muellenh(a)pt.lu>

|
| Liebe Forscherinnen und Forscher,
| nachdem ich schon einige Monate an der Schlesienliste mehr passiv
| als aktiv
| teilnehme und schon viel Hilfsbereitschaft in Anspruch nehmen durfte fühle
| ich mich bestärkt, einige Fragen zu Randthemen der Familienforschung zu
| stellen.
|
| 1. Lässt sich der II. Weltkrieg als unausweichliche Folge aus den
| vorhergehenden Ereignissen ableiten (I. Weltkrieg, Volksabstimmung in
| Oberschlesien, wirtschaftliche Not)?
|
| 5. Wo kann man offizielle Befehle im Zusammenhang mit der Vertreibung
| nachlesen?
|
| Jetzt sind meine Notizen doch etwas umfangreich geraten. Es ist ein Teil
| dessen, was ich von den beteiligten Personen erfahren konnte. Nun
| interessiert mich, ob es Berichte oder Literatur zu diesen und ähnlichen
| Vorfällen gibt.
|
| Trotz dieser schweren Kost wünsche ich allen einen schönen Sonntag.
|
| Gruß, Gerhard Becker
| Markt Indersdorf
| __________________________________________________________________

Lieber Herr Becker,

zu dem Punkt 1. möchte ich Ihnen mein Buch empfehlen. In Kapitel 6
heißt es dazu beispielsweise:

Die im Ersten Weltkrieg besiegten oder bei der Friedensregelung
benachteiligten Großmächte Deutschland, Italien und Japan strebten
verstärkt eine Revision der Ordnung von 1919/20 an. In Deutschland
war seinerzeit der allgemein als äußerst ungerecht empfundene
Friedensvertrag von Versailles nur unter der Drohung des alliierten
Einmarsches angenommen worden und bewirkte daher keinen Frieden.
Die bald darauf folgende Weltwirtschaftskrise (von 1929 bis 1933)
ließ dann die Schwächen der alliierten Mächte U.S.A., Großbritannien
und Frankreich bereits offenkundig werden und führte deshalb besonders
wegen der damit verbundenen hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland
daraufhin sofort zur Machtübernahme der Nationalsozialisten. Deren
Führer Adolf Hitler beabsichtigte sodann ohne Verzögerung die
schrittweise Ausweitung des geplanten Großdeutschen Reiches,
gegebenenfalls auch durch militärische Angriffe. Ziel war zunächst
die Schaffung von Lebensraum im Osten und dessen umgehende
„Germanisierung“ mit allen Mitteln.

So war der Boden bereitet für einen weiteren Krieg, der durch
Kampfhandlungen gegenüber Polen am 1. September 1939 um 5.45 Uhr
begann. Der Zündstoff dazu war schon durch die erwiesenermaßen
unehrliche Friedensvereinbarung vorgegeben, welche die Kriegsschuld
allein Deutschland zuschrieb. Dies diente zudem als Begründung
für die maßlosen und teilweise unerfüllbaren Forderungen der
Alliierten, die allseits große Erbitterung auslösten. Aus diesem
Grunde kann so auch der Zweite Weltkrieg als eine direkte Folge
des Ersten Weltkrieges betrachtet werden. Daran besteht allerdings
kein Zweifel, wenn man die biblischen Zusammenhänge kennt.

Zu Punkt 5:
Der erste Vertreibungsbefehl, lange vor den Konferenzen der
Siegermächte in Teheran (Dezember 1943), Jalta (Februar 1945)
und Potsdam (Juli/August 1945) lautete:
Befehl des polnischen Ministerpräsidenten General Sikorski in
London an General Anders, Befehlshaber der polnischen Ost-Armee,
unter Generalissimus Stalins Oberbefehl, vom 1. Mai 1942:
"Vorrang hat, daß die polnischen Streitkräfte der Heimatarmee
durch Ausrüstung mit neuesten Waffen in die Lage versetzt werden,
Ostpreußen, Danzig und den deutschen Teil Oberschlesiens unter
Austreibung der Deutschen aus diesen Provinzen auf wirksamste
Weise zu erorbern. In diesem geschichtlich entscheidenden
Augenblick werden nur vollendete Tatsachen zählen."

Sikorskis Austreibungsbefehl vom 1. Mai 1942 ist veröffentlicht
in der Reihe "Polish-Soviet Relations 1939-1945", Bd.I, London
1961, S. 344 ff, herausgegeben vom General-Sikorski-Institut in
London. Dem Befehl vorausgegangen waren der Polnisch-Sowjetische
Bündnispakt vom 30. Juli 1941 und die Sikorski-Stalin-Geheimver-
handlungen im Dezember 1941. Vgl. Kurt Rabl, Das Recht auf die
Heimat, Bd. 5, München 1965, S. 322; Heinz Günther Sasse, Der
heutige Stand der Interpretation der Oder-Neiße-Frage nach dem
Potsdamer Abkommen, Würzburg 1965, S. 21.

Ganz herzliche Grüße aus Luxemburg

Gerd Müllenheim
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