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2001/01/30 10:53:13
Wolfgang Gumnior
[SCI] Standesamt I
Datum 2001/01/30 13:01:35
Doris Baumert
Re: [SCI] Personensuche
2001/01/24 17:10:47
timmerhoff
[SCI] Re: Wystrach
Betreff 2001/01/15 21:47:49
John Zimmerman
[SCI] Zimmermann Prang in Breslau
2001/01/22 19:23:01
CLSchwarzer
[SCI] Re: SPERLING, Schlesien
Autor 2001/01/31 10:56:29
CLSchwarzer
[SCI] Bad Muender Adresse verloren

[SCI] Zeitungsforschung

Date: 2001/01/30 11:10:22
From: CLSchwarzer <CLSchwarzer(a)t-online.de>

Liebe Martina,

MartBalzer(a)aol.com schrieb:

> Hallo Christian,
>
> Du hast mal in der Schlesien Liste etwas über Breslauer Zeitungen 
> geschrieben. Leider hatte ich in den letzten Monaten keine Zeit für die 
> Ahnenforschung. Nun möchte ich jedoch wieder aktiv werden, denn ich möchte 
> etwas über meine Oma herausfinden von der wir nur den Namen und das 
> Geburtsdatum wissen. 
>
> Meine Frage: Welche Tageszeitungen von Breslau gab es? 

Standesamtiche Einträge wurden aus Breslau veröffentlicht in der "Schlesischen 
Zeitung". Daraus habe ich in den vergangenen Monaten die Jahrgänge 1894, 1895, 
1896, 1897, 1910 teilweise, 1911 und 1912 herauskopiert. Meine eigenen 
Auswertung (auch für einige andere Namen) ist weitgehend abgeschlossen, ich 
werde aber ggf. weitere Jahrgänge heraussuchen.

Daneben gab es die 

Allgemeinde Oder Zeitung
Breslauer Anzeiger
Breslauer General-Anzeiger
Breslauer Gerichtszeitung
Breslauer Handelsblatt
Breslauer jüdische Zeitung
Neue Breslauer Zeitung
Schlesische Provinzialblätter

und eine Reihe anderer Zeitungen, deren Verfilmung nachzulesen ist in

MIKROFILMARCHIV der deutschsprachigen Presse e.V., 10. 
Bestandvsverzeichnis, Vistas Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-89158-189-0


> Wo sind sie archiviert? In welchen stehen standesamtl. Nachrichten? 

Ob eine Veröffentlichung der standesamtlichen Mitteilungen auch in den anderen 
Zeitungen stattfand, kann ich nicht sagen, würde mich aber auch interessieren.

Es gibt folgende 4 Forschungsstellen, die unterschiedliche Bestände 
der Schlesischen Zeitung haben

1. Zentrale Wissenschaftliche Einrichtung "Deutsche Presseforschung" 
   an der Universitätsbibliothek Bremen (4. Stock).
   Diese Einrichtung erforscht die Geschichte der deutschsprachigen Presse
   von den Anfängen im 16. Jahrhundert bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts
   und verfügt über das wohl umfangreichste Mikrofilmarchiv deutsch-
   sprachiger Zeitungen und Zeitschriften des 17. und 18. Jahr-
   hunderts.

   <http://alf.zfn.uni-bremen.de/~pressfor/>

2. Institut für Zeitungsforschung der Stadt Dortmund. 
   Das Institut betreibt eine überregionale Quellensammlung für 
   die Presseforschung mit dem Schwerpunkt Tagespresse. 

   <http://www.zeitungsforschung.de>

3. Auf jeden Fall kannst Du Zeitungen aus Breslau aus dieser Zeit in der
   Universitätsbibliothek in Breslau selber einsehen (Reise dahin ist gar
   nicht kompliziert, Personal soll sehr hilfsbereit sein). Breslauer Zeitungen
   sind dort im Gegensatz zu anderen Kreiszeitungen verfilmt! Es ist möglich
   vor Ort oder über die Auslandfernleihe diese Filme zu erhalten. Dauert zwar
   aber einige Monate.

4. Die Staatsbibliothek Berlin, Zeitungsabteilung in der Westhafenstrasse (1?)
   hat lückenhafte Bestände, aber nur im Original, welche bei der Suche
   mehr Zeit erfordert und nur umständlich zu kopieren ist (wenn überhaupt)  

> Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Hast Du noch andere Tipps, wie ich 
weiterkommen kann? 
>

Die Standesamtlichen Mitteilungen erschienen in den von mir 
durchgesehenen Jahren 1894-1897 täglich, d.h. waren i.d.R. vom Vortrag der 
Zeitungsausgabe. 

Veröffentlicht wurden NUR Todesfälle und AUFGEBOTE, d.h. nicht die 
Eheschließung. Anhand von zwei Eheschließungen, deren Urkunden mir vorliegen, 
war die Veröffentlichung des Aufgebotes 24-38 Tage vor der Eheschließung. Hier 
gibt Dir die Zeitung also nicht das exakte Datum der Trauung, belegt lediglich 
das Aufgebot und schränkt die Suche in den im Staatsarchiv in Wroclaw 
archivierten standesamtlichen Büchern stark ein (alle Standesamtlichen Bücher 
älter als 100 Jahre lagern im Staatsarchiv).

Wenn man keine Daten hat sind alle Informationen wichtig. So kann man den
Mitteilungen entnehmen:

Aufgebote:  Standesamt, Beruf, Name, Konfession, Adresse oder Ort der Herkunft
            für beide Eheleute. 
Todesfälle: Standesmat, Name, Stand (i.d.R. Beruf, bei Witwen häufig
            den Beruf des verstorbenen Ehemannes), Alter.

Die Information des Standesamtes ist wichtig für die Suche in den 
standesamtlichen Büchern im Staatsarchiv Wroclaw. Neu nach Breslau Zugezogene 
wohnten zwar häufig schon irgendwo, waren aber noch nicht als eigenen 
Haushaltsvorstand im Adressbuch verzeichnet.

Ich habe mir so eine Anzahl von Einträgen herausgesucht und die dazugehörigen 
Urkunden im nächsten Schritt in Wroclaw kopiert. 

1910-1912 waren die Veröffentlichungen unregelmäßig, ich habe den Eindruck, sie 
erschienen immer, wenn eine bestimmte Anzahl von Meldungen erreicht war. Da die 
Standesämter (I bis IV in Breslau) aber unterschiedlich grosse Einzugsbereiche 
hatten, erschienen die Mitteilungen in unterschiedlich grossen Abständen. Den 
Zeitverzug von Tod und Veröffentlichung des Todes muß Du individuell in Deiner 
Zeitung ermitteln. Nimm eine Todesanzeige der Familienangehörigen irgend eines 
bekannten Zeitgenossen von damals, die in der Regel ein paar Tage später 
erschien und suche die Veröffentlichung dieses Zeitgenossen in den nächsten 
Standesamtlichen Nachrichten.

In den Jahren 1914-1915 wurden keine standesamtlichen Mitteilungen mehr 
veröffentlicht, dafür VERLUSTLISTEN der Armee, gegliedert nach 
Regionen, also Schlesische Verlustliste, Sächsische etc. und Truppenteilen. 
Darin aufgefüht sind neben Todesfällen auch Verwundungen. Da es vom ersten 
Weltkrieg so gut wie keine Unterlagen mehr gibt, könnte dies eine aufwendige, 
aber ergiebige Quelle bei der Spurensuche nach Verbleib in bestimmten 
Truppenteilen sein. So habe ich als einzigen Hinweis, dass mein Urgroßvater ab 
ca. 1916 Maultierführer in einer Gebirgsjägereinheit im Raum Sarajewo/Skopje 
war. Aber der Weg ist aufwendig, da die Verlustlisten lang sind (!).

Mit den besten Grüßen aus Hameln

Christian Schwarzer

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